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Von der „Fehlerfrau“ Annalena und vom unfehlbaren Armin

Die eigentlich heißesten Kandidaten im Kampf um den Bundeskanzlerthron 2021 werden womöglich durch die anhaltende Fehlersuche mit der XXL-Lupe durch die Medien selbst ins Aus geschossen.

Man möche sich wegschmeissen vor Lachen

Annalena Baerbock darf kein Komma an der falschen Stelle setzen, ohne durch den männlichen Fleischwolf gedreht zu werden. Man denke nur an die kürzlich erschienene Kolumne von Jan Fleischhauer im Focus („Die Schummelliese“), in welcher Fleischhauer über Annalena Baerbock postuliert: „Warum versucht sich jemand größer zu machen, als er ist?“ Zum Glück liegt diese Eigenschaft Männern nicht zu Grunde. Oder Helmut Marktworts ergötzender Essay über die „Fehlerfrau Baerbock“, in welchem es unter anderem heißt:“In Baerbocks Buch stammen nur die Gendersternchen sicher von ihr.“ Na, offensichtlicher kann man eine Alice-Schwarzer-Keule nicht aus dem Steinzeitrevers ziehen. Plumper geht es nicht.

Viele Fakenews gingen über Annalena Baerbock im Rahmen des Bundestagswahlkampfes heraus. Quelle: BR

Offensichtlicher kann man eine Alice-Scharzer-Keule nicht aus dem Steinzeitrevers ziehen

Während Armin Laschet sich selbst regelmäßig ins Aus schießt, sobald er nur den Mund aufmacht (oder lacht, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Opfern der Hochwasserkatastophe in Deutschland gedenkt). Fremdschämeffekt garantiert.

Während sich Armin Laschet regelmäßig selbst ins Aus schießt

In diesem Wahlkampf trifft das Motto: „Wer keine Fehler macht, macht auch sonst nicht viel“, leider nicht zu. Denn der lachende Dritte ist Olaf Scholz, der zwar ausser staatsmännisch auftreten, wie ihm diverse Medien regelmäßig bescheinigen, reichlich blass und inhaltlos wirkt. Keine mitreissenden Reden, keine Visionen, keine konkreten politischen Vorstellungen für die nächsten Jahre. Ausser die üblichen Heilsversprechen bezüglich etwaiger Steuersenkungen. Schade eigentlich. Dabei hätten es die Bürger:innen dringend nötig, eine/n Visionär:in zu bekommen, der/die in einer derart schweren Corona- und klimagebeutelten Zeit positiv-begeisternd voranschreitet und den Menschen neuen Mut und neue Perspektiven gibt.

Olaf mit den üblichen politischen Heilsversprechen

Olaf Scholz.

Doch wie heißt es so schön: „Jedes Volk bekommt die Herrscher, die es verdient.“ Betrachtet man Olaf Scholz, der schon seit Jahrzehnten vermeintlich immer gleich blickende, bekommt man zumindest vertraute Gefühle an einen immer gleichen Gesichtsausdruck – Angela Merkels Gesichtsausdruck war ja oft ähnlich in Stein gemeißelt. Nur hatte Angela Merkel einen subtilen schwarzen Humor, der bei ihren Aussagen und Reden immer wieder für Lacher sorgte für all diejenigen, die ihn verstanden haben.

Angela Merkel hatte einen gnadenlos guten schwarzen Humor – für all diejenigen, die ihn verstanden haben

Schade eigentlich, dass auch diese Frau bis zum Schluss von diversen vermeintlichen Journalistenanführern kleingeredet und unterschätzt wurde. Ihre wahren Leistungen (ihr humanitäres Vorgehen bei den Flüchtlingsbewegungen etwa oder ihr überaus rationelles hochintelligentes Verhalten in der Coronapandemie)  wird vermutlich erst rückblickend, viele Jahre später, in den Geschichtsbüchern Anerkennung finden.

Text: Dr. Sandra Hartmann