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Große Schäden bei Wasseraustritt im Ärztehaus Schloß Stetten

Gleich zweimal an denselben Schadensort ausrücken musste die Künzelsauer Feuerwehr am vergangenen Wochenende: Sowohl am Freitag, den 14. Mai 2021 als auch am Sonntag, den 16. Mai 2021, wurde sie wegen eines Wasserschadens in das neue Ärztehaus auf Schoß Stetten gerufen. „Auf gut 100 m² standen bis zu 3 cm Wasser“, so der Einsatzbericht der Feuerwehr. Laut Feuerwehr war am Freitag „ein abgerissener Schlauch an einem Eckventil“ die Ursache des Schadens, ein Wasserrohrbruch wurde für den Einsatz am  Sonntag genannt.

Am Freitag und Samstag nahezu derselbe Alarm

Am Sonntagmorgen dann nahezu derselbe Alarm: Wieder ein Wasserschaden, und wieder musste die Feuerwehr mit Wassersaugern und Wasserschiebern die betroffenen Räume trockenlegen.

Die Feuerwehr nennt als Ursache des Schadens vom Freitag „ein abgerissener Schlauch an einem Eckventil“, dieselbe Ursache bedingte den Einsatz am Sonntag. Beide Schäden entstanden in einem Laborraum im Erdgeschoß.

Beeinträchtigungen im Praxisbetrieb „über Wochen“ erwartet

Der Praxisbetrieb ist beeinträchtigt: Dr. Andreas Kühn, Betreiber des dortigen Schmerzpraxis, befürchtet, dass wohl „über Wochen keine Behandlung im Keller möglich“ sein dürfte.  Auf seiner Homepage ist bereits zu lesen, dass „der Betrieb zur Zeit vor allem beim Bodymapping, Biofeedback und PDAs eingeschränkt“ ist.

Eine Aussage über die Schadenshöhe ist noch nicht möglich.

Text: Matthias Lauterer

Edit: Aufgrund einer später zugegangenen Information wurde der Artikel geändert: Der Schaden entstand nicht, wie ursprünglich geschrieben, im Obergeschoß, sondern im Erdgeschoß.

 

 




Familie von Stetten: „Wir müssen das Krankenhaus durch irgendetwas ersetzen“

Ein neues Gebäude steht markant am Eingang von Schloß Stetten. So ganz fertig ist es zumindest im Außenbereich noch nicht, an vielen Stellen ragen noch Kabel aus dem Erdreich und Bauarbeiter sind noch am Werk. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich wie in einem Hotel – ein geschwungener Empfangstresen, dezente und ruhige Farben, dazu passender Blumenschmuck. Fast ist man geneigt, die Bar zu suchen. Aber Menschen in typisch medizinischer Kleidung, weiße Hosen und hellgrüne Shirts, zerstören den Traum und machen klar, dass man sich in einer Arztpraxis befindet.

Wie im Hotel

Die in Künzelsau bekannten Ärzte Professor Christoph A. Karle und Dr. Andreas Kühn haben sich entschlossen, ihre bisherigen Wirkungsstätten in Künzelsau und am Hohenloher Krankenhaus aufzugeben und unter dem Namen „PraeMedicum“ hier eine Praxisgemeinschaft mit einem neuen Konzept in Zusammenarbeit mit der Familie von Stetten zu verwirklichen.

Dr. Andreas Kühn stand GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer für ein Gespräch zur Verfügung.

Schmerztherapie, was ist das eigentlich?

Dr. Kühn war bis 31. März 2020 am Hohenloher Krankenhaus als Chefarzt der Anästhesie tätig und betreute in Künzelsau Schmerzpatienten in seiner Schmerzambulanz. Als Facharzt für Intensivmedizin und Notfallmedizin ist Dr. Kühn einer der „leitenden Notärzte“ im Hohenlohekreis und koordiniert Rettungseinsätze bei Großlagen.

Als Schmerztherapeut unterstützt er Patienten mit chronischen Schmerzen, unter anderem bei Krebs, Kopf- oder Rückenschmerz. Schmerztherapie bedeutet nicht nur Verabreichung von Medikamenten, auch Physiotherapie oder Akupunktur sind Bestandteil der Therapie. Und da chronische Schmerzen psychisch hervorgerufen werden können und umgekehrt Auswirkungen auf die Psyche haben, ist Psychosomatik eines der medizinischen Fachgebiete, die für die Schmerztherapie große Bedeutung haben.

Familie von Stetten: „Wir müssen das Krankenhaus durch irgendetwas ersetzen“

„Die Familie von Stetten hat gesagt, wir müssen das Krankenhaus durch irgendwas ersetzen“, beschreibt Dr. Kühn die Ursprünge der Idee des neuen Ärztehauses auf Schloss Stetten, das nur einen Steinwurf von der Kreisstadt Künzelsau entfernt ist, wo vor nicht allzu langer Zeit ihr Krankenhaus geschlossen wurde (wir berichteten) . „Praxis Plus“ nennt er das Konzept, das er und Professor Karle umsetzen wollen: Keine Akutklinik, aber ein Praxenangebot mit mehreren Spezialisten, die zusammenarbeiten. Ein kleiner OP-Saal soll Operateuren die Möglichkeit bieten, Operationen durchführen zu können, Kühn spricht hier Orthopäden und Augenärzte an, kann sich aber auch andere Fachgebiete vorstellen. Ein kleiner Bettenbereich soll es ermöglichen, nicht nur ambulante Operationen durchzuführen, sondern Patienten auch nach einer Operation ein paar Tage zu beobachten.

Auch Operationen möglich

Kühn spricht davon, es sei „erklärte Politik der Bundesregierung, kleine Krankenhäuser zu schließen“ – und dadurch seien im Hohenlohekreis die Wege ins Krankenhaus sehr weit geworden. Das Konzept der neuen Praxisgemeinschaft will dem entgegenwirken: „Intersektorale Versorgung“ nennen Gesetzgeber und die kassenärztliche Bundesvereinigung derartige Konzepte und viele Ansätze werden derzeit erprobt. Oft sind die Träger solcher Konzepte Krankenhäuser, die ihr Portfolio erweitern und neue Einnahmequellen erschließen wollen, seltener niedergelassene Ärzte. Noch ist nicht klar, wie sich die Krankenkassen eine „intersektorale Versorgung“ vorstellen können, viele Fragen sind noch ungeklärt. Das bietet aber auch Chancen: Ungeklärt ist beispielsweise, ob die angedachte kurzstationäre Behandlung von den gesetzlichen Kassen übernommen wird. Aber Kühn sagt: „Das Ziel ist, dass die Krankenkassen sagen: Ihr seid billiger als ein Krankenhaus.“ Beispielsweise benötigen stationäre Schmerzpatienten in der Regel kein mit medizinischer Infrastrukutur ausgestattetes Krankenzimmer, ein Ansatz zur Senkung der Kosten, wie er auf Schloß Stetten umgesetzt wird.

Im Großen und Ganzen erinnert das Konzept doch sehr an eine Poliklinik:  „Das ist auch das, was wir machen wollen“, nickt Kühn.

Generell kritisiert er die rein marktwirtschaftliche Orientierung des Gesundheitssystems, das den Patienten als einen Kunden betrachtet: „Ein Kunde ist ein Objekt der Wertschöpfung – ein Patient ist einfach nur krank.“

Praxen offen für Kassenpatienten

Er legt Wert darauf, dass die Praxen der Praxisgemeinschaft sowohl für Privat- als auch für Kassenpatienten offenstehen.

„Es geht um Versorgungsqualität, nicht um Konkurrenz.“

Sieht er die neue Praxis als Konkurrenz zum Hohenloher Krankenhaus? Unter der Maske ist sein Gesichtsausdruck nicht zu erkennen, als er sagt: „Ich wäre eine Konkurrenz zu einem Krankenhaus in Künzelsau. Es gibt so viele Patienten, die froh sind, wenn es überhaupt eine Versorgung gibt. Es geht um Versorgungsqualität, nicht um Konkurrenz.“

In Zukunft möchte er weitere Spezialisten in der Praxisgemeinschaft sehen, eine Praxis für Physiotherapie wird auf jeden Fall bald einziehen.

Die Grenzen der derzeitigen Ausbaustufe des Konzepts sieht Kühn deutlich: „Sie können nicht nachts um drei mit einer Schnittwunde zu uns kommen.“ Die Frage, ob der Krankenwagen einen Herzinfarkt in die kardiologische Praxis bringen wird, beantwortet er mit „vielleicht irgendwann“.

Text: Matthias Lauterer

Der Eingangsbereich erinnert an eine Hotelrezeption.

Dr. Andreas Kühn in seinem neuen Sprechzimmer. Foto: GSCHWÄTZ

Auf der Tafel ist noch Platz für weitere Praxen. Foto: GSCHWÄTZ




„Ein Ort, der für das ganze Kochertal, sogar für Teile des Jagsttals, eine Bereicherung sein wird“

Das alte Gasthaus zur Linde in Niedernhall soll zu neuem Leben erweckt werden. Ende Dezember 2019 hat die Raiffeisenbank Hohenloher Land (Raiba) das gesamte Grundstück mit dem Wohn- und Gasthaus sowie der ehemaligen Kegelbahn vom Eigentümer erworben. Zum Kaufpreis gab Andreas Siebert, Vorstandsvorsitzender der Raiba, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage keine Auskunft. Für die Sanierung und Renovierung wird die Bank weit über eine Million Euro investieren.

„Eine erste grobe Kostenermittlung des beauftragten Architekturbüros beläuft sich auf zirka 1,5 Millionen Euro“, so Siebert. „Derzeit werden jedoch die Anforderungen der Mietinteressenten noch überprüft und gegebenenfalls eingearbeitet.“

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung Niedernhall hat die Raiba ein Konzept für die Sanierung des bekannten Wohn- und Gasthauses erstellt. Das Gebäude soll laut Bürgermeister Achim Beck umfassend saniert, um- und angebaut werden. Das neu gestaltete Objekt soll künftig „Haus an der Linde“ heißen, sagte Beck auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.

Eröffnung im Herbst/Winter 2021 geplant

Losgehen soll es nach Auskunft des Bürgermeisters schon in Kürze. „Während die Eigentümer aus der Linde ausziehen, laufen im Hintergrund schon die Planungen für den Umbau und die Umnutzung“, so Beck weiter. Ursprünglich sah der Plan vor, dass das Objekt im Sommer beziehungsweise im Herbst 2021 eingeweiht und in Betrieb genommen werden kann. Diese Zielvorstellung hatte auch die Raiba, die plante, die Räumlichkeiten „bereits im zweiten Halbjahr 2021 ihrer neuen Verwendung zuführen zu können“. Durch Corona hat sich die Terminplanung leicht nach hinten verschoben. Bürgermeister Beck erklärte zum aktuellen Stand: „Das Ärztehaus steht kurz vor der Einreichung des Baugesuchs. Die Genehmigung ist nach aktuellem Stand für den Herbst 2020 geplant.“ Der Bauherr plane aber die Eröffnung nach wie vor im Jahr im Herbst/Winter 2021. Im Herbst/Winter soll es laut Bürgermeister Beck soweit sein.

„Ein Kinderarzt, eine neue Hebammenpraxis und eine Physiopraxis sollen hier einziehen“

In der heutigen Linde sollen drei unterschiedliche Praxisräume entstehen – laut Beck handelt es sich dabei um „einen Kinderarzt, der hier in Niedernhall eine Praxis einrichtet, sowie um eine neue Hebammenpraxis und eine Physiopraxis, die bereits hier vor Ort praktiziert, sich jedoch mittelfristig in den neuen Räumen sieht“. Auch Raiba-Vorstandsvorsitzender Siebert bestätigt, dass man mit „diesen Ärzten und Dienstleistern in einvernehmlichen Verhandlungen“ stehe. Konkrete Namen wollten jedoch weder er noch Achim Beck zu diesem Zeitpunkt nennen.

„Ein Ort, der für das ganze Kochertal, sogar für Teile des Jagsttals eine Bereicherung sein wird“

Die umgebauten Praxisräume und der Neubau sollen barrierefrei werden, das Gebäude Linde aber in der Ansicht und Kubatur erhalten bleiben. Bürgermeister Beck sieht das Projekt als „ein Ort, der der Gesundheitsversorgung dient, der übrigens für das ganze Kochertal, zudem sogar für Teile des Jagsttals eine Bereicherung sein wird, zumindest was die dann ansässige Kinderarztpraxis betrifft“. Und sofern „am Ende des Tages alles klappt und alle Nutzer an Bord bleiben können“.

Niedernhall steuert 160.000 Euro aus dem Stadtsäckel bei

Besonders freut Beck, dass zeitgleich die vorhandene Kegelbahn abgerissen wird. Dort soll ein Mehrfamilienwohnhaus entstehen – „auch wieder ein Beispiel für ein
innerörtliches Wohnprojekt“. Weil sich mit dem Projekt die Stadt Niedernhall um die Gesundheitsversorgung am Ort und darüber hinaus kümmere, hat der Gemeinderat in einer Sitzung im vergangenen Jahr entschieden, dieses Projekt mit 400.000 Euro aus Stadtsanierungsmitteln zu unterstützen. Davon werde die Stadt Niedernhall faktisch 40 Prozent – also 160.000 Euro – aus dem Stadtsäckel selbst bezahlen. Den Rest trägt das Land Baden-Württemberg. Diese Zahlen bestätigte auch Raiba-Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert – „abhängig von den tatsächlichen Umbaukosten“. Überlegungen von Seiten der Stadtverwaltung Niedernhall, das Grundstück angesichts der hohen Bezuschussung aus Stuttgart mit 240.000 Euro selbst zu erwerben, gab es laut Auskunft von Bürgermeister Beck jedoch nicht.

Gasthaus war ursprünglich ein Arzthaus

Das Gasthaus Linde war ursprünglich im Jahr 1830 als Arzthaus errichtet worden, erst 1880 wurde es als Braugaststätte umgenutzt. „Mit dieser Planung führt man die Linde wieder der ursprünglichen Nutzung – also die Nutzung als Arztpraxis“, so Beck.

Text: Sonja Bossert

Achim Beck hat am 07. Dezember 2017 Klartext gesprochen

Bürgermeister Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck sieht das Projekt als eine Bereicherung nicht nur für Niedernhall (Foto: GSCHWÄTZ), sondern für das ganze Kochertal.