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Nachhilfe in Sachen Hitlergruß

Wissen Sie als deutsche/r Staatsbürger:i noch etwas über das dritte Reich? Zum Beispiel wie der Hitlergruß geht? Wenn nicht, keine Sorge. Andere Nationalitäten wissen es auch nicht.

Unsere freie Mitarbeiterin Cora-Lee Pusker war für ein paar Wochen in den Sommerferien in Kanada, im ihre Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch zu verbessern. Welche Vorurteile ihr hier teilweise begegnet sind, weil sie deutsch ist, verschlug ihr die Sprache – aber nur im ersten Moment. Für uns hat Cora-Lee nochmal die Höhepunkte kultureller Vorurteile zusammengefasst und niedergeschrieben.

Deutschland = Adolf Hitler – Schade, dass manche so denken

In den Sommerferien bin ich mit 17 Jahren alleine nach Kanada gereist. Für vier Wochen war ich dort, um Französisch und Englisch in der Sommerschule zu lernen. Dabei war ich eine von wenigen Deutschen. Die anderen vielen verschiedenen Nationalitäten überwogen. Auch das Alter von den Teilnehmenden variierte. Manche in meinem Alter, aber auch etwas jünger oder etwas älter. Ich erhielt viele Eindrücke über andere Kulturen und viele der Teilnehmenden interessierten sich auch für die deutsche Kultur. Dabei fiel auf: Die Welt denkt immernoch: Deutschland sei Adolf Hitler.

„Muss ich als Ausländer Angst vor den Nazis in Deutschland haben?“

Einer meiner Betreuer, welcher der mexikanischen Gemeinschaft angehört, erzählte mir er wolle nach Deutschland, um zu studieren. Er war sehr motiviert und froh, eine Deutsche vor sich zu haben, an die er wichtige Fragen loswerden kann, die in über Deutschland und die deutsche Mentalität, beschäftigen. „Muss ich als Ausländer Angst vor den Nazis in Deutschland haben?“, war die Sorge, die ihn am meisten umtrieb. Unbegründet, denn wir schreiben ja schließlich das Jahr 2022.

Zunächst war ich verwirrt, ob er mir diese Frage wirklich gestellt hatte, aber ich erkannte den erwartenden Blick. Als ich ihm dann schließlich nach einer geschockten Pause meinerseits, erkläre, dass nationalsozialistische Ideologien verboten sind,war er überaus erleichtert, jedoch auch etwas verwirrt. „Also gibt es wirklich keine Nazis mehr in Deutschland?“ Diese Frage überlasse ich den Geschichtsprofis unter euch, sie zu beantworten.

Diese Frage schockte mich noch mehr

Denn dieses Fach dient in unserem Bildungssystem schließlich zur Aufklärung des Themas. Aber auch das wissen viele Nationalitäten nicht. Eine erwachsene Frau, die aus Jerusalem kommt, sprach mich darauf an. „Lernt ihr eigentlich noch, was ihr damals im zweiten Weltkrieg, getan habt?“ Das war ihre Frage, welche mich noch mehr schockte und ich eine noch längere Pause brauchte, bevor ich ihr geantwortet habe, dass wir in der Schule ein ganzes Unterrichtsfach haben, welches sich um dieses Thema dreht. Daraufhin bekam ich ein zufriedenes Nicken. Dennoch fühlte ich mich angegriffen, denn ich hatte doch damals gar nichts damit zu tun, zu dieser Zeit war ich ja noch nicht einmal geplant gewesen, als 2005er Jahrgang.

Mir fällt die Kinnlade herunter

Aber sei es drum. Wo bei uns die Bildung anfängt, hört sie bei den anderen eben auf. So wie bei einer Chinesischen Jugendlichen, welche höfliche von anstößigen Handzeichen nicht unterscheiden kann. So sitze ich nichtsahnend im Französischunterricht. Wir sind gerade am Besprechen einer Aufgabe und ich melde mich, da ich die Lösung kenne und es unhöflich ist, einfach rauszurufen. Meine Gegenüber fragt daraufhin in die Runde, warum ich denn immer den Hitlergruß mache. Immer noch meldend, mit nach oben ganz ausgestrecktem Arm und meinem Zeigefinger abgespreizt, fällt mir auf diese Frage nun wirklich die Kinnlade herunter. Alle Augen richteten sich auf mich und ich erklärte ihr, mithilfe gebildeter Mitschüler, dass das nicht der Hitlergruß ist, dass dies lediglich ein Ausdruck dafür ist, dass ich etwas weiß und die Lehrerin, das zur Kenntnis nehmen kann, ohne von mir unterbrochen zu werden – dasss es sich also um reine Höflichkeit und reinen Respekt handelt. „Und wie geht der Hitlergruß dann?“, frakt sie. Das soll ihr ihr Geschichtslehrer doch besser erklären, falls dieser überhaupt vorhanden sein sollte.

Text: Cora-Lee Pusker