„Ich bin überzeugt davon, dass die Gastronomie kein Corona-Verteiler ist“
„Ich finde es übertrieben, dass die komplette Gastronomie schließen muss“, sagt Tobias Stuber aus Künzelsau. Er sitzt am vergangenen Freitagabend in der „Emma“ in Künzelsau. „Ich möchte der Gastro noch einmal etwas Gutes tun, bevor am 02. November 2020 alles dicht gemacht wird. Die Schließungen stoßen bei mir auf Unverständnis.“
„Das Gesundheitsamt hat sich noch kein einziges Mal bei uns gemeldet“
Diese Einschätzung teilt auch die achtzehnjährige Nathalie Riegel: „Ich finde die Schließungen ganz schlimm, besonders für die Gastronomen. Ich bin überzeugt davon, dass die Gastronomie kein Corona-Verteiler ist.“ Das kann Daniel Brunner, Inhaber des Bistros Emma und der Pizza-Manufaktur Zum Glück in Künzelsau bestätigen: „Seit einem halben Jahr praktizieren wir jetzt die Kontaktnachverfolgung. Das Gesundheitsamt hat sich noch kein einziges Mal bei uns gemeldet, um uns einen Fall zu melden. Auch von Kollegen habe ich noch nichts Ähnliches gehört.“
Für Gastronomen und Hotelgewerbe existenzbedrohend
„Das ganze Thema ist für uns Gastronomen und für das Hotelgewerbe existenzbedrohend“, erklärt der zweifache Vater weiter. „Es geht ja nicht nur um den einen Monat. Es geht auch darum, dass es die ganze Zeit über Menschen gibt, die Angst haben und nicht mehr ausgehen. Unsere Besucherzahlen haben sich generell verringert.“
„Was wird außerdem nach Weihnachten und Silvester sein?“
„Wir bekommen staatliche Hilfen für den Monat“, erläutert Brunner. „Das sind bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November des Vorjahres, abzüglich des Kurzarbeitergeldes und der Hilfen, die man bisher in Anspruch genommen hat. Das ist besser als nichts. Das Problem ist aber, dass die Folgen des Lockdowns sich weit über den November hinaus erstrecken werden. Was wird außerdem nach Weihnachten und Silvester sein? Was ist, wenn die Zahlen wieder ansteigen? Ich wünsche mir von den Politikern, dass sie mit gesundem Menschenverstand abwägen, was wirklich notwendig ist. Einen Lockdown-Marathon können wir sicherlich nicht überstehen. Das wäre auch verheerend für die ganze Gesellschaft. Unser Zusammenleben definiert sich doch auch über Kontakte, Ausgehen, zusammen Spaß haben… “ Doch der 40-Jährige bleibt hoffnungsvoll: „Ich bin überzeugt davon, dass wir eines Tages wieder zum Normalzustand zurückkehren werden. Ich hoffe es! Besonders für die Kinder.“
„Man kann doch nicht wahllos Lockdowns verhängen“
Auch Sabrina Binder und Bianca Rothacker fordern, für die Gastronomie einzustehen. Rothacker fragt: „Für was haben wir denn die ganzen Hygienevorschriften? Jeder hält sich daran. Alle Betriebe haben investiert und umgerüstet. Es war doch von vornherein klar, dass im Herbst die Zahlen wieder ansteigen. Deshalb sind die Schließungen für mich sehr, sehr unverständlich. Man kann doch nicht wahllos Lockdowns verhängen.“
Text und Video: Priscilla Dekorsi

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

EMMA in Künzelsau kurz vor dem Lockdown ab dem 02. November 2020. Foto: GSCHWÄTZ








