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„Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun“

Dr. Sandra Hartmann hat Klaus Schmitt zum Videointerview in Ingelfingen getroffen. Der Bürgermeisterkandidat, der den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer herausfordert, möchte in Ingelfingen einiges verändern und hat dafür auch schon konkrete Pläne.

„Das hat mir richtig gut getan“

GSCHWÄTZ: Heute habe ich mich im Kurpark in Ingelfingen verabredet, mit Klaus Schmidt. Der zweifache Familienvater und Unternehmer hat seinen Hut in den Ring geworfen um das Amt des Bürgermeisters in Ingelfingen.

Klaus Schmitt: Ich grüße Sie.

GSCHWÄTZ: Sie haben ja am Samstag, den 5. März, den Briefumschlag eingeworfen zur Wahl. Wie ging es Ihnen dabei bei diesem Augenblick?

Klaus Schmitt: Das mir richtig gut getan, weil jetzt diese ganze Anspannung, die vorher da war, weggefallen ist. Die ganzen Überlegungen sind jetzt auf einmal abgefallen. Das Kuvert war drin und ich habe mich an dem Tag richtig gefreut, dass es jetzt losgeht in den Wahlkampf.

GSCHWÄTZ: Wie lange haben Sie denn überlegt, ob Sie kandidieren sollen?

Klaus Schmitt: Ach, da habe ich mir schon einige Monate den Kopf zerbrochen. Aber letztendlich ist es so: Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun. Wenn man was bewegen will, muss man halt auch Verantwortung übernehmen.

Wichtig ist den Bürger:innen der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort

GSCHWÄTZ: Kommunikation ist ja ein großer Begriff Ihres Wahlkampfes, der jetzt nun anläuft, auch wenn es mit Corona etwas schwieriger ist, diverse Veranstaltungen zu machen, diverse Menschen zu treffen. Aber sie haben schon die Fühler ausgestreckt, sie haben mit diversen Bürger:innen gesprochen, auch mit Unternehmern von hier . Gestern haben Sie zu einem digitalen Frühschoppen eingeladen, mit Gemeinderäten und mit Ortsvorsteher. Was konnten Sie denn bisher heraushören, was die Bürger:innen sich von Ihrem künftigen Bürgermeister erwarten?

Klaus Schmitt: Die Themen sind natürlich sehr breit gestreut, aber Stabilität, Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze war ein ganz wichtiger Punkt, der sich da herauskristallisiert hat. Das wird ein Riesenthema sein, das voranzubringen. Und die zweite Sache, das sind eher so diese Lebensumstände in Ingelfingen. Wir sind ja hier im Stadtpark. Die Bürger:innen sind ein bisschen traurig, dass der Stadtpark nicht mehr dieses Ambiente bietet, wie es früher mal war. Und ich glaube, da hat man ganz viel Potenzial, noch was Neues zu schaffen. Angefangen von der Bewirtung, dass man hier auch mal verweilen kann, dass man hier mal einen Kaffee trinken kann bis hin zu einem Spielplatz für die Kinder, wo man den Bachlauf nutzen könnte, um hier auch für die Kinder und ihre Eltern hier einen Platz zu schaffen, wo man länger sich aufhält, wo man einfach auch den Park genießen kann. Es ging um die Boule-Bahn, wie man die noch beleben kann, auch mit Veranstaltungen und bis hin zu Platzkonzerten, die es früher mal gab.

Mariannenstraße muss angegangen werden

GSCHWÄTZ: Nur unweit von diesem Stadtpark befindet sich ja die schöne Mariannenstraße. Auch die war gestern Thema bei dem digitalen Frühschoppen. Es gibt ja auch viele Gemeinderäte, die noch ein Geschäft in Ingelfingen haben sich dementsprechend auch Gedanken machen um, ja, man könnte schon fast sagen, eine Wiederbelebung der Mariannenstraße.

„Das muss jetzt was passieren“

Klaus Schmitt: Absolut. Das ist, ich habe es gestern schon mal erwähnt, ein Thema, wo ich glaube, da muss man mittelfristig denken, es gibt bestimmt Dinge, die kann man sofort angehen. Aber bei der Mariannenstraße muss man eher mittelfristig denken. Was ich aber so vom Gefühl her sagen würde, ist, dass vieles auf Eis liegt, weil man auf Fördergelder wartet. Da frage ich mich, ob das die richtige Strategie ist für die Wiederbelebung ist, weil das ja eigentlich schneller gehen muss. Je länger so ein Geschäft leer steht, umso geringer die Chancen, dass da noch jemand reingeht. Und wenn ich jetzt an Frau Turber denke, wo absehbar ist, dass sie nur noch bis Ende 2022 ihr Geschäft betreibt, müsste man sich jetzt um die Nachfolge kümmern, auch um die Räumlichkeiten, die eigentlich gar nicht mehr gehen. Da gibt es nur Elektroöfen und dann friert man sich vorne an der Theke die Füße ab. Das sind so Dinge, wo ich sage, da kann ich doch nicht warten, bis Fördergelder da sind. Da muss jetzt was passieren.

GSCHWÄTZ: Viele Altbauten in der Innenstadt sind ja stark sanierungsbedürftig. Auch das Thema Spielplätze bewegt die Ingelfinger.

Klaus Schmitt: Im Neubaugebiet auf dem Lipfersberg, wo ich wohne, gibt es gar keinen Spielplatz mehr. Das ist so ein Beispiel, wo die Schaukeln verschwanden und am Schluss dann gar nichts mehr da war.

Thema Spielplätze

GSCHWÄTZ: Woran liegt das? Wissen Sie das?

Klaus Schmitt: Es ging wohl auch um die Bewirtschaftung und dass die Geräte alt waren und man hätte neue kaufen müssen oder platzieren müssen. Und dann hat man gesagt, wegen den paar Kindern brauchen wir das nicht. Das Gelände wurde ja zur Verfügung gestellt von einem, der das sogar gemäht hat. Ich finde es einfach schade. Bei anderen Spielplätzen gibt es wohl ähnliche Situationen, dass die Geräte einfach nicht gewartet und zu alt sind. Das kann man doch mal anpacken. Was mir aber sehr am Herzen liegt, dass diese Ideen nicht nur von mir kommen, sondern auch von dern Bürger:innen der Stadt.

GSCHWÄTZ: Seit 22 Jahren leben Sie mit Ihrer Familie schon hier in Ingelfingen. Wo sehen Sie denn das Kocherstädtchen in fünf Jahren?

Ausbau Gewerbegebiet Stachenhausen

Klaus Schmitt: Zum einen ist es, glaube ich, als Bürgermeister ganz wichtig, die Arbeitsplätze auszubauen. Wir haben das Industriegebiet in Stachenhausen, wo Leute gerne was eröffnen würden oder könnten, wenn man nicht so passiv abwarten würde, bis genügend da sind, sondern vielleicht auch mal in Vorleistung gehen würde, das Gebiet erschließen und dann die Bauplätze auch progressiv anbieten. Das wäre ein ganz wichtiges Thema, dass man Arbeitsplätze schafft und dass man natürlich auch den Menschen, die hier arbeiten wollen, Wohnraum zur Verfügung stellt. Das sind so Themen, die mich antreiben, die mich interessieren und wo ich aber nicht alleine lösen kann, da braucht es die Mitwirkung der Bürger. Und das ist mir ein ganz, ganz großes Anliegen, die Leute abzuholen, zu involvieren in den Prozess. Wie kann man das voranbringen? Ich bin ja nicht Jesus, ich habe nicht alle Antworten parat, aber gemeinsam, da bin ich mir sicher, kriegen wir da gute Lösungen hin.

Teilorte mehr einbinden

GSCHWÄTZ: Es gibt ja diverse Teilorte hier, die manchmal auch das Gefühl hatten, in den vergangenen Jahren so ein bisschen auf eine Nebenstraße zu fahren. Ist es auch ihr Wunsch, diese wieder besser an die Kernstadt anzubinden?

Klaus Schmitt: Auf jeden Fall. Ich kriege ja in den Gemeinderatssitzungen mit, dass da Entscheidungen gefällt werden, wo Tatsachen geschaffen werden und die Leute das einfach dann hinterher schlucken müssen. Und das finde ich katastrophal. Das geht gar nicht. Wir haben das Beispiel in Eberstal, wo Bäume gefällt wurden und der Ortsvorsteher von nichts wusste. Das ist ein No Go.

Bessere Kommunikation mit den Nachbargemeinden Künzelsau und Niedernhall

GSCHWÄTZ: Auch mit den Nachbargermeinden hat Ingelfingen derzeit nicht allzu viel zu tun, mit Künzelsau, mit Niedernhall, mit Weißbach. Sie waren jetzt letztens erst mit Bürgermeister Bernd Herzog von Waldenburg im Gespräch.

Klaus Schmitt: Ja, weil mich das Thema interessiert hat mit einer gemeinsamen Kläranlage. In einer Gemeinderatssitzung habe ich gehört, dass man vielleicht mit Kupferzell und Waldenburg was machen möchte. Da habe ich mich gefragt: Kann das Sinn machen, dass man Abwässer über so viele Kilometer pumpt? Da würde ich gerne mit den Nachbarbürgermeistern nochmal ins Gespräch kommen wollen, ob es hier nicht eine bessere Lösung geben könnte.

TSV

GSCHWÄTZ: Auch sportliche Kooperationen mit den Nachbargemeinden gab es früher wesentlich mehr, Stichwort Fußball oder TSV im Allgemeinden. Zudem gibt es unvorteilhafte Wege für Kinder und Jugendliche, um auf den Sportplatz zu kommen und dann wieder zurück zu den Umkleidekabinen. Da gilt es, die Landesstraße zu überqueren. Ein neues Sportheim, das ja schon seit Jahren gewünscht wird, aber nicht erfüllt wird. Sind das alles Projekte, die relativ einfach von der Umsetzung sind oder denken Sie, dass es schon auch schwierig wird, diese Projekte anzugehen?

Klaus Schmitt: Ich denke, dass es schwierig wird, aber lösbar und man muss sie halt anpacken. Man muss den Willen haben, hier eine Lösung zu finden und sich mit den Leuten an einen Tisch setzen. Denn es gibt ja auch durchaus hier Interessenskonflikte und da gilt es, die Leute an den Tisch zu holen. Da sehe ich meine Rolle als Bürgermeister. Ich muss derjenige sein, der die Initiative ergreift, der sagt: Kommt, Fakten auf den Tisch, was brauchen wir? Wo hängt es, wo hapert es jetzt und wie können wir das lösen? Dann bin ich sicher, gibt es da auch Lösungen zu finden.

Kochen und Gärtnern gehört nicht zu seinen Stärken

GSCHWÄTZ: Jetzt haben wir lange über Ihre Kompetenzen gesprochen. Aber sicher haben Sie doch auch ein paar Schwächen.

Klaus Schmitt: Also Sie meinen jetzt so Dinge wie, dass ich nicht kochen kann und dass ich keinen grünen Daumen habe (lacht).

GSCHWÄTZ: Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause?

Klaus Schmitt: Ich habe eine Frau, die kocht so gerne und es ist ihr so ein großes Vergnügen und eine Freude. Ich habe richtig Glück.

GSCHWÄTZ: Ihre Frau ist auch sehr sozial engagiert, abe ich gehört von einigen Bürger:innen.

Klaus Schmitt: Genau. Sie hat zehn Jahre Theater gespielt auf Schloss Stetten. Sie war im Vertrauensrat bei Würth und ist überall, wo Hilfe gebraucht wird, mit dabei. Und was ich zu dem Thema Schwächen noch sagen wollte Ich weiß von mir, ich bin jetzt nicht gerade der geduldigste Mensch. Bei mir muss alles irgendwie in einem überschaubaren Rahmen auch abgeschlossen sein.

Lieblingsplatz Ruine

GSCHWÄTZ: Ihr Lieblingsplatz in Ingelfingen ist die Ruine.

Klaus Schmitt: Ja, denn ich habe sehr schöne Erinnerungen daran, weil wir hier das eine oder andere Fest schon gefeiert haben und auch die Genießertour hier oben war immer sehr schön. Ein fantastischer Ausblick hat man von der Runie, da kommt bei mir immer so ein bisschen Wehmut auf, dass man da nicht mehr draus macht, weil man könnte ja beispielsweise auch in den Sommermonaten das Bewirtschaften, hier eine Art Besenkneipe reinmachen, dass man zumindest in den Sommermonaten hier diese schöne Aussicht genießen kann, wenn es noch lau ist abends und man da ein bisschen beisammensitzen kann.

 




„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“

Zunächst waren die zehn Zoom-Teilnehmer wohl ziemlich überrascht, wenn nicht sogar beeindruckt, über den fein angerichteten Frühstücksteller, den Klaus Schmitt in die Kamera zeigte. Seine Frau habe diese leckeren Häppchen für ihn vorbereitet. Schmitt hatte schließlich nicht umsonst zu einem virtuellen Frühschoppen am Sonntag, den 07. März 2022, Ortsvorsteher und Gemeinderäte von Ingelfingen eingeladen. Die Teilnehmer sollten dabei auch etwas essen und trinken. Mit Tee, Kaffee oder einem Gläschen Wein ging es los, während der Unternehmer und zweifache Familienvater aus Ingelfingen-Lipfersberg sich erst einmal vorstellte, bevor es ans Eingemachte ging.

Schmitt möchte den Informationsfluss verbessen

Und damit war nicht etwa das Essen gemeint. Dem 58-Jährigen wollte hören, was die Menschen in Ingelfingen und den Teilorten bewegt, was ihnen wichtig ist in der Gemeinde und auch, was fehlt.

Eines betonte Schmitt gleich zu Beginn: Er möchte, wenn er denn gewählt werden würde am 08. Mai 2022 zum neuen Rathauschef, den Informationsfluss verbessen. „Wichtig wäre mir ein reger Austausch zwischen Ortschaftsräten, Gemeinderäten und den Bürgern“, etwa in Form von Bürgersprechstunden oder das zu Beginn einer jeden Gemeinderatssitzung Bürger:innen Fragen stellen können. Er trete den Menschen mit viel Wertschätzung entgegen, könne zuhören und möchte die Einwohner:innen bei Entscheidungen mitnehmen anstatt vor vollendete Tatsachen zu stellen, wie unlängst beim Abholzen der Bäume rund um den Grillplatz in Eberstal, das diverse Rentner:innen schockiert hat, die den Grillplatz jahrelang in Eigenregie gepflegt hatten.

Frau Turber hört auf, Biancas Bastewerkstättle als Nachfolge?

Schmitt höre auch immer wieder von Bürger:innen, das sie ausgebremst werden würden, sei es beim Thema Photovoltaik oder bei Restaurants in der Innennstadt. Dabei müsse man Ingelfingen vor allem in der Innenstadt wieder attraktiver machen. Klaus Schmitt sprach in diesem Zuge auch die bevorstehende Schließung von Frau Turbers Schreibwarenladen Ende des Jahres an. Möglich wäre etwa, Biancas Bastelwerkstättle, das derzeit auf dem Lipfersberg beheimatet ist, im Stadtkern eine neue Heimat zu geben. Eine Wiederbelebung der Mariannenstraße, in der bis vor einigen Jahren noch einige kleinere Einzelhändler ihre Läden hatten, wünschen sich ebenfalls einige Zoom-Teilnehmer. „Mein Vater sagt immer: Keine Stadt ist so tot wie Ingelfingen“, sagt Gemeinderat Markus Hammel.

Dr. Sandra Hartmann in der Mariannenstraße in Ingelfingen 2019, als Bürgermeister Bauer daraus eine Einbahnstraße machen wollte, dies aber nicht durchsetzen konnte. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Auch beim Stichwort „Geselligkeit“ und Veranstaltungen gebe es noch „viel Potenzial in Ingelfingen“. Da habe Schmitt auch schon die „ein oder andere Idee“.

Teilweise in die Jahre gekommenen Spielplätze

Ein großes Thema beim virtuellen Frühschoppen waren auch die mancherorts in die Jahre gekommenen Spielplätze in Ingelfingen und den Teilorten. Die seien teilweise ziemlich veraltet, so der Eindruck der Gemeinderätin Kathrin Ehrmann. Ein Wasserspielplatz wäre schon, fehle aber in Gänze. Auch in Lipfersberg etwa, wo Klaus Schmitt selbst wohnt, sei der Spielplatz immer kleiner geworden, obwohl immer mehr Familien in dem Neubaugebiet bauen.

Kunst und Kultur fördern

Ein weiteres großes Thema war der Kurpark, quasi das Herz der 5.500 Einwohner großen Gemeinde. Der Park sei, so Susanne Schmetzers Eindruck, „in einem furchtbaren Zustand“. Als ehemaliger Galerist in Schwäbisch Hall könnte Klaus Schmitt sich vorstellen, Skulpturen in den Kurpark von örtlichen Unternehmern zu stellen, ein Parkcafé würde die Attraktivität steigern und Veranstaltungen mit der Kulisse des Schlosses würden sich hier anbieten. „Kunst und Kultur fördern“, auch das liegt dem Bürgermeisterkandidaten am Herzen, um die Menschen auch von ausserhalb wieder nach Ingelfingen locken. Dies sei bereits mit kleinen Mitteln möglich. So werde die neue Minigolfanlage im Ort, die weit und breit einmalig sei, nach aussen kaum beworben. Neue Bücher für die Stadtbücherei wären ebenfalls von Nöten. Um den Bouleplatz Kurpark bespielen zu können, wären Boulekugeln zum Ausleihen praktisch.

Ingelfingen. Foto: Gülay Sween.

Auch eine Plattform „Ingelfingen hilft Ingelfingen“ könnte sich Kommunikationstrainer Schmitt vorstellen. Bürger:innen helfen Bürger:innen, Einkäufe zu erledigen, mit dem Hund Gassi zu gehen. Eine Plattform des Austausches und des Miteinanders solle so entstehen.

Für Gewerbetreibende hat das Baugebiet in Stachenhausen viel Potenzial

Gemeinderätin Karin Hagdorn warf kritisch ein, dass das nun alles ja „soft skills“ seien und wollte von Klaus Schmitt wissen: „Wo würden Sie die Entwicklung in Ingelfingen sehen hinsichtlich der Arbeitsplätze?“ Der gelernte Maschinenschlosser Schmitt antwortete: Den teilweisen Wegzug von Gemü finde ich sehr schade. Das sollte nicht einreissen.“ Hier sollte es mehr Gespräche, mehr Angebote an Firmen geben. Gemeinderätin Susanne Schmezer warf ein: „Wir haben hier ja ein Baugebiet für Gewerbetreibende, das viel Potenzial hat: in Stacehenhausen“, auch und vor allem für kleinere Unternehmen. Auf diesem Gebiet verweilen tatsächlich bereits seit Jahren lediglich eine Handvoll Firmen, weil die Stadtverwaltung Ingelfingen es noch nicht weiter erschlossen hat. Auch sei „eine fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“ festzustellen, so Markus Hammel.

„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“

Schmezer ergänzt in diesem Zug: „Die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Hier wären Synergien zwingend notwendig.“ Schmitt erwiderte darauf hin, dass er bereits Gespräche mit Waldenburgs relativ neuem Bürgermeister Bernd Herzog geführt habe.

Weitere Themen waren die Digitalisierung, die vorangetrieben werden müsse, das innerörtliche Bauen und die dringende Sanierung der Bestandsgebäude im Stadtkern, Umwelt (wie kann Ingelfingen klimaneutral werden?), Kommunikation, Bürgernähe, Sanierungsbedarf bei diversen Kindergärten wie etwa am Breter, das lang ersehnte neue Vereinsheim mit Umkleidekabinen für den Fußballverein des TSV. Fazit: Es gibt viel zu tun. Aber es gibt auch viele Menschen, allen voran Klaus Schmitt, die Lust haben, diese Themen anzugehen.

Bis Montag, den 11. April 2022, 18 Uhr, können sich Interessierte noch bewerben um das höchste Amt in Ingelfingen.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Ingelfingen. Foto: Gülay Sween.




„Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig“

Im nur drei Monaten, am 08. Mai 2022, wählt Ingelfingen einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Rathauschef hat sich bereits für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Nun bekommt er Konkurrenz – und zwar aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft

Klaus Schmitt hat seinen Hut in den Ring geworfen als weiterer Kandidat. Der 58-Jährige (Geburtsdatum: 17. Mai 1963) wohnt auf dem Lipfersberg, er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er ist selbstständig und katholisch getauft. Geboren ist er in Südhessen, „vor den Toren Mannheims“, wie er selbst so schön ausdrückt. Seit dem Jahr 2000, also seit über 20 Jahren, wohnt er im Hohenlohekreis. Durch das Unternehmen Würth kam er zunächst als Aussendienstler hierher, der Liebe wegen ist Schmitt geblieben.

Der Liebe wegen im Hohenlohekreis sesshaft geworden

Wir durften mit ihm am Freitag, den 18. Februar 2022 das ein erstes Interview führen nach seinem Entschluss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und haben ihn auf Herz und Nieren in unserer Redaktion in Künzelsau geprüft.

GSCHWÄTZ: Lieber Herr Schmitt, schön, dass Sie da sind. Sie sind ja selbstständig. Nun bewerben Sie sich als Bürgermeister. Kritiker könnten sagen, dass Ihnen die nötige Amtserfahrung fehlt.

„Das würde ich gerne ändern“

Klaus Schmitt: Ich denke, da gibt es sehr viele Schnittstellen, vor allem das Thema Kommunikation, was ja ein Grund ist, warum ich mich in Ingelfingen als Bürgermeister bewerbe. Mein Eindruck, der mich glaube ich nicht täuscht, ist, dass die Kommunikation vom Rathaus zu den Vereinen, zu den Nachbargemeinden und zu den Bürgern doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da sehe ich meine große Stärke. Das würde ich gerne ändern.

GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn aus mit ihrer Verwaltungserfahrung?

Klaus Schmitt: Ich bin ja selbst und ständig. Als Selbstständiger muss ich bei mir alles, was mit Verwaltung zu tun hat, für mich selber organisieren. Also von der eigenen Homepage angefangen über die Verwaltung bis hin zur Neukundengewinnung und die Steuer. Im Rathaus in Ingelfingen arbeiten sehr gute Mitarbeiter und ich glaube, dass wir uns wunderbar ergänzen würden.

GSCHWÄTZ: Sie trauen sich diese Aufgabe also durchaus zu.

Klaus Schmitt: Absolut. Gerade als Produkt-Trainer bei Würth war es für mich normal, mich in ständig neue Dinge einarbeiten zu müssen. Und so ist es auch mein Leben lang geblieben. Da jetzt die Corona-Umstellung von Präsenz-Trainings in Online-Trainings mit zig verschiedenen Systemen, von Zoom über Webex und Teams und was es alles gibt, für mich nichts Neues.

Arbeitsplätze für Ingelfingen

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie denn Ingelfingen in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?

Klaus Schmitt:  Wir haben 4000 Arbeitsplätze in Ingelfingen bei 5500 Einwohnern und das ist erst mal ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Zahl an Arbeitsplätzen in Ingelfingen  hält oder gar erweitert.

GSCHWÄTZ: Wie wollen Sie das machen? Ingelfingen ist jetzt nicht gerade das Gewerbegebiet an der A6.

„Vieles ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen“

Klaus Schmitt: Das ist richtig. Das ist auch das, was mir Kopfzerbrechen macht, dass etwa eine Firma Gemü ihren Standort verlagert, nach Waldenburg an die Autobahn. Unsere Firmen hier vor Ort sind allesamt sehr gut aufgestellt. Auch die Firma Reisser wächst um 30 Prozent und braucht natürlich auch mehr Platz – und damit einhergehend auch optimale Grundstücke hierfür, die nicht ständig vom Hochwasser betroffen beziehungsweise bestmöglich geschützt sind. Hier haben wir noch einiges an Potenzial. Was die technischen Dinge angeht, gibt es vieles, was in den letzten Jahren in Ingelfingen gut gelaufen sind: der Umbau der Schule, die neue Turnhalle,  der Ausbau der Gemeindehäuser. Das ist alles prima für Ingelfingen. Aber ich sehe auf der anderen Seite auch, dass vieles in den letzten Jahren verloren gegangen ist – vor allem allem die Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Vereinen und anderen Gruppen, ob es die Musikkapelle ist oder die Kirche oder die Kindergärten sind. Ich sehe noch viel Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation mit den Menschen, mit den Bürgern. Mir wäre es wichtig, dass in fünf Jahren die Leute sagen: Der Schmitt hat viel vorangebracht. Wir pflegen eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir werden gehört. Wir werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, wie das im Moment oft der Fall ist.

GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein, wie sagt man so schön, Neigschmackter.

Klaus Schmitt: Ein Wahl-Ingelfinger (lacht).

GSCHWÄTZ: Genau. Was kann denn ein Wahl-Ingelfinger besser als einer, der hier schon immer mal gelebt hat?

Klaus Schmitt: Ich bin jetzt schon seit 22 Jahren in Ingelfingen und Ingelfinger. Ich denke, was mich unterscheidet von einem Ur-Ingelfinger ist, dass mich vieles, was aus der Vergangenheit vielleicht zu Konflikten geführt hat, nicht betrifft. Insofern bin ich da neutral, außenstehend, kann allen Parteien hören, wenn es Diskussionen gibt. Wie so oft im Leben haben beide irgendwie recht und ich glaube, da bin ich nicht so befangen und eingebunden wie andere.

„Ingelfinger sind bodenständig, offen und gradraus“

GSCHWÄTZ: Was mögen Sie denn besonders in Ingelfingen und an den Ingelfingern?

Klaus Schmitt: An Ingelfingen mag ich zunächst mal diese idyllische Lage. Ich habe mich bei diversen Feiern auf der Burg oben in diesen Blick in das langgezogene Tal verliebt. Die Kocher-Jagst-Strecke  im Hohenloher Land ist für mich einfach ein Traum. Ich fühle mich hier richtig wohl und oben auf dem Lipfersberg sowieso. Da hören Sie nicht, ob Dienstag oder Sonntag ist, weil die Geräuschkulisse immer gleich ist. Das ist immer sehr, sehr angenehm. Ich möchte nirgends anders mehr wohnen. Und an den Ingelfingern mag ich, dass sie so bodenständig sind, so offen, so gradraus authentisch. Die sagen dir ins Gesicht, wenn ihnen was nicht passt. Und das finde ich gut so, da weiß man, wo man dran ist.

„Ich habe mich in dieses langgezogene Tal verliebt“

GSCHWÄTZ: Was haben Sie denn, wenn man jetzt mal vom Beruflichen absieht, denn für Hobbys und Interessen im privaten Bereich?

Klaus Schmitt: Ich habe früher gerne und viel Fußball gespielt. Ich habe auch mal acht Jahre die Jugend trainiert,mit 16 Jahren habe ich angefangen im Verein in meiner Heimat, die Bambinis zu trainieren. Von Beruf bin ich gelernter Maschinenschlosser und bin dann für meine Firma auf Montage gegangen und irgendwann war das nicht mehr vereinbar. Ich war immer häufiger unterwegs und wollte natürlich auch mein Team nicht hängen lassen und habe dann irgendwann gesagt, ich kann das nicht mehr leisten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich hier in Ingelfingen mich nicht mehr als Trainer engagiert habe, obwohl die Jugendspieler dringend Leute gesucht haben, die die Teams führen könnten. Aber ich wusste genau, dass ich, wenn ich das anfange, dann will ich auch voll dabei da sein. Durch meine Selbstständigkeit, bei der ich durch ganz Deutschland reise, um Seminare zu geben, hätte ich das nicht leisten können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die Selbstständigkeit würde, falls sie gewählt werden, auch erst mal ruhen?

Klaus Schmitt: Natürlich ist mein Ziel jetzt auf das Bürgermeisteramt ausgerichtet und die Selbstständigkeit würde ruhen. Die würde ich dann komplett aufgeben müssen, weil sich das nicht vereinbaren lässt vom Zeiteinsatz her. Ich habe auch schon meine Kunden informiert, dass wir eine Lösung brauchen für den Tag nach dem 8. Mai 2022, falls mich die Ingelfinger wählen.

Erschwerte Bedingungen: Wahlkampf in Coronazeiten

GSCHWÄTZ: Jetzt gehen Sie in den Wahlkampf bis Mai. Wie ist das in Coronazeiten? Wie kann man da überhaupt einen vernünftigen Wahlkampf führen?

Klaus Schmitt: Ich werde jede Chancen nutzen, die ich kriege, um die Einwohner:innen persönlich zu treffen. Natürlich hat man den größten Hebel, wenn man in die Organisationen geht, wo man mehr Leute auf einmal treffen kann. Es wird mich aber auch nicht davon abhalten, auch von Briefkasten zu Briefkasten zu gehen und mal zu klingeln an der Haustür und meine Prospekte abzugeben und mich vorzustellen, damit die Bürger:innen auch mal den Klaus Schmitt gesehen haben, der sich als Bürgermeister bewirbt und um ins direkte Gespräch mit den Leuten zu kommen.

Stärken und Schwächen von Klaus Schmitt

GSCHWÄTZ: Eine letzte Frage zum Schluss ist so eine typische Bewerbungsfrage, die immer vom Personaler gestellt wird, die kennen Sie sicher auch: Wenn Sie uns zum Abschluss noch drei ihrer Stärken und drei ihrer Schwächen nennen könnten.

Klaus Schmitt: Fangen wir mal mit den Stärken an. Die Tatsache, dass ich Menschen mit Respekt behandele und ich auch mit Respekt behandelt werden möchte, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander agieren und dass ich immer ein offenes Ohr habe – egal, ob es die Leute im Rathaus selber sind oder in den Vereinen oder die Bürger:innen, die auf mich zukommen. Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig. Ich denke, die Kommunikation, da hapert es enorm in Ingelfingen. Wenn ich sehe, wer alles verärgert ist, wer alles vergrault ist, wer frustriert ist. Da sehe ich gute Chancen, die Stadt wieder voran und näher zusammenzubringen.

GSCHWÄTZ: Jetzt kommen wir zu Ihren Schwächen …

Klaus Schmitt: Sicher, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, fehlt mir Verwaltungserfahrung. Aber ich scheue mich nicht, mich in Dinge hinein zu arbeiten. Ich weiss, dass ich das gut kann. Und ich habe auch noch nicht die Vernetzung habe, die es braucht. Aber auch da denke ich, dass das die Zeit mit sich bringt. Es ist mir wichtig, einen besseren Kontakt mit den Nachbargemeinden und den Rathäusern herzustellen. Diese Kultur ist leider etwas verloren gegangen ist.

GSCHWÄTZ: Dann wünschen wir Ihnen jetzt eine angenehme Wahlkampfzeit und viel Spaß und Erfolg.

Klaus Schmitt: Dankeschön.

Das Gespräch führten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer.

Mehr Informationen über Klaus Schmitt gibt es auf seiner Internetseite: https://buergermeister-kandidat-klaus-schmitt-ingelfingen.jimdosite.com/

 

 

 




Bauers Reifeprüfung

Als Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer (54) 2006 zum Bürgermeister von Ingelfingen gewählt wurde, war er frische 40 Jahre und sprühte vor Enthusiasmus und einem positiven Gemüt. Mittlerweile sind fast 16 Jahre ins Land gezogen. Die Haare sind lichter, der Blick ernster und nicht selten düsterer. Der Bürgermeister war auch vor Corona immer seltener bei öffentlichen Auftritten zu sehen.

Rosinenpicker

Er ließ unter anderem verlauten, dass er eben nicht an allem interessiert sei (wir berichteten), zum Beispiel am Fasching. Die Veranstalter waren enttäuscht. Denn auch wenn ein Bürgermeister ein Faschingsmuffel ist, sollte er doch den Organisatoren den Anstand zollen, sich auf diese Veranstaltung, die lediglich einmal im Jahr in der Stadthalle mit viel Mühe ausgerichtet wurde, hinzubemühen.

Auch Veranstaltugen des TSV nahm er immer seltener oder gar nicht wahr, weil es zwischen ihm und dem TSV-Vorsitzenden Bernd Bauer viele Spannungen gab und gibt.

Beleidigte-Leberwurst-Verhalten

Menschlich vielleicht verständlich, wenn jemand ein Faschingsmuffel ist, dass er solchen Veranstaltungen nicht beiwohnt. Oder auch TSV-Veranstaltungen meidet, wenn man sich mit dem Vorsitzenden nicht gut versteht. Aber ein Bürgermeister ist eben nicht Hans Müller vonnebenan, sondern sollte sich in derartigen Situationen anders verhalten. Ein Beleidigte-Leberwurst-Verhalten ist nicht angemessen für einen Rathauschef, sondern wirkt, pardon, eher lächerlich.

Wer tritt gegen Bauer an?

Die größte Schlappe: Sein Projekt, das Einbahnstraßendasein der Mariannenstraße in Ingelfingen, scheiterte kläglich am Protest der Bürger:innen und Gemeinderäte. In einer so kleinen Stadt wie Ingelfingen eher eine Seltenheit.

Die wenigsten gewinnen bei einer Wahl gegen einen amtierenden Bürgermeister

Diverse Gemeinderatmitglieder suchen daher derzeit händeringend nach einem Ersatzkandidaten, der gegen Bauer zur Wahl 2022 antreten könnte. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn kaum jemand kann sich im ländlichen Hohenlohekreis gegen einen amtierenden Bürgermeister bei einer Wahl durchsetzen – unabhängig davon, was schon alles in der Vergangenenheit vorgefallen ist. Denn: Diverse Bürger:innen kennen Bauer nur vom Foto und machen ihr Kreuz einfach bei dem Namen, der ihnen bekannt und vertraut ist.

Kritische Nachfragen stellen nur die mutigen Bürger:innen

Falls er wiedergewählt wird, wird es weitere acht Jahre nicht einfach werden für all diejnigen, die es sich mit ihm verscherzt haben. Nicht selten reichte dafür, eine andere Meinung zu äussern oder sich anders verhalten zu haben, als Bauer es sich gewünscht hat. Und Michael Bauer ist nachtragend. Daher wird es sehr spannend sein, mit anzusehen, wie er sich bei seinen Wahlkampfveranstaltungen nach aussen präsentiert. Kritische Nachfragen stellen vermutlich nur die mutigeren Bürger:innen, denn da kann es passieren, dass man einen harten Gegenwind erfahren muss.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Ingelfingen: Bürgermeister Michael Bauer stellt sich zur Wiederwahl

Eine große Neuigkeit wird Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer am morgigen 14. Dezember 2021 nicht mehr verkünden, steht der Inhalt seiner Erklärung doch bereits im Amtsboten: „Bürgermeister Bauer wird vor der Gemeinderatsitzung eine Erklärung abgeben, dass er für eine dritte Amtsperiode kandidieren wird“. Auch der Ausschreibungstext, über den der Gemeinderat abstimmen wird, für die Bürgermeisterwahl enthält bereits den Passus, dass der Amtsinhaber zur Wahl antritt.

Die Wahl findet voraussichtlich am 3. April 2022 statt, ein eventueller zweiter Wahlgang ist für den 24. April 2022 geplant – sofern der Gemeinderat am Dienstag, den 14. Dezember 2021, diesen Terminen zustimmt.




„Hör mal zu, du Idiot“

Ein Mann sitzt in einem Auto, fährt durch Hohenlohe und filmt sich selber beim Autofahren und Räsonieren. Nichts Besonderes, das ist heutzutage wohl üblich, dass man während des Fahrens nicht auf die Straße, sondern in die Kamera blickt und der Welt etwas Wichtiges mitteilt. Aber was er sagt, ist bemerkenswert: Er lässt eine Schimpftirade über einen Gastronomen aus dem Kochertal (der Name ist der Redaktion bekannt) ab, mit übelsten Schimpfworten, die hier nicht alle wiedergegeben werden sollen, „Depp“, „Idiot“ und „der Typ hat einen Dachschaden“ waren noch die zitierfähigsten. Der Rest ist dann noch weiter unter der Gürtellinie.

Wenn „private Videos“ öffentlich werden

Wie es oft so ist, werden diese Videos dann weitergegeben und irgendeiner aus dem privaten Kreis der Adressaten entlässt das Video in die große Freiheit des Netzes – und so wird auch dieses Video inzwischen weithin geteilt. Auch GSCHWÄTZ bekam Zugriff auf dieses Video.

Das Private wird auch politisch

Das alles wäre kaum berichtenswert, wäre der Autor des Videos nicht eine Person des öffentlichen Interesses: Es handelt sich bei ihm um Mike Mitschke, derzeit Kandidat für den Posten des Bürgermeisters in Weißbach. Die Wahl ist am Sonntag, den 25. April 2021. Mitschke kann eine gewisse politische Erfahrung vorweisen – er kandidierte auch schon für die Piratenpartei, deren Pressesprecher Daniel Mönch allerdings darauf hinweist: „Die Kandidatur findet nicht mit der Unterstützung der Piratenpartei statt“.

Eigentlich alltägliche Situation

Was Mitschke so in Rage bringt, ist eigentlich eine alltägliche Szene: Der Gastronom hat ihn schlichtweg darauf hingewiesen, dass er beim Abholen seiner bestellten Speisen Abstand halten und Maske tragen soll. Deswegen ist Mike Mitschke laut eigener Aussage im Video bereits vor Ort derart in Rage geraten, dass er den Gastronomen übel beschimpft hat.

Beleidigungen im Netz nicht hinnehmbar

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage erläutert der langjährige Gastronom gegenüber GSCHWÄTZ, könne damit umgehen, wenn Gäste im kleinen Kreis auch mal ausfällig werden. Ein Problem habe er aber damit, wenn diese Beschimpfungen und Beleidigungen öffentlich im Netz kursieren. Das könne er nicht hinnehmen. Da ihm das Video bekanntgeworden sei, müsse man davon ausgehen, dass das Video inzwischen öffentlich bekannt ist.

Einen vereinbarten Gesprächstermin mit der GSCHWÄTZ-Redaktion ließ Mike Mitschke verstreichen.

Komische Fallhöhe

Das Ende des Videos kann komischer kaum sein: Mitten in seiner Tirade unterbricht sich Mitschke selber mit dem Ratschlag: „Bleibt immer in Eurer Mitte – Ihr seht: Das Böse begegnet einem jeden Tag“, kann sich danach am Steuer vor Lachen kaum noch einkriegen und verabschiedet sich mit „Euer Freigeist“.

Text: Matthias Lauterer

Video: privat / zensiert von GSCHWÄTZ




Gesetzt den Fall … Neumann würde in Backnang gewählt: Wer käme als Nachfolger in Frage?

Sollte der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann am 14. (1. Wahlrunde) oder 28. März 2021 zum Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Backnang gewählt werden, stellt sich natürlich die Nachfolgefrage für die Kreisstadt des Hohenlohekreises.

Wer darf überhaupt kandidieren?

Das Wahlrecht in Baden-Württemberg stellt keine hohen Anforderungen an die Kandidat:innen für das Bürgermeisteramt: Sie müssen Deutsche oder EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland sein und sie müssen mindestens 25 Jahre alt und noch nicht 68 Jahre alt sein. Außerdem darf nicht kandidieren, wem das aktive Wahlrecht aberkannt wurde, wer aus dem Beamtenverhältnis entfernt wurde oder wer zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Details).

Wahl ohne „Platzhirsch“

Bei der letzten Wahl am 03. Juni 2018 hatte Neumann mit Ruth-Hildegard Henrich und Fridi Miller zwei Gegenkandidatinnen, die gegen den Amtsinhaber allerdings keine Chance hatten: Neumann wurde mit 87,4 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Bei einer eventuell notwendig werdenden Neuwahl, sieht das möglicherweise ganz anders aus: Erfahrungsgemäß kandidieren bei einer Wahl, zu der der amtierende Bürgermeister nicht mehr antritt, gerne auswärtige Kandidaten. Offenbar rechnen sie sich ohne die Konkurrenz eines „Platzhirschen“ bessere Chancen auf einen Wahlerfolg aus.

Potentielle Kandidaten aus der Künzelsauer Politk

Zuerst in den politischen Fokus dürften die drei amtierenden Stellvertreter von Neumann rücken: Christian von Stetten (CDU), Reintraud Lindenmaier (SPD) und Boris d’Angelo (UBK). Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass Christian von Stetten sein Bundestagsmandat zugunsten des Bürgermeisteramts seiner Heimatstadt aufgeben wird. Reintraud Lindenmaier teilt auf GSCHWÄTZ- Nachfrage mit, dass man sich über einen Nachfolger noch keine Gedanken gemacht habe. Die Struktur mit den drei Stellvertretern und der Verwaltung sei handlungsfähig. Boris d’Angelo hat das 68. Lebensjahr bereits erreicht, er ist also nicht mehr wählbar.

In Gesprächen fällt immer wieder der Name Hans-Jürgen Saknus, der für die SPD im Stadtrat und Kreistag sitzt. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagt er: „Ich fühle mich sehr wohl in meiner derzeitigen Position“, einen Anlass, „die Seite zu wechseln“, sieht er nicht.

Bürgermeister aus der Umgebung interessiert?

Erweitert man den Horizont über die Stadtgrenze hinaus, kommt man am Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck (FWV) nicht vorbei. Ein junger Politiker mit Verwaltungserfahrung, der sicherlich noch den ein oder anderen Karriereschritt gehen will – und das mit einer ganz ähnlichen  Laufbahn wie Stefan Neumann: Auch er war vor seiner Wahl zum Bürgermeister am 04. Mai 2014 Kämmerer, in Krautheim. Ähnlich wie bei Neumann könnte das Bürgermeisteramt einer größeren Stadt sein nächstes Ziel sein.

In einer ähnlichen Position befindet sich Michael Foss (parteiunabhängig) aus Forchtenberg: Auch er ist jung und sicherlich ehrgeizig, dazu ein Verwaltungsfachmann. Aber er ist erst seit 2016 Bürgermeister von Forchtenberg, direkt neben seiner Heimatgemeinde Weißbach. Ob er dieses Amt vorzeitig aufgeben möchte?

Überregionale Kandidaten

Das Bürgermeisteramt einer Kreisstadt ist sicherlich auch für ehrgeizige Politiker oder Verwaltungsleute interessant, die nicht aus der Region stammen, so dass sich auf eine Ausschreibung Kandidaten melden könnten, die heute noch niemand kennt. Sollten CDU oder SPD keinen lokalen Kandidaten aufstellen können oder wollen, werden die Parteien wahrscheinlich einen externen Kandidaten suchen.

In Waldenburg wurde kürzlich mit Bernd Herzog ein Bürgermeister gewählt, der keinen Verwaltungshintergrund hat: Er war vorher Geschäftsführer eines Unternehmens. Auch für Frauen und Männer aus der Wirtschaft könnte also ein Bürgermeisteramt eine interessante Option sein.

Derzeit alles nur Spekulation

Es ist natürlich schön zu spekulieren – aber alle Spekulation ist hinfällig, sollte Stefan Neumann die Wahl in Wahl zum Oberbürgermeister in Backnang nicht gewinnen.

Text: Matthias Lauterer




Stefan Neumann tritt gegen Iron Man an

Der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann hat Großes vor: Er will sich am 14. März 2021 zum Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang wählen lassen. Backnang ist mit etwa 35.000 Einwohnern rund doppelt so groß wie Künzelsau und liegt im S-Bahn-Bereich von Stuttgart. Das Amt des Oberbürgermeisters ist vakant geworden, weil der Backnanger Oberbürgermeister  Frank Nopper kürzlich zum Nachfolger Fritz Kuhns als Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt wurde.

Bisher sechs Kandidaten

Die Nachfolge Noppers anzutreten wird nicht leicht, haben die Backnanger doch wahrscheinlich die Persönlichkeit Noppers gewählt: Immerhin erreichte er bei der letzten Wahl 2018 mit über 85 Prozent der abgegebenen Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie seine Partei, die CDU, bei der Stadtratswahl. Bisher haben sich sechs Kandidaten zur Wahl gestellt, die Bewerbungsfrist endet am 18. Februar 2021, es könnten also noch weitere Kandidaten hinzukommen.

Vier Gegenkandidaten aus dem Rems-Murr-Kreis

Maximilian Friedrich (33), amtierender Bürgermeister von Berglen, einer 6.400-Seelen Gemeinde in der Nähe von Backnang, ist der Kandidat mit der meisten Verwaltungserfahrung. Er wurde im Alter von 25 Jahren in dieses Amt gewählt, damals der jüngste Bürgermeister Deutschlands, und im Juni 2020 im Amt bestätigt. Er ist auch Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler im Kreistag des Rems-Murr-Kreises. Hinzu kommt, dass er in Backnang geboren ist und diese Wahl zu seiner Herzensangelegenheit erklärt hat.

Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten

Ebenfalls am ersten Tag der Bewerbungsfrist hat Jörg Bauer (51), ein Bauunternehmer aus Backnang und Mitglied des Stadtrats für das „Bürgerforum Backnang“, seine Unterlagen abgegeben. Beide werden daher auf dem Stimmzettel vor Stefan Neumann stehen. Bauer weiß laut eigenen Angaben „wie man komplexe Projekte entwickelt und umsetzt“, Ausdauer ist eine seiner Eigenschaften: Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten.

Einer lud bereits zum Burkini-Schwimmen ein

Ebenfalls aus Backnang kommt Marco Schlich (45), ein Bauingenieur und lokaler DIE-PARTEI-Vorsitzender. Er wurde überregional bekannt, als er 2019 zum Burkini-Schwimmen im Backnanger Schwimmbad Wonnemar einlud. Er ist im Klimaschutz engagiert und tritt als Einzelkandidat ohne Unterstützung einer Partei an.

Der Bankfachwirt Roland Stümke (52), auch er aus Backnang, tritt als parteiunabhängiger Kandidat an, macht aber keinen Hehl daraus, dass er Mitglied der LINKEN ist. Auch er war und ist in der Baubranche tätig: Viele Jahre als selbständiger Immobilienmakler, jetzt bei einem Unternehmen, das Fertighäuser vertreibt.

Außer Neumann kommt nur noch der 62-jährige Jörg Lesser aus Karlsruhe und nicht aus der Region Backnang. Er bezeichnet sich selbst als „Privatier“, ist im Landesvorstand von DIE PARTEI und sagt über sich selbst: „Grundsätzlich bin ich dafür und dagegen. Je nachdem, wie politisch und populistisch sich das am besten verwerten lässt. Ich bin Politiker – trauen Sie meinen Wahlversprechen nicht!“

Bewerbungsfrist bis 18. Februar

Noch bis zum 18. Februar können sich Kandidaten bewerben, hohe Hürden sieht das Wahlrecht in Baden-Württemberg für eine Kandidatur nicht vor. Es kann daher sein, dass sich noch weitere Kandidaten, etwa von SPD oder GRÜNEN, bewerben. Insbesondere ist noch mit Dauerkandidaten wie Fridi Miller zu rechnen, die in Künzelsau bereits gegen Stefan Neumann angetreten ist.

Erste Einschätzung

Aus der Ferne ist es natürlich schwierig, die Chancen der einzelnen Kandidaten zu bewerten. Stefan Neumann, der von der CDU unterstützt wird, dürfte durchaus gute Chancen haben. Die CDU ist in Backnang traditionell stark, hat aber bei der letzten Kommunalwahl 6,5 Prozent verloren, wurde dennoch mit knapp unter 29 Prozent stärkste Fraktion. Da Bürger gerne Verwaltungsfachleute auf dem Posten des Bürgermeisters sehen, mag auf dem Papier Neumanns stärkster Gegner Maximilian Friedrich sein, der einen ähnlichen Werdegang wie Neumann hat. Er ist kommunalpolitisch gut vernetzt, ist eine bekannte Person im Kreis und geht dazu noch als Lokalmatador ins Rennen.

85 Prozent wie Vorgänger Frank Nopper dürfte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang erreichen.

Text: Matthias Lauterer

Die bisher bekannten Kandidaten für das Amt des Backnanger OB:
oben v.l. Jörg Bauer, Maximilian Friedrich, Jörg Lesser
unten v.l.: Stefan Neumann, Marco Schlich, Roland Stümke
Quelle: jeweiliger Kandidat

 




Schöntal: Bürgermeisterwahl per Briefwahl

Am Sonntag, den 10. Mai 2020, wählen die Bürger in Schöntal einen neuen Bürgermeister. Laut Auskunft von Noch-Bürgermeisterin Patrizia Filz auf eine GSCHWÄTZ-Presseanfrage soll diese Wahl trotz Corona-Krise wie geplant stattfinden (Stand 24. März 2020). Die Wahl werde so vorbereitet, dass im Rahmen der rechtlichen Vorgaben des Kommunalwahlrechts 100 Prozent der Wähler Briefwahl machen könnten. Ob und wenn ja weitere Hygienemaßnahmen in 48 Tagen erforderlich sein werden, sei heute noch nicht absehbar.

Die Bewerberfrist für die Bürgermeisterwahl endet am Dienstag, den 14. April 2020, um 18 Uhr. Bisheriger Bewerber ist Joachim Scholz, er war ehemals Bürgermeister in Steinheim. Scholz hat bereits für das Amt des Oberbürgermeisters in Neckarsulm kandidiert, allerdings ohne Erfolg. Patrizia Filz tritt bei der Wahl nicht mehr an.




Hauptsach‘ koi Badelatsche

Die alde Fraa von drobbe de Höh‘ verfolgt die Bürgermeisterwahl in Künzelsau mit Argusaugen. Frei Schnauze, gerade so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, erzählt sie in Ihrem Kommentar, warum Badelatschen und Föhnfrisuren als Bürgermeischter gar nicht gehen.

Ein Kommentar.

Meht zum Thema Bürgermeisterwahl in Künzelsau 2018 gibt es hier: