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„Verstorbene hochinfektiös“ – Nur noch 1 Friedhofsbläser erlaubt – Künzelsauer Bestatter berichten

Wenn systemrelevanten Berufsgruppen öffentlich gedankt wird, dann werden stets Ärzte, Pflegeberufe oder Lehrer genannt. Vom Bestattergewerbe spricht niemand, trotzdem gehört es zum systemrelevanten Bereich und auch auf diesen Beruf haben die Coronabedingten Einschränkungen und Vorschriften erhebliche Auswirkungen.

Am sichtbarsten sind die Beschränkungen bei der Trauerfeier selbst: „Die ganzen Rituale fallen weg“

Trauerhallen und Kirchen sind geschlossen, so dass die Trauerfeiern nur noch am Grab stattfinden können. Die Größe der Trauergemeinde ist eingeschränkt: Waren es bisher 10 Personen, wurde die Bestimmung kürzlich gelockert und es dürfen seit dieser Woche Angehörige der geraden Linie, deren Partner sowie weitere 5 Personen sowie der Pfarrer an der Trauerfeier teilnehmen. Der Sarg darf von den Trägern nur noch ans Grab gebracht werden, danach müssen sich die Träger entfernen Auch die Träger würden nämlich auf die Teilnehmer angerechnet, erläutert Robert Mayr vom Betattungsinstitut Dorn. Der Sarg wird erst nach der Zeremonie, wenn die Trauergemeinde nicht mehr am Grab ist, ins Grab gesenkt – der symbolische Erdwurf und das Besprengen mit Weihwasser müssen entfallen. „Die ganzen Rituale fallen weg, die Beerdigung ist auf ein Minimum reduziert“, sagt Petra Kunze von Landwehr Bestattungen aus Nagelsberg.

Offene Aufbahrung nicht erlaubt

Die üblichen Abstandsregeln sind während der Zeremonie einzuhalten. Eine offene Aufbahrung von Verstorbenen mit Covid-19 ist nicht erlaubt. Bei Verstorbenen ohne Covid-19 darf immer nur eine Person in die Aufbahrungshalle. In Künzelsau ist nur noch ein Friedhofsbläser erlaubt, der aber ebenfalls deutlichen Abstand halten muss. Der Blumenschmuck fällt eher karg aus, ist Mayr aufgefallen, da auch die Blumengeschäfte kaum Waren vorrätig hätten. Kondolenzlisten liegen nicht aus, da dann mehrere Menschen denselben Stift benutzen könnten.
Dafür sind die Bestattungsinstitute gehalten, die Daten der Besucher der Trauerfeiern aufzunehmen und diese im Bedarfsfall an die Gesundheitsämter weiterzugeben.

„Verstorbene sind hochinfektiös“

Nicht sichtbar sind die Corona-Regeln, die die Bestatter im Hintergrund beachten müssen: Ist ein Patient an Covid-19 verstorben, sind höchste Sicherheitsvorkehrungen vorgeschrieben. Mayr: „Entgegen der landläufigen Meinung sind Verstorbene hochinfektiös“, diese Verstorbenen müssten gemäß der Risikoklasse 3 der Biostoffverordnung behandelt werden: Vollschutz mit Schutzanzug und Maske ist verpflichtend. Im Normalfall sei Covid-19 auf den Todesbescheinigungen vermerkt, sagt Mayr, trotzdem frage er insbesondere bei im Heim verstorbenen „immer explizit nach Quarantänemaßnahmen im Heim“.

Über 15 Covid-Fälle schon bestattet

„10 bis 15, eher an die 15“ Covid-19-Fälle habe sein Institut bereits bestattet. Von bisher einem COVID-19 Fall berichtet Kunze: „Wir müssen die Verstorbenen genauso anfassen wie die Krankenschwester, die ihn in die Kühlung bringt“, sagt sie und beschreibt den veränderten Ablauf: „Der Verstorbene wird in eine luftdichte Plastikhülle gehüllt und danach noch vor Ort im Krankenhaus in den endgültigen Sarg gelegt und der Sarg verschlossen. Das alles muß in vollständiger Schutzkleidung geschehen.“

Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel für Bestatter

Mayr leitet die Abteilung für materielle Ressourcen im Bestatternotfallteam der Innung und beklagt den Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmaterial. Die vorhandene Ausrüstung gehe vorrangig an medizinisches und pflegerisches Personal und die Bestatter bekämen nur, was dann noch verfügbar sei, „aber da fällt nichts runter. Wir sind systemrelevant, kriegen aber keine Schutzausrüstung“. Er berichtet von Preisen, die 10-40fach höher als bisher seien, ein Liter Desinfektionsmittel koste bis zu 70€. Petra Kunze berichtet: „Masken sind schwierig, Anzüge und Handschuhe haben wir noch“. Bestattungsunternehmen sind auf eine geringe Anzahl von infektiösen Verstorbenen vorbereitet, schließlich gebe es ja zum Beispiel auch Hepatitis-Kranke. Aber, so beklagt Mayr, „was wir früher im halben Jahr gebraucht haben, reicht im Moment für 2 Wochen“. Auch Kunze findet: „Das ist ein schwaches Zeichen. Wir hängen ganz am Ende und sind genauso gefährdet. Außer dass wir ein Schreiben haben, dass wir systemrelevant sind und auch mit Infektion arbeiten können.“

Angehörigengespräche per Telefon

Auch auf die Arbeit mit den Trauernden wirkt sich Corona aus: Schon der Kontakt mit den Hinterbliebenen hat sich verändert: Mayr berichtet bereits von Angehörigengesprächen per Telefon oder Video. Persönliche Gespräche finden wegen der Abstandsregeln nur noch mit maximal 2 Angehörigen statt. Aber auch ältere Angehörige selbst vermeiden oft den persönlichen Kontakt.

Im Großen und Ganzen sind sowohl Mayr als auch Kunze mit den behördlichen Maßnahmen einverstanden: „Es ist okay, dass die Leute zuhause bleiben sollen“, findet Kunze, schaut aber auch in die Zukunft: „Ob man das längerfristig durchsetzen kann, bezweifle ich.“ Mayr findet „es sind politisch unbequeme Entscheidungen, aber sehr verantwortungsvoll“. Er hat die Befürchtung, dass kleinere Betriebe auf der Strecke bleiben könnten: “Kleine Betriebe sind teils überfordert.“ Aber er sagt auch: „Das Chaos könnte sehr viel größer sein:“

Beide berichten, dass die Angehörigen auf die Einschränkungen sehr verständnisvoll reagieren, auch wenn eine Bestattung nicht so ablaufen kann, wie sie sich der Verstorbene gewünscht hätte.

„Da blutet einem das Herz“, sagt Mayr, wenn er den Hinterbliebenen erklären muss, dass sie ihren Angehörigen nach mehrwöchiger Kontaktsperre nicht wenigstens noch einmal aufgebahrt sehen dürfen. Und Petra Kunze berichtet von einem Angehörigen, der traurig meint: „Da wären so viele Leute gekommen. Das hat er nicht verdient, so eine kleine Beerdigung“.
Aber, so Kunze: „Wir helfen den Angehörigen, soweit es in unserer Macht steht, es geht trotz allem würdevoll“.

Text: Matthias Lauterer




„Trauer braucht Zeit“

Es ist kein wirklich gutes Thema für einen Small-Talk, für eine leichte Unterhaltung unter Freunden und der Familie. Über den Tod wird häufig erst gesprochen, wenn er eintritt. Und doch gehört er zum Leben dazu. Genauso wie die Trauer, wenn wir von geliebten Menschen Abschied nehmen müssen. Wir wollten daher von Martina Feuchter, Geschäftsführerin vom Bestattungsinstitut Dorn, einem der bekanntesten Bestatter in Künzelsau und Öhringen wissen: Trauern Menschen heute anders als früher? Und: Welche Bestattungsmöglichkeiten gibt es heutzutage?

 

GSCHWÄTZ: Hat sich im Vergleich zu früher etwas verändert im Bestattungswesen?

M. Feuchter: Ja. Früher waren es häufiger die traditionellen Erdbestattungen. In der heutigen Zeit hat die Nachfrage nach Feuerbestattungen deutlich zugenommen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Und die Bestattungen in den Waldfriedhöfen sind dazu gekommen und werden in unserer Region ganz stark angenommen. Oftmals hatten die Personen eine starke Bindung zur Natur, haben zu Lebzeiten viel Zeit in den Wäldern verbracht und entscheiden sich deshalb gerne für ein Begräbnis auf einem Waldfriedhof.
Dort besteht die Möglichkeit, einen Familienbaum auszuwählen, um den die gesamte Familie die letzte Ruhestätte findet. Es können auch nur einzelne Plätze an einem Gemeinschaftsbaum gekauft werden. Das Bestattungsunternehmen Dorn verwaltet drei Waldfriedhöfe in Hohenlohe und zwar in Friedrichsruhe, Schöntal (Aschhausen) und Schloss Stetten. Sehr viele Menschen machen sich schon zu Lebzeiten Gedanken, wie sie bestattet werden möchten, manche regeln auch alles vorab in einem Bestattungsvorsorgevertrag. Diese Entscheidung, wie man bestattet werden möchte, ist eine sehr individuelle. Dennoch halten wir es für wichtig, es in der Familie zu thematisieren und zu besprechen, damit jeder seine Bedürfnisse zum Ausdruck bringen darf.

 

GSCHWÄTZ: Hat sich in der Gestaltung der Trauerfeier etwas geändert?

M. Feuchter: Trauerfeiern wurden früher eher traditionell gehalten: Meist war es die Erdbestattung und das Familiengrab, das über Generationen in der Familie war. Die Trauerkleidung war schwarz und wurde oft ein ganzes Jahr getragen. Das war ein deutliches Signal nach außen. Heute ist die Bandbreite sehr viel größer: von großen Trauerfeiern bis zu ganz kleinen, manchmal stillen Beisetzungen im engsten Kreis. Wie oben erwähnt sind es sehr viel mehr Feuerbestattungen, manchmal soll auf Wunsch des Verstorbenen auf Trauerkleidung verzichtet werden. Es kann lockere, farbige Kleidung getragen werden. Wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist, gestalten freie Redner/innen, Freunde, Familie oder Bestatter die Abschiedsfeier. Ganz oft sollen Lieblingsmusikstücke des Verstorbenen gespielt werden. Fotos und persönliche Gegenstände werden aufgestellt.

Abschied, der das Leben wiederspiegelt, tröstet. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Was ist Ihre Aufgabe als Bestatter?

M. Feuchter: Natürlich sind wir da für alles, was jetzt notwendig ist, vor allem für die Beratung. Wenn sich jemand noch nie mit dem Thema Tod oder Bestattung beschäftigt hat, bedarf es oft erstmal der Erklärung und Erörterung der vielen Möglichkeiten. In der Hauptsache sehen wir uns aber tatsächlich als Begleiter in dieser Zeit. Wie eine Hebamme eine Geburt begleitet, da ist, geduldig, liebevoll, unterstützend, Mut machend, stärkend, so sehe ich uns als Bestatter, eben am Ende eines Lebens für die Angehörigen. Zeit und Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Nicht immer gibt es ein Netzwerk an Familie, Freunden, Nachbarn, manchmal haben sich Menschen vom Glauben entfernt. Wenn das, was es sonst gab, wegfällt, werden wir immer wieder zum Ansprechpartner. Zu vermitteln, dass Trauer keine Krankheit ist, die sofort therapiert werden muss, sondern ein Gefühl, das gelebt werden will, das es viel Zeit braucht, gute Begleiter, Zuhörer, Unterstützer, auch darin sehen wir unsere Aufgabe.

 

GSCHWÄTZ: Wie verabschiedet man sich am besten von einem geliebten Menschen?

M. Feuchter: Eine allgemeingültige Aussage kann man dazu sicher nicht treffen, denn jeder Mensch ist anders. Und somit ist auch jeder Abschied anders. Und es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Sei es, dass der Verstorbene noch eine Zeitlang zu Hause bleiben darf, damit sich die Angehörigen dort in Ruhe und im familiären Rahmen verabschieden können, sei es, dass man den Verstorbenen selber waschen und ankleiden möchte, dass man die Texte für Anzeigen und Karten selber gestalten möchte oder dass man Bilder, Briefe in den Sarg legt oder dass die Angehörigen sogar aktiv die Trauerfeier mitgestalten durch Lied- oder Wortbeiträge, sofern sie sich dazu in der Lage fühlen und vieles mehr. Es ist unsere Aufgabe, mit der Familie herauszufinden, was sie brauchen, was ihnen gut tut. Und ihnen die Zeit zu geben, die sie benötigen.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann man Berührungsängsten zum Thema Tod und Trauer entgegenwirken?

M. Feuchter: Wichtig ist auf jeden Fall, das Thema nicht von sich zu schieben, bis ein Trauerfall eintritt. Sich schon zu Lebzeiten Gedanken machen: Wie möchte ich meine Beerdigung gestalten oder sich zu fragen: Wie stellen wir uns die Bestattung unserer Angehörigen vor? Sich frühzeitig über seine Rechte und Möglichkeiten im Trauerfall zu informieren. Wir versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten, indem wir Führungen und Vorträge in unseren Häusern anbieten. Genutzt werden diese zum Beispiel von Auszubildenden der Kranken- und/oder Altenpflege, den Kirchen für die Konfirmanden und Senioren sowie den Schulen, die mit ihren Schülern im Rahmen des Religions- oder Ethikunterrichts das Thema Sterben, Tod und Trauer thematisieren.
Sie dürfen Särge, Urnen und Bestattungsutensilien anschauen, auch mal Probeliegen in einem Sarg. Und sie werden mit der Frage vertraut gemacht: Wie würdet ihr eure Beerdigung gestalten? Erfahrungen zeigen, dass auch hier großes Interesse und Nachdenken angestoßen wird. Ziel ist es aber, Berührungsängste abzubauen und das Thema in die Familien zu bringen.

Anja Dorn im Trauergespräch. Foto: privat

Kontakt:
Dorn Bestattungen GmbH
Pfedelbacher Strasse 32 -34
74613 Öhringen
Telefon: 07941/91 91 0
Standort Künzelsau:
Gaisbacher Straße 6
74653 Künzelsau
Telefon: 07940/55 4 33
E-Mail: info@dorn-bestattungen.de

 

Text: Elke Brand

Fotos: privat

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Werbeanzeige von Bestattungsunternehmen Dorn.