„Vielleicht kann man sich bei uns den einzigen CO₂-neutralen Herzkatheter setzen lassen“
Mitte September 2021 soll das zweite Gebäude des so genannten Gesundheitscampus Künzelsau auf Schloß Stetten in Betrieb gehen. Noch sind die Arbeiten an einigen Stellen in vollem Gange, trotzdem ließ es sich Christian von Stetten nicht nehmen, GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer durch seine neuen Räumlichkeiten zu führen.

Gesundheitscampus Künzelsau. Links das neue Gebäude. Foto: GSCHWÄTZ

Christian von Stetten, hier mit Staatsekretär Steffen Bilger, kürzlich in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Noch muß an einigen Stellen Hand angelegt werden. Foto: GSCHWÄTZ
Besonderheit des Hauses sind die Gästezimmer, die sowohl stationäre Patienten als auch deren Begleitpersonen aufnehmen können und die keine Krankenhaus- sondern eher Hotelatmosphäre bieten: Die Zimmer sind barrierefrei und somit auch rollstuhlgerecht. Auf Anfrage kann die Ausstattung auch individualisiert werden, zum Beispiel ein Arbeitsplatz eingerichtet werden. Auf die Frage „das ist aber keine Kassenleistung?“, lacht von Stetten und sagt: „Das nicht, aber relativ günstig“.

Sieht eher wie ein Hotel als eine Krankenstation aus. Foto: GSCHWÄTZ.
„Wäre das Krankenhaus nicht geschlossen worden, wäre das hier nicht gebaut worden“
Der Gesundheitscampus wurde zwar auch errichtet, um nach der Krankenhausschließung weiterhin eine breite ärztliche Versorgung anzubieten, „aber davon könnten wir nicht leben“, meint von Stetten. Daher werde man sich auch auf „Check-Ups“ spezialisieren und sei dafür auch schon Kooperationen eingegangen. Er nennt das MaWell-Resort in Langenburg: Teilnehmer von Firmentagungen dort könnten sich auf Schloß Stetten einem Check-Up unterziehen. Von Seiten der Unternehmen scheint es einen Bedarf zu geben, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen überprüfen zu lassen.

Sieht eher wie ein Hotel als eine Krankenstation aus. Foto: GSCHWÄTZ.
Auf dem Gesundheitscampus gibt es zwei Operationssäle: „Planbare Operationen sind nicht unser Ziel, die kann man auch in Heidelberg, Mergentheim oder Würzburg machen lassen.“ Aber akute Herz/Kreislauf-Behandlungen sollen beispielsweise möglich sein. „Es war mir wichtig, dass in der Region Ärzte zur Verfügung stehen.“ Auch für die Entscheidung, sein Alter auf Schloß Stetten zu verbringen, dürfte die Nähe zur ärztlichen Versorgung ein Argument sein. Allein 300 Menschen und damit potentielle Patienten wohnen dort.
Mehrere Ärzte und ein Physiotherapie-Zentrum
Noch will von Stetten nicht sagen, welche Ärzte und welche Fachgebiete in das neue Gebäude einziehen werden. „Das müssen die Ärzte selbst öffentlich machen.“ Allerdings sagt er auch, dass nur noch eine Praxis frei sei. Die anderen Praxen seien bereits vermietet. Dass die Physiotherapeuten von Thera-Fit einziehen werden, ist schon länger bekannt.

Die Geräte für die Physiotherapie sind bereits angekommen. Foto: GSCHWÄTZ
Umweltfreundlich
Stolz ist von Stetten auf die weitsichtige umwelt- und klimafreundliche Planung: Der Strom kommt aus einer Solaranlage, ein Batteriepuffer für den Solarstrom ist in Planung, Wärme wird in einer Hackschnitzelheizung erzeugt und über das bereits auf Schloß Stetten vorhandene Nahwärmenetz eingespeist. „Vielleicht kann man sich bei uns den einzigen CO₂-neutralen Herzkatheter setzen lassen.“ Und das Regenwasser von Dach und Parkplatz werde aufgefangen und für die Bewässerung genutzt.
Bald wieder Open-Air-Konzerte in Künzelsau?
Überhaupt der Parkplatz: Bereits jetzt sei der erste Bauabschnitt gut frequentiert, der Parkplatz sei gut belegt. „Bis aus Ulm kommen Patienten“, stellt von Stetten nach einem Blick auf die Nummernschilder fest, „und ERB, wo ist das?“ Als weitere Nutzung könne man den Parkplatz bestuhlen und es könnten Konzerte für bis zu 3.800 Zuschauer stattfinden. Auf die Frage, ob das dann Klassikkonzerte werden würden, lacht von Stetten: „Die Generation, die mit Rock aufgewachsen ist, setzt sich mittlerweile auch ganz gern hin.“
Auf diesem Parkplatz soll auch der autarke Elektrobus aufgeladen werden, der als Pilotprojekt demnächst auf Schloß Stetten fahren soll (GSCHWÄTZ berichtete).
Noch nicht am Ende
Mit dem zweiten Bauabschnitt ist das Projekt noch nicht am Ende angelangt: Ein drittes Gebäude ist bereits in Planung und soll ab Anfang nächsten Jahres gebaut werden.
Text: Matthias Lauterer