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Vor 100 Jahren geschah das Unfassbare

Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den damaligen NSDAP-„Führer“ Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler – eine Entscheidung mit Vorgeschichte und weitreichenden Folgen.

Das Foto zeigt Adolf Hitler als neuen Reichskanzler am 30. Januar 1933 nach der ersten Sitzung des Reichkabinetts in der Reichskanzlei in Berlin. (© Bundesarchiv)

die große Koalition zerbrach

Als Adolf Hitler im Januar 1933 zum Reichskanzler der Weimarer Republik ernannt wurde, hatte die junge Republik schon eine fast vierjährige Krisenphase in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hinter sich. Ein maßgeblicher Motor eben dieser Phase war die Weltwirtschaftskrise von 1929. Vor allem die rasant ansteigende Arbeitslosigkeit war eine Herausforderung für demokratische Systeme weltweit. Die Krise destabilisierte auch die Weimarer Republik, die bereits zuvor von hohen Reparationsverpflichtungen des Versailler Vertrags und einem fehlendem Rückhalt in weiten Teilen der Gesellschaft belastet war.

Der Beginn: Die Regierungen regierten begannen, ohne parlamentarische Mehrheit zu regieren

1930 Interner Link:zerbrach die Große Koalition aus SPD, Deutscher Demokratischer Partei (DDP), Bayerischer Volkspartei (BVP), Deutscher Volkspartei (DVP) und Deutscher Zentrumspartei (Zentrum) am Streit über die Frage, ob die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhöht oder die Leistungen im Falle der Arbeitslosigkeit gekürzt werden sollten.

Instabile Kabinette und Notverordnungen

Nach dem Rücktritt der Regierung ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg nur wenige Tage später den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Reichskanzler und beauftragte ihn mit der Bildung eines neuen Kabinetts. Brünings Regierung, die ohne Verhandlungen der Parteien gebildet wurde, war die erste der sogenannten fünf Präsidialkabinette der Weimarer Republik. Damit wurden die Regierungen zwischen 1930 und 1933 bezeichnet, die mit Rückhalt des Reichspräsidenten, aber ohne und teils auch gegen die parlamentarische Mehrheit mittels Notverordnungen regierten. Das machte die Präsidialkabinette instabil – die Zeit bis 1933 war daher von einem Hin und Her zwischen Notverordnungen, deren Aufhebung durch das Parlament, mehrfachen Auflösungen des Reichstags und anschließenden Neuwahlen geprägt.

Die NSDAP erhielt immer mehr Simmen

Die NSDAP errang bei diesen Reichstagswahlen immer mehr Wählerstimmen. Die Reichstagswahl am 14. September 1930 brachte der NSDAP große Gewinne ein: Nach gerade einmal 2,6 Prozent der Wählerstimmen im Jahr 1928 kam sie nun auf 18,3 Prozent der Stimmen und stellte mit 107 Abgeordneten die zweitstärkste Fraktion nach der SPD im Reichstag.

Bei der Wahl am 31. Juli 1932 stimmten 37,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die NSDAP. Im neuen Reichstag war sie damit stärkste Kraft. Doch Hindenburg ernannte Hitler, NSDAP-Parteichef und Fraktionsführer, nicht zum Kanzler. Auf der Grundlage des Notverordnungsrechts blieb vorerst Reichskanzler Franz von Papen (Zentrumspartei) im Amt. Nach einem Misstrauensvotum des Parlaments gegen von Papen folgte am 6. November 1932 eine erneute Reichstagswahl.

Autoritärer Machterhalt

Die Nationalsozialisten verloren rund zwei Millionen Stimmen, stellten aber – bei gesunkener Wahlbeteiligung – mit 33,1 Prozent der Wählerstimmen erneut die stärkste Fraktion im Parlament. Nach der Wahl bot Hindenburg Hitler die Bildung einer parlamentarischen Mehrheitsregierung an. Der NSDAP-Vorsitzende forderte jedoch die Führung eines Präsidialkabinetts – Hindenburg verweigerte dies und ernannte daraufhin den parteilosen Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Doch auch diese Kanzlerschaft war nur von kurzer Dauer: Am 28. Januar 1933 trat von Schleicher zurück, er hatte den Rückhalt des Reichspräsidenten Hindenburgs verloren; seine Pläne für einen autoritären Machterhalt und zur Spaltung der NDSAP waren nicht aufgegangen.

Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler

Am 30. Januar 1933 war Hitler am Ziel: Hindenburg ernannte ihn zum Reichskanzler und löste den Reichstag erneut auf.

Hitlers Kalkül, bei den darauffolgenden Wahlen am 5. März die absolute Mehrheit zu erlangen, ging zwar nicht auf, die Zugewinne für die NSDAP aber waren enorm: 43,9 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf die NSDAP. Diese war zwar zunächst auf eine Koalition mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) angewiesen, auf ihrem Weg zur endgültigen Aushöhlung der Weimarer Demokratie aber nicht mehr aufzuhalten. Gewaltenteilung, Rechtsstaat und parlamentarische Demokratie wurden nach und nach abgeschafft.

Im August 1934 ließ sich Hitler als „Führer“ bestätigen

Nur eineinhalb Jahre später haben unter anderem Parteienverbote, die Auflösung der Länderparlamente, die Zerschlagung der Gewerkschaften, Gleichschaltung der Verbände und die Aushebelung von Grundrechten die NS-Diktatur zementiert. Im August 1934 ließ sich Hitler offiziell als „Führer und Reichskanzler“ bestätigen, der fortan die Ämter des Staatsoberhaupts, Regierungschefs, Oberbefehlshabers und Obersten Gerichtsherrs diktatorisch in sich vereint.




Nachhilfe in Sachen Hitlergruß

Wissen Sie als deutsche/r Staatsbürger:i noch etwas über das dritte Reich? Zum Beispiel wie der Hitlergruß geht? Wenn nicht, keine Sorge. Andere Nationalitäten wissen es auch nicht.

Unsere freie Mitarbeiterin Cora-Lee Pusker war für ein paar Wochen in den Sommerferien in Kanada, im ihre Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch zu verbessern. Welche Vorurteile ihr hier teilweise begegnet sind, weil sie deutsch ist, verschlug ihr die Sprache – aber nur im ersten Moment. Für uns hat Cora-Lee nochmal die Höhepunkte kultureller Vorurteile zusammengefasst und niedergeschrieben.

Deutschland = Adolf Hitler – Schade, dass manche so denken

In den Sommerferien bin ich mit 17 Jahren alleine nach Kanada gereist. Für vier Wochen war ich dort, um Französisch und Englisch in der Sommerschule zu lernen. Dabei war ich eine von wenigen Deutschen. Die anderen vielen verschiedenen Nationalitäten überwogen. Auch das Alter von den Teilnehmenden variierte. Manche in meinem Alter, aber auch etwas jünger oder etwas älter. Ich erhielt viele Eindrücke über andere Kulturen und viele der Teilnehmenden interessierten sich auch für die deutsche Kultur. Dabei fiel auf: Die Welt denkt immernoch: Deutschland sei Adolf Hitler.

„Muss ich als Ausländer Angst vor den Nazis in Deutschland haben?“

Einer meiner Betreuer, welcher der mexikanischen Gemeinschaft angehört, erzählte mir er wolle nach Deutschland, um zu studieren. Er war sehr motiviert und froh, eine Deutsche vor sich zu haben, an die er wichtige Fragen loswerden kann, die in über Deutschland und die deutsche Mentalität, beschäftigen. „Muss ich als Ausländer Angst vor den Nazis in Deutschland haben?“, war die Sorge, die ihn am meisten umtrieb. Unbegründet, denn wir schreiben ja schließlich das Jahr 2022.

Zunächst war ich verwirrt, ob er mir diese Frage wirklich gestellt hatte, aber ich erkannte den erwartenden Blick. Als ich ihm dann schließlich nach einer geschockten Pause meinerseits, erkläre, dass nationalsozialistische Ideologien verboten sind,war er überaus erleichtert, jedoch auch etwas verwirrt. „Also gibt es wirklich keine Nazis mehr in Deutschland?“ Diese Frage überlasse ich den Geschichtsprofis unter euch, sie zu beantworten.

Diese Frage schockte mich noch mehr

Denn dieses Fach dient in unserem Bildungssystem schließlich zur Aufklärung des Themas. Aber auch das wissen viele Nationalitäten nicht. Eine erwachsene Frau, die aus Jerusalem kommt, sprach mich darauf an. „Lernt ihr eigentlich noch, was ihr damals im zweiten Weltkrieg, getan habt?“ Das war ihre Frage, welche mich noch mehr schockte und ich eine noch längere Pause brauchte, bevor ich ihr geantwortet habe, dass wir in der Schule ein ganzes Unterrichtsfach haben, welches sich um dieses Thema dreht. Daraufhin bekam ich ein zufriedenes Nicken. Dennoch fühlte ich mich angegriffen, denn ich hatte doch damals gar nichts damit zu tun, zu dieser Zeit war ich ja noch nicht einmal geplant gewesen, als 2005er Jahrgang.

Mir fällt die Kinnlade herunter

Aber sei es drum. Wo bei uns die Bildung anfängt, hört sie bei den anderen eben auf. So wie bei einer Chinesischen Jugendlichen, welche höfliche von anstößigen Handzeichen nicht unterscheiden kann. So sitze ich nichtsahnend im Französischunterricht. Wir sind gerade am Besprechen einer Aufgabe und ich melde mich, da ich die Lösung kenne und es unhöflich ist, einfach rauszurufen. Meine Gegenüber fragt daraufhin in die Runde, warum ich denn immer den Hitlergruß mache. Immer noch meldend, mit nach oben ganz ausgestrecktem Arm und meinem Zeigefinger abgespreizt, fällt mir auf diese Frage nun wirklich die Kinnlade herunter. Alle Augen richteten sich auf mich und ich erklärte ihr, mithilfe gebildeter Mitschüler, dass das nicht der Hitlergruß ist, dass dies lediglich ein Ausdruck dafür ist, dass ich etwas weiß und die Lehrerin, das zur Kenntnis nehmen kann, ohne von mir unterbrochen zu werden – dasss es sich also um reine Höflichkeit und reinen Respekt handelt. „Und wie geht der Hitlergruß dann?“, frakt sie. Das soll ihr ihr Geschichtslehrer doch besser erklären, falls dieser überhaupt vorhanden sein sollte.

Text: Cora-Lee Pusker