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„Ich habe nie die Sorge gehabt, dass wir das nicht hinkriegen“

Die Bauarbeiten für das Quartier an der Stadtmauer auf dem PEKA-Areal gehen sichtbar voran. Eine große Grube ist entstanden, in der einmal die Parkgarage Platz finden soll. Vor allem im Feierabendverkehr ist die Baustelle auch erlebbar: An der Engstelle mit Ampelregelung auf Höhe des Sparkassengebäudes entsteht an manchen Tagen ein richtiggehender Stau, für Künzelsau ein ganz ungewohntes Bild.
Dazu kommt derzeit die Belastung durch LKWs, die den Erdaushub auf die Deponie bringen sowie durch die Straßenreinigung.

Herbst 2022 soll alles dertig sein

Christian Neudeck, der das Objekt für die activ-Group aus Schemmerhofen entwickelt, stand GSCHWÄTZ für ein Telefoninterview zur Verfügung: Der Aushub sei zu 70 Prozent fertiggestellt, sagt er über den Stand der Arbeiten und ergänzt, „dass die Aushubarbeiten planmäßig in zirka14 Tagen abgeschlossen sind. Dann wird die LKW-Frequenz deutlich nachlassen, wobei bei der Größe der Baustelle natürlich weiterhin „reges Treiben“ herrschen wird. Aber die mit Abstand größte Belastung ist zum Leidwesen der Anwohner während den Aushubarbeiten zu verzeichnen.“

Fertigstellung des Projekts Herbst 2022 geplant

Mit dem Baufortschritt ist er zufrieden, er geht weiterhin von einer Fertigstellung des Projekts im Herbst 2022 aus, auch wenn es in der Anfangsphase Komplikationen gegeben habe. „Katasterpläne mit den Leitungen sind oft nicht genau“, spricht er aus Erfahrung – und so mußte er auch in Künzelsau feststellen, dass die Leitungen nicht so lagen wie verzeichnet. Ein wichtiges Thema, da auch Leitungsrechte der angrenzenden Grundstücke, wie der Villa Schwab und des ehemaligen Amtsgerichts, betroffen waren. Solche Themen seien aber für ihn Routine geworden, er habe „nie die Sorge gehabt, dass wirs nicht hinkriegen“.

Überregionales Bauunternehmen

Auf die Frage, warum kein regionales Bauunternehmen zum Zuge gekommen sei, plaudert Neudeck ein wenig aus dem Nähkästchen: Grund seien die Angebotspreise. Da die activ-Group den Kunden Festpreise garantiere, habe „die ganz regionale Schiene nicht funktioniert.“ Obwohl man die lokalen Unternehmen gezielt angesprochen habe, habe es  praktisch keine Angebote aus der Region gegeben: Ein Unternehmer, „der das gut kann“, habe angeboten – sein Preis sei aber um einen siebenstelligen Betrag höher gewesen als das Angebot der Schweinfurter Firma Glöckle. Man habe sich, auch „in einer konzertierten Aktion mit der Verwaltung“  sehr um die lokalen Unternehmer bemüht, trotzdem konnten keine Ergebnisse mit örtlichen Firmen erzielt werden. Neudeck wirbt weiter um lokale Firmen: Insbesondere beim Ausbau seien noch Gewerke auszuschreiben, für die örtliche Unternehmen noch Angebote abgeben können. Er nennt auch ein weiteres Projekt, in Welzheim im Rems-Murr-Kreis, wo „die Teilnahme der örtlichen Unternehmen relativ wenig“ war. Trotzdem ist Neudeck zuversichtlich, dass auch lokale Unternehmen zum Zuge kommen können: Zum Ausschreibungszeitraum waren die Bauunternehmen stark ausgelastet, diese Konstellation sei inzwischen – auch wegen Corona – vorüber, jetzt hätten die Unternehmer wieder Luft: „Die Baufirmen haben wieder mit einem geredet“.

Das Herz eines Projektentwicklers

Im April 2018 hat die activ-Group letztendlich den Zuschlag erhalten, erst im November 2020 konnte der Spatenstich stattfinden, seit dem Frühjahr 2021 rollen die Bagger. Was geht im Herzen eines Projektentwicklers vor, wenn ein solches Grundstück zweieinhalb Jahre im Wortsinne brach liegt? Zweieinhalb Jahre – das will Neudeck so nicht stehenlassen: Es seien „gefühlt 10 Jahre“, denn die erste Auslobung sei schon „vor gefühlt 10 Jahren“ erfolgt, als zum erstenmal ein Wettbewerb für das Gelände ausgeschrieben worden sei – und seitdem war die activ-Group immer wieder mit dem PEKA-Areal beschäftigt gewesen. Nachdem man mit der Projektentwicklung bereits begonnen habe, sei ein Wettbewerber aufgetreten, worauf die Stadt Künzelsau einen erneuten Wettbewerb ausgeschrieben habe, in dem die activ-Group den zweiten Platz belegt habe. Diese Entscheidung erging im Jahr 2011, es waren also sogar mehr als 10 Jahre.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte über das PEKA-Gelände und die Hintergründe der gescheiterten Bauprojekte ist noch nicht vollständig geschrieben, es könnte eine hochinteressante Geschichte mit allerlei Irrungen und Wirrungen und möglicherweise einigen Ränkespielen sein. Erste Aktivitäten sind noch unter Altbürgermeister Lenz zu verzeichnen. Ende Dezember 2012 stellten Bürgermeister Neumann und  die Verwaltung dem Gemeinderat und der Bevölkerung das Projekt des Investors Ten Brinke vor, im Dezember 2013 wurde die Meldung lanciert, dass bereits Mieter für das Projekt gefunden seien und im Jahr darauf wird das Gelände endgültig an den Investor Ten Brinke verkauft. Gebaut wurde allerdings nicht und so fiel das Grundstück an die Stadt Künzelsau zurück, die eine weitere Ausschreibungsrunde startete. Zum Zuge kam diesmal ein lokales Unternehmen, die Firma Stauch aus Kupferzell, die das Projekt aber ebenfalls nicht realisierte – Anfang 2017 wurde bekannt, dass auch Stauch das Gelände nicht bebauen würde.

„Da machen wir nicht mit“

An dieser weiteren Ausschreibung, so Neudeck, habe die activ-Group nicht teilgenommen: „Da machen wir nicht mit“, sagt er und es ist aus damaliger Sicht aus diesen Worten ein wenig Verbitterung herauszulesen, auch bei der Aussage, es habe „sich angefühlt, als hätte man uns das Projekt nehmen wollen.“ Im April 2018 konnte sich Neudeck letztendlich doch noch über den Zuschlag freuen. Er führt das darauf zurück, dass man immer bei der Stange geblieben sei und spricht schmunzelnd von einer „Liebe auf den zweiten Blick“.

„Kein Einzelfall“

Eine Laufzeit von ein paar Jahren zwischen Zuschlag, Baubeginn und Eröffnung sei allerdings „kein Einzelfall“, viele derartige Projekte zögen sich über einen solchen Zeitraum. Eine Planung, die eine Tiefgarage,  Einzelhandelsgeschäfte, Büros und Wohnungen vereine, müsse schließlich „so abgestimmt werden, dass das Zusammenleben später funktioniert“, zeigt sich Neudeck gelassen.

„Der Zuschlag heißt: Wir dürfen jetzt“

Das Entwicklerherz freut sich jedenfalls: „Der Zuschlag heißt: Wir dürfen jetzt. Man hat jetzt das Projekt vor sich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Baustelle PEKA-Areal, 03. Juni 2021. Foto: GSCHWÄTZ

Baustelle PEKA-Areal, 03. Juni 2021. Foto: GSCHWÄTZ