„Aber ich bin der Abgeordnete von Hohenlohe und nicht der Abgeordnete nur von Künzelsau oder von Dörzbach“
Am 14. März 2021 sind Landtagswahlen. Anbei veröffentlichen wir den zweiten Teil des Interviews mit dem CDU-Landtagskandidaten für Hohenlohe, Arnulf von Eyb darüber, warum er keinen Tesla fährt, Winfried Kretschmann kein Motor für Baden-Württemberg ist, warum der Hubschrauber für Künzelsau anstelle des Krankenhauses fliegen soll und was Milchkannen mit schnellem Internet zu tun haben.
Disput mit Anton Baron
GSCHWÄTZ: Die zweite große Krise neben der Coronakrise, ist die Klimakrise. Unter anderem sind auch zahlreiche Schüler, unter anderem vom Schloßgymnaisum in Künzelsau auf die Straße gegangen im Rahmen von Klimademos. Der AfD-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises, Anton Baron, hat in diesem Zuge kritisiert,dass Schule darf nie politisch werden. Sie haben dagegen argumentiert.
Klimademos: „Ich möchte kritische junge Menschen haben“
Arnulf von Eyb: Zum einen: Es war keine Organisation der Schule, sondern das haben Schüler gemacht, ist das eine. Zum anderen: Ich möchte kritische junge Menschen haben. Ich möchte, dass auch die Künzelsau oder die Öhringen oder die Krauthammer Schüler sich mit diesem Thema beschäftigen, das ja Millionen von jungen Menschen beschäftigt. Übrigens nicht nur die jungen, sondern auch die alten und überhaupt alle. Und wenn die dann was organisieren und sich schlau machen und sich entsprechend auch informieren, dann ist das meines Erachtens völlig in Ordnung und davon zu sprechen, dass eine Indoktrination stattfindet oder ähnliches. Das finde ich völlig übertrieben.
„Das finde ich völlig übertrieben“
GSCHWÄTZ: Könnten Sie sich denn auch auf Bundesebene eine grün-schwarze oder schwarz-grüne Koalition vorstellen? Die Bundestagswahlen sind ja im Herbst.
von Eyb: Die ersten fünf Jahre Grün-Rot habe ich in sehr schlechter Erinnerung. Ich glaube, das waren auch Jahre des Stillstandes in Baden-Württemberg. In der zweiten Legislaturperiode, in der ich dabei war, haben wir jetzt Grün-Schwarz. Das ist sehr viel besser, wir haben hervorragende Minister. Wir haben einen guten stellvertretenden Ministerpräsidenten. Aber wenn schon Grün-Schwarz, dann werden wir Schwarz-Grün natürlich lieber. Ich möchte ganz gerne in meiner sicherlich auch letzten Periode – unterstellt, ich werde nochmal gewählt – würde ich gerne auch im Staatsministerium ein und ausgehen können, dass der Pförntner weiß: Da kommt der Abgeordnete aus Hohenlohe und man muss sich nicht groß anmelden. Ich glaube, das täte Baden-Württemberg gut. Und Frau Dr. Eisenmann [Anm. d. Red.: CDU, aktuell Kultusministerin in Baden-Württemberg] ist eine unglaublich engagierte Politikerin und ich glaube, sie wird etwas frischen Wind ins Staatsministerium bringen. Das heißt aber nicht, dass ich den Ministerpräsidenten nicht als Person sehr schätze, das kann ich offen dazusagen. Aber als Ministerpräsidenten weitere fünf Jahre wünsche ich ihn mir nicht, weil er in meinen Augen zu wenig die Zukunft des Landes Baden-Württemberg im Auge hat.
GSCHWÄTZ: Aber viele Bürger wünschen sich ja mehr Grün, mehr grüne Politik. Oder kann die CDU auch grün?
von Eyb: Die CDU kann grün. Die CDU war immer eine Partei, der es darum geht, das Beste zu machen, auch was die Natur anbelangt. Ich will nur ein kleines Beispiel nennen. Eine gute, naturnahe Lebensweise kann es nur geben, wenn wir Technologieführer sind in vielen Bereichen. Wir haben die Flüsse sauber gemacht, wir können die Schornsteine sauber machen. Dafür braucht man aber Geld. Ich war in Indien mit einer Reise des Ausschusses und da wurde uns ganz offen gesagt: Bevor unsere Kinder nicht eine vernünftige Schulbildung haben, interessieren wir uns nicht für die Reinheit unserer Flüsse. Und bei uns ist es umgekehrt Wir haben reine Flüsse, weil wir auch eine gute Schulbildung haben. Und ich glaube, wir brauchen Technologieführerschaft, um die Probleme der Zukunft zu bewältigen. Ich glaube insofern, da ist der Ministerpräsident bei aller persönlicher Wertschätzung nicht der Motor ist, den wir in Baden-Württemberg für die Zukunft brauchen.
GSCHWÄTZ: Manche CDU-Politiker auch aus dem Hohenlohekreis fahren ja auch Tesla. Sie auch?
von Eyb: Das ist völlig in Ordnung. Ich fahre kein Tesla. Ich habe ein Fahrzeug, das aller Voraussicht nach in Stuttgart zusammengebaut wurde. Aber sehr viele Einzelteile kommen sicherlich aus Hohenlohe.
„Kein verantwortungsvoller Landwirt düngt mehr als nötig“
GSCHWÄTZ: Stichwort Düngeverordnung. Das ist ja auch immer so ein streitpunkt zwischen den Grünen und der CDU.
von Eyb: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen verantwortungsvollen Landwirt gibt, wenigstens kenne ich keine hier, die mehr düngen als nötig. Nach dem Motto: Viel hilft auch viel. Unsere Landwirte sind extrem gut ausgebildet. Man muss sich fragen: Was kann ich? Was darf ich? Was ist vernünftig? Aber derjenige, der sät, der will irgendwann auch ernten. Und es ist ganz schön, dass man sich weniger wünscht. Aber man muss sich auch die Frage stellen: Wie kriege ich das hin? Und man kann von dem Landwirt nicht erwarten, dass er weniger düngt und dadurch die Hälfte seiner Ernte kaputtgeht oder sogar noch mehr. Wir können aber auch nicht verheimlichen, dass wir manch einen Stoff brauchen. Denken wir nur an den Weinbau. Da wird dann Kupfer ausgebracht. Also Kupfer ist ja nicht unbedingt das Beste für die Natur. Also man muss auch ein bisschen ehrlich sein.
„Ich habe vor wenigen Tagen einer Dame geschrieben“
GSCHWÄTZ: Man hat ja schon über die Jahre dazugelernt und hat dann doch immer wieder neue Verordnungen gemacht, weil man erkannt hat, dass diverse Stoffe eben nicht so gut sind für den Menschen.
von Eyb: wenn die Menschen sagen, man geht dann an den Lebensmitteln irgendwie kaputt oder so, da bin ich sehr skeptisch. Ich habe vor wenigen Tagen einer Dame geschrieben. Und die Dame ist 106 Jahre alt geworden. Und ich gehe mal davon aus. 106 Jahre wird man nicht so ohne weiteres. Man, weil man sich vernünftig ernährt hat, weil man eine gute Konstitution hat. Und wir müssen darüber hinaus auch acht geben darauf, dass wir auch satt werden. Und ich möchte die Lebensmittel auch aus Deutschland haben. Ich möchte auch regional ernährt werden. Wir laufen Gefahr, dass Menschen, die nicht in dieser Produktionskette drin sind, die keine Ahnung haben, gewisse Stimmungsbilder erzeugen. Da müssen wir vorsichtig sein.
„Aber ich bin derAbgeordnete von Hohenlohe und nicht der Abgeordnete nur von Künzelsau oder von Dörzbach“
GSCHWÄTZ:Wenn Sie wiedergewählt werden sollten am 14. März 2021 – was möchten Sie noch bewirken für den Hohenlohekreis?
von Eyb: Es bleibt einmal die Infrastruktur. Um die müssen wir uns nach wie vor kümmern. Schule, Straße. Wir kriegen ein neues Krankenhaus in Öhringen.
GSCHWÄTZ: Leider nicht in Künzelsau.
von Eyb: Ja gut. Aber ich bin vier Abgeordnete von Hohenlohe und nicht der Abgeordnete nur von Künzelsau oder von Dörzbach oder wie auch immer. Ich bin überhaupt froh, dass wir ein modernes Krankenhaus hier bekommen. Das Jagsttal hat es ja relativ nah zu Bad Mergentheim. Ich glaube, die Entscheidung, die war sehr schwierig. Ich bin nicht im Kreistag, aber ich glaube letztendlich, die Entscheidung war nachvollziehbar, dass es so gekommen ist. Dann müssen wir sehr viel in die Infrastruktur investieren, was Breitband anbelangt. Da müssen wir noch zusätzlich Gas geben, obwohl wir ja jetzt schon das Zehnfache von dem gemacht haben. Und wir haben sehr viel zu tun, was unser Handwerk anbelangt. Wir müssen unseren Mittelstand stärken. Wir müssen unseren jungen Menschen entsprechende Perspektiven geben und da wird auch viel unternommen.
„Wenn ein einzelner Ort sagt: Ich bin schlecht angebunden, dann kann ich nicht sagen: Ich konzentriere mich jetzt auf den Ort“
GSCHWÄTZ: Stichwort Breitbandversorgung. Wir haben ja vor zwei Jahren schon mal ein Interview gehabt und da war das Thema Breitbandversorgung am Beispiel Eberbach eine ganz großes Thema, weil die Macher sich beschwert haben, dass sieteilweise nicht mal Handyempfang haben und sich erhofft haben, dass die Politik da ein bisschen Abhilfe schafft.Hat sich da mittlerweile etwas getan?
von Eyb: Nein, so einfach geht es natürlich auch nicht. Wenn ein einzelner Ort sagt,ich bin jetzt schlecht angebunden, dann kann man nicht sagen, ich konzentriere mich jetzt auf den Ort. Es muss ja im Gesamtsystem passen. Es gibt Ortschaften, die sehr gut versorgt sind. Nehmen wir mal meine Heimatgemeinde Dörzbach, da wurde die Straße also dort neu gemacht. Warum wurde die Straße neu gemacht? Weil die Wasserleitungen neu gemacht werden mussten. Und wenn man die Straße neu macht, dann ist es nachvollziehbar, dass man auch andere moderne Versorgungsstränge gleich mitverlegt. Und die haben jetzt teilweise Glasfaser quasi ins Haus. In Buchenbach neben Eberbach will man jetzt Masten aufstellen, aber das passt auch nicht so recht. Also ich bin überzeugt, es wird noch ein paar Jahre dauern, aber bis 2025 haben wir das Versprechen, glaube ich, durchgesetzt, an jeder Milchkanne tatsächlich schnelles Internet zu haben.
„An jeder Milchkanne schnelles Internet“
von Eyb: Thema Krankenhaus. Die Schließung ist mittlerweile vollzogen. Den Künzelsauer Standort gibt es nicht mehr. Es wurde versprochen, dass der Rettungsdienst gestärkt wird und dass auch ein solides MVZ da ist. Wie sehen Sie das heute? Ist der Rettungsdienst gestärkt worden? Wenn ja, inwiefern? Und ist das MVZ so, wie Sie es sich vorgesteltt haben? Derzeit sind ja zwei Ärzte drin.
von Eyb: Also der erste Hinweis: Das ist natürlich ein Thema des Kreistages und ich bin nicht Mitglied des Kreistages. Und ich tue mich immer schwer, wenn ich weiß, wie viele Menschen da zusammenkommen und diskutieren und abwägen und Gutachten anschauen. Dass das Krankenhaus in Künzelsau geschlossen wurde, ist natürlich eine bedauerliche Sache. Die Versorgung, die menschliche Versorgung, sie war exzellent. Da hat man immer wieder Gutes gehört. Aber es geht ja nicht nur um die Frage darum, sondern es geht hier auch um die medizinischen Möglichkeiten. Das MVZ wird kommen oder ist es schon angelaufen. Und das mit dem Rettungsdienst, das wird auch kommen. Man diskutiert ja gerade hier, dass wir auch mit einem Hubschrauber besser angeflogen werden können oder versorgt werden.
„Man diskutiert ja gerade hier, dass wir auch mit einem Hubschrauber besser angeflogen werden können oder versorgt werden. „
GSCCHWÄTZ: Aber eigentlich wollte man ja erst das Krankenhaus schließen, wenn diese ganzen Dinge schon da sind und nicht vorher schon.
von Eyb: Gut, also da bin ich jetzt der falsche Ansprechpartner. Ich kann das ja nur zur Kenntnis nehmen und ich unterstütze da, wo ich kann. Das ist meine Aufgabe im Landtag eben auch dafür zu sorgen, z.B. dass die Landarzt-Quote kommt, damit wir eine medizinische Versorgung überall haben, nicht nur in den größeren Städten, sondern auch im Land. Aber das sind alles Prozesse, die gehen nicht von heute auf morgen. Aber man muss sie irgendwann mal angucken und dann entsprechend fördern.
Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann