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„Wir möchten, dass die Tierquälerei aufhört“

Live-Chat zur zweiten Mahnwache gegen Tierquälerei im Schlachthof der Metzgerei Kühnle in Backnang am Donnerstag, den 15. September 2022. Dr. Sandra Hartmann sprach mit dem Versammlungsleiter Aaron Bangert.

Report Mainz deckte vor wenigen Tagen auf (wir berichteten), auf welch grausame Weise hier Tiere gequält werden.

Hier geht es zum Video: https://www.ardmediathek.de/video/report-mainz/veterinaere-schauen-bei-tierschutzverstoessen-weg/das-erste/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE3MTM4MDc

 

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„Niemand möchte das, aber alle essen es“

Der 25-jährige BWL-Student Aaron Bangert hätte vermutlich vor einem Jahr nicht gedacht, dass er am Donnerstag, den 15. September 2022, als Versammlungsleiter eine Mahnwache abhalten wird vor der Metzgerei Kühnle anlässlich des Schlachthof-Skandals, den Report Mainz vor kurzem aufgedeckt hat. In dem Video (Das Video von Report Mainz gibt es hier zu sehen:REPORT MAINZ: Veterinäre schauen bei Tierschutzverstößen weg | ARD Mediathek) sind erschreckende Szenen aus dem Innenleben des Schlachthofs zu sehen, unter anderem sieht man, wie die Tiere vor der Schlachtung mit Elektroschockern traktiert werden und teilweise sehr qualvoll mittels Kehlschnitts und minutenlangem Ausbluten bei vollem Bewusstsein sterben.
Dr. Sandra Hartmann hat nur wenige Stunden vor der mittlerweile zweiten Mahnwache mit Aaron Bangert gesprochen.

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

Tierschutzgesetz mit Füßen getreten

GSCHWÄTZ: Was erhoffen Sie sich von der nun bereits zweiten Mahnwache seit Anfang September 2022?

Bangert: Wir fordern, dass der Betrieb dauerhaft geschlossen wird, nicht auf freiwilliger Basis, wie es seit der Berichterstattung von Report Mainz der Fall ist, sondern seitens des Veterinäramts. Die Zustände, die aufgedeckt wurden, sind einfach derart grausam. Das sind Lebewesen sind. Wenn ein Tierschutzgesetz so mit Füßen getreten wird, darf der Betrieb nicht mehr öffnen.

Demonstranten fordern strafrechtliche Verfolgung

Auch eine strafrechtliche Verfolgung möchten Bangert und seine Mitstreiter bewirken, unter anderem gegen den Amtsarzt des Veterinäramtes, der nicht nur Kenntnis von den Zuständen hatte und nichts unternommen hat, sondern, im Gegenteil, auf Videoaufnahmen sieht man eben diesen Mann selbst zum Elektroschocker greifen und ihn mehrfach gegen die Tiere anwenden.

Das Video zeigt Aufnahmen von acht unterschiedlichen Tagen in dem Schlachthof. Die Rinder und Schweine werden unter anderem mit Elektroschockern zur Schlachtung getrieben.

Amtsarzt des Veterinäramtes wird zum Täter

Bangert: Aus unserer Sicht ist der Amtsarzt damit zum Täter geworden. Er müsste das eigentlich verhindern, dass so etwas passiert. Das ist ja im Prinzip die einzige Instanz im Schlachthof, der die Tierschutzrechte überwacht. Dieser Amtsarzt gehört eigentlich entlassen. Aber leider ist es so, dass im Tierschutz die Strafen sehr milde ausfallen. Es gibt theoretisch bis zu drei Jahre Haft bei Tierquälerei. In der Regel fallen die Urteile aber sehr mild aus. Aber ich hoffe, dass es von Seiten der Strafbehörden Ermittlungen gibt. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt.

Metzgerei Kühnle hat hier eine starke Stellung in Backnang

GSCHWÄTZ: Warum wurde der Betrieb nicht längst von behördlicher Seite geschlossen?

Bangert: Aus meiner Sicht, ich bin ja auch hier aus der Region, hat die Metzgerei Kühnle hier eine sehr starke Stellung in Backnang und hat auch politischen Einfluss. Die Menschen sind sehr geschockt. Man kann kaum glauben, dass der Metzger deines Vertrauens so etwas tut. Herr Kühnle hat schlau gehandelt. Er hat nicht gewartet, bis die Behörde den Betrieb schließt. Er hat den Schlachthof selbst geschlossen ein paar Tage nach der Veröffentlichung von Report Mainz. Er ist weiterhin zu. Es deutet aber viel darauf hin, dass er weiterhin machen will.

GSCHWÄTZ: Hat er Ihrer Meinung nach kein Einsehen?

Bangert: Eher nein. Die Aufnahmen seien zusammengeschnitten aus den acht Tagen. Er betont in dem Interview mit der Backnanger Zeitung, dass er das ganze Material sichten müsste, um die Lage richtig zu beurteilen.

Kein Unterschied, ob Schwein oder Hund

Aaron Bangert ist Tierschützer und kämpft für die Rechte von Tieren. Er selbst macht keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund und ernährt sich vegan. Privat hat er eine Hündin.

Bangert: „Ich liebe Tiere. Das sind unglaublich mitfühlende Tiere, so wertvolle Geschöpfe, um die wir uns kümmern müssen.“

„Niemand möchte das, aber alle essen es“

GSCHWÄTZ: Ist der Verbraucher mit Schuld an solchen Zuständen?

Bangert: Ja, schon. Ich zeige auch manchmal Aufnahmen anderen Menschen. Ich habe das Gefühl, dass niemand das möchte, aber alle essen es. Ich ernähre mich seit zehn Jahren vegan. Damals wurde ich noch richtig schief deswegen im Ländle angeschaut.

Termin Mahnwache Nr. 2 Schlachthof Backnang:

15.09.2022, Sulzbacher Straße 196, 71522 Backnang, 16:30 – 19:30 Uhr

Direkt vor dem Schlachthof Kühnle

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

 

 




Stefan Neumann derzeit weit abgeschlagen hinter Maximilian Friedrich

Heute findet nicht nur die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt, sondern auch die Oberbürgermeisterwahl in Backnang. Auch für Künzelsau wird dieses Ergebnis möglicherweise große Auswirkungen haben, bewirbt sich um das Amt des Rathauschefs unter anderem Stefan Neumann, der derzeit noch in Künzelsau Bürgermeister ist.

Aktuell sind laut zvw elf von 36 Wahlbezirken ausgezählt. Maximilian Friedrich liegt mit großem Abstand vorne (47,61 Prozent).

Auf Platz rangiert jedoch bereits Stefan Neumann, allerdings mit derzeit lediglich 22,81 Prozent der Stimmen. Die anderen Bewerber sind noch weiter abgeschlagen auf den hinteren Plätzen:

Jörg Bauer: 14,19 Prozent

Stefan Braun: 5,76 Prozent

Julia Papadopoulos: 3,66 Prozent

Roland Stümke: 2,47 Prozent

Marco Schlich: 1,35 Prozent

Stand: 19.37 Uhr

Auf folgendem Youtube-Kanal verkündet der zweite Bürgermeister der Stadt Backnang das endgültige Ergebnis:

https://www.youtube.com/watch?v=MsEHfnfLgfs




Gesetzt den Fall … Stefan Neumann würde in Backnang nicht gewählt

Würde in Backnang einer der anderen Kandidaten gewählt (GSCHWÄTZ berichtete), dann hätten wir in Künzelsau bis zu sechs Jahre einen Bürgermeister, der offen gezeigt hat, dass er Künzelsau verlassen will. Offenbar ist es ihm nahezu egal, wohin sein Weg führt, denn auch aus Schwäbisch Hall wurde bekannt, dass er Gesprächen über eine Kandidatur als Nachfolger von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim nicht abgeneigt war. Bürgermeister Stefan Neumann sieht das eher locker: „Wenn das nichts wird, dann arbeite ich mit dem Gemeinderat einfach noch sechs Jahre zusammen“, sagt er auf die Frage, was denn passieren würde, wenn er nicht Oberbürgermeister von Backnang werden sollte. So einfach scheint das zu sein.

Nein, so einfach wie Neumann das im GSCHWÄTZ-Interview darstellt, ist das eben nicht.

Frühstücksdirektor oder Grüßaugust, aber kein Bürgermeister mehr

Denn wie soll ein Gesprächspartner der Stadt, zum Beispiel ein Immobilieninvestor, mit einem Bürgermeister über längerfristige Projekte sprechen, wenn er davon ausgehen muss, dass sein Ansprechpartner bei nächstbester Gelegenheit nicht mehr verfügbar ist? Sechs Jahre sind eine lange Zeit, in der man ein großes Projekt auf den Weg bringen kann.

Im Gemeinderat hat Neumann ohnehin einen schweren Stand, weil man ihm auch schon bisher fehlende „Zusammenarbeit“ vorwirft. Wie stellt sich Neumann eine konstruktive Zusammenarbeit vor, wenn sich um ihn herum eventuelle Nachfolgekandidaten in Stellung bringen und immer mehr die öffentliche Diskussion übernehmen?

Zu guter Letzt werden auch die an langfristigen Projekten der Stadt beteiligten Mitarbeiter in ihrer Arbeit beeinträchtigt, weiß doch niemand, welche Schwerpunkte ein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters setzen wird.

Neumann hat sich selbst zur lame duck gemacht

Die Amerikaner bezeichnen Politiker, die ohne oder mit einer ungewissen Zukunft noch im Amt sind, als eine ,ame Duck‘ – eine lahme Ente. Bis zur Wahl in Backnang ist Stefan Neumann so eine ,Lame Duck‘, verliert er, wird er zum Frühstücksdirektor oder zum Grüß-August.

Aber Künzelsau kann sich keine „Lame Duck“ im Amt des Bürgermeisters leisten: Zu viele wichtige Baustellen sind offen, für die handlungsfähiger Bürgermeister dringend notwendig ist: die Kochertalbahn, das neue Landratsamt, die Gesundheitspolitik und viele mehr. Und: Künzelsau hat auch mehr verdient, als ein Bürgermeister, der eigentlich weg will.

Künzelsau braucht einen handlungsfähigen Bürgermeister

Daher muss man ihm für die Wahl in Backnang die Daumen drücken, denn nur so hat Künzelsau die Chance, schnell wieder einen handlungsfähigen Bürgermeister zu bekommen, der die Geschicke der Stadt lenken und beeinflussen kann. Neumann kann das nun kaum mehr sein.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




Gesetzt den Fall … Neumann würde in Backnang gewählt: Wer käme als Nachfolger in Frage?

Sollte der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann am 14. (1. Wahlrunde) oder 28. März 2021 zum Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Backnang gewählt werden, stellt sich natürlich die Nachfolgefrage für die Kreisstadt des Hohenlohekreises.

Wer darf überhaupt kandidieren?

Das Wahlrecht in Baden-Württemberg stellt keine hohen Anforderungen an die Kandidat:innen für das Bürgermeisteramt: Sie müssen Deutsche oder EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland sein und sie müssen mindestens 25 Jahre alt und noch nicht 68 Jahre alt sein. Außerdem darf nicht kandidieren, wem das aktive Wahlrecht aberkannt wurde, wer aus dem Beamtenverhältnis entfernt wurde oder wer zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Details).

Wahl ohne „Platzhirsch“

Bei der letzten Wahl am 03. Juni 2018 hatte Neumann mit Ruth-Hildegard Henrich und Fridi Miller zwei Gegenkandidatinnen, die gegen den Amtsinhaber allerdings keine Chance hatten: Neumann wurde mit 87,4 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Bei einer eventuell notwendig werdenden Neuwahl, sieht das möglicherweise ganz anders aus: Erfahrungsgemäß kandidieren bei einer Wahl, zu der der amtierende Bürgermeister nicht mehr antritt, gerne auswärtige Kandidaten. Offenbar rechnen sie sich ohne die Konkurrenz eines „Platzhirschen“ bessere Chancen auf einen Wahlerfolg aus.

Potentielle Kandidaten aus der Künzelsauer Politk

Zuerst in den politischen Fokus dürften die drei amtierenden Stellvertreter von Neumann rücken: Christian von Stetten (CDU), Reintraud Lindenmaier (SPD) und Boris d’Angelo (UBK). Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass Christian von Stetten sein Bundestagsmandat zugunsten des Bürgermeisteramts seiner Heimatstadt aufgeben wird. Reintraud Lindenmaier teilt auf GSCHWÄTZ- Nachfrage mit, dass man sich über einen Nachfolger noch keine Gedanken gemacht habe. Die Struktur mit den drei Stellvertretern und der Verwaltung sei handlungsfähig. Boris d’Angelo hat das 68. Lebensjahr bereits erreicht, er ist also nicht mehr wählbar.

In Gesprächen fällt immer wieder der Name Hans-Jürgen Saknus, der für die SPD im Stadtrat und Kreistag sitzt. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagt er: „Ich fühle mich sehr wohl in meiner derzeitigen Position“, einen Anlass, „die Seite zu wechseln“, sieht er nicht.

Bürgermeister aus der Umgebung interessiert?

Erweitert man den Horizont über die Stadtgrenze hinaus, kommt man am Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck (FWV) nicht vorbei. Ein junger Politiker mit Verwaltungserfahrung, der sicherlich noch den ein oder anderen Karriereschritt gehen will – und das mit einer ganz ähnlichen  Laufbahn wie Stefan Neumann: Auch er war vor seiner Wahl zum Bürgermeister am 04. Mai 2014 Kämmerer, in Krautheim. Ähnlich wie bei Neumann könnte das Bürgermeisteramt einer größeren Stadt sein nächstes Ziel sein.

In einer ähnlichen Position befindet sich Michael Foss (parteiunabhängig) aus Forchtenberg: Auch er ist jung und sicherlich ehrgeizig, dazu ein Verwaltungsfachmann. Aber er ist erst seit 2016 Bürgermeister von Forchtenberg, direkt neben seiner Heimatgemeinde Weißbach. Ob er dieses Amt vorzeitig aufgeben möchte?

Überregionale Kandidaten

Das Bürgermeisteramt einer Kreisstadt ist sicherlich auch für ehrgeizige Politiker oder Verwaltungsleute interessant, die nicht aus der Region stammen, so dass sich auf eine Ausschreibung Kandidaten melden könnten, die heute noch niemand kennt. Sollten CDU oder SPD keinen lokalen Kandidaten aufstellen können oder wollen, werden die Parteien wahrscheinlich einen externen Kandidaten suchen.

In Waldenburg wurde kürzlich mit Bernd Herzog ein Bürgermeister gewählt, der keinen Verwaltungshintergrund hat: Er war vorher Geschäftsführer eines Unternehmens. Auch für Frauen und Männer aus der Wirtschaft könnte also ein Bürgermeisteramt eine interessante Option sein.

Derzeit alles nur Spekulation

Es ist natürlich schön zu spekulieren – aber alle Spekulation ist hinfällig, sollte Stefan Neumann die Wahl in Wahl zum Oberbürgermeister in Backnang nicht gewinnen.

Text: Matthias Lauterer




Stefan Neumann tritt gegen Iron Man an

Der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann hat Großes vor: Er will sich am 14. März 2021 zum Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang wählen lassen. Backnang ist mit etwa 35.000 Einwohnern rund doppelt so groß wie Künzelsau und liegt im S-Bahn-Bereich von Stuttgart. Das Amt des Oberbürgermeisters ist vakant geworden, weil der Backnanger Oberbürgermeister  Frank Nopper kürzlich zum Nachfolger Fritz Kuhns als Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt wurde.

Bisher sechs Kandidaten

Die Nachfolge Noppers anzutreten wird nicht leicht, haben die Backnanger doch wahrscheinlich die Persönlichkeit Noppers gewählt: Immerhin erreichte er bei der letzten Wahl 2018 mit über 85 Prozent der abgegebenen Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie seine Partei, die CDU, bei der Stadtratswahl. Bisher haben sich sechs Kandidaten zur Wahl gestellt, die Bewerbungsfrist endet am 18. Februar 2021, es könnten also noch weitere Kandidaten hinzukommen.

Vier Gegenkandidaten aus dem Rems-Murr-Kreis

Maximilian Friedrich (33), amtierender Bürgermeister von Berglen, einer 6.400-Seelen Gemeinde in der Nähe von Backnang, ist der Kandidat mit der meisten Verwaltungserfahrung. Er wurde im Alter von 25 Jahren in dieses Amt gewählt, damals der jüngste Bürgermeister Deutschlands, und im Juni 2020 im Amt bestätigt. Er ist auch Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler im Kreistag des Rems-Murr-Kreises. Hinzu kommt, dass er in Backnang geboren ist und diese Wahl zu seiner Herzensangelegenheit erklärt hat.

Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten

Ebenfalls am ersten Tag der Bewerbungsfrist hat Jörg Bauer (51), ein Bauunternehmer aus Backnang und Mitglied des Stadtrats für das „Bürgerforum Backnang“, seine Unterlagen abgegeben. Beide werden daher auf dem Stimmzettel vor Stefan Neumann stehen. Bauer weiß laut eigenen Angaben „wie man komplexe Projekte entwickelt und umsetzt“, Ausdauer ist eine seiner Eigenschaften: Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten.

Einer lud bereits zum Burkini-Schwimmen ein

Ebenfalls aus Backnang kommt Marco Schlich (45), ein Bauingenieur und lokaler DIE-PARTEI-Vorsitzender. Er wurde überregional bekannt, als er 2019 zum Burkini-Schwimmen im Backnanger Schwimmbad Wonnemar einlud. Er ist im Klimaschutz engagiert und tritt als Einzelkandidat ohne Unterstützung einer Partei an.

Der Bankfachwirt Roland Stümke (52), auch er aus Backnang, tritt als parteiunabhängiger Kandidat an, macht aber keinen Hehl daraus, dass er Mitglied der LINKEN ist. Auch er war und ist in der Baubranche tätig: Viele Jahre als selbständiger Immobilienmakler, jetzt bei einem Unternehmen, das Fertighäuser vertreibt.

Außer Neumann kommt nur noch der 62-jährige Jörg Lesser aus Karlsruhe und nicht aus der Region Backnang. Er bezeichnet sich selbst als „Privatier“, ist im Landesvorstand von DIE PARTEI und sagt über sich selbst: „Grundsätzlich bin ich dafür und dagegen. Je nachdem, wie politisch und populistisch sich das am besten verwerten lässt. Ich bin Politiker – trauen Sie meinen Wahlversprechen nicht!“

Bewerbungsfrist bis 18. Februar

Noch bis zum 18. Februar können sich Kandidaten bewerben, hohe Hürden sieht das Wahlrecht in Baden-Württemberg für eine Kandidatur nicht vor. Es kann daher sein, dass sich noch weitere Kandidaten, etwa von SPD oder GRÜNEN, bewerben. Insbesondere ist noch mit Dauerkandidaten wie Fridi Miller zu rechnen, die in Künzelsau bereits gegen Stefan Neumann angetreten ist.

Erste Einschätzung

Aus der Ferne ist es natürlich schwierig, die Chancen der einzelnen Kandidaten zu bewerten. Stefan Neumann, der von der CDU unterstützt wird, dürfte durchaus gute Chancen haben. Die CDU ist in Backnang traditionell stark, hat aber bei der letzten Kommunalwahl 6,5 Prozent verloren, wurde dennoch mit knapp unter 29 Prozent stärkste Fraktion. Da Bürger gerne Verwaltungsfachleute auf dem Posten des Bürgermeisters sehen, mag auf dem Papier Neumanns stärkster Gegner Maximilian Friedrich sein, der einen ähnlichen Werdegang wie Neumann hat. Er ist kommunalpolitisch gut vernetzt, ist eine bekannte Person im Kreis und geht dazu noch als Lokalmatador ins Rennen.

85 Prozent wie Vorgänger Frank Nopper dürfte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang erreichen.

Text: Matthias Lauterer

Die bisher bekannten Kandidaten für das Amt des Backnanger OB:
oben v.l. Jörg Bauer, Maximilian Friedrich, Jörg Lesser
unten v.l.: Stefan Neumann, Marco Schlich, Roland Stümke
Quelle: jeweiliger Kandidat

 




„Sich intensiver Gedanken machen, wo das Essen herkommt“ – Neue Ideen zur Direktvermarktung in der Landwirtschaft

Denis Schwaderer, Landwirt vom Stiftsgrundhof in Backnang, sieht laut einer Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. die aktuelle Situation für die Bauern als Chance, „dass die Leute sich wieder intensiver Gedanken dazu machen, wo das Essen herkommt.“ Die Einschränkungen der vergangenen Wochen, nicht wie gewohnt einkaufen zu können, betrachtet er als regionaler Direktvermarkter auch von der positiven Seite. Er hofft, dass die Kunden das auch weiterhin wertschätzen und verstärkt nutzen.

Verkaufsautomat für Direktkunden

Als traditioneller Familienbetrieb mit Milchviehhaltung und Bullenmast baut er diesen Zweig weiter aus. Er investiert in ein neues Hofcafé und ab sofort steht ein Verkaufsautomat rund um die Uhr für Direktkunden bereit: Tafelobst aus dem eigenen Obstbau, Eier von rund 100 Hühnern, Produkte aus der Brennerei, Wurst in Dosen und Milch aus dem Automaten werden selbst vermarktet. „Das hat uns schon über die ein oder andere Milchkrise geholfen“, erinnert sich der junge Landwirt. Mit drei Arbeitskräften, neben ihm auch seine Eltern, bewirtschaftet er 65 Hektar Acker, versorgt 70 Milchkühe, dazu die weibliche Nachzucht und 20 Bullen. Seine Frau hilft mit, soweit Haushalt und die drei Kinder das zulassen. Bei der Ernte helfen Nachbarn aus. Im Dorf mit nur 90 Einwohnern und drei Weilern, zusammen geschlossen zum Stiftsgrundhof, ist man trotz der Nähe zur B14 und Backnang sowieso ganz unter sich.

Aronia-Beeren aus Bio-Produktion

Auf der Suche nach neuen Wegen sind die Landwirte vor vier Jahren auf die Aronia-Pflanze gestoßen. Aus den Beeren, welche der Heidelbeere recht ähnlich sind, wird hauptsächlich Saft gewonnen. Da die aus dem nördlichen Südamerika stammende, sehr winterharte Heilpflanze erst nach vier bis sechs Jahren ausgewachsen ist, konnte auf drei Hektar mit Aronia-Sträuchern im vergangenen Herbst zum ersten Mal richtig geerntet werden. Eine Firma bei Dresden hat diese Pflanzenart in Deutschland eingeführt, wo insgesamt 600 Hektar dafür landwirtschaftlich genutzt werden. „Wir haben unsere Aronia-Produktion zur Bio-Zertifizierung angemeldet, deshalb heißt es im Frühjahr: viel hacken statt spritzen!“ Wenn es mit der Vermarktung gut läuft und größere Abnehmer dafür gewonnen werden können, will Denis Schwaderer die im Gesundheitstrend liegenden Beeren stärker ausbauen. Genauso wie seine Eierproduktion: mit einem Hühnermobil.

„Jeder verfolgt seine eigenen Interessen.“

In der Landwirtschaft gebe es keinen Chef der sagt: So machen wir es. „Jeder ist da selbst für sein Glück verantwortlich.“ Damit meint er, was richtig und was falsch für die Zukunft des eigenen Hofes ist, kann man oft nur ausprobieren. Nach den Ansätzen für ein gemeinsames Handeln der landwirtschaftlichen Kräfte gefragt, meint Landwirt Schwaderer „dass die ganz, ganz große Herausforderung darin besteht, dass jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Allein der Ackerbauer möchte seine Ernte möglichst teuer verkaufen, der Viehzüchter wiederum will das Futter möglichst günstig einkaufen. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist einfach schwierig“. Einen Mittelweg zum Beispiel über die Initiative „Land schafft Verbindungen“ (LSV) zu finden, ist nahezu unmöglich. Zusammengefasst meint er: Die Bauern sind sich schon einig über die Richtung, aber der Weg ist eben enorm breit. Das vergangene Jahr und die vielen Aktionen der Bauern haben auch gezeigt: Es dreht sich immer viel um den Preis, den die Landwirte für ihre Produkte erwirtschaften können. „Wenn die Verkaufspreise an den Lebensmitteleinzelhandel gut sind, sind alle zufrieden und das Miteinander klappt besser“, sieht der Landwirt aus dem Rems-Murr-Kreis.

Preise regeln sich über Angebot und Nachfrage

Generell sieht er es aber auch pragmatisch: Der Verbraucher kauft, was gut und günstig ist. Der Lebensmitteleinzelhandel versucht, genau das anzubieten. Der Landwirt wiederum bietet seine Produkte so an, wie er sie verkaufen kann. Selbst im regionalen Markt regeln sich die Preise über Angebot und Nachfrage. Lobend hebt Denis Schwaderer, der auch Mitglied im Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems ist, an dieser Stelle beispielsweise die Rolle der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall hervor. Als Genossenschaft, an der die zuliefernden Landwirte wie er beteiligt sind, schüttet sie erwirtschaftete Gewinne an die Bauern der Region wieder aus.          

15 Jahre alte Kuh

Übrigens: Die älteste Kuh auf dem Hof Schwaderer ist 15 Jahre alt, heißt Barbara und gibt noch immer Milch. Sie scheint es gut zu haben auf dem Stiftsgrundhof, denn im Durchschnitt werden Milchkühe sieben Jahre alt.  

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.