Am Sonntag, den 14. März 2021, wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Hier veröffentlichen wir nun den zweiten Teil des Interviews mit Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter und Spitzenkandidat der AfD in Hohenlohe. Dr. Sandra Hartmann sprach im Kandidatencheck mit ihm unter anderem über seinen Disput mit Arnulf von Eyb seine Nähe zu Jörg Meuthen, warum Künzelsau seiner Meinung nach Gas geben muss und es auch das Jagsttal schwer hat, warum Baron nach Öhringen gezogen ist, die Politik der Grünen und warum er Probleme in der Zuwanderungaus muslimischen Ländern sieht. Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann.
Querdenker: „Da gibt’s halt wirklich sehr komische Leute“
GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein enger Vertrauter von Jörg Meuthen. Der hatte ja jüngst erst die Partei aufgefordert, Abstand zu den Querdenkern zu nehmen. Stehen Sie da in Konflikt mit Jörg Meuthen, wenn Sie selbst solche Veranstaltungen besuchen?
Baron: Nein. Ich muss sagen, wenn man seine Ansprache auf dem Bundesparteitag gehört hat, hat er ja nur gesagt, man soll sich von bestimmten Menschen distanzieren, da gibt’s halt wirklich sehr komische Leute, auch dort. Und das tun wir auch. Wir wollen mit Extremisten oder mit solchen Verschwörungstheoretikern nichts zu tun haben. Aber man darf doch nicht die gesamte Bewegung gleich abstufen. Das wird ja bei uns auch gemacht mit der AfD.
„Ich werde sehr oft persönlich angegriffen“
GSCHWÄTZ: Werden Sie auch persönlich angegriffen?
Baron: Ja, leider sehr oft. Erst gestern habe ich wieder einen netten Flyer zurückbekommen. Wir haben jetzt eine Flyer-Aktion gemacht, auch nach Vorstellung des Kandidaten. Und da stand drauf, ich soll wieder nach Russland zurück.
„Man bekommt mit der Zeit eine dicke Haut“
GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie damit um?
Baron: Man bekommt mit der Zeit eine dicke Haut und man geht damit inzwischen einfach gelassen um. Ich bin auch froh, dass ich bisher verschont worden bin von größeren Sachbeschädigungen. Einmal wurde mein Büro beschmiert.
Weißbach und seine Kreuzung
GSCHWÄTZ: Vor kurzem haben Sie sich ja geäußert zu Weißbach und unter anderem zur Geschwindigkeitsbegrenzung, die dort eventuell wegfällt durch den Wegfall der Schilder.
Baron: Es ist ja so, dass es ein Bundesgesetz ist und dass diese Ortsschilder tatsächlich unrechtmäßig dort stehen. Da kann sich auch keine Gemeinde hinwegsetzen, sondern ich finde schon, dass Regeln für alle gelten müssen. Aber es gibt dort auch steigende Unfallzahlen. Das hat damit zu tun, dass die Verkehrsdichte höher geworden ist. Also von daher denke ich, ist es schon gerechtfertigt, dass man da dann wieder 50 machen sollte. Ganz einfach auch aus dem anderen Grund, dass zu Stoßzeiten die Autos aus Weißbach heraus kaum eine Chance haben, auf die Straße zu fahren, weil sie so stark befahren ist.
GSCHWÄTZ: Wie ist da der Kontakt von Ihnen zu den Bürgermeistern, jetzt zum Beispiel zu Herrn Züfle?
Baron: Sehr gut. Wir tauschen uns aus. Ich versorge ihn auch mit Informationen.
GSCHWÄTZ: Sie kamen jüngst in Kontakt mit dem Herrn von Eyb bezüglich des Schlossgymnasiums und den Klimademos in Künzelsau, nachdem Sie kritisiert haben, dass die Schüler politisiert werden. Hat sich der Konflikt mit Herrn von Eyb mittlerweile gelegt? Haben Sie da mal persönlich mit Ihnen darüber gesprochen?
Baron: Man tauscht sich ja im Landtag immer wieder mal aus, außerhalb des Plenarsaals. Ich sag mal so, wir nehmen das beide gelassen. Es ist halt Wahlkampf. Sie haben es ja aus meinen aus der Antwort der Kleinen Anfrage auch gesehen: Die Schulaufsicht war ja dagegen, weil dort ja auch so Greta-Flyer diesbezüglich herumgegangen sind. Und ich glaube schon, dass wir da genau hinschauen müssen. Und ich sag ja, da sind einzelne Lehrer, die selbstverständlich – Sie kennen ja die Grünen, der Gang durch die Institutionen – die ihre politische Richtung auch ausleben. Und da muss man halt extrem aufpassen.
GSCHWÄTZ: Von der AfD liest man von wenig über diese ganze Klimakrise.
„Es ist nicht realistisch, die Klimaziele zu erreichen“
Baron: Keiner von uns bestreitet, dass es einen Klimawandel gibt, den gab es schon immer. Wir hatten auch Zeiten, wo die Erde eisfrei war. Das ist der Gang der Dinge. Und das wird sich auch wiederholen. Aber eins muss schon gesagt werden: Hier zu glauben, die Weltrettungspolitik in Deutschland zu machen, das greift viel zu kurz. Ich sage mir immer wieder, wir sollten so Projekte unterstützen wie Bäume pflanzen oder beispielsweise wäre es sehr wichtig – da stehe ich ja voll dahinter – dass die EU beispielsweise den Regenwald schützen sollte mit Mitteln. Das sollen sie gerne, weil ich glaube, das ist die Lunge der Erde und was dort passiert, kann man nicht wegschauen. Aber es ist nicht realistisch ist, diese Klimaziele zu erreichen. Das ist eigentlich ausgeschlossen, klimaneutral und so weiter.
GSCHWÄTZ: Ein großes Thema der AfD ist ja dafür noch nach wie vor die Flüchtlingspolitik. Im Kreistag wurde vor nicht allzu langer Zeit ein Antrag der SPD und der GRüNEN abgelehnt, vier weitere Familien aus dem Flüchtlingslager Moria aufnehmen soll, aufzunehmen. Hat sich da die AfD durchgesetzt im Hohenloher Kreistag.?
„Man kann viel mehr Menschen unterstützen, indem wir direkt vor Ort Flüchtlingsaufnahmezentren bauen“
Baron: Letztlich haben wir eine Resolution verfasst, dass wir natürlich hinter den Menschen stehen. Aber das löst man ja nicht damit, indem man alle nach Deutschland holt und sie fast schon hierher lockt, indem man einfach sagt: Ihr kommt hier auf jeden Fall her und kriegt alles. Ganz trivial gesagt: So löst man keine Flüchtlingspolitik.
GSCHWÄTZ: Aber das sollte doch eigentlich nur ein symbolisches Zeichen der Menschlichkeit sein, weil letztendlich die Entscheidung sowieso in Stuttgart gefällt wird. Und trotzdem hat man sich da quergestellt und wollte das Zeichen nicht geben.
Baron: Die Menschen sehen halt, wenn wir hier nicht rigoros die, die hier kein Asylrecht haben, abschieben, dann sehen Sie: Wenn ichs mal nach Deutschland geschafft habe, dann bleibe ich auch dort. Also das Signal geht damit nach außen. Das wollen wir einfach nicht. Sondern wir sind ja schon immer der Auffassung gewesen, man kann viel mehr Menschen unterstützen, indem wir direkt vor Ort Flüchtlingsaufnahmezentren baut und betreibt und dort die Menschen versorgt. Denn unser Asylrecht ist auf Zeit. Das heißt, sobald es dort wieder befriedet ist, ist es eigentlich laut deutschem Recht so, dass sie wieder zurück müssen. Aber das findet praktisch nicht statt. Und wir beharren darauf.
GSCHWÄTZ: Sie selber sind ja auch in Kasachstan geboren. Sie sind kein Flüchtling gewesen. Aber trotzdem kennen Sie die Situation, dass Sie in einem anderen Land geboren wurden und jetzt in Deutschland leben. Da würden jetzt viele argumentieren, gerade so jemand wie der Anton Baron müsste doch eigentlich das besser als jeder andere verstehen, wie es ist, in einem anderen Land vielleicht bessere Zukunftschancen zu haben.
Baron: Ja, die Argumentation kenne ich. Das habe ich ja schon des öfteren gehört. Aber sie greift nicht. Wir sind ja nicht die klassischen Wirtschaftsflüchtlinge oder Flüchtlinge, sondern wir waren Vertriebene. Das heißt, wir haben natürlich auch Vorfahren aus Deutschland und meine Oma war ja schon in Deutschland. Ich hab halt eine russische Seite und die deutsche Seite, mein Vater ist deutschseitig. Und so war das halt, dass wir dann vereinfacht wieder zurückkehren konnten. Das ist einfach der Grund. Also das ist zu einer ganz anderen Zeit gewesen, unter ganz anderen rechtlichen Voraussetzungen.
„Bei uns sind die Rechte der Frauen deutlich stärker als in Saudi-Arabien“
GSCHWÄTZ: Unser Dekan in Hohenlohe, der Herr Dr. Richert, hat in einem Interview gesagt, dass er ein wesentliches ein Problem von den kulturellen Unterschieden sieht. Es ist ein Unterschied, ob Christen zu uns kommen oder Muslime, sehen Sie das auch so?
Baron: Ja, dass sich vollkommen so, da hat Herr Dr. Richert vollkommen recht. Das ist ein großes Problem. Es ist ja auch so, wie in Saudi-Arabien und so weiter mit Frauen umgegangen wird. Das ist einfach in unserem Land ganz anders. Das sind die Frauenrechte deutlich stärker und ich glaube, damit können sehr viele nichts anfangen, auch mit den Gepflogenheiten, die hier in Deutschland umgegangen wird miteinander. Und deswegen sehen wir Probleme in der Zuwanderung, gerade aus den islamischen Ländern.
„Ich habe selber viele türkische Freunde“
GSCHWÄTZ: Wirft man damit nicht alle Muslime in einen Topf? Da gibt es ja riesige Unterschiede. Auch bei uns gibt es ja Männer, die ihre Frauen unterdrücken.
Baron: Das Christentum hat mehrere Reformation durchgemacht. Was ich mich immer frage: Warum der Islam sich nicht reformieren möchte? Auch ja der Zeit anpasst, auch reagiert und sich dagegen wehrt. Ich habe selber sehr viele türkische Freunde, die vielleicht auch dem Islam angehören. Da steht der Glauben an höchster Stelle. Und da sehe ich schon die Probleme. Also die sind da so religiös. Das ist schon fast fanatisch.
GSCHWÄTZ: Und das gibt’s im Christentum nicht?
Baron: Ich glaube, nicht so ausgeprägt wie jetzt beim Islam, weil viele Länder haben ja auch ihre Rechtsordnung. Da ist der Staat nicht von der Religion getrennt.
GSCHWÄTZ: Wenn wir gerade bei autoritären Dingen sind. Vor zwei Jahren war Alice Weidel in Niedernhall. Die Stadthalle war randvoll. Draußen war eine Gegenbewegung gegen die AfD. Und innendrin gab es Security von der AfD, die Leute aus dem Saal geführt haben, die sich kritisch zu Wort gemeldet haben.
Baron: Wir haben alle reingelassen, die rein wollten. Aber wenn jemand durch Rufe auffällt, aa wurden mehrere zweimal verwarnt und beim dritten Mal sind sie rausgeflogen. Und ich glaube, wenn ich jetzt bei einer SPD- oder CDU-Veranstaltung bin, ich war ja auch schon eingeladen zu verschiedene Veranstaltungen, dann halte ich den Mund und höre zu. Wir haben ja extra noch eine Fragerunde angekündigt und jeder hatte ja die Gelegenheit sich zu Wort zu melden und das haben ja viele genutzt. Aber wenn man sich so verhält, das geht einfach nicht. Das ist einfach nur störend. Und wie bereits gesagt, wir haben nichts zu verbergen. Es waren auch Gemeinderäte aus Niedernhall anwesend. Also die Veranstaltung war durch und durch erfolgreich. Und die Security-Leute? Mir wäre es auch recht, wenn wir ohne Security solche Veranstaltungen durchführen können, weil uns kostet es erheblich an Geld und wir haben nicht die finanziellen Mittel von anderen Parteien.
„Wir sind ja nicht gegen Flüchtlinge selber“
GSCHWÄTZ: Die AfD wird ja nicht selten in die Ecke zur NPD gerückt. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Gründe, warum man die AfD immer sehr rechtskonservativ verortet ist?
Baron: Flüchtlingspolitik da, das scheucht natürlich die Linken auf, die alle aufnehmen möchten. Ich weiß, das Thema muss man mit Bedacht ansprechen und da hat man auch eine große Verantwortung, wenn man das Thema berührt. Und es ist halt leider so, dass ihn im Fernsehen immer nur 5-Sekunden-Ausschnitte gezeigt werden, obwohl man da noch richtig ausgeholt hat. Dass wir ja nicht gegen die Flüchtlinge selber sind, weil in ihrer Situation hätten wir ja das Gleiche gemacht. Das ist halt prinzipiell so, das wissen wir. Da kann man den Menschen, der zu uns kommt, ja nicht verurteilen, weil sie einfach die Chance sehen. Das kann ich nachvollziehen. Sondern die Politiker machen hier Fehler, das sagen wir ja auch immer. Keiner bei uns hat irgendwas gegen echte Flüchtlinge, die wirklich vor Krieg flüchten. Da stehen wir auch voll dahinter. Aber wir wollen diese Zuwanderungen in unser Sozialsystem unterbinden. Dazu kommen aber natürlich einzelne Aussagen, die sehr zweideutig sind von bestimmten politischen Vertretern bei uns.
„Dazu kommen aber natürlich einzelne Aussagen, die sehr zweideutig sind von bestimmten politischen Vertretern bei uns.“
GSCHWÄTZ: Also zu klare Worte manchmal?
Baron: Ja, genau. Zu klar und zu undifferenziert.
„Der Kreistag hat schon ordentliche Fehler gemacht“
GSCHWÄTZ: Wie würden Sie denn die Kreistagspolitik des Hohenlohekreises der letzten fünf Jahre beschreiben? Sie sind ja auch Kreistagsmitglied.
Baron: Der Kreistag hat schon ordentliche Fehler gemacht. Ich sage nach wie vor auch die Krankenhausschließung. Da obwohl ja, viel versprochen und wenig eingehalten wurde. Das gleiche ist ja die Abfallwirtschaft und den Gelben Säcken.
GSCHWÄTZ: Es war ein von zurück. Früher gab es die Gelben Säcke, dann kam die grüne Tonne. Jetzt wieder gelber Sack. Wie kommen Sie denn mit dem Landrat,
Neth: Ich muss ja sagen, der Landrat persönlich ist ein netter Mensch, sehr sympathisch. Aber manche Verwaltungsentscheidungen finde ich grundsätzlich…da muss er noch an sich arbeiten. Und wie man eine Verwaltung führt, ist natürlich auch so eine Sache.
Jagsttal hat nach Barons Ansicht das Nachsehen
GSCHWÄTZ: Welche Projekte möchten Sie dann im Kreis die nächsten fünf Jahre umsetzen oder nicht umgesetzt sehen?
Baron: Das Wichtigste ist einfach die Infrastruktur. Denn nur eine gute Infrastruktur zieht auch die Leute an. Im Kochertal haben wir die Autobahnanbindung. Aber im Jagsttal fängt es dann an, wenn da die Straßen schlecht sind, wenn die Einkaufsmöglichkeiten immer begrenzter werden, wenn keine Allgemeinmediziner mehr im Ort sind, wenn die Sparkassen rausgehen mit der Bank.
GSCHWÄTZ: Spaltet sich der Hohenlohekreis hier in arm und reich?
Baron: Übertrieben gesagt ist es leider so.
GSCHWÄTZ: Böse Zungen könnten Ihnen jetzt vorwerfen, dass Sie vom beschaulichen Niedernhall nach Öhringen gezogen sind.
Baron: Das hat einfach damit zu tun, dass ich nach Stuttgart pendeln muss. Öhringen ist wirklich gut aufgestellt in jeglicher Hinsicht. Ich glaube, wir müssen mehr Augenmerk auf Künzelsau und insbesondere auf Jagsttal richten, weil dort wird es immer schwieriger. Man merkt einfach, dass immer mehr der Schwerpunkt in Richtung Kupferzell geht und Richtung Öhringen. Und deswegen müssen wir mehr auf Künzelsau und auf das Jagsttal schauen, dort haben wir extremen Nachholbedarf. Da müssen wir mehr tun, um das attraktiv zu halten.
„Wir müssen mehr tun, um Künzelsau attraktiv zu halten“
GSCHWÄTZ: Künzelsau hat ja auch sein Krankenhaus verloren. Fast parallel zur Schließung des Künzelsauer Krankenhauses wurde ja mit den Planungen der neuen Praxisklinik in Schloss Stetten jetzt unter der Federführung von Christian von Stetten begonnen, wo sich die Bürger auch fragen: Wie ist das möglich? Das widerspricht sich ja irgendwo.
Baron: Absolut. Das sollte eigentlich auch jedem aufzeigen, dass das nicht unbedingt ein Problem des Standort ist, sondern vielmehr vielleicht doch Managementversagen.
GSCHWÄTZ: Man hat ja im Grunde auch keinen Mehrwert, weil diese Ärzte, die jetzt da reinkommen, die gibt es ja sowieso schon vor Ort, nur in einem anderen Gebäude.
Baron: Richtig. Deswegen hab ich das auch kritisiert. Auch in meiner letzten Haushaltsrede. Ich sage ganz ehrlich das war eine große Fehlentscheidung und vor allem so, wie es jetzt abgewickelt worden ist. Das war nicht schön.