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„Niemand hat die Krise am Ende so zielorientiert und erfolgreich gemeistert wie wir“

„Meine Damen und Herren, warum haben wir die Corona-Krise so gut bewältigt?“, fragte Manne Lucha (Die Grünen) bei seinem Besuch in Künzelsau am Mittwoch, den 05. August 2020. Seine Antwort: „Weil wir zum ersten Mal konsequent Patientensteuerung betrieben haben“. Der baden-württembergische Sozialminister ist zurzeit auf seiner Sommertour und informierte sich im Hohenlohekreis, wie hier mit der Corona-Pandemie in der Vergangenheit umgegangen wurde, aber auch wie Gesundheitsamt und Kreis mit einer möglichen zweiten Welle umgehen wollen.
„Wir haben im Hohenlohekreis ungefähr eine doppelte Inzidenz.“
Zugegen waren bei der Veranstaltung in der Künzelsauer Stadthalle unter anderen einige Bürgermeister und Lokalpolitiker. „Schön, dass Sie im Hohenlohekreis sind und schön, dass Sie Ihre Sommertour hier auch weitergehen lassen in einem der Landkreise, der am meisten von der Corona-Pandemie betroffen war, vor allem auch, was die Inzidenz angeht, haben wir immerhin im Hohenlohekreis ungefähr eine doppelte Inzidenz als der Landesschnitt“, sagte Dr. Matthias Neth in seiner Begrüßung. Inzidenz bedeutet, die Anzahl der neu auftretenden Erkrankungen innerhalb einer Personengruppe von bestimmter Größe während eines bestimmten Zeitraums.
„Niemand hat die Krise so zielorientiert und erfolgreich gemeistert wie wir.“
„Wenn wir uns in der Welt ein bisschen umschauen, niemand hat die Krise am Ende so zielorientiert und erfolgreich gemeistert wie wir. Gerade auch wir in Baden-Württemberg mit der zweithöchsten Inzidenz und Sie haben Recht Herr Landrat, die Ausgangsbedingungen waren nicht optimal“, meinte Lucha anschließend. „Wir alle waren nicht darauf eingestellt, dass unsere Lieferketten für persönliche Schutzausrüstung von heute auf morgen nicht funktionieren.“
„Diese großen, flächenhaften Untersuchungen sind nicht sinnvoll“
Neben Lucha referierte die Leiterin des Gesundheitsamtes Künzelsau, Dr. Antje Haack-Erdmann, über die gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit dem Virus und das weitere Vorgehen seiner Eingrenzung, inklusive der Recherche relevanter Überträger und Kontaktpersonen. „Wir sind immer noch an erster Stelle pro 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg“, So Dr. Haack-Erdmann. „Wir hatten 47 Menschen, die direkt an Covid verstorben sind, und im Moment ist unsere Sieben-Tage-Inzidenz 5,3.“ Das Fazit der Leiterin des Gesundheitsamtes: „Was wir gelernt haben, finde ich hier interessant: Wir hatten hier nochmal im Mai einzelne Fälle, die aus dem flächendeckenden Untersuchungen gekommen sind, die einfach keine richtigen Fälle waren. Wo einfach falsch-positive Ergebnisse dazu führen, dass man sehr viel Arbeit hat, dass man den Verdacht hat, man hat Infektionskrankheiten, die keine sind. Und deswegen haben Sie ja auch in der Teststrategie entsprechend reagiert, dass diese großen, flächenhaften Untersuchungen nicht sinnvoll sind, sondern wir müssen immer an ein Ausbruchsgeschehen adaptiert sein, damit sie Sinn machen“. Was ihr zurzeit Sorgen mache, seien vor allem die Reiserückkehrer. „Wir alle haben Angst vor einer so genannten zweiten Welle und wir haben jetzt auch Einzelfälle von Reiserückkehrern, die eben durch das gute Management, die gute Fallermittlung auf diese Ausbrüche beschränkt waren. Wir haben zwar 50 Kontaktpersonen, aber im Moment nur fünf Fälle, die akut infiziert sind“.
Neue Taskforce mit vier Teams
Im  Anschluss stellte Mike Weise, Dezernent Umwelt und Ordnung, die neue Taskforce für den Hohenlohekreis vor: „Wir haben ein Kernteam „Kontaktperson Nachverfolgung“ gebildet, das mit insgesamt neun Mitarbeitern besetzt ist. Dieses Team besteht aus sowohl festen Mitarbeitern des Gesundheitsamtes als auch nach wie vor Mitarbeitern aus dem Landratsamt, aus anderen Fachämtern“. Insgesamt vier Teams sollen rollierend alle drei Monate wechseln. Deren Mitarbeiter waren bereits in dem Bereich tätig. „Wir wollen einfach das Wissen erhalten und die Fachämter so wenig und so planbar wie möglich zusätzlich belasten. Aufwuchsfähigkeit ist durch diese vier Teams ebenfalls gewährleistet. Das bedeutet, wenn wir ein größeres Ausbruchsgeschehen haben, nehmen wir eins, zwei oder drei der anderen Teams mit in den Betrieb hinein, um das Ausbruchsgeschehen abzuarbeiten“, so der Dezernent abschließend.
Gschwätz-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat die Veranstaltung und den abschließenden Besuch des Ministers im Gesundheitsamt mit der Kamera begleitet.

Landrat Dr. Matthias Neth begrüßte den Minister und die anderen Gäste. Foto: GSCHWÄTZ

Dr. Haack-Erdmann macht sich Sorgen wegen Reiserückkehrern. Foto: GSCHWÄTZ

Verwaltungsmitarbeiter, Landrat Dr. Neth, Bürgermeister und Lokalpolitiker waren bei Luchas Besuch zugegen. Foto: GSCHWÄTZ




„So sauber wie in einer Zahnarztpraxis“

Hoher Besuch am Freitag, den 19. Juni 2020, in Hohenlohe. Ministerpräsident Winfried Kretschmann machte dem Hohenlohekreis seine Aufwartung. Nach einem Besuch in Kupferzell, wo es unter anderem um die Studie des Robert Koch-Instituts zur Corona-Verbreitung ging, und anschließendem Abstecher ins Waldenburger Albert-Schweitzer-Kinderdorf, endete die Stippvisite bei Kontrollsystemhersteller Bürkert in Ingelfingen-Criesbach. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hielt den Besuch des Landesvaters fest.
In Criesbach begrüßte Professor Andreas Bürkert die Gäste und betonte, dass man heute gerne zeigen wolle, „wie Bürkert der Corona-Pandemie begegnet ist und wie es uns dabei gelang, in einem organisatorisch deutlich veränderten Rund-um-die-Uhr-Betrieb die zuverlässige Produktion und zeitgerechte Lieferung des zentralen Innenlebens von vielen zehntausend Beatmungsgeräten für deutsche, türkische, englische, chinesische, brasilianische und US-amerikanische Kunden zu verdreifachen ohne unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Covid-19 zu gefährden.“
Bürkert-Geschäftsführer Heribert Rohrbeck stellte die Arbeit des Unternehmens vor. Er dankte besonders den Mitarbeitern für diese „sehr große Leistung“ während der Corona-Krise, als der Ausstoß bei Bürkert „zumindest vervierfacht“ wurde. Im späteren Gespräch mit GSCHWÄTZ betonte Rohrbeck: „Wir hatten durchaus Anfragen, dass Länder versucht haben, komplette Montage- oder Produktionslose für sich zu reservieren. Dem haben wir immer vehement widersprochen, weil wir gesagt haben, wir wollen hier keinen Verteilungskampf sondern verteilen so gerecht, dass jeder entsprechende Produktionsleistung seiner Endgeräte vornehmen kann“.
Ministerpräsident Kretschmann war mit seinem Besuch in Hohenlohe einer Einladung von Landrat Dr. Matthias Neth gefolgt, auch mit Blick auf den arg gebeutelten Hohenlohekreis mit seiner hohen Zahl an Corona-Infizierten. Zusammen mit anderen Politikern konnte der Ministerpräsident beim Firmenrundgang die Herstellung von Komponenten für die Beatmungsgeräte beobachten. Dabei durfte allerdings nicht gefilmt werden.
Stattdessen unterhielt sich GSCHWÄTZ-Videoreporter Kribus mit dem Landtagsabgeordneten Arnulf Freiherr von Eyb, der sich beeindruckt zeigte, „dass es in den Produktionsräumen so sauber ist wie in einer Zahnarztpraxis. Ganz anders als früher“. Er war überzeugt, dass „der Ministerpräsident tatsächlich interessiert war an den Dingen, die ihm hier präsentiert wurden“.