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„Sie stand mit einem Messer in der Tür“

Das kam unerwartet – oder vielleicht auch nicht, wenn man die Hintergründe kennt und das Drama seit Jahren am Zuschauerrand mitverfolgt hat. Kevin Federline sitzt derzeit in jeder noch so erdenklichen Talkshow, um sein Buch zu promoten und in diesem Zuge vermeintlich schockierende Details über seine Ex Britney Spears zu verbreiten.

Kevin Federline Tells His Life Story, Divorce & Kids w/ Britney Spears (Unreleased Full Interview)

Passend zu dem Ende der exorbitante hohe Summe, die ihm Spears jahrzehntelang für die gemeinsamen Söhne zahlen musste und diese nun mit der Volljährigkeit der Söhne enden, scheint Federline neue Einnahmequellen zu benötigen – und das, tataaaa, überraschenderweise mal wieder auf Kosten seiner Ex.

Dienen die neuen Vorwürfe gegen seine Ex nur zu Promotionszwecken für sein Buch?

Rufmordkampagne – mal wieder

Nach über einem Jahrzehnt unter der Vormundschaft ihres Vaters hat sich die einstige Queen of Pop ja nun endlich  freigeschwommen von so manch einer verheerenden toxischen Bindung und Beziehung. Und nach Jahren des Schweigens ging sie endlich vor Gericht, legte nicht nur vor Gericht, sondern auch in einem Bestseller endlich offen, was ihr alles widerfahren ist, wie sie gedemütigt und emotional missbraucht wurde, wie sie über Jahre gezwungen wurde zur Einnahme von schwersten Medikamenten, wie sie unter Druck gesetzt wurde, auf ihre Kinder hinsichtlich des Sorgerechts zu verzichten und sie weiterhin jedoch stets hart an ihrem körperlichen Limit arbeiten sollte, um alle zu finanzieren – unter anderem ihren Vater, ihren Exmann Kevin Federline und den exorbitant hohen Unterhalt für ihre beiden Söhne.

Bis dato hatte sie geschwiegen, geschluckt, wollte keinen schlecht machen – und das obwohl alle anderen, die sie so behandelten, sie öffentlich schlecht diskreditierten, ihr ihre geliebten Söhne wegnahmen und ihr wirklich jede Mündigkeit absprachen. Was war sie nicht alles – eine Irre, eine furchtbare Mutter, instabil, selbstmordgefährdet. Aber nichts desto trotz der Finanzier von allen. Hart arbeiten – das durfte und sollte sie auch weiterhin, zur Not jahrelang unter massiver Medikamenten-Einwirkung.

Nun soll sie während der Schwangerschaft auch noch gekokst haben

Nun aber kommt, mit 20 Jahren Verspätung, der Höhepunkt: Anscheinend soll Britney unter anderem gekokst haben während ihrer Schwangerschaft und mit einem Messer am Türrahmen zum Zimmer ihrer Kinder gestanden haben, als diese als sie noch jung waren. Es scheint so, als wenn er damit andeuten würde, das Britney ihre Söhne eventuell habe umbringen wollen. Aha.

Fakt ist: Es gibt keine Fakten dazu. Federline wirft etwas gegen sie in den Raum, Spears dementiert dies umgehend auf ihrem social media account. Es steht Aussage gegen Aussage. Eines nur verwundert. Das ist wohl die furchtbarste Geschichte, die es gibt über Britney als Mutter. Warum aber hat Federline diese Geschichte nicht schon damals erzählt, als es damals um das damalige Sorgerecht ging,  wenn sie denn wahr ist? Immerhin hat er damals schon alles Mögliche über Spears erzählt, um zu verdeutlichen, dass es die beste Entscheidung sei, dass alleinige Sorgerecht auf ihn zu übertragen.

Die Kinder sind mal wieder die Leidtragenden

Vermutlich deshalb, weil die Geschichte wahrscheinlich nicht wahr ist, sondern den Verkauf seines Buchs ankurbeln soll. Spears täte gut daran, dagegen zu klagen. Denn: Wenn man über jemanden derartige Dinge verbreitet, muss der Verbreiter diese Aussagen beweisen können, ansonsten gilt die Unschuldsvermutung. Doch Federline weiß natürlich: Entscheidend ist nicht, ob Spears klagt und am Ende vielleicht sogar gewinnt. Entscheidend ist lediglich, die Geschichte einfach erstmal öffentlich zu machen und damit mal wieder die Mutter ihre beiden Söhne öffenttich zu diskreditieren – und nebenbei seinem Buch zu mehr Publicity zu verhelfen. Das bleibt erstmal in der Öffentlichkeit hängen.

Öffentliche Diskreditierung von einem Elternteil – das verdeutlicht definitiv nicht, welch fürsorglicher Vater Federline ist

Und wenn er sich nun mal wieder als fürsorglicher Vater generiert, sei gesagt: Kein fürsorglicher Elternteil würde öffentlich solche Geschichten über den anderen Elternteil verbreiten – zum vermeintlichen Wohl der gemeinsamen Kinder. Denn die Kinder sind letztendlich nur die Leidtragenden dabei.

Dieselbe Diskreditierungs-Strategie haben er und ihr Vater ja früher schon an ihr erfolgreich umgesetzt, als Spears nach ein paar durchzechten Nächten das Sorgerecht und ihr Recht auf Selbstbestimmung verlor – aber dennoch für alle weiterhin der Geldgeber war.

Sängerin wehrt sich nun öffentlich

In einem nun veröffentlichen Post verwies die Sängerin nun abermals darauf, wie selten sie (leider) ihre beiden Söhne sehe, während Federline nun öffentlich darüber philosophiert, dass die Söhne so gerne mehr Kontakt mit ihrer Mutter haben wollten, aber leider die Mutter nicht. Komisch. Solange der Geldsegen der Popmusikern monatlich pünktlich überwiesen wurde, hieß es stets: Die Söhne möchten keinen Kontakt zur Mutter. Spears ist schier zerbrochen an dem Verlust und dem Kontaktabbruch zu ihren ihrer Söhne.

Britney Spears: Post auf ihrem Instagram-Account bezüglich den Aussagen von ihrem Exmann Kevin Federline.

Geht der Missbrauch an ihr weiter – nun ausgehend von ihren Söhnen?

Es ist daher immer wieder faszinierend, mit welcher Dreistigkeit manche Menschen sich vom Täter zum Opfer stilisieren und eine Geschichte auf einmal um180 Grad falscher herum erzählen können.

Nun fühlt sie sich nicht nur von ihrem Vater und ihrem Exmann missbraucht, sondern vermutlich auch von ihren Söhnen, die ähnlich agieren – leider hat sie dieses Gefühl wahrscheinlich auch zu Recht.

Selena Gomez und Justin Bieber – ebenfalls eine toxische Mischung

Ein weiteres prominentes Beispiel für ein derartiges „Gaslighting“-Verhalten sieht man an Justin Bieber und Selena Gomex – eine vermutlich toxische Beziehung par excellence. Während Justin Bieber Selena Gomez öffentlich gecancelt hat, schreibt er anschließend ein Lied über sie mit dem Titel „Love yourself“. Darin tat er Selena und ihre Gefühle als labil ab und gab ihr den Tipp, erstmal sich selbst zu lieben und mit sich selbst klar zu kommen. Die Realität sieht jedoch komplett anders aus. während Selena Gomez ihre Seelen-Baustellen aufgearbeitet hat, verliert sich Bieber immer mehr in seine Seelenverstrickungen und gilt mittlerweile als der labile Part der beiden.

Selena Gomez und Justin Bieber nach ihrer Trennung.

 

 




Galgen, Chemiefabrik, Theater und ein Astronaut

Erstmals hat der Verein StadtGeschichte Künzelsau e.V. die Geschichte Künzelsaus in einem selbst herausgegebenen Buch zusammengefasst. Auf 200 Seiten erklärt Autor Ehrenfried Biehal die Geschichte der Stadt und ihrer Teilorte seit der ersten schriftlichen Erwähnung. Er dokumentiert, stellt Zusammenhänge her und zeigt viele Bilder von historischen und zeitgeschichtlichen Objekten, die man täglich sieht und von deren Historie man oft nur wenig weiss.

Biehal berichtet, dass öfter an den Verein herangetragen wurde, der Verein würde sich zuwenig mit den Teilorten beschäftigen. Da kam das 50. Jubiläum der Verwaltungsreform, durch die einige Teilorte zu Künzelsau eingemeindet wurden, gerade recht, um die Teilorte in den Fokus zu rücken: Neben der Ausstellung im Stadtmuseum, zu der der Verein fiktive Zeitungen zur Dorfgeschichte beigetragen hatte, veranstalteten Stadt und Verein gemeinsam eine Reihe von Stadtteilrundgängen, die sich großer Nachfrage erfreuten. „Das Buch entstand letztlich als Antwort auf die Frage, was machen wir, wenn die Ausstellung vorbei ist?“, berichtet Biehal.

Industriegeschichte Künzelsaus

Die Schlossmühle, die Keimzelle einiger heutiger Weltmarktführer. Foto: StadtGeschichte Künzelsau e.V.

Jeder kennt die bekannten Firmen, die aus Künzelsau stammen und die bis heute im Stadtbild und auf den Märkten der Welt präsent sind. Kaum bekannt ist, dass Künzelsau einst ein Zentrum der Leder- und Schuhindustrie war oder dass es eine Sodafabrik gegeben hat. Selbst Zigarren wurden hier hergestellt. Einige dieser Firmen gingen zugrunde, weil Künzelsau erst 1892 an das Eisenbahnnetz angebunden wurde. Die Anbindung an die Verkehrsnetze ist bis heute ein Thema, das die Politiker und Produzenten beschäftigt.

300 Mitglieder engagieren sich im Verein

Die Geschichte des Vereins hängt eng mit der Lokalpolitik zusammen: 2003 sollte die städtische Sammlung „übergeben werden“ an Museen und Institutionen, die nicht in Künzelsau beheimatet sind. Eine Gruppe von Bürgern wollte das nicht so hinnehmen und gründeten einen „Arbeitskreis Stadtmuseum“, der unter dem Motto „Stadtmuseum – wir küssen Dich wach“ aktiv wurde. So aktiv, dass der Gemeinderat letztlich den Beschluss rückgängig machte. Seit 2010 werden die Objekte der städtischen Sammlung im Stadtmuseum in der Schnurgasse ausgestellt.

2014 wurde aus dem Arbeitskreis, der innerhalb des Fördervereins Künstlerfamilie Sommer arbeitete, schließlich der Verein StadtGeschichte Künzelsau e.V. Der Anlass war erfreulich: Das Haus „Stadtvilla 1897“ wurde dem kurz vorher gegründeten Verein von einer Bürgerin vermacht. Der Verein hat das historische Gebäude renoviert und nutzt es für Veranstaltungen.

Wenn es um die Vereinsaktivitäten geht, erwähnt Biehal immer wieder die Zusammenarbeit mit der Stadt Künzelsau, insbesondere mit dem Stadtarchivar Stefan Kraut. So auch, wenn er von der Verlegung der Stolpersteine spricht. Diese Aktionen mit dem Künstler Gunter Demnig wurden vom Verein Stadtgeschichte in Zusammenarbeit mit der Stadt, den Künzelsauer Senioren (KÜSS) und den Schulen durchgeführt: „Eine gute Möglichkeit, jungen Menschen ein Bewusstsein für die Geschichte zu vermitteln“, erklärt Biehal.

Inzwischen hat der Verein rund 300 Mitglieder, das Motto heißt inzwischen „Stadtgeschichte – wir halten Dich wach.“

Mehr als die Hälfte des Buchs gehört den Stadtteilen

Den Teilorten widmet Biehal mehr als die Hälfte der Seiten. Eindrucksvolle Bilder aus der Übergangszeit von der muskel- zur benzingetriebenen Landwirtschaft in aus Steinbach, der Galgen von Laßbach, die jüdische Geschichte Nagelsbergs oder der Postraub von Mäusdorf sind nur einige wenige der Schlaglichter, die Biehal in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ortsvorstehern zusammengetragen hat.

Auch Bier wurde früher in Künzelsau gebraut. Foto: StadtGeschichte Künzelsau e.V.

„Für Einsteiger“

Das Buch soll, so Biehal „ein Nachschlagewerk, ein erster Einstieg in die Stadtgeschichte“ sein. Einen geschichtswissenschaftlichen Anspruch erhebt er nicht. „Für Einsteiger“ sei das Buch gedacht, aber auch für Künzelsauer, ehemalige Künzelsauer und zukünftige Künzelsauer sei das Buch bestimmt interessant.
Auf die Anmerkung, dass das Buch ja genau zum richtigen Zeitpunkt, kurz vor Weihnachten, herausgekommen sei, lächelt Biehal verschmitzt.

Das Buch „Künzelsau – unsere Stadt mit ihren Stadtteilen … damals und heute …“ ist zum Preis von 20 Euro beim Verein StadtGeschichte e.V., bei LOTTA, Optik Müller und bei der Buchhandlung Lindenmayer und Harsch erhältlich.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Mutter – Tochter: Eine verhängnisvolle Beziehung?

Es ist eine der wichtigsten Verbindungen, wenn nicht sogar die wichtigste Beziehung eines Kindes im Leben: die Bindung und Beziehung zur Mutter. Von ihr geht alles aus.Mit ihr starten wir in die Welt.

Wie war die Schwangerschaft, die Geburt, die ersten Lebensjahre, die Reifeprüfung, das Loslassen?

In ihrem aktuellen Buchprojekt schreibt Dr. Sandra Hartmann über ausgewählte Mutter-Tochter-Beziehungen. Es sind subjektive Geschichten, geschildert von Menschen aus dem Hohenlohekreis, wie sie selbst ihre Beziehung erleben. Es sind Texte voller Freude, Mut und Zuversicht, aber auch Geschichten über Trauer, Wut und Zorn.

Welchen Einfluss hat diese Beziehung auf unser restliches Leben? Und was können wir tun, um aus dieser Beziehung, die wir erlebt haben, das schöpferisch Beste für unser Leben zu machen?

Lassen Sie uns miteinander sprechen. Gerne auch anonym.

Kontakt:

Hohenlohe Medien

GSCHWÄTZ – Das Magazin | Gaisbacher Straße 6 | 74653 Künzelsau |07940/93 555 7 | 0172/68 78 474




Weil du hier bist, ist alles möglich

Es gibt nicht viele Geschichten, insbesondere im Bereich Kinderbücher, die das Zeug dazu haben, auch dauerhaft als Standardwerke in den Bücherregalen aufbewahrt zu werden. Michael Endes „Die unendliche Geschichte, ist eines der ersten fantastischen Klassiker der Nachkriegszeit. Oder man denke an den Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupery. Kobi Yamadas Buch für Kinder (und Erwachsene) „Vielleicht“ – Eine Geschichte über die unendlich vielen Begabungen in uns“ ist weder so lang wie der Kleine Prinz noch so subtil. Aber es tut so gut. Und es ist so wahr.

Auch für Erwachsene geeignet

Anbei präsentieren wir Auszüge daraus:

„Hast Du Dich jemals gefragt, warum Du hier bist? Du bist Du. So jemanden wie Dich hat es noch nie gegeben und wird es auch nie mehr geben. In dir steckt so viel. Vielleicht wirst Du einmal etwas erfinden, Dinge bauen. Dein Leben gehört dir. Probiere Dinge aus.

Vielleicht wirst Du anderen helfen, die Schönheit in jedem Tag zu erkennen. Vielleicht wirst Du Menschen mit Deiner Begeisterung mitreißen.

„Aber du wirst auch wieder aufstehen“

Mache alles mit Liebe. Folge Deinem Herzen und schaue, wohin es Dich führt.

Vielleicht bist Du hier, um Licht an Orte zu bringen, die viel zu lange dunkel waren.

Vielleicht wirst Du für jene deine Stimme erheben, die nicht für sich selbst sprechen können.

Manchmal wird es sich richtig schwer anfühlen und du könntest sogar alles vermasseln. Aber Du wirst auch wieder aufstehen und ein wenig stärker daraus hervorgehen. Weil so viel mehr in dir steckt, als Dir bewusst ist.

Diese Welt braucht deine Begabungen, deine Talente, deine großartigen Ideen.

Da ist etwas Starkes, ja sogar Magisches in dir.

Eine Sache ist gewiss. Du bist hier. Und weil du hier bist, ist alles möglich.“

 

Im Namen des GSCHWÄTZ-Redaktionsteams wünsche ich allen Leser:innen schöne Weihnachtstage, bezaubernde Momente und einen friedlichen Rutsch ins neue Jahr.

Wir freuen uns auf 2022 mit Euch.

Winterliche Grüße

Dr. Sandra Hartmann

 

 

 




Öhringen liest ein Buch

Die Stadtverwaltung Öhringen ruft alle Öhringer und auch ‚Nicht-Öhringer auf, dasselbe Buch zu lesen – Warum? Um darüber zu sprechen, zu diskutieren und sich austauschen zu können. Und das im Rahmen der Öhringer Literaturtage, die vom 24. Oktober 2019 bis zum 09. November 2019 lockt mit einem abwechslungsreichem literarischen Programm.

„Wir haben uns bereits vor rund zehn Jahren für die Ausrichtung der baden-württembergischen Literaturtage beworben. Als der Zuschlag für 2019 kam, war die Freude dann natürlich groß“, sagt Leona Weber, die in Öhringen für das Stadtmanagement und die Wirtschaftsförderung zuständig ist. Die Öhringer Jury, welche aus mehreren „Büchermenschen“ bestand, entschied sich für den Roman ‚Länger als sonst ist nicht für immer‘. Weber erklärt, warum: „Zum einen sollte das Buch zum Motto der Literaturtage ‚Über Grenzen‘ passen und gleichzeitig eine passende Sommerlektüre für jeden sein – unterhaltsam für ein breites Publikum. Außerdem soll die Lektüre zum Diskutieren und zum aktiven Austausch in unseren Literaturkreisen, welche über den Sommer auf dem Marktplatz, in der Stadtbücherei und in der Hohenlohe’schen Buchhandlung Rau stattfinden, anregen.“ Bereits in der ersten Aktionswoche wurden laut der Stadt über 150 Exemplare verkauft.

In ‚Länger als sonst ist nicht für immer‘ erzählt Pia Ziefle den Weg von drei Menschen, die in den siebziger Jahren geboren sind und in den Achtzigern aufwuchsen. Da ist Ira, deren Mutter sie im Kinderwagen als Schutzschild mit auf Anti-Atom-Demos nahm und deren
Vater auf Distanz gehen musste aus Gründen, die sie lange nicht verstehen konnte. Fido, der 1976 als Vierjähriger mit seinem Großvater aus Jugoslawien floh, und Lew, dessen Eltern in demselben Jahr Ostberlin Richtung Westen verließen – ohne ihn.

Programm der Öhringer Literaturtage.




Der große weiße Elefant Amazon

Die Buchhandlung Lindenmaier und Harsch hat in diesem Jahr allen Grund zu feiern. Sie kann auf stolze 30 Jahre zurückblicken, denn so lange gibt es sie schon in der Hauptstrasse in Künzelsau. Elke Brand hat mit den Inhaberinnen, Reintraut Lindenmaier und Annegret Harsch, über den Büchermarkt gesprochen, wie sie zu dem riesigen Konkurrenten Amazon stehen und welche Bücher unbedingt gelesen werden müssen.

Frau Harsch und Frau Lindenmaier selbst bieten in ihrer Buchhandlung Leseabende an, an denen die Kundschaft die Möglichkeit hat, neu erschiene Bücher in gemütlicher Atmosphäre zu lesen und die Gesellschaft von Gleichgesinnten zu genießen, sich auszutauschen und zu plaudern.

Im hinteren Bereich des Ladens besteht auch die Möglichkeit, bei einer Tasse Tee oder Kaffee eine Leseprobe zu nehmen. Viele neue Bücher werden von Annegret Harsch und Reintraut Lindenmaier persönlich gelesen, damit Fragen von den Kunden umgehend beantwortet werden können. Dadurch  sei, so die beiden, eine kompetente Beratung der Lesekundschaft möglich. Dennoch spüren auch sie den Wandel, dem der Büchermarkt seit einigen Jahren unterworfen ist.

Richtiges Buch oder ein E-Book?

GSCHWÄTZ: Kritiker sagen, Buchhandlungen hätten das Internet verschlafen. Stimmt das?

A.H. und R.L.: Nein, die meisten Buchhandlungen haben einen Online-Shop, wir auch. Es gibt auch einen sehr großen Teil von Kunden, die das Angebot von E-Books nutzen.  Aber viele Leser möchten nach wie vor lieber das richtige Buch zum Lesen in die Hand nehmen. Viele sitzen den ganzen Tag am PC und möchten dann abends nicht auch nochmal am Tablet ein Buch lesen, das ist sehr viel anstrengender. Und auch der Kopf kann das Lesen in einem Buch viel intensiver verarbeiten.

 

GSCHWÄTZ: Wie sieht die Zukunft des Buchmarktes aus?

A.H. und R.L.: Viele kleine Buchläden werden wohl in Zukunft nicht mehr bestehen können und nach und nach aussterben. Große Buchhandlungen haben dann leider nur noch ein Sortiment für alle, es wird keine individuell gestalteten Buchhandlungen mehr geben. Dies wird zwar noch einige Jahre dauern, aber diese Veränderung setzt sich in kleinen Schritten durch. Zudem ist Amazon ein Konkurrent. Der Internetkonzern hat ein großes Angebot an Büchern und liefert sie sehr schnell. Aber auch das im Buchladen bestellte Buch ist schon am nächsten Tag im Laden.

Was lesen Jungs und was lesen Mädchen?

GSCHWÄTZ: Gibt es Unterschiede zwischen dem Leseverhalten von Jungen und Mädchen?

A.H. und R.L.: Jungs interessieren sich mehr für Sachbücher, Abenteuer,  Harry Potter und so weiter. Mädchen lesen gerne Bücher über Freundschaft. Generell ist es wichtig, dass es Bücher sind, die eine stimmige und gerechte Geschichte darstellen.

 

GSCHWÄTZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft für den Buchhandel?

A.H. und R.L.: Dass auf jeden Fall noch recht lange der Bedarf an Büchern besteht und  die Kinder von den Eltern frühzeitig mit Büchern vertraut gemacht werden. Der Wert des Lesens darf nicht durch die schnelllebige Zeit verloren gehen. Gerade in der Vorweihnachtszeit ist das Vorlesen eine Möglichkeit, mittels Bücher wieder mehr Familie zu leben. Dieser Wert geht leider in unserer Gesellschaft oftmals verloren. Bücher können auf jeden Fall Brücken sein. Und oftmals lesen Kinder in Büchern, wie das richtige Leben ist. Deshalb ist es wichtig,  das Interesse und die Wertigkeit von Büchern am Leben zu erhalten.

// Text und Foto von Elke Brand




Die kleinste Bücherei im Jagsttal

Geht man lieber in den Buchladen und kauft sich ein Buch oder geht man in die Bücherei und leiht es sich? Liest man überhaupt noch?

Wenn man ein Buch lesen möchte, kauft man sich eines. Klassisch im Buchladen oder online mit der Option eines E-Books. Aber die Tatsache, dass man sich ein Buch in einer Bücherei leihen kann, scheinen einige zu vergessen oder zu verdrängen. Gut, in vielen Büchereien muss man Anträge ausfüllen, einen Jahresbeitrag zahlen und hat auch noch eine Karte mehr im Portemonnaie, weil man einen Büchereiausweis braucht. Schafft man es nicht innerhalb der Leihfrist das Buch fertig zu lesen oder vergisst es gar abzugeben, gibt es Strafzahlungen.

Anstatt eines Computers gibt es in der Bibliothek Zettelkästen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Nicht in Hohebach. Im Kirchturm in Hohebach befindet sich eine kleine Bücherei. Auf charmante Weise scheint dort die Zeit stillzustehen. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite der Kirche beim Kirchturm. Jeden Samstag von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr steht die schwere Türe zum Kirchturm offen und somit weiß man, dass Frau Elisabeth Häfele da ist und die Bücherei geöffnet hat. Man geht über die Wendeltreppe ein Stockwerk nach oben und tritt in einen Raum voller Bücher. Um es genau zu nehmen, in einen Raum mit 2.701 Büchern.

Auch regionale Autoren kann man in der Bücherei finden

Die 93-jährige Elisabeth Häfele hat zwar nicht jedes Buch gelesen, aber sie findet für jeden das passende Buch. Von Joanne K. Rowling, Ken Follett, Charlotte Link bis hin zu Karl May, Astrid Lindgren, Cornelia Funke und J. R. R. Tolkien sind fast alle  bekannten Autoren vertreten.

Auch regionale Autoren wie Gertrud Zelinsky und Ulrike Schweikert kann man finden. Elisabeth Häfele ergänzt: „Da dies eine kirchliche Bücherei ist, gibt es hier natürlich auch kirchliche Bücher.“

Die Auswahl ist bunt gemischt und reicht von Bestsellern bis hin zu Nischenthemen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Einige Schüler kommen, wenn sie Lektüre für Referate benötigen und nutzen die kirchliche Literatur. Kinder besuchen die Bibliothek und durchstöbern die Kinderbuch-Ecke. Jedoch bei weitem nicht mehr so viele wie früher. „Viele haben das Interesse an Büchern verloren“, stellt Elisabeth Häfele fest.

Einen Computer oder Anmeldeformulare sucht man hier vergebens. In Hohebach funktioniert das Prinzip mit dem Zettelkasten noch gut. Die 92-jährige erklärt: „Wenn man sich ein Buch ausleiht, wird der Name und die Anschrift notiert. Wenn man mit lesen fertig ist, bringt man das Buch zurück.“ In der Bücherei in Hohebach gibt es keine Leihfrist oder Mahngebühren und es funktioniert.

Man muss sich nicht unbedingt ein Buch leihen, auch das Stöbern kann Spaß machen. Und siehe da. Für jeden Geschmack scheint etwas dabei zu sein.

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 16 / Februar 2018