Künzelsau: Teil der Gesellschaft und Teil der Lösung – Bauerntag 2020
Der Bauerntag 2020 des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems fand am Freitag, den 14. Februar 2020, im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau statt. Die über 400 Gäste beschäftigten sich laut einer Pressemitteilung des Bauernverbands mit den aktuellen landwirtschaftlichen Themen: Wie sieht sich der landwirtschaftliche Berufsstand in der gemeinsamen Verantwortung für Klima, Umwelt und Biodiversität, die eine gemeinsame Sache für die ganze Gesellschaft ist.
Jede Verbrauchergruppe integrieren
Grußworte kamen von Prof. Dr. Reinhold Würth (per Video), vom Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth und Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Jeder von ihnen hat eine besondere Verbindung zur Landwirtschaft und zeigte den Bauern eine hohe Wertschätzung und Dank für ihre tägliche Arbeit. Insbesondere der Hauptredner des Tages, Prof. Dr. Bernd Nolte, motivierte laut der Pressemitteilung die Gäste, dabei auch ganz neue Wege zu gehen: „Gehen Sie raus! Zeigen Sie Mut, die Veränderungen in der Landwirtschaft anzugehen. Integrieren Sie jedwede Verbrauchergruppe so intensiv wie möglich.” Als gutes Beispiel nannte er das Projekt “Lernort Bauernhof”. Hier werden Kinder und Jugendliche befähigt, eigenes Wissen darüber zu erarbeiten, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. “Lernen Sie Vertrieb, lernen Sie sich zu vermarkten! Bringen Sie sich beim Verbraucher ins Bewusstsein und senden Sie positive Bilder aus der Landwirtschaft”, ermunterte der Wirtschaftswissenschaftler die Zuhörer. Als Hochschullehrer an der Steinbeis-Hochschule-Berlin für das Fachgebiet Economics, Strategy & Business weiß er: Es gibt im Markt kein Mitleid und keine Barmherzigkeit. Deshalb möchte er den verschiedenen Kräften der Landwirtschaft – vor allem aber den Bauern selbst – Mut machen, Neues zu wagen. “Mitleid macht nicht sexy. Zeigen Sie was Sie können. Sie sind attraktiv“, so der Wettbewerbsökonom.
Verband als starke Stimme
Dafür brauche es Vernunft und Partnerschaft, wie Geschäftsführer Helmut Bleher sagte: „Wir brauchen eine wirkliche Agrarwende: In den Köpfen der Gesellschaft! Innovation und Vertrauen statt Gängelei“. Die Bauern müssten erkennen, dass sie Teil und Partner der Gesellschaft seien. “Deshalb geben wir als Verband unseren Bäuerinnen und Bauern eine starke Stimme. Das ist unsere Aufgabe! Wir tun das, was der Einzelne nicht schaffen kann. Wir sind gut vernetzt und sprachfähig und wir haben viel erreicht“, so Bleher weiter. Als Beispiele nannte er die Verhandlungsergebnisse zum „Eckpunktepapier“ der Landesregierung, den A6-Neubau und die Preisfindung für Verlustflächen. In vielen Abstimmungsrunden wurden hier Lösungen gefunden. Diese stellten immer Kompromisse dar. „Denn wir sind nicht allein auf der Welt! Wir sind 2 Prozent und gut beraten, mit den restlichen 98 Prozent zu reden“, empfahl Bleher. Denn das seien letztlich die Kunden, die in der Branche gern Verbraucher genannt werden. Bleher appellierte an die Runde: „Wir haben den schönsten Beruf der Welt. Wir arbeiten selbständig, vereinbaren Familie und Beruf ideal und arbeiten sehr vielseitig mit der Natur. Wir stehen in schwierigen Zeiten zusammen, um gemeinsame Aktionen durchzuführen und unsere Ziele zu erreichen!“
Alle Sektoren in die Lösungsprozesse einbeziehen
„Wir alle tragen Verantwortung“, startete der Vorsitzende Jürgen Maurer seine Rede. Er fand klare Worte, um die Position des Verbandes zu den aktuellen Themen deutlich zu machen. Unmissverständlich verwies er auf die Hauptpunkte, welche die landwirtschaftlichen Betriebe und ihre Familien beschäftigen. Als Landwirt und Familienvater sei es ihm wichtig, sein Unternehmen und auch die Natur gesund zu erhalten: Nachhaltig, fürsorglich zu wirtschaften und Geld damit zu verdienen. Als verantwortlicher Interessensvertreter der Mitgliedsbetriebe forderte er in Richtung Politik, Gremien und NGOs: „Es ist unabdingbar, dass man mit uns redet und nicht über uns“. Alle Sektoren, die zur Belastung der Umwelt beitragen, sollten in die Lösungsprozesse einbezogen werden.
Alle sollen sich einbringen
Ganz besonders den jungen berufsständischen Kollegen wünschte Jürgen Maurer „eine Zukunft und keine Besserwisser, die noch niemals – weder für Tier noch für Ackerscholle – Verantwortung übernommen haben.“ Am Schluss seiner Ansprache lud er alle Besucher im Saal ganz persönlich dazu ein, sich im Rahmen der Möglichkeiten einzubringen. „Tragen Sie bitte dazu bei, der Landwirtschaft wieder mehr „Gesicht“ zu geben! Tragen Sie alle dazu bei, dass wir Landwirte mehr Wertschätzung und Anerkennung erhalten. Werben Sie für regionale Produkte! Denn die sind wenig gereist, gesund und frisch. Bringen Sie sich bitte in die Diskussionen ein, ob organisiert oder nicht organisiert. Sehr gern auch im Bauernverband! Es gibt bei uns viele Möglichkeiten dafür. Wir wünschen uns neue frische Ideen, dafür brauchen wir Sie alle“, so der Vorsitzende.
Weiterhin den Grundauftrag erfüllen
Thomas Wenzel, als Geschäftsführender Vorstand für den Hohenlohekreis, dankte im Schlusswort den Bäuerinnen und Bauern ausdrücklich für ihre täglich gute Arbeit und wünscht sich, „dass wir auch weiterhin unseren Grundauftrag erfüllen können: die Bevölkerung mit den besten Lebensmitteln zu versorgen, die es weltweit gibt!“
Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.
Der Vorsitzende des Bauernverbands, Jürgen Maurer, dankt dem geschäftsführenden Vorstand Thomas Wenzel, Marcus Nübel, Harald Gronbach, Andreas Schunter und Geschäfstführer Helmut Bleher (v.l.n.r). Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.


Die Projektverantwortliche für den “Lernort Bauernhof”, Andrea Bleher, übergibt die Hofschilder an die neu zertifizierten Betriebsleiterinnen. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.