Die kleinste Bücherei im Jagsttal
Geht man lieber in den Buchladen und kauft sich ein Buch oder geht man in die Bücherei und leiht es sich? Liest man überhaupt noch?
Wenn man ein Buch lesen möchte, kauft man sich eines. Klassisch im Buchladen oder online mit der Option eines E-Books. Aber die Tatsache, dass man sich ein Buch in einer Bücherei leihen kann, scheinen einige zu vergessen oder zu verdrängen. Gut, in vielen Büchereien muss man Anträge ausfüllen, einen Jahresbeitrag zahlen und hat auch noch eine Karte mehr im Portemonnaie, weil man einen Büchereiausweis braucht. Schafft man es nicht innerhalb der Leihfrist das Buch fertig zu lesen oder vergisst es gar abzugeben, gibt es Strafzahlungen.

Anstatt eines Computers gibt es in der Bibliothek Zettelkästen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Nicht in Hohebach. Im Kirchturm in Hohebach befindet sich eine kleine Bücherei. Auf charmante Weise scheint dort die Zeit stillzustehen. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite der Kirche beim Kirchturm. Jeden Samstag von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr steht die schwere Türe zum Kirchturm offen und somit weiß man, dass Frau Elisabeth Häfele da ist und die Bücherei geöffnet hat. Man geht über die Wendeltreppe ein Stockwerk nach oben und tritt in einen Raum voller Bücher. Um es genau zu nehmen, in einen Raum mit 2.701 Büchern.
Auch regionale Autoren kann man in der Bücherei finden
Die 93-jährige Elisabeth Häfele hat zwar nicht jedes Buch gelesen, aber sie findet für jeden das passende Buch. Von Joanne K. Rowling, Ken Follett, Charlotte Link bis hin zu Karl May, Astrid Lindgren, Cornelia Funke und J. R. R. Tolkien sind fast alle bekannten Autoren vertreten.
Auch regionale Autoren wie Gertrud Zelinsky und Ulrike Schweikert kann man finden. Elisabeth Häfele ergänzt: „Da dies eine kirchliche Bücherei ist, gibt es hier natürlich auch kirchliche Bücher.“

Die Auswahl ist bunt gemischt und reicht von Bestsellern bis hin zu Nischenthemen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Einige Schüler kommen, wenn sie Lektüre für Referate benötigen und nutzen die kirchliche Literatur. Kinder besuchen die Bibliothek und durchstöbern die Kinderbuch-Ecke. Jedoch bei weitem nicht mehr so viele wie früher. „Viele haben das Interesse an Büchern verloren“, stellt Elisabeth Häfele fest.
Einen Computer oder Anmeldeformulare sucht man hier vergebens. In Hohebach funktioniert das Prinzip mit dem Zettelkasten noch gut. Die 92-jährige erklärt: „Wenn man sich ein Buch ausleiht, wird der Name und die Anschrift notiert. Wenn man mit lesen fertig ist, bringt man das Buch zurück.“ In der Bücherei in Hohebach gibt es keine Leihfrist oder Mahngebühren und es funktioniert.
Man muss sich nicht unbedingt ein Buch leihen, auch das Stöbern kann Spaß machen. Und siehe da. Für jeden Geschmack scheint etwas dabei zu sein.
Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 16 / Februar 2018