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76-Jähriger fährt Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr

Ein Autofahrer, der am Donnertagnachmittag auf der B19 Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr fuhr, löste einen Polizeieinsatz aus. Zwei Zeugen fiel ein PKW durch seine gefährliche Fahrweise auf und teilten dies am Donnerstagnachmittag gegen 17:45 Uhr dem Polizeirevier Künzelsau telefonisch mit.

Durch die Beamten konnte das Auto auf Höhe Ortsausgang Belsenberg in Fahrtrichtung Künzelsau festgestellt werden. Die Polizeibeamten warnte den Gegenverkehr. Erst auf der Höhe eines Schnellrestaurants in Künzelsau konnte der PKW zum Anhalten gebracht werden.

Während der Hinterherfahrt fuhr der 76-jährige Fahrer des PKW Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr, wodurch es wiederum zu Gefährdungen kam. Verletzt wurde hierbei niemand. Möglicherweise hatte die Fahrweise einen medizinischen Hintergrund.




Es ging wohl um eine der sieben Todsünden

Ein 25-jähriger Mann hat vor dem Heilbronner Landgericht am Mittwoch, den 21. Dezember 2022, ausgesagt, seine Nachbarin in Belsenberg getötet zu haben.

Laut Anklage soll er im Mai 2022 seine 66-jährige Nachbarin in ihrer Wohnung mit einem Küchenmesser erstochen haben, um Wertgegenstände von ihr erbeuten zu können.

Motiv: Habgier

Am ersten Prozesstag berichtet der Angeklagte über sein Leben. Er erzählte von einer schwierigen Kindheit, frühem Alkoholkonsum, getrennten Eltern und einem gewalttätigen Stiefvater. Seine Freundin habe sich von ihm getrennt und ihn mit dem gemeinsamen Kind verlassen. Sein Schuldenberg betrage mehrere Tausend Euro. Und er sei schuldig – er wisse, was er getan habe.

Leiche auf dem Scheunenboden versteckt

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Leiche der Frau auf einem Scheunenboden unter Unrat versteckt zu haben. Aus der Wohnung der Getöteten habe er im Anschluss ein Handy und Schmuck gestohlen. Seit dem 1. Juni 2022 befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft. Zum Prozessstart hat der Mann angekündigt, im weiteren Prozessverlauf aussagen zu wollen.

Insgesamt sind 13 Prozesstage angesetzt. Die 1. Schwurgerichtskammer hat den Angeklagten, seinen Verteidiger, 44 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Zudem einen Dolmetscher für die rumänische Sprache, auf den der Angeklagte am ersten Prozesstag jedoch verzichtet hat. Ein Urteil könnte Mitte März fallen.

Quelle: SWR




„Wie kann man über eine Strasse ein Buch schreiben?“

Uwe Siller aus Belsenberg stellt diese Frage zu Beginn der Vorstellung seines Buches über die Hohe Straße am 17. November 2022 in Belsenberg. Die Antwort kennt er schon, denn er hat es getan und ein Buch über die Hohe Straße, den uralten Fernhandelsweg auf den Höhen zwischen Kocher und Jagst, geschrieben.

Schon als Kind, als die Großeltern von der Hohen Straße gesprochen haben, war die Straße für ihn Geheimnis. Später waren Mopeds und Mädchen wichtiger, aber als er in einem Ägyptenurlaub erfahren hat, dass dort uraltes Eisen aus dem Fichtelgebirge gefunden wurde, kam die Faszination für die alten Handelsrouten wieder auf – und eine dieser Routen liegt direkt vor seiner Nase. „Vor 30 Jahren“, erinnert sich Siller, habe er gedanklich angefangen, später habe er etwas zusammengeschrieben. Aber erst um das Jahr 2000, als die Forschung neue Erkenntnisse über frühzeitliche Völkerbewegungen gewann, gab es bei ihm einen Aha-Effekt, der dann während der Corona-Zeit zu diesem Buch „Die Hohe Straße – Verkehrsader der Frühzeit“ führte.

„Ich hab das Buch geschrieben, weils mich selbst interessiert“

„Ich hab das Buch geschrieben, weils mich selbst interessiert“, erläutert Siller seine Motivation und freut sich über die rund 30 Interessierten, die zusammengekommen waren: „Wenn man ein Thema hat, dann ist es ein schöner Grund, dass Menschen zusammenkommen.“ Man kennt sich, jeder wird von Uwe Siller mit Handschlag begrüßt.

4000 Jahre Menschheitsgeschichte

Ein Migrationsdruck aus dem Zweistromland in den Kaukasus und von dort nach Nordwesten, nach Mitteleuropa, ließ – so vermutet es  Siller – die Hohe Straße bereits sehr früh in der Menschheitsgeschichte, vor ungefähr 4.000 Jahren, als Weg entstehen. Viel später, Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus, wurde die Straße von den Römern befestigt, im Hochmittelalter war die Straße ein Handelsweg zwischen den Zentren Paris, Speyer und Worms bis mindestens nach Prag. Und noch im 18. Jahrhundert war die Hohe Straße der Weg, auf dem Hohenloher Landwirte ihren Wein und ihr Vieh bis nach Paris exportierten.

Napoleon bedeutet das Ende der Hohen Straße

Erst mit Napoleon und der Gründung von Württemberg im Jahre 1806 verliert die Hohe Straße ihre wirtschaftliche Bedeutung: Die Handelswege nach Westen und Osten wurden gekappt, der Warentransport von Nord nach Süd im württembergischen Königreich wurde wichtiger, die Hohe Straße verfiel. Noch 1948, so erzählt Siller, habe der Heimatkundler Emil Kost in einer Beschreibung der Hohen Straße noch viele Relikte vorgefunden, die heute verschwunden seien.
Inzwischen hat der Verkehr in Ost-West-Richtung wieder mehr Bedeutung erlangt, ohne Napoleon „wäre die A6 jetzt auf der hohen Straße“, stellt Siller in den Raum.

Eine Art Heimatkunde

Buchtitel: Uwe Siller, Die Hohe Straße.

Das Buch enthält viele Bilder des aktuellen Zustands der Hohen Straße zwischen Bad Wimpfen und Rothenburg, die Siller bei Wanderungen und Radtouren entlang der Hohen Straße aufgenommen hat. Dazu kommen diverse alte Karten, die interessante Einblicke in die Geschichte der Region geben. Erklärungen über die Siedlungsgeschichte im Kocher- und Jagsttal von der Steinzeit, über die Merowinger ins Hochmittelalter und bis in die frühe Neuzeit bilden den Rahmen.

Nicht alles, was im Buch steht, das räumt Siller freimütig ein, ist streng wissenschaftlich belegt. An einigen Punkten äußert er Gedanken und Vermutungen – deshalb heißt der Untertitel des Buches auch „Gedanken zu ihrer Existenz“ – das soll auch Anstoß zur Beschäftigung mit dem Thema sein.

Digitalisierung macht so ein Buch erst möglich

Das Buch ist in kleiner Auflage im Selbstverlag erschienen. „Das ist der Segen der Digitalisierung, dass man eine kleine Auflage zum erschwinglichen Preis erstellen kann“. Siller verspricht, neue Erkenntnisse eventuell in einer weiteren Auflagen einzuarbeiten, sozusagen ein Buch mit Updates.

Das Buch ist zum Preis von 20 Euro direkt bei Uwe Siller, Heilig-Kreuz-Straße 48, Belsenberg, erhältlich. Uwe Siller empfiehlt kompetent den passenden Wein zum Buch.

Text: Matthias Lauterer




Apfel-Sammelaktion am 16. und 17. September 2022 in Künzelsau

Die Stadtverwaltung Künzelsau organisiert auch in diesem Jahr die Obstsammelaktion im zukünftigen Baugebiet „In den Hälden“ in Belsenberg, um der Vergeudung wertvoller Nahrungsmittel entgegenzuwirken. Im letzten Jahr haben vier Schulklassen, eine Kindergartengruppe und Privatpersonen fleißig Äpfel gesammelt – insgesamt 1.670 Kilogramm – und haben als Dank im Anschluss Apfelschorle aus den gesammelten Äpfeln bekommen.

Jeder ist willkommen

Eine zentrale Sammelstelle der Äpfel ist direkt im zukünftigen Baugebiet „In den Hälden“ in Belsenberg. Jeder ist willkommen und erhält für die gesammelten Äpfel einen Gutschein, der im Nachgang bei der Stadtverwaltung Künzelsau gegen Apfelsaftschorle eingelöst werden kann. Auch Obstbauern oder Privatpersonen, die Äpfel übrighaben und diese spenden möchten, dürfen ihre Äpfel abgeben. Außerdem können Privatpersonen ihre Äpfel auch direkt zur Hohenloher Fruchtsäfte GmbH nach Schwäbisch Hall liefern und erhalten das Apfelsaftschorle nach Vorlage der Quittung bei der Stadtverwaltung Künzelsau. Es ist zu beachten, dass alle Äpfel ungespritzt und nicht verfault beziehungsweise wurmig entgegengenommen werden.

 

 

Alle Infos in Kürze:

Wann: Freitag, 16. September und Samstag, den 17. September 2022 von jeweils 9 bis 13 Uhr.
Wo: zukünftiges Baugebiet Belsenberg, Straße „In den Hälden“. (Siehe grün markierte Flächen im angehängten Plan.)

Auf den grün gerahmten Flächen darf Obst für die Aktion am 16. und 17. September eingesammelt werden

Was die Obst-Sammler mitbringen sollten: Körbe, Eimer, Behälter zum Aufsammeln der Äpfel und falls vorhanden einen Rüttelhaken.
Zentrale Sammelstelle: zukünftiges Baugebiet Belsenberg, Straße „In den Hälden“.

Anmeldung erforderlich

Rückfragen und Anmeldungen bis zum 15. September 2022 nimmt Helen Richter, von der Stadtverwaltung Künzelsau gerne entgegen. Kontakt: Telefon 07940 129-212, E-Mail helen.richter@kuenzelsau.de.

Die Sammelaktion wird vollständig von der Stadtverwaltung Künzelsau organisiert und der Transport der Äpfel ist gewährleistet. Das Apfelsaftschorle kann nach Fertigstellung im Rathaus Künzelsau abgeholt werden. Hierzu werden Kontaktdaten der Beteiligten vor Ort aufgenommen.

Hintergrund

Traditionell umgeben Streuobstbäume die Ortschaften und begleiten häufig Wege und Straßen. Als Kulturpflanze bieten Streuobstbäume zudem regionale und saisonale Lebensmittel, deren Wertschätzung in der Gesellschaft mit dieser Sammelaktion gestärkt werden soll.

Presemitteilung Stadt Künzelsau




„3% Verzinsung sind ein Nasenwasser und in einem halben Jahr eher lächerlich“

Den Weg freigemacht für eine weitere Freiflächen-Photovoltaikanlage hat der Gemeinderat Künzelsau in seiner Sitzung vom 19. Juli 2022. Geplant wird die Anlage von der Bürgerwindpark Hohenlohe GmbH, einem regionalen Unternehmen aus Niedernhall.

Ideales Grundstück

Markus Pubatz von der Bürgerwindpark Hohenlohe beschreibt das Grundstück als geradezu idealen Standort: Hoch über dem Österbach zwischen Belsenberg und Hermuthausen soll die Anlage errichtet werden, auf einem nach Süden abfallenden und rund 2.5ha großen Grundstück, das von den Ortschaften nicht sichtbar ist und sich durch eine schlechte Bodenkennzahl auszeichnet, also landwirtschaftlich nicht wertvoll ist. Dazu liegt es nicht mehr im regionalen Grünzug und nur rund 250m von einem Einspeisepunkt entfernt. Damit erfülle sein Projekt wunderbar auch die Anforderungen, die der Gemeinderat formuliert hat, stellt Pubatz fest.

Die Frage, ob das Grundstück nicht einer eventuellen späteren Errichtung einer Windkraftanlage im Wege stehen würde, ist schnell beantwortet: Da der Standort tiefer liegt als der ins Auge gefaßte Windkraftstandort und zudem südlich des Windkraftstandorts liegt, stören sich die beiden Projekte nicht. Was die Errichtung einer Windkraftanlage derzeit verhindert, ist die Bundeswehr: Sie beharrt auf einer Tiefflugzone, in der Windräder nicht erlaubt sind. „Das Militär verteidigt meterscharf die 1500m“, erklärt Pubatz.

Streitfrage Bürgerbeteiligung

Kommanditisten sind sowohl am Gewinn als auch am Verlust einer Gesellschaft beteiligt. Die Gewinn- und Verlustverteilung orientiert sich, soweit nichts anderes vereinbart, an der Höhe des Kapitalanteils.
Der Kommanditist haftet bei Verlust nicht mit einem vollen Vermögen, sondern nur bis zum Betrag seines Kapitalanteils und ggf. seiner noch rückständigen Kommanditeinlage.

Im Kriterienkatalog des Gemeinderates steht auch die Forderung  nach Bürgerbeteiligung – die erwirtschafteten Gewinne sollen in der Region bleiben. Das Modell, das Pubatz vorschlägt, findet nicht den Zuspruch des Gemeinderats: Er will Bürger in Form nachrangiger Darlehen mit einem festen Zinssatz von derzeit 3% beteiligen. Dieses Modell sei vom Gesetzgeber privilegiert. Das gefällt insbesondere Christian von Stetten nicht: „Das stimmt nicht, es wird sogar eher davon abgeraten. Der Anleger hat bei Ausfall nichts [nachrangige Darlehen werden bei einer eventuellen Insolvenz nicht bedient, Red.], „die Bürger sollen Gesellschafter sein“, mit echter Beteiligung am Risiko, aber auch am Erfolg. Er schlägt daher vor, dass sich auch Bürger und nicht nur „Stakeholder“ wie Energiefirmen, Gemeinden oder Grundbesitzer als Kommanditisten beteiligen können. Was einige Gemeinderäte noch stört: „Nach 13 Jahren wird der Kredit zurückgezahlt und die Bürger sind dann raus.“

Speziell bei steigenden Strompreisen seien „3% Verzinsung ein Nasenwasser und in einem halben Jahr eher lächerlich“, sagt Verena Löhlein-Ehrler. Hans Jürgen Saknus ist in diesem Punkt noch unsicher und meint, dass der Gemeinderat die Formen der gewünschten Bürgerbeteiligung noch einmal diskutieren könnte.

Bürgergenossenschaft als Ausweg aus dem Dilemma?

Einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma kann sich Pubatz vorstellen: Eine Bürgergenossenschaft könnte sich selbstverständlich bereits jetzt an der Anlage beteiligen. Das Thema Bürgerbeteiligung wird spätestens, wenn es um die tatsächliche Aufstellung des Bebauungsplanes geht, wieder auf die Tagesordnung kommen.

Der Gemeinderat stimmt der Vorlage der Verwaltung, dass das Projekt grundsätzlich befürwortet und die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans in Aussicht gestellt wird, einstimmig bei drei Enthaltungen zu.

Text: Matthias Lauterer

 




Kindergartenrenovierung Belsenberg auf den Weg gebracht

Am 19. Juli schaffte Karin Weiss, Architektin bei wg. Architekten, im Künzelsauer Gemeinderat etwas, was noch wenigen Architekten vor ihr gelang: Ihr Entwurf für den neuen Kindergarten in Belsenberg fand einhellige Zustimmung.

Vorhandenes Gebäude weiternutzen

Sicherlich kommt ihr zugute, dass ihr Büro in Belsenberg beheimatet ist und sie daher nicht nur die harten Anforderungen sondern auch das Bauchgefühl der Menschen berücksichtigen konnte. So entstand ein Entwurf, der das vorhandene Gebäude nutzt, dieses sinnvoll erweitert und auf einen modernen Stand bringt.

Zwei Gruppenräume statt einem

Statt einem Gruppenraum wird es künftig zwei geben, dafür wird der heute überdachte Bereich umbaut. Das ganze Gebäude wird mehr Licht erhalten, die Innenausstattung wird nicht mehr in dunklem Holz sondern hell gestaltet werden. Energetisch wird der Kindergarten modernisiert: Eine Wärmepumpe, die eine Fußbodenheizung speisen wird, in Verbindung mit einer PV-Anlage und einer Außenisolierung entspricht dem Stand der Technik.

Zustimmung bei den Fraktionen

„Klein aber fein“, meint Wolfgang Schmelzle (FfK). Für Belsenberg sei das eine tolle Lösung. Robert Vollp erkennt eine „tolle Lösung, kein Vergleich mit einem Bauwagen oder Container“, die ja auch angedacht waren. Verena Löhlein-Ehrler (Freie) meint: „Wenn die Belsenberger zufrieden sind, ist das alles in Ordnung“.

Die Belsenberger sind zufrieden mit dem Entwurf

Und dass die Belsenberger zufrieden sind, bestätigt sowohl der Ortschaftsrat als auch Wolfgang Kubat (UBK), der in Belsenberg wohnt: „Das wird einer der schönsten Kindergärten, die die Stadt besitzt. Mit dem Ergebnis sind wir voll und ganz zufrieden.“

Entwurf Kindergarten Belsenberg. Rückansicht. Foto: Sitzungsunterlagen

Moderater Preis

Besonders zufrieden waren die anwesenden Gemeinderät:innen, als Karin Weiss den Preis für das Vorhaben nannte. Rund 650.000 Euro soll das Vorhaben kosten. Das ist sehr wenig, rechnet man doch ansonsten bei Kindergartenneubauten pauschal mit einer Million Euro pro Gruppe – und in Belsenberg werden eineinhalb Gruppen möglich sein. Das war nur möglich, weil das bestehende Gebäude weitergenutzt wird, sagt Weiss. Beispielsweise, so erklärt Weiss, muss der bestehende Estrich nicht ersetzt werden, die Fußbodenheizung kann in diesen Estrich eingefräst werden, weil er frei von Schadstoffen ist. Nachhaltig ist so ein Vorgehen allemal.

Der Antrag, den Planungen, der Kostenschätzung und dem pädagogischen Konzept zuzustimmen, die Ausschreibungen zu veröffentlichen und die Beauftragungen der Firmen im Rahmen des Kostenansatzes über 630.000,- € brutto zu erteilen, wurde dann auch (bei einer Enthaltung) einstimmig angenommen.

Wolfgang Kubat ist dankbar, dass es jetzt absehbar ist, wann die Notlösung ein Ende haben wird und dass bald das Dorfgemeinschaftshaus auch wieder von den Vereinen für ihre Aktivitäten genutzt werden kann.

Text: Matthias Lauterer

 




Hexen bedienten sich großzügig im Pfarrkeller

Im 18. Jahrhundert war das heute eher unscheinbare Belsenberg einer der wichtigsten Weinorte, zumindest Nordwürttembergs. Die diversen Herrschaftshäuser aus der ganzen Umgebung waren froh, wenn sie einen Belsenberger Weinberg ihr Eigen nennen konnten.

Diese und andere Aspekte aus der Belsenberger Geschichte machten Stefan Kraut, Stadtarchivar von Künzelsau, der Verein Stadtgeschichte Künzelsau e.V. und Uwe Siller, der letzte verbliebene Belsenberger Weingärtner, bei einer Stadtteilführung am 15. Juli 2022 sicht- und erlebbar.

Das unterirdische Belsenberg

Der größte Teil der Weinbaugeschichte Belsenbergs ist heute nicht auf den ersten Blick sichtbar: Belsenberg ist nämlich größtenteils unterkellert, von den Zehntkellern der diversen historischen Grundbesitzer sind noch einige in gutem Zustand erhalten. Die Kellergewölbe, die bis hinein ins 18. Jahrhundert entstanden sind, zeugen heute noch von den statischen Kenntnissen der damaligen Bauherren. Verbunden sind die Keller durch unterirdische Wasserläufe, die sich aus einem der drei Belsenberger Bäche oder aus einer der vielen Quellen speisen. Schon damals gab es offenbar eine Normierung der Transportmittel: Die Tore der einzelnen Keller waren genau so groß, dass ein Fass für zwei Fuder (1 Fuder sind in der Region ungefähr 1.750 Liter) „bequem“ ein- oder ausgelagert werden konnte. Rund 110 Hektar Rebfläche wurden in Belsenberg in den besten Zeiten bewirtschaftet. Zum Vergleich: Heute bewirtschaftet die Weinkellerei Hohenlohe rund 550ha, in mehr als 20 Orten.

Oberhalb des Österbachs: Heute nur noch einzelne Rebflächen. Foto: GSCHWÄTZ/Matthias Lauterer

Auch den Hexen schmeckte der Wein

Nicht nur die weltlichen und geistlichen Herrschaften liebten den Belsenberger Wein. Ausgerechnet den Keller des Pfarrhauses hatten sich Hexen ausgesucht, um darin zu feiern. Auf ihren Besen fuhren sie durch ein schmales Kellerfenster ein und tranken dort mithilfe von Röhrenkochen rund 300 Liter Wein, das war etwa die Hälfte des jährlichen Deputats des Ortspfarrers, ein empfindlicher Verlust. Nach dem Gelage verließen sie den Keller offenbar unfallfrei wieder durch das Fenster. So und nicht anders muss es sich abgespielt haben, denn genau so steht es in den Prozeßakten des darauffolgenden Hexenprozesses. Die Dorfjugend, die vielleicht detailliertere Auskunft über den Verbleib des Weines hätte geben können, wurde wohl nicht hochnotpeinlich befragt.

Im Keller des Pfarrhauses (rechts) trieben die Hexen ihr Unwesen. Hinten der Eingang zum Keller der Kellerei. Foto: GSCHWÄTZ

Vielleicht romanische Mauern

Noch viel älter als aus dem 18. Jahrhundert mögen die Mauern der alten Kelter sein: Siller vermutet, dass dieses Gebäude ursprünglich noch im romanischen Stil erbaut war, also vielleicht aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen könnte. Und auch Stefan Kraut fragt sich, ob es damals Verbindungen vom Kaiserhaus der Salier, zu deren Zeit beispielsweise der Speyerer Dom entstand, zur hiesigen Region gegeben haben könnte. Mit Wein wurde in Belsenberg im 14. Jahrhundert jedenfalls bereits gehandelt.

Urkunde über den Verkauf von Belsenberger Wein aus dem Jahr 1339. Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg

Wollten die Belsenberger zu hoch hinaus?

Wenig zu finden ist in den Archiven über die Belsenberger Kirche. Nicht einmal ein Name ist in den einschlägigen Akten der katholischen Kirche zu finden. Und trotzdem hat auch sie ihre Geschichte: dreimal wurden stolze hohe Kirchtürme vom Blitz getroffen und zerstört. Daraufhin wurde der heute noch erhaltene äußerst niedrige Turm errichtet, der seitdem vom Blitzschlag verschont wurde.

Napoleon ist schuld – wie so oft

Noch ab Mitte des 18.Jahrhunderts hatten die Fürsten von Hohenlohe-Langenburg ein großes Investitionsprogramm für den Belsenberger Weinbau gestartet, aber ab Anfang des 19. Jahrhunderts ging es mit dem Weinbau und damit dem Wohlstand Belsenbergs bergab. Schuld ist, wie an so vielem in der Region, Napoleon: Mit seiner Herrschaft wurden einerseits Handelswege unterbrochen, wichtiger aber war, dass die wehrfähigen Männer für seinen Russlandfeldzug rekrutiert wurden und hohe Kriegssteuern zu zahlen waren.

Bis in die 70er Jahre noch Kellerei

Noch bis in die 70er Jahre war in Belsenberg Kellereibetrieb, davon zeugt bis heute der wohl größte Keller unter der alten Schule. Von den riesigen Holzfässern, in denen dort der Wein gelagert wurde, ist nichts mehr zu sehen, allein die Größe des Gewölbes ist trotzdem beeindruckend. Siller erzählt, dass er als Kind nach der Schule öfter ans Fenster geklopft habe. Sein Großvater, der in der Kellerei gearbeitet hat, habe ihm dann immer ein Gläschen Wein durchs Fenster gereicht: „Gschadet hots net“, stellt er zufrieden lächelnd fest.

„In einen Weinkeller gehört Wein“

Inzwischen ist Uwe Siller der einzige aktive selbständige Weinbauer in Belsenberg. Rund ein Fuder erzeugt er pro Jahr, die vielen Keller können schon lange nicht mehr mit Belsenberger Wein gefüllt werden. Das ist schade, denn „in einen Weinkeller gehört Wein“, sinniert Siller. Und so standen – war es Hexerei? – in den Kellern jeweils ein paar Flaschen Wein vom „Belsenberger Heilig Kreuz“ auf Kellertemperatur für die Teilnehmer der Stadtteilwanderung zur Verkostung bereit.

Weitere Stadtteilführungen:
18.08.2022, 16.30 Uhr: Kocherstetten
14.09.2022, 16.30 Uhr: Schloß Stetten
13.10.2022, 15.30 Uhr: MorsbachDie Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung per mail bei stefan.kraut@kuenzelsau.de

Text: Matthias Lauterer

 




Beschuldigter hat im selben Haus wie das Opfer gelebt, hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet

Nun wird es konkreter, wen die Polizei ins Visier als Beschuldigter genommen hat, die Frau in Belsenberg getötet zu haben, die am 24. Mai 2022 von einem Anwohner gefunden wurde.

Seit dem 01. Juni 2022 sitzt der 24-Jährige in U-Haft. Der Haftbefehl lautet auf Totschlag. Das Motiv ist noch unklar. Auf die Frage, ob es sich um bei dem Verdächtigen um einen Hausbewohner handelt, der die Leiche auch gefunden hat und nach der Auffindung intensiv mit der Presse gesprochen hat, beantwortet Harald Lustig, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwäbisch Hall, die GSCHWÄTZ-Anfrage wie folgt: „Der Beschuldigte hat im selben Haus wie die Geschädigte gelebt; er hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet.“

Was der damalige Zeuge und heutiger Beschuldigter damals der Presse gesagt hat, sehen Sie im foglenden Video:

Leiche in Künzelsau-Belsenberg vermutlich 66-jährige Bewohnerin – SWR Aktuell

 




Leichenfund in Belsenberg: Tote Frau identifiziert, 24-jähriger in Untersuchungshaft

Polizei und Staatsanwaltschaft informieren über neue Entwicklungen im Fall der tot aufgefundenen Frau in Belsenberg:

Identifizierung erfolgreich

„Nach umfangreichen Maßnahmen konnte die Tote zwischenzeitlich sicher als die 66-jährige Bewohnerin des Mehrfamilienhauses, in dem der Leichnam gefunden wurde, identifiziert werden. “

Mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft

„Ein Tatverdächtiger wurde am Dienstag, den 31. Mai 2022, festgenommen. Der 24-Jährige wurde am 1. Juni 2022 einem Haftrichter des Amtsgerichts Schwäbisch Hall vorgeführt. Dieser erließ den von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl wegen Totschlags und der Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.“

Unter Verwendung einer Pressmitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Heilbronn.




Leichenfund in Belsenberg: 24-jähriger Tatverdächtiger festgenommen

Eine weibliche Leiche wurde am Dienstagabend, den 24. Mai 2022, im Künzelsauer Stadtteil Belsenberg aufgefunden. Die Obduktion des Leichnams ergab, dass die Frau gewaltsam zu Tode gekommen ist.

Die Identifizierung steht aktuell noch aus. Durch die intensiven Ermittlungen der Sonderkommission „Grube“ des Polizeipräsidiums Heilbronn konnte am Dienstag, den 31. Mai 2022, ein Tatverdächtiger in Künzelsau-Belsenberg vorläufig festgenommen werden. Hierbei handelt es sich um einen 24-jährigen Mann, der in unmittelbarer Nähe zum Tatort wohnte. Der Mann hat mittlerweile die Tat eingeräumt. Die Haftvorführung des Tatverdächtigen soll im Laufe des Tages stattfinden. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Heilbronn – Zweigstelle Schwäbisch Hall und des Polizeipräsidiums Heilbronn.