Rettet die Bäder
Das Bädersterben ist aktuell in Niedernhall ein großes Thema. Das Solebad muss saniert werden – aber wer zahlt das? Niedernhall ist aber kein Einzelfall. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ruft eine Petition „Rettet die Bäder. Schwimmbadschließungen stoppen!“ ins Leben. Mehr als 32.000 Menschen haben bereits unterschrieben.
Die Fränkischen Nachrichten berichteten am 25. Januar 2019 darüber:
Bundesweites Bädersterben beenden
„Durchschnittlich alle vier Tage schließt in Deutschland ein Schwimmbad. Die DLRG will den Trend nun stoppen – hat deshalb eine bundesweite Petition gestartet und sammelt nun Unterschriften.
Main-Tauber-Kreis. Mittwoch abend, Hallenbad Weikersheim. An der Kasse liegt eine Unterschriftenliste aus. Unter dem Motto „Rettet die Bäder“ sammelt die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft die Autogramme der Badegäste, um ihren Forderungen mehr Nachdruck und Gewicht verleihen zu können. Zahlreiche Besucher des Bads haben bereits unterschrieben, die beiden Schwimmmeister Stefan Lahr und Steffen Grimm unterstützen die Aktion – und haben ihre Signatur ebenfalls auf die Blätter gesetzt. Die Weikersheimer DLRG ist eine von vielen Ortsgruppen in Deutschland, die sich dafür engagieren.
Das Bädersterben in Deutschland soll gestoppt werden. Nach Überzeugung der DLRG ist solch eine Online-Petition die ideale Möglichkeit, Bürgerbeteiligung zu fördern, Menschen zur Teilnahme anzuregen und zu einem transparenten Bürger-Politik-Dialog beizutragen.
Hoffen auf 100 000 Unterschriften
Die Initiatoren der Petition hoffen auf mindestens 100 000 Unterschriften; bereits deren 50 000 genügen als Quorum, um offiziell an die gewählten Volksvertreter heranzutreten in der Hoffnung, dass sie zeitnah die entsprechenden Schritte einleiten, um diesem Trend entgegenzuwirken.
Bäder sind gleichermaßen Wirtschaftsfaktor, Lernort für Schulen, sozialer Treffpunkt und Wettkampf- sowie Trainingsraum. Wie die Initiatoren begründen, versuchten unter Finanzdruck geratene Städte und Gemeinden durch die Schließung von Schwimmbädern, ihre Haushalte zu bereinigen, was zulasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote gehe.
Seit 2000 seien jährlich im Schnitt 80 Bäder in Deutschland geschlossen worden. Etwa die Hälfte der noch bestehenden Anlagen weise einen großen Sanierungsstau auf. Die wegen der sozialen und gesellschaftlichen Leistungen der Bäder nötigen Zuschüsse könnten wegen oftmaliger Finanzknappheit und Unterfinanzierung von Trägern immer weniger aufgebracht werden, betonen die Initiatoren.
Aufgrund dieser bedenklichen Entwicklung könne teilweise keine adäquate Schwimmausbildung mehr gewährleistet werden. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer, hatte eine von der DLRG 2017 in Auftrag gegebene Studie ermittelt. Und etwa 25 Prozent aller Grundschulen hätten mittlerweile keinen Zugang mehr zu einem Bad – das erschwere die Schwimmausbildung ganz wesentlich.
„Schwimmen lernen kostet Geld, Ertrinken das Leben“ – so wird bewusst ganz deutlich formuliert. In den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres sind in deutschen Gewässern mindestens 445 Menschen ertrunken, 148 mehr als im Vorjahreszeitraum. Hier spiele auch die zurückgehende Schwimmfähigkeit der Deutschen – auch infolge der Bäderschließungen – eine Rolle.
Die DLRG hofft, dass bald von der Politik Maßnahmen ergriffen werden. So sollte eine angemessene, nachhaltige Bäderversorgung durch systematische Bedarfsplanung und -deckung im Rahmen eines bundesweiten Masterplans sichergestellt werden.
Den Bedarf ermitteln
Der Raum für Schwimmen könne nur weiterentwickelt werden, wenn auf sämtlichen räumlichen Ebenen der jeweilige Bedarf der Öffentlichkeit, der Schulen und der Sportvereine auf wissenschaftlicher Basis festgestellt und, darauf aufbauend, Raumprogramme aufgestellt und umgesetzt werden.
„Wir fordern einen goldenen Plan, ähnlich dem der 1960er Jahre. Und wir fordern die Politik auf, eine Gesellschaft, ähnlich der Deutschen Olympischen Gesellschaft, zu gründen, die ausschließlich die Koordination der Bädersanierung zur Aufgabe hat – mit einem Zeitrahmen von zehn Jahren“, so die klare Aussage.
Thomas Lang, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Tauberbischofsheim, steht hinter der bundesweiten Initiative seiner Rettungsorganisation: „Wir hoffen auf zahlreiche Unterschriften, denn Ziel muss es sein, die breite Masse zu erreichen.“
Denn auch die Kleinschwimmhalle in der Kreisstadt sei von der Schließung betroffen (wobei hier bereits über einen Hallenbad-Neubau diskutiert wird).
Er halte es, so Thomas Lang weiter , für sehr wichtig, dass dem Trend der Bäderschließungen wirkungsvoll entgegengewirkt werde, um zum Beispiel mehr Grundschulkindern zu ermöglichen, Schwimmen zu lernen.
Dass es auch anders geht, zeigt sich im Main-Tauber-Kreis. Hier wurde zum Beispiel das Hallenbad in Lauda 2011/12 umfassend generalsaniert; eine ähnliche Maßnahme steht demnächst bei der Einrichtung in Weikersheim an.“