1

Freizeit für Pflegende und ihre an Demenz erkrankten Angehörigen

Das Familienferiendorf Schwarzwald in Schramberg-Sulgen bietet vom 8. bis 15. Mai eine Freizeit für Pflegende und ihre an Demenz erkrankten Angehörigen an, die es betroffenen Paaren ermöglicht, wieder einmal gemeinsam Urlaub zu machen. Sowohl für die Pflegenden als auch für die erkrankten Angehörigen wird ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen, Kreativem und Besinnlichem angeboten. Um die an Demenz erkrankten Teilnehmer kümmern sich erfahrene Betreuerinnen, so dass die Pflegepersonen Zeit für sich selbst haben und ausspannen können. Die Freizeit bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen in ähnlicher Situation auszutauschen.

Betreuungskosten können von der Pflegekasse übernommen werden

Die Woche inkl. Vollpension für zwei Personen kostet 1.320 €, die zusätzlich anfallenden Betreuungskosten können auf Antrag von der Pflegekasse übernommen werden.
Anmeldungen nimmt das Familienferiendorf unter 07422 / 560 10 40 oder schramberg.few@drs.de entgegen.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Pflegestützpunkt des Landkreises Rottweil:
Natascha Schneider, Tel. 0741 / 244-473 oder natascha.schneider@landkreis-rottweil.de.

Pressemitteilung




Traumberuf oder teures Hobby?

// Schwanger werden ist nicht schwer, Hebammen-suche dagegen sehr

// teure Versicherungsbeiträge machen es den Hebammen nicht leicht.

Corinna Baumann aus Ailringen erwartet im September ihr zweites Kind. Sie blickt optimistisch in die Zukunft, denn schon bei der Geburt ihrer Tochter Nele im Dezember 2014 fühlte sich sich sehr gut betreut. Ihre Hebamme war Margret Benz-Ehrmann aus Weldingsfelden. Und auch dieses Mal wird sie wieder an ihrer Seite sein. Dass es aber momentan nicht einfach ist, eine Hebamme zu finden, weiß Corinna. „Weil ich die Problematik kannte, habe ich schon in der sechsten Schwangerschaftswoche bei meiner Hebamme angerufen“, sagt sie. Jessica Layer aus Amrichshausen bekommt im Spätsommer ihr drittes Kind. Sie wusste ebenfalls, dass sie sich zeitig bei ihrer Wunsch-Hebamme Jutta Zugelder melden muss. In ihrem Umfeld hört die junge Mutter immer wieder von Frauen, die sich bei der Hebammen-Suche schwer tun.

„Viele haben nicht das Glück, dass die erste Hebamme Zeit hat“, berichtet sie. „Eine Bekannte aus Öhringen hatte bis zur 16. Woche noch keine Hebamme gefunden. Jetzt hat sie eine, die eigentlich schon in Rente ist.“  Im Kocher- und Jagsttal ist das Angebot an Hebammen derzeit begrenzt. Das beunruhigt auch Jutta Zugelder: „Ich sehe niemanden, der nachkommt.“ Die Gründe liegen auf der Hand: Hohe Versicherungsbeiträge schrecken ab. Der Klinikalltag ist anstrengend. Hinzu kommen intensive Nachsorgen, die einem die letzte Zeit rauben. Aktuell schwirrt ein weiteres heikles Thema durch die Nachrichten, das die Arbeit von Beleghebammen erheblich einschränken könnte. Es ist unter anderem vorgesehen, dass sie im Schichtdienst nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Das heißt: Eine Beleghebamme betreut zwei Schwangere im Kreißsaal. Sie nimmt der einen Blut ab, die andere wird an ein CTG angeschlossen. Kommt nun eine dritte Frau mit Wehen, darf diese nicht behandelt beziehungsweise abgerechnet werden. Die Beleghebamme kann die Schwangere nun entweder abweisen und weiterschicken oder aber die Patientin bezahlt die Behandlung selbst. Das klingt kurios? Das ist es auch, denn diese Regelung soll unabhängig des Betreuungsgrads gelten. Hebammenverbände schlagen Alarm. Es laufen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, den Vorsitzenden der Krankenkassen. Eine Schiedsstelle wurde eröffnet. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Natalie Carle, gebürtig aus Ingelfingen, arbeitet seit anderthalb Jahren als freiberufliche Beleghebamme in Regensburg. Um ihren Berufsstand macht sie sich große Sorgen: zum einen wegen den immensen Haftpflicht-Versicherungsbeiträgen von aktuell mehr als 7.000 Euro pro Jahr, zum anderen aufgrund der geplanten Vorschriften für Beleghebammen. „Geboren werden braucht Zeit, Raum und Ruhe“, meint die motivierte junge Dame, die sich eine sichere und planbare Zukunft wünscht. Von dieser ist sie weit entfernt. Sie überlegt, ob sie studieren soll.

Über die Missstände, die aktuell im Kreise der Beleghebammen herrschen, ärgert sich auch Natalie Carles Mutter Martina. Gemeinsam mit ihrer zweiten Tochter Isabelle zeigte sie in den letzten Wochen großen Einsatz im Kochertal, klärte über die aktuelle Situation auf und sammelte über 500 Unterschriften, zum Beispiel in Kindergärten. „Auch vor der BAGeno in Ingelfingen stand ich“, berichtet sie. Zusammen mit einem Brief ging die Unterschriftenliste Anfang Mai an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Hebamme Natalie Carle bringt es auf den Punkt: „Der Beruf ist wundervoll, erfüllend und toll. Aber die Bedingungen machen es schwierig.“ Doch es gibt auch Unterstützung: So können Beleghebammen einen Haftpflichtausgleich beantragen, den sogenannten Sicherstellungszuschlag. Gerüchte, dass die Öhringer Beleghebammen vom Hause einen Ausgleich bekämen, wurden entkräftet. Benz-Ehrmann, die bis vor einem Jahr noch selbst dort tätig war, erklärt: „Es gibt Bonuszahlungen. Diese sind für Arbeiten, die nicht zum normalen Tätigkeitsfeld einer Hebamme zählen: aufräumen, putzen und so weiter.“

Neben der Betreuung während einer Geburt bieten Hebammen Geburtsvorbereitungskurse an. Diese erfreuen sich großer Beliebtheit und sind meist schnell ausgebucht. Rückbildungskurse waren in den letzten Monaten rar, denn sowohl Hebamme Jutta Zugelder als auch Physiotherapeutin Simone Brandt standen nicht zur Verfügung. Zugelder zog sich nach 22 Jahren, in denen sie Rückbildungskurse anbot, zurück. Brandt verabschiedete sich in den Mutterschutz. Die Physiotherapiepraxis Rauch aus Niedernhall versucht, die jungen Mütter aufzufangen. Die Meinungen über die Qualität der Rückbildung dort gehen auseinander. Mit an Bord ist mittlerweile auch Michaela Erb, eine anerkannte Sport- und Gymnastiklehrerin mit der Zusatzqualifikation Sporttherapeutin. Sie hat sich in den Bereichen Rückbildungstraining, pränatales Training und Beckenbodentraining fortgebildet und bietet eine bunte Vielfalt an Kursen an: Fit mit Baby oder buggyFit sind nur zwei Beispiele.

Hoffnung auf Nachwuchs macht indes auch die neue Hebammenschule in Heilbronn.

 

// Fotos: GSCHWÄTZ/Isabell Kähny