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Möglicher Abriss des Krankenhausgebäudes in Künzelsau

Am Montag, den 26. September 2022 wird die nächste öffentliche Sitzung des Kreistags stattfinden. Beginn ist um 14:00 in der Kultura in Öhringen. Gleich zu Anfang der Tagesordnung steht der Punkt „Zukunft Krankenhausgebäude Künzelsau“.

Es geht dabei nicht etwa darum, dass dort das lange versprochene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) ganz groß entstehen wird (wir berichteten). Es geht vielmehr darum, dass der Landkreis auf seine „Initiativrechte“ aus dem Konsortialvertrag verzichten will und die Weiternutzung oder -verwendung komplett in die Hände des Krankenhausträgers, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH) zu legen. Ganz konkret soll der Kreistag, so beantragt es die Verwaltung, „sowohl einer Veräußerung des ehemaligen Krankenhausareals in Künzelsau als auch einem Abriss des alten Krankenhausgebäudes“ zustimmen. Außerdem sollen die Vertreter des Kreises in der Gesellschafterversammlung beauftragt werden, das Areal bestmöglich zu vermarkten. Der Kreistag möge also beschließen, der Betreibergesellschaft bei der Vermarktung völlig freie Hand zu lassen.

Keine Nutzungsmöglichkeit

Die „Substanz ist marode“, das hätten mehrere Gutachten bestätigt, gibt die Verwaltung an. Die Gutachten selbst sind der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt, eine unabhängige Prüfung dieser Aussage ist somit derzeit nicht möglich. „Der Landkreis selbst hat nach ausführlichen Untersuchungen keine langfristige Nutzungsmöglichkeit für das Gebäude. Sämtliche Nutzungen selbst als Verwaltungsinterim wären unwirtschaftlich und ungeeignet.“ Das zumindest ist die Aussage der Verwaltung. Alle Mietverträge würden spätestens 2027 auslaufen, die Kreisverwaltung scheint sogar interessiert zu sein, die Mieter „anderweitig unterkommen“ zu lassen.

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH betreibt das Krankenhaus in Öhringen und einige weitere gesundheitsnahe Dienstleistungen. Getragen wird die Gesellschaft vom Hohenlohekreis und der Barmherzige Brüder Trier-Gruppe (BBT), die auch die Mehrheit der Anteile hält.

Auch der Betreiber, die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, sieht laut dieser Sitzungsvorlage keine Möglichkeit einer Weiternutzung des Gebäudes. Angesichts der enormen Investitionsrückstände halte man auch keine „sinnvolle Sanierung des Gebäudes für möglich“.  

Ein Sahnestück für Investoren – das Künzelsauer Krankenhaus-Gelände. Foto: Sitzungsunterlagen Kreistag

Kosten trägt derzeit der Kreis

Derzeit trägt der Landkreis aufgrund seiner Zahlungsverpflichtungen aus dem Konsortialvertrag die laufenden Unterhaltungs und Instandhaltungskosten. Um den Landkreis von den zukünftigen Kosten zu entlasten und die Finanzkraft der HK gGmbH zu stärken, soll das Areal bzw. das Gebäude „vermarktet“ werden. 

Schwarzen Peter auf die Stadt Künzelsau geschoben

Die Stadt Künzelsau soll nun – das ist laut Sitzungsvorlage der Plan der Kreisverwaltung – schnellstmöglich Baurecht schaffen, da mit dem derzeitigen Bebauungsplan keine sinnvolle Vermarktung möglich sei. Ohne Baurecht würde nach einem Abrisseine Freifläche entstehen, die für den Hohenlohekreis dann zumindest keine hohen laufenden Kosten mehr bedeuten würde“. Schnell Baurecht zu schaffen, sei „zwingend notwendig“, so sagt es zumindest die Kreisverwaltung. 

Keine Aussage über Kosten

Wie hoch die laufenden Kosten sind, sagt die Verwaltung in ihrem Antrag allerdings nicht. Allerdings sagt sie, dass der Landkreis bei einem eventuellen Abriß die Abrißkosten aus eigener Tasche bezahlen muss. Eine Kostenschätzung für den eventuellen Abriss nennt die Verwaltung ebenfalls nicht.

Alternativen

Momentan sind im Krankenhaus Flüchtlinge untergebracht. Das Medizinische Versorgungszentrum, das den Bürger:innen von Künzelsau versprochen wurde, ist de facto nicht vorhanden: Eine einzige Praxis umfasst dieses Zentrum, eine Praxis für Frauenheilkunde. Die Allgemeinmedizinische Praxis ist derzeit unbesetzt. „Wir bemühen uns intensiv darum, diesen Arztsitz neu zu besetzen“, sagt Ute Emig-Lange, Pressesprecherin des Caritas Krankenhauses in Bad Mergentheim.

Ein Krankenhausgebäude mit der nötigen Infrastruktur könnte der Stadt Künzelsau helfen, gesundheitliche und gesundheitsnahe Dienstleistungen an einem zentralen Ort zusammenzuführen – ein Ärztehaus mit mehreren unterschiedlichen Praxen befindet sich ja bereits vor Ort. Durch entsprechende Vernetzung der Einrichtungen könnte eine ganz neue patientenorientierte Versorgung entstehen.

Auf der anderen Seite benötigt Künzelsau preiswerten Wohnraum. Ein Gebäude, das einerseits viele recht geräumige Zimmer mit allen benötigten Sanitäranschlüssen aufweist, andererseits aber auch Räumlichkeiten für Gemeinschaftsunternehmungen, wäre für ein Studentenwohnheim sicherlich geeignet, auch wenn es nicht im modernsten Zustand sein sollte. Auch würde ein solches Wohnheim – so war bei der Diskussion um das MUSTANG-Gelände immer argumentiert worden – Wohnraum in der Stadt schaffen, da Student:innen Mehrzimmerwohnungen freigeben und in ein solches Wohnheim ziehen würden.

Ein wahres Sahnestück

Das Grundstück ist jedenfalls durchaus ein Sahnestück, das Investoren anlocken dürfte. Vor allem, wenn es bereits baureif, das heißt: ohne Gebäude und mit Baurecht, übergeben werden könnte.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 

 

 

 

 

 




Das wird teuer

// Der Abriss des Asbest belasteten Landratsamt ist teuer und nicht ungefährlich

Zum Abriss des mit Asbest belasteten Landratsamtes in Künzelsau bräuchte es idealerweise den Verpackungskünstler Christo. Dieser müsste das ganze Gebäude ummanteln, damit kein Asbeststaub nach außen dringt. Männer in Schutzkleidung mit Schutzbrille und Atemschutzgeräten verpacken den Asbest, in geschlossenen Lastwägen wird der krebserregende Baustoff auf einer Sondermülldeponie entsorgt. So könnte eine ideale Asbestentsorgung ausschauen.

Das Problem: Der Abriss könnte dadurch 20 Prozent mehr kosten, wenn nicht sogar sich verdoppeln, so ein Architekt aus dem Kochertal, der anonym bleiben möchte, jedoch selbst schon mit Asbest behaftete Bauten beim Abriss betreut hat.

Doch wer trägt die Kosten dieser aufwändigen Entsorgung und damit auch das damit verbundene gesundheitliche Risiko? „Die Verantwortung der Entsorgung liegt derzeit beim Landkreis (Eigentümer). Sollte das Gebäude veräußert werden, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass der neue Eigentümer das Gebäude saniert oder abbricht“, so das Landratsamt des Hohenlohekreises.

Auf Nachfrage bestätigt das Landratsamt, dass die Stadt Künzelsau im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs die Eingangssituation eventuell verändern möchte. Bezüglich der Frage nach den Entsorgungskosten verweist das Landratsamt darauf, dass „zunächst der städtebauliche Wettbewerb abgewartet werde“. Eine erste Kostenschätzung seitens des Landratsamts liegt noch nicht vor. Weiter heißt es: „Das Gebäude A ist grundsätzlich sanierungsfähig, man hatte sich unter den damaligen Umständen aber für eine Veräußerung des Gebäudes und die Errichtung eines Neubaus an anderer Stelle entschieden.“ Das Landratsamt betont: „Die Asbestsanierung ist möglich, aber auch notwendig und wird von Fachleuten sachgerecht durchgeführt. Die hierbei anfallenden Abfälle werden anschließend ordnungsgemäß entsorgt beziehungsweise auf eine zugelassene Sondermülldeponie gebracht.“

Wie und in welcher Form das neue Landratsamt gebaut wird, ist noch nicht klar.

 

// Foto: GSCHWÄTZ/Archiv