1

„Ich bin überzeugt davon, dass die Gastronomie kein Corona-Verteiler ist“

„Ich finde es übertrieben, dass die komplette Gastronomie schließen muss“, sagt Tobias Stuber aus Künzelsau. Er sitzt am vergangenen Freitagabend in der „Emma“ in Künzelsau. „Ich möchte der Gastro noch einmal etwas Gutes tun, bevor am 02. November 2020 alles dicht gemacht wird. Die Schließungen stoßen bei mir auf Unverständnis.“

„Das Gesundheitsamt hat sich noch kein einziges Mal bei uns gemeldet“

Diese Einschätzung teilt auch die achtzehnjährige Nathalie Riegel: „Ich finde die Schließungen ganz schlimm, besonders für die Gastronomen. Ich bin überzeugt davon, dass die Gastronomie kein Corona-Verteiler ist.“ Das kann Daniel Brunner, Inhaber des Bistros Emma und der Pizza-Manufaktur Zum Glück in Künzelsau bestätigen: „Seit einem halben Jahr praktizieren wir jetzt die Kontaktnachverfolgung. Das Gesundheitsamt hat sich noch kein einziges Mal bei uns gemeldet, um uns einen Fall zu melden. Auch von Kollegen habe ich noch nichts Ähnliches gehört.“

Für Gastronomen und Hotelgewerbe existenzbedrohend

„Das ganze Thema ist für uns Gastronomen und für das Hotelgewerbe existenzbedrohend“, erklärt der zweifache Vater weiter. „Es geht ja nicht nur um den einen Monat. Es geht auch darum, dass es die ganze Zeit über Menschen gibt, die Angst haben und nicht mehr ausgehen. Unsere Besucherzahlen haben sich generell verringert.“

„Was wird außerdem nach Weihnachten und Silvester sein?“

„Wir bekommen staatliche Hilfen für den Monat“, erläutert Brunner. „Das sind bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November des Vorjahres, abzüglich des Kurzarbeitergeldes und der Hilfen, die man bisher in Anspruch genommen hat. Das ist besser als nichts. Das Problem ist aber, dass die Folgen des Lockdowns sich weit über den November hinaus erstrecken werden. Was wird außerdem nach Weihnachten und Silvester sein? Was ist, wenn die Zahlen wieder ansteigen? Ich wünsche mir von den Politikern, dass sie mit gesundem Menschenverstand abwägen, was wirklich notwendig ist. Einen Lockdown-Marathon können wir sicherlich nicht überstehen. Das wäre auch verheerend für die ganze Gesellschaft. Unser Zusammenleben definiert sich doch auch über Kontakte, Ausgehen, zusammen Spaß haben… “ Doch der 40-Jährige bleibt hoffnungsvoll: „Ich bin überzeugt davon, dass wir eines Tages wieder zum Normalzustand zurückkehren werden. Ich hoffe es! Besonders für die Kinder.“

„Man kann doch nicht wahllos Lockdowns verhängen“

Auch Sabrina Binder und Bianca Rothacker fordern, für die Gastronomie einzustehen. Rothacker fragt: „Für was haben wir denn die ganzen Hygienevorschriften? Jeder hält sich daran. Alle Betriebe haben investiert und umgerüstet. Es war doch von vornherein klar, dass im Herbst die Zahlen wieder ansteigen. Deshalb sind die Schließungen für mich sehr, sehr unverständlich. Man kann doch nicht wahllos Lockdowns verhängen.“

Text und Video: Priscilla Dekorsi

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau kurz vor dem Lockdown ab dem 02. November 2020. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Wir bereiten uns jetzt mit Gebäck und Brot vor“

Wird der Simon-Judä-Markt die letzte große Veranstaltung in diesem Jahr für Künzelsau gewesen sein? Die Kreisstadt des Hohenlohekreises hat im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden, den Krämermarkt am 28. Oktober 2020 veranstaltet, trotz des anstehenden Teil-Lockdowns am Montag, den 02. November 2020 – aber mit strengeren Abstandsregeln zwischen den Ständen und Maskenpflicht auf der Hauptstraße. GSCHWÄTZ-Video-Reporter Dr. Felix Kribus hat mit Marktbeschickern gesprochen, die um ihre Existenz bangen und mit Besuchern, die versuchen, vernünftig und gelassen der neuen Coronawelt zu begegnen – mit Maske selbstverständlich.

„Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft“

„Es ist ja alles eingeschränkt, wir können nicht mehr so oft auf Märkte, weil die Märkte alle abgesagt werden. Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft. Bereiten wir uns jetzt mit Gebäck und Brot vor und dann wird es kurzfristig abgesagt, das ist ein Verlustgeschäft für uns.“ So klagt Gunda Horn, Markthändlerin aus Creglingen und Dauergast auf den Märkten der Region. Sie ist als Direktvermarkterin darauf angewiesen, zu ihren Kunden zu kommen, da sie sie sonst nicht erreicht. „Hier in Künzelsau haben wir nette Kundschaft, da freuen wir uns immer, wenn wir sie sehen.“

„Es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle“

Ihre Kunden schätzen die Qualität und wissen gerne, wo die Ware herkommt, dann kaufen sie auch gerne, gerade zu Coronazeiten: „Wo das Produkt herkommt, wo es hergestellt worden ist, wie es hergestellt wird und durch wie viele Instanzen es durchgeht. Wir sind Direktvermarkter, also direkt vom Erzeuger zum Kunden“, sagt sie. Ob sie sich für die Zukunft etwas wünscht, einen Impfstoff etwa? „Ja, wünschen kann man sich viel, aber es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle.“

„Der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand“

Die Marktbesucher sind diszipliniert und tragen Maske. Tanja aus Künzelsau meint: „Ich weiß, dass Viren durch die Masken durchkommen, aber wenn man mal richtig kräftig husten oder niesen würde oder eine sehr feuchte Aussprache hätte, ich denke da schützen die Masken schon.  Aber der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand.“

Julia aus Künzelsau fühlt sich durch die Maske nicht sehr beeinträchtigt: „Deshalb finde ich es auch richtig so, dass die Maßnahmen getroffen werden. Die Sicherheit geht ja immer noch vor und es sind ja viele Menschen auf dem Markt. Von daher finde ich es schon gerechtfertigt.“

„Ja, was sag ich zu dem?“

Was würde Rosemarie aus Künzelsau einem Maskengegner sagen, der behaupten würde, dass Masken zu allen möglichen Atemwegserkrankungen führe und gar nicht vor Corona schütze? „Ja was sag ich zu dem? Das glaub ich nicht ganz, das schützt schon gegen die Viren.“ Auch Tanja hält den Virus für existent: „Diese Vorurteile hab ich nicht.“

„In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen.“

Auch Julia ist überzeugt: „In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen. Die Fakten sprechen ja auf jeden Fall dagegen.“ Sie ist zum ersten Mal auf dem Simon-Judä-Markt, hat demnach keinen Vergleich zu früher. „Mich stört das mit der Maske nicht. Ich finde es trotzdem schön, dass man die Möglichkeit hat, den Markt zu machen.“

Raus aus dem Gedränge

Tanja hält sich aus dem gröbsten Gedränge heraus: „Ich gehe immer so an der Seite, damit ich ohne Maske laufen kann.“ Ein richtiger Stammkunde ist sie nicht, aber „Ich gehe da vorbei, denn ich suche das Bunzlauer Porzellan.“

Rosemarie fühlt sich sicher, auch wenn sie Vorsicht walten lässt: „Ich pass schon ein bissle auf und halte Abstand. Ich trage halt die Maske und schau zu, dass die anderen auch eine tragen.“

„Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll“

Weniger sicher ist sich Sabrina aus Gaisbach: „Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll. Die einen sagen so, dann wird wieder die Wirtschaft zugemacht, es ist wirklich sehr schwierig.“ Ist Corona für sie eine reale Bedrohung oder eher eine Verschwörung? „Irgendwo dazwischen, ich weiß jetzt nicht genau, was ich glauben soll. Die goldene Mitte.“

„So kann das nicht weitergehen“

Sehr wenige Besucher und Kunden sind gekommen, findet Melanie Melber-Scholz, Markthändlerin aus Abtsgmünd: „Der Umsatz ist eigentlich okay für die Besucher, die heute da waren …“ Sie wünscht sich die alten Zeiten wieder zurück: „Das wollen und wünschen wir uns eigentlich alle. Es ist ein Wunsch, die Realität ist schwierig. Man rechnet ja mit 2 Jahren und das ist nicht real für uns. So kann das nicht weitergehen.“ Existenzprobleme sieht sie auf sich zukommen, aber sie hängt auch an ihrem Beruf: „Ganz aufhören will man es eigentlich nicht“.

„Wir dürfen nicht arbeiten. Unsere Lebensgrundlage ist weg“

Ganze sieben Tischdecken hat Mehmet, ein Markthändler aus Balingen, bisher verkauft. „Zu wenig“, etwa 30 müsste er verkaufen, um mit Gewinn nach Hause zu fahren, sagt er: „Spritgeld, Standgeld, die Ware ist nicht bezahlt und mein Lohn ist auch nicht bezahlt“. Sehr negativ habe Corona seine Existenz als Marktbeschicker beeinflusst: „Die Wirkung ist schon da. Sie sehen es ja: Die Zahl der Besucher ist nicht so wie üblich, es sind eher weniger Leute und wirkt sich dann halt aus.“

„Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann“

„Wir dürfen nicht arbeiten“, meint er: „Die Märkte sind alle abgesagt, die Städte verbieten, dass größere Veranstaltung stattfinden. Unsere Lebensgrundlage ist weg.“ Und was machen Sie jetzt? „Ich weiß nicht. Ich hab noch ein paar Groschen auf der hohen Kante gehabt, die sind fast zur Neige. Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann.“

Für Euch vor Ort | GSCHWÄTZ – Das Magazin | Wir lieben unser Ländle | www.gschwaetz.de

Video: Dr. Felix Kribus

Transkript: Matthias Lauterer

Marktbeschicker bangen um ihre Existenz. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Wichtig ist auch, dass jede Person, die einen Termin hat, sich bei der Einfahrt ausweist“

Bereits ab dem 16. März 2020 war in Belzhag eine zentrale Abstrichstelle in Betrieb. Ab 16. Mai 2020 wurde diese in den Standby-Betrieb gesetzt, die Abstriche erfolgten seitdem ausschließlich in den Praxen der niedergelassenen Ärzte. Der Hohenlohekreis und die Kassenärztliche Vereinigung teilen mit, dass die zentrale Abstrichstelle in Belzhag ihren Betrieb ab dem 2. November 2020 wieder aufnimmt.  

Niedergelassene Ärzte führen Abstriche durch 

Die Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) betreibt die Abstrichstelle, die Abstriche werden durch die niedergelassenen Ärzte im Kreis durchgeführt. Das Landratsamt Hohenlohekreis unterstützt auf Anforderung der KV den Betrieb der Abstrichstelle.

Unterstützung durch Technisches Hilfswerk 

Das THW Pfedelbach habe die technischen Voraussetzungen geschaffen, die Gebäude reaktiviert und Umkleide- und Sozialräume sowie Sanitäranlagen für die Mitarbeiter vor Ort erstellt. „Wir danken dem THW für die Unterstützung beim Einrichten der Abstrichstelle“, so Dr. Susanne Bublitz, Sprecherin der Ärzteschaft Öhringen.

Kapazität: Laut Landratsamt zirka 80 – 120 Abstriche pro Werktag

Laut KVBW wird die Abstrichstelle werktags von 9.00 bis 12.00 Uhr in Betrieb sein, pro Stunde können in etwa 20 bis 30 Abstriche genommen werden. Es können sowohl von asymptomatischen Personen Abstriche genommen (beispielsweise von Kontaktpersonen oder Reiserückkehrern), als auch symptomatische Patienten mit leichten Symptomen getestet werden. Die Testung erfolgt aus dem Auto heraus (Drive-in-Abstrichstelle), Patienten müssen den Wagen für den Test nicht verlassen. Wie GSCHWÄTZ auf Nachfrage erfuhr, werden PCR-Tests durchgeführt, das Testergebnis wird den getesteten Personen also nicht direkt an der Abstrichstelle mitgeteilt.

Nur nach Anmeldung über die Hausarztpraxis – Ausweis nicht vergessen

Eine Anmeldung über die Hausarztpraxis sei, so die Information der KVBW, zwingend notwendig – ohne einen Hausarztkontakt erfolgt kein Zugang zur Abstrichstelle. „Wichtig ist auch, dass jede Person, die einen Termin hat, sich bei der Einfahrt ausweist“, ergänzt Dr. Bublitz.

Sperrung der Orsdurchfahrt Belzhag

Wie im Frühjahr wird auch jetzt die Ortsdurchfahrt Belzhag ab Montag, 2. November 2020 während der Betriebszeiten der
Abstrichstelle gesperrt. Die Zufahrt zur Abstrichstelle erfolgt nur aus Richtung Hohebuch von der L 1036 über die Kupferzeller Straße, an der Abstrichstelle wird der Verkehr über eine Einbahnregelung geleitet.

Weg zur Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Corona: Hohenlohekreis durchbricht fast die 100er Inzidenz-Marke

An diesem Wochenende hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 38 neue Corona-Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet, 26 davon am Samstag. Die 7-Tages-Inzidenz liegt damit am Sonntag, den 01. November 2020, bei 96,8, am Samstag war sie durch die hohe Fallzahl bereits auf 88,8 pro 100.000 Einwohner gestiegen.

Durch einen Fall in einem Pflegeheim musste dort für 19 Personen die Quarantäne angeordnet werden, zudem ist eine Anschlussunterbringung für Flüchtlinge betroffen. Hier lief am Sonntagabend noch die Kontaktpersonenermittlung.

Das Landratsamt Hohenlohekreis appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, die eine Quarantäneverfügung erhalten, dass diese Auflagen im Interesse aller streng eingehalten werden, da sonst die Infektionsketten nicht sicher unterbrochen werden können. Bei Verstößen drohen Bußgelder.

Außerdem weist die Kreisverwaltung auf die Neuregelungen hin, die ab Montag, 2. November, in Kraft treten. Eine Zusammenfassung gibt es auf der Seite des Landes Baden-Württemberg www.baden-wuerttemberg.de.




Dornröschenschlaf für Deutschland

Ab Montag, den 02. November 2020, sinkt Deutschland für einen Monat in einen Dornröschenschlaf. So zumindest will es die Bundesregierung, die versucht, mit diversen Maßnahmen (wir berichteten https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/201028_Corona_Massnahmen_A4_lang_V3.pdf), den steigenden Coronazahlen Herr zu werden (aktuelle Zahlen für den Hohenlohekreis gibt es hier: https://www.corona-im-hok.de/). Kurz – und vielleicht auch etwas überspitzt – gesagt: Alles, was Spaß macht, ist ab Montag wieder weitestgehend verboten beziehungsweise es wird einem davon abgeraten, wie etwa Freunde und Familie zu treffen, Sport in einem Verein zu machen, ins Theater oder ins Kino zu gehen, auch Schwimmbäder müssen schließen, ebenso wie Restaurants und Kneipen. Dadurch sollen die Coronazahlen wieder sinken.

Erkältungszeit und schon gehen die Coronazahlen wieder hoch – das ist wenig überraschend

Das Paradox: Dass die Zahlen wieder steigen, liegt weniger an Hotspots, die in Restaurants oder Kinos entstanden sind. Diese haben in der Regel vorbildlich versucht, die zahlreichen Hygienevorschriften bestmöglich umzusetzen. So stand etwa am Eingang der Therme in Sinsheim ein Körpertemperaturscanner. Die Kinobesucher hielten Abstand zu anderen Besuchern, fast überall gab es die Möglichkeit von Onlinereservierungen wegen eines reduzierten Platzangebots aufgrund der Abstandsregelungen. Die steigenden Coronazahlen rühren vielmehr auch von der kälteren Jahreszeit, die Erkältungen sowie grippale Infekte befördern. Diese wiederum bringen Coronasymptome als Begleiterscheinung mit, ergo lassen sich wieder mehr Menschen auf Corona testen, was wiederum dazu führt, dass bei mehr Menschen Corona festgestellt wird, die sich ohne derartige Symptome vermutlich gar nicht hätten testen lassen. Des Weiteren ist ein schwächelndes Immunsystem etwa in einer kälteren Jahreszeit anfälliger für Coronaviren.

Was bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches?

Die Gesundheitsämter auch im Hohenlohekreis haben ihre Personalkapazität mithilfe der Bundeswehr aufgestockt  (wir berichteten). Das Ziel: Schneller Hotspots entdecken und die Menschen benachrichtigen, die Kontaktpersonen von Coronaerkrankten sind, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Was aber bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches im November? Nicht viel, warnen doch Ärzte und Wissenschaftler eher davor, dass psychische Krankheiten und Angstzustände seit Corona sowieso schon zunehmen und Lockdowns die Situation verschärfen. Denn: Sport und Spaß sind eigentlich gute Heilsbringer für ein starkes Immunsystem. Nun kann man noch diszipliniert alleine im Wald joggen gehen, aber das soziale Miteinander fehlt irgendwann dann doch. Die Vereinsamung unter der Maske droht – gerade in Stimmungstief-Zeiten wie dem Herbst. Da hilft dann auch nicht die Aussicht auf Weihnachten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel postuliert, weil jeder weiß: Auch an Weihnachten wird nichts normal sein. Die Maske wird uns noch lange begleiten.

Auch an Weihnachten wird nichts normal sein

Zum einen werden also nun entgegen der Meinung von diversen angesehen Wissenschaftler und Ärzte (wir berichteten) Freizeitaktivitäten auf ein Minimum reduziert. Zum anderen soll aber das Volk weiterhin arbeiten – bestenfalls im staatlich empfohlenen home office. Nur: Auch Büroarbeit klappt langfristig häufig besser von Angesicht zu Angesicht, insbesondere wenn man komplexere Sachverhalte gemeinsam anschauen muss. Abgesehen davon können Krankenschwestern, Pfleger, Kassierer, Ärzte und Müllarbeiter auch nicht einfach ins home office verschwinden. Sie sollen angesichts steigender Zahlen weiterhin arbeiten, aber der Freizeitausgleich wird ihnen gestrichen. Psychologisch gesehen setzt das Menschen noch mehr unter Druck – und Aggressionen und Gewalt können daraus entstehen. Auch Polizisten bekamen dies zu spüren, unter anderem unlängst in Frankfurt https://www.hessenschau.de/panorama/mit-steinen-flaschen-pfefferspray-jugendliche-attackieren-polizisten-in-frankfurt-,angriff-polizeistreife-100.html

Die Polizei – dein Freund oder Feind?

Andererseits denken führende Politiker laut darüber nach, die Kompetenzen der Polizei zu erweitern. So ruderte unlängst der SPD-Politiker Karl-Lauterbach nach heftiger Kritik unlängst wieder zurück, nachdem er angesichts der drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen zuvor Kontrollen in privaten Räumen gefordert hat. „Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein“, sagte Lauterbach der  Rheinischen Post. „Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können.“ https://www.hna.de/politik/corona-zahlen-news-lauterbach-kontrollen-polizei-privatwohnungen-coronavirus-merkel-kassel-hna-90083279.html

Es haben sich zwei Lager gebildet

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, dass man Maßnahmen, die tief in die deutschen Grundrechte eingreifen, kritisch hinterfragt oder auch demonstriert. Das fordert schon die deutsche Geschichte von uns ein. Aber bei Gewalt hört das Verständnis auf. Auch wir merken anhand der Kommentare, die uns täglich erreichen zu diesem Thema, dass sich zwei Lager gebildet haben – die Menschen, die den Kurs der Regierung befürworten und alle Maßnahmen bestmöglich versuchen umzusetzen und diejenigen, die die Maßnahmen kritisch sehen oder gänzlich ablehnen. Zusätzlich gibt es diejenigen, die Covid-19 gänzlich in Frage stellen.

Was ist richtig, was ist falsch?

Was ist richtig, was ist falsch? Das wird sich erst rückblickend in einigen Jahren sagen lassen. Aber was jetzt wichtig ist: Dass wir einen offenen Diskurs zulassen über diese Pandemie und die Maßnahmen, mit der wir ihr begegnen. Dass wir uns trauen, unsere Meinung zu sagen, wohlwissend, dass die durch ständig neue Erkenntnisse diese nicht in Stein gemeißelt werden kann. Dass wir immer im Diskurs bleiben mit anderen, die nicht dieselbe Meinung haben wie wir. Durch den Dialog können wir vielleicht dafür sorgen, dass sorgen wir dafür der Riss, der sich allmählich durch alle gesellschaftliche Schichten zieht, nicht noch tiefer wird und eine endgültige Spaltung verursacht. Amerika dient hier als eine nicht zu unterschätzende Blaupause.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Corona: Bundeswehr unterstützt Landratsamt in Künzelsau

Seit Mittwoch, den 28. Oktober 2020, erhält der Hohenlohekreis in der Corona-Pandemie Unterstützung von der Bundeswehr. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor. Zehn Soldaten vom Logistikbataillon 461 aus Walldürn im Odenwald verstärken die Fallermittler des Landratsamtes Hohenlohekreis bei der Kontaktpersonennachverfolgung. Dies bedeutet insbesondere an den Wochenenden, aber auch unter der Woche, eine Entlastung für die Mitarbeiter des Landratsamtes, die bereits seit Anfang März die wichtige Aufgabe der Nachverfolgung übernehmen.

Landratsamtmitarbeiter sollen entlastet werden

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass die Unterstützung durch die Bundeswehr zeitnah realisiert werden konnte. Die Arbeit der Fallermittler ist immens wichtig, aber auch teilweise sehr aufwändig. Die Situation ist im Vergleich zum Frühjahr verschärft, da auch die Verwaltung weiterhin unter Vollbetrieb arbeitet“, erklärte Landrat Dr. Matthias Neth, als er die Soldaten im ehemaligen Krankenhausgebäude in Künzelsau begrüßte.

Begrüßung im ehemaligen Krankenhausgebäude

Für Major Christian Schmidt, Kompaniechef vom Logistikbataillon 461 in Walldürn, ist der Einsatz ein soldatisches Selbstverständnis: „Wir freuen uns, den Hohenlohekreis bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe im Rahmen der Amtshilfe nach Artikel 35 des Grundgesetzes („Alle Behörden des Bundes und der Länder leisten sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe. In Absatz 2 und 3 werden spezielle Formen der Amtshilfe im Falle einer Naturkatastrophe oder in einem besonders schweren Unglücksfall geregelt“ unterstützen zu können. Mit der hohen Motivation der Soldaten werden wir dem Hohenlohekreis bestmöglich zur Seite stehen.“

2-Schichtbetrieb

Rund 35 Mitarbeiter sind derzeit allein im Fachdienst Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt tätig. „Gerade jetzt, wenn die Fallzahlen steigen, steigt auch das Arbeitsaufkommen im Bereich der Kontaktpersonennachverfolgung stark an. Je schneller Kontakte ermittelt und in Quarantäne versetzt werden können, umso besser sind die Chancen, die Infektionsketten zu unterbrechen“, ist Dr. Susanne Gebert, Fachdienstleiterin Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt, ebenfalls dankbar über den Personalzuwachs. Die Dauer der Unterstützung ist zunächst bis Anfang Dezember geplant, kann bei Bedarf aber verlängert werden. Wie die Fallermittler auch sind die Soldaten am Wochenende im Einsatz und arbeiten werktags im 2-Schicht-Betrieb.

 




Was ist an diesem Lockdown denn light?

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Erinnern Sie sich an diesen Satz? Bestimmt. Nur wer hat ihn gesagt? Nein, es war nicht der DDR-Regierungschef Erich Honecker, sondern es war Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrates der DDR. Nur wenige Wochen nach seinem historischen Satz wird die Mauer gebaut, die West- und Ostdeutschland für die folgenden 28 Jahre trennt. Natürlich kann man die Coronakrise nicht mit der Teilung von Ost und West vergleichen. Aber dennoch bringen sich Politiker auch heute wieder in eine ähnliche Lage wie Walter Ulbricht. Nach dem ersten Lockdown sollte es nach Ansicht diverser Politiker keinen zweiten geben. Nun also doch. Und zwar schneller als gedacht.

Lockdown light, aber was genau ist daran light?

Am Mittwoch, den 28. Oktober 2020, beschloss die Bundesregierung in Absprache mit den Länderchefs ein Maßnahmenpaket, dass es in sich hat und auch nicht erst wie ursprünglich geplant, ab Mittwoch, den 04. November 2020, gelten soll, sondern bereits ab Montag, den 02. November 2020. Der wesentliche Unterschied zu dem ersten Lockdown im Frühjahr: Die Schulen, Kitas, Frisöre und die kleinen Geschäfte sollen (vorerst) weiterhin geöffnet bleiben. Hier die wichtigsten Einschränkungen für den Monat November 2020 https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/weitere-massnahmen-zur-einschraenkung-der-corona-pandemie/

siehe auch Grafik unten):

  • keine Reisen mehr, auch nicht zu Verwandten
  • Kontakte sollten generell auf ein Minimum reduziert werden
  • Im öffentlichen Raum dürfen sich nur noch Personen aus zwei Haushalten treffen, höchstens aber zehn Personen
  • Private Feiern sind verboten
  • Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen werden entsprechend von den Ordnungsbehörden sanktioniert, dafür verstärken Bund und Länder die Kontrollen
  • Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Schwimmbäder, Theater, Freizeitparks müssen wieder schließen
  • Firmen sind angehalten, möglichst viel home office für die Mitarbeiter anzubieten
  • Übernachtungsangebote sind nur noch für notwendige und nicht touristische Zwecke gestattet.

Reichen diese Beschränkungen überhaupt aus oder macht man alles umsonst?

So schnell kann der Alltag sich wieder verwandeln in ein Maßnahmenpaket. Zwar wird der zweite Lockdown als Lockdown Light bezeichnet, aber was heißt das schon, wenn man nur an Cola light denkt, das eher schlechter als besser schmeckt als das original Cola? Denn: Wieder gilt es, weitreichende Eingriffe in die menschlichen Grundrechte hinzunehmen, um der Eindämmung des Virus genüge zu leisten, wie etwa bezüglich der Reisefreiheit. Die große Frage: Reichen diese Maßnahmen überhaupt aus, um das Virus in den Griff zu bekommen? Diverse kritische Stimmen fragen sich inzwischen, ob dieses Maßnahmen nicht die menschliche Seele und die Wirtschaft mehr belasten, als dass sie am Ende wirklich helfen, das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Ärzte und Wissenschaftler gegen weiteren Lockdown

Nun mischt sich sogar der ansonsten sehr regierungsnahe Virologe Hendrick Streeck unter die kritischen Stimmen. Zusammen mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit und mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben sie ein Positionspapier (Titel: „Gemeinsame Position von Ärzteschaft und Wissenschaft“) erarbeitet, in welchem sie erörtern, warum sie einen zweiten Lockdown nicht befürworten. Dieses stellten sie in einer Online-Pressekonferenz vor, kurz bevor der zweite Lockdown von der Bundesregierung beschlossen wurde. https://www.welt.de/politik/deutschland/article218811510/Corona-Virologen-und-Aerzte-stellen-sich-gegen-Lockdown.html

Alte und Kranke müssten besser geschützt werden

Darin fordern sie unter anderem, die Alten und (Vor-)Erkrankten besser zu schützen, Vorkehrungen und Tests in Pflegeheimen und Kliniken seien nicht systematisch genug. Zudem müsse auch für Menschen der Risikogruppen, die zu Hause leben, Schutz etabliert werden – etwa Masken und Tests, um Besuch bekommen zu können.

Nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen wie Vereinsamung

Die Ärzte und Wissenschaftler warnen zudem vor diversen nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen der Corona-Maßnahmen. Unter anderem sehen sie die Gefahr, dass durch die Kontaktverbote die Vereinsamung insbesondere von Kindern und Jugendlichen begünstigt  sowie „Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge“, schreiben die Autoren in dem Papier.

Bis Weihnachten wird gar nichts in Ordnung sein

Grundsatz müsse sein, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie so zu wählen, „dass wir schwere Verläufe wirksam mindern, ohne neue Schäden zu verursachen“. Auch das So-tun-als-ob-bis-Weihnachten-alles-wieder-in-Ordnung-sei sei nicht zielführend. Denn: Auch im nächsten und übernächsten Jahr müssten die Menschen an Weihnachten mit dem Virus leben. Daran ändere auch ein möglicher Impfstoff nichts.

Im Fazit der Experten heißt es: „Wir setzen auf Gebote anstelle von Verboten, auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung.“ Verbote oder Bevormundung hätten „eine kurze Halbwertszeit“. Sie entsprächen für die Autoren nicht dem Verständnis einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Hendrick Streeck

 

 

 

 

Am 28. Oktober 2020 beschlossene Corona-Maßnahmen. Quelle: Regierungspräsidium Baden-Württemberg




Landratsamt Hohenlohe: Hamsterkäufe nicht notwendig, Lebensmittelversorgung ist sicher

Seit der Zunahme der Corona-Infektionen kaufen Menschen aktuell wieder vermehrt Lebensmittel und Hygieneartikel ein als üblich, beobachtet das Landratsamt, und legen sich einen überdurchschnittlich großen Vorrat an. „Hierfür gibt es keinen Grund, denn trotz der momentanen Situation braucht niemand Angst haben, dass die Lebensmittel nicht reichen“, so Dezernent für ländlichen Raum Dr. Wolfgang Eißen. „Sicherlich ist es sinnvoll, einen gewissen Grundvorrat zu Hause zu haben, aber unsere Ernährung ist sichergestellt, es stehen ausreichend Grundnahrungsmittel zur Verfügung“.

Lebensmitteleinzelhandel: keine Versorgungslücken zu befürchten

„Wenn jeder normal einkauft, steht niemand vor leeren Regalen“, so Eißen: Der Lebensmitteleinzelhandel beteuert, dass aufgrund der Erfahrungen während der ersten Welle keine Versorgungslücken zu befürchten sind und deshalb auf die ständige Verfügbarkeit zu vertrauen ist. Zudem liefern die Landwirte in der Region täglich frische Eier, Fleisch und Milch. Die Lager mit heimischen Obst und Gemüse sind jetzt im Herbst gut gefüllt. Da das Coronavirus keine Gefahr für Nutztiere darstellt, kann die Milch ohne Bedenken verzehrt werden. Auch Getreide, Nudeln und Mehl werden auf lange Sicht nicht knapp. Der Dezernent für ländlichen Raum empfiehlt den Einkauf im nächsten Hofladen: „Über den ganzen Hohenlohekreis verteilt gibt es viele Direktvermarkter, die sich darüber freuen. “

Hohenloher Hofläden und Landwirte bieten frische Produkte der Saison an

Das Landratsamt rät Personen, die unter Quarantäne stehen und ihr Zuhause nicht verlassen dürfen, Freunde und Familie oder im Wege der Nachbarschaftshilfe um Unterstützung zu bitten, damit diese bei Bedarf Lebensmittel vor die Türe stellen.

Aktuelle Corona-Situation im Hohenlohekreis

Zur aktuellen Corona-Situation teilt das Landratsamt mit, dass dem Gesundheitsamt am 27. Oktober 2020 15 Neuinfektionen gemeldet wurden. Unter anderem sei eine Projektgruppe der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen betroffen. Es befinden sich aus diesem Fall 20 Schülerinnen und Schüler und ein Lehrer in Quarantäne, da sie als Kontaktpersonen ersten Grades identifiziert wurden. Laut den Daten des RKI vom 28.Oktober 2020 ist die 7-Tage-Inzidenz im Hohenlohekreis wieder unter die Marke von 50 Infizierten gefallen.

Symbolbild Hamsterkauf.
Quelle: Pixabay




Krämermarkt in Künzelsau in Coronaversion

Der traditionelle Simon-Judä-Krämermarkt findet am Mittwoch, 28. Oktober 2020 statt – aber mit weniger Marktständen. Die Stadtverwaltung Künzelsau wird die Marktbuden mit mehr Abstand in der Hauptstraße positionieren, damit die Abstandsregeln von den Besuchern gut eingehalten werden können. Außerdem gilt auf dem gesamten Marktgelände Maskenpflicht. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Maskenpflicht in der Hauptstraße

Die Stadtverwaltung lädt die Besucher überdies ein, auch in den Einzelhandelsgeschäften, die es um das Marktgeschehen herum gibt, zu stöbern und damit die Einzelhändler vor Ort zu unterstützen: „Ein gutes Warenangebot und eine kompetente Beratung präsentieren zusätzlich und ganzjährig die Künzelsauer Einzelhändler. Im einen oder anderen Laden sind spezielle Marktangebote zu ergattern.“

Von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr bieten die Marktbeschicker des Krämermarktes ihr buntes Warensortiment an. Die Genießermeile am Unteren Markt entfällt.
Die Hauptstraße ist am 28. Oktober 2020 wegen des Simon-Judä-Krämermarktes gesperrt, außerdem die Stuttgarter Straße ab der Alleekreuzung und die Komburgstraße.

Simon-Judä-Krämermarkt in früheren Jahren ohne Maskenpflicht. Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau

Diesmal in abgespeckter Form: Simon-Judä-Krämermarkt. Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau




Alkoholausschankverbot und Sperrstunde für die Hohenloher

Am 24. Oktober 2020 wurden im Hohenlohekreis neun Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor. Die 7-Tage-Inzidenz betrage damit 54,1 / 100.000 Einwohner.

Verfügung einer häuslichen Isolation

„Die Fallermittler arbeiten auch heute mit Hochdruck an der Ermittlung aller Kontaktpersonen, damit eine weitere Verbreitung schnellstmöglich eingedämmt werden kann“, so das Landratsamt. Für rund 20 Kontaktpersonen sei vom 24. Oktober 2020, 18:00 Uhr an eine häuslicher Isolation verfügt worden.

Ab Montag, den 26. Oktober 2020

Aufgrund eines Erlasses des Sozialministeriums hat, so erklärt das Landratsamt weiter, auch der Hohenlohekreis eine Allgemeinverfügung verordnet, die zu Einschränkungen bei der Sperrzeit und dem Alkoholausschank ab 23 Uhr bis 06 Uhr führt. Bei Zuwiderhandlungen drohen Bußgelder von 2.000 Euro.

Diese tritt am Montag, den 26. Oktober 2020, 23 Uhr in Kraft. Die Allgemeinverfügung ist über http://www.hohenlohekreis.de/bekanntmachungen abrufbar.

Hier lesen Sie die gesamte Allgemeinverfügung ungekürzt:

Die Verordnung ungekürzt

23. Oktober 2020
Das Landratsamt Hohenlohekreis erlässt nach § 28 Abs. 1, Abs. 3 des Infektionsschutzgesetzes
(IfSG) i.V.m. § 1 Abs. 6a der Verordnung des Sozialministeriums über Zuständigkeiten nach
dem Infektionsschutzgesetz (IfSGZustV BW) und § 20 der Verordnung der Landesregierung
über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2
(Corona-Verordnung – CoronaVO)
 für die Städte Niedernhall, Neuenstein, Forchtenberg, Ingelfingen, Krautheim,
Künzelsau, Waldenburg, Öhringen
 die Gemeinden Bretzfeld, Dörzbach, Kupferzell, Mulfingen, Pfedelbach, Schöntal,
Weißbach, Zweiflingen,
folgende

ALLGEMEINVERFÜGUNG
über die Einführung einer Sperrstunde um 23 Uhr für Gastronomiebetriebe einschließlich eines
generellen Außenabgabeverbots von Alkohol

1. Für Schank- und Speisewirtschaften im Hohenlohekreis beginnt die Sperrstunde um
23.00 Uhr und endet um 6.00 Uhr des Folgetages. Das bedeutet, dass der Betrieb des
Gaststättengewerbes in diesem Zeitraum untersagt ist. Ausgenommen sind die
Abgabe und Lieferung von mitnahmefähigen Speisen oder mitnahmefähigen
nichtalkoholischen Getränken.
Amtliche Bekanntmachungen
des Hohenlohekreises

2. Während der Sperrzeit gilt zudem ein generelles Außenabgabeverbot von Alkohol.
Das bedeutet, dass von Schank- und Speisewirtschaften sowie Verkaufsstellen in der
Zeit von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr des Folgetags keine alkoholischen Getränke
abgegeben werden dürfen.

3. Für den Fall, dass eine Schank- oder Speisewirtschaft entgegen Ziffer 1 zwischen 23.00
Uhr und 6.00 Uhr des Folgetags betrieben wird, wird die Anwendung unmittelbaren
Zwangs zu ihrer Betriebsbeendigung angedroht.

4. Für den Fall, dass gegen die Anordnung nach Ziffer 1 oder 2 verstoßen wird, wird
gegenüber dem Inhaber der Gaststättenerlaubnis bzw. Betreiber der Verkaufsstelle
die Festsetzung eines Zwangsgeldes in Höhe von 2.000,00 € angedroht.

5. Diese Allgemeinverfügung tritt am Montag, 26. Oktober 2020, 23:00 Uhr, in Kraft.

6. Diese Allgemeinverfügung tritt außer Kraft, sobald die Sieben-Tages-Inzidenz von 50
bezogen auf den Hohenlohekreis in sieben aufeinanderfolgenden Tagen
unterschritten wird. Das Landratsamt Hohenlohekreis wird auf den Eintritt dieses
Zeitpunktes durch eine entsprechende Veröffentlichung auf der Homepage des
Landratsamtes (www.hohenlohekreis.de) und auf der Homepage http://www.corona-imhok.dezusätzlich hinweisen.

HINWEISE

Nach § 73 Abs. 1a Nr. 6, Abs. 2 IfSG ist die vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlung
einer vollziehbaren Anordnung nach § 28 Abs. 1 Satz 1 oder Satz 2 IfSG ordnungswidrig und
kann mit einer Geldbuße bis zu fünfundzwanzigtausend Euro geahndet werden.
Diese Allgemeinverfügung stellt gemäß §§ 28 Abs. 1, Abs. 3, 16 Abs. 8 IfSG mit ihrer
Bekanntgabe eine solche sofort vollziehbare Anordnung dar. Widerspruch und
Anfechtungsklage haben daher keine aufschiebende Wirkung.

Im Übrigen gilt weiterhin die Verordnung der Landesregierung über infektionsschützende
Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 (Corona-Verordnung – CoronaVO)
vom 23. Juni 2020 in der jeweils gültigen Fassung.
Die Allgemeinverfügung mit Begründung kann während der Sprechzeiten des Landratsamtes
Hohenlohekreis bei der Geschäftsstelle Kreistag (Allee 17, Gebäude A, 3. OG, Zimmer 303,
74653 Künzelsau) kostenlos eingesehen werden.

Die Einsichtnahme ist trotz der coronabedingten Einschränkungen im Betrieb des
Landratsamtes möglich. Dazu ist eine Anmeldung bei der Bürgertheke im Erdgeschoss
erforderlich.

R E C H T S B E H E L F S B E L E H R U N G

Gegen diese Verfügung kann innerhalb eines Monates nach Bekanntgabe beim Landratsamt
Hohenlohekreis mit Sitz in Künzelsau Widerspruch erhoben werden.
Gemäß § 80 Abs. 5 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) kann beim Verwaltungsgericht
Stuttgart mit Sitz in Stuttgart Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung gestellt
werden.
Künzelsau, den 23. Oktober 2020
gez. Dr. Matthias Neth
Landrat