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Die städtischen Schulen laden zum digitalen Tag der offenen Tür ein

Wohin soll es nach der vierten Klasse gehen? Diese Frage stellen sich derzeit viele Familien und eine Entscheidung fällt nicht immer leicht. Deshalb laden sowohl die Georg-Wagner-Schule als auch das Ganerben-Gymnasium die Familien der zukünftigen Fünftklässler zu einem digitalen Tag der offenen Tür mit vielen interessanten Angeboten und persönlicher Beratung ein.

Georg-Wagner-Schule: Digitaler Tag der offenen Tür am 18. und 19. Februar 2022

„Wir bieten Einblicke in unser Schulleben und stellen die Schularten Hauptschule, Werkrealschule und Realschule sowie die Anschluss- und Abschlussmöglichkeiten vor“, lädt Rainer Süßmann, erster Konrektor der Georg-Wagner-Schule, ein. Das Schulteam informiert über den Schulverbund, Profilschwerpunkte, individualisierte Unterrichtselemente, das Bläserklassenmodell, Bildungspartnerschaften, die Schulsozialarbeit und die Gestaltung der offenen Ganztagesbetreuung.

Auf der Schulhomepage unter www.gewas-kuenzelsau.de ist bis zum 11. März 2022 eine Pinnwand freigeschaltet, die vielfältige Einblicke in das Schulleben bietet. Neben Infotexten gibt es einen digitalen Rundgang durch die Schulgebäude, Filme, Bilder, Mitmachangebote und vieles mehr zu entdecken.

Digitaler Vortrag mit Fragemöglichkeit

Zusätzlich wird am Freitag, 18. Februar um 17.30 Uhr und am Samstag, 19. Februar 2022 um 9 Uhr und 11.30 Uhr ein digitaler Vortrag der Schulleitung über die Verbundschule angeboten. „Hier haben Sie auch die Möglichkeit, Fragen an uns zu stellen“, so Rainer Süßmann.

Ebenso stehen die Elternbeiratsvorsitzenden und die Mitarbeiter der Ganztagesbetreuung für Fragen digital oder telefonisch an diesen Tagen zur Verfügung. Auf der digitalen Pinnwand werden die Zugänge zu allen digitalen Räumen ab dem 18. Februar 2022 verlinkt sein. Für den Zugang und die Anmeldung ist weder eine Registrierung noch die Angabe von persönlichen Daten erforderlich.

Neben den genannten Angeboten besteht auch die Möglichkeit zu einem persönlichen digitalen oder telefonischen Beratungsgespräch. Termine werden über die Schulsekretariate vergeben.

Ganerben-Gymnasium: Digitaler Tag der offenen Tür am 19. Februar 2022

Auch das Ganerben-Gymnasium öffnet dieses Jahr seine Türen wieder virtuell für die diesjährigen Viertklässlerinnen und Viertklässler. Dazu wurde ein digitaler Tag der offenen Tür vorbereitet, der ab Montag, 14. Februar 2022 über die Homepage www.ganerben-gymnasium.de zugänglich ist. Die Schulgemeinschaft präsentiert sich dort mit vielfältigen Eindrücken und Informationen.

Offene Sprechstunde mit Schulleitung und Lehrkräften

Am Samstag, 19. Februar 2022 besteht dort zwischen 9.30 Uhr und 12.30 Uhr ebenfalls die Möglichkeit einer offenen Sprechstunde, bei der die Schulleitung und Lehrkräfte bereitstehen, die Fragen der Familien persönlich und live in Telekonferenzräumen zu beantworten.

Anmeldetage am Ganerben-Gymnasium für neue Fünftklässler und Fünftklässlerinnen

Für die persönliche Anmeldung ist das Sekretariat am Mittwoch, 9. März, und Donnerstag, 10. März 2022, jeweils von 8 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Die Anmeldung kann per Fax, per Email oder, am einfachsten, über das Anmeldeformular auf der Homepage www.ganerben-gymnasium.de erfolgen. Die Anmeldeblätter 3 und 4 der Grundschulempfehlung müssen im Original bis zum 10. März 2022 (per Post, Einwurf, Abgabe) vorliegen.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

Zu den Fotos: Die Georg-Wagner-Schule und das Ganerben-Gymnasium öffnen dieses Jahr die Türen wieder digital für die zukünftigen Fünftklässler. Fotos Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH, und Georg-Wagner-Schule.

 




Bildung in Zeiten von Corona

Der Landtagsabgeordnete Anton Baron lädt am Dienstag, den 02. Februar 2021, wieder zu einer Videoveranstaltung mit einem AfD-Fachpolitiker. Ab 20 Uhr diskutiert er mit dem Bildungsexperten der Landtagsfraktion und langjährigen Lehrer Dr. Rainer Balzer.

Die Zugangsdaten sind öffentlich auf Youtube und Facebook unter Anton Baron MdL einsehbar. Es wird um das aktuelle Thema „Bildung in Zeiten von Corona“ und um die bildungspolitischen Zielsetzungen der AfD gehen. Fragen an den Referenten können wieder an anton.baron@afd-bw.de mitgeteilt werden.

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsbüros von Anton Baron




Ja, was jetzt – auf oder zu, Frau Eisenmann?

Zuerst wagte sich Dr. Susanne Eisenmann vor. Es ist noch nicht mal Silvester und damit noch gefühlt Lichtjahre entfernt bis zum Ende der Weihnachtsferien – insbesondere in der Coronazeit, in der jeder Tag ein neues Überraschungsei zum Vorschein bringen kann.

Zu, auf, zu, auf – so schaut Planungssicherheit aus

Aber die baden-württembergische Kultusministerin ließ schon mal verlauten, dass sie nichts davon halte, die Schulen nach den Ferien weiter geschlossen zu halten. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/eisenmann-praesenzunterricht-in-schulen-im-januar-100.htmlNur wenig später stellte wiederum der Regierungssprecher der Bundesregierung in den Raum, dass er nicht glaube, dass ab dem 10. Januar 2020 wieder alles offen haben werden. Was genau er damit meinte, bleibt erst einmal im Dunkeln. Erst am 05. Januar 2020 wollen die Länderchefs auch über die mögliche Wiedereröffnung der Schulen beraten.

Auch manche Lehrer haben mit digitalem Unterricht so ihre Probleme

Bereits vor den Ferien ließen die Schulen im Ländle in diversen Elternbriefen verlauten, dass die Schulen „mindestens“ bis 10. Januar 2020 geschlossen bleiben. So viel Planungssicherheit war selten. Eisenmann legte die Betonung denn auch auf die Öffnung der Grundschulen, da jüngere Schüler sich schwerer tun mit digitalem Unterricht. Man möchte hier instinktiv hinzufügen: Nicht nur die Schüler, auch manche Lehrer haben damit so ihre Probleme. Aber dazu später.

Noch immer kein digitales Konzept

Die überraschende Schließung der Schulen eine Woche vor den Weihnachtsferien ließ schon diverse Eltern ins Schlingern kommen, die nebenbei noch arbeiten. Aber nicht nur das Akzeptanzproblem gegenüber dem Arbeitgeber bei einer gefühlten Arbeitsunterbrechung von mittlerweile an die 180 Tage im Coronajahr 2020 bereitet vielen Kopfzerbrechen. Hinzu kommt ein in vielen Schulen nach wie vor nicht ansatzweise vorbereitetes adäquates Homeschooling-Konzept. Vor den Ferien bekamen viele Schüler (freiwilligen) Lernstoff mit, allerdings verabschiedeten sich die Lehrer parallel dazu schon mal in die Weihnachtsferien.

Arbeitsblätter an der Schule abholen

Und auch sonst scheint man wenig dafür getan zu haben, den digitalen Unterricht voranzubringen. Digitaler Unterricht gibt es an vielen (Grund-)Schulen tatsächlich immernoch nicht. Lehrer drucken stattdessen Blätterstapel aus, die es dann in Coronazeiten mit Maskenpflicht, Abstand halten und allen anderen AHA-Regeln einzuhalten gelte. Da ist es schon ein Meilenstein, wenn Arbeitsblätter als pdf per E-Mail verschickt werden und das nicht einmal in einer Woche oder noch seltener, sondern jeden Tag das, was die Kinder am Tag darauf machen sollen. So wären es immerhin mundgerechte Häppchen und nicht ein riesiger Truthahn, den sich die Kleinen selbst irgendwie zurechtschneidern müssen.

Der Kontakt zur Lehrkraft fehlt, ist aber unabdingbar

Weiter sind da schon die Schulen, die eine Lernplattform anbieten, in welcher sie die Aufgaben zum Bearbeiten stellen. Aber auch hier braucht es einen aktiven Kontakt mit dem Lehrer, am besten täglich. Schulen wie in Mulfingen und die Anne-Sophie-Schule haben gezeigt, dass es möglich ist, jedem Schüler mit einem Tablet auszustatten. Der Hohenlohekreis ist kein armer Landkreis, hinzu kommen etliche Firmen, die in diesem Bereich sicher finanziell auch unterstützen würden. Auf diesem Tablett sollten dann nicht nur Videokonferenzen stattfinden, sondern auch digitaler Frontalunterricht. Sprich: Es reicht nicht aus, sich nach dem Wohlbefinden eines jeden einzelnen zu erkundigen – was sicher auch wichtig ist, aber zum Schulunterricht gehört nun mal auch Wissensvermittlung). Stattdessen sollte die Lehrkraft daher neue Dinge an der Tafel oder auf einem Blatt erklären und sich beziehungsweise den neuen Stoff dabei filmen. Diesen Unterricht verfolgen die Kinder dann an ihren PCs oder Tablets zu Hause und haben die Möglichkeit, durch gewisse Symbole anzuzeigen, wenn sie Fragen haben.

Aber bis es so weit ist, sitzen die Kinder eventuell ab Januar 2020 wieder weitestgehend auf sich gestellt zu Hause und arbeiten stundenlang alleine Aufgabenblätter ab, mit der Unterstützung ihrer Eltern, die nebenbei auch noch ihrer anderen Arbeit nachgehen, die sie oft noch haben. Das ist alles andere als mustergültig für das Musterländle.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Krautheim: Ehemaliger Lehrerverbandspräsident kritisiert Politik scharf: „Wer die Hauptschule abschafft, schafft den Hauptschüler nicht ab“

Bildungschaos, Kampfhubschraubereltern, Pisa-Hysterie: Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, legte am Donnerstag, den 30. Januar 2020, in Krautheim  den Finger in die Wunden des deutschen Bildungswesens.

„Stecken wir im Bildungschaos fest oder anders gesagt: Sind wir noch zu retten?“ – mit diesen provokanten Worten stellte Schulleiter Thomas Weniger den Redner des Abends vor und bezeichnete diesen als „Klarsprecher“. Viele Eltern aber auch Lehrer hatten sich im gut besuchten Eugen-Seitz-Bürgerhaus eingefunden. In seinem kurzweiligen Vortrag zum Thema „Bildungsnation oder Bildungschaos? Was Eltern jetzt wissen müssen“ zerpflückte der Autor mehrerer Bücher die Bildungspolitik, gab aber auch den Eltern einige Tipps mit auf den Weg.

„Wir haben den Mittelweg nicht gefunden“

Natürlich sei es ein provokantes Thema, bekannte der der 70-Jährige: „Ein Wissenschaftler dürfte nicht so reden.“ Aber er selbst sei Praktiker und ein „Mann des klaren Wortes“. Er scheue sich nicht davor anzuecken. Der Oberstudiendirektor a.D. und Diplom-Psychologe weiß, wovon er spricht. Als Leiter eines Gymnasiums in Bayern begleitete er laut eigenen Worten rund 2.000 Schüler bis zum Abitur. Außerdem war er von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und begleitete so die Bildungspolitik in Deutschland. „Ich hatte viel von dieser Gesellschaft“, erklärt Kraus, der sich selbst als politischen Menschen sieht. „Deshalb will ich meine Erfahrungen zurückgeben“. Von 1993 bis 2014 war er zudem Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Verteidigungsministers und wäre 1995 beinahe hessischer Kultusminister geworden. Im vergangenen Jahr hat er gemeinsam mit dem Co-Autor Oberst a.D. Richard Drexl ein Buch über die Bundewehr veröffentlicht.

Geht mit der deutschen Bildungspolitik hart ins Gericht

An diesem Abend in Krautheim geht Kraus mit der deutschen Bildungspolitik hart ins Gericht. Deutschland habe eine große Bildungstradition – „weltweit beneidet“ – doch „wir sind dabei, Strukturen, Inhalte und Vorzüge über Bord zu schmeißen“. Das mache ihm Sorgen, „weil wir zurückfallen“. Immer mehr Ausbildungsbetriebe und Universitäten müssten Lift-Kurse besonders in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe anbieten, in denen bestimmte Inhalte des schulischen Unterrichts nochmal aufbereitet werden –„das ist im Prinzip Nachhilfe“.

Viele Studierberechtigte – die er unterscheidet von Studierbefähigten – brächten nicht mehr das mit, was für ein Studium nötig sei. Vor allem mache ihm Sorgen, dass „wir weltweit in einem globalen Wettbewerb stehen mit Nationen, wo das Leistungsprinzip in der Bildung noch nicht diskreditiert ist“, wo noch Neugier und Anstrengungsbereitschaft angesagt seien. Er vergleicht Deutschland mit den „Ostasiaten, die uns über kurz oder lang wahrscheinlich auch in diesem Bereich überrunden werden“. Er möchte kein Drillsystem wie in Korea, China oder Japan. Aber hier findet seiner Meinung nach das andere Extrem statt: „Wir haben den Mittelweg nicht gefunden.“

Josef Kraus in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

Er möchte kein Drillsystem wie in Korea

Von Bilanzen lässt sich Josef Kraus nach eigenen Worten nicht täuschen. Jedes Jahr steige die Abiturienten-Quote in Deutschland, die Noten werden immer besser, die Anzahl der Sitzenbleiber und Durchfaller dagegen falle. Doch hier werden, „Quote und Qualität verwechselt“. Zeugnisse würden zu „ungedeckten Schecks, mit denen man Eltern und junge Leute hinters Licht führt“. So sei eine Schieflage zwischen beruflicher und akademischer Bildung entstanden und das in einem Land, das immer sagte, „Bildung ist unser Exportschlager und der Garant dafür, dass wir die weltweit niedrigste Arbeitslosenquote bei Jugendlichen haben.“ Heutzutage würden in Deutschland mehr junge Leute ein Studium als eine Ausbildung beginnen. Was bei der mittelständischen Wirtschaft und teilweise in der Industrie spürbar werde – Stichwort Fachkräftemangel. Vor 2011 sei Baden-Württemberg bei allen innerdeutschen Vergleichen unter den vorderen vier Plätzen gewesen. Ein paar Jahre später sei es schließlich auf den hinteren Rängen gelandet. Kraus führt das auf eine „Reformitis ohne gleichen zurück, die meine, keinen Stein auf dem anderen lassen zu müssen“.

Reformen über Reformen über Reformen – Der Fachkräftemangel komme nicht von ungefähr

Der Niederbayer lehnt den Bildungszentralismus ab, weil „wir dann innerhalb einer Generation Pisa-Ergebnisse wie Bremen und Berlin haben“. Politik gebe sich gerne populistisch und „Erleichterungspädagogik und Gefälligkeitsbildungspolitik würden bei einem Teil der Beteiligten“ gut ankommen. Er wünscht sich einen „Wettbewerbsföderalismus“. Dieser sei aber weitestgehend außer Kraft gesetzt worden, bedauert Kraus und macht gleich den Schuldigen aus: „Ein falsches Verständnis von Föderalismus ist schuld, wenn es schief läuft in Deutschlands Schulen und Bildungseinrichtungen“. Die Schuld macht er nicht an Schülern, Eltern oder Lehrern fest – auch wenn unter Deutschlands 800.000 Lehrern nicht nur Helden und Heilige seien. Die Schuldfrage dagegen stellt er in Richtung Politik und Bildungswissenschaften, „die immer noch uralten Ideologien hinterherhecheln“.

Politiker „hecheln uralten Ideologien hinterher“

Der Träger des Deutschen Sprachpreises 2018 zeigt der deutschen Bildungspolitik sechs „ideologische Irrwege“ auf, die man immer wieder diskutieren müsse, „bevor man in reinem schul- und bildungspolitischem Pragmatismus ersäuft und immer neue Versprechungen draufsetzt, die alle in Richtung Gefälligkeitspädagogik gehen“. Zu der zählt er die Abschaffung der Hausaufgaben, des Sitzenbleibens, der Zeugnisse und Noten sowie der Rechtschreibung. Er geißelt die Rechtschreibreform als „Kniefall vor der zunehmenden Legasthenisierung der Gesellschaft“. Aber Rechtschreibung „hat auch mit sprachanalytischem Verständnis zu tun“ und sie biete eine „gewisse Chancengerechtigkeit, wenn alle sie beherrschen“.

Auch das Egalitätsprinzip gehört für ihn dazu, denn wenn alle Abitur haben würden, habe keiner mehr eins. Dann gebe es andere Selektionskriterien. Er selbst bezeichnet sich als großer Fan von Haupt- und Realschule und meint, „wer die Hauptschule abschafft, schafft den Hauptschüler nicht ab“. Erfreut stellte er fest, dass es in Krautheim eine Hauptschule gibt. „Ich habe gesehen, welch lebendige Schule das ist, auch übrigens in der Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft“, sagte er.

 Lob für die Haupt- und Realschule in Krautheim

Ein weiterer Irrweg sei der „Machbarkeitswahn“, bei dem man glaube, „mit Pädagogik könne man aus jedem Menschen alles machen“. Dazu zählt er auch die „Radikalinklusion“ und spielte auf den Fall von Henri an, dessen Mutter ihren Sohn, der das Down-Syndrom hat, unbedingt aufs Gymnasium schicken wollte. Bei allen Fragen der Beschulung stehe an oberster Stelle das Kindeswohl und dieser Fall hat laut Kraus nichts mit Kindeswohl zu tun. Für ihn sei das eher Kindesmisshandlung. Das bedeute aber nicht, dass behinderte Kinder nicht auch eine Regelschule besuchen könnten, sofern die technischen und personellen Voraussetzungen erfüllt seien.

Schluss mit dem Machbarkeitswahn: Aus jedem Menschen könne man eben nicht alles machen

Der „Glaube, Lernen müsse immer nur Spaß machen“ sei ein weiterer Irrweg. Seiner Meinung nach gebe es Lernen und Bildung nicht ohne Anstrengung. Doch in Deutschland sei das Leistungsprinzip über „Jahrzehnte diskreditiert worden“. Aber Leistung sei ein „wichtiges Vehikel zur Entwicklung der eigenen Identität“ und Basis des Sozialstaates. Spaß- und Gefälligkeitspädagogik lehnt er ab, denn nicht „alles, was den Kindern in der Schule leicht gemacht wird, macht ihnen den Einstieg ins Leben leicht“. Weitere Irrungen sind die Quotenfalle, „die planwirtschaftliche Vermessenheit“, dass alle studieren müssten sowie die „Pisa-Testerei“. Pisa sei kein Schulleistungstest, sondern messe nur rund zehn Prozent des schulischen Lerngeschehens. Sprachliches Ausdrucksvermögen käme darin genauso wenig vor wie „Bildung in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Geschichte“. Aber „die hohe Politik ist besoffen von Pisa-Rankingplätzen“ und verordne den Schulen Multiple-Choice-Tests und „Lücken-Zustöpsel-Tests“ im Fach Deutsch, obwohl hier die jungen Leute lernen sollten, ihre Gedanken auszuformulieren.
Auch die Beschleunigung bezeichnet Kraus als Falle. „G8 war ein katastrophaler Fehler“, sagt er. Und jetzt komme auch noch aus der Ecke der Wirtschaft der Ruf nach „Einschulung mit vier“. Er nennt das „Beschleunigungswahn ohne Rücksicht auf die Entwicklungspsychologie von Kindern“. Er erlaube sich als erfahrener Pädagoge, der als Schulleiter G9 und G8 erlebt hat, zu sagen, „dass die „G8-Absolventen weniger reif sind“.

Ein weiterer Irrweg: Lernen müsse eben nicht immer nur Spaß machen

Auch die Eltern bekamen an dem Abend ihr Fett weg. Kraus hielt ihnen den Spiegel vor, was diese amüsiert aufnahmen. Er wolle niemanden in Schubladen stecken, aber verhindern, dass sie genauso werden, erklärte er und gab ihnen zehn Anregungen für die Kindererziehung mit auf den Weg – „Impulse zur Selbstreflexion“ aber keine Patentrezepte, denn jede Familie und jedes Kind sei anders. Es gebe zwei extreme Elterntypen: Diejenigen, die sich um nichts kümmerten und jene, die sich um „alles und noch mehr kümmern“. Deren Anteil werde immer größer. Die meisten Eltern seien verantwortungsbewusst, weshalb er ein differenziertes Elternbild habe. Das Problem seien aber die Kinder aus den extremen Erziehungshaltungen.

Die Sache mit den „Schneepflugeltern“

Kraus beansprucht für sich, 2011 den US-amerikanischen Begriff Helikopter-Eltern in Deutschland eingeführt zu haben. Mittlerweile gebe es drei Ausprägungen, die die Zuhörer mit Gelächter zur Kenntnis nahmen: Kampfhubschrauber-Eltern, Rettungshubschrauber-Eltern sowie Transporthubschrauber-Eltern. Neu seien Begriffe wie Schneepflugeltern, Curling-Eltern oder auch Drohnen-Eltern. Er führte kuriose Beispiele der Elternliebe an wie Handys mit GPS, die Alarm geben, sobald die Kinder einen Aktionsradius von 200 Metern überschreiten. Diese Eltern würden dem Kind nichts zumuten und nie was versagen, aus Angst es zu traumatisieren – sie seien im „Verwöhnwahn“. Genauso schlimm sei aber auch der Förderwahn, bei dem die Mama einen VHS-Kurs in Latein macht, wenn das Kind aufs Gymnasium wechselt. Oder die unsäglichen WhatsApp-Gruppen, in denen die Eltern um die richtigen Lösungen für die Hausaufgaben streiten. Lachen unter den Eltern – der eine oder die andere schien solche Situationen zu kennen. Solche Kinder hätten Hilflosigkeit gepaart mit hohen Ansprüchen gelernt. Sie würden nie Verantwortung übernehmen und nie Unternehmergeist entwickeln.

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“

Kraus riet den Eltern, der „Bildungspolitik und ihren Versprechungen“ zu misstrauen – das seien nur Sprechblasen – ebenso wie dem „Gerede von überfrachteten Stoffplänen“. Was man gelernt habe, schaffe kognitive Strukturen. Die junge Generation brauche mehr konkretes Vorratswissen, wenn sie mitreden möchte. Er zitierte den Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach. „Wer nichts weiß, muss alles glauben“. Wissen habe schließlich auch mit Mündigkeit zu tun.

Eltern sollten den Kindern in punkto Neugier und Lesen ein Vorbild sein. Wer liest komme weiter und außerdem besagten Studien, dass „Vielleser ein 30-prozentiges höheres Einkommen“ hätten. „Ist das kein Argument?“, fragte Kraus. Dann erinnerte er die Eltern daran, dass ein Kind Liebe und Zuwendung auch ohne Abi verdient habe. Schließlich gebe es unendlich viele Abschlüsse und der Mensch beginne nicht erst beim Abi. Auch eine handwerkliche Ausbildung könne zufrieden machen.

Mut zur Autorität in der Erziehung

Eltern sollten Mut zur Autorität in der Erziehung und die Bereitschaft haben, die der Schulen anzuerkennen. Kinder seien überfordert, „wenn sie Partner auf einer Augenhöhe mit den Eltern sein sollen“. Sie bräuchten Orientierung. Wer keine Vorgabe mache, verweigere diese den Kindern. Außerdem sollten Kinder in Anspruch genommen werden. Die Eltern sollten dem „Gerede vom Schulstress misstrauen“. Den größten Stress, den Kinder heutzutage hätten, sei medialer Stress, sie kämen dadurch nicht mehr zur Ruhe.

Ebenso sollten sich Kinder an angemessenen Herausforderungen erproben und lernen, mit Niederlagen und Enttäuschungen umzugehen. Sie sollten auch mal scheitern dürfen. So lernten sie Frustrationstoleranz und Resilienz. Natürlich könne man mal hinfallen, aber das Dümmste sei, „liegen zu bleiben und nicht mehr aufzustehen“.

Auch mal scheitern dürfen

„Sofortismus“ sollte man ebenfalls nicht betreiben, Kinder also mal warten lassen und ihnen nicht jeden Wunsch von den Augen ablesen. Sie würden sonst dazu verführt, „nie die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen“. Glück könne man nur erleben, wenn man „Hirnschmalz, Zeit und Frustrationsüberwindung investiert hat und dann zum Erfolg kommt“.

Kinder sollten sich motorisch austoben und genügend schlafen. Zu wenig Bewegung habe direkte Auswirkungen auf die Motorik und „infolgedessen gibt es immer mehr adipöse Kinder“. Außerdem solle man seinen Kindern „lange Weilen“ gönnen. Sie bräuchten auch Faulheit – das „Durchhängen nach Aktivitäten“. Dafür solle man Entschleunigungsinseln schaffen. Zum Schluss stellte Kraus fest: „Erfolgreiches Erziehen geht nur mit einem Schuss Humor und Leichtigkeit“. Humor sei ein wichtiges pädagogisches Mittel, aber daran fehle es in Deutschland. „Kommen Sie weg vom immer nur Bierernsten“, empfahl er. Mit Humor könne der Mensch ein lebensbejahendes Leben führen, das „relativiert und entspannt Manches“. Echter Humor sei das beste Mittel, um den Unwägbarkeiten des Lebens zu begegnen.

Symbolfoto Schülerin. Quelle: adobe stock

 




Arnulf von Eyb: „Wir leben hier nicht in Bananien“

Arnulf von Eyb, Der  CDU-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises sprach mit Dr. Sandra Hartmann in seinem Schloss in Dörzbach unter anderem über Wein, die Probleme in der Landwirtschaft, seine Meinung über die aktuelle Gesundheits- und Bildungspolitik und Funklöcher im Ländle.

 

„Vom Weinbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr“

 

GSCHWÄTZ: Bier oder Wein – was darf‘s sein, Herr von Eyb?

von Eyb:  Das ist keine einfache Frage, weil ich der weinbaupolitische Sprecher der CDU-Fraktion bin. Aber vom Weinanbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr.

 

Ingelfingen und Niedernhall haben ja ganz schön bluten müssen die vergangenen Jahre – Fürstenfass hat sich die Keltereien quasi einverleibt.

von Eyb: Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Dörzbach hatte ja eine Rebflurbereinigung vor ungefähr 20 Jahren. Damals hatte man gedacht, wenn die durchgeführt wird, ist der Weinbau für die nächsten 500 bis 1.000 Jahre gesichert. Nun sieht man, wie schwierig es. Auch Dörzbach musste die Selbstständigkeit aufgeben. Aber es ist alles nicht so schlimm, weil  es nun „die Hohenlohe-Kellerei“ heißt. und darin können sich sowohl die Niedernhaller, als auch die Ingelfinger und die Dörzbacher wiederfinden. Bevor der Weinbau komplett eingeht, ist das die bessere Lösung gewesen und der Wein ist nach wie vor gut.

 

„Das Thema Krankenhaus ist extrem emotional belegt“

 

GSCHWÄTZ: Es gibt ja noch mehr kommunalpolitische Einschnitte – nicht nur im Weinbau, auch in der Gesundheitspolitik.

von Eyb: Ich kann die Entscheidung des Kreistages verstehen, den Krankenhausstandort in Künzelsau zu schließen. Es ist nicht immer einfach, weil das Thema extrem emotional belegt ist. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann stellen wir fest, dass die schwierigen Fälle durch Bad Mergentheim, Schwäbisch Hall oder möglicherweise durch noch größere Krankenhäuser in Heidelberg oder Stuttgart abgedeckt werden. Die Ortsnähe hat natürlich was. Aber ein Krankenhaus am Leben zu erhalten, das im Prinzip nur künstlich am Leben erhalten werden kann, ist, glaube ich, auch nicht die richtige Entscheidung.  Mir wäre sehr daran gelegen, dass man dem Menschen, der in der Sekunde in der Not ist,  sei es durch einen Herzinfarkt oder einen Unfall, schnell hilft und da kann mich sicher noch einiges optimieren.  Ich glaube auch, darüber denkt man nach. Ob man dann in so einer Notsituation zehn Kilometer weiter transportiert wird, ist dann nicht mehr entscheidend. Was auch entscheidend ist: Wir brauchen in Künzelsau und auf dem Land nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte. Da würde ich mir wünschen, dass sich mehrere zusammentun und sagen: Das können wir sicherstellen.

 

GSCHWÄTZ: Viele Ärzte haben darauf hingewiesen, wie schwer es ist, Nachfolger für ihre Praxen zu finden.

von Eyb verweist auf einen Arzt in Sindelfingen, der in der Stadtmitte eine Praxis hat und ebenfalls keinen Nachfolger findet.

von Eyb: Dieser Arzt sagt, die jungen Ärzte wollen lieber in größeren Teams arbeiten, vielleicht auch nicht mehr die Verantwortung übernehmen und vor allem nicht auch noch sonntags gegebenenfalls arbeiten müssen.

 

„Wir können nicht weniger Bürokratie haben, sondern wir müssen mit Bürokratie besser umgehen lernen“

 

Viele monieren auch den hohen Verwaltungsaufwand, den die Politik vorgibt.

von Eyb: Ja, das stimmt. Das ist dieselbe Klage, die Landwirte oder Handwerker erheben. Wir können den Menschen nicht versprechen, weniger Bürokratie zu haben. Das wäre Augenwischerei, sondern wir müssen mit der Bürokratie besser umgehen lernen. Da  gibt es vielleicht Möglichkeiten, zum Beispiel, dass man nichts mehr in eine Akte einträgt, sondern während der Behandlung heineinspricht oder ähnliches, um insgesamt den Bürokratieanfall leichter ertragbar zu machen. Aber Bürokratieabbau wird nicht funktionieren. Und wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass das alles eine sinnvolle Grundlage hat.

Also ist Deutschland Ihrer Meinung nach nicht überbürokratisiert?

von Eyb: Es wäre wunderbar und da, wo man es kann, soll man es auch tun. Aber es ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Wenn man sich etwa das statistische Jahrbuch von Baden-Württemberg anschaut. Es ist sensationell, was man aus diesem Buch herauslesen kann. Das könnte man alles nicht, wenn man die Daten vorher nicht erfasst hätte. Ich war kürzlich auf einem Rinderabend einer Rinderunion. Da wurden ihre Leistungskühe dargestellt. Es ist unglaublich, was man alles über eine Kuh wissen kann. Das Ganze kann man nicht prämieren, wenn man es nicht aufgeschrieben hätte.

In den Schulen könnte sich Arnulf von Eyb weniger Bürokratie vorstellen

Bei den Grundschullehrern müsse sich etwas ändern

 

A propos Bildungskühe. Fehlstunden, Lehrermangel – Das Kultusministerium in Stuttgart hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in den vergangenen Jahren.

von Eyb: In diesem Bereich könnte ich mir eine Entschlackung der Bürokratie vorstellen.  Ich glaube, dass man in den letzten Jahren einfach zu viele Experimente gemacht hat. Unsere Kultusministerin hat eine sehr schöne Einstellung: Wir brauchen erstmal ein vernünftiges Fundament. Das Fundament kann man nur kriegen, wenn man lesen, rechnen und schreiben kann. Richtig ist, dass sehr viele Grundschulen keine Leiter bekommen, weil der Verwaltungsaufwand und das Mehr, was man als verantwortlicher Rektor bekommt, nicht angemessen ist. Da muss man sicherlich etwas tun.

 

Thema Funkloch & Eberbach: „Achtung, jetzt bin ich für ein paar Minuten weg“

 

Weder Handyempfang noch Internet – Das Dorf Eberbach schreibt derzeit bundesweit Schlagzeilen. Was ist denn da los?

von Eyb: Günther Oettinger sagt immer: Funklöcher sind schlimmer als Schlaglöcher und vor allem sind sie nicht so schnell zu stopfen wie ein Schlagloch. Dem stimme ich zu. Wenn ich von hier nach Stuttgart fahre, kann ich ziemlich genau sagen, wann ich in ein Funkloch hineinfahre. Da sage ich auch immer meinem Gesprächspartner: Achtung. Jetzt bin ich für ein paar Minuten weg. Das ist sicherlich nicht optimal. Ich habe auch den Landrat aufgrund dieser Diskussion in Mulfingen gebeten, mir zu sagen, wo wir derzeit noch Lücken haben. Aber dieses Thema ist natürlich enorm aufgebauscht.  Auch in Eberbach gibt es natürlich Internet- und Funkverbindungen.  Aber in dem einen oder anderen Fall eben nicht. Und daraus eine so große Geschichte zu machen – die kam mir etwas überzogen vor. Die Thematik ist zwar angespannt in dem einen oder anderen Ort. Aber nicht so, dass man denken kann, man lebt irgendwo in der Nähe von Bananien.

 

Sie haben als Landtagsabgeordneter den Spagat zu meistern zwischen Stuttgart und dem ländlichen Raum in Dörzbach und Umgebung. Wie sieht denn eine Woche im Leben eines Landtagsabgeordneten aus?

von Eyb: Ich bin der OB-Mann der CDU-Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, in dem es darum geht, die Verbindungen des Mördertrios oder zumindest des Mörderduos bei der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter und des angeschossenen schwerverletzten Polizisten aufzuarbeiten. Wenn ich morgens um 9 Uhr im Landtag eine Vorbesprechung habe, fahre ich am Sonntagabend nach Stuttgart. Am Abend fahre ich zurück. Am Dienstagmorgen habe ich eine Vorlesung hier an der Hochschule – das hat mit meinem Landtagsmandat nichts zu tun – bei den Wirtschaftsingenieuren: Einführung in das Vertragsrecht. Dann fahre ich wieder nach Stuttgart. Im Fraktionsvorstand besprechen wir, was wir in der Fraktionssitzung noch alles ansprechen wollen. Sehr häufig sind dann abends noch Veranstaltungen von Organisationen, die Abgeordnete einladen oder Fachgespräche. Dann gibt es Ausschüsse. Die müssen vorberaten werden. Dann gibt es Plenum. Das sind die Tage, an denen man im Landtag sitzt. Dann gibt es sehr, sehr viele Termine hier im Wahlkreis. Wir haben die Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wenn sie ein Thema haben, bei dem sie denken, da könnten wir helfen, stehen wir zur Verfügung. Wir werden sehr häufig eingeladen von Verbänden, Vereinen, Gemeinden oder Firmen.

Vorbereitung des Videointerviews im Schloss in Dörzbach

Interview als Video

 

Das am 15. Juni 2018 in seinem Schloss in Dörzbach gedrehte Videointerview mit Arnulf von Eyb sehen Sie im Video oben zum Anklicken. Darin äussert sich Arnulf von Eyb auch dazu, warum er nicht der größte WM-Fan ist.

Dreh, Schnitt & Fotos: Dr. Felix Kribus

 

Schubertiade

 

Arnulf von Eyb ist verheiratet und hat keine Kinder. Er ist neben seinem Landtagsmandat Rechtsanwalt. Einmal jährlich veranstaltet die Familie von Eyb die Schubertiade. Hierbei treten unterschiedliche Künstler im Schloss auf und präsentieren klassische Werke. Die Schubertiade geht in diesem Jahr noch bis September.

Karten hierfür gibt es auf: http://www.schubertiade-schloss-eyb.de

 




Wir sind so gut im Russland-Bashing – Aber sind wir wirklich so viel besser?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Ein Russland-Kenner, der heute morgen in SWR 1 zu den Russland-Wahlen am kommenden Sonntag, den 18. März 2018, zu hören war, war sich sicher: Wladimir Putin gewinnt die Wahl, weil er sehr populär in Russland sei, obwohl er viele innenpolitische Baustellen habe. Als Beispiel nannte er die Gesundheitspolitik, die Bildungspolitik und die Infrastruktur. Da musste man als Zuhörer schon fast schmunzeln. Genauso gut könnte er von Deutschland gesprochen haben. Wir sind wirklich gut darin, unsere östlichen Nachbarn, allen voran Russland und Wladimir Putin zu kritisieren oder über die USA den Kopf zu schütteln, wie das Volk nur einen Donald Trump zum Präsidenten wählen konnte. Bei unserem eigenen innenpolitischen Scherbenhaufen zucken wir lediglich mit den Schultern oder – noch schlimmer – die Parallelen, etwa zu Russland, fallen uns gar nicht auf.

Ja, hätte denn ersthaft jemand am Sieg von Angela Merkel gezweifelt – obwohl es reihenweise Pleiten, Pech, Pannen und vor allem Stillstand bei innenpolitischen Problemen in den vergangenen Jahren gab? Es hat sich weniger als nichts getan in der Gesundheitspolitik, in der Bildungspolitik und der Infrastruktur. Viel versprochen, noch weniger gehalten, stattdessen wurde vieles heruntergekürzt. Lediglich die Diätenerhöhung war sicher. Und was sich jetzt frisch gedruckt auf dem Koalitionspapier lesen lässt, interessiert sowieso das Gros der Bevölkerung nicht mehr, weil die Umsetzung dieser ganzen Heilsversprechen ohnehin in den Sternen steht.

// Deutschlands Baustelle 1 //

Unsere Gesundheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen verschlechtert: zahlreiche Krankenhäuser wurden deutschlandweit geschlossen, in der Stadt und auf dem Land herrscht Ärztemangel, der in den kommenden Jahren noch größer werden wird, Rettungsdienste beklagen eine so dünne Personaldecke wie noch nie, die staatlichen Pflegeheime sind zwar teuer, aber Pflegekräfte bekommen trotzdem nur ein Azubigehalt oder häufen Überstunden ohne Ende an.

// Deutschlands Baustelle 2 //

Deutschland war mal Klassenprimus in der Bildungspolitik – Sie erinnern sich vielleicht noch, das war zu einer grauen Vorzeit. Das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg hatte stets Platz 2 bei den Pisastudien sicher, nach Bayern. Nun dümpeln unsere Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen auf den hintersten Plätzen herum. Viele Schulen beklagen einen Mangel an Lehrern, so dass es zu immer mehr Unterrichtsausfällen kommt und die Klassen immer größer werden. Geld wurde vor allem an den Grundschulen jahrelang nicht investiert – dort, wo der Samen für Bildung gesetzt wird.

// Deutschlands Baustelle 3 //

Über Infrastur sprechen wir lieber erst gar nicht. So wurde manch ein fast nie benutztes landwirtschaftliches Sträßchen im Kocher– und Jagsttal wurde bestens asphaltiert. Die A6 aber – die Problemzone für alle Pendler – ist so stark belastet, dass es andauernd zu Unfällen kommt. Permanente Baustellen und Unfälle zusammen – ergibt was? Richtig. Staus. Wartezeiten. Stillstand. Frust. Wann kommt der Ausbau?

Wohin sind in den vergangenen Jahren die sprudelnden Steuereinnahmen geflossen, die der ehemalige Finanzminister Woflgang Schäuble postuliert hat? Das fragen sich viele Bürger zu Recht.

A propos Altlasten: Wo ist eigentlich der beinahe-Aussenminister Martin Schulz (SPD) abgeblieben?

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Schüler und Lehrer überfordert

Laut einem aktuellen Bericht in der Deutschen Handwerks Zeitung von Barbara Oberst (Ausgabe 21 / 03. November 2017) haben sich Grundschüler in Baden-Württemberg seit 2011 massiv in Deutsch und Mathematik verschlechtert. Der Artikel stützt sich dabei auf eine Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB-Bildungstrend 2016). Danach belegten Viertklässler in Baden-Württemberg beispielsweise 2011 noch den fünften Platz  im Vergleich zu den anderen Bundesländern, was ihre Lesekompetenz betrifft. Nun sind sie laut dem Artikel auf den viertletzten Platz abgerutscht. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann gab laut dem Artikel zunächst den Lehrern die Schuld und verwies auf Bayern. Dort würden weniger Lehrer mehr Schüler unterrichten. Trotzdem seien die Ergebnisse besser. Michael Gomolzig, Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg und Grundschulrektor, entgegnete: „Die Grundschule wurde hier lange Zeit vernachlässigt.“ Er verweist auf Lehrermangel und Sparmaßnahmen. Im Schuljahr 2015/2016 seien noch Inklusionsklassen mit  Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf hinzugekommen. Pro Klasse sollten laut Gomolzig hierfür zwei Lehrer abgestellt werden. Aber wegen des Lehrermangels und der Sparmaßnahmen kämen Sonderschullehrer lediglich stundenweise in die Klassen. Auch die praktische Umsetzung Gemeinschaftsschule sieht er kritisch:  Laut den Vorgaben des Kultusministeriums sollten Kinder sollten selbst bestimmen, was sie wann lernen wollen. Das überfordere die Kinder, so Gomolzig. Die Kultusministerin kündigte nun Reformen an: mehr Mathe, mehr Deutsch und klare Strukturen.

Auch im Hohenlohekreis macht sich der deutschlandweite Lehrermangel bemerkbar. Diverse Schulen klagen über zu wenig Lehrkräfte. Als Gründe nennen Lehrer, wenn sie befragt werden, dass der Beruf an sich an Attraktivität verloren hat. Zahlen belegen, dass die Ausbildungsgänge tatsächlich in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden sind. Dadurch haben Lehrer die Qual der Wahl. Fast jede Schule sucht Lehrer und nicht selten zieht es Lehrer eher nach Stuttgart als aufs Land, um zu unterrichten. Den vollständigen Artikel über die Studie lesen Sie auf: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/schueler-und-lehrer-ueberfordert/150/16266/360499