1

Mit Sinn, Herz und Verstand

Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg sucht aktuell Kinderdorfeltern. Was wird von diesen erwartet?

„Unsere Kinderdorfeltern stellen sich mutig einer großen Herausforderung und nehmen bis zu 7 Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können, in ihre Familie auf. Auf diese Weise erhalten diese Kinder optimale Entwicklungschancen.

Die Familie schafft einen stabilen Lebens- und Beziehungsrahmen, der sich am normalen Familienleben orientiert und durch pädagogische Fachlichkeit erweitert wird. So erhalten die aufgenommenen Kinder die bestmögliche Förderung.

Die Elternrolle übernehmen unsere Kinderdorfeltern. Sie bleiben für viele Kinder Rückhalt und Anlaufstelle selbst dann noch, wenn sie längst selbständig sind und eigene Familien haben.

Im Sinne von Albert Schweitzer steht das Miteinander und Füreinander im Mittelpunkt des Alltags jeder einzelnen Kinderdorffamilie.“

Jedes Kind individuell betrachten

Seit der Gründung 1957 fanden weit über 600 Kinder in den Kinderdorffamilien für kurze oder lange Zeit ein Zuhause. Auf Schweitzers Ethik basiert das Wirken aller im und für den Verein Tätigen: „Wir wollen jedes Kind in seiner Persönlichkeit achten, in seiner individuellen Eigenart annehmen, in seinen Fähigkeiten stärken und fördern.“

Die Leitung berät die Kinderdorfeltern durch Beratung bei pädagogischen und psychologischen Fragen, aber auch durch eine fachgerechte Verwaltung und organisatorische Hilfestellung unterstützt werden, versteht sich von selbst.

Was erwartet wird: Eine Tätigkeit mit Sinn, Herz und Verstand
• Sie und Ihre Familie beziehen eines unserer großzügigen Häuser mit eigenem Garten.
• Nach einer Zeit des Ankommens nehmen Sie nach und  nach bis zu sieben Kinder in ihre Familie auf, bauen Beziehung auf, begleiten und fördern die Kinder im Alltag.
• Wählen Sie mit uns gemeinsam „Ihre“ Kinder aus, die Sie im Leben begleiten. Erleben sie deren Entwicklung  und ermöglichen Sie Ihnen eine tolle Kindheit, die ohne Ihre Unterstützung so nicht möglich wäre.
• Sie führen als Hausleitung ein Team von Erzieher/innen, FSJ’ler/in oder Auszubildende/r  und einer Hauswirtschaftskraft.
• Sie haben 36 Tage Urlaub bei einer 6-Tage-Woche.
• Sie genießen ein langfristiges, sicheres sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bei einem Arbeitgeber mit hohem Ansehen und langjähriger Erfahrung
• Ihr/e Partner/in geht weiterhin ihrer/seiner gewohnten Arbeit nach und erhält die Ehrenamtspauschale.

Was geboten wird:
• Überdurchschnittliche Vergütung ausgehend von einer 48h/ Woche angelehnt an den TVÖD SuE
• Jahressonderzahlung
• Interne und externe Fortbildung, ein hoher fachlicher Standard, regelmäßige Supervision und Fachberatung
• Arbeitszeiten-Zeitwertkonto
• Eine rein arbeitgeberfinanzierte Betriebliche Altersversorgung (VBLU)
• Betriebliches Gesundheitsmanagement
• Viele Möglichkeiten zur Partizipation und Weiterentwicklung, flache Hierarchien
• Gemeinschaftsaktionen – Betriebsfeiern – Betriebsausflüge
• Zeitgemäße moderne Arbeitsausstattung
• Fuhrpark mit PKW’s und 9-Sitzer-Bussen
• Einrichtungsinterner naturnaher Kindergarten „Waldpiraten“ für ihre eigenen und die aufgenommenen Kinder

Mehr Informationen und Kontakt: 07942 9180-0 




„Dadurch würde sich ihr Zustand eher verschlimmern“

Altersdemente Menschen können eine starke Belastung für ihr soziales Umfeld, aber auch für Altenheimmitarbeiter sein. Warum dennoch versucht werden sollte, sie in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen, erklärt der Pressesprecher des Klinikums am Weißenhof in Weinsberg, Valentin Rohn. Vorausgegangen war die Kritik einer Familie über die Behandlung ihrer altersdementen Angehörigen am Klinikum in Weinsberg (wir berichteten).

„Zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen“

GCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass manchmal stark altersdemente Personen in Räumen stundenlang separiert werden?

Rohn: Patienten, die auf der Station mit Schwerpunkt zur Diagnostik und Behandlung von kognitiven Störungen und Demenzerkrankungen aufgenommen werden, zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen (zum Beispiel schwere Unruhe und Getriebenheit mit zeitweise lautem Rufen oder Schreien, oft auch eigen- und fremdgefährdendem Verhalten). Eine stationäre Aufnahme erfolgt meist dann, wenn das Umfeld (Pflegeheim oder Angehörige zuhause) mit diesen Verhaltensweisen nicht mehr gut zurechtkommt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Eine ungewohnte und gegebenenfalls unruhige Umgebung kann die oben genannten Verhaltensweisen zunächst noch verstärken und sich dann sogar auf andere Mitpatienten übertragen. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, einen unruhigen Patienten aus der Situation zu nehmen und ihn einzeln oder in einer Kleingruppe zu betreuen. Patienten mit nasser Kleidung (zum Beispiel durch das Verschütten von Getränken) werden selbstverständlich schnellstmöglich umgekleidet.

Personalengpass ist mir nicht bekannt

GSCHWÄTZ: Gibt es einen Personalengpass an bestimmten Stellen in dieser Abteilung?

Rohn: Personelle Engpässe diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Unsere Klinik weist keine erhöhte Personalfluktuation auf. Offene Stellen können zeitnah nachbesetzt werden.

„Dadurch würde sich ihr Zustan eher verschlimmern“

GSCHWÄTZ: Mediziner wie Gian Domenico Borasio, ein angesehener Professor in der Schweiz, wies jüngst in einem Artikel in der ZEIT (Titel: „Das Gegenteil von Hilfe“, Ausgabe 25. Februar 2021) darauf hin, dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, an Altersdemenz erkrankte Menschen in eine komplett neue Umgebung zu überführen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Dadurch würde sich ihr Zustand nicht selten eher verschlimmern als verbessern. Hinzu käme die Gefahr von Klinikkeimen.  Teilen Sie diese Ansicht? Wenn ja, warum beziehungsweise warum nicht?

Rohn: Als Fachklinik für Gerontopsychiatrie können wir dieser Aussage nur zustimmen. Eine Behandlung von demenzerkrankten Menschen sollte idealerweise in Ihrer gewohnten Umgebung stattfinden. Eine große Anzahl von Patient:innen wird auch deshalb von einem interdisziplinären Team (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Fachtherapeut:innen, Pflegefachpersonen) über unsere Gerontopsychiatrische Institutsambulanz (PIA) behandelt. Patient:innen, die im Pflegeheim leben, können über die PIA ebenso in ihrem häuslichen Umfeld regelmäßig aufgesucht und so eine ambulante Behandlung sichergestellt werden.

Zusätzlich bietet die Klinik für Gerontopsychiatrie seit November 2020 insbesondere für an Demenz erkrankten Patient:innen, bei denen eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit besteht, eine stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit (im Pflegeheim, im betreuten Wohnen oder im eigenen Zuhause) an. Aktuell stehen fünf Behandlungsplätze für Patient:innen mit Wohnsitz in einem Radius von 20 Kilometer um Weinsberg zur Verfügung.

Wir sind bemüht, dieses Behandlungsangebot noch stärker auszubauen. Natürlich sind diesen ambulanten Behandlungsangeboten Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlen und auf sofortige Entlastung durch Klinikaufnahme drängen, oder Patienten in unzumutbaren Verhältnissen leben, die gefährdend sind.

Borasio hat mit seiner Haltung sicher nicht Unrecht, man muss sich in allen Fällen aber auch immer die Frage nach den verfügbaren Möglichkeiten und Alternativen stellen.“




Familienfest in Waldenburg

Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf veranstaltet am Sonntag, den 07. Juli 2019, von 11 bis 18 Uhr in Waldenburg ein Familienfest mit einem Tag der offenen Tür. Es gibt eine Spielstraße, Ponyreiten, eine Tombola, Bogenschießen, Esel führen und eine Wasserutsche geboten. Ab 12 Uhr spielt der Harmonikaverein Neckarsulm und ab 16 Uhr tritt die Liveband ‚Groove Affair‘ auf und der Kinderchor singt.

Kinderdorfeltern begleiten durch Hausführungen und man kann sich Informationen zu den einzelnen Berufsfeldern, die im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg angeboten werden, holen.

Flyer zum Familienfest. Flyer: Albert-Schweitzer-Kinderdorf

Flyer zum Familienfest. Flyer: Albert-Schweitzer-Kinderdorf

 

 




Von einer Familie, die es geschafft hat

Im April 2017 haben wir über Mona Al-Malla und ihre Familie berichtet, von ihrer Flucht vor dem Krieg in Syrien und ihrem Neuanfang in Künzelsau. Damals standen sie bei Null, die Belastung der mehrwöchigen Flucht mit ihren fünf Kindern steckte ihnen noch in den Knochen, sie wohnten in einer Sozialwohnung, lernten Deutsch und waren auf der Suche nach einem passenden Job. Parallel dazu immer die Sorge, wie es ihren zurückgebliebenen Verwandten und Freunden in ihre mittlerweile völlig zerstören Heimatstadt Aleppo geht.

Wir haben Mona gefragt, wie es ihnen, eineinhalb Jahre später, geht. Die Familie wohnt noch immer in Künzelsau, aber mittlerweile in einer anderen Wohnung. Diese ist vom Platz her ausreichend für die Familie. Aber die wichtigste Neuigkeit: Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg hat Mona als Integrationsmanagerin eingestellt. Sie betreut nun Flüchtlingsfamilien in Kupferzell und Neuenstein und hilft ihnen, wenn sie Fragen zur Integration, zur Arbeitssuche, Sprache, Kultur  oder zu Behördengängen haben. Derzeit macht Mona auch ihren Führerschein. Monas Ehemann, Mustafa, der sich anfangs schwerer mit der Sprache tat als der Rest der Familie, arbeitet nun als Buchhalter, also in dem Beruf, den er in Syrien gelernt hat, bei der Firma Sigloch in Blaufelden. Tochter Raghad studiert Pharmazie in Freiburg. Ihre Schwester Raneem  will ebenfalls Pharmazie oder Zahnmedizin studieren. Nach dem Abitur absolviert sie zu diesem Zweck gerade ein Praktikum in einem Altenheim in Künzelsau. Die jüngeren Söhne besuchen das Schlossgymnasium und das Ganerben-Gymnasium. Die Familie hat wieder neuen Mut gefasst. Dennoch sind sie in Gedanken oft in ihrer Heimat, die immer weiter zerstört wird und beten für Frieden.




250 Putztücher für eine 1.000-Euro-Spende

Am Mittwoch, den 05. September 2018, hat das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg eine 1.000 Euro-Spende von Nicole Dörr erhalten. Um diese Spende überreichen zu können, musste die 44-jährige 250 Sweethearts verkaufen.

250 Putztücher für einen 1.000 Euro Scheck

Nicole Dörr aus Dörrenzimmern ist seit sieben Jahren proWIN-Beraterin und verkauft Reinigungmittel. Sie hatte von Januar 2018 bis April 2018 Zeit, um 250 Sweethearts (Putztücher in Herzform) zu verkaufen – und war erfolgreich.

Nicole Dörr aus Dörrenzimmern verkaufte 250 Sweethearts und schaffte es so dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg eine 1.000 Euro Spende zukommen zu lassen.
Foto: GSCHWÄTZ

„Ich hatte Tränen in den Augen als ich auf der Internetseite vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf war“

Prowin stellte den Scheck und Nicole Dörr durfte entscheiden, an wen die 1.000 Euro gehen. Sie entschied sich für das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg. „Ich wollte, dass das Geld jemanden in der Region zugutekommt. Als ich auf der Internetseite vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf war, hatte ich Tränen in den Augen. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an die Schicksale der einzelnen Kinder denke“, erzählt Dörr, die selbst einen achtjährigen Sohn hat.

Wofür setzt das Albert-Schweitzer-Kinderdorf die 1.000 Euro ein? „Das neue Schuljahr steht schon vor der Tür und nach dem ersten Schultag kommen die Kinderdorfkinder mit einer langen Liste nach Hause, was für das Schuljahr benötigt wird. Hefte, Stifte, Bücher, Zirkel, Taschenrechner, Zeichenblöcke und vieles mehr – da kommt bei einer Großfamilie schon eine stolze Summe zusammen. In diesem Jahr sind auch fünf Schulanfänger darunter, die mit Schulranzen, Turnbeutel und natürlich einer Schultüte ausgestattet werden. Etliche Kinderdorfkinder haben aufgrund ihrer Vorgeschichte mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen. Um die Kinder zu unterstützen, erhalten sie zusätzliche Lernmaterialien und Nachhilfeunterricht“, erklärt Eva SeibelReferentin für Öffentlichkeitsarbeit des Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg.

Unterstützung wird immer benötigt

„Wir freuen uns immer über neue Vereinsmitglieder. Ein Kinderdorf aber kann nur gedeihen, wenn es von vielen Menschen getragen wird, die dem Verein ein starkes Fundament geben. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 12 Euro im Jahr und der Mitgliedsantrag kann auf der Homepage des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes auch heruntergeladen werden. Das Konzept des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes ist auf die Unterstützung von Spendengeldern angewiesen. Kinder, die aus hochbelastenden Lebensumständen kommen, brauchen langfristige, verlässliche Bindungen an feste Bezugspersonen, um sich gesund entwickeln und wieder Vertrauen in sich und ihre Umwelt fassen zu können. Dabei werden die Kinder unterstützt durch ein breites Angebot pädagogischer Fachkräfte“, so Seibel.

Die Scheckübergabe im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Waldenburg.
Foto: Albert-Schweizer-Kinderdorf

 




Wie lebt es sich so als zehnfache Mama?

Ein Besuch im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg.

Es ist ruhig an diesem Morgen im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg. Die 58 Kinder der sechs Familien, die zurzeit hier leben, sind in der Schule oder im Kindergarten. „Am Nachmittag herrscht hier schon mehr Trubel“, sagt Eva Seibel, Pressereferentin der Einrichtung. Dann spielen die Kinder auf der verkehrsberuhigten Straße oder malen, basteln und kochen im so genannten Treff.

Zu ihren eigenen drei Kindern kamen sieben weitere dazu

Gegründet 1957 von Margarete Gutöhrlein und inspiriert von Albert Schweitzer gibt der Verein schutzbedürftigen Kindern ein Zuhause. Bundesweit gibt es zehn solcher Einrichtungen.
Auch Kerstin Fellger und ihr Mann Markus Pachmann sind seit 2015 Kinderdorf-Eltern. Zu ihren eigenen drei Kindern kamen sieben weitere dazu. „Es ist eine Herausforderung, die das ganze Leben umkrempelt“, sagt die gelernte Altenpflegerin und Erzieherin. Zunächst arbeitete sie als Erzieherin im Dorf. Ihr Mann gab dann den Anstoß für die Entscheidung, Kinderdorf-Eltern zu werden. Er arbeitet zwar extern als Schreiner, „doch der Papa ist das absolute Idol und besonders für die Jungs sehr wichtig“, erklärt die 39-Jährige.

Einen Familienurlaub planen? Eine logistische Meisterleistung für Kerstin Fellger.
Foto: GSCHWÄTZ / Sonja Bossert

Ein Elternteil muss Erzieher sein oder eine sozialpädagogische Ausbildung haben

Auch das gehört zum Konzept des Kinderdorfs: Betreut werden die Kinder von Paaren, mit einem Mann als Vorbild, das sei besonders für die Jungs wichtig. Ein Elternteil muss Erzieher sein oder eine sozialpädagogische Ausbildung haben. Mittlerweile haben sich Kerstin Fellger und ihre Familie eingelebt. Vor allem für ihre jüngste Tochter, die zehnjährige Lara, sieht sie Vorteile: „Sie hat jetzt immer jemanden zum Spielen.“ Der 17-jährige Sohn Lukas dagegen ist der coole Held der Rasselbande. Unterstützung im Alltag geben eine Hauswirtschafterin und Erzieher. Erlebnis- und Freizeitpädagogen bieten nachmittags ein Programm, ein Zirkuspädagoge trainiert mit den Kindern und eine Musikpädagogin gibt Unterricht. Die ab Zehnjährigen betreiben einmal im Monat ein Café.

Wichtig ist eine konstante Bezugsperson

Es sind Kinder aus Problemfamilien, deren Eltern sich nicht kümmern können oder wollen, die im Kinderdorf ein neues Zuhause finden. Das ging teilweise so weit, dass die Kinder nicht einmal ausreichend zu essen bekamen. Die Kinder werden vom Jugendamt aus ihren Familien genommen und können, wenn sie das entsprechende Alter haben und es Platz gibt, im Kinderdorf leben. Es gibt die Möglichkeit eines begleiteten Umgangs mit den leiblichen Eltern. Um den Start zu erleichtern, lernen sich alle schon vor dem Einzug kennen. Wichtig ist eine konstante Bezugsperson – die Eltern sollen ihre Rolle ganz bewusst leben. So sagen die Kinder mittlerweile Mama zu Kerstin Fellger.

„Hier hat man eine richtig echte Mama“

Der Alltag der Großfamilie sieht aus wie der jeder Familie – nur in anderen Dimensionen. Die zwei Waschmaschinen im Haus drehen sich ständig und die Kleidung wird in acht Körbe einsortiert. Eine logistische Meisterleistung ist die Fahrt in den Sommerurlaub. In der Woche zuvor gibt es viel zu tun: Listen schreiben, einpacken, kontrollieren, ob auch wirklich alles im Auto ist. Um abzuschalten, fährt die Hausmutter auch mal mit ihrer Ursprungsfamilie alleine weg. Doch länger als fünf Tage war das bis jetzt noch nicht. Auf Rituale legt Kerstin Fellger viel Wert – gemeinsame Mahlzeiten und Geburtstagsfeiern etwa. Einmal in der Woche räumen alle zusammen die Kinderzimmer auf. So lernen die Kinder Familienalltag kennen, den sie zuvor nicht hatten. Ein echtes Familienprojekt ist der Stall in Schwäbisch Hall, in dem acht eigene Pferde stehen. Mehrmals in der Woche fährt die Hausmutter dorthin, immer begleitet von einigen Kindern. Die Kinder leben gern im Dorf. Fragt man, sagen sie „weil man hier gutes Essen kriegt“, oder „weil Papa alles repariert und man nie allein ist“. Aber das Schönste für Kerstin Fellger ist die Antwort des Jüngsten: „Hier hat man eine richtig echte Mama“.