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„Insbesondere bei der Blutgruppe 0 mit Rhesusfaktor negativ ist besondere Aufmerksamkeit geboten“

Im November berichteten wir über eine Frau, die im Diak in Schwäbisch Hall lag und eine bestimmte Blutkonserve, diese war aber nicht vorrätig.

Daraufhin haben wir das Diak angeafragt, wie es grundsätzlich aktuell um den Bedarf an Blutkonserven bestellt hat.

Markus Wagner, PRessesprecher von Diakoneo in Neuendettelsau, zu diesem Verband gehört das Diak mittlerweile, hat unsere kleine Presseanfrage beantwortet.

GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass seit Corona weniger Blut gespendet wird?

Diakoneo betreibt eine eigene Blutspendezentrale

Wagner: Das Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall betreibt selbst eine Blutspendezentrale, um den Bedarf an Blutplasma und roten Blutkörperchen im eigenen Haus zu decken. Nur bei Bedarf kaufen wir zusätzlich Produkte zu. Weil wir 2020 feststellen mussten, dass sich der Zukauf schwieriger gestaltet, haben wir durch Aktivierung unserer Stammblutspender und durch Werbung die Zahl der Vollblutspenden in unserer Blutspendezentrale um rund 26 Prozent erhöhen können. Dieses Niveau haben wir 2021 halten können.

GSCHWÄTZ: Wie hoch ist der derzeitige Bedarf an Blutkonserven im Verhältnis zu dem, was vor Ort verfügbar ist?

Wagner: Dank unserer hauseigenen Blutspendezentrale können wir den Bedarf an Blutprodukten zu einem großen Teil selbst decken. Durch Zukäufe ist die Versorgung gesichert.

GSCHWÄTZ: Gibt es bestimmte Blutgruppen, bei denen es besonders an Blutkonserven mangelt?

Wagner: Insbesondere bei der Blutgruppe 0 mit Rhesusfaktor negativ ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Lediglich sechs Prozent der Menschen in Deutschland haben diese Blutgruppe. Gleichzeitig ist sie besonders gut geeignet, weil auch Menschen mit anderen Blutgruppen damit versorgt werden können, ohne Antikörper zu bilden. Insbesondere in akuten Notfällen wird deshalb auf solche Blutprodukte zurückgegriffen, wenn der Status des Patienten unbekannt ist.

GSCHWÄTZ: Was passiert, wenn das Diak Blutspenden für bestimmte Blutgruppen nicht vorrätig hat und wie oft kommt so etwas vor?

Wagner: Blutspendedienste und Krankenhäuser in Deutschland helfen sich aus, falls lokal akuter Bedarf besteht. Die Vorräte unserer Blutspendezentrale werden ausschließlich im Diak Klinikum eingesetzt. Selbstverständlich helfen auch wir in Notfällen den umliegenden Krankenhäusern mit Blutprodukten aus – so wie uns im Akutfall geholfen wird.  Notwendig ist das nur in ausgesprochen seltenen Fällen.

GSCHWÄTZ: Auch im Diak kann man ja Blut spenden. Wie läuft so etwas ab?

Wagner: Am Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall findet Blutspende ausschließlich mit Terminvergabe statt. Der Vorteil: Sie sind individuell vereinbar auch zu Zeiten möglich, die bei Blutspendeaktionen kaum bedacht werden können. Termine und Details finden Sie hier: https://www.diak-klinikum.de/laboratoriumsmedizin/blutspendezentrale

GSCHWÄTZ: Welche Krankheitsbilder oder vielleicht auch Unfallopfer brauchen am meisten Blutspenden (damit die Menschen besser nachvollziehe können, wofür die Blutspenden eingesetzt werden)?

Wagner: Der Bedarf für Blutspenden hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Durch Fortschritte in der OP-Technik werden deutlich weniger Blutkonserven bei klassischen chirurgischen Eingriffen benötigt. Zudem hat haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei akutem Blutmangel zum Beispiel nach einem Unfall verfeinert. Stattdessen steigt der Bedarf an Blutprodukten in der Onkologie. Neue Behandlungsmethoden zum Beispiel in der Chemotherapie machen eine gleichzeitige Gabe solcher Produkte notwendig. Bei bestimmten Krebsarten erhöhen Transfusionen mit roten Blutkörperchen die Lebensqualität deutlich. Meist müssen bei diesen Patienten auch sogenannte Blutplättchen gegeben werden. Diese Konzentrate sind nur wenige Tage haltbar. Deshalb ist eine termingerechte Steuerung der Blutspenden viel wichtiger geworden. Unsere Stammspender, die wir bei Bedarf auch aktiv um eine Spende bitten, helfen uns dabei sehr.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Zu wenig Blutkonserven

Eine Patientin des Diak in Schwäbisch Hall hat vor ein paar Wochen eine Bluttransfusion gebraucht. Vorrätig hatte das Diak die passende Blutgruppe nicht, weswegen sie bestellt werden musste. Zwei Tage zogen ins Land. Dann traf die bestellte Bluttransfusion ein.

Was vor Corona schon prekär war, wird nun zu einem Dauerthema: fehlende Blutkonserven für Menschen, die auf Bluttransfusionen angewiesen sind.

Während in der Coronazeit viele Blutspendeaktionen nicht mehr stattfinden konnten, regiert nun fast schon das Prinzip: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Aber auch das Deutsche Rote Kreuz selbst (DRK) scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Aktiv werben sie um neue Fördermitglieder. Auf der Internetseite der Stadt Mulfingen ist noch immer ein Aufruf von August zu sehen. Darin heißt es:

DRK braucht ebenfalls dringend eine Spritze – eine Finanzspritze

„Als größte Hilfsorganisation haben wir sicher und zuverlässig für die Menschen in Notlagen da zu sein. Dies gelingt uns durch hauptamtliche Mitarbeiter, aber im notwendigen Umfang nur durch die vielen unermüdlichen ehrenamtlichen
Helfer im Kreisverband. Insbesondere diese profitieren von der verlässlichen Unterstützung unserer Fördermitglieder. Dies ermöglicht dem Kreisverband erst die Schulung und Ausrüstung der ehrenamtlichen Helfer. Auch die umfangreiche
Jugendarbeit im Jugendrotkreuz wäre ohne die Beiträge der Fördermitglieder nicht denkbar. Auch in der Zukunft stehen wieder viele Aufgaben und umfangreiche Herausforderungen für den Kreisverband an.
Mit einer Fördermitgliedschaft helfen Sie uns zu helfen!“

Der DRK möchte an den Haustüren im Hohenlohekreis für eine Fördermitgliedschaft werben, das heißt, man unterstützt das DRK finanziell mit einem bestimmten Betrag:

„Ab dem 1. August findet im Hohenlohekreis eine Haustürwerbung und auch in dem Gebiet Ihrer Gemeinde eine Aktion zur Gewinnung von Fördermitgliedern statt. Werber werden im Namen des Kreisverbands unterwegs sein und besuchen alle
Haushalte. Wenn also die jungen Frauen und Männer vor Ihrer Tür stehen, handelt es sich um eine seriöse Aktion im Namen des DRK. Die Werber sind eindeutig erkennbar. Sie tragen DRK-Kleidung und führen einen Ausweis mit Stempel des
DRK-Kreisverbands mit sich. Die Daten der neuen Mitglieder werden gesichert über ein Tablet aufgenommen. Bargeld – und Sachspenden dürfen nicht entgegengenommen werden.

Rückfragen und Informationen unter Telefon 07940/9225-21 oder E-Mail: senta.weiss@drk-hohenlohe.d




„Enormer Zulauf an Erstspendern“

„Es ist eine enorme Herausforderung“, sagt Ralf Debus, Leiter des Bereichs Spenderbindung und Spendergewinnung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Er organisiert und plant die Blutspendetermine in Baden-Württemberg und steht wie viele andere auch vor einer völlig neuen Situation. „Uns sind alle Schul- und Firmentermine weggebrochen“, sagt er. So wie vorher hätten die Termine aufgrund der Hygiene- und Schutzverordnungen nicht mehr durchgeführt werden können. Alles sei wegen der veränderten Bedingungen auf den Prüfstand gekommen. So war etwa eine Frage, ob die üblichen Spendeorte wie beispielsweise Stadthallen unter den momentanen Voraussetzungen weiterhin zu nutzen sind. Einziger Pluspunkt: Weil die Kliniken aufgefordert waren, planbare Maßnahmen zurückzufahren, hätten sie auch weniger Blut gebraucht. Der Bedarf sei nach unten gegangen. Doch der steigt jetzt wieder und sei momentan bei 80 Prozent. „Wir rechnen damit, dass die Kliniken Ende Mai wieder 90 bis 100 Prozent des vorigen Bedarfs haben werden“, sagt der DRK-Mitarbeiter.

„Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstspendern“

Über mangelndes Blut konnte sich der DRK zu Beginn der Krise nicht beklagen – im Gegenteil. „Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstpendern“, sagt Debus. „Die meisten Menschen waren ja zuhause und hatten Zeit, endlich das zu tun, was sie schon lange vorhatten.“ Um weiterhin unter den veränderten Bedingungen Blutspende-Termine anbieten zu können, richtete das DRK Spendezentren ein – beispielsweise in Flein. Die waren jeweils eine Woche am jeweiligen Ort und wechselten dann. Schließlich wollte man alle Regionen in Baden-Württemberg abdecken. „Das machen wir noch bis Ende Mai und dann sehen wir weiter“, so Debus. Schließlich wolle das DRK zu den alten Spendeterminen zurück. Zunächst allerdings müsste geprüft werden, ob die alten Räumlichkeiten weiterhin nutzbar seien oder eventuell andere nötig sind. „Das ist eine große logistische Herausforderung für uns“, erläutert er.

„95 Prozent der Spender reservieren einen Termin“

Momentan werden die Termine nicht mehr weit im Voraus veröffentlicht. Erst wenn feststeht, dass der jeweilige Ort unter Hygiene- und Schutzbedingungen nutzbar ist, wird der Termin rund vier Wochen vorher bekanntgegeben. Damit zudem nicht zu viele Spender gleichzeitig kommen, müssen diese sich vorher auf der DRK-Homepage anmelden. „Wir haben festgestellt, dass 95 Prozent der Spender einen Termin reservieren“, sagt Debus. Die meisten würden sich freuen, denn jetzt sei der Spendetermin auch für sie besser planbar und sie müssten nicht mehr so lange warten. „Was vorher zwei bis drei Stunden gedauert hat, ist jetzt oft nach 45 Minuten erledigt“, erklärt der DRKler. Doch auch spontane Spender können weiterhin kommen, die müssen aber eventuell etwas warten. Für solche Fälle hätte das DRK aber Puffer eingebaut und letztendlich werde das vor Ort geklärt.

„Auch wir lernen aus dieser Pandemie“

Momentan müsse das DRK das Angebot wöchentlich mit den Kliniken absprechen und planen. „Normalerweise haben wir eine Vorlaufzeit von drei Monaten, zurzeit sind das zwei bis drei Wochen“, sagt Debus. Doch Blut sei nicht ewig haltbar – Thrombozyten-Konzentrate maximal vier Tage. Der DRK-Mann findet es unethisch, gespendetes Blut nicht zu verwenden und einfach zu entsorgen. Von den unnötigen Kosten ganz abgesehen. Das Unplanbare sei momentan die große Schwierigkeit und eine enorme Herausforderung. „Aber“, so der DRK-Mann weiter, „auch wir lernen aus dieser Pandemie“.

Termin in Krautheim

Der Blutspende-Termin im Eugen-Seitz-Bürgerhaus in Krautheim findet wie geplant am Montag, den 11. Mai 2020, von 14.30 bis 19.30 Uhr statt. Es wird kein Imbiss angeboten und es sollten keine Begleitpersonen oder Kinder mitbracht werden. Spendewillige, die in den vergangenen vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt sind, müssen für vier Wochen nach Rückkehr von der Blutspende zurückgestellt werden. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Terminreservierung gibt es unter https://www.blutspende.de/blutspendetermine/termine/153160 .

Text: Sonja Bossert