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Kinderschuhe vor dem alten Rathaus in Künzelsau

In den sozialen Medien verbreitet sich ein Aktionsaufruf, mit Kinderschuhen vor den Rathäusern ein Zeichen für das Wohl der Kinder in Corona-Zeiten zu setzen. Die Aktion läßt sich auf Julia Hammer aus Zwickau, selbst Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, zurückführen, die wohl als erste zu einem solchen Zeichen aufgerufen hat. Sie rief zur „Schuhniederlegung“ am 20. März 2021 in Zwickau auf – seitdem verbreitet sich der Aufruf rasant in ganz Deutschland.

Aktion verbreitet sich von Zwickau bundesweit

Auslöser der Aktion, so Julia Zimmer, waren die erneuten Schul- und Kita-Schließungen in Sachsen: „Ich habe geweint, als ich das gehört habe“, sagt sie. Ein Zeichen für die Kinder wollte sie setzen, von der Resonanz war sie überrascht: „Die Aktion war eigentlich nur für die Zwickauer Kinder geplant. Dass sich das dann so entwickelt, damit habe ich nicht gerechnet.“

Kritiker vermuten politisch motivierte Unterwanderung

Doch die Aktion findet nicht nur Zustimmung: Kritiker fühlen sich an die „Schuhe von Majdanek“ erinnert, andere unterstellen eine Nähe zu den Querdenkern oder ähnlichen Organisationen. Zumindest für ihre eigene Aktion widerspricht Hammer vehement: Sie sei weder Corona-Leugnerin noch Querdenkerin noch Mitglied einer Partei. Sie sei für sich zu dem Schluss gekommen, „Man muss etwas tun, man muss für die Kinder ein Zeichen setzen.“ Trotzdem wird in den sozialen Medien immer wieder der Verdacht geäußert, dass  zumindest die nachfolgenden Aktionen von politischen Gruppierungen unterwandert seien. Allein die schnelle Verbreitung lasse auf die Nutzung eines Netzwerks schließen.

Aktion auch in Künzelsau

Von diesen möglichen politischen Hintergründen weiß Tatjana Fuchs, die über facebook zu einer derartigen Aktion in Künzelsau am 24. März 2021 aufgerufen hatte, nichts: „Es geht darum, dass unsere Kinder gehört werden“, dass die Anliegen der Kinder endlich einmal öffentlich vorgebracht werden. Genauso denken etwa 10 Mütter, die zu Beginn der Aktion auf dem Platz am alten Rathaus verstreut standen. Nicht nur Schuhe wurden auf die Rathaustreppe gestellt, auch Kuscheltiere und Botschaften der Kinder oder der Eltern sind zu sehen: einem Kind fehlt vor allem der Fußballverein. Immer wieder kommt jemand und stellt ein weiteres Paar Schuhe dazu. Es ist eine stille Veranstaltung.

Befremdliches Telefonat mit dem Landratsamt

Im Vorfeld der Aktion ging es nicht so ruhig zu: Tatjana Fuchs berichtet, dass das Landratsamt die Personalabteilung ihres Arbeitgebers angerufen hätte, um mit ihr zu sprechen. Der Arbeitgeber habe gut reagiert und sie davon informiert. Offenbar gab es unterschiedliche Meinungen, ob es sich bei der Aktion um eine Demonstration handelt,  die angemeldet werden muss und für die das Landratsamt auch Auflagen erteilen kann oder nicht.

Fast als Drohung empfunden

Bei einem späteren Telefonat mit dem Landratsamt fühlte sie sich eingeschüchtert: Man habe ihr mitgeteilt, dass sie damit rechnen müsse, dass die Polizei öfter vorbeifahre und dass sie für eventuelle Folgekosten aufzukommen habe. „Das empfand ich fast als Drohung“, sagt sie. Sie äußert die Befürchtung, dass derartige Anrufe für einen Mitarbeiter auch Konsequenzen des Arbeitgebers haben könnten.

Text: Matthias Lauterer

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. Schuhe, Kuscheltiere und Botschaften auf der Rathaustreppe. Foto: GSCHWÄTZ

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. (verpixelt) Foto: GSCHWÄTZ

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. Schuhe, Kuscheltiere und Botschaften auf der Rathaustreppe. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Bald wieder Hotspot? Corona-Fälle in Hohenloher Unternehmen mehren sich

In der Gerüchteküche brodelt es: Bei mehreren Unternehmen im Kocher- und Jagsttal soll es zu Corona-Ausbrüchen gekommen sein, teilweise in zweistelliger Anzahl.

Von REISSER-Schraubentechnik wurde die Infektion eines Mitarbeiters bestätigt. „Die Tests der Kontakte waren alle negativ“, zeigte sich Delia Pander, bei REISSER für PR zuständig, erleichtert.

Größerer Infektionsherd in Forchtenberger Unternehmen?

Bei einem Forchtenberger Unternehmen soll es einen größeren Infektionsherd geben, die Rede ist von 13 Infektionen. Dieses Unternehmen wollte auf GSCHWÄTZ-Anfrage bisher keine Stellung beziehen beziehungsweise verwies darauf, dass man keine Zeit habe, auf eine solche Anfrage zu antworten. Auch ein Unternehmen in Schöntal soll, so will es die Gerüchteküche wissen, von einem größeren Ausbruch betroffen sein.

Größere Offenheit im Umgang mit Corona gefordert

In der Kreistagssitzung vom 15. März 2021 wurde das Thema „Offenheit im Umgang mit Corona“ angesprochen: Der Landrat wurde gebeten, zukünftig die Namen von Unternehmen zu nennen, die von Corona betroffen sind. Es wurde das Argument vorgebracht, dass sich bei einer  Veröffentlichung des Unternehmens Menschen, die mit den Unternehmen Kontakt hatten, umgehend freiwillig testen lassen könnten und auf diese Weise möglicherweise weitere Infektionsketten frühzeitig erfaßt werden könnten.

Text: Matthias Lauterer

 




„Ganz besonders möchte ich Sie deshalb in dieser Zeit um die Einhaltung der Coronaregeln bitten“

In einem Brief wandte sich Niedernhalls Bürgermeister Beck an die Einwohner des Baugebiets Bachäcker in Niedernhall. Der Anlass: „In den vergangenen Tagen wurde uns mitgeteilt, dass sich vermehrt Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahren gemeinsam zum Spielen im Baugebiet Bachäcker aufhalten.“ Beck verweist darauf, dass derzeit nur Zusammenkünfte von einem Haushalt und einer weiteren Person erlaubt sind. „Das Spielen von beispielsweise drei oder mehr Kindern aus verschiedenen Haushalten ist daher auch weiterhin im Freien nicht erlaubt. Zumal Spielen bei Kindern mit Abstandsregeln nahezu unmöglich ist.“

„Spielen mit Abstandsregeln nahezu unmöglich“

Weiter heißt es in dem Brief: „Aus der Bevölkerung wurde uns berichtet, dass diese Coronavorgabe unter anderem in Ihrem Wohnumfeld nicht eingehalten wird. Bevor dies nun tatsächlich und auch namentlich angezeigt wird, möchte ich mit diesem Schreiben nochmal ganz allgemein auf diese Vorgaben hinweisen.“

Achim Beck betont: „Auch wenn die Pandemie und die damit verbundenen Coronaverordnungen für unsere Kinder und Familien einen harte und unangenehme, sogar teils unerträgliche Zeit darstellen, sind es nun mal Vorgaben, die Sie als Bürger:innen einzuhalten und wir als Stadtverwaltung darauf achtzugeben haben.“

Ganz besonders möchte Beck deshalb um die Einhaltung der Coronavorgaben bitten. Denn eine Schließung von Kitas und Schulen in Niedernhall solle vermieden werden.

Brief von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck an Teile seiner Bürger.

Polizeistreife in Niedernhall. Foto: privat

Polizeistreife in Niedernhall. Foto: privat




Immer höhere Inzidenzen – Wird jetzt alles wieder zugemacht?

Es ist wie beim Tanzen: Erst zwei Schritte vor, dann wieder drei zurück, oder drei Schritte vor, dann wieder zwei zurück. Sehnsüchtig warteten die Bürger:innen in Deutschland auf Lockerungen hinsichtlich der Coronamaßnahmen. Die Inzidenzwerte fielen. Im Hohenlohekreis befand er sich bis vor kurzem fast mustergültig bis 35. Dann kam der Ausbruch in einem Logistikzentrum im Raum Künzelsau (wir berichteten), inklusive dem Nachweis der britischen Mutation. Wenige Tage später nur war der Inzidenzwert wieder dreistellig. Es folgten weitere Ausbrüche, insbesondere in Kitas. Auch in Crailsheim, Schwäbisch Hall und vielen anderen Landkreisen klettern die Inzidenzwerte in Rekordzeit auf ein Höchstniveau. Der Hohenlohekreis hat einen aktuellen Inzidenzwert von 158.

Der nächste Lockdown droht

Nun verkündet Jens Spahn am Freitag, den 19. März 2021, in einer Pressekonferenz mit Lars Schaade, dem Vizepräsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach das, was die einen schon befürchtet, beziehungsweise die anderen erhofft haben: Es werde erst einmal keine weiteren Coronalockerungen geben, im Gegenteil. Eventuell gehe es wieder zurück in den vollständigen Lockdown.

Spahn appellierte an die Bundesländer, möglichst ähnliche Vorgehensweisen bei den Coronamaßnahmen anzuwenden.

„Es liegen ziemlich herausfordernde Wochen vor uns“

„Diese Woche hat uns vor Augen geführt, wie unberechenbar dieses Virus ist. Ich verstehe die Sehnsucht nach schnellen Lösungen. Die gibt es aber nicht“, sagte Spahn und unterstrich: „Wir sind in der dritten Welle, die Zahlen steigen, der Anteil der Mutationen ist groß. Es liegen ziemlich herausfordernde Wochen vor uns.“

Spahn zeigte auf, dass es noch ein langer Weg sein werde, bis es richtige Öffnungen geben könne. Denn es gäbe nach wie vor nicht genügend Impfstoff in Europa. Selbst wenn nun alles reibungslos klappen würde, würde es noch mehrere Wochen dauern, bis allein die Risikogruppen geimpft wären.

„Wir werden noch einen langen Atem brauchen“

Erst dann können wir auch über breitere Öffnungen der Gesellschaft reden. Wir werden also noch einen langen Atem brauchen.“

Es sei geplant, dass ab dem 19. April 2021 auch in Hausarztpraxen geimpft werde. „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir damit früher beginnen könnten.“

An Ostern sollen die Menschen möglichst nicht reisen und das Fest selbst in kleinstem Kreis feiern. Denn bei einer sich abzeichnenden Inzidenz von 200 und mehr in den Städten und Gemeinden werde es, so der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, eine Überlastung der Intensivstationen geben.

Intensivbettenbelegung DIVI-Zentralregister. Stand: 20.03.2021. Quelle: ntv




„Kein Zutritts- und Teilnahmeverbot“ für Schüler aus Hochrisikokreisen

Im Kreis Schwäbisch-Hall sind die Corona-Inzidenzen in den letzten Wochen stark angestiegen, in Crailsheim zeitweise auf über 500, in Schrozberg sogar auf über 1.000. Beide Gemeinden haben die daher ihre Coronamaßnahmen verschärft, unter anderem, in dem die geplante schulöffnung nicht stattfand (wir berichteten). Im Hohenlohekreis hingegen fanden Schulöffnungen statt.

Diverse Schüler aus den stark betroffenen Gebieten besuchen in Künzelsau aber weiterbildende Schulen. Geht aus den Corona-Verordnungen der Bundesregierung und des Landes Baden-Württemberg hervor, ob man Schülern aus derartigen Risikogebieten den Schulbesuch in anderen Kreisen untersagen kann?

Kein Zutritts- und Teilnahmeverbot

Mit einem klaren Nein beantwortet Sascha Sprenger, Pressesprecher des Hohenlohekreises, diese Frage: „Die Corona-Verordnungen sehen keine Untersagung des Schulbesuchs oder verpflichtende Testungen von Schülern und Lehrern aus Gebieten mit einer hohen Inzidenz vor. Ein Zutritts- und Teilnahmeverbot besteht nicht.“

Schnelltests für Schüler:innen: Möglichkeiten werden geprüft

Er ergänzt: „Für die Schulen in Trägerschaft des Kreises werden derzeit Möglichkeiten geprüft, zeitnah Schnelltests auch für Schüler:innen. An der gewerblichen Schule Künzelsau haben die Schüler:innen, die noch bis Montag ihre IHK-Prüfungen ablegen, die Möglichkeit, sich einem Schnelltest zu unterziehen. Die Testungen dort werden von der MediKün-Apotheke vorgenommen.“ Das Schlossgymnasium etwa bietet Schüler:innen bereits freiwillige Tests an. Für Lehrer besteht bereits seit einigen Wochen die Möglichkeit, zweimal wöchentlich bei Ärzten, Apothekern  oder in Testzentren einen Schnelltest durchführen zu lassen.

Schnelltests auch für die Kleinsten geplant

Auch für die Schulen, die von der Stadt Künzelsau betrieben werden, sind Schnelltests geplant: „Es ist geplant, dass Schüler:innen in den städtischen Schulen wöchentlich zwei Selbsttests angeboten werden. Darauf arbeiten aktuell die Schulen in Kooperation mit dem Schulträger, der Stadtverwaltung, hin. Die Tests sind freiwillig und sollen anfangs von Lehrer:innen sowie Ehrenamtlichen angeleitet werden“, teilt Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau, mit. Diese Strategie sei bewährt: „Nach etwas Übung können die Schüler:innen den Test selbst durchführen. Je jünger die Schüler, desto mehr Unterstützung wird es am Anfang benötigen. Die „Kleinen“ werden dauerhaft begleitet. In Ulm wird das so schon erfolgreich praktiziert.“

Text: Matthias Lauterer

 




Bye, bye, Klassenzimmer

Ab Montag, den 22. März 2021, gilt in Baden-Württemberg auch an den Grundschulen eine Maskenpflicht für Lehrkräfte sowie Schüler:innen. Die 5. und 6. Klassen können zur Umsetzung der Abstandsregel auf Wechselunterricht umsteigen. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Verordnung ist gerade in der Abstimmung.

Kretschmann: „Tendenz zeigt leider in die falsche Richtung“

Die Landesregierung plant ab Montag weitere Anpassungen der Coronaregeln. Demnach wird der von der Ministerpräsidentenkonferenz am 03. März beschlossene 4. Öffnungsschritt – geplant frühestens ab dem 22. März 2021 – zunächst zurückgestellt. Der Schritt sieht weitere Öffnungen bei Inzidenzwerten unter 50 bzw. zwischen 50 und 100 Infektionen auf 100.0000 Einwohner vor. Die für diesen Öffnungsschritt notwendigen stabilen beziehungsweise rückläufigen Inzidenzen sind derzeit aber nicht in Sicht.

„In einer Übergangsphase können die Schüler:innen auch Alltagsmasken tragen, wenn kurzfristig keine medizinischen Masken für Kinder beschafft werden können“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Die aktuelle Lage ist derart dynamisch, dass wir unsere Maßnahmen an diesem Infektionsgeschehen ausrichten müssen. Die Tendenz zeigt leider in die falsche Richtung. Auf dieser Grundlage sind weitere Öffnungen derzeit unrealistisch und nicht sinnvoll.“

Ab der siebten Klasse weiterhin zu Hause

Zusätzlich wird ab Montag an den Schulen neu eingeführt: Die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske für Lehrkräfte sowie für Schüler:innen. Die Maskenpflicht gilt im und außerhalb des Unterrichts. In einer Übergangsphase können die Schüler:innen auch Alltagsmasken tragen, wenn kurzfristig keine medizinischen Masken für Kinder beschafft werden können. Auch an weiterführenden Schulen müssen ab Montag, den 22. März 2021, medizinische Masken getragen werden. Weiterhin soll den weiterführenden Schulen zur Umsetzung der Abstandsregeln ermöglicht werden, Wechselunterricht zu wählen. Dies gilt auch für die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ).




Weiterhin keine Aussicht auf Öffnung der Läden in Hohenlohe

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Mittwoch, den 17. März 2021, insgesamt 57 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Etwa 20 davon waren bereits als Kontaktpersonen zu einem anderen Fall in Quarantäne.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 134,9 pro 100.000 Einwohner.

Betroffen ist unter anderem eine Kinderbetreuungseinrichtung im Raum Neuenstein, wodurch eine Quarantäne für rund 35 Personen notwendig wurde. Außerdem gibt es weitere Fälle in bereits betroffenen Unternehmen.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 




Schnelltests zur Eigenanwendung für Schüler:innen

Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen in Baden-Württemberg seit Montag, den 15. März 2021, sollen laut dem Kultusministerium Schüler:innen optimalerweise wöchentlich mindestens zweimal per Schnelltest auf Corona getestet werden. Doch wie genau das ablaufen soll, wissen bislang weder die Schulen noch die Familien.  GSCHWÄTZ hat beim Kultusministerium nachgefragt.

Tests sind freiwillig

Demnach sollen gemäß der, so Pressesprecherin Christina Sattler, „Teststrategie des Landes“, die jeweiligen Kommunen ab Ende März 2021 in Testzentren vor Ort und/auch direkt in Kitas und Schulen die Tests des Landes verwenden. Diese „agieren stationär und ambulant“. Laut Sattler gäbe es eine hohe Zunahme an „kommunalen Angeboten“ diesbezüglich, so dass die „kommunale Infrastruktur bereits in drei Viertel der Kommunen im Land zur Verfügung“ stehe.

Land Baden-Württemberg zahlt

Das sieht jedoch nicht überall so aus, besonders auf dem Land kann vielleicht noch eine größere Stadt mit einem Testzentrum punkten, aber kleinere Gemeinden tun sich unter anderem angesichts nicht flächendeckend zur Verfügung stehenden Tests und Personalmangels noch schwer in der Umsetzung.

Bislang nur Schnelltestzentrum als Testmöglichkeit

Im Kochertal haben Familien derzeit die Möglichkeiten, ihre schulpflichtigen Kinder, in Künzelsau im Schnelltestzentrum testen zu lassen. Hier sind aber die Termine begehrt und begrenzt (wir berichteten). Weitere Möglichkeiten gibt es derzeit nicht.

Bis zu den Osterferien soll es daher zunächst bei der bisherigen Struktur bleiben:

// Schul- und Kita-Personal kann sich mit den Berechtigungsscheinen (diese gibt es bei den Schulen) bei Ärzten und Apotheken sowie in den kommunalen Testzentren testen lassen.

// Schüler:innen können von den kommunalen Testzentren stationär oder mit mobilen Teams (vielerorts derzeit noch nicht möglich) in der Schule getestet werden

Christine Sattler verweist darauf, dass auch Schulen ihren Schüler:innen und Schülern „angeleitete Selbsttestangebote machen“ können, zum Beispiel, indem sie dafür Mittel aus den ihnen zur Verfügung stehenden Corona-Schulbudgets (Gesamthöhe von 40 Millionen Euro; Budgets pro Schule mit einem Sockelbetrag plus einem Betrag je nach Schülerzahl) verwenden. Ob hierfür eine ausreichende Menge an Schnelltests vorhanden ist, ist noch nicht bekannt. Nach den Osterferien soll es aber mit den diesen Selbsttests richtig losgehen, betont das Kultusministerium gegenüber GSCHWÄTZ:

Schulen sollen bald informiert werden

„Nach den Osterferien sollen den Schulen zusätzlich zu den oben beschriebenen und an den Schulen bekannten Strukturen, Schnelltests zur Eigenanwendung für das Personal und für Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Das Testangebot wird spätestens ab dann massiv ausgeweitet. Das Kultusministerium und das Sozialministerium sind aktuell mit den Kommunalen Landesverbänden im Gespräch, um dieses Modell in der Teststrategie des Landes zu verankern. Eine Kabinettsbefassung hierüber steht in Kürze bevor. Sobald die Gespräche hierzu abgeschlossen sind und die Schnelltests zur Eigenanwendung in die Teststrategie des Landes aufgenommen und beschlossen wurden, werden die Schulen umgehend über diese erweiterten Möglichkeiten sowie die konkrete Umsetzung informiert. Im Ergebnis wird es Testangebote für das Personal der Kitas, der Schulen sowie für alle Schülerinnen und Schüler anlasslos zweimal die Woche geben.“

Auf freiwilliger Basis

Die Tests sind nicht verpflichtend, sondern finden auf freiwilliger Basis statt. Folglich hat es für die Teilnahme dieser Schülerinnen und Schüler am Schul- und Unterrichtsbetrieb auch keine Folgen. Allerdings ist es natürlich das Ziel, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler die Tests in Anspruch nehmen. Die Tests sind freiwillig.




Osterferien auf Balkonien – Ab Dienstag muss Hohenlohe wieder in den harten Lockdown – Inzidenzwert zu hoch

Diverse Politiker und nun auch das Robert-Koch-Insitut (RKI) bereiten die Bürger in Deutshcland darauf vor, dass verreisen vermutlich schlecht möglich sein werde an Ostern. Der Grund: Das RKI prognostiert, dass es vermutlich bis dahin eine höhere Inzidenzzahl geben werde als an Weihnachten 2020. Als Grund nannte das RKI die Mutation des Virus‘.

Öffnungen der Innenstadtläden schien greifbar nah zu sein

Damit wird nicht nur der Osterurlaub immer unwahrscheinlicher, sondern auch wieder Schulschließungen wahrscheinlicher. Die steigende Inzidenz – der Hohenlohekreis liegt seit einigen Tagen wieder über 100 – beschert den Landkreisen derzeit wieder die alten Coronaverordnungen, die alle eigentlich allmählich hinter sich lassen wollten. Endlich durften sich wieder zwei Haushalte treffen und nicht nur eine Person und ein Haushalt. Die Ausgangssperre war zu Ende. Auch die Öffnungen der Innenstadtläden schien greifbar nah.

Traum geplatzt

Für den Hohenlohekreis bedeutet das ab Dienstag, den 16. März erstmal: Traum geplatzt. Der Hohenlohekreis haut laut eigenen Aussagen die „Corona-Notbremse“ rein. Das bedeutet unter anderem: Museen müssen schließen. Die Vereine, die gerade wieder richtig mit ihren Außenanlagen öffnen wollten, müssen nun wieder zurückrudern, die Ausgangssperre steht wieder im Raum, die Innenstadtgeschäfte müssen weitestgehend geschlossen bleiben und dürfen auch kein „Click&Meet“ mehr anbieten, Eltern bibbern, dass nicht gleich wieder die Schulen schließen müssen. Aber eines bleibt:

Die Frisöre dürfen trotz einer Inzidenz von über 100 offen bleiben.  Da wird ein Frisörbesuch doch glatt zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Derzeitige Ausbruchsherde im Hohenlohekreis

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat an diesem Wochenende insgesamt 33 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet, alle am Samstag, den 13. März 2021. Betroffen ist laut dem Landratsamt „unter anderem eine Kinderbetreuungseinrichtung im Raum Öhringen. Dort ist die Virusvariante B.1.1.7 nachgewiesen, so dass dort für mehr als 50 Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet wurde. Außerdem sind durch einen Fall in einer Kinderbetreuungseinrichtung im Raum Künzelsau 22 Personen in Quarantäne, durch eine weitere Einrichtung im Raum Öhringen nochmals 25 Personen.

Unternehmen in Dörzbachbetroffen

Ein Ausbruchsgeschehen wurde in einem Unternehmen im Jagsttal festgestellt, dort gibt es bislang vier bestätigte Fälle.

Durch Fälle an zwei Schulen im Raum Künzelsau sind außerdem rund 30 Personen von einer Quarantäne betroffen. Insgesamt musste an diesem Wochenende für mindestens 150 Personen eine Quarantäne verhängt werden.“

 

 




„Gerade auch um ein Übergreifen in umliegende, weniger betroffene Landkreise abzuwenden, müsste die Landesregierung die betroffenen Städte und Gemeinden stärker unterstützen“

Aus Sicht der fünf Bürgermeister und Oberbürgermeister aus Bad Mergentheim, Crailsheim, Künzelsau, Öhringen und Schwäbisch Hall muss das Land Baden-Württemberg bei der Pandemiebekämpfung mehr Verantwortung übernehmen, wenn die Lage in einzelnen Landkreisen außer Kontrolle ist. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Fachkräftenetzwerks Hohenlohe Plus hervor.

In Schwäbisch Hall und Crailsheim scheinen derzeit die Inzidenzwerte zu explodieren

„Gerade auch um ein Übergreifen in umliegende, weniger betroffene Landkreise abzuwenden, müsste die Landesregierung die betroffenen Städte und Gemeinden stärker unterstützen“, erklärt Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat jüngst, laut einem Bericht der Südwestpresse, die für Montag, den 15. März 2021, geplanten Schulöffnungen für Grundschüler sowie Fünft- und Sechstklässler in Schwäbisch Hall gestoppt. 

Shopping-Ansturm in weniger betroffenen Kreisen: Schlange stehen beim C&A in Heilbronn

Am Samstag, den 13. März 2021, lag der 7-Tage-Inzidenzwert in Schwäbisch Hall bei 216. Angestrebt wird von Bund und Ländern derzeit mindestens 35. Davon ist auch die Nachbarstadt Crailsheim weit entfernt, die am 12. März 2021 einen Inzidenzwert von 523,2 auf ihrer Internetseite verkündete. Laut dem SWR sind davon 70 Prozent Mutationen.

Ganz unverständlich sind die Forderungen der Bürgermeister sicher nicht angesichts der Fotos von der Heilbronner Innenstadt, die aufgrund eines niedrigen Inzidenzwertes ihre Einkaufsgeschäfte in der Innenstadt im Gegensatz zum Umland wieder öffnen durfte und beinahe zusammenbrach unter dem „Shopping“-Ansturm, der daraufhin einsetzte. Der Inzidenzwert steigt seitdem wieder an.

Die Bürgermeister sind besorgt um ihre Innenstädte

„Gefordert sind Strategien und Strukturen, die ein flexibles Vorgehen ermöglichen“, sagen die Bürgermeister in der Pressemiteilung und machen auch konkrete Vorschläge hierzu. Unter anderem sei eine noch schnellere Durchimpfung in Hotspot-Gebieten ihrer Meinung nach sinnvoll und dabei „unter anderem mit mobilen Impfteams zu agieren und eine gezielte Unterstützung der Hausärzte beim Impfen vorzunehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es zu einer Ausstrahlung aus den stark betroffenen Regionen in weniger stark betroffene Regionen kommt.“

Einzelhandel ist laut den Bürgermeistern „kein Infektionstreiber“

„Ein aktives Entgegenwirken durch eine Hotspot-Strategie der Landesregierung würde zudem die heimische Wirtschaft in den betroffenen Gebieten vor extremen Schäden und
Insolvenzen bewahren“, ergänzt Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Neben dem gezielten Vorgehen in Hotspot-Situationen sprechen sich die fünf Bürgermeister und Oberbürgermeister bei dann sinkenden Inzidenzwerten für eine kontrollierte Öffnungsstrategie des Einzelhandels aus. „Dieser Bereich ist kein Infektionstreiber. Es muss unser Ziel sein, die Einkaufsstruktur zu erhalten, damit unsere Mittelzentren auch nach der Pandemie noch attraktive Möglichkeiten bieten“, erläutern Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler, Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar und der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann übereinstimmend.