1

Warum nicht einfach Busfahrer sein, wenn’s mit dem Gastrogewerbe gerade nicht so klappt?

Ceyhan Akin betreibt in Forchtenberg eine Sportsbar, die coronabedingt seit mehreren Monaten zum zweiten Mal nicht öffnen darf. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die lokalen Landtagsabgeordneten auf ihren Veranstaltungen zu besuchen und sie über die sehr schwierige finanzielle Situation der Gastronomie aufmerksam zu machen. Vor kurzem haben wir über seine Begegnung mit dem SPD-Kandidaten Patrick Wegener berichtet, der ruhig und verständnisvoll reagierte und sich anhörte, was der Barbetreiber zu sagen hatte.

Am 12. März besuchte Akin nun zuerst den CDU-Infostand und damit verbunden den CDU-Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb in Künzelsau und im Anschluss daran den Infostand der Grünen mit der Landtagskandidatin Catherine Kern in Niedernhall. Beide Kandidaten wies er auf seine finanzielle Lage hin und filmte ihre Reaktionen.

Während Arnulf von Eyb Akin darauf verwiesen hat, dass er keine Zeit habe, da er gerade Wahlwerbung macht und man könne sich gerne nach der Wahl gerne einmal unter vier Augen unterhalten, schritt Barbara Bruhn von den Grünen ein und stellte sich vor Catherine Kern. Sie verwies Akin darauf, dass der Hohenlohekreis händeringend Busfahrer suche und da Akin von seinem ursprünglichen Beruf Kraftfahrer sei, hätte er ja in dieser schweren Zeit als Busfahrer arbeiten können.

Akins Fazit nach den Gesprächen: Am besten hat in seinen Augen der SPD-Kandidat Patrick Wegener reagiert.

Hier geht’s direkt zu den drei kurzen Videos von Ceyhan Akin:

https://www.facebook.com/ceyhan.akin.9

 

 




„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

Es wird das letzte Mal sein, dass er bei einer Landtagswahl kandidiert, verrät Arnulf von Eyb im GSCHWÄTZ-Interview. Nur 17 Stimmen Vorsprung hatte der 65-Jährige bekommen bei der CDU-Nominierungsveranstaltung im Hohenlohekreis. Im GSCHWÄTZ-Interview (Teil 1) sagt er uns, warum er mit der Werte-Union und der AfD nicht viel anfangen kann, Eltern überfordert sind mit der Homeschooling-Situation und die Hohenloher auf hohem Niveau jammern.
Am Sonntag, den 14. März 2021, sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. GSCHWÄTZ veröffentlicht ab sofort alle Informationen zu den Landtagswahlen – inklusive Kandidatenchecks mit Interviews mit Landtagskandidaten des Wahlkreises Hohenlohe (unter anderem der #SPD , den #Grünen , der #AFD und der #FDP ) sowie einem ausführlichen Wahlcheck. Also. SCHWÄTZ MER.

GSCHWÄTZ: Ich darf heute zum Wahlcheck für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021 Arnulf von Eyb bei uns in der GSCHWÄTZ-Redaktion begrüßen. Er ist der CDU Landtagskandidat für den Hohenlohekreis und das wurde er mit einem hauchdünnen Ergebnis bei der Nominierung. Waren die 17 Stimmen Vorsprung zu ihrem Mitbewerber überraschend für Sie, dass es nur so hauchdünn war?

„Ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt“

von Eyb: Also ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt und ich wusste auch, dass es eine, ja, wie soll ich sagen, eine gewisse Stimmung gab, die mir kritisch gegenüberstand. Aber wie das bei Wahlen so ist, man weiß es nie im Vorfeld, und es hat auf jeden Fall gereicht. Und das ist für mich entscheidend. Ich bin ein liberaler Mensch und ich bin ein ruhiger und unaufgeregter Politiker, das werde ich auch bleiben. Ich haue keine Schlagworte raus, sondern ich mache meine Arbeit, so gut ich sie sie kann. Und der ein oder andere hätte vielleicht irgendwie etwas Kritisches in der einen oder anderen Richtung verlangt, aber ich habe es nicht getan. Ich weiß auch, warum ich das getan habe. Und ich glaube, die Arbeit eines Politikers bedeutet letztendlich, solide Arbeiten das ganze Jahr über und nicht in der Sekunde irgendeiner Stimmung nachgehen. Das mache ich nicht. Und das könnte auch der Grund sein, weshalb der eine oder andere sagt, ich bin vielleicht zu wenig konservativ. Dabei bin ich urkonservativ, aber eben in dem Sinne, wie ich es für richtig erachte.

Kein Anhänger der Werteunion, also des konservativen Flügels der CDU

GSCHWÄTZ: Wurde Ihnen das gesagt, dass Sie zu wenig konservativ sind?

von Eyb: Es gibt hier eine gewisse Strömung, die es auch innerhalb der CDU gibt, diese so genannte Werte-Union [Anm. d. Red.: konservative Bewegung in der CDU]. Das wurde mir auch ganz offen gesagt, dass ich zu merkelfreundlich sei. Und das ist auch nicht richtig. Aber ich bin ein liberaler Mensch und ich glaube, dass die Politik in Deutschland relativ gut läuft. Das sagen ja auch die Umfragen, und mit der Werte-Union kann ich persönlich nicht sehr viel anfangen. Das habe ich gesagt. Ich habe auch gesagt, dass ich mit der AfD nicht wahnsinnig viel anfangen kann und der eine oder andere sagt dann, dann ist er mir einfach zu liberal, ich möchte jemand, der vielleicht etwas konservativer ist, in einer ganz bestimmten Richtung, das verstehe ich nicht unter Konservatismus.

GSCHWÄTZ: Könnte das auch der Grund sein, dass Sie vielleicht von manchen als zu liberal empfunden werden, dass die AfD hier so ungemein punkten konnte vor fünf Jahren?  Anton Baron hat ja über 17 Prozent bei den letzten Landtagswahlen erzielt.

AfD konnte im Hohenlohekreis bei den letzten Landtagswahlen wegen der Flüchtlingskrise so viel punkten, vermutet Arnulf von Eyb

von Eyb: Ja gut, damals war das sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Flüchtlingskrise noch nicht verarbeitet war, dass sehr viele da eine Bedrohung gesehen haben und vor allen Dingen auch manche Wähler, die dann möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns gekommen sind. Also ganz offen ausgesprochen, die dann vielleicht auch die Sorge gehabt haben, dass ihnen etwas weggenommen wird. Jetzt sind sie mühsam hier angekommen und haben vielleicht die Sorge, dass sie zu kurz kommen oder ähnliches. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht genau sagen.

„Manche Bürger, die möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns bekommen sind und dann vielleicht Sorge haben, dass ihnen etwas weggenommen wird“, wählen die AfD

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie denn heute, also 2021, die Stimmung im Land ein? Für die CDU? Für die AfD? Was denken Sie, wieviel  Prozent wird es geben im März?

von Eyb: Also ich kann ja nur das sagen, was die Demoskopen so uns erzählen oder sagen oder berichten. Und mal sind die Grünen vorne, mal sind wir vorne, dann ist es Gleichstand. Aber ich glaube auf jeden Fall, die AfD wird nicht mehr so stark sein in Hohenlohe wie vor einigen Jahren. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Menschen merken, dass da eigentlich nichts Positives gearbeitet wird. Da wird sehr viele Schlagwörter rausgehauen und da werden alle möglichen Positionen eingenommen, die in meinen Augen einfach nicht tragbar sind. Und ich glaube, die werden ein paar Prozent weniger haben. Und ich hoffe natürlich, dass ein Teil der Wähler, die damals vor Enttäuschung zur AfD gegangen sind, dass die vielleicht auch zur CDU zurückkehren, wenn sie überhaupt bei uns gewesen sind. Also die Demoskopen sagen uns, es wird nicht so sein, dass wir alle diejenigen, die nicht mehr AfD wählen, dass wir die bekommen, die gehen vielleicht auch zu anderen Parteien oder sie gehen vielleicht gar nicht mehr wählen.

GSCHWÄTZ: Die AfD kritisiert ja den Kurs der Kanzlerin bezüglich den ganzen Corona-Maßnahmen. Sie haben gerade gesagt, manche schätzen sie als Merkel-Anhänger ein. Dabei sind sie das eigentlich gar nicht. Wie sehen Sie denn diese ganze Corona-Politik?

„52-jährige Chefin schwer an Corona erkrankt“

von Eyb: Ich habe gerade eben mit einem Oberarzt gesprochen von einer Klinik außerhalb des hohen Hohenlohekreises, der mir erzählt hat, dass seine 52-jährige Chefin, eine eigentlich gesunde Frau, schwer an Corona erkrankt ist und er behandelt gerade ein 15-jähriges Mädchen. Also ich glaube, Corona ist eine große Gefahr und ich glaube, weil es eine große Gefahr ist, müssen wir uns alle danach richten, dass wir so wenig Potenziale schaffen, um andere Menschen in Gefahr zu bringen und diese Politik trage ich im Wesentlichen mit. Es gibt immer Details, wo man irgendetwas anders sehen könnte, aber im Wesentlichen glaube ich, dass es richtig ist, den Versuch zu unternehmen, dass möglichst wenig Menschen die Chance haben, andere anzustecken. Und das ist halt nur mit Beschränkungen möglich. Anders ist es nicht denkbar.

„Coronapolitik trage ich im Wesentlichen mit“

GSCHWÄTZ: Warum hat man nicht einfach im Frühjahr 2020, wir machen einen kompletten Shutdown. Gleich am Anfang haben ja viele auch gesagt, das Land komplett herunterfahren, 2 Wochen, 3 Wochen, 4 Wochen. Dann wäre vielleicht vieles schon schneller überstanden gewesen, womit wir jetzt immer noch zu kämpfen haben.

Kompletter Shutdown gleich am Anfang der Pandemie wäre vielleicht eine gute Option gewesen, aber „man ist nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer als vorher“

von Eyb: Ja, da stimme ich zu. Aber das Problem ist halt, dass man nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer ist wie vorher. Ich bin überzeugt, wenn man gesehen hätte, dass man mit vier Wochen oder sechs Wochen radikal runterfahren das Problem in den Griff kriegt…aber jeder Ministerpräsident hat natürlich auch irgendwie die Befürchtung gehabt, dass sein Land vielleicht besonders schlecht wegkommt. Der Einzelhandel stöhnt, die Gastronomie stöhnt. Alles verständlich. Und dass man da vielleicht gehofft hat, mit weniger harten Maßnahmen doch zum Ziel zu kommen, ist in meinen Augen verständlich.

„Es gibt kein „Staatslehrbuch dafür“

GSCHWÄTZ: Und zum anderen mussten Politiker wie auch Wissenschaftler erst einmal selbst überprüfen, was ist das überhaupt, was da auf uns zukommt. Da steht man ja am Anfang auch als Kommunalpolitiker wahrscheinlich erst einmal da und muss sich erst mal einlesen, 0der?

„Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da“

von Eyb: Ja, es ist wie mit der Flüchtlingskrise Es gibt kein Staatslehrbuch, wo man auf die Seite 943 geht und bis 1350 liest, wie man eine Pandemie bewältigt. Das hat es auch bei der Flüchtlingskrise nicht gegeben. Dann heißt das, die Politik muss versuchen, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, das Beste draus zu machen. Und ich glaube, wenn wir in den internationalen Vergleich schauen, dass es Deutschland so schlecht gar nicht gemacht hat,

„Eltern kommen auf mich zu, die fordern, dass die Schulen wieder aufgemacht werden sollen, dass man sie entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind“

GSCHWÄTZ: Kommen denn Bürger aus dem Hohenlohekreis  gezielt auf sie zu, die nun durch die Coronaßnahmen allmählich am Limit fahren?

von Eyb: Ja, das kriege ich mit. Und zwar nicht täglich, sondern quasi stündlich. Mich rufen Eltern an, die zum Beispiel fordern, dass die Schule wieder aufgemacht wird. Die fordern, dass man sie endlich auch entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind. Es rufen mich immer auch Eltern an, die sagen, sie haben Angst um Opa und Oma, sie haben Angst, dass irgendetwas passiert. Sie wollen, dass die Schule überhaupt nur noch digital geführt wird. Also das Meinungsspektrum, das ist so irrsinnig weit, dass ich kürzlich in einem Interview gesagt habe: Ich möchte jetzt alles sein, nur nicht die Verantwortung für das Kultusministerium zu haben. Und wir sehen es hier an der armen Frau Dr. Eisenmann, in welchem Spannungsverhältnis sie jeden Tag kommt. Es gibt radikale Forderungen in die eine Richtung. Es gibt radikale Forderungen in die andere Richtung und irgendwie muss man Ausgleich finden. Und ich finde, das macht sie prima.

GSCHWÄTZ: Sie ist auch mittlerweile ein bisschen auf Distanz zu dem Kurs von unserem Ministerpräsidenten gegangen, was  die Schulen betrifft. Da hat sie ja ganz klar darauf, dass man alles dafür tun müsse, die Schulen so früh wie möglich wieder zu öffnen. Da kam der Herr Kretschmann ein bisschen hinterher gehängt.

„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

von Eyb: Also wenn ich die Stimmungslage, die mir bekannt ist, bewerte und ich kann nur bewerten das, was ich hier höre, dann wünscht sich der größte Teil der Eltern  eine vernünftige Beschulung. Sie sehen  vielleicht gewisse Schwierigkeiten im Nahverkehr. Das mag sein. Oder in der Schülerbeförderung, sag ich mal so, aber sie wollen auf jeden Fall, dass die Schulen wieder aufgemacht werden. Sie sehen zum einen das Argument, Schüler stecken sich nicht so leicht an. Und wenn man es ordentlich macht, dann ist ja auch in der Vergangenheit aus diesem Bereich relativ wenig passiert. Und sie sehen einfach, wie sie selber überfordert sind. Also wenn eine Mutter, auch wenn sie noch so gebildet ist und noch so viele technische Möglichkeiten hat, wenn die zwei Kinder hat und nebenher noch Home Büro machen soll, wie soll sie das bewältigen? Das bewältigt sie kaum und irgendwann ist man dann so genervt, dass man zum Hörer greift oder mich anruft. Oder. Oder eine SMS schreibt. Oder WhatsApp-Nachrichten. Also meine Nummer ist ja vielen Menschen bekannt und ich werde bestürmt mit entsprechenden E-Mails. Und ich antworte jedem so gut es geht. Und in den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig. Man kann den Einzelnen ja nicht immer im Detail berichten, was da im Hintergrund an Überlegungen angestellt werden, um die Pandemie im Griff zu kriegen. Aber wenn man mit den Menschen sich unterhält das Gespräch endet fast immer relativ freundschaftlich. Aber ich rede natürlich auch mit älteren Menschen und die sagen mir manchmal also lieber einmal ehrlich. Es ist sicherlich schwierig für unsere Enkel oder Urenkel. Aber wir haben ganz andere Sachen ertragen müssen über eine viel längere Zeit. Wir hatten kein Skype, wir hatten kein Radio, wir hatten kein Telefon. Wir hatten keine Geräte, die man ein iPhone nennt oder wo man mit Freunden immerhin noch in Kontakt treten kann. Das hatten wir alles nicht. Und die glauben nicht, dass die Kinder einen so bleibenden Schaden davontragen, dass wir nachher alle in psychologische Beratung schicken müssen. Also so schlimm wird es hoffentlich nicht kommen.

„In den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig“

GSCHWÄTZ: Also ist das Jammern auf hohem Niveau?

von Eyb: Ja, also zuweilen denkt man, es ist vielleicht auch mal ganz gut, wenn man den ein oder anderen erlebt. Es kann nicht immer schneller, höher, weiter gehen, dass man auch mal merkt, es gibt Restriktionen, da muss man sich eine Zeitlang zusammenreissen. Und sehr, sehr viele Eltern erzählen mir auch, dass ihre Kinder völlig neue Fähigkeiten entwickeln, dass sie zum Beispiel wieder miteinander spielen, dass sie sich auch wieder für das Buch interessieren. Oder ich bin Präsident des Bundes der Deutschen Musiker, Landesverband Baden-Württemberg. Was da alles läuft mit Fernschulunterricht. Also es ist nicht alles ganz mies, was damit zusammenhängt. Natürlich wünscht sich keiner, dass es länger geht, wie auch nur eine Stunde länger als unbedingt notwendig.

GSCHWÄTZ: Was denken Sie denn, wie lange der Lockdown noch geht?

von Eyb: Ich bin zwar ein sehr optimistischer Mensch, aber ich möchte den Menschen auch nichts versprechen, was ich dann in irgendeiner Form für selber nicht glaubhafter erachte. Ich glaube, das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen und ab der zweiten Hälfte ist hoffentlich auch genügend Impfstoff da. Dann können wir die Menschen impfen und dann wird sich das alles entspannen. Davon bin ich ziemlich überzeugt.

„Das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen“

GSCHWÄTZ: Sie sind 65, nächsten Monat werden Sie 66. Haben Sie selber schon Corona gehabt oder jemand aus Ihrem näheren Umfeld?

von Eyb: Ja, also ich selber zum Glück nicht. Ich schon mehrmals getestet worden, weil ich jedes Mal, wenn ich in den Landtag komme, die Möglichkeit habe, dann lasse ich mich testen. Es war bisher immer negativ. Das ist so schön. Und ich habe allerdings auch Bekannte, die an Corona erkrankt waren. Ich habe auch einen jungen Mann, der erkrankt ist und der mich dann eben auch angegeben hat beim Gesundheitsamt als K1-Person. Mit dem habe ich vor wenigen Tagen gesprochen. Der schmeckt noch nichts und riecht noch nichts. Also ein 20-jähriger junger Mann, pumperlgsund, wie man so schön sagt. Aber er sagt: Nehmen Sie das bitte nicht auf die leichte Schulter.

GSCHWÄTZ: Haben Sie persönlich Angst vor Erkranken?

Arnulf von Eyb hat keine Angst, an Corona zu erkranken

von Eyb: Nein, aus irgendwelchen Gründen hab ich das nicht. Zum einen bin ich vorsichtig und ich glaube auch, dass das die beste Methode ist. Aber wenn ich erkranken würde, dann hoffe ich natürlich, dass ich nicht so schwer erkranken würde, dass ich an irgendeine Maschine angeschlossen werden muss. Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.

„Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.“

GSCHWÄTZ: Sie haben vorhin gesagt, dass wenn Sie gewählt werden, wird das Ihre letzte Amtsperiode sein. Wenn Sie jetzt zurückblicken auf Ihre Jahre als Landtagsabgeordneter, was waren denn Ihre Höhepunkte?

von Eyb: Es gab zwei Höhepunkte, die aber ja sicherlich mit einem negativen Vorzeichen versehen waren. Das war einmal das Jagstunglück, und das waren die Wassermassen, die über Braunsbach hereingefallen sind und auch Schäden, die wir in Künzelsau hatten, hier unmittelbar neben ihrem Büro, Sie wissen es ja, da war ein Loch, vor der CDU-Geschäftsstell e [Anm. d. Red.: am oberen Bach, neben der Redaktion GSCHWÄTZ], da hätte ein Auto verschwinden können. Und als ich dann nach Braunsbach gefahren bin, zwei Stunden später, bin ich schon mal gar nicht reingekommen. Ich musste einen Riesenumweg fahren.  Und als ich das gesehen habe, habe ich den Bürgermeister Harsch gebeten – übrigens ein ganz toller Typ. Typ ist der falsche Ausdruck, Eine tolle Persönlichkeit, wollte ich sagen. Herr Harsch, tun Sie mir einen Gefallen und lassen Sie fünfmal hintereinander abzählen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Unglück in Braunsbach nicht zu einem Todesfall geführt hat. Er hat fünfmal abzählen lassen. Es ist keiner unter den Massen verschwunden. Aber die damit zusammenhängenden Herausforderungen an das Land und an die Abgeordneten, die waren enorm. Und mittlerweile: Das Land hat es gut gemanagt. Braunsbach hat es gut gemacht. Tolle Bevölkerung. Viele Menschen haben geholfen und das waren die beiden ganz großen Herausforderungen.

Jagstunglück und Hochwasser in bleibender Erinnerung

Und das Jagstunglück. Wenn man selber Angler ist, eine Zeitlang war ich Präsident des Landesfischereiberbandes, wenn man da sieht, wie die Menschen darum kämpfen, möglichst viele Fische herauszunehmen, um sie irgendwo zwischenzulagern, und diese Anstrengungen, dieses ehrenamtliche Engagement, das Helfen, da jeder hat irgendwie eine Idee. Der eine kennt den, der andere kennt den und der dritte kennt dann jemand, der einen Bagger hat, damit man irgendwo einen Jagstarm abschottet, damit die Fische, die da drin sind, entsprechend überleben. Das war schon ein tolles Erlebnis, aber natürlich: Die Ausgangslage war kritisch, ausgesprochen kritisch.

Ansonsten leben wir doch in einem wunderbaren Land hier in Hohenlohe.

Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann

Arnulf von Eyb im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann. Foto: GSCHWÄTZ

Arnulf von Eyb stand GSCHWÄTZ Rede und Antwort. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




„Alleine zu Wahlkreisangelegenheiten habe ich seit Beginn der Legislaturperiode 52 Kleine Anfragen und Anträge eingereicht, während es bei Herrn von Eyb gerade mal eine einzige derartige Initiative war“

Nach den Klimademos in Künzelsau stellte Anton Baron eine kleine Anfrage an des Stuttgarter Regierungspräsidium, genauer an das Kultusministerium inwieweit hier seitens des Schlossgymnasiums Künzelsau eine unrechtmäßige politische Beeinflussung von Schülern vorliege. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann sah in den Klimademos wichtige gesellschaftliche Themen. Daher läge auch keine unrechtmäßige politische Beeinflussung vor. Der CDU-Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb stellte sich daraufhin in einer Pressemitteilung schützend vor die Schule und lobte deren Engagement (wir berichteten).

„Man kann natürlich alle Probleme schönreden“

Nun geht die Diskussion in die nächste Runde. Der hohenlohische AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron reagiert auf die Kritik seines CDU-Wahlkreiskollegen Arnulf von Eyb mit Unverständnis. In einer Pressemitteilung heißt es: „Man kann natürlich alle Probleme schönreden, aber ich bin der Meinung, dass man als Politiker Missstände ansprechen muss. Und wenn Schüler politisch einseitig indoktriniert werden, erfüllt mich das als Demokrat in der Tat mit Besorgnis. Nichts anderes geschieht, wenn ein Projekttag mit einer Demonstration beendet wird. Ich schlage Schülern, Lehrern und Eltern mit meiner Kritik keineswegs ins Gesicht, wie der Kollege von Eyb behauptet. Vielmehr stelle ich mich damit schützend vor diejenigen, die sich von diesen Eingriffen in die politische Neutralität an Schulen diskriminiert fühlen und mich um Unterstützung gebeten haben.“ Weiter spricht Baron einen Punkt an, der sich nicht um die Klimademos dreht: „Alleine zu Wahlkreisangelegenheiten habe ich seit Beginn der Legislaturperiode 52 Kleine Anfragen und Anträge eingereicht, während es bei Herrn von Eyb gerade mal eine einzige derartige Initiative war“, betont der Abgeordnete Baron.

Wir haben das Regierungspräsidium gefragt, ob dieser Sachverhalt korrekt ist. Eine Antwort hierzu steht noch aus.

Arnulf von Eyb (CDU) bei den Kommunalwahlen im Landratsamt. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Anton Baron (vorne) in einer Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




„Schlag ins Gesicht für Lehrkräfte, Eltern und Schüler“

Ein im vergangenen Jahr zum Thema Klimaschutz durchgeführter Projekttag am Schlossgymnasium Künzelsau hat die AfD auf den Plan gerufen. Der Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb stärkt dem Gymnasium nun demonstrativ den Rücken und kritisiert die pauschale Verunglimpfung der Schulen im Kreis durch die AfD scharf. Deren Abgeordneter Anton Baron sprach von unzulässiger politischer Beeinflussung und „totalitären Tendenzen an Hohenloher Schulen“ (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/07/18/anton-baron-afd-kritisiert-kuenzelsauer-schlossgymnasium-hat-sich-mit-fff-demos-ganz-offiziell-politisch-positioniert/).

Baron versuche, dem Schlossgymnasium einen Strick zu drehen

„Der angemessene Umgang mit öffentlich kontrovers diskutierten Themen stellt auch für Bildungseinrichtungen eine Herausforderung dar“, sagt von Eyb in seiner Pressemitteilung. Angesichts der breiten öffentlichen Debatte über Umwelt und Klimawandel im letzten Jahr nahm sich auch das Schlossgymnasium in Künzelsau im Rahmen eines durch die Schülermitverantwortung (SMV) gestalteten Projekttages des Themas an. Ziel war es lau tvon Eyb gewesen, Schülern eine fachlich fundierte aber eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen, weshalb auch externe Wissenschaftler an diesem Tag mit eingebunden gewesen seien. Nach Unterrichtsschluss fand zudem eine Abschlusskundgebung statt, die sich an die Öffentlichkeit richtete.

„Plumper Versuch der Instrumentalisierung“

Dass Anton Baron nun versuche, der Schule aus diesem Projekttag einen Strick zu drehen, ist für den direkt gewählten Landtagsabgeordneten des Hohenlohekreises, Arnulf von Eyb, nicht nur ein plumper Versuch der politischen Instrumentalisierung, sondern auch ein „unerhörter Angriff auf die gute Arbeit der Hohenloher Schulen“: „Ich habe das Schlossgymnasium erst vor Kurzem besucht, habe intensiv mit der Schulleitung gesprochen und mir einen persönlichen Eindruck verschafft. Dort wird mit Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und sehr viel persönlichem Engagement zum Wohle unserer Kinder gearbeitet. Anstatt diese und andere Schulen an den Pranger zu stellen, sollte sich Herr Baron vielleicht erst einmal selbst ein Bild von der Arbeit vor Ort machen.“

„An einem solchen Projekttag kann ich nichts Negatives finden“

Weiter führt Arnulf von Eyb aus: „An so einem Projekttag kann ich zunächst einmal nichts Negatives finden: „Mir ist lieber, junge Menschen diskutieren ein solches Thema mit Wissenschaftlern an ihrer Schule, als sich darüber aus dubiosen Quellen im Netz zu informieren. Das hat mit politischer Indoktrination nichts zu tun. In diesem Kontext von ‚totalitären Tendenzen‘ zu sprechen, ist völlig abstrus, inhaltlich unbegründet und politisch einfach nur billig. Es ist ein durchschaubarer Versuch der AfD, sich bei diesem Thema auf Kosten der Schulen zu profilieren, und ein Schlag ins Gesicht für Lehrkräfte, Eltern und Schüler. Solch ein pauschaler Rundumschlag gegen Schulen ist mit meinem Amtsverständnis eines Mandatsträgers nicht vereinbar. Mit verbalen Entgleisungen wie dieser trägt die AfD wieder einmal nichts Produktives zur Debatte bei, sondern leistet nur der weiteren sprachlichen Verrohung und der gesellschaftlichen Spaltung in unserem Land Vorschub.“

 

Anton Baron ist AfD-Landtagsabgeordneter für den Hohenlohekreis. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Arnulf von Eyb (CDU). Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Schlossygmnasium in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ




Arnulf von Eyb: „Das ist wirklich wichtig, denn wir alle wollen mehr über das Virus wissen“

Freude über hohe Teilnahmebereitschaft

Arnulf von Eyb informiert sich über die Corona-Studie des Robert Koch-Institutes in Kupferzell

Der Hohenloher Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb (CDU) hat sich am Mittwoch, den 27. Mai 2020, persönlich ein Bild von der Coronastudie gemacht, die das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit in Kupferzell durchführt. Dr. Julia Strandmark aus dem Studienteam des RKI informierte von Eyb und Landrat Dr. Matthias Neth über die Abläufe sowie den aktuellen Stand. Besonders erfreut zeigten sich alle Beteiligten über die hohe Bereitschaft der Kupferzeller, an der Studie teilzunehmen.

Auch Landrat Neth lobt das Engagement der Bürger

„Das ist wirklich wichtig, denn wir alle wollen mehr über das Virus wissen und vor allem darüber, was man aus dieser und weiteren Studien an sinnvollen Regeln für das tägliche Leben ableiten kann“, erklärte von Eyb. Auch Landrat Dr. Matthias Neth lobt das Engagement der Bürger im Kreis: „Wir hatten schon gehofft, dass viele Kupferzeller mitmachen und freuen uns jetzt natürlich, dass sich diese Hoffnung offenbar erfüllt. Wenn am Ende die rund 2.000 Teilnehmer zusammenkommen – und danach sieht es derzeit aus –, wäre das für die Aussagekraft der Studie perfekt.“

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

 




Absturz CDU: Arnulf von Eyb: „Ist mir unverständlich“

Arnulf von Eyb steht vor der Leinwand im Landratsamt und verfolgt die Ergebnisse der Europawahlen 2019. Die CDU fährt das schlechteste Ergebnis der Geschichte bei diesen Wahlen ein. „Das ist mir unverständlich“, sagt der Arnulf von Eyb, der als CDU-Landtagsabgeordnete vom Hohenlohekreis im Landtag in Baden-Württemberg sitzt.

„Politik zu erklären, wird immer schwerer“

„Ich hätte mir etwas anderes gewünscht. Ich gebe aber auch zu: Politik zu erläutern und zu erklären, wird immer schwerer. Ganz schnelle Lösungen für komplexe Lebensverhältnisse zu haben, ist nicht immer einfach. Wir müssen Lösungen finden, um einiges verständlicher zu vermitteln.“ von Eyb betont, wie gut es in Deutschland in vielen Bereichen laufe: „Hier funktioniert vieles sehr, sehr gut. Man darf nicht alles mit negativen Dingen überzeichnen, so dass am Ende von den positiven nicht mehr viel übrig bleibt.“

„Kleine Parteien sind völlig überfordert“

Im Bezug auf die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments wäre es, so von Eyb, sinnvoll, künftig eine Quote einzuführen. Denn „diese vielen kleinen Parteien sind allein durch die Fülle der Dinge, die dort bearbeitet werden müssen, völlig überfordert.“ Das wäre, führt der Dörzbacher näher aus, „wie wenn der eine einen Lastwagen hat und der andere mit einem Handkarren mithalten will.“

Erfreulich sei die gestiegene Wahlbeteiligung: „Die Menschen sehen, dass auch das deutsche Schicksal ganz eng mit Europa verbunden ist.“ Das bedeute nicht, dass man auch in Deutschland „notwendige Verbesserungen ansprechen“ müsse. Aber „Deutschland ist der große Gewinner des Europäischen Einigungsprozesses.“

„Deutschland ist der große Gewinner von Europa“

Der Schlossherr hofft, dass trotz der CDU-Wahlschlappe Spitzenkandidat Manfred Weber neuer EU-Kommissionspräsident wird. Er kenne ihn und er halte von ihm sehr viel.

Was Bremen angeht, fügt er schmunzelnd hinzu, dieses Ergebnis freue ihn natürlich sehr. In Bremen wurde zeitgleich mit den Europawahlen der neue Landtag gewählt. Die CDU wird hier stärkste Kraft und könnte nach vielen Jahrzehnten die SPD vom Regierungsthron stoßen.

 




Arnulf von Eyb: „Wir leben hier nicht in Bananien“

Arnulf von Eyb, Der  CDU-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises sprach mit Dr. Sandra Hartmann in seinem Schloss in Dörzbach unter anderem über Wein, die Probleme in der Landwirtschaft, seine Meinung über die aktuelle Gesundheits- und Bildungspolitik und Funklöcher im Ländle.

 

„Vom Weinbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr“

 

GSCHWÄTZ: Bier oder Wein – was darf‘s sein, Herr von Eyb?

von Eyb:  Das ist keine einfache Frage, weil ich der weinbaupolitische Sprecher der CDU-Fraktion bin. Aber vom Weinanbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr.

 

Ingelfingen und Niedernhall haben ja ganz schön bluten müssen die vergangenen Jahre – Fürstenfass hat sich die Keltereien quasi einverleibt.

von Eyb: Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Dörzbach hatte ja eine Rebflurbereinigung vor ungefähr 20 Jahren. Damals hatte man gedacht, wenn die durchgeführt wird, ist der Weinbau für die nächsten 500 bis 1.000 Jahre gesichert. Nun sieht man, wie schwierig es. Auch Dörzbach musste die Selbstständigkeit aufgeben. Aber es ist alles nicht so schlimm, weil  es nun „die Hohenlohe-Kellerei“ heißt. und darin können sich sowohl die Niedernhaller, als auch die Ingelfinger und die Dörzbacher wiederfinden. Bevor der Weinbau komplett eingeht, ist das die bessere Lösung gewesen und der Wein ist nach wie vor gut.

 

„Das Thema Krankenhaus ist extrem emotional belegt“

 

GSCHWÄTZ: Es gibt ja noch mehr kommunalpolitische Einschnitte – nicht nur im Weinbau, auch in der Gesundheitspolitik.

von Eyb: Ich kann die Entscheidung des Kreistages verstehen, den Krankenhausstandort in Künzelsau zu schließen. Es ist nicht immer einfach, weil das Thema extrem emotional belegt ist. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann stellen wir fest, dass die schwierigen Fälle durch Bad Mergentheim, Schwäbisch Hall oder möglicherweise durch noch größere Krankenhäuser in Heidelberg oder Stuttgart abgedeckt werden. Die Ortsnähe hat natürlich was. Aber ein Krankenhaus am Leben zu erhalten, das im Prinzip nur künstlich am Leben erhalten werden kann, ist, glaube ich, auch nicht die richtige Entscheidung.  Mir wäre sehr daran gelegen, dass man dem Menschen, der in der Sekunde in der Not ist,  sei es durch einen Herzinfarkt oder einen Unfall, schnell hilft und da kann mich sicher noch einiges optimieren.  Ich glaube auch, darüber denkt man nach. Ob man dann in so einer Notsituation zehn Kilometer weiter transportiert wird, ist dann nicht mehr entscheidend. Was auch entscheidend ist: Wir brauchen in Künzelsau und auf dem Land nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte. Da würde ich mir wünschen, dass sich mehrere zusammentun und sagen: Das können wir sicherstellen.

 

GSCHWÄTZ: Viele Ärzte haben darauf hingewiesen, wie schwer es ist, Nachfolger für ihre Praxen zu finden.

von Eyb verweist auf einen Arzt in Sindelfingen, der in der Stadtmitte eine Praxis hat und ebenfalls keinen Nachfolger findet.

von Eyb: Dieser Arzt sagt, die jungen Ärzte wollen lieber in größeren Teams arbeiten, vielleicht auch nicht mehr die Verantwortung übernehmen und vor allem nicht auch noch sonntags gegebenenfalls arbeiten müssen.

 

„Wir können nicht weniger Bürokratie haben, sondern wir müssen mit Bürokratie besser umgehen lernen“

 

Viele monieren auch den hohen Verwaltungsaufwand, den die Politik vorgibt.

von Eyb: Ja, das stimmt. Das ist dieselbe Klage, die Landwirte oder Handwerker erheben. Wir können den Menschen nicht versprechen, weniger Bürokratie zu haben. Das wäre Augenwischerei, sondern wir müssen mit der Bürokratie besser umgehen lernen. Da  gibt es vielleicht Möglichkeiten, zum Beispiel, dass man nichts mehr in eine Akte einträgt, sondern während der Behandlung heineinspricht oder ähnliches, um insgesamt den Bürokratieanfall leichter ertragbar zu machen. Aber Bürokratieabbau wird nicht funktionieren. Und wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass das alles eine sinnvolle Grundlage hat.

Also ist Deutschland Ihrer Meinung nach nicht überbürokratisiert?

von Eyb: Es wäre wunderbar und da, wo man es kann, soll man es auch tun. Aber es ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Wenn man sich etwa das statistische Jahrbuch von Baden-Württemberg anschaut. Es ist sensationell, was man aus diesem Buch herauslesen kann. Das könnte man alles nicht, wenn man die Daten vorher nicht erfasst hätte. Ich war kürzlich auf einem Rinderabend einer Rinderunion. Da wurden ihre Leistungskühe dargestellt. Es ist unglaublich, was man alles über eine Kuh wissen kann. Das Ganze kann man nicht prämieren, wenn man es nicht aufgeschrieben hätte.

In den Schulen könnte sich Arnulf von Eyb weniger Bürokratie vorstellen

Bei den Grundschullehrern müsse sich etwas ändern

 

A propos Bildungskühe. Fehlstunden, Lehrermangel – Das Kultusministerium in Stuttgart hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in den vergangenen Jahren.

von Eyb: In diesem Bereich könnte ich mir eine Entschlackung der Bürokratie vorstellen.  Ich glaube, dass man in den letzten Jahren einfach zu viele Experimente gemacht hat. Unsere Kultusministerin hat eine sehr schöne Einstellung: Wir brauchen erstmal ein vernünftiges Fundament. Das Fundament kann man nur kriegen, wenn man lesen, rechnen und schreiben kann. Richtig ist, dass sehr viele Grundschulen keine Leiter bekommen, weil der Verwaltungsaufwand und das Mehr, was man als verantwortlicher Rektor bekommt, nicht angemessen ist. Da muss man sicherlich etwas tun.

 

Thema Funkloch & Eberbach: „Achtung, jetzt bin ich für ein paar Minuten weg“

 

Weder Handyempfang noch Internet – Das Dorf Eberbach schreibt derzeit bundesweit Schlagzeilen. Was ist denn da los?

von Eyb: Günther Oettinger sagt immer: Funklöcher sind schlimmer als Schlaglöcher und vor allem sind sie nicht so schnell zu stopfen wie ein Schlagloch. Dem stimme ich zu. Wenn ich von hier nach Stuttgart fahre, kann ich ziemlich genau sagen, wann ich in ein Funkloch hineinfahre. Da sage ich auch immer meinem Gesprächspartner: Achtung. Jetzt bin ich für ein paar Minuten weg. Das ist sicherlich nicht optimal. Ich habe auch den Landrat aufgrund dieser Diskussion in Mulfingen gebeten, mir zu sagen, wo wir derzeit noch Lücken haben. Aber dieses Thema ist natürlich enorm aufgebauscht.  Auch in Eberbach gibt es natürlich Internet- und Funkverbindungen.  Aber in dem einen oder anderen Fall eben nicht. Und daraus eine so große Geschichte zu machen – die kam mir etwas überzogen vor. Die Thematik ist zwar angespannt in dem einen oder anderen Ort. Aber nicht so, dass man denken kann, man lebt irgendwo in der Nähe von Bananien.

 

Sie haben als Landtagsabgeordneter den Spagat zu meistern zwischen Stuttgart und dem ländlichen Raum in Dörzbach und Umgebung. Wie sieht denn eine Woche im Leben eines Landtagsabgeordneten aus?

von Eyb: Ich bin der OB-Mann der CDU-Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, in dem es darum geht, die Verbindungen des Mördertrios oder zumindest des Mörderduos bei der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter und des angeschossenen schwerverletzten Polizisten aufzuarbeiten. Wenn ich morgens um 9 Uhr im Landtag eine Vorbesprechung habe, fahre ich am Sonntagabend nach Stuttgart. Am Abend fahre ich zurück. Am Dienstagmorgen habe ich eine Vorlesung hier an der Hochschule – das hat mit meinem Landtagsmandat nichts zu tun – bei den Wirtschaftsingenieuren: Einführung in das Vertragsrecht. Dann fahre ich wieder nach Stuttgart. Im Fraktionsvorstand besprechen wir, was wir in der Fraktionssitzung noch alles ansprechen wollen. Sehr häufig sind dann abends noch Veranstaltungen von Organisationen, die Abgeordnete einladen oder Fachgespräche. Dann gibt es Ausschüsse. Die müssen vorberaten werden. Dann gibt es Plenum. Das sind die Tage, an denen man im Landtag sitzt. Dann gibt es sehr, sehr viele Termine hier im Wahlkreis. Wir haben die Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wenn sie ein Thema haben, bei dem sie denken, da könnten wir helfen, stehen wir zur Verfügung. Wir werden sehr häufig eingeladen von Verbänden, Vereinen, Gemeinden oder Firmen.

Vorbereitung des Videointerviews im Schloss in Dörzbach

Interview als Video

 

Das am 15. Juni 2018 in seinem Schloss in Dörzbach gedrehte Videointerview mit Arnulf von Eyb sehen Sie im Video oben zum Anklicken. Darin äussert sich Arnulf von Eyb auch dazu, warum er nicht der größte WM-Fan ist.

Dreh, Schnitt & Fotos: Dr. Felix Kribus

 

Schubertiade

 

Arnulf von Eyb ist verheiratet und hat keine Kinder. Er ist neben seinem Landtagsmandat Rechtsanwalt. Einmal jährlich veranstaltet die Familie von Eyb die Schubertiade. Hierbei treten unterschiedliche Künstler im Schloss auf und präsentieren klassische Werke. Die Schubertiade geht in diesem Jahr noch bis September.

Karten hierfür gibt es auf: http://www.schubertiade-schloss-eyb.de