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Autonomes Fahren mit E-Kleinbus wird in Künzelsau geprobt

Mit dem Förderaufruf „Kooperative Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum“ unter der Frage „Wie lassen sich bürgerschaftliche oder unternehmerische Sharing-Konzepte durch Autohäuser, Autowerkstätten und Autohändler professionell unterstützten?“, wurde der Grundstein für die zukünftige Mobilitätsentwicklung in Künzelsau gelegt. Demnach soll ein automatisierter E-Shuttle die klassischen Mobilitätsangebote in Künzelsau ergänzen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. „Es ist sehr erfreulich, dass ein so innovatives Mobilitätsprojekt in Künzelsau umgesetzt wird. Ich bin allen beteiligten Akteuren sehr dankbar“, so Bürgermeister Stefan Neumann.

Gespräche in großer Runde

Nach dem Projektkickoff im vergangenen September haben sich die verschiedenen Projektpartner intensiv mit ihren jeweiligen Aufgabengebieten befasst. Zu den Beteiligten zählen die hfcon GmbH & Co. KG, die Stegmaier Nutzfahrzeuge GmbH, die Emm! solutions GmbH, die Stadtverwaltung Künzelsau, die Residenz Schloss Stetten sowie die Hochschule Heilbronn. Ungefähr alle sechs Wochen wurden die Fortschritte des Projektes in großer Runde besprochen.

Umrüstung, Zulassung und Übergabe des Fahrzeugs

Das Fahrzeug, ein umgebauter MAN eTGE, wurde bestellt und für den Personentransport zugelassen. Gespräche und Abstimmungen mit dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg und dem TÜV SÜD in Bezug auf die Zulassung des Fahrzeugs im automatisierten Betrieb wurden von Emm! solutions geführt und das Vorgehen für den Zulassungsprozess festgelegt. Im Fahrzeug wurde eine elektrische Schiebetür und eine Trittstufe verbaut. Die Umrüstung des automatisierten Transports für acht Personen erfolgt durch die Firma Stegmaier.

Test auf Schloss Stetten

Der Sicherheitsfahrer kann jederzeit auf die manuellen Fahrfunktionen zugreifen und damit das automatisierte Fahren beenden. Ende März wurde das Fahrzeug offiziell von Würth Leasing an die Firma Stegmaier zum Umbau übergeben. „Wir wünschen allen Projektpartnern schon heute viel Erfolg und freuen uns, unser Leasingobjekt live vor Ort in der Residenz Schloss Stetten testen zu können“, so Martin Steeb, Projektverantwortlicher bei der Würth Leasing.

Teststrecke auf dem Gelände der Seniorenresidenz Schloss Stetten

Die 1.400 Meter lange Teststrecke mit sechs Haltestellen befindet sich auf dem Gelände der Seniorenresidenz Schloss Stetten. Hier wird das Fahrzeug ab Sommer 2021 den automatisierten Regelbetrieb erproben. In diesen Tagen beginnen die Fahrbahnverbreiterung und die Installation der Ladesäule. Geplant ist, dass die Bewohner:innen per Knopfdruck an den Haltestellen und telefonisch von ihren Wohnungen einen Fahrauftrag aufgeben können. Durch die Verortung des Telefons wird die nächstgelegene Haltestelle zugeordnet, an dem die Fahrgäste abgeholt werden können. Die 300 Senior:innen haben so die Möglichkeit, automatisiert von ihren Wohnungen zum Essen, Schwimmbad, zur Bibliothek oder zum Gesundheitscampus auf dem Residenz-Gelände zu fahren. Auch Personen, die den öffentlichen Nahverkehr rund um Künzelsau nutzen, können von der NVH-Haltestelle in Schloss Stetten mit dem autonom fahrenden Bus zum Eingang des Gesundheitscampus gelangen.

Einsatz in Künzelsauer Innenstadt

Im weiteren Verlauf der Projektumsetzung wird das Shuttle im manuellen Betrieb mit Sicherheitsfahrer in der Innenstadt von Künzelsau unterwegs sein, um zum Beispiel die Integration von Lieferservices und die Entlastung der Parkplatzsituation am Campus Künzelsau zu erproben.

Fragebogen zum Mobilitätsverhalten

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat gemeinsam mit der hfcon GmbH & Co. KG und Studierenden der Hochschule Heilbronn, Reinhold-Würth Hochschule, Campus Künzelsau einen Nutzerfragebogen entwickelt und abgestimmt. Dieser Fragebogen soll das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung und der Bewohner:innen in Schloss Stetten analysieren. Die Nutzung des automatisierten Bürgershuttles ist für jeden kostenlos. Die Leitung des Gesamtprojektes und somit auch die Leitstellenkoordination wird von Emm! solutions übernommen. Die Fahrstrecke auf Schloss Stetten wurde bereits mithilfe eines Forschungsfahrzeuges aufgezeichnet und zu einer Karte zusammengesetzt, welche für den späteren Fahrbetrieb als Referenz zur Lokalisierung des Fahrzeuges benötigt wird.

Weitere Planungen

Die Hochschule Heilbronn hat mit Emm! solutions das Konzept für die E/E-Architektur und die entsprechenden Hardwarekomponenten erstellt. Auch mit der Implementierung des Softwarearchitekturkonzeptes wurde begonnen. In der weiteren Planung baut die Hochschule Heilbronn die Simulationsumgebung zur virtuellen Testung der Software aus. Die Firma Stegmaier hat in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn die Pläne zum Anbau der Sensoren erhalten und beginnt nun mit dem Einbau. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Sicherheitskonzept, mit dem ebenfalls begonnen wurde.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

Martin Steeb (links) übergab das Fahrzeug an Marc Stegmaier. Foto: Johannes Schmidt/emm! Solutions




Elektrobusse ohne Fahrer ab 2021 in Künzelsau unterwegs

Die Stadt Künzelsau kündigt in einer Pressemitteilung an, dass ab  Frühjahr 2021 im Rahmen eines Forschungsprojekts zur modernen Mobilität autonome Elektrobusse in der Stadt fahren werden:

Erste Teststrecken in der Innenstadt und auf Schloß Stetten

Automatisierte E-Shuttles sollen laut der Stadt Künzelsau die klassischen Mobilitätsangebote vor Ort ergänzen. Ein nachhaltiges und bürgerfreundliches Mobilitätskonzept werde erstellt und schließlich getestet, so die Stadtverwaltung Künzelsau: „Künzelsau stellt dafür ideale Bedingungen bereit: Mit zwei Strecken, einer in der Künzelsauer Innenstadt und einer weiteren auf Schloß Stetten, soll im Frühjahr 2021 ein Kleinbus an den Start gehen.“

Mehrere Partner beteiligt, begleitendes Forschungsprojekt der Hochschule Heilbronn

Mit dem Förderaufruf „Kooperative Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum: Wie lassen sich bürgerschaftliche oder unternehmerische Sharing-Konzepte durch Autohäuser/-werkstätten/-händler professionell unterstützen?“ soll nun ein Grundstein für die Mobilitätsentwicklung in Künzelsau gelegt werden.

Pilotprojekt für die Region

Ende 2019 hat die hfcon GmbH & Co. KG im Sinne des Digital Hubs dafür gesorgt, dass der Antrag geschrieben wurde und somit das Projekt für die Region gewonnen werden konnte. Wichtig hierbei sei, ein Pilotprojekt aufzubauen, welches als Grundlage für weitere Anwendungsfälle und verschiedene Szenarien dienen kann. Interessant für die hfcon sei ebenfalls die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die gesamte Region.

Emm! Solutions übernimmt die Projektleitung, sowie die systemische Gesamtintegration im Fahrzeug. Erfahrung aus der industriellen Anwendung und der Personenmobilität werden mit eingebracht. Weitere Aufgaben beziehen sich auf den Fördermittelabruf und -verteilung, Projektplan, Konzeption und Zulassung, sowie den Betrieb.

Auch für Rollstuhlfahrer

Die Firma Stegmaier Nutzfahrzeuge baut die Fahrzeuge um, etwa mit elektrischen Trittstufen und genügend Platz für Rollstuhlfahrer.

Die Hochschule Heilbronn führt während des Projektes eine Akzeptanzstudie durch.

Die Residenzen Schloß Stetten stellen die Teilstrecke am Schloss für den autonomen Betrieb des Busses zur Verfügung. Außerdem werden die Ladeinfrastruktur, sowie Einstiegsmöglichkeiten bereitgestellt.

Die Stadt Künzelsau engagiert sich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung. Außerdem steht im Fokus, wie autonome Fahrzeuge mit anderen Konzepten verbunden werden können.

Zwei Routen – auf Schloß Stetten und in der Innenstadt

Das automatisierte Bürgershuttle wird in zwei Teilstrecken zum Einsatz kommen. Der autonom fahrende Elektrobus schließt am Schloss von Stetten alle wichtigen Stationen an: Schloss, Essen und Verwaltung, Schwimmbad, die Haltestelle des NVH, sowie die entstehende Klinik und den öffentlichen Parkplatz. Auf dem Gelände des Schlosses fährt der Bus autonom mit einer Geschwindigkeit von maximal sieben Kilometern pro Stunde. Die Bewohner können das Fahrzeug per Knopfdruck an die verschiedenen Stationen leiten oder mithilfe der Telefonanlage zum gewünschten Abholort bestellen.

Shuttle soll Hochschule mit Innenstadt verbinden

Im Bereich der Innenstadt werden der Busbahnhof, das Rathaus, die Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau, Reinhold-Würth Hochschule, sowie der Haltepunkt Bären in der Innenstadt angeschlossen. So ergeben sich sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft sinnvolle Synergieeffekte. Auch eine Kombination mit dem Lieferservice der Werbegemeinschaft ist angedacht und befindet sich gerade in der weiteren Planung. Durch die beiden anvisierten Teststrecken, kann die Bekanntheit der autonomen Mobilität, Mehrwerte für alle Beteiligten sowie eine Sensibilisierung des Themas erfolgen. Die Potenziale des Projektes sind besonders auf mittel- und langfristige Sicht hochinteressant.

Kosten: 600.000 Euro

Das Pilotprojekt des automatisierten Bürgershuttles kostet rund 614.823 Euro Gesamtkosten, wobei 406.129 Euro vom Land Baden-Württemberg übernommen werden. Die restlichen finanziellen Mittel werden von den beteiligten Akteuren getragen. „Erfreulich ist zudem, dass die Linie über die Innenstadt zur Hochschule und zurückgeführt wird. Ich bin gespannt, wenn es im nächsten Frühjahr wirklich losgeht. Ich bin allen beteiligten Akteuren sehr dankbar“ so Bürgermeister Stefan Neumann.

 

Projektauftakt mit den beteiligten Akteuren im September, v.l.: Thorben Heinrichs – hfcon, Marc Stegmaier –Stegmaier Nutzfahrzeuge, Armin Müller – emm! solutions, Christoph Bobrich – Stadtverwaltung Künzelsau, Johannes Schmidt – emm! solutions, Christian Freiherr von Stetten – Residenz Schloß Stetten, Raoul Zöllner – Hochschule Heilbronn. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.

So könnte der autonome Shuttlebus aussehen. Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau.