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„Ohne Kontrollen, ohne Masken und alles eng an eng“

Üblicherweise geht der öffentliche Teil einer Gemeinderatssitzung mit dem Tagesordnungspunkt „Fragen aus dem Gemeinderat“ unemotional und sachlich zu Ende. Normalerweise werden an die Verwaltung Fragen gestellt wie, wann eine Baumaßnahme beendet sein wird. Nicht so bei der Sitzung am 07. Dezember 2021.

Winter-Lounge „ohne Kontrollen, ohne Masken und alles eng an eng“

Herbert Schneider von der FfK berichtet davon, wie er die Winter-Lounge wahrnimmt: „Die Lounge ist für mich nicht OK“, sagt er. „Keine Kontrollen keine Maskenpflicht und alles eng an eng“, beschreibt er die Situation und stellt die Fragen „Warum hat man das mit aller Gewalt gemacht?“ und „Wer zahlt das?“

Die zweite Frage ist für Bürgermeister Stefan Neumann leicht zu beantworten: „Die Werbegemeinschaft“.  Diese sei auch für die Einhaltung der Corona-Verordnung verantwortlich: „Wenn Sie etwas feststellen, teilen Sie uns das mit. Wir werden das dann gegebenenfalls zur Anzeige bringen.“ Nachdem die Stadt Künzelsau die Verantwortung für die Anzeigeerstattung vor einigen Tagen noch beim Landratsamt sah, verwundert diese Aussage.

„Das ist grenzwertig, was da abgeht“

Die Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Veranstaltung teilt auch Rainer Süßmann von den Freien – er ist kommissarischer Rektor der Georg-Wagner-Schule: „Das ist grenzwertig, was da abgeht“. Er spricht davon, dass die Inzidenz in Künzelsau „vielfach höher als im Hohenlohekreis“, „deutlich vierstellig“. [Die Inzidenzen wurden bisher nicht auf Gemeindeebene öffentlich gemacht. Die Anzahl der aktiven Fälle unter www. corona-im-hok.de läßt Süssmanns Aussage plausibel erscheinen. Red.] Ihm fehlt ein klarer Plan der Stadt Künzelsau für den Schutz der Kinder und prognostiziert, dass die Lage eskalieren wird. Er will bessere Information aus dem Krisenstab und erkundigt sich nach einem Plan für Omikron. Auch bemängelt er, dass potentiell positive Kinder zur Teststation geschickt werden, wo sie dann ohne Maske in der Schlage stehen würden.

… „dann sollen sie ihre Kinder eben testen lassen“

Stefan Neumann verweist darauf, dass er Vorgaben „von oben, vom Bund, vom Land“ brauche: „Wir setzen die Vorgaben um, aber die Vorgaben müssen gemacht werden.“ Spätestens als er „Wir können den Eltern nicht alles abnehmen. Wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder getestet werden, dann sollen sie sie eben testen lassen“ sagt, sind ungläubige Blickwechsel unter den Gemeinderät:innen sichtbar. Schließlich sollte Neumann über die Terminsituation im Testzentrum Bescheid wissen (GSCHWÄTZ berichtete).

Stadtverwaltunggen dürfen mehr tun als nur Vorgaben umzusetzen

Dass Stadtverwaltungen Möglichkeiten haben, mehr zu tun als nur Vorgaben einzuhalten, zeigen einige Rät:innen auf, wenn sie davon berichten, dass in Öhringen seit dem 5. Dezember 2021 Kinder in Kindertagesstätten getestet werden.  Außerdem sagt die Coronaverordnung eindeutig, dass „Weihnachtsmärkte, Stadt- und Volksfeste“ in der Alarmstufe II in der Alarmstufe untersagt sind. Es ist davon auszugehen, dass die Landesregierung durch diese Formulierung auf Ersatzveranstaltungen verweisen wollte, die Stadtverwaltung hätte durchaus einschreiten können.

„vielleicht ganz klug, das umzubenennen“

Lisa Möhler (SPD/GRÜNE) findet in unüberhörbarer Ironie „es war vielleicht ganz klug, das umzubenennen und von der Werbegemeinschaft durchführen zu lassen“, bevor sei auf das Thema zugeparkte E-Auto-Ladesäulen und bessere Kennzeichnung kommt. Allerdings geht es auch von dort direkt wieder auf Corona zurück, als Günther Voith, Leiter des Bürgeramtes mit „Wir machen nichts anderes als Corona“ antwortet und Stefan Neumann ihm, an Möhler gerichtet, beipflichtet: „Da haben Sie keine Ahnung, was da gerade abgeht!“

Fünf positive PCR-Tests pro Tag

Was da gerade abgeht, schildert Dr.Andrea Grups, Ärztin, allerdings aus ganz anderer Perspektive: Sie impfe viermal wöchentlich und würde das auch öfter tun und habe in ihrer Praxis jeden Tag fünf positive PCR-Tests. Die Lage auf den Taläckern bezeichnet sie in aller Deutlichkeit als „Durchseuchung“ und fordert Aufklärungsaktionen von der Stadt. Es kämen hauptsächlich Menschen zur Boosterimpfung, die dringend notwendigen Erstimpfungen kämen zu selten.

Sie berichtet davon, dass sich innerhalb von Familien die Quarantänezeiten über Wochen hinziehen, wenn die Familienmitglieder der Reihe nach positiv getestet werden und verweist auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die diese Situation mit sich bringt. „Ich glaube schon, dass sich die Stadt positionieren müßte!“

Neumann wirkt ratlos

„Mir ist das klar“, antwortet Neumann und wirkt dabei regelrecht ratlos: „Den Leuten, die das betrifft, ist das scheißegal. Es ist an den Leuten, das [die Impfung, Red] zu lassen oder auch nicht“, entgegnet er Grups. Statt auf die Anregung einer weiteren Informationsaktion einzugehen, verweist er auf die vorhandenen Banner an der B19 und berichtet aus der Stadtverwaltung, dass es auch dort einen harten Kern von Impfgegnern gebe – und dass es demnächst zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen bis hin zur Kündigung kommen könne.

Erfahrungen aus anderen Städten

Dabei zeigt die Erfahrung aus anderen Städten, dass gezielte Werbeaktionen vor Ort, beispielsweise im Einzelhandel,  und gegebenenfalls in Fremdsprache erfolgreich sein können. Auch das Landratsamt warb vor einiger Zeit für eine Impfbusaktion auf Taläcker in mehreren Sprachen.

Rainer Süßmann springt Grups zur Seite und will aus Gesprächen erkannt haben, dass die Impfunwilligkeit abnimmt: „So ganz dick ist das Brett nicht mehr, das wir bohren müssen.“

Text: Matthias Lauterer

 

 




Für alle Zwecke gültig

Die Schule nach den Pfingstferien hat wieder begonnen und angesichts der gesunkenen Corona-Zahlen gibt es wieder überall vollen Präsenzunterricht, das heißt, alle Klassen dürfen regulär unter Pandemiebedingungen in die Schule. Maske tragen und Tests müssen aber nach wie vor sein.

Bescheinigungen gelten 60 Stunden

Seit dieser Woche stellen die Schulen den Kindern Bescheinigungen aus über das negative Testergebnis, die dann 60 Stunden gelten. Und es kommt noch besser. Mathea Weinstock von der Pressestelle des Landratsamtes Hohenlohekreis schreibt auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Die Bescheinigung über das negative Testergebnis kann für alle Zwecke verwendet werden. Wichtig ist nur, dass diese Bescheinigung von einer Person ausgestellt wird, die hierzu berechtigt ist.“ Somit können diese Bescheinigungen auch für andere Gelegenheiten als die Schule verwendet werden – beispielsweise für einen Besuch im Tierpark  oder Eiscafé.

Nur Tests in der Schule

Allerdings gilt das nur, wenn das Kind in der Schule getestet wurde. Wenn die Eltern die Tests zu Hause durchführen, wie das beispielsweise in manchen Grundschulen der Fall ist, gilt ein etwas anderes Verfahren: Diese Eltern müssen in der Woche, bevor sie die Bescheinigung brauchen, das in der Schule anmelden. Dann wird das Kind in der Schule getestet und erhält dort bei negativem Ergebnis die Bescheinigung.

Privatleute als Corona-Tester

Übrigens können auch Privatleute zum Corona-Tester werden. Bei den Johannitern beispielsweise kann man unter https://www.johanniter.de/johanniter-unfall-hilfe/corona-informationsseite/neuer-kurs-zur-anwendung-von-corona-antigen-tests/#c79218 ganz einfach einen einstündigen E-Learning-Kurs absolvieren und darf dann an anderen Menschen Schnelltests anwenden und Bescheinigungen über negative Ergebnisse ausstellen. Kostenpunkt für einen solchen Kurs: 10 Euro. In den Kursen selbst, die auch als geschlossenes Gruppentraining oder als Hybridkurs stattfinden können, wird einem gezeigt, worauf bei der Anwendung und Vorbereitung von Corona-Antigen-Schnelltests geachtet werden muss.




„Die Coronavirus-Testverordnung schreibt keine konkreten Maßnahmen zur Überwachung von Testzentren durch die Behörden vor“

Nach über einem Jahr Corona-Pandemie schießen Testzentren mittlerweile wie Pilze aus dem Boden. Sie sollen den Menschen, die einen negativen und zertifizierten Test brauchen, bevor sie beispielsweise ein Geschäft betreten, den Zugang zu eben diesen Tests erleichtern. Doch nun stehen die Test-Zentren zunehmend in der Kritik. Einige Betreiber stehen im Verdacht, bei den Abrechnungen betrogen zu haben – sie sollen mehr Tests, als sie durchführten, abgerechnet haben. GSCHWÄTZ hat daraufhin nachgefragt bei der Stadtverwaltung Künzelsau und dem Landratsamt Hohenlohekreis, ob es auch in Hohenlohe zu solchen Betrügereien gekommen ist.

Stadt und Apotheken haben gemeinsame Testzentren

In ihrer Antwort-Mail schreibt Helen Bühler von der Pressestelle der Stadtverwaltung: „In Künzelsau gibt es keine Falschabrechnungen von Corona-Teststationen. Die bekannt gewordenen Falschabrechnungen sind in Großstädten bei fachfremden Betreibern vorgekommen.“ In Künzelsau gibt es ein Schnelltestzentrum in der Stadthalle und eine Außenstelle am Alten Rathaus – beide werden gemeinsam von der MediKün-Apotheke, der Hohenlohe-Apotheke van Dorp, dem Roten Kreuz Ortsgruppe Künzelsau und der Stadtverwaltung Künzelsau betrieben. „Die Organisation, Terminreservierung und Ergebnisauswertung erfolgt über eine manipulationssichere Software, bei der die Zahl der durchgeführten Tests taggenau dokumentiert wird“, so Bühler weiter.

Lückenlose Dokumentation

„Bei der Außenstelle am Alten Rathaus, wo die Testate manuell ausgestellt werden, wird die Zahl der Tests mit der Uhrzeit jedes einzelnen Tests festgehalten. Diese Zahlen werden wöchentlich an das Gesundheitsamt Hohenlohekreis und monatlich an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg gemeldet.“ Die Zahl der durchgeführten Tests sei so lückenlos und jederzeit nachprüfbar dokumentiert.

Privat Betreiber kontrolliert das Landratsamt

„Kontrollen gibt es bisher keine, wohl unter der Prämisse, dass möglichst schnell ein großes Angebot an kostenlosen Schnelltests geschaffen wurde“, schreibt die Rathaus-Mitarbeiterin weiter. „Erschwert werden Kontrollen durch einen äußerst strengen Datenschutz, indem keine personenbezogenen Daten an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg gemeldet werden dürfen.“ Das sei eine Institution, „die auftragsgemäß sensible Daten verwalten und schützen muss“. Die Kontrolle der privaten Betreiber von Testzentren sei hingegen die Aufgabe der Oberbehörde, also des Landratsamtes.

Unter anderem am Baumarkt Globus in Künzelsau gibt es eine private Teststation, aber auch noch an diversen anderen Plätzen im Hohenlohekreis.

Keine Überwachungspflicht, auch bei privaten Betreibern

Das Landratsamt weiß ebenfalls von keinen Betrügereien im Hohenlohekreis – auch habe es noch keine Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben. Mathea Weinstock von der Pressestelle weisst jedoch auf GSCHWÄTZ-Anfrage daraufhin hin, dass es keine Überwachungspflicht seitens des Landratsamtes, auch bei privaten Betreibern gäbe: „Die Coronavirus-Testverordnung beschreibt keine konkreten Maßnahmen zur Überwachung von Testzentren durch die Behörden. Die Beauftragung von Leistungserbringern im Sinne des § 6 Abs. 1 Nr. 2 Coronavirus-TestV ist in Baden-Württemberg durch eine Allgemeinverfügung des Sozialministeriums geregelt.“ Im Landratsamt rechnet man allerdings damit, „dass diese zeitnah angepasst wird“ und wird dann auf „Grundlage der Anpassung tätig“ werden. „Bislang sind weder die zulässigen Maßnahmen noch der Umfang der Überprüfung für die untere Gesundheitsbehörde rechtlich definiert“, so Mathea Weinstock weiter.

Text: Sonja Bossert

 




Jetzt doch: Corona-Testpflicht im Kindergarten Niedernhall

Nicht schlecht staunten einige Niedernhaller Eltern, als sie am Mittwochnachmittag, den 12. Mai 2021, über die Kindergarten-App einen Brief von Bürgermeister Achim Beck erhielten. In diesem Brief (siehe unten) werden die Eltern informiert, dass die Kindergartenkinder ab Montag, 17. Mai 2021, die Einrichtung nur noch besuchen dürfen, wenn sie sich zweimal wöchentlich, jeweils am Montag und Donnerstag, einem Corona-Schnelltest unterziehen. Beck weist in seinem Schreiben darauf hin, dass die 7-Tage Inzidenz in Niedernhall derzeit über 500 liegt, Maßnahmen zur Eindämmung also dringend notwendig sind.

In den Facebook-Gruppen der Eltern wird heftig diskutiert

Trotzdem gibt es Kritik vonseiten der Eltern, obwohl die Tests an sich überwiegend als sinnvoll angesehen werden. Wichtigster Kritikpunkt ist die Kurzfristigkeit der Ankündigung: Eltern hätten keine Zeit, ihre Kinder auf die Tests vorzubereiten. Außerdem finden es einige Eltern sehr befremdlich, dass das Rathaus wegen des Brückentags am Freitag, 14. Mai 2021, nicht besetzt ist. Einige Eltern unterstellen Achim Beck sogar die Absicht, durch die kurzfristige Ankündigung Rückfragen unmöglich machen zu wollen: „Es hat schon e Gschmäckle“. Einer stellt die Frage, ob ein Bürgermeister eine solche Entscheidung überhaupt ohne Gemeinderatsbeschluß treffen könne. Und sogar die Rechtmäßigkeit des Kaufs einer großen Zahl von Testkits wird aus Elternkreisen hinterfragt.

„Nichtmal mehr wütend“ sondern „einfach nur traurig und maßlos enttäuscht“

Für manche entsteht der Eindruck, dass Beck einfach nur hilflos ist angesichts der extrem hohen Inzidenz, und nicht wisse, wo er ansetzen soll. Die Kindergärten seien sicherlich nicht das Problem, schließlich habe es bei den freiwilligen Tests nur einen positiven Fall gegeben – und auch der sei durch PCR-Test falsifiziert worden.

Spiel mit der Abhängigkeit der Eltern

Wie aus den facebook-Beiträgen und aus dem persönlichen Gespräch mit Eltern hervorgeht, fühlen sich die Betroffenen von Bürgermeister Achim Beck nicht ernstgenommen, geradezu überfahren. Es gehe schließlich um eine Notbetreuung, die Eltern seien von dieser Dienstleistung der Gemeinde abhängig, da sie selber zur Arbeit gehen müssen. Diese Zwangslage, so ist der Eindruck, nutze Beck aus.

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

Abstrichstäbchen erzeugen Angst

Die Eltern eines Kindes berichten davon, das ihr Kind inzwischen Angst vor den Tests entwickelt hat. In Österreich verwendet man für Kinder andere Formen von Tests, zum Beispiel Spuck- oder Lolli-Tests. Diese sind nicht schmerzhaft und vom Vorgehen her kindgerechter:

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

Flucht in Sarkasmus

Den ein oder anderen Beitrag in der facebook-Gruppe kann man nur noch als Flucht in den Sarkasmus verstehen:

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

 

Auch Bürgermeister Beck in einer Zwangslage

Ganz ohne Zweifel befindet sich auch Bürgermeister Beck in einer Zwangslage: Die hohe Inzidenz in Niedernhall und Umgebung hat nicht nur Auswirkungen auf das Leben der Menschen und der Wirtschaft der Stadt, sondern sie treibt die Inzidenz des Hohenlohekreises nach oben – und von dieser Kennzahl ist zum Beispiel abhängig, ob und wann Geschäfte und Gastronomie im gesamten Landkreis wieder öffnen dürfen. GSCHWÄTZ hat daher versucht, von Bürgermeister Beck eine Stellungnahme zu erhalten, zum Beispiel darüber, worauf er die hohe Inzidenz in seiner Stadt zurückführt und über die rechtlichen Hintergründe seiner  Entscheidung.

Das Rathaus war nicht besetzt

Leider war er am Freitag weder für telefonische noch für schriftliche Rückfragen erreichbar: Das Rathaus war nicht besetzt.

Text: Matthias Lauterer

 

Brief von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck vom 12. Mai 2021. Quelle: privat




„Meine Kinder werden nicht von irgendwem getestet“

Ab Freitag, den 09. April 2021, sollen in den Kindertagesstätten von Niedernhall die Kinder zweimal wöchentlich – voraussichtlich montags und donnerstags – mittels eines Schnelltests auf Corona getestet werden. Dies geht aus einem Schreiben von Bürgermeister Achim Beck an die betroffenen Eltern hervor, das unserer Redaktion vorliegt und das auf den 07. April 2021 datiert ist. Der Rathauschef hält die Tests für eine gute Sache. Auf GSCHWÄTZ-Anfrage schreibt er: „Ich persönlich halte das Testen für eine gute Kombination zu allen anderen Maßnahmen. Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir schnellstmöglich die pandemische Lage in den Griff bekommen, um zügig zu unserem gewohnten Leben zurückzukommen. Wenn das Testen dazu führt, Infektionsgeschehen rechtzeitig zu erkennen und damit einzelne Einrichtungen vor einer Schließung zu bewahren, dann ist das im Sinne aller Beteiligten, ganz besonders für die Eltern.“
Vorerst Tests bis Pfingsten geplant
Grundsätzlich sollen die Tests freiwillig sein. Die Eltern müssen dazu eine Einverständniserklärung abgeben, weigern sie sich, dürfen ihre Kinder trotzdem in die Kita. Bürgermeister Beck zur geplanten Dauer der Testungen: „Derzeit haben wir eine Testreserve bis zu Beginn der Pfingstferien beschafft. Ob darüber hinaus weitere Testungen stattfinden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“ Bezahlt werden die Tests zunächst von der Stadtverwaltung. „Bislang ist die Stadt Niedernhall hier in Vorleistung gegangen. Selbstverständlich hoffe ich auf eine Erstattung durch das Land“, schreibt dazu der Rathauschef.
Erzieherinnen weigern sich laut Elternaussagen teilweise
Bei den Tests handelt es sich um den „Hotgen – Coronavirus Antigentest/Schnelltest“, die die Stadtverwaltung von der örtlichen Morstein-Apotheke bezogen hat. Mit diesen soll ein Abstrich im vorderen Nasenbereich vorgenommen werden. Das Kita-Personal soll vorher durch die örtliche Allgemeinarztpraxis Dr. Ehrmann in der Anwendung der Tests geschult werden, sodass diese die Testungen begleiten oder sogar an den Kindern vornehmen könnten. Wie ein betroffener Vater, dessen Kinder die Kita Giebelheide besuchen, uns im Gespräch mitteilte, sollen sich die Erzieherinnen teilweise weigern, die Kinder zu testen. „Die wussten bis zum Abend davor nichts davon und sie sagen, dass die Kita ein sicherer Platz für die Kinder sein soll.“ Er fragt sich nun, ob jetzt externe Tester in die Kita kommen werden.
Tests nur in der Kita
Die Tests sollen ausdrücklich in der jeweiligen Einrichtung erfolgen und nicht zu Hause angewendet werden. Dazu Bürgermeister Beck auf die GSCHWÄTZ-Anfrage: „Wir halten die Tests in der Einrichtung für zielführender. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko sehen wir hier nicht. Die Testung in den Einrichtungen ist so vorbereitet, dass die Eltern lediglich den Nasenabstrich vornehmen, das pädagogische Personal übernimmt dann die zeitaufwendige Auswertung. Daher müssen die Eltern nicht mit einem zeitraubenden Verfahren rechnen.“
Auswertung durch das Personal
Bürgermeister Beck schlägt in seinem Schreiben an die Eltern folgende Vorgehensweise vor: Die Eltern nehmen die Tests an ihren Kindern unter Begleitung des pädagogischen Personals vor, was nach seiner Einschätzung rund eine Minute dauern dürfte. Nach dem Test verlassen die Eltern die Einrichtung, die Auswertung übernimmt das pädagogische Personal. Sollte ein Kind positiv getestet worden sein, würden die Eltern rund 15 Minuten nach dem Test informiert werden. Sie müssten ihre Kinder wieder aus der Kita abholen.
Widerspruch schon zwei Wochen vorher
Das Vorgehen der Niedernhaller Stadtverwaltung wirft bei betroffenen Eltern Fragen auf. Nach Aussage des betroffenen Vaters wussten auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zunächst nichts vom Schreiben des Bürgermeisters, als er diesen kontaktieren wollte. Diese Familie hat, so sagt der Vater weiter, bereits zwei Wochen vor dem Bürgermeister-Brief gegen eventuelle Testungen ihrer Kinder widersprochen: „Unsere Kinder werden auf keinen Fall ohne unser Beisein getestet, das habe ich vor zwei Wochen bereits Herrn Beck geschrieben.“ Die Eltern hatten damals schon befürchtet, dass medizinisches Personal „in voller Montur (komplett vermummt) in die Kindergärten gehen und Tests machen. Da würden unsere Kinder von drei Jahren nie mehr schlafen und dann noch die Schmerzen“.
Zeit-Problem
Der Mann betont ausdrücklich, dass er nicht gegen die Tests sei, aber er möchte nicht, dass „die Kinder von irgendwem getestet werden“. Er wolle bei den Tests dabei sein, aber: „Wie stellt er [Bürgermeister Beck, Anmerk. der Redaktion] es sich so kurzfristig vor? Viele Eltern müssen arbeiten, sind alleinerziehend. Wie sollen zum Beispiel wir das machen? Meine Frau arbeitet ab 6.30 Uhr. Um 7 bringe ich die Kinder zum Kindergarten, meine Pflichtarbeitszeit ist ab 7.15, hab dann keine 20 Minuten, Zeit dort zu warten.“
„Aktuell ist uns nicht bekannt, ob Tests in Kitas durchgeführt werden sollen“
Der Widerspruch der Familie ging an Bürgermeister Beck, Landrat Dr. Neth sowie an das Gesundheitsamt. Aus dem Rathaus kam am 30. März 2021 die Bestätigung über den Eingang ihres Widerspruchs. In dem Antwortschreiben der Verwaltung steht: „Aktuell ist uns nicht bekannt, ob – und wenn ja – in welcher Form Tests in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden sollen.“ Der Vater fragt sich nun: „Am 30.3. ist ihr nichts von Tests bekannt und zwei Tage nach Ostern hat Herr Beck Tests angeschafft und will zwei weitere Tage später testen und zum Widerspruch hat man nur einen Tag Zeit?“ Ob das wohl Absicht gewesen sei, überlegt er.
Impfzwang durch die Hintertür?
Die Gedanken des Vaters gehen aber noch viel weiter: „Bisher waren solche Tests für Hotspots vorgesehen wie in Teilen von Schwäbisch Hall. Niedernhall ist kein Hotspot. Wie viele Fälle gibt es aktuell in Niedernhall? Wie viele davon waren oder sind Kinder?“ Er fragt sich, ob so den Familien gesagt werden solle, dass doch die Kinder Pandemietreiber seien. Und ob den Eltern Angst gemacht werden soll und sie quasi über diesen Umweg zum Testen und zum Impfen gezwungen werden sollen wie später auch die Kinder.
„Dann kann man sich den Test auch sparen“
Auch das weitere Vorgehen nach den Tests sieht der Mann kritisch: Nach dem Test sollen „die Kinder alle zusammen im Gruppenraum warten“. Dann könne man sich nach seiner Ansicht „den Test sparen, wenn dann nämlich eines der Kinder positiv ist, wären alle Kinder K1 und da wäre es sehr spannend, wie lange die Arbeitgeber sowas mitmachen“. Sinnvoller würde er unter diesem Gesichtspunkt finden, „eigene Tests daheim durchzuführen, als alle Kinder zusammen warten zu lassen“. Denn auch: „Was macht man in der Zeit mit den Kindern, dürfen sie wie Kinder spielen oder müssen sie still sitzen und es wird über Corona und Tests erzählt?“ Er befürchtet, dass die Kleinen so nur verängstigt werden. „Von den psychischen Dingen ganz zu schweigen – privat keine Freunde und dann solche Erlebnisse in einem eigentlich sicheren Raum.“
Gespräch mit Bürgermeister Beck
Zwischenzeitlich hatte der Vater ein Gespräch mit Achim Beck, der bedauerte, „dass die Kommunikation in diesem Fall schlecht gelaufen ist“. Was den Vater dennoch verärgert: „Bürgermeister Beck hat mir gesagt, dass er der allgemeinen Gesellschaft unterstellen müsste, dass die Tests zu Hause nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden.“ Der Rathauschef soll in dem Gespräch mit dem Vater auch gesagt haben, „dass er sich erst am 31. März für die Tests entschieden habe, nachdem er mit seiner Frau darüber gesprochen hatte“. Und Beck hat sich wohl mit den Bürgermeistern von Forchtenberg und Weißbach abgesprochen. Seiner Aussage dem Vater gegenüber sollen demnächst dort die Kita-Kinder ebenfalls getestet werden.

Schreiben des Bürgermeisters Achim Beck an die Kita-Eltern (Seite 1). Quelle: privat

Schreiben des Bürgermeisters Achim Beck an die Kita-Eltern (Seite 2). Quelle: privat