Wenn sich die Stadt als Presse sieht
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann
Vielleicht vermag der Artikel über die Stadt Crailsheim zunächst bei dem ein oder anderen Leser nur ein Achselzucken, wenn nicht sogar völliges Desinteresse auslösen.
Wir als Presse sehen dieses Urteil in dritter Instanz anders. Es ist wichtig und es ist wegweisend. Und ich sage Ihnen auch, warum.
Viele Einwohner in den Städten und Gemeinden in Deutschland und natürlich auch im Hohenlohekreis erhalten jede Woche oder 14-tägig Post von ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde in Form eines ,Amtsboten‘, eines ,Stadtblattes‘ oder wie auch immer es von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde bezeichnet wird. Die Einwohner freuen sich darüber, kostet es meist nur einen Obolus oder wie im Fall Crailsheim oder Öhringen: nichts. Sie erfahren dadurch vielleicht, wer geboren oder gestorben ist in ihrer Gemeinde und welche Veranstaltungen demnächst anstehen. Sie lesen aber auch Texte über den Haushalt der Städte und Gemeinden, über Beschlüsse und anstehende Entscheidungen. Unlängst hat die Stadt Öhringen einen Text darüber veröffentlicht, wie erfolgreich die Landesgartenschau in Öhringen verlaufen ist. Ist sie wirklich so erfolgreich verlaufen? Zumindest kann man sagen: Die Stadt empfindet es so. Wenn man die Zahlen genau studiert und mit anderen am Bau beteiligten spricht, vielleicht wäre das Fazit dann anders ausgefallen. Aber das ist Aufgabe der Presse, nicht der Stadt. Daher gibt es die Presse.
Natürlich wird sich jede Stadt und Gemeinde erstmal hüten, zu sagen: „Wir waren im vergangenen Jahr ziemlich verschwenderisch. Unser Haushalt sieht daher in diesem Jahr nicht so rosig aus.“ Und genau da setzt Pressearbeit an. Sie prüft, durchleuchtet, hinterfragt, zeigt wenn möglich verschiedene Sichtweisen auf und am Ende zieht sie darauf aufbauend ein Fazit.
Die Stadt berichtet von einem einzigen Standpunkt heraus. Von ihrem eigenen. Und natürlich möchte sie sich in einem bestmöglichen Licht präsentieren, wie andere Unternehmen auch.
Das ist nicht verwerflich. Amtsblätter und Stadtnachrichten sind deswegen kein Teufelszeug. Nur ist es damit wie mit allen Nachrichten, die man konsumiert: Man muss wissen, wer sie mit welchem Ziel schreibt.
Dann kann man sie auch dementsprechend kritisch lesen und bewerten.