„Schluchtenartige Zugangswege zum Hauseingang“
Mit seinem Dank für die Möglichkeit einer „finalen Präsentation“ eröffnete Architekt Erich Kalis am Freitag, 28. Januar 2022, mit einem klaren Statement seine erneute Darstellung des Bauprojekts auf dem sogenannten „Sigloch-Areal“ zwischen Langenburger Straße und Kapellenweg vor dem Gestaltungsbeirat der Stadt Künzelsau. GSCHWÄTZ berichtete darüber, dass auf diesem Gelände fünf Häuser in einem steilen Hang errichtet werden sollen und damit eine stadtnahe Baulücke mit hochwertigen Wohnungen gefüllt werden soll. Nach mehreren Anläufen in Gestaltungsbeirat und Gemeinderat ist das Projekt noch immer nicht entscheidungsreif.
Projekt noch immer nicht entscheidungsreif
Und auch an der aktuellen Präsentation durch Erich Kalis hatten die Mitglieder des Gestaltungsbeirats einiges auszusetzen. Zwar fand Mathias Hähnig durchaus wohlwollende Worte für das Projekt, so sei die Körnung eine „durchaus mit der Hangsituation verträgliche Besetzung“ und auch die Planungen mit je 2 Vollgeschossen und einem Penthouse „können wir mittragen“.
Hausaufgaben nicht gemacht
Aber er bemängelte auch – zwar mit freundlichen Worten, aber deutlich – , dass Kalis seine Hausaufgaben nicht gemacht habe: Er habe sich „nicht ausreichend mit der Hangsituation auseinandergesetzt“. Die Planung im aktuellen Stand ergebe zu steile Hänge, die mit zu vielen Stützmauern abgesichert werden müßten, schluchtenartige Zugangswege zum Hauseingang seien die Folge. Bereits in der letzten Sitzung war Kalis aufgefordert worden, für die tief im Hang stehende untere Gebäudereihe einen Zugang im 1. Obergeschoss statt im Erdgesch0ß zu prüfen – davon war in Kalis‘ Präsentation nichts zu sehen. Außerdem fehle ein landschaftsplanerisches Konzept. Prof. Christina Simon-Philipp, die Vorsitzende des Beirats machte deutlich: „Der Hang soll „nicht als Böschung sondern als Garten im Hang betrachtet werden. Dieser Prüfauftrag besteht weiterhin.“
Unbefriedigende Verkehrssituation
Die zusätzliche Verkehrsbelastung für die Langenburger Straße sei unbedeutend, befand der anwesende Verkehrsgutachter Dr. Jürgen Karajan. Streitpunkt war aber erneut die Zufahrt über den Kapellenweg, zu eng empfinden die Anwohner die Straße, um weiteren Verkehr zuzulassen. Karajan erläuterte in einem kurzen Gutachten die Verkehrssituation: Eine „Straße“ liege an dieser Stelle nicht vor, der Kapellenweg sei als „Wohnweg“ zu qualifizieren, so Karajan. Die Breite der Straße schwanke zwischen 3m und rund 4,7m, nur im oberen Teil des Wegs, also hinter der geplanten Einfahrt zur Tiefgarage, sei überhaupt ein Begegnungsverkehr von Kraftfahrzeugen möglich. Selbst ein Begegnungsverkehr mit KfZ und Fahrrad ist auf einem großen Teil der Straße nicht möglich, weswegen Karajan die Einordnung als „Spielstraße“ anregte. Folge wäre automatisch die Beschränkung der Geschwindigkeit auf Schritttempo sowie ein absolutes Halteverbot außer auf eingezeichneten Stellplätzen.
Absurder Streit um die Breite der Straße an den Engstellen
Regelrecht absurd wurde es allerdings, als über die Breite der Straße an den Engstellen gestritten wurde. Erhard Demuth verwies darauf, dass die Straße sogar unter 3m breit sei – und damit genaugenommen nicht einmal für die Feuerwehr zugänglich. Bürgermeister Stefan Neumann, selbst Feuerwehrmann, wollte dieses Argument schnell vom Tisch wischen: „Die Feuerwehr fährt da.“ Und auch Kalis zitierte ein aktuelles Aufmaß, das durchgehend eine Straßenbreite von mehr als 3m nachweist. Beide mussten sich allerdings von Christine Tritschler, der Stadtplanerin, die die Stadt Künzelsau in vielen Projekten begleitet, eines Besseren belehren lassen: Sie verwies darauf, dass die asphaltierte Straße teilweise über Privatgrundstücke verläuft, über die man in der Planung nicht verfügen könne. Weder der Stadt Künzelsau noch dem Künzelsauer Architekten Kalis und damit auch dem von ihm beauftragten Gutachter war dies wohl bewußt. Den Anwohnern allerdings schon: Sie hatten dieses Argument bereits früher vorgebracht.
Text: Matthias Lauterer