„Meine Mama Emmy hat mir geholfen und ich dachte, ich muss auch weiterhelfen“, sagt Pfarrer Christuraj, seit November 2018 Pfarrvikar in der Seelsorgeeinheit Schöntal. Deshalb hat er 2016 das Spendenprojekt „Hilfe für Dalit-Kinder in Indien“ ins Leben gerufen, mit dem er Kindern aus der Kaste der Dalit eine gute Schulausbildung und eine Zukunft ermöglichen möchte. Der Pfarrvikar wuchs im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu auf, wurde dort 2007 zum Priester geweiht, und ist selbst ein Dalit. Emely Schönlein aus Iphofen im Landkreis Kitzingen – seine „Mama Emmy“ – hatte ihm als Spendenpatin eine gute Schulausbildung ermöglicht. „Sie hat mich in ihren Briefen immer getröstet und motiviert und so konnte ich gut studieren“, blickt er zurück. Seit sieben Jahren lebt und arbeitet Pfarrer Christuraj in Deutschland, seit 2018 ist er in Bieringen tätig. Davor hatte der 43-Jährige vier Jahre lang eine Pfarrei im südindischen Dekanat Vandavasi geleitet.
Opfer von Ausbeutung, Gewalt und Landraub
Dalit sind Menschen, die der untersten Gesellschaftsstufe angehören – früher „die Unberührbaren“ genannt. Eigentlich ist das Kasten-System in Indien verboten, es hält sich aber nach wie vor hartnäckig – vor allem auf dem Land. Oft werden die Dalit Opfer von Ausbeutung, Gewalt und Landraub. Sie sind Tagelöhner, deren Einkommen nur für das Allernötigste reicht. Das Schulgeld, das in Indien bezahlt werden muss, ist für die meisten der Dalit-Familien unerschwinglich. Ihre Kinder haben so kaum eine Chance auf ein besseres Leben.
„Über 80 Kindern kann ich so helfen.“
Hier setzt die Hilfe von Pfarrer Christuraj an. Über Spenden aus der Kirchengemeinde oder auch Aktionen wie der Spendenlauf an der Realschule Krautheim im Oktober 2021 sammelt er Geld auf einem Spendenkonto ein – jährlich rund 7.000 bis 8.000 Euro. „Einmal im Jahr, zur Einschulung im Juni, fliege ich ins Dekanat Vandavasi“, erklärt der Pfarrer. „Mit dem Spendengeld kaufe ich Schulmaterial, bezahle das Schul- oder Bus-Geld für die Kinder.“ Manche von ihnen leben auch im Internat, was rund 250 Euro im Jahr kostet. Die Kinder sind in den unterschiedlichsten Klassenstufen – vom Erstklässler bis zur Abschlussklasse. Nach einem Gottesdienst werden die Materialien an die strahlenden Kinder übergeben. „Über 80 Kindern kann ich so helfen.“ Aus der Gesamtgemeinde Schöntal unterstützen außerdem noch drei Familien Patenkinder direkt. „Die haben mich persönlich angesprochen“, sagt er. „Das Geld gebe ich direkt für das jeweilige Kind weiter.“ Rund 250 Euro kostet so eine Patenschaft im Jahr.
„Regen wie seit 100 Jahren nicht mehr“
Was Pfarrer Christuraj in diesem Jahr zudem Sorgen bereitet: Den Menschen in seiner Heimat macht nicht nur zusätzlich die Corona-Pandemie zu schaffen. Sie sind auch noch von einem heftigen Monsun betroffen. „Die Situation ist schlecht, es hat so viel geregnet wie seit über 100 Jahren nicht mehr“, erzählt Pfarrer Christuraj. „Die Leute leben in ganz kleinen Häusern, schlafen auf dem Boden und kochen vor der Tür.“ Doch durch den Regen ist alles überschwemmt, teilweise läuft das Wasser bis in die Hütten. Trink- und Regenwasser vermischt sich, was die Gefahr für Krankheiten erhöht, „Diese Leute brauchen unsere Hilfe und ich kaufe jedes Jahr zur Weihnachtszeit rund 800 Decken, um wenigstens diese Not zu lindern.“
Hilfe für die Allerärmsten
Der Pfarrvikar ist sich bewusst, dass er nicht allen notleidenden Menschen helfen kann. „Der leitende Pfarrer in den Gemeinden sucht die Menschen aus, denen geholfen werden soll“, sagt er. Meistens seien das die Allerärmsten. Je Gemeinde werden sechs bis sieben Kinder ab sechs Jahren unterstützt. „Wir bezahlen auch Lehrer für Förderunterricht am Abend in der Kirche“, erzählt er weiter. Denn es sei ja so: In den Hütten sei es dunkel und eng. Hausaufgaben machen und lernen könnten die Kinder dort nur schlecht. Aber in den Kirchen sei es hell und es gebe dort Platz. Also kommen die Kinder in die Abendschule, um gemeinsam zu lernen.
„Sie bekommen Respekt von der Gesellschaft“
Pfarrer Christuraj ist sich sicher: „Die unterstützten Kinder werden Arbeit finden, es gibt für sie viele Möglichkeiten als Programmierer oder Krankenschwester. Dann bekommen sie auch Respekt von der Gesellschaft.“ Doch dazu müssten sie nach der Schulzeit in die größeren Städte ziehen. Er selbst hätte schon als kleiner Junge Priester werden wollen. „Die Pfarrer sind mit dem Motorrad in die Orte gefahren, haben dort die Messe gefeiert und für die Armen eine Kirche gebaut.“ Das hätte ihn fasziniert. Nach der Priesterweihe war er noch einige Jahre in indischen Gemeinden tätig, „bis der Bischof vorschlug, dass ich nach Deutschland gehen soll“. Nach anfänglichem Heimweh gefalle es ihm mittlerweile ganz gut in Deutschland. „Ich habe keine Probleme hier“, sagt er. In Indien leben noch sein 70-jähriger Vater, zwei Brüder und eine Schwester.
Information
Unterstützung für das Spendenprojekt von Pfarrer Christuraj ist bis 31. Dezember 2021 über folgende Bandverbindung möglich:
Kath. Kirchenpflege St. Kilian, Bieringen, Raiba Kocher Jagst, IBAN: DE90 600 697 140 085 299 014, BIC: GENODES1IBR, Stichwort: Dalit-Kinder
Ab 01. Januar 2022 gilt folgende Bankverbindung:
Katholische Kirchengemeinde Schöntal – Gemeinschaftskonto der SE Schöntal, IBAN: DE55 622 515 500 220 043 452, Verwendungszweck: Dalit-Projekt von Pfarrer Christuraj
Es werden Spendenquittungen ausgestellt. Dazu im Verwendungszweck auf dem Überweisungsträger Adresse mit Straße und Wohnort vermerken.
Text: Sonja Bossert

Die Dalit gehören in Indien meistens zu den Ärmsten der Armen und haben kaum eine Chance auf sozialen Aufstieg. Foto: privat

In Südindien hat es in diesem Jahr so viel geregnet wie seit 100 Jahren nicht mehr. Foto: privat
