Achim Beck und Klaus Richter: Aufeinandertreffen vor Gericht
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Am Mittwoch, den 20. März 2019, war der Niedernhaller Gemeinderat vor dem Verwaltungsgericht in Stuttgart geladen. Die Stadt Niedernhall hat das Kerl-Areal 2015 erworben. Das Areal soll aber vom Verkäufer, der Firma Kerl, weiter genutzt worden sein, ohne dass die Stadt Niedernhall Pacht hierfür verlangt habe. Nachdem Klaus Richter dies kritisierte, kündigte Achim Beck an für die Nutzung des Areals zwischen 1.200 und 1.400 Euro jährlich als Pacht einzunehmen. Dies sei laut Richter zu wenig.
Im zweiten Stock des Verwaltungssgericht genauer gesagt im kleinen Sitzungsaal fünf, musste nachbestuhlt werden, um alle Beteiligten und Zuschauer unterzubringen. Von den 14 Gemeinderäten schafften es mehr als die Hälfte, sich in Stuttgart einzufinden. Die Beteiligten machten Fotos von sich.
Auch Bürgermeister Achim Beck war da. Bürgermeister Becks Anwesenheit wurde von der Kammer erwünscht. Klaus Richter saß auf der linken Seite des Saales und Beck auf der rechten.
Der Erste Vorsitzende Richter, Jürgen Mezger, erläutert die Sachlage so, dass eine Gemeinde nicht zur Gewinnmaximierung verpflichtet sei. Im Fall von Niedernhall und dem Kerl-Areal solle es der Gemeinde nicht darum gegangen sein, Gewinn zu erzielen, sondern das gekaufte Areal für Gewerbezwecke nutzen zu können. Die optionale Gestaltungsmöglichkeit solle beim Kauf im Vordergrund gestanden haben.
Klaus Richter betonte, dass es ihm nicht um die verspätete Räumung ginge, sondern darum, dass von der Firma Kerl nichts mehr auf das Areal hätte angeliefert werden dürfen, ohne einen Pachtvertrag zu haben. Denn Ende 2016 hätte des Gelände geräumt sein sollen. Richter pocht darauf, dass die Firma Kerl aber noch im Jahre 2017 angeliefert haben soll. Der Gemeinderat wiederum betont, dass es zwei Teilfächen gibt. Teilfäche eins sei Ende 2016 zu räumen und die Abbrucharbeiten seien auch 2017 umgesetzt worden. Die Teilfläche zwei wiederum sollte erst Ende 2017 geräumt sein. Beck schilderte, dass der Abbruch wie geplant stattfand und die Firma Kerl ein Zugeständnis bezüglich der Teilräumung machte. Das Beck eigenmächtig gehandelt haben solle, wies er von sich. Auch der Erste Vorsitzende Richter stellte fest, dass sich kein Gemeinderatsmitglied von Niedernhall, mit Ausnahme von Klaus Richter, falsch informiert gefühlt habe.
Nach knapp einer Stunde kam man zu keinem Entschluss. Die Richter beraten sich heute und teilen den Beteiligten morgen ihre Entscheidung mit.
Auch Dieter Bäumlisberger, Bauprojektentwickler aus Künzelsau, war unter den Besuchern zu finden. Warum er da war erfahren Sie im Video.
Niedernhaller können ab jetzt für 4,99 Euro E-BMW fahren
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Die Mobilität des Bürgers erhalten, gleichzeitig die Umwelt und Resourcen schonen. Das war die Idee, aus der heraus die Stadt Niedernhall das so genannte „E-Disti“, ein Elektroauto angeschafft hat. Mieten kann den BMW i3 jeder Niedernhaller. Beim traditionellen Neujahrsempfang in Niedernhall stellte Bürgermeister Achim Beck das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor und drei Besucher konnten eine Probefahrt mit dem Gefährt samt Bürgermeister gewinnen. Am Freitag, den 15. März 2019, übergab Projektsponsor Gert Müller von der Firma Gemü Bürgermeister Beck die Autoschlüssel vor dem Niedernhaller Rathaus.
„Wir als Stadt und auch die Firma Gemü sind davon überzeugt, dass Car-Sharing und auch E-Car-Sharing im ländlichen Raum einen Umweltbeitrag erfüllt und einen Nutzen für alle hat, die hier wohnen und leben, da dadurch die Mobilität verbessert wird“, so Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck.
Die Firma Gemü sponsert das Fahrzeug, das heißt, sie zahlt die monatlichen Leasingraten. Auch in der Firma selbst sind seit sieben Jahren Elektrofahrzeuge unterwegs, sagt Gert Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Gemü. Mittlerweile präsentiere der Fuhrpark eine Flotte mit zehn Elektroautos. Diese stehen den Mitarbeitern für Fahrten zwischen den Gemü-Standorten Criesbach, Waldzimmern und Kupferzell zur Verfügung. Um die E-Mobilität erfahrbar zu machen, bietet Gemü seinen Mitarbeitern zudem an, die E-Autos über das Wochenende gegen eine kleine Spende privat zu nutzen. Zur Förderung der E-Mobilität hat das Unternehmen bereits im Jahr 2015 die Errichtung einer E-Ladesäule auf dem Wertwiesenparkplatz in Künzelsau initiiert und die Kosten hierfür übernommen.
„Ich bin sehr zufrieden und auch davon überzeugt, dass die Elektromobilität die Zukunft ist“, sagt Müller auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Privat fährt Gert Müller noch einen Verbrennungsmotor, wie er erzählt. Ende des Jahres möchte er aber auf ein voll elektronisches Fahrzeug umsteigen.
Mieten können die Niedernhaller das Fahrzeug laut Bürgermeister Achim Beck ab 4,99 Euro pro Stunde. Ein ganzer Tag kostet das Fahrzeug 29 Euro. Der E-Disti wird vor dem Rathaus stehen. Die Anmeldung erfolgt über die Internetseite der Stadt Niedernhall, die Kundenkarte für den E-Disti ist im BürgerService erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es in Kürze auf www.niedernhall.de/car-sharing.
Die Kandidaten, die eine Fahrt mit Bürgermeister Beck und dem neuen „E-Disti“ gewonnen haben, haben ihre ganz eigenen Erwartungen bezüglich des E-Autos:
Ernst Rapp aus Niedernhall:
„Meine Erwartungen sind, dass es ruhig und schnell fährt, damit man rechtzeitig wieder zu Hause ist.“
Erwin Weber aus Niedernhall:
„Wir freuen uns drauf. Das wird mit unserem Bürgermeister bestimmt eine sehr schöne Fahrt. Es muss keine lustige Fahrt werden. Und wir möchten nicht heimlaufen müssen.“
GEMÜ-Chef Gert Müller übergab die Autoschlüssel an Bürgermeister Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ
Schick und Elektro. Der neue E-Disti. Foto: GSCHWÄTZ
Achim Beck freut sich über die neue Anschaffung. Foto: GSCHWÄTZ
Mieten können die Einwohner das Fahrzeug laut Bürgermeister Achim Beck ab 4,99 Euro / Stunde. Ein ganzer Tag kostet das Fahrzeug 29 Euro.
Der E-Disti wird vor dem Rathaus stehen. Die Anmeldung erfolgt über die Homepage der Stadt Niedernhall, die Kundenkarte für den E-Disti ist im BürgerService erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es in Kürze auf www.niedernhall.de/car-sharing.
Achim und Klaus – jetzt geht es vor das Stuttgarter Verwaltungsgericht
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Klaus Richter und der Gemeinderat der Stadt Niedernhall sehen sich kommenden Mittwoch im Verwaltungsgericht Stuttgart. Da laut Richter in Niedernhall einiges nicht so laufe, wie es seiner Meinung nach laufen müsse, hat er mittlerweile sieben Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Achim Beck, Niedernhalls Bürgermeister, eingereicht und die Wege geebnet für ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den Bürgermeister und eine verwaltungsgerichtliche Feststellungsklage gegen den Gemeinderat. Konkret geht es um das Kerl-Areal entlang der Kochertalstraße (zwischen katholischer Kirche und Rossmann), das die Stadt Niedernhall von der Firma Kerl 2015 gekauft hat. Klaus Richter sagt: „Das Areal wurde vom Verkäufer voll weitergenutzt. Statt zu räumen, wurde sogar noch weiter Holz angeliefert.“ Im Februar 2017 habe Klaus Richter Bürgermeister Beck gefragt, wieviel Pacht der Verkäufer der Stadt Niedernhall denn für die Monate zahle, in denen der Betrieb weiterläuft. Beck habe geantwortet, dass er dem Verkäufer Pachtfreiheit zugesagt habe. Für diesen Zeitraum hätte die Stadt eine Miete oder Pacht verlangen können und müssen, hat es jedoch nicht gemacht – und damit auf Einnahmen verzichtet, so Richters Ansicht: „Es geht um die Frage: Darf Herr Beck das Gelände, das im Eigentum der Stadt ist, kostenlos einem Unternehmer überlassen, der munter weiter produziert? Im Haushaltsrecht steht, dass ein Bürgermeister alle Steuern, Mieten und Pachten eintreiben muss.“ Wenn er den durchschnittlichen Preis, den ein gewerblicher Pächter in Niedernhall bezahlt und die genutzte Fläche multipliziere, komme er auf „weit über 100.000 Euro“, die hätten verlangt werden müssen, so Richter.
Zu Recht? Diesen Kommunalverfassungsstreit wird das Verwaltungsgericht in Stuttgart am Mittwoch, den 20. März 2019, klären.
„In der Verwaltungsrechtssache von Herrn Richter gegen den Gemeinderat der Stadt Niedernhall wegen eines Kommunalverfassungsstreits findet am Mittwoch, den 20. März 2019, um 11.30 Uhr, im Sitzungssaal 5 des Verwaltungsgerichts Stuttgart in der Schellingstraße 15 die mündliche Verhandlung statt. Bislang ist nur dieser Termin vorgesehen“, so Ulrike Zeitler, Vorsitzende Richterin und Pressesprecherin am Verwaltungsgericht Stuttgart, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.
AfD-Landtagsabgeordneter Anton Baron über Achim Beck, Angelina Jolie und die AfD
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Für wen würden Sie sich entscheiden? Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann oder Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck? Für Angelina Jolie oder Jennifer Aniston? Für Angela Merkel oder Martin Schulz? Für Donald Trump oder Wladimir Putin? Bei unserem Video-Interview mit dem jungen AfD-Landtagsabgeordneten Anton Baron hatte dieser die Qual der Wahl. Wir sprachen mit ihm aber auch über lokale Baustellen: Warum er denkt, dass das Solebad Niedernhall gute Überlebenschancen hat und „auch das Hohenloher Krankenhaus in Künzelsau nicht hätte geschlossen werden müssen“. Er berichtet uns, wie schwer es seine Partei im Stuttgarter Landtag hat. Wir wollten aber auch von ihm wissen: Warum ist er in die AfD eingetreten und wie nahe steht die Partei der NPD?
Das Interview wurde in Niedernhall am Freitag, den 16. MÄrz 2018, in Niedernhall am Solebad und im Rössle in Niedernhall gedreht. Die Drehbedingungen waren suboptimal. Es stürmte und regnete. Anton Baron präsentierte sich trotz der widrigen Bedingungen bestens gelaunt.
Interview: Dr. Sandra Hartmann: Kamera und Schnitt: Dr. Felix Kribus
// Anton Baron //
Anton Baron wurde am 03. November 1987 in der ehemaligen Sowjetunion, im heutigen Kasachstan, geboren. Seit er vier ist, lebt er in Deutschland. Baron ist seit 2014 Mitglied der AfD und wurde 2016 von den Hohenlohern in den Stuttgarter Landtag gewählt. Der studierte Wirtschaftsingenieur arbeitete bis dahin bei einem Künzelsauer Unternehmen als Produktmanager. Baron ist parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion und ein Vertrauter von Jörg Meuthen. Seine Wahlheimat ist Niedernhall. Von dort pendelt er nach Stuttgart.
// Der nächste Interviewpartner //
Beim nächsten Videointerview geht es nach Künzelsau. Dort sprechen wir mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des SPD-Kreisverbandes Hohenlohe, Hans-Jürgen Saknus über die zähen Groko-Verhandlungen, was wir von der neuen Bundesregierung erwarten können, wie es im Inneren der SPD derzeit ausschaut.
// Das Interview mit Anton Baron lesen Sie in unserer neuen Printausgabe, ab 01. April 2018, überall im Einzelhandel.
Solebad Niedernhall: AfD-Landtagabgeordneter Baron schreibt offenen Brief ans Land
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Der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron (30) bittet in einem zweiseitigen Brief an Minister des Landes Baden-Württemberg, die Fördermöglichkeiten für das Niedernhaller Solebad zu prüfen. Unter anderem schrieb Baron an Guido Wolf, Minister für Justiz und Europa in Baden-Württemberg, der auch für Tourismus zuständig ist: „Niedernhall liegt recht zentral zwischen den Heilbädern in Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim, Bad Rappenau, Bad Wimpfen und dem bayerisch-fränkischen Bad Windsheim. Dementsprechend ist es als realistische Gefahr zu betrachten, dass ein Teil der derzeitigen Badegäste nach Bayern abwandern könnte. Auch dies sollte aus Sicht des baden-württembergischen Tourismus gewiss verhindert werden.“
Ein zweiter Brief mit Barons Unterschrift ging an Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft in Baden-Württemberg. Darin betont Baron: „Für eine rural geprägte Region wie meinen Wahlkreis Hohenlohe ist es von großer Bedeutung, dass auch dort den Bürgern eine gesundheitsfördernde Infrastruktur zur Verfügung steht, nicht zuletzt, weil es sich dabei um einen wichtigen Standortvorteil handelt. Eine dementsprechende Einrichtung von regionaler Relevanz ist das Solebad der Stadt Niedernhall. So besuchen etwa zwei Drittel der Badegäste das Heilbad aus anderen Gemeinden des Landkreises, zum Teil aus gesundheitlichen Gründen. Ebenfalls beschäftigt das Bad 13 Arbeitnehmer in unterschiedlichen Funktionen. Die fünf Bademeister betreuen im Sommer auch das benachbarte Freibad.“
Ein dritter Brief erhielt Peter Hauk, Minister des ländlichen Raumes. Wegen „des Erhalts von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum“, fragt Baron, ob nicht doch eine Chance auf Fördermöglichkeiten für das Solebad bestünde. Zuvor hatte das Land der Anfrage der Stadt nach Geldern aus dem Fonds „Entwicklung des ländlichen Raumes“ (ELR) eine Absage erteilt. Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck hatte diese Absage öffentlich kritisiert.
Der Unternehmer und Niedernhaller Bürger Reinhold Würth hat kürzlich am Neujahrsempfang der Stadt eine Spende für das Solebad von 1,5 Millionen Euro zugesichert für eine Sanierung beziehungsweise einen Neubau des dringend sanierungsbedürtigen Bades. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag, Anton Baron, wohnt ebenfalls in Niedernhall.
Fotos // Archiv/GSCHWÄTZ; AfD; Bundesrat; Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg;
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann über die Solebad-Debatte in Niedernhall und warum Bürgermeister Achim Beck viel Mut bewiesen hat
Keine Frage. Es wäre auch günstiger gegangen. 30.000 Euro für eine PR- und Mitmachkampagne mit anschließender Auswertung – das ist viel Geld. Man hätte auch über das Niedernhaller Mitteilungsblatt Informationen und Fragebögen verbreiten können und Mitarbeiter des städtischen Rathauses hätten Plakate kleben können – ohne ein teures Beratungsbüro, das alles organisiert.
Im Bezug auf die Auswertung zeichnet sich schon jetzt eine große Mehrheit ab, die das Solebad keinesfalls aufgeben will – natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass sich in der Regel eher diejenigen bei Mitmachaktionen beteiligen und sich zu Wort melden, die sich für das Solebad einsetzen. Denjenigen, denen es egal ist, werden sich schon allein aus Desinteresse weniger häufig beteiligen.
Was Achim Beck mit der wirklich sehr originell gestalteten Kampagne gelungen ist, ist für Aufmerksamkeit zu sorgen – und zwar weit über den Tellerrand von Niedernhall hinaus. Und das war auch beabsichtigt. Offen und deutlich kritisiert er das Regierungspräsidium Stuttgart am vergangenen Donnerstag bei der Auftaktveranstaltung mit seiner bisherigen Absage, das Gesundheitsbad finanziell zu unterstützen. Das ist mutig und ein wichtiger Schritt in einem Land, in dem man entweder ganz arm oder ganz reich sein muss, um Geld vom Staat zu bekommen. So ist es auch mit den Städten und Kommunen. Kurstädte und Metropolen bekommen hohe staatliche Zuwendungen. Finanzschwache Kommunen ebenso. Und die Städte und Gemeinden dazwischen?
Fast sarkastisch merkt Beck – völlig zu Recht – an: Ohne die finanzielle Unterstützung bei der Sanierung oder dem Neubau werden wir zur finanzschwachen Kommune. Dann hätten wir wieder Anspruch auf Hilfen.“ Es ist ein Fehler im System. Und es trifft Städte und Kommunen im ländlichen Raum, die dadurch immer mehr ausbluten und kämpfen müssen für Zuschüsse jedweder Art. Achim Beck hat einen ersten Schritt getan und Stuttgarts Verteilungsprinzip kritisiert. Weitere Bürgermeister, lokale Politiker und Entscheidungsträger müssen folgen.
Beck zieht blank: So schaut die Zukunft des Solebades Niedernhall aus
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Gleich zu Beginn der Auftaktveranstaltung zur Zukunft des Solebades in Niedernhall am Donnerstag, den 07. Dezember 2017, in der Stadthalle Niedernhall entschuldigt sich Matthias Burgbacher. Sein Beraterbüro Plan:kooperativ hat die Plakate mit provokativen Überschriften wie: Niedernhall bleibt. Das Solebad auch?“, entworfen und überall in Niedernhall verteilen lassen. Diese PR-Kampagne sollte in erster Linie Aufmerksamkeit erregen, so Burgbacher. „Aber nicht jeder habe das so verstanden, so kritische Stimmen aus dem Publikum.
Der Bürgermeister indes will nicht in eine Ecke gedrängt werden. Sanierung, Neubau, Schließung – alles sei offen beim Solebad Niedernhall, betont Achim Beck. Aber ein paar Sachen sind ihm wichtig:
Bürgerbeteiligung
Deshalb gab es am vergangenen Donnerstag eine Auftaktveranstaltung für alle interessierten Bürger mit der Kernfrage: Ob und wenn ja, wie es weitergehen soll mit dem defizitären und sanierungsbedürftigen Solebad. Fast alle Stühle waren belegt. Beck wollte im Vorfeld schon bei möglichst vielen Menschen Gehör finden und dass sich in Niedernhall und darüber hinaus Menschen über das Solebad unterhalten, Meinungen austauschen, diskutieren um eine bestmögliche Lösung. Daher hat die Stadt Niedernhall das Beratungsbüro Plan:kooperativ unter anderem beauftragt, Plakate entwerfen lassen mit provokativen Überschriften wie: Niedernhall bleibt. Das Solebad auch? Bei einigen Bürgern kam diese Zuspitzung nicht so gut an. Sein Ziel hat Beck aber erreicht: Das Solebad ist derzeit in vieler Munde. Plan:kooperativ layoutet aber nicht nur Plakate, sondern wickelt den gesamten Bürgerbeteiligungsprozess zum Thema Solebad ab. Schon bei der Neuausrichtung des Kelterareals hat Beck die Dienste von Plan:kooperativ in Anspruch genommen. Nach der Auftaktveranstaltung wollen die Berater Fragebögen an die Bürger und Besucher des Solebades verteilen, Anfang Januar soll eine Aktionswoche folgen, in der alle Bürger und Interessierten eingeladen sind, das Solebad einmal anders zu erleben: Mit Wein oder als After-Work-Erlebnis oder als Familienbad. Am Ende wertet Plan:kooperativ die Ergebnisse aus und präsentiert sie den 15 Köpfen im Gemeinderat. Manch ein Bürger hat bei der gestrigen Veranstaltung allerdings die Kosten der PR-Kampagne kritisiert. Diese belaufen sich auf immerhin 30.000 Euro, die für Beck angesichts der eventuell anstehenden Neubaukosten von rund 8 Millionen allerdings nicht wirklich ins Gewicht fallen.
Beck fordert Zuschüsse
Was ihn richtig „frustriert“ habe, sagt Achim Beck an der Auftaktveranstaltung zur Solebad-Debatte, sei dass es zumindest bislang keine Aussicht auf Landeszuschüsse für das Solebad gebe. Beck fordert für das Gesundheitsbad Zuschüsse vom Land für die Sanierung beziehungsweise den Neubau ein. Das Regierungspräsidium erteilte ihm bislang eine Absage. Für diese Zuschüsse zieht Beck blank, sprich, er legt klar und deutlich offen, welche Ausgaben Niedernhall in den kommenden zehn Jahren zu stemmen hat, unter anderem die Sanierung des Bildungszentrums und die Grundschule, die mit insgesamt 9,3 Millionen ins Gewicht fallen, wobei es hierfür aber insgesamt 2,3 Millionen Fördermittel gibt. Auch der Hochwasserschutz kostet über 5,6 Millionen Euro, kann aber mit 70 Prozent mit Fördergeldern bezahlt werden. Hinzukommen die Sanierung und der Ausbau der Kläranlage mit 3 Millionen Euro und ein Straßenbauprogramm von zwei Millionen. Ob es für solche Fälle wie dem Solebad keine Rücklagen gibt?, fragt ein Besucher. 5 Millionen seien an Rücklagen vorhanden, allerdings müssen in den nächsten Jahren auch noch andere Dinge bezahlt werden, wie etwa ein neues Feuerwehrfahrzeug, so der Bürgermeister. Bislang begründete das Regierungspräsidium seine Absage damit, dass Niedernhall weder Kurort noch finanzschwach sei und auch bei den Förderprogrammen zur Erhaltung des Ländlichen Raumes (ELR) nicht berücksichtig werden könne, da, so Beck, „die Bäder, die der Erholung oder der Gesundheitsförderung dienen, nicht gefördert werden.“ Sein Fazit: „Die Gesundheit der Menschen im ländlichen Raum wird nicht unterstützt.“
Mütter, die sich bei der Auftaktveranstaltung zu Wort gemeldet haben, und auch Beck plädieren dafür, das Solebad – sollte es zu einem Neubau kommen – für die nur einen Steinwurf entfernte Grundschule und das Bildungszentrum und damit für einen Schwimmunterricht für die Schüler zu öffnen. Das Solewasser sei laut einem ortsansässigen Arzt unbedenklich für Kinder, so Beck auf Nachfrage eines Zuhörers, allerdings sollten die Kinder nur 20 Minuten darin baden und dann pausieren. Durch die Öffnung für einen Schulschwimmunterricht tue sich vielleicht auch nochmal die Chance auf einen Fördertopf des Landes auf. Der Bürgermeister betont:
„Ohne Zuschüsse, Zuwendungen oder Mittel von Dritten wird die Finanzierung für mich undenkbar“
Sympathisiert mit Neubau-Variante mit Öffnung für Familien an bestimmten Tagen
Bei einer Sanierung des Altbaus sieht Achim Beck die Gefahr eines „Fasses ohne Boden“. Besser zu kalkulieren seien die Kosten, wenn man einen Neubau mache und diesen an bestimmten Tagen, etwa am Wochenende, für Familien mit Kindern öffne, um eine breitere Masse anzusprechen. Eine Sanierung bedeute auch, dass das Solebad für etwa zwei Jahre geschlossen bleiben würde, so Beck. Er befürchtet, dass sich Kunden dann in andere Bäder nach Bad Mergentheim oder Schwäbisch Hall umorientieren. Was würde bei einem Neubau mit dem alten Gebäude passieren? Da die Stadt sich seit längerem überlegt, neben dem Solebad Wohnmobilstellplätze für Touristen zu platzieren, hatte ein Zuhörer vorgeschlagen, die alten Räume zu einer Art Bistro für die Camper umzuwandeln.
Auf folgende Links klicken, um die Rede von Achim Beck im Video zu sehen:
„Die Gesundheit der Menschen im ländlichen Raum wird nicht unterstützt.“
(Bürgermeister Achim Beck kritisiert die Absage des Regierungspräsidiums für eine finanzielle Förderung des Solebades)
„Ich kann Ihnen heute nicht garantieren, wie es dann letztendlich auch mit dem Freibad aussieht“
(Bürgermeister Achim Beck im Bezug auf eine mögliche Schließung des Solebades)
// Bürgerstimmen
„Stirbt das Solebad, stirbt das Freibad.“
„Ihre PR-Aktion hat viel Diskussion ausgelöst.“
„Ohne Touristen stirbt Niedernhall.“
„Die schütteln den Kopf, wie wir hier mit dem Geld umgehen.“
„Wir geben 30.000 Euro dafür aus, dass wir betteln wollen.“
„Wir brauchen keine Zuschüsse. Wir schaffen das so.“
„Die PR-Kampagne war nicht gerade glücklich. Vor allem älteren Bürgern war nicht ganz klar, dass es nur eine PR-Aktion war.“
„Es wäre jammerschade, wenn wir auf das Solebad verzichten müssten.“
„Wir könnten das Solebad umbennen in Gesundheitstempel.“
„Ich gehe mit meiner Frau seit 60 Jahren ins Solebad und bin seitdem gesund.“
„Wir als Gemeinderäte empfinden die Beteiligungsaktion als gute Sache und ich wünsche mir, dass jeder mitmacht.“
„Eventuell wären Firmen oder Privatpersonen bereit, uns zu unterstützen.“
„Ä altes Ding saniere, do hasch ä Glump. Beim Neubau hasch was Gscheits.“
„Wir könnten die Gewerbesteuer erhöhen, um das Solebad zu finanzieren.“
„Eine Interaktion zwischen dem Solebad und der Schule fehlt. In der Nachbargemeinde wird schwimmen integriert in den Schulbetrieb.“
„Die Schwimmfähigkeit der Kinder zu fördern, wäre wichtig.“
„Es gibt keine objektbezogenen Rücklagen.“
(Achim Beck auf die Frage, ob denn keine Rücklagen gebildet wurden)
„Die Veranstaltung war sehr informativ, auch die Schaubilder waren gut. Wer sich informiert, kann auch mitentscheiden.“ (Helga und Dieter Maisenhölder aus Niedernhall)
Das Solebad feiert im Mai 2018 30-jähriges Bestehen.
Als das Solebad vor 30 Jahren aufgemacht wurde, rechnete man mit 100 Besuchern durchschnittlich am Tag. Es ist besser gelaufen als prognostiert: 226 Badegäste hatte das Solebad in den vergangenen 30 Jahren im Durchschnitt. Allerdings sind die Zahlen in den vergangenen Jahren rückläufig. Waren es zu den Hochzeiten um das Jahr 2002 300 Besucher täglich, sind es heute nur noch 180. Das Solebad schreibt im Durschnitt jedes Jahr 300.000 Euro Verlust.
Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck legt die Zahlen des Solebades offen.
Wer war schon mal im Solebad?, fragte Matthias Burgbacher bei der Auftaktveranstaltung. 7 Prozent der Besucher sind Niedernhaller, der Rest Auswärtige. Die überwiegende Zahl der Besucher ist älter als 60.
2. Wie sanierungsbedürftig ist das Solebad?
Sehr, so Gerold Winter vom Büro Fritz Planung GmbH aus Aalen. Der Ingenieur hat mit seinem Team das Solebad in Niedernhall auf Herz und Nieren abgeklopft. Dabei sind nicht gerade appetitliche Fotos entstanden (siehe Video). Vielleicht könne man noch drei oder vier Jahre so weitermachen, aber dann kämen immer größere Reparaturen. Das Salz der Sole habe sich überall abgelagert und reingefressen. Das Becken ist undicht, der Estrich durchnässt. Dies schädigt mittelfristig die Bauteile. Hinzu kommen extrem hohe Wärmeverluste an den Fenstern und Dächern. Auch statische Risse gebe es. Eine Sanierung würde über 6,5 Millionen kosten, schätzt Winter bei der gestrigen Auftaktveranstaltung in der Niedernhaller Stadthalle. Ein Neubau rund 8 Millionen – je nachdem, welche Wünsche das neue Bad erfüllen soll.
3. Sanierung in unterschiedlicher Form
Es gibt auch die Möglichkeit einer Sanierung plus Umbau/Ausbau. „Sanierung und Optimierung des Bestandes“, heißt die Variante 1 des Planungsbüros Fritz. Hier sollen neben der Sanierung noch Ruhe- und Aufenthaltsflächen geschaffen werden sowie ein Personalraum. Zusätzliche Kosten: 800.000 Euro. Käme noch ein Gastronomiebereich hinzu, läge man bei rund 1 Million Euro. Mit Nichtschwimmerbereich kostet das Ganze rund 3,5 Millionen – zusätzlich zu den 6,5 Millionen Sanierungskosten.
4. Wie sicher sind die Neubaukosten / Sanierungskosten?
Gerold winter von Fritz Planung hat auf diese Publikumsfrage auf die rund 180 Bäder verwiesen, die sein Büro bislang gebaut/umgebaut hat. Die Kosten seien gut kalkuliert, aber 15 Prozent kann die Prognose letzten Endes davon abweichen. Bei 8 Millionen wären das 1,2 Millionen Euro.