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„Das stimmt so nicht“

„Das stimmt so nicht.“ Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann will die Erklärung von FFK, SPD/Grüne und UBK nicht unwidersprochen stehen lassen. Die Fraktionen hatten die digitale Gemeinderatssitzung in der Kreisstadt am Donnerstag, den 19. November 2020 boykottiert und fordern weiterhin Präsenzsitzungen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/11/20/eine-gemeinderatssitzung-in-digitaler-form-kann-und-darf-nicht-mit-der-brechstange-auf-veranlassung-des-buergermeisters-durchgesetzt-werden/)

Alle Gemeinderatsmitglieder informiert

Er habe alle Gemeinderatsmitglieder informiert, beispielsweise im wöchentlichen Newsletter, und gegenüber den Fraktionen, teils auch in Einzelgesprächen, begründet, warum er die Sitzung ins Internet verlegt habe. Der bestehende Teillockdown und der Schutz vor einer Corona-Infektion sei der Grund. Einweisungen in die Technik hätten stattgefunden, ausgegrenzt werde niemand.

Rechtlich abgesichert

„Mit der Rechtsaufsicht ist geklärt, dass der Bürgermeister das Recht hat, die Art der Sitzung festzulegen“, betont er. In der Tat wurde im Mai 2020 der §37a in die Gemeindeordnung eingefügt, der besagt, „dass notwendige Sitzungen des Gemeinderats, ohne
persönliche Anwesenheit der Mitglieder im Sitzungsraum durchgeführt werden können; dies gilt nur, sofern eine Beratung und Beschlussfassung durch zeitgleiche Übertragung von Bild und Ton mittels geeigneter technischer Hilfsmittel, insbesondere in Form
einer Videokonferenz, möglich ist.“ Im weiteren Verlauf des Gesetzestextes wird sogar bestimmt, dass selbst für schwerwiegende Entscheidungen Sitzungen per Videokonferenz erlaubt sind, „wenn die Sitzung andernfalls aus schwerwiegenden Gründen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden könnte.“ Der Seuchenschutz ist im Gesetz explizit als „schwerwiegender Grund“ benannt.

„Wir würden gerne ins Internet streamen“

Das von den Fraktionen vorgebrachte Argument des Datenschutzes und der Bildrechte wiegt auch für Neumann schwer: „Wir würden gerne ins Internet streamen, dem steht aber der Datenschutz entgegen“. Aus diesem Grund mußte die Sitzung in einen öffentlich zugänglichen Raum übertragen werden, denn die Öffentlichkeit hat ein Recht, an einer Gemeinderatssitzung teilzunehmen.

Neumann hofft, dass die Räte an der nächsten Sitzung, die voraussichtlich am 26. November stattfinden wird, in großer Zahl teilnehmen werden.

Text: Matthias Lauterer

Bürgermeister Stefan Neumann. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau/Christian Holzknecht/Archiv

 




Corona/Hohenlohekreis: Acht Pflegeheime beziehungsweise Behinderteneinrichtungen und eine Schule in Krautheim betroffen

Am Mittwoch, den 18. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 26 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 138,5 pro 100.000 Einwohner.

In drei bereits betroffenen Pflegeheimen wurden zehn Neuinfektionen, davon vier Pflegekräfte, bestätigt. Im gesamten Kreisgebiet sind derzeit acht Pflegeheime beziehungsweise Behinderteneinrichtungen betroffen, die Versorgung und Pflege der Bewohner ist sichergestellt. Das Gesundheitsamt befindet sich im engen Austausch mit den Einrichtungen.

Am Bildungszentrum Bretzfeld wurde eine weitere Schülerin positiv getestet. Diese war bereits durch die Fallermittler im Gesundheitsamt als K1 eingestuft und in Quarantäne. Durch einen positiven Fall im Main-Tauber-Kreis ist zudem die Andreas-Fröhlich-Schule in Krautheim betroffen, die Ermittlung der Kontaktpersonen läuft.

Quelle: Pressemitteilung des Landkreises Hohenlohe

 




70 weitere Bürger in Quarantäne

Am Donnerstag, den 12. November 2020, hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 22 neue Corona-Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tages-Inzidenz liegt damit laut dem Landratsamt bei 89,7 pro 100.000 Einwohner. Vor kurz lag diese noch bei über 100.

Durch die positiven Fälle sind jedoch nun rund 70 neue Quarantäneverfügungen für direkte Kontaktpersonen ergangen. Betroffen sind unter anderem zwei Pflegeeinrichtungen sowie eine Grundschule in Pfedelbach. Wie GSCHWÄTZ vor kurzem berichtete, müssen K1-Personen fortan sofort, wenn sie die Mitteilung des Gesundheitsamtes erhalten 14 Tage in Quarantäne – unabhängig von einem Covid-19-Test.




Alle K1-Personen sollen pauschal für 14 Tage in Quarantäne

Eine GSCHWÄTZ-Leserin aus einem anderen Landkreis berichtete uns, dass dort die Teststäbchen, die für die Corona-Tests benötigt werden, bereits knapp werden. „Deshalb sollen hier auch nicht mehr alle K1-Personen getestet werden“, erzählte sie weiter. „Diese sollen alle pauschal für 14 Tage in Quarantäne bleiben.“

Daraufhin fragten wir beim Landratsamt in Künzelsau nach der momentanen Situation im Hohenlohekreis. „Entsprechend der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, an denen sich das Gesundheitsamt Hohenlohekreis bei seinem Vorgehen orientiert, wird für Personen, die einem hohen Expositionsrisiko gegenüber SARS-CoV-2 ausgesetzt waren (K1), generell eine 14-tägige häusliche Absonderung erforderlich“, schreibt Sascha Sprenger von der Pressestelle des Landratsamtes in seiner E-Mail. „Diese Zeit entspricht der maximalen Inkubationszeit von SARS-CoV-2.“

„Kein größerer Rückstand bei der Probenbearbeitung“

„Eine PCR-Abstrichuntersuchung, die in diesem Zeitraum vorgenommen wird, dient als Instrument, um einer Weiterverbreitung vorzubeugen und weitere Erkrankungsfälle schnell zu identifizieren“, so der Pressesprecher weiter. Sie sei aber kein zuverlässiges Entscheidungskriterium, um für diesen Personenkreis eine 14-tägige Quarantänedauer zu verkürzen (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/39/Art_02.html). Dies werde laut Sprenger seit Beginn der Pandemie so gehandhabt: „Knappe Ressourcen in Labors haben keinen Einfluss auf dieses Vorgehen.“

Allerdings habe das Landratsamt keine detaillierte Kenntnis, wie sich die Lage hinsichtlich der derzeitigen Testanfragen in den an den Hohenlohekreis angebundenen Labors darstelle. „Wir stellen derzeit jedoch keinen größeren Rückstand bei der Probenbearbeitung fest“, so Sascha Sprenger.

 

 




Hohenlohekreis rechnet mit coronabedingten Mehraufwendungen von rund 2,8 Millionen Euro

Der Kreistag hat in seiner Sitzung vom 09. November 2020 einstimmig beschlossen, zusätzlich etwa 1,7 Millionen Euro für die Finanzierung von corona-bedingten außerplanmäßigen Mehraufwendungen zu bewilligen. Bereits vorher wurden 1,1 Millionen Euro bewilligt, sodass sich die corona-bedingten Mehraufwendungen für den Landkreis im Jahre 2020 auf 2,8 Millionen Euro belaufen.

Über 1 Million Euro für Schutzausrüstung

Allein für Schutzausrüstung wurden bereits 1,05 Millionen Euro ausgegeben. Weitere große Kostenpositionen sind die Einrichtung der Arbeitsplätze für die Kontaktpersonenermittlung im ehemaligen Künzeksauer Krankenhaus und die Bereitstellung von drei Untersuchungsgeräten für das Hohenloher Krankenhaus.

Auch Personalkosten und die Einrichtung der Abstrichstelle in Belzhag und der Isolierstation sowie Kosten für den Einsatz der Bundeswehr sind in dem Betrag enthalten.

Bei drastischer Verschärfung der Pandemie noch höhere Kosten zu erwarten

Die Kostenkalkulation beruht auf der Annahme, „dass eine drastische Verschärfung der Pandemie-Situation ausbleibt“.

Finanziert werden sollen die außerordentlichen Mehraufwendungen unter anderem durch Zuschüsse des Landes im Rahmen des Zukunfts- und Stabilitätspakts (1,15 Mio. €), die Deckungsreserve (650 T€), durch Mehrerträge bei der Grunderwerbsteuer (350 T€) und durch SGB-II-Mehrzuweisungen des Bundes bei den Kosten der Unterkunft (300 T€), so der Antrag der Verwaltung.

Der Antrag wurde ohne öffentliche Wortbeiträge einstimmig angenommen.

Text: Matthias Lauterer

 




„Bei konsequenter Umsetzung des Mindestabstandes dürfte ein normaler Bus noch mit maximal zwölf Personen unterwegs sein“

Maskenpflicht, nach Jahrgangsstufen getrennte Pausenhöfe, regelmäßiges Lüften – auch Schulen und Schüler sind von Corona gefordert. Penibel achten die Lehrer darauf, dass die Vorgaben in den Schulgebäuden eingehalten werden. Doch das scheint nicht für die Busse des Nahverkehr Hohenlohe (NVH) zu gelten, in denen dichtes Gedränge herrscht und sich die Klassenstufen munter vermischen. So wird jedes Hygienekonzept ad absurdum geführt. Eine Leserin, die sich wegen der Situation an GSCHWÄTZ wandte und selbst Mutter von betroffenen Schulkindern ist, formulierte es so: „Wurde das Corona-Virus von oberster Stelle darüber informiert, dass es in den Bussen des NVH Ruhe geben soll und sich nicht auf die Personen, die eng wie Ölsardinen stehen, verbreiten darf?“

Situation am Künzelsauer Busbahnhof

GSCHWÄTZ hat sich selbst einen Überblick verschafft und an einem Schultag morgens am Busbahnhof in Künzelsau Position bezogen. Und tatsächlich: In den Bussen, die aus dem ganzen Hohenloher Umland eintreffen, sind sämtliche Sitzplätze belegt und auf den Gängen stehen die Schüler dicht an dicht.

„Als Massentransportmittel ist dies einfach nicht möglich“

NVH-Betriebsleiter Alexander Wolf schreibt auf Anfrage der Leserin: „Die Bundesländer haben bereits im Frühjahr die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben, da hier der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Bei konsequenter Umsetzung des Mindestabstandes dürfte ein normaler Omnibus noch mit maximal zwölf Personen unterwegs sein. Als Massentransportmittel ist dies einfach nicht möglich – deshalb die Maskenpflicht.“

Bisherige Maßnahmen werden beibehalten

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) schütze die Maske vor einer Ansteckung, so Wolf weiter in seiner E-Mail. Die Verkehrsunternehmen würden zur Reduzierung der Infektionsgefahr ihre bisherigen Maßnahmen wie zum Beispiel verkürzte Reinigungsintervalle während der Pandemie beibehalten, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch die sogenannte Schmierinfektion, also durch das Berühren von Flächen wie etwa Haltestangen oder Haltewunschknöpfen, gemäß RKI gering sei.

„Wir sind auf die Unterstützung der Schulen angewiesen“

Der Betriebsleiter weist dabei auch auf die Rolle der Schulen und Schulträger hin: „Der NVH hat alle Schulen und Schulträger Ende April, aber auch nochmals zum Ende der Sommerferien angeschrieben. Wir sind auf die Unterstützung der Schulen angewiesen, indem die Schulen mithelfen, die Nachfragespitze in der Hauptverkehrszeit – vor allem zur ersten Stunde – zu verteilen.“ Auch seien die Schulen bereits im Frühjahr vom NVH gebeten worden, gestaffelte Unterrichtszeiten – wo möglich – vorzusehen. Diese Maßnahme solle dazu beitragen, die Besetzung der Fahrzeuge in der morgendlichen Spitzenzeit, in der auch viele Berufstätige unterwegs sind, zu entzerren.

„Leider haben nur wenige Schulen darauf reagiert“

„Leider haben nur wenige Schulen darauf reagiert“, bedauert Wolf. „Wir haben den Schulträgern auch angeboten, aufgrund der Abflachung des Verkehrsangebots ab zirka 8.30 Uhr zusätzliche Fahrten gegen Bestellung durchzuführen. Einige Schulen haben dies zum Anlass genommen, Fahrten zum Beispiel zur dritten Stunde zu bestellen.“ Die Entscheidung darüber liege jedoch bei den jeweiligen Schulträgern.

„Fraglich ist aber, ob diese Maßnahme ausreichen würde“

An Schultagen setzt der NVH rund 120 Fahrzeuge für den Schülerverkehr seien. „Da die Fahrzeuge in der morgendlichen Spitze alle gut besetzt sind, müssten alle 120 Fahrzeuge einen Verstärker bekommen“, so der NVH-Betriebsleiter. „Fraglich ist aber, ob diese Maßnahme ausreichen würde.“ In einem normalen Solo-Bus könnten – mit Steh- und Sitzplätzen – bis zu 85 Schüler befördert werden. Selbst wenn ein Verstärkerfahrzeug eingesetzt werde, seien so pro Bus immer noch 40 bis 45 Schüler im Fahrzeug. Auch hier könne der Mindestabstand nicht eingehalten werden.

Für Verstärkerbusse fehlen Fahrzeuge und Personal

Wolf weiter: „Unabhängig von Corona prüfen wir regelmäßig die Besetzung der von uns eingesetzten Fahrzeuge. Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln – egal ob Bahn, S-Bahn oder Bus – Stehplätze in den Hauptverkehrszeiten in Anspruch genommen werden müssen.“ Der flächendeckende Einsatz von Verstärkerbussen sei aus rein praktischen Gründen nicht möglich, weil sowohl Fahrzeuge als auch Fahrpersonal nicht in ausreichender Zahl vorhanden seien. Die Lage werde aber intensiv beobachtet und man habe auch bereits dort, wo es möglich war, kurzfristig reagiert.




Polizei bittet die Bürger, zu Hause zu bleiben

Das Polizeipräsidium Heilbronn bittet die Bürger, möglichst zuhause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Auch die Polizei trifft Vorsorge, um das Ansteckungsrisiko durch möglichst wenig Besucherverkehr zu minimieren. Die Anzeigeerstattung bleibt jederzeit möglich.

Kontaktlos über die Internetwache

Eine kontaktlose Möglichkeit für die Anzeigenerstattung oder das Übersenden von Hinweisen zu Straftaten, die kein sofortiges polizeiliches Einschreiten erfordern, ist mit der Internetwache der Polizei Baden-Württemberg unter https://www.polizei-bw.de/internetwache/ rund um die Uhr gegeben.

Besuchstermine vorab abstimmen

In Fällen, in denen es unbedingt erforderlich ist, persönlich auf einer Dienststelle vorstellig zu werden, bittet die Polizei dringend darum, den Besuch im Vorfeld telefonisch anzukündigen und abzustimmen. Im Dienststellenfinder unter https://www.polizei-bw.de/dienststellenfinder/ sind die Erreichbarkeiten aller Polizeireviere und -posten ersichtlich. Die Polizei in Künzelsau ist unter 07940-9400 erreichbar.

Für Notrufe immer unter der 110 erreichbar

Für Notrufe oder dringende Meldungen ist die Polizei nach wie vor über die 110 erreichbar.

 

Polizei. Foto: GSCHWÄTZ




„Viele Studios wird es nächstes Jahr nicht mehr geben“

80 Prozent der Menschen, die ins Fitnessstudio gehen, verfolgen beim Training medizinische Ziele. Das Training verschafft ihnen Schmerzlinderung, einen physischen und psychischen Ausgleich und eine Besserung von ernst zu nehmenden Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Nicht zu vergessen ist der Reha-Sport, der Patienten nach schweren Krankheitsverläufen wieder ein normales Leben ermöglicht.

„Jeder hat seine Hausaufgaben gemacht, nur unser Staat nicht“

„Ich spreche jetzt einmal für alle Selbstständigen, die etwas zu verlieren haben“, sagt Michael Maibaum, Leiter des Fitnessstudios Corpus 2000 in Künzelsau-Gaisbach. „Wir alle haben akribisch danach geschaut, dass Regeln eingehalten und Vorgaben erfüllt werden. Ich kenne keinen einzigen Fall – auch von den Kollegen – wo es in einem Fitnessstudio einen nachweisbaren Corona-Fall gegeben hätte.“

Dem 54-Jährigen ist der Schock über die erzwungenen Schließungen aller Fitnessstudios ab dem zweiten November deutlich anzumerken. Diese Maßnahmen seien unverhältnismäßig und willkürlich. „Jeder hat seine Hausaufgaben gemacht, nur unser Staat nicht. Bei uns im Studio herrscht eine einhundertprozentige Transparenz, wir können jeden Besuch nachvollziehen, haben stimmige Konzepte. Jetzt stellt sich die Frage, wo man die Schlange zuerst köpft. Natürlich am Kopf! Das sind aber nicht die Fitnessstudios. Ich komme aus dem Kopfschütteln schon gar nicht mehr heraus.“

„Da kannst du deine Hausaufgaben machen, wie du willst – du hast keine Chance“

Der vierfache Vater ist enttäuscht: „Wir haben die letzten Monate hart dafür gearbeitet, alle Vorgaben umzusetzen. Es fühlt sich einfach scheiße an, jetzt trotzdem schließen zu müssen. Ich fühle mich verarscht von unserer Regierung, ganz einfach! Was haben die für ein Recht, in einer Demokratie, einfach meinen Laden zuzumachen, weil irgendwelche Zahlen in den Raum geschmissen werden? Was können wir dafür, wenn sich Menschen in den Ballungsgebieten nicht an die Regeln halten und sich Corona deshalb dort rasend schnell verbreitet? Hier auf dem Land bekommt man davon nichts mit! Doch da werden jetzt wir dafür bestraft! Wir müssen jetzt dafür büßen! Manche mit ihrer Existenz und manche mit sehr, sehr viel Geld. Es geht nicht nur um diesen einen Monat, in dem wir keine Beiträge gezahlt bekommen, sondern es geht um die Folgeschäden. Der November ist eigentlich unser umsatzstärkster Monat, im November schließen wir die meisten Neuverträge ab. Nun haben wir keine Möglichkeit mehr dazu, doch die Kündigungen kommen trotzdem. Da kannst du deine Hausaufgaben machen, wie du willst – du hast keine Chance! Jetzt waren wir gerade am Abfangen des letzten Lockdowns, haben gesagt: ‚Okay, es geht langsam wieder aufwärts‘ – Jetzt machen sie uns wieder zu.“

„Ich fühle mich beschissen, auf den Arm genommen, verarscht“

Auch im EnergieLaden in Künzelsau ist der Leidensdruck groß. Patric Donner, der Inhaber des Studios, sieht vor allem „dem Rattenschwanz“, der auf die Schließungen folgen wird, mit Schrecken entgegen. Außerdem merke man nun besonders, welche Branchen eine schlagfertige Lobby hätten: „Man stelle sich einmal vor, dass Mercedes geschlossen würde. Das ist unvorstellbar. Sanktioniert werden die Kleinen. Wir haben in Hygienekonzepte investiert und die Verordnungen, wie vorgeschrieben, umgesetzt. Nun müssen wir trotzdem schließen. Ich fühle mich beschissen, auf den Arm genommen, verarscht – Was soll ich sagen? Die Botschaft aus Frau Merkels Ansage war ja, dass die Gesundheitsämter nicht mehr nachvollziehen könnten, woher die Infektionen kämen. Als Reaktion darauf müssen nun Fitnessstudios und Kneipen geschlossen werden, die wiederum absolut transparent darlegen können, wer wann bei ihnen trainiert hat. Das ist absolut widersprüchlich. Ganz nach dem Motto: ‚Wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen, also schließen wir eben die, die man am einfachsten nehmen kann.‘“

„Ich ernähre meine Kinder, muss unser Zuhause bezahlen“

Der 50-Jährige sieht, wie so viele in seiner Branche, einer ungewissen Zukunft entgegen. Er sagt ganz klar: „Ich möchte mir überhaupt nicht ausmalen, noch mehr Mitglieder zu verlieren. Ich ernähre meine Kinder, muss unser Zuhause bezahlen. Ich muss ja auch die Geräte im Studio noch abbezahlen. Wenn ich keine Mitglieder mehr habe, habe ich keine Kohle mehr. Der Rattenschwanz zieht sich da weiter, so wie überall.“

„Wir können keinerlei staatliche Hilfen erwarten, denn diese beziehen sich immer auf die Umsätze des Vorjahres.“

Den Studio-Betreibern steht eine Entschädigung von bis zu 75 Prozent des Umsatzes im November 2019 zu. Doch diese ist ungleich verteilt und nur oberflächliche Symptombekämpfung, wie Maibaum erklärt: „Also vom Grundgedanken her ist die Idee mit den 75 Prozent schon in Ordnung, doch das Problem sind die Folgeschäden, die langfristig definitiv Schwierigkeiten bereiten werden. Das hat man nach dem ersten Lockdown schon bemerkt und jetzt kommt das zweite Mal. Alleine heute sind schon wieder fünf oder sechs Kündigungen reingekommen. Denken Sie doch einmal weiter: Unsere Kinder und deren Kinder können diese Scheiße noch abbezahlen. Was glauben Sie, wo die Regierung das Geld für die zig Milliarden her nimmt, die die Wirtschaft wieder ankurbeln sollen?“ Doch einige Studios fallen komplett durch das Netz der staatlichen Hilfen. „Wir haben unser MG Studio in Kupferzell im Februar dieses Jahres eröffnet“, erklärt Lisa Löchner, Studioleiterin des MG Studios in Kupferzell. Die 25-Jährige hat eine positive, dynamische Ausstrahlung und ein Lachen, das ansteckt. Wenn sie über die Zukunft ihres Studios spricht, wirkt sie plötzlich ganz nachdenklich: „Wir können keinerlei staatliche Hilfen erwarten, denn diese beziehen sich immer auf die Umsätze des Vorjahres. Wenn es die eben nicht gibt, dann kann man 75 Prozent von nichts erwarten.“ Die junge Frau appelliert an ihre Mitglieder: „Bleibt geduldig und schenkt uns weiterhin Euer Vertrauen!“

Das MG Studio bezieht in seiner Pressemitteilung klar Stellung: „Im Frühjahr haben wir die Maßnahmen wegen der unsicheren Faktenlage respektiert. Heute fehlt hierfür aus unserer Sicht jegliche Grundlage.“

Text und Video: Priscilla Dekorsi

 




Corona-Zahlen auf einen Blick

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat laut einer Pressemitteilung auf seiner Homepage www.corona-im-hok.de eine neue Seite freigeschaltet, die eine aktuelle Übersicht über die Corona-Lage in den Städten und Gemeinden des Kreises bietet. Dieses Dashboard ist auch direkt über https://gdi-hohenlohekreis.de/m/covid19 anwählbar und enthält neben den Entwicklungen seit März auch die derzeit aktuellen Zahlen. Die Daten werden täglich zwischen 18 und 20 Uhr aktualisiert.

Umfassende Informationen

„Über das Dashboard können wir die Bürgerinnen und Bürger des Hohenlohekreises umfassend und zeitnah über die aktuelle Corona-Lage im Kreis informieren“, erklärt Andre Völkner in der Mitteilung. Er ist Leiter der Stabsstelle GIS im Landratsamt Hohenlohekreis, die die Seite umgesetzt hat. „Es können die derzeit aktiven Fälle, die Gesundmeldungen, die Todesfälle und die K1-Kontakte im gesamten Kreisgebiet eingesehen werden.“ Zudem seien diese Zahlen auch aufgeteilt für die einzelnen Kommunen sowie die 7-Tage-Inzidenz nach der Berechnung des Landesgesundheitsamtes hinterlegt.

Übermittlungsverzug

Die Zahlen aus dem Dashboard stimmen nicht immer exakt mit den Zahlen des Landesgesundheitsamts, des Sozialministeriums oder des Robert Koch-Instituts überein. Grund dafür ist der Melde- und Übermittlungsverzug zwischen den einzelnen Behörden. Auch kann es sein, dass die Zahl der derzeit aktiven Fälle geringer ist als die zur Berechnung der 7-Tage-Inzidenz relevanten Fälle, da das Meldedatum insbesondere bei symptomatisch erkrankten Personen oft erst einige Tage nach Erkrankungsbeginn erfolgt und die verbleibende Quarantänezeit dieser Personen eventuell weniger als sieben Tage beträgt.

Öhringer Kindergarten betroffen

Am Mittwoch, den 04. November 2020, lag die 7-Tages-Inzidenz im Hohenlohekreis bei 110,1 pro 100.000 Einwohner. Durch einen Fall in einem Kindergarten in Öhringen musste dort für 21 Kinder und 3 Mitarbeiterinnen die Quarantäne angeordnet werden. Die Kontaktpersonenermittlung läuft. Das Landratsamt Hohenlohekreis appelliert an alle Bürger, die eine Quarantäneverfügung erhalten, dass diese Auflagen im Interesse aller streng eingehalten werden, da sonst die Infektionsketten nicht sicher unterbrochen werden können. Bei Verstößen drohen Bußgelder.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 




Corona: Auch Landratsamtsmitarbeiter hat’s erwischt

Am Dienstag, den 03. November 2020 hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 22 neue Corona-Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tages-Inzidenz liegt damit bei 107,4 pro 100.000 Einwohner. Mehrere Fälle in der Kreisverwaltung führen dazu, dass für Mitarbeiter eine Quarantäne angeordnet wurde. Die Ermittlung aller Kontaktpersonen der heute gemeldeten Fälle dauert derzeit noch an. Allen K1-Personen wird stets eine Testung dringend nahegelegt.

Allen K1-Personen empfiehlt das Landratsamt eine Testung

„Ich appelliere an die Vernunft und Verantwortung jedes Einzelnen. Es kann jede oder jeden von uns treffen – aber genauso kann jeder Einzelne durch sein Verhalten dazu beitragen, dass eine weitere Verbreitung unterbrochen wird“, ruft Landrat Dr. Matthias Neth die Bevölkerung dazu auf, die vom Land erlassenen Maßnahmen konsequent einzuhalten und Kontakte zu reduzieren, wo immer es möglich ist. „Für uns alle werden es schwierige Wochen werden.“