1

„Man weiß nicht, wie lange man auf den Frieden warten muss“

Hilfesuchend und gleichzeitig helfend

Mona Almalla kommt als Flüchtling in ein ihr fremdes Land, sucht nach Integrationshilfe und hilft zunächst ehrenamtlich weiteren ankommenden Flüchtlingen.

Jeweils ein Rucksack auf dem Rücken

Eine Schulleiterin flieht mit ihrer Familie mit jeweils einem Rucksack auf dem Rücken, aus Syrien nach Deutschland und landet im Hohenlohekreis, genauer gesagt, in Künzelsau. Diese Frau ist Mona Almalla, eine Frau mit einer Geschichte mit Höhen und Tiefen. Im Jahr 2015 flüchtete die heute 53-Jährige mit ihrem Ehemann und ihren fünf Kindern im Abstand von 13 bis 24 Jahren, aus Syrien nach Deutschland. 17 Tage waren sie über die Landroute unterwegs und waren dann eine der ersten Flüchtlingsfamilien im Hohenlohekreis.

Ansteckendes und herzliches Lachen

Als ich sie zum ersten Mal sah, kam sie mir nervös und unsicher vor, aber ich hatte mich getäuscht. Im Rahmen eines von GSCHWÄTZ veranstalteten Journalismus-Workshops erklärte Mona sich bereit, sich von uns Jungjournalisten interviewen zu lassen. Selten erlebt man eine Frau mit einem so selbstsicheren Auftreten und mit einem so ansteckenden und herzlichen Lachen, wie Mona. Sie strahlt eine unglaublich positive und aufgeweckte Energie aus, welche sie auf das ganze Team übertragen hat. Selbstsicher und realistisch erzählt Mona ihre Geschichte, geht dabei auf jede Frage der Interviewenden ein und hat für alles eine Antwort. Wir merkten schnell, dass vor uns eine starke Frau steht, die sich nicht unterkriegen lässt und für sich und ihre Meinung einsteht. Aber ihre Stärke kommt nicht von irgendwo, ihre Stärke zieht sie aus ihrer Religion, welche sie auch optimistisch denken lässt. „Mein Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche.“

„Mein Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche“

Mit ihrer Ankunft in Deutschland lässt sie gleichzeitig viel zurück. Ihre Heimat, Freunde, Verwandte und ihren Beruf als ehemalige Schulleiterin einer Mädchenschule. Aber für sie war klar, sie möchte so schnell wie möglich wieder anfangen zu arbeiten. „Ich war traurig, so hilflos zu sein, ich möchte lieber helfen“, war ihre Überlegung. Und das machte sie auch relativ zügig mit einer ehrenamtlichen Beschäftigung im Albert-Schweizer-Kinderdorf in Waldenburg. „Ich war die Brücke für die deutsche und arabische Kultur.“ Denn sie dolmetschte und übersetzte. Sie fungierte auch als Sprachrohr für die weiteren Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen und sich erst einmal in der neuen Kultur zurechtfinden mussten. Parallel dazu suchte sie weiter nach einem Beruf, in dem sie aufgeht und Bezahlung erhält. „Ich suche immer nach einer Lösung, nach der richtigen“, erklärt sie während des Interviews. Mittlerweile arbeitet die fünffache Mutter im Albert-Schweizer-Kinderdorf als feste Angestellte mit Bezahlung. Sie arbeitet heute mit ukrainischen Flüchtlingen zusammen und betreut die Frauen und Kinder mit ihren ersten Begegnungen und Eindrücken in Deutschland.

„Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich“

Die studierte Lehrerin geht in ihrer neuen Tätigkeit auf, sie wird nicht nur als Mitarbeiterin eingesetzt, sondern auch als Psychologin, stützende Schulter und als erste Ansprechstelle der Flüchtlinge. „Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich,“ sagt sie. „Es geht uns hier gut, ich habe eine Arbeit, aber es ist eben nicht unser Zuhause.“ Deutschland ist ein neues Kapitel für Mona und ihre Familie, aber mit Syrien habe sie abgeschlossen. Sie möchte nicht davon träumen eines Tages nachhause zurück zu kehren. Es wären falsche Hoffnungen, die sie sich machen würde. Dennoch kann sie auch alle verstehen, die sich diese Hoffnung machen – wie viele der ukrainischen Frauen mit ihren Kindern. Die Hoffnung, dass der Krieg in absehbarer Zeit zu Ende sein wird und sie zurück können.

Manche möchten daher erst gar nicht die deutsche Sprache lernen. Mona aber weiß besser als viele andere: „Man weiß nicht, wie lange man auf Frieden warten muss, deswegen motiviere ich, die Sprache zu lernen. Auch muss man den Kontakt zu den Deutschen suchen. Man muss sich selbst bemühen.“ Die engagierte Helferin äußert auch, dass die Hilfe, welche die Ukrainer jetzt bekommen eine anders ist, als die Syrer damals bekommen haben. Sie werden direkt integriert. Das heißt sie kommen gleich in private Wohnungen und haben es so auch einfacher die deutsche Kultur zu erlernen, wenn der Wille besteht.

Mona Almalla, eine Frau welche mit ihrer Familie nach Deutschland kommt und Hilfe sucht und am Ende anderen hilft, das durchzustehen, vor dem sie auch stand. Eine beeindruckende und fleißige Persönlichkeit, welche Ziele hat und dafür arbeitet, dabei aber nie ihre Wurzeln und Kultur vergisst.

Text: Cora-Lee Pusker