„Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“
Nach Dänemark, Norwegen, Island und Bulgarien, Irland und die Niederlande zog Deutschland am Dienstag, den 15. März 2021, nach und setzte ebenfalls die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff aus – „eine reine Vorsichtsmaßnahme“, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressekonferenz in Berlin sagte (unter anderem auf ntv zu sehen https://www.n-tv.de/politik/Deutschland-setzt-Impfungen-mit-Astrazeneca-aus-article22426727.html). Dies erfolge auf eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts hin und betreffe sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen (https://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2021/210315-voruebergehende-aussetzung-impfung-covid-19-impfstoff-astra-zeneca.html).
Starke Impfreaktionen
„Hintergrund sind neu gemeldete Fälle von Thrombosen der Hirnvenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung stehen“, so Spahn. Über starke Impfreaktionen nach einer Impfung gegen das Coronavirus hatte GSCHWÄTZ bereits zuvor berichtet (https://www.gschwaetz.de/2021/01/26/das-fing-mit-knubbel-am-hals-an/ und https://www.gschwaetz.de/2021/01/28/atemprobleme-nach-impfung/). Allerdings hatte die Frau in unserem Bericht zwei unterschiedliche Chargen des Biontech/Pfizer-Präparats bekommen.
Die EMA entscheidet
Insgesamt sieben Fälle von Hirnvenenthrombosen bei 1,6 Millionen Impfungen seien registriert worden – das sei so beträchtlich, dass „eine Aussetzung gerechtfertigt sei“, heißt es in dem Spahn-Video weiter. Und: „Menschen, die bereits eine Gabe des Vakzins erhalten hätten und die bis zu vier Tage nach der Impfung zunehmend unter Kopfschmerzen litten oder punktförmige Hautblutungen bei sich entdeckten, sollten sich umgehend an einen Arzt wenden.“ Nun werde die Europäische Arzneimittelbehörde EMA darüber entscheiden, „ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken“. Sollte die EMA positiv für AsraZeneca entscheiden, könnten „Folgeimpfungen gegebenenfalls nachgeholt“ und dann auch insgesamt „über den Fortgang der Impfungen entschieden werden“.
Ein schwerer Stand von Anfang an
Der Impfstoff von AstraZeneca wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt und wird in Großbritannien und anderen Ländern großflächig eingesetzt. Er gilt als besonders preiswert und gut zu handhaben, weil er nicht so stark gekühlt werden muss wie die anderen Vakzine, aber auch als weniger wirksam als andere Vakzine wie beispielsweise die von Biontech/Pfitzer oder Moderna. Von Anfang an hatte der Impfstoff einen schweren Stand. Von Impfstoff „zweiter Klasse“ war die Rede und dass er nur begrenzt gegen die Südafrika-Mutante des Corona-Virus wirke (auch GSCHWÄTZ berichtete darüber https://www.gschwaetz.de/2021/02/26/lehrer-bekommen-keinen-impfstoff-zweiter-klasse-betont-das-regierungspraesidium-baden-wuerttemberg/).
Debatte über Sicherheit des Impfstoffs
Zudem war das Vakzin in Deutschland anfänglich lediglich für 18- bis 64-Jährige zugelassen, denn für ältere Menschen habe es keine ausreichenden Studien gegeben. Die Ständige Impfkommission (Stiko) war hier nicht der EMA gefolgt, die AstraZeneca auch für ältere Menschen empfohlen hatte (https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-covid-19-vaccine-astrazeneca-authorisation-eu). Das warf natürlich Fragen auf, weil zur Risikogruppe vor allem über 80-Jährige gehören, die eigentlich zuerst geimpft werden sollen. Eine Debatte über die Sicherheit des Impfstoffs begann. Pflegekräfte, die bevorzugt mit dem Impfstoff versorgt werden sollten, sollen das Angebot reihenweise abgelehnt haben.
Neue Studiendaten
Erst Anfang März revidierte die Stiko ihre Einschätzung und gab den Impfstoff auch für über 65-Jährige frei. Auf der Homepage des Robert Koch-Insituts heißt es, dass diese Entscheidung „auf einer intensiven Analyse und Bewertung von neuen Studiendaten, die erst innerhalb der vergangenen Tage als Vorab-Publikationen verfügbar wurden“, beruhe (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/AstraZeneca-Impfstoff.html). Daten aus England und Schottland würden die Wirksamkeit „eindrücklich belegen“. Die Stiko empfiehlt zwei Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin, wobei der Abstand zwischen beiden Gaben „möglichst zwölf Wochen“ betragen solle.
„Diese Entscheidung ist eine fachliche und keine politische“
„AstraZeneca wird in vielen Ländern der Welt millionenfach verimpft“, sagte Minister Spahn in seinem Statement vor der Presse. Doch da für ihn immer klar gewesen sei, „dass diese Entscheidung eine fachliche und keine politische“ sei, folge er der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts. Nun müsse auch die Frage geklärt werden, „ob der Nutzen der Impfung größer ist als mögliche Risiken“. „Diesen Prozess der Prüfung warten wir jetzt ab“.