1

„Das ist Manipulation auf einem TOP Level“

Der Fall Christina Block schlägt seit Wochen hohe Wellen in Deutschlands Medien. Die Gerichtsverhandlung soll sich noch mindestens bis Frühjahr 2026 ziehen. Die zentrale Frage: Hat die Steakhouse Erbin oder hat sie nicht die so genannte Entführung von zwei insgesamt vier ihrer Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 in Auftrag gegeben?

Wer hat hier wen entführt?

Die  Frage, die sich daran anschließt: Wäre es überhaupt eine Entführung gewesen, da die Anwälte von Block argumentieren, dass die die Mutter zu diesem Zeitpunkt das Sorgerecht hatte und die Kinder in Hamburg hätten sein müssen, der Vater Stephan Hensel sie aber nach einem Papa-Wochenende zwei Jahre zuvor in Dänemark einbehalten hat.

Die Täter-Opfer-Geschichte um 180 Grad gedreht?

Der dänische Investigativ-Reporter Jens Hovsgaard hat über den Fall Block ein Buch geschrieben. Bei seinen Recherchen stützt er sich hauptsächlich auf Gerichtsakten und Aussageprotokolle von Stephan Hensel, seiner dänischen Frau Astrid sowie die betroffenen Kinder. Er ist sich mittlerweile sicher: Das, was Stephan Hensel und seine Frau Astrid damals betrieben hat, um die Kinder bei sich in Dänemark behalten zu können, sei „Manipulation auf höchstem Level“ gewesen. Und nennt hierfür im GSCHWÄTZ-Interview mit Dr. Sandra Hartmann auch zahlreiche Gründe, unter anderem hätten laut der Aktenlage Stephan Hensel und seine Frau Astrid nach dem Einhalten der Kinder diese an einer neuen Schule angemeldet und der Schulleitung erzählt, dass Hensel das alleinige Sorgerecht hat.

Der dänische Staat versuche in erster Linie, Kinder vor Gewalt zu schützen

De facto lag aber der umgekehrt Fall vor. Doch: Niemand schien das nachzuprüfen. Ebenso berichteten sie den Behörden direkt von einer angeblich gewalttätigen Mutter, von „Entführungsplänen“ der Mutter, auch den Kindern wurden diese Pläne vermittelt, obwohl zu diesem Zeitpunkt eigentlich Hensel derjenige war, der die Kinder laut dem Hamburger Gericht hätte wieder herausgeben müssen und selbstverständlich Christina Block ihre Kinder wieder in ihrer ursprünglichen Heimat Hamburg wissen wollte. Hier sei quasi die Geschichte um 180 Grad hinsichtlich Täter und Opfer sofort gedreht worden – aber auch hier habe keiner genauer hingesehen. „Sobald die dänischen Behörden mitbekommen, dass Kinde möglicherweise Gewalt ausgesetzt sind, versuchen sie, diese Kinder zu schützen“, erklärt Hovsgaard die dänische Politik. Das Problem: Wenn die Faktenlage lediglich auf mündlichen Worten beruht und es ansonsten keinerlei Beweise gibt, kann man dem anderen Elternteil und mutwillig und zu Unrecht die Kinder auf diese Weise über Jahre oder gar für immer vorenthalten.

Entfremdung und Manipulation – Beeinflussung der Kinder von ihrem Vater?

Auffallend sei auch, dass man die Beschreibung der Gewalt in den Aussagen immer mehr gesteigert habe und dass die Kinder sich zunächst völlig widersprüchlich dazu äußerten dazu. Das berichten inzwischen auch mehrere deutsche Medien, wie etwa der Business Insider und Focus. dann aber mehr und mehr dieselbe Geschichte wie Hensel erzählt haben, ohne aber in Details zu gehen – ein deutlicher Hinweis für eine Manipulation der Kinder, ist sich Hovsgaard sicher. Eine Entfremdung zur Mutter und zur ursprünglichen Heimat könne man allein durch die relativ isolierte Lage der Kinder sehen, ist sein Eindruck.

Wenn einer Seite anhand von verbalen Aussagen direkt geglaubt wird

Die Blocks seien immer wieder verunglimpft worden, in etwa dahingehend, dass die Kinder völlig verwahrlost gewesen seinen und man erst einmal das Fenster im Auto herunterdrehen musste, weil sie nach den Aufenthalten bei Blocks gestunken hätten. Die Verunglimpfung der Familie Block wurde nie belegt. Dennoch hielt man an allein Hensels Version fest – bis heute. Auch die Medien übernehmen diese Darstellung, zwar als Zitat von Hensels Seite. Dennoch ist auffällig, dass wenn von Seiten Block etwas zitiert wird, häufig noch (korrekterweise das Wort „behauptet“) dabei steht, von Seiten der Familie Hensel jedoch nicht selten lediglich das Wort „sagt“. Damit passiert in der medialen Berichterstattung derzeit genau das, was auch bei Behörden geschehen ist. Auch die damaligen Behörden hätten vieles einfach als wahr eingestuft, was von Seiten Hensel gekommen sei, ohne Prüfung, so Hovsgaard.

Zur Eskalation habe Hensels Verhalten geführt, die Kinder einfach in Dänemark einbehalten zu haben, sagt Hovsgaard

In der Regel gestaltet sich das mit der Beweislage so: Man kann nicht einfach behaupten, jemand hätte X getan. Wenn man da behauptet, muss man es belegen können, nicht nur durch Worte, sondern auch durch nachprüfbare Dokumente. Ansonsten ist es eine reine Verunglimpfung der Person.

 

 




„Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen“ – Christina Block und das Prinzip „Monster-Mutter“

Christina Block – Warum Mütter medial und gerichtlich in Deutschland nicht selten den Kürzeren ziehen: Ihr Exmann behält nach der Trennung die Kinder in Dänemark, obwohl sie das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht hat. Niemand greift ein. Irgendwann entscheidet das Gericht in Hamburg, dass die Kinder nun eben in Dänemark verwurzelt seien. Eine verzweifelte Mutter sucht nach Wegen, um wieder Kontakt zu ihren inzwischen völlig entfremdeten Kindern aufzubauen.

Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat

Doch medial wird die Unternehmerin überwiegend nur als Täterin dargestellt. Kein Verständnis für das Mutter-Sein, kein Verständnis für die Entfremdung, keine Empathie. Wenn die vierfache Mutter im Gerichtssaal weint, verdreht die deutsche Öffentlichkeit scheinbar genervt die Augen, denn Emotionen im Gerichtssaal zu zeigen, das wird oft noch als Schwäche gewertet. Es geht hier eben nicht nur um eine vermeintliche Entführung, die einfach zu erzählen ist, weil es doch klar ist, wer hier die Teufelin und wer der good daddy ist. Es geht hier um noch so viel mehr, um den Entzug der Mutter von heute auf morgen über Jahre, um Manipulation, Machtmissbrauch und Kindeswohlgefährdung, die eigentlich keine Gefährdung mehr ist, sondern Missbrauch in seiner reinsten Form – die gezielte Isolation von Kindern von einem Teil der Familie in einem anderen Land und eine massive Manipulation der Vergangenheit gegen einen Elternteil, der vermeintlich „böse“ ist und der völlige Kontaktabbruch das scheinbar adäquate Mittel. Isolation und Abschottung. Warum aber will das die mediale Außenwelt nicht auch diese Seite sehen und näher beleuchten? Die Antwort ist ganz einfach. Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat.

Zu Beginn dieses Artikels möchten wir betonen, dass wir generell jede Form von Gewalt an Kindern ablehnen,  jede Form von Missbrauch und Kindeswohlgefährdung – emotionaler und körperlicher Natur. 

Der derzeit vor dem Hamburger Gericht verhandelte Fall von Christina Block, einer prominenten Mutter, die ihre Kinder „entführt“ haben soll, wird medial deutschlandweit verfolgt. Fast täglich kommen neue Presseberichte direkt aus dem Gerichtssaal. Das Medieninteresse ist groß. Die BILD schreibt ebenso darüber wie die Süddeutsche Zeitung, aber auch diverse Online-Medien. Eine Mutter soll ihre eigenen Kinder entführt haben. Ein Skandal. Und eine Story, die leicht eingängig ist und sich gut vermarkten lässt. Das Problem dabei ist nur: Hier findet eine Verkehrung der Umstände um 180 Grad statt und niemanden scheint das zu interessieren.

Was ist passiert?

2014 trennt sich die Millionen schwere Steakhouse-Erbin Christina Block von ihrem damaligen Ehemann Stephen Hensel. Die Scheidung folgte vier Jahre später Nachdem Hensel erst wie Block weiterhin in Hamburg gewohnt hatte, zog er 2019 mit seiner neuen Familie ins dänische Gråsten. Als die älteste 15-jährige Tochter im Sommer 2021 beschloss, zu ihrem Vater zu ziehen, eskalierte der Streit. Beim Hamburger Jugendamt erhob Hensel Vorwürfe gegenüber Block. Er sprach von „Klapsen auf den Hinterkopf“. Seine Ex-Frau bestritt diese Anschuldigungen.

Als Hensel seine beiden jüngsten Kinder im August wie üblich für ein Besuchswochenende abgeholt hatte, kehrten sie danach nicht zu ihrer Mutter zurück. Hensel schrieb Block stattdessen eine E-Mail, in der er ankündigte, das Jugendamt zu kontaktieren. Die jüngste Tochter habe „Angst vor deinem Verhalten“, und das Verhalten gegenüber dem Sohn sei „kindeswohlgefährdend“.

Wenn Behauptungen des Vaters ausreichen, die Kinder jahrelang vor der Mutter komplett zu verstecken

Das Amtsgericht Hamburg sprach ihm im September 2021 vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine beiden Kinder zu. Die Mutter legte Beschwerde ein, doch vor Gericht erneuerten die Kinder die Vorwürfe. Beide beteuerten, nicht zurück zu ihrer Mutter zu wollen. Im Oktober 2021 entschied das Gericht jedoch, dass Hensel die Kinder an die Mutter „herauszugeben“ hat. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht wurde vorläufig der Mutter übertragen. Später sollte in einem Hauptverfahren geklärt werden, wo die Kinder leben sollen.

Hensel kam der Aufforderung des Gerichts aber nicht nach. Es folgten zahlreiche Verfahren in Dänemark, doch der Hamburger Beschluss wurde nicht vollstreckt. Block zeigte ihren Ex-Mann dann wegen Kindesentziehung an. Das Amtsgericht lehnte zunächst die Eröffnung eines Hauptverfahrens ab, jetzt muss das Landgericht darüber entscheiden. Im November 2022 soll Block eine Sicherheitsfirma angeheuert haben, die bei der „Rückführung der Kinder“ helfen sollten, wie der Spiegel vom damaligen Geschäftsführer erfuhr. Der Plan scheiterte jedoch.

Zahlreiche Traumata

Nun gibt es aktuell einen medienwirksamen Gerichtsprozess, in welchem Block vor Gericht steht, ob sie in der Silvesternacht 2023/2024 einen weiteren Rückholversuch unternommen hat beziehungsweise diesen beauftragt hat. Nach Angaben der dänischen Polizei griffen Unbekannte Hensel in Süddänemark an und nahmen den zehnjährigen Jungen und das 13-jährige Mädchen in zwei Autos mit. Block ist unter anderem wegen Kindeswohlgefährdung angeklagt.

Auffällig ist, wie unterschiedlich hier die Behörden, die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Gerichte in ähnlich gelagerten Situationen handeln. Als die gemeinsamen Kinder von Hensel einbehalten werden nach einem Wochenendaufenthalt in Dänemark, geschieht nichts. Als die Kinder nach Jahren für zwei Tage bei Christina Block in Hamburg sind, werden sie von zahlreichen Polizisten kurze Zeit später wieder zurück nach Dänemark gebracht. Sprechen wir hier von Justizversagen oder mysogenem Verhalten? Werden Väter hier mehr unterstützt als Mütter? Oder steht die vermeintlich gewaltsame Entführung der Kinder in der Silvesternacht über allem? Tragen hier nicht zumindest beide Eltern Schuld an den zahlreichen Traumata der Kinder?

Kontaktabbruch, Abwendung, ein Leben in völlige Isolation – soll das normal sein?

Die Kinder verlieren in den Jahren in Dänemark völlig den Kontakt zu ihrer Heimat, ihren Freunden, ihrer Familie. Auch das ist eine massive Form von Kindeswohlgefährdung, auch wenn die Kinder diesen schleichenden Prozess und die massive Manipulation zur Schaffung eines Feindbildes, die Mutter, nicht als solches bewusst wahrnehmen.

Christina Block sieht eben nicht, wie ihr Exmann, alle zwei Wochen ihre Kinder, was das mindeste an Kontakt wäre. Doch auch hier scheint sie gerichtlich keinerlei Rückendeckung zu bekommen, wohingegen Väter oft einen sofortigen sehr starken gerichtlichen Rückhalt bekommen, wenn sie ihre Kinder keinen regelmäßigen Umgang nach einer Trennung haben. Der deutschlandweit aktive Netzwerk Väternotruf scheint hier stark vernetzt in alle Gerichte zu sein, wie deren Homepage zeigt, auf welcher alle möglichen Richter in den einzelnen Gerichten namentlich genannt werden.

Entfremdung von einem Elternteil – noch immer können viele Außenstehende nicht glauben, dass so etwas möglich ist und auch von manchen Elternteilen bewusst und leider sehr erfolgreich praktiziert wird nach einer Trennung, so gibt es zahlreiche Betroffene in Deutschland

Die Kinder entfremden sich immer mehr von allem und leben in ihrer eigenen Welt in Dänemark. Sie bekommen Angst vor der Mutter, möchten nicht mehr zurück, sie auch gar nicht mehr besuchen. Werden sie näher gefragt, was o schlimm an ihrer Mutter ist, sprechen sie selbst etwa davon dass sie streng sei, was die Hausaufgaben betreffe. Also nichts wirklich gravierendes, aber natürlich nervig, wenn man die Wahl hat zwischen einem Elternteil, der in dieser Hinsicht vielleiht etwas lockerer ist, als der andere Elternteil. Insbesondere Jugendliche im Teenageralter bevorzugen hier oftmals den eher „lockeren“ Elternteil. aber auch die Vergangenheit kann man in den Köpfen von Kindern – aber auch Erwachsenen ändern. Wenn Eltern etwa auch ihren erwachsenen Kindern immer wieder davon erzählen, wie viel sie mit ihnen in ihrer Kindheit gespielt haben – nehmen die Kinder das oftmals als gegeben war, weil sie sich gar nicht mehr daran erinnern können und/oder auch erst einmal blindes Urvertrauen in die Geschichten der Eltern haben.

Psychologisch nennt man das „false memory“

Psychologisch nennt man das „false memory“. Man kann false memory eindeutig belegen beziehungsweise widerlegen. Doch leider fehlt es häufig in dementsprechenden Familienrechtsverfahren an psychologischen Expert:innen. False memory macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass pauschale Dinge gesagt werden, ohne näher ins Detail zu gehen. Es handelt sich dabei um falsche Erinnerungen, die Menschen subtil immer wieder gesagt bekommen, bis sie sie als ihre eigenen Erinnerungen verinnerlicht haben. Detailwissen dazu gibt es nicht, weil es sich um künstlich produzierte Erinnerungen handelt.  Bei Christina Block, ohne dass wir die Familie kennen, ist auffällig, dass es zu äußerst vagen, allgemeinen Äußerungen und Andeutungen kommt, dass die Kinder Angst hätten, ihre Mutter würde sie schlagen. Der Vater hat einmal wohl gesagt, dass es „Klapse auf den Hinterkopf“ gegeben habe. Konkrete, detailliert Schilderungen von bestimmten Situationen von Übergriffen bleiben aus. Ob der Vater jemals Gewalt angewendet wird, wird gar nicht erst gefragt. Block selbst bestreitet die Gewaltanwendung. Ob dadurch eine völlige Isolation der Kindern von der alten Heimat, Familie und Freunden gerechtfertigt ist, darf zumindest  bezweifelt werden.

Wie man falsche Erinnerungen erkennen kann

Wenn Kinder traumatische Dinge erleben, bleiben sie oft ihr Leben lang mit allen Details im Gedächtnis und können immer wieder gleichermaßen im Detail reproduziert werden, sogar mit dem Wortlaut der beteiligten Personen zur damaligen Zeit. Werden Sachen erfunden, fehlt es an Detailgenauigkeit und es werden schwammige Formulierungen verwendet.

Wenn Kinder auf einmal anscheinend eine unerklärliche Angst vor einem anderen Elternteil entwickeln, in einer Zeit, in welcher sie nur mit dem anderen Elternteil regelrecht abgeschottet leben, ist das – gelinde gesagt – zumindest auffällig. Wenn man als Elternteil seinen Teenager-Kindern einen Alarmknopf um den Hals hängt, wie es Stephan Hensel getan hat, ist das in erster Linie verstörend für die Kinder und sie denken: „Mein Elternteil macht das zu meinem Schutz. Die Alternative wäre ja auch schlimm. Die Alternative wäre: Mein Elternteil macht das, weil psychische krank ist und und uns von unserer Mutter entfremden möchte.“ In der Regel nehmen betroffene Kinder lieber die „Wahrheit“ an, dass der Elternteil gefährlich und/oder krank ist, bei welchem sie nicht leben und nicht bei welchem sie leben.

Niemand hinterfragt das teilweise skurrile Verhalten des Vaters

Aber auch hier: Dieses absurde Vaterverhalten mit dem Alarmknopf um den Hals von Teenagern wird medial und auch gerichtlich nicht hinterfragt, auch nicht das seiner neuen Frau Astrid, die die Kinder angeblich immer aufgefordert hat, sich immer direkt zu duschen und umzuziehen, sobald sie aus Hamburg von ihrer Mutter nach Dänemark an den Wochenenden zu Besuch kamen. Das Verhalten der Mutter wird hingegen bis in Tagebucheinträge hinein zerpflückt.

Klar ist in jedem Fall: Es gab bis heute keine wirkliche Erklärung für eine völlige Isolierung der Kinder vor Christina Block. Sie ist sicher keine Monster-Mutter, auch wenn sie gerne so dargestellt wird, weil es die Geschichte eben vereinfacht. Weil man sich nicht vorstellen kann und möchte, dass es Menschen gibt, die Kinder als Machtmittel einsetzen, als Trophäen einbehalten, vollkommen isolieren – nicht weil sie sie lieben, sondern um den anderen Elternteil nach einer Trennung damit zu quälen. Dann ist der Gedankengang bequemer, der Mutter die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben und zu sagen, wie furchtbar diese ganz bestimmt zu ihren Kindern war.

Entfremdung hält oft ein Leben lang an – wenn ein Elternteil, der nichts Schlimmes getan hat, aus dem Leben verbannt wird

Entfremdung kennen viele Außenstehende nicht und halten eine Entfremdung der Kinder von einem Elternteil auch häufig daher auch für unrealistisch. Aber es gibt zahlreiche Fälle in Deutschland in Familienrechtsverfahren, in welchen Väter und Mütter berichten, wie sie von ihren Kindern entfremdet werden, isoliert werden, jäufig durch subtile Beeinflussung, so dass mittelfristig ein stark negativ konnotiertes Bild des anderen Elternteils geschaffen wird aufgrund von eigentlich banalen Begebenheiten. Am Ende steht häufig ein völliger Kontaktabbruch mit einem Elternteil und der Familie des Elternteils, der über Jahre, wenn nicht sogar ein Leben lang andauert, bis der manipulative Elternteil, der bewusst entfremdet hat, stirbt.

Was viele Außenstehende auch immer wieder vergessen: Oft neigen Kinder eher zum Täterschutz als zum Opferschutz. Kinder stehen oft solidarisch hinter dem vermeintlich schwächeren Elternteil (oder dem Angst machenden Elternteil) und übernehmen die Rolle des Erwachsenen, um diesen vermeintlich schwächeren zu schützen und zu stützen – wie etwa wenn Kindern nun gegen die eigene Mutter aussagen sollen vor Gericht. Jedes vernünftige Elternteil hätte es ihnen schützend untersagt, um sie nicht in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Hier scheint es regelrecht forciert worden zu sein vom Vater. Die Kinder werden massiv instrumentalisiert gegen den anderen Elternteil – und das schon lange vor der „Entführung“. Auch das nennt sich Kindeswohlgefährdung, wenn nicht sogar Kindesmissbrauch. Kinder benötigen zumindest einen Anker-Elternteil und an diesem bleiben sie oftmals mit aller Konsequenz hängen – besonders wenn sie so isoliert leben wie Christina Blocks Kinder – bei ihrem Vater und seiner neuen Frau, die laut Medienberichten anscheinend ebenfalls ihre Kinder isoliert vom Vater. Auch hier wird nicht weiter nachgefragt und nachgeforscht. Auch das scheint normal zu sein.

Neue Anwältin, neues Glück?

Nun hat Christina Block sich eine neue Anwältin geholt. Paula Wlodarek. Auffällig ist der Name von ihr. Denn es gibt auch eine sehr bekannte Psychologin mit demselben Nachnamen. Dr. Eva Wlodarek. Es ist nun reine Spekulation, ob die beiden Frauen miteinander verwandt sind, aber es wäre wohl wichtig, die psychologischen Aspekte in diesem Gerichtsprozess nicht außer acht zu lassen. Auch was die mediale Berichterstattung betrifft, die oft entscheidenden Einfluss auf ein Urteil hat.

Wenn der Spiegel etwa unlängst titelt: „Die „verrückten“ Ideen der Frau Block“ – und damit despektierlich die überwältigenden Gefühle abwertet, die Verzweiflung, die eine Mutter erfasst, wenn die Kinder von heute auf morgen nicht mehr da sind, isoliert leben in einem anderen Land. Es ist oft eine männlich-abgeklärte journalistische Sicht auf sehr emotionale Reaktionen, die noch immer den deutschen Journalismus der so genannten Leitmedien prägt. Wer hier auch als Journalist:in mit Christina Block mitfühlen kann, ist oft selbst „nicht ganz zurechnungsfähig“. So einfach ist das. Eine wirklich detaillierte Aufarbeitung der gerichtlichen Abläufe, neutral dargestellt, findet man hingegen oftmals eher in kleineren Medienpublikationen, wie etwa der Artikel: „Wird Stephan Hensel angeklagt?“

Warum hat man die Kinder nicht befragt, als sie in Deutschland waren?

Christina Block ist die Entführerin ihrer eigenen Kinder. Sie ist die Böse. Er der Gute. Das ist das mediale Narrativ. Das auch Stephan Hensel die gemeinsamen Kinder zunächst in Dänemark einbehalten hat unter fadenscheinigen Gründen, das auch das eigentlich einer Kindesentführung in ein anders Land gleichkommt, darüber wird nicht gesprochen. Die Kinder seien ja freiwillig, aus triftigen Gründen bei ihm geblieben, sagen dann Kritiker. Aber wissen wir das wirklich? Wurden Sie vielleicht nicht doch massiv manipuliert und aufgehetzt gegen die Mutter? Warum hat man die Gelegenheit nicht genutzt, die Kinder zu befragen, als sie nach der besagten Silvesternacht in Deutschland waren? Welch eine Chance und man verpasste sie aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Die Bevölkerung möchte an einen funktionierenden Rechtsstaat glauben

Die Bevölkerung möchte an einen funktionieren Rechtsstaat glauben. Man möchte, dass der Rechtsstaat den verurteilt, der im Unrecht ist. Man möchte eine klare Unterscheidung haben zwischen Gut und Böse. Man möchte keine Grautöne. Und die Öffentlichkeit hat schon entschieden, wer „böse“ ist. In Gerichtsberichten wird immer wieder geäußert, dass die vorsitzende Richterin Christina Block scharf anging. Es scheint, als habe auch sie innerlich schon ihr Urteil gefasst und es gelte nur noch die Beweise für eine hieb- und stichfeste Verurteilung zu liefern.

Welche Traumata die Beteiligten durch das jahrelange Zurückhalten der Kinder in einem damals noch fremden Land für sie und für alle Beteiligten, auch bei Christina block entstanden sind, spielen anscheinend indes keine Rolle. Das darf eigentlich auch nicht sein. Wie oft kommen bei Vergewaltigungen und Femiziden tatmildernde Umstände ins Spiel, wie etwa psychologische Ausnahmezustände und/oder Suchtmittel? Warum wir das bei Frauen wie Christina block mit dieser extremen psychischen Belastungen wie des jahrelangen Kinndesentzugs  nicht diskutiert? Warum gibt es bei Frauen oftmals keine mildernden Umstände? Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen.




Kindesentführung oder einfach eine Mutter, die das Recht ihrer Kinder einfordert?

Gab man Christina Block in den vergangenen Tagen in Google ein, erschienen schnell Überschriften mit dem Schlagwort „Kindesentführung“. Hat die Unternehmertochter ihre Tochter und ihren Sohn im Alter von 13 und 10 Jahre an Silvester aus Dänemark tatsächlich entführen lassen? Die Antwort ist mehr als eindeutig. Aber spulen wir doch erst einmal zurück zum Anfang, denn dieses schier unglaubliche Sorgerechtsdrama, das ganz Deutschland bewegt, zieht sich schon seit Jahren hin und wird – leider oder auch erschreckenderweise – von Justiz wegen immer hanebüchener.

Nur eines der vier Kinder kehrte bislang zu Christina Block zurück

Christina Block ist die Tochter von Eugen Block, dem Gründer einer großen Steakhouse-Kette. Sie heiratet 2005 Stephen Hensel, der früher bei der Bank gearbeitet hat und laut diversen Presseberichten nun als Unternehmensberater agieren soll. Gemeinsam bekommt das Paar vier Kinder. 2018 folgte die Trennung. Die Kinder lebten zunächst bei der Mutter und sahen ihren Vater, der inzwischen mit seiner neuen Partnerin in Dänemark, nur unweit der deutschen Grenze, wohnte, regelmäßig alle 14 Tage. Ende August 2021 kehren sie dann nach einem Aufenthalt mit ihrem Vater auf Sylt nicht, wie vereinbart, zur Mutter zurück. Der Vater nahm sie stattdessen mit nach Dänemark. Die ältere Johanna wohnte da schon seit einigen Wochen beim Vater, sie war nach einem Streit mit ihrer Mutter ausgezogen. Seitdem hat die Mutter keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern. Nur eines der Mädchen kehrt nach einem Streit mit dem Vater zu ihr zurück und lebt auch heute noch bei ihr. Während der Vater gegenüber T-Online sagt, dass die Kinder nicht zur Mutter zurück wollten beziehungsweise nach wie vor nicht wollen, weil etwa Klara Angst vor dem Verhalten ihrer Mutter hätte, – dies äußerte er ebenfalls gegenüber dem Hamburger Jugendamt -, wehrt sich Christina Block schon seit Jahren gegen die Gewaltvorwürfe, die ihr Exmann immer wieder erhoben hat. Ihrer Meinung nach hat Stephen Hensel die Kinder ihr gegenüber völlig entfremdet und  manipuliert. Doch welche Version stimmt?

Kinder lassen sich in diesem Alter relativ leicht manipulieren und steuern

Kein Außenstehender weiß, was wirklich geschehen ist, aber wir können zumindest die Fakten, die auf dem Tisch liegen, näher beleuchten. Danach gab es zunächst eine Trennung eines Paares mit vier Kindern. Als die Kinder bei der Mutter lebten, gab es einen regelmäßigen Kontakt zum Vater. Als der Vater die Kinder zu sich holte, wurde dieser Kontakt komplett und von heute auf morgen abgebrochen. Das spricht nicht zu Gunsten eines wohlwollenden Vater, der weiß, dass beide Elternteile wichtig sind im Leben eines Kindes. Selbst wenn die Gewaltvorwürfe gegenüber Christina Block stimmen sollten, wäre ein begleiteter Umgang immernoch erstrebenswert. Aber selbst das hat trotz richterlicher Anordnung nicht geklappt. Christina Block sah ihre Kinder über Jahre hinweg nicht. Diese Tatsachen sprechen dafür, dass der Vater tatsächlich seit Jahren eine Abschottungstaktik betreibt, in welcher die Kinder automatisch entfremdet werden. Damit ist Christina Block in Deutschland nicht allein. Laut einer aktuellen Studie von Dr. Stefan Rücker verlieren 25 Prozent der Kinder nach einer Trennung den Kontakt zu einem Elternteil. Schlimmer noch ist ein manipulatives Vorgehen, in welcher ein Elternteil nicht nur durch Isolation entfremdet, sondern den Kindern darüber hinaus noch permanent und dauerhaft einredet, wie fürchterlich der andere Elternteil ist oder war. Kinder lassen sich in diesem Alter relativ leicht steuern und manipulieren.

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen

Aus rechtlicher Sicht ist die Sache etwas verzwickter, da Rechtssysteme von Dänemark und Deutschland zu entscheiden haben. Aber auch hier zeigt sich eines, wenn man genauer hinschaut, ganz deutlich: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Denn während diverse Presseartikel von „Kindes-Entführung sprechen“, welche Christina Block angeordnet haben soll, um ihre Kinder an Silvester wieder zurück nach Hause zu bringen, verkennt man, dass der Vater seit Jahren die Kinder gegen jedes in Deutschland gesprochene gerichtliche Urteil – dem Heimatland der Kinder – die Kinder bei sich einbehalten hat und jeglichen Kontakt zur Mutter unterbindet. Denn obwohl ein Gericht in Hamburg das Aufenthaltsbestimmungsrecht vorläufig auf die Mutter übertragen hatte, leben die beiden 10- und 13-Jährigen seit mehr als zwei Jahren beim Vater in Dänemark. Es gab zahlreiche Verfahren hierzu. Christina Block hat beharrlich auf dem Rechtsweg versucht, ihre Kinder in ihre Heimat zurückzuholen. Nichts ist geschehen. Die Deutschen Gerichte haben angeordnet, die dänischen Gerichte und Behörden haben diese Urteile nicht umgesetzt. Die Kinder blieben beim Vater. Es gab kein Eingreifen. Nun, als Christina Block ihre Kinder nach Jahren wieder zu Hause im Hamburg hat, entscheidet das hanseatische Oberlandesgericht im Eilverfahren, die Kinder sofort wieder zurück zum Vater zu bringen, weil sie ja da seit über 2 Jahren ihren Lebensmittelpunkt haben. Nach nur vier Tagen wird das möglich, was bei Christina Block seit 2,5 Jahren nicht möglich war: Die Kinder zu ihrem vermeintlich neuen Lebensmittelpunkt zurückzuführen.

Jahrelange Entfremdung von der Mutter und doch ist sie nun diejenige, die im Kreuzfeuer steht und sich verteidigen muss

Erschwerend hinzu kommt, dass dieses rechtlich mehr als widersprüchliche Vorgehen, Tür und Tor öffnet für Väter und Mütter wie Stephen Hensel, die ihre Kinder von heute auf morgen einfach einbehalten, abschotten, so künstlich einen neuen Lebensmittelpunkt schaffen, gerichtliche Anordnungen nicht umsetzen und dann irgendwann ein Gericht entschiedet: Ja, das ist jetzt der neue Lebensmittelpunkt, obwohl solch ein Verhalten rechtswidrig ist und hier Sanktionen folgen müssten. Stattdessen bekommt die Mutter einen europäischen Haftbefehl. Unlogischer und skurriler geht es eigentlich kaum noch. Stephen Hensel wurde letztendlich belohnt für sein Vorgehen, für seine Ignoranz bezüglich der deutschen Rechtsprechung – von der deutschen Rechtsprechung. Als die große Möglichkeit bestand, hat das Gericht diese nicht einmal genutzt – und zwar, die Kinder selbst zu befragen, so sie leben möchten und welchen Kontakt sie sich zu beiden Elternteilen wünschen. Es ist ein Justizskandal, der hier öffentlich zu verfolgen ist. Ein jahrelanges Versagen und selbst jetzt schafft man es nicht, Recht zu schaffen, aufzuarbeiten Verhältnisse zum Wohl der Kinder herzustellen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Staatsanwaltschaft, die sich nun erstaunlicherweise gegen den Beschluss der Richterin, die Kinder zurück nach Dänemark zu bringen, durchsetzt und das Verfahren noch einmal aufgerollt wird.