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An alle Frauen dieser Welt

Seit Samstag, den 07. November 2020, ist klar: Joe Biden heißt der neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten und seit Samstag ist ebenso klar, dass Amerika nicht nur Geschichte dahingehend geschrieben hat, dass Joe Biden mit 77 Jahren der älteste Kandidat ist, der jemals zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Sondern auch dahingehend, dass die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau als Vizepräsidentin gewählt haben, noch dazu die erste schwarze Frau und die erste Person in diesem Amt mit indischen Wurzeln. Amerika schreibt mit Kamala Harris Geschichte.

An alle Frauen dieser Welt

Kamala Harris hielt am 07. November 2020, als klar war, dass Joe Biden und sie mehr als die benötigten 270 Wahlmännerstimmen erreicht hatten, eine Rede an das amerikanische Volk. Es waren in erster Linie inspirierende Worte, gerichtet an alle Frauen dieser Welt und an die amerikanische Seele. Wir veröffentlichen anbei die wichtigsten Auszüge aus einem Video des ZDF von der Rede:

„Wir, das Volk, haben die Macht, eine bessere Zukunft zu schaffen“

„Amerikas Demokratie ist nicht garantiert. Sie ist nur so stark wie ihr Wille, für sie zu kämpfen, sie zu schützen und sie niemals für vorausgesetzt zu halten.“ (…) „Wir, das Volk, haben die Macht, eine bessere Zukunft zu schaffen.“ Kamala Harris wirkt während ihrer Rede entspannt, positiv und voller Energie. Und sie wendet sich zunächst an die Bürger und dankte ihnen: „Und als unsere amerikanische Seele auf dem Spiel stand, da haben Sie [das Volk] einen neuen Tag für Amerika eingeläutet.“

„Für Gleichheit, Gerechtigkeit und für unseren Planeten“

Kurz warf Harris noch einen Blick zurück: „Das waren herausfordernde Zeiten – speziell die letzten Monate, die Sorgen, die Trauer, die Kämpfe. Aber wir haben auch Ihren Mut erlebt, ihre Entschlossenheit. Vier Jahre lang haben Sie [das Volk] gekämpft – für Gleichheit, für Gerechtigkeit, für unseren Planeten. Und Sie haben eine klare Botschaft gegeben: Hoffnung, Einheit, Wissenschaft und Wahrheit. Darauf kommt es an. Das haben Sie gewählt und Joe Biden als den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.“

„Joe ist jemand, der heilen kann“

Wer natürlich in Ihrer Rede nicht fehlen darf: der neue Präsident, Joe Biden: „Joe ist jemand, der heilen kann, der einen kann. Er hat ein Ziel, dass wir uns helfen als Nation und er ist ein Mann mit einem großen Herzen. (…) Als ich Joe kennenlernte, lernte ich ihn kennen als einen Mann, der Beau (2015) liebte [Anm. d. Red.: Beau ist der erstgeborene Sohn Joe Bidens, der 2015 dem Krebs unterlag]. Die Vizepräsidentin schlägt zugleich den Bogen zu ihrer Familie: „Als meine Mutter mit 19 Jahren von Indien in die Vereinigten Staaten kam, hätte sie sich diesen Moment sicher nicht vorstellen können, aber sie hat zutiefst an ein solches Amerika geglaubt, wo dieser Moment möglich ist. Ich denke an sie und an die Generation schwarzer Frauen, an asiatische, weiße Frauen, an lateinamerikanische, amerikanische Frauen, die für uns diesen Weg geebnet haben für diesen Augenblick. Frauen, die gekämpft haben, die so viel geopfert haben für die Gleichheit, die Freiheit, für die Gerechtigkeit für alle.“ Frauen, die für ihr Wahlrecht gekämpft haben. „Heute denke ich an Ihre Entschlusskraft, ihre Vision, an eine neue Generation von Frauen.“

„Joe hatte den Wagemut, eine Frau zu seiner Vizepräsidentin zu machen“

Und Harris verpasst es an dieser Stelle nicht, das wirklich Bemerkenswerte dabei in Bezug auf Joe Biden hervorzuheben: „Das ist das Zeugnis von Joes Charakter, dass er den Wagemut hatte, eines der größten Hindernisse in diesem Land zu überwinden und eine Frau zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Ich bin vielleicht die erste Frau in diesem Amt, aber sicherlich nicht die letzte. Denn jedes kleine Mädchen, das heute zuschaut, wird sehen, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist und dass unser Land allen Kindern eine klare Botschaft geschickt hat: Träumt mit Ehrgeiz, führt mit Überzeugung und seht euch selbst wie andere es vielleicht vorher nicht getan haben. Und ihr sollt wissen: Wir werden euch bei all euren Schritten Applaus spenden.“

„Rassismus in unserer Gesellschaft töten“

Zum Abschluss ihrer Rede wird Harris konkreter hinsichtlich der politischen Belange, die nun anstehen: „Jetzt beginnt die wirkliche Arbeit – die Pandemiebekämpfung, wir müssen die Wirtschaft wieder aufbauen und den systemischen Rassismus in unserer Gesellschaft töten. Wir müssen unser Land wieder einen und die Seele der Nation wieder heilen. Der Weg, der vor uns liegt, wird kein leichter sein, aber Amerika ist bereit.“ Die restliche Welt ist es auch.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wir können nicht everybodies darling bleiben, sondern müssen Stellung beziehen“

Der Kampf ums Weiße Haus hat begonnen. Derzeit gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Präsidenten Donald Trump von den Republikanern und seinem Herausforderer Joe Biden von den Demokraten. Der Eklat des heutigen Tages: Donald Trump wollte nicht abwarten, bis alle Stimmen ausgezählt sind (insbesondere viele Briefwahlstimmen fehlen hier noch), sondern sah die Wahl bereits am Vormittag des 04. November 2020 als gewonnen an. Des Weiteren empfahl er, die noch zu zählenden Stimmen insbesondere der Briefwahl, nicht mehr in die Wertung mit einfließen zu lassen. Dieses Vorgehen wolle er mit dem Supreme Court, dem obersten Gericht der Vereinigten Staaten, absprechen (wir berichteten).

Was bedeutet das für Deutschland?

Was sagen heimische Politiker aus dem Hohenlohekreis zum US-amerikanischen Wahlkampf? Wir haben Politiker von der CDU, der SPD, den Grünen und der AfD dazu befragt. Am schnellsten haben die Grünen per E-Mail geantwortet – und haben eine klare Meinung.

GSCHWÄTZ: Wie haben Sie die Wahl in den Medien verfolgt?

Catherine Kern (Kandidatin der Grünen für die Landtagswahl 2021 und unter anderem Kreistagsmitglied des Hohenlohekreises): Heute im Lauf des Tages die Zeitungen (Spiegel, Süddeutsche, Die Welt, Handelsblatt und the Guardian) sowie im Internet immer wieder angeschaut.

Martin Braun (im Kreisvorstand der Grünen Hohenlohe): Im Vorfeld in der Presse, Tages- und Wochenzeitungen, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in den Nachrichten und einigen Talk-Runden. Am heutigen Dienstag, dem Wahltag tagsüber in den Nachrichten im Radio und am Abend natürlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

„Ich hoffe sehr, dass Biden gewinnt“

GSCHWÄTZ: Was bedeutet die US-Wahl für Sie persönlich?

Kern: Ich habe keine persönliche Beziehung zu den USA. Da Biden EU-freundlich ist und die Bedeutung des „Good Friday Agreement“ zwischen Irland und Nordirland hochhält, hoffe ich sehr, dass er gewinnt. Das wäre für eine Vereinbarung zwischen GB und EU sehr wichtig und das berührt mich persönlich, da ich Deutsch-Britin bin.

Braun: Die ganzen Vorgänge zeigen, wie empfindliche eine Demokratie auch mit langer Tradition sein kann, wenn wichtige Politiker sich nicht an unausgesprochene Tabus und Regeln halten. Je nach endgültigem Ausgang unter Umständen macht sich eine gewisse Enttäuschung breit und es muss ein notwendiges Umdenken hinsichtlich meiner Einstellung zur Politik Amerikas erfolgen.

„So empfindlich kann eine Demokratie sein, wenn Politiker sich nicht an Regeln halten“

GSCHWÄTZ: Wie ordnen Sie die Wahl selbst und die Vorgänge danach  – etwa dahingehend, dass Donald Trump Stimmen nicht auszählen lassen will – im Rahmen der „größten Demokratie der Welt“ und der „Führungsmacht der westlichen Welt“ ein?

Kern: Wenn die USA demokratisch bleiben will, dann muss Trump zulassen, dass die Stimmen ausgezählt werden. Ich sehe große innere Konflikte auf die USA kommen und das von rechts und von links.

Braun: Trumps Verhalten zeugt von absolut keinem Bewusstsein für Demokratie und keinerlei Willen, diese Demokratie auch zu leben. Er dient anderen Ländern u.U. als Vorbild oder Begründung für die Beschneidung der Demokratie im eignen Land. Leider gibt es in der EU schon einige Negativbeispiele

„Ich sehe große innere Konflikte auf die USA zukommen“

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie die Folgen für Deutschland und Europa ein?

Kern: Für den Klimaschutz sind vier weitere Jahre mit Trump eine absolute Katastrophe. Aber egal wer gewinnt, die EU muss selbstbewusster werden und nicht im Windschatten der USA weiterhin ihre Heimat sehen. Wir können nicht „everybodies Darling“ bleiben und müssen Stellung beziehen. Da nehme ich China als Beispiel, ein Land, das weit weg von demokratischen Verhältnissen steht und Minderheiten in Internierungslagern steckt, das können wir nicht dulden.

„Schlicht katastrophal“

Braun: Generell bis jetzt: Die Kündigung des Klimaschutzabkommens ist schlicht katastrophal und zeugt von keinerlei politischer Verantwortung. Dasselbe gilt für andere Abkommen und Vereinigungen, zum Beispiel hinsichtlich der Welthandelsorganisation (WHO), falls Trump gewählt wird es große Unsicherheiten im weltweiten Handel und entsprechende Schwankungen geben, verbunden mit einer Verlangsamung des Wachstums sowie weitere Kündigungen und Austritte aus internationalen Organisationen. Die EU wird sich stärker auf sich selbst besinnen müssen.

Die Fragen stellte Matthias Lauterer

Catherine Kern von den Grünen. Foto // privat




Schock! Donald Trump möchte die Auszählung der Stimmen stoppen und erklärt sich vorsorglich jetzt schon zum Sieger

In einer ersten Rede hat sich Donald Trump schon einmal vorsorglich zum Sieger bei der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl erklärt. Zudem möchte er die Auszählung der Stimmen an dieser Stelle stoppen und möchte dieses Beenden des Wahlprozesses mit dem Supreme Court durchsetzen. Er bekam dabei viel Applaus von seinen Anhängern des „Inner Circle“ des Weißen Hauses, unter anderem von seiner Familie.

Ende der Demokratie in Amerika?

Falls er seinen Worten Taten folgen lässt, sprechen US-amerikanische Experten schon jetzt von einer Krise, in die die Vereinigten Staaten dann rutschen würden. Der angesehen Journalisn Georg Mascolog sieht in Trumps Aussagen den „tiefsten Tiefpunkt“ in der bisherigen Karriere des amtierenden US-Präsidenten.

Andere Verfolger des Wahlkampfes befürchten gar ein Ende der Demokratie in den USA. Falls Trump seinen Worten Taten folgt lässt und den Supreme Court bittet, die Auszählung der Stimmen zu stoppen (insbesondere geht es dabei um die Stimmen per Post, Experten schätzen, dass mehr Demokraten per Briefwahl ihre Stimme abgegeben haben als Republikaner), käme es auf die Entscheidung des Supreme Court an. Eigentlich ist ein vorzeitiges Beenden undenkbar in einem demokratischen Prozess, allerdings darf man nicht vergessen, dass sechs Mitglieder des Supreme Courts, des höchsten Gerichts in den Vereinigten Staaten, Republikaner sind und damit der Partei Donald Trumps angehören.

Vorzeitiges Auszählungsende eigentlich undenkbar – eigentlich

Sein Herausforderer, Joe Biden von den Demokraten, hatte zuvor wochenlang das amerikanische Volk aufgefordert, wählen zu gehen, getreu dem Motto: „Every vote counts.“ Das ist nun die Frage: Wird am Ende wirklich jede Stimme gezählt?

Text: Dr. Sandra Hartmann




Die Herrschaft der wütenden, weißen, alten Männer

Der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf verläuft erstaunlich ruhig im Vergleich zu den Vorjahren, zumindest was man hierzulande so mitbekommt. Es gab wie zu Erwarten einen TV-Schlagabtausch unter der Gürtellinie. Während der Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern während des ersten TV-Duells im September 2020 den Demokraten Joe Biden ständig ins Wort fiel, nannte Joe Biden den amtierenden Präsidenten wiederum einen Clown. Gutes Benehmen schaut anders aus. Und Agilität auch. Trump als Corona-Oberkritiker musste nach dem ersten TV-Duell denn auch erstmal ins Krankenhaus, um seine Coronaerkrankung auszukurieren. Wie Phoenix aus der Asche stieg er denn auch wenige Tage später wieder in den Wahlkampfring, gesünder denn je, um unter anderem zu erklären, dass  85 Prozent, die eine Maske tragen, an Corona erkranken (https://www.tagesschau.de/ausland/uswahl2020/uswahl2020-trump-biden-fernduell-103.html

Ist das wirklich das Beste, das Amerika zu bieten hat?

Sind das wirklich die besten der Besten, die es geschafft haben, sich beim amerikanischen Volk (immerhin rund 331 Millionen Einwohner) politisch bis an die politische Spitze durchzusetzen?

Geld und Einfluss helfen unter anderem in den Vereinigten Staaten enorm, die politische Karriereleiter nach oben zu klettern. Aber dennoch fragt man sich, ob es nicht auch andere Menschen mit dem nötigen Können und dem nötigen Background gegeben hätte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, als zwei alte, wütende, weiße Männer? Donald Trump ist mittlerweile 74 Jahre, Joe Biden 77 Jahre. Immerhin hat Biden quasi als Ausgleich seiner selbst Kamala Harris an seiner Seite, eine 56 Jahre junge US-Amerikanierin mit indischen und jamaikanischen Wurzeln. Diese Frau soll als Vizepräsidentin Joe Biden zur Seite stehen, wenn er gewählt wird. Sie ist damit aber auch der einzige Lichtblick in dieser Dynastie der alten, weißen Männer.

Die Zukunft sieht definitiv anders aus

Daher, man darf es gar nicht laut sagen, aber man ist als Europäer sogar schon froh, wenn man nicht allzu viel vom US-amerikanischen Wahlkampf mitbekommt, weil er schlicht und ergreifend einer Farce gleicht. Nichts Neues im Westen. Leider. Keinem der beiden Männer traut man zu, dass Ruder herumzureißen und als neuer Präsident den Vereinigten Staaten neues Leben einzuflößen. Die Zukunft sieht definitiv anders aus.

In Deutschland sieht es nicht besser aus kurz vor der Bundestagswahl 2021

Aber auch Deutschland steht das Klagelied des Wahlkampfes noch bevor. 2021 soll es einen neuen Bundeskanzler geben. Die gewillten männlichen Bewerber bringen sich bereits in Position. Da ist unter anderem der bayrische Ministerpräsident und Corona-Sieger Markus Söder (CSU), der sich zwar derzeit noch etwas ziert, aber gewiss nicht Nein sagen wird, wenn er weiß, dass er auch von seinen CDU-Kollegen zum Kanzler-Thron getragen wird. Friedrich Merz (CDU), der gefühlt schon immer da gewesen ist, nur nie in der richtig wichtigen politischen Sandkastenlandschaft mitspielen durfte. Der ewige Besserwisser, Außenseiter, Underdog, der alles anders machen würde, wenn man ihn nur machen lassen würde. Und da ist Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der einem schon fast leid getan hat bei der Bewältigung der Coronapandemie. Das ist kein Macher, sondern ein Männlein. Und mitnichten Deutschlands neuer Bundeskanzler.

Morgen soll es das nächste TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden geben. Um einem erneut chaotischen TV-Duell vorzubeugen, werden die Mikrofone so berichtet es die Tagesschau, von US-Präsident Trump und seinem Herausforderer bei der Debatte am Donnerstag teils stumm geschaltet.

https://www.tagesschau.de/ausland/uswahl2020/uswahl2020-biden-trump-tv-duell-mikrofone-101.html

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Reinhold Würth warnt vor Drittem Weltkrieg

Reinhold Würth hat es getan. Der Künzelsauer Unternehmer hat unlängst in einem Interview im Rahmen der ARD-Dokumentation „Irgendwer zahlt immer“ vor einem Dritten Weltkrieg gewarnt. Die Anzeichen erinnern an die Vorboten des Ersten und Zweiten Weltkrieges sagte er.
Tatsächlich gibt es in Deutschland, Europa und der Welt eine stetig wachsende Unzufriedenheit der Bürger mit der regierenden Klasse. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Tatsächlich gibt es auch einiges, was die regierenden Politiker anders, ja, besser machen könnten. Nehmen wir nur mal das Sozialwesen mit Krankenhäusern und Altenheimen, das schon lange nicht mehr als Sozialwesen betrachtet wird, sondern als Wirtschaftsbereiche, die gewinnbringend arbeiten sollen – finanziert und bezahlt durch die Bürger. Und im Zweifelsfall, wenn nicht noch Gewinn herausspringt für den Staat, geschlossen.

Aber nun erleben wir einen Umbruch. Wir haben diese Woche gleich zweimal erlebt, dass nicht immer alle Entscheidungen abgesegnet und durchgewunken werden, sondern kritisch hinterfragt und abgelehnt. Der Kreistag hat es vorgemacht und gibt dem Notfallkonzept Künzelsau eine verlängerte Chance. Achim Becks Antrag auf Schließung nach nur drei Monaten wurde abgeschmettert. Ingelfingens Gemeinderat hat gezeigt, wieviel Kraft ein Gemeinderat haben kann. Er hat sich gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung für eine Einbahnstraße abgelehnt. Beide Male wurde im Sinne des Volkes entschieden. Das sind wahre Volksvertreter. Dann fühlen sich die Bürger auch wieder gehört.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann



 




Ein junges Mädchen wird zur Hoffnungsträgerin für ganz Europa

Noch vor etwas mehr als einem Jahr hat kaum jemand Greta Thunberg gekannt. Dann hat die Schülerin mit ihren Sitzstreiks vor dem schwedischen Parlament begonnen. Die Fotos von ihr gingen um die Welt und fanden Millionen von Nachahmern. Die Fridays-for-Future-Bewegung erfasste Europa. Und die Klimaretter hatten endlich ein Gesicht gefunden, um die Öffentlichkeit wachzurütteln. Gretas.

Nun reist die 16-Jährie mit einem Segelboot zum Klimakongress der Vereinten Nationen nach New York. Und die ganze Welt schaut zu. Was hat Greta, was andere Klimaaktivistin vor ihr nicht haben? Vermutlich ist es ihre kompromisslose Einstellung und ihr absoluter Wille, die Welt wieder grüner werden zu lassen.

Kompromisslos ist ein verpöntes Wort in der politischen Welt. Aber wegen tausender klein-klein-Kompromisse kommt eben häufig kein großes Ganzes am Ende raus. Aber Greta will die große Veränderung. Den Wandel. Jetzt. Es ist ein Mädchen, dass Potenzial hat, die ganze Welt damit zu „infizieren“. Sie ist ein Lichtblick zwischen den ganzen Schwarzmalern, eine Hoffnungsträgerin für ganz Europa, uns wieder auf die großen, die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und gemeinsam ein positives Ziel anzustreben – das wohl Wichtigste für unseren Planeten und damit für uns. Ein gesundes Klima.




„Es wurden Fehler gemacht“

// Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus in Künzelsau und im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen.

So rund ging es innerhalb der SPD schon lange nicht mehr – betrachtet man die vergangenen Monate, in der es die SPD in einer Achterbahnfahrt in die Regierung geschafft hat. Wir wollten vom stellvertretenden SPD-Kreisverbandsvorsitzenden des Hohenlohekreises, Hans-Jürgen Saknus, wissen: Wie sehr hat es wirklich innerhalb der Partei gekracht, über Fehler bei der Integration im Ländle, die fragwürdige Bildungs- und Gesundheitspolitik der Landesregierung. Weitere Themen: Warum Trump seiner Meinung nach ein Trampel ist, Jennifer Aniston besser als Angelina Jolie und warum Stefan Neumann Thilo Michler schlägt.

 

GSCHWÄTZ: Sie sind ja schon lange in der Politik tätig. Warum haben Sie sich für die SPD entschieden?

Saknus: Als ich Konfirmand war, hat mir unser Pfarrer gesagt, dass er SPD wählt. Das hat mich stutzig gemacht, weil ich gedacht habe, der müsste doch CDU wählen, wegen dem christlich im Namen. Aber er erklärte mir, dass es auch um Solidarität geht. Das hat sich in der kirchlichen Jugendarbeit fortgesetzt. Hier sind sehr viele mit der SPD verbandelt.

 

GSCHWÄTZ: Die SPD hat sich ja in den vergangenen Monaten bei den zähen Regierungsverhandlungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wo ist eigentlich Martin Schulz abgeblieben?

Saknus: Es sind Fehler gemacht worden und die Fehler hat er auch eingestanden. Er hat zu vehement eine Nein-Politik verfolgt. Er tritt nicht in die Regierung ein. Die SPD geht sofort in die Opposition – was ja auch gut ankam, denn man war auch regierungsmüde. Aber wenn der Bundespräsident sagt, ihr müsst in Koalitionsgespräche gehen und man sich im politischen Wettbewerb aufstellt, dann kann man sich nicht verweigern.

 

GSCHWÄTZ: Also hat sich Ihrer Meinung die richtige Seite durchgesetzt – die alte Garde, die gedrängt hat, in die Regierung zu gehen, gegen die Jusos, die für eine starke Opposition geworben haben?

Saknus: Ich habe absoluten Respekt vor dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Er hat das toll gemacht und hat auch viele von den älteren mitgenommen, die gesagt haben: So können wir nicht weitermachen. Ein Weiter-so kann es auch für mich nicht geben, auch nicht in einer Neuauflage einer Großen Koalition – wobei beide Parteien so viel Punkte verloren haben, dass man nicht mehr von einer Großen Koalition sprechen kann.

 

GSCHWÄTZ: Eigentlich ist die SPD keine Volkspartei mehr, oder?

Saknus: Das ist die Problematik. Wir müssen uns als SPD wirklich überlegen, für wen wir stehen und für welche Ziele wir eintreten. Wir brauchen wieder eine Vision für die Zukunft und nicht das Klein-Klein im politischen Betrieb.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann diese Vision aussehen?

Saknus: Die SPD muss deutlich Position beziehen, dass wir wieder eine Umverteilung von oben nach unten brauchen. Wir müssen einstehen für Geringverdiener, für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, für Familien, für Alleinerziehende. Viele leben am Existenzminimum. Diese Dinge gilt es zu ändern. Der Mindestlohn war ein erster Schritt.

 

// Haben wir ein Integrationsproblem? //

 

GSCHWÄTZ: Vor kurzem hat ein junger Asylbewerber die Scheiben des Jobcenters in Künzelsau eingeschlagen. Haben wir ein Integrationsproblem?

Saknus: Der junge Mann hat sicher ein Problem gehabt, sonst hätte er die Scheiben nicht eingeschlagen. Das ist nicht zu rechtfertigen oder kleinzureden. Aber ich vermute großen Frust dahinter. Asylverfahren dauern bei uns einfach viel zu lange, bis da die entsprechenden Entscheidungen getroffen sind. Wir sind hier ebenso unterbesetzt wie im Bereich Justiz, bei der Polizei und bei der Bundespolizei. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen oft aus Ländern kommen, die diese Menschen nicht problemlos wieder zurücknehmen. Verhandeln Sie mal mit Libyen.

 

// Unterbesetzt bei der Polizei und in der Justiz //

 

GSCHWÄTZ: Wie schwer ist es für Neuankömmlinge, Arbeit zu finden?

Saknus: Arbeit zu finden ist nicht schwer, wenn der entsprechende Rechtsstatus geklärt ist. Wir haben aktuell in Öhringen 154 Menschen, die einen Rechtsstatus als Flüchtling oder Asylant haben. Sie haben eine Arbeitserlaubnis. Wir konnten hier auch schon gute Erfolge vorweisen. Über ein Drittel von ihnen hat Arbeit gefunden beziehungsweise ist in einer Ausbildung. Ein Drittel befindet sich in Schulungsmaßnahmen. Und der Rest teilt sich auf. Ich habe nur einen Menschen, der in einer Maßnahme beim Jobcenter ist.
Wie lange dauert es, bis entschieden wird, ob ein Flüchtling bleiben darf?
Saknus: Das Bundesamt für Migration (BAMF) möchte, dass innerhalb eines halben Jahres die Entscheidung darüber fällt – am besten noch schneller. Aber wir haben Asylbewerber, die sind schon über drei Jahre hier und wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ich kann nachvollziehen, wenn diese Menschen Frust schieben. 18 Prozent aller Fälle bundesweit sind unbearbeitet und damit völlig offen in ihrem Ausgang.

 

// Hohenlohes Gesundheitspolitik: „Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen“ //

 

GSCHWÄTZ: Die BBT-Gruppe hat die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses (HK) bekommen. War die Entscheidung des Kreistages richtig?

Saknus: Wenn ich es richtig sehe, war es die einzige Entscheidung, die möglich war, denn es gab nur einen Anbieter. Ich finde es gut, dass es ein Träger ist, der gemeinnützig aufgestellt ist und dass sie nach Tarif zahlen wollen. Das ist auch eine unserer Forderungen. Und sie haben viel Erfahrung im Seniorenbetreuungsbereich.

 

GSCHWÄTZ: Kann es passieren, dass es dem Neubau in Öhringen wie Künzelsau ergeht und geschlossen wird, wenn er es nicht in die schwarzen Zahlen schafft?

Saknus: Durch die Schließung des Künzelsauer Standortes wird es ja künftig weniger Betten geben. Da ist man an einer kritischen Grenze, ein Krankenhaus zu führen.Man wird sehen, ob sich das Krankenhaus am Markt beweisen wird. Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen und muss hier schon genau hinschauen.

 

GSCHWÄTZ: Was bleibt in Künzelsau übrig von der Gesundheitsversorgung?

Saknus: Wenn ich Strukturveränderungen mache und kleine Krankenhäuser schließe – unsere Landesregierung praktiziert das ja – muss sie auch bereit sein, in neue Modelle zu investieren, etwa in ein medizinisches Versorgungszentrum, das ambulante wie auch teilstationäre Lösungen anbietet.

 

GSCHWÄTZ: Ihr Herzensanliegen auf bundespolitischer Ebene war ja eine Bürgerversicherung – eine Versicherung sowohl für private als auch gesetzlich Versicherte. Kommt die Versicherung nun?

Saknus: Das ist ein längerer Prozess. Aber wir brauchen einen Topf, denn wir können es uns nicht leisten, zwei parallele Systeme zu fahren. Wir sind das einzige Land in Europa, dass das noch so macht.

 

// Lehrermangel im Ländle //

 

GSCHWÄTZ: Immer mehr Schulen auch bei uns im Ländle verzeichnen einen Lehrermangel. Ist der Beruf zu unattraktiv geworden?

Saknus: Nein. Wir haben vielmehr ein Problem mit der Landesregierung, die nicht klar sagt, ob sie Lehrerplätze abbauen oder neue Lehrer einstellen möchte. Wir haben zu wenig Studienplätze und gleichzeitig viele Lehrer, die in Ruhestand gehen.

 

GSCHWÄTZ: Baden-Württemberg war ja mal Musterländle, was Pisa-Tests betrifft. Mittlerweile sind wir auf die vorletzten Plätze abgerutscht. Woran liegt das?

Saknus: Wir haben einen Reformstau. Vor allem die Gemeinschaftsschulen, die es seit ein paar Jahren in Baden-Württemberg gibt, werden nicht richtig unterstützt.

 

GSCHWÄTZ: Manche Schulleiter hier bei uns haben genug von den vielen Reformen in den vergangenen Jahren.
Saknus: Mit Reformen meine ich nicht, dass von oben etwas herunterverordnet wird, sondern im Gegenteil: dass die Schulen wieder mehr Freiheiten bekommen. Schulleiter bräuchten Unterstützung, es müsste mehr Sozialarbeiter an Schulen geben, aber das ist alles wieder zusammengestrichen worden.

 

Im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen haben wir Herrn Saknus jeweils zwei Bilder vorgelegt, zwischen denen er sich entscheiden sollte.

 

GSCHWÄTZ: Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Saknus: Bayern München ist ein toller Verein beziehungsweise eine tolle Mannschaft mit tollen Erfolgen, aber das Herz schlägt ganz klar im Schwabenland für den VfB. Aber ich muss gestehen, ich bin auch ein Franken-Fan. Ich bin gern beim FC Nürnberg.

GSCHWÄTZ: Haben Sie Fußball gespielt?
Saknus: Ja, in der Jugend habe ich viel gespielt und ich war auch 13 Jahre lang beim SSV Gaisbach
Jugendtrainer.

GSCHWÄTZ: Jennifer Aniston oder Angelina Jolie?
Saknus: Ich finde beide Frauen total bezaubernd. Aber vom Typ her würde ich eher Jennifer Aniston wählen.

GSCHWÄTZ: Hillary Clinton oder Angela Merkel?
Saknus: Auch wenn Hillary Clinton einer demokratischen Partei angehört, würde ich mich für Angela Merkel entscheiden. Sie ist ja eine Person, die viele SPD-Positionen gerne übernimmt (lacht).

GSCHWÄTZ: Donald Trump oder Wladimir Putin?
Saknus: Ich finde, Donald Trump ist ein Trampel. Er regiert über Twitter. Das geht gar nicht. Alles zweifelt am Bündnis mit den USA. Von daher muss ich mich für Putin entscheiden. Der macht das feiner. Wir müssen auch Lösungen finden mit Russland, mit dem Osten.

GSCHWÄTZ: Öhringens Bürgermeister Thilo Michler oder Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann?
Saknus: Jetzt bringen Sie mich aber in einen echten Konflikt. Thilo Michler ist mein Chef in Öhringen. Ich wohne aber in Künzelsau und bin dort auch Gemeinderat (überlegt). Da ich Jugendreferent bin, entscheide ich mich für die Jugend und nehme Stefan Neumann. Er ist ein bisschen jünger als Thilo Michler. Aber ich kann mit beiden gut.

 

// Hans-Jürgen Saknus //

Hans-Jürgen Saknus (59) ist stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender des Hohenlohekreises. Der Wahlkünzelsauer wurde am 07. November 1956 geboren, hat nach der Realschule und einer Schreinerlehre Religions- und Gemeindepädagogik studiert, ist verheiratet und hat drei mittlerweile erwachsene Kinder. Saknus arbeitet bei der Stadt Öhringen als Jugendreferent und Integrationsbeauftragter. Während unserer Interviews präsentierte sich Saknus offen, kritisch und als jemand, der sozial Benachteiligten helfen möchte.
Video-Interview in Künzelsau und Ingelfingen Das Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus wurde in Künzelsau und Ingelfingen gedreht.

 

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Dreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus;




Wir sind so gut im Russland-Bashing – Aber sind wir wirklich so viel besser?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Ein Russland-Kenner, der heute morgen in SWR 1 zu den Russland-Wahlen am kommenden Sonntag, den 18. März 2018, zu hören war, war sich sicher: Wladimir Putin gewinnt die Wahl, weil er sehr populär in Russland sei, obwohl er viele innenpolitische Baustellen habe. Als Beispiel nannte er die Gesundheitspolitik, die Bildungspolitik und die Infrastruktur. Da musste man als Zuhörer schon fast schmunzeln. Genauso gut könnte er von Deutschland gesprochen haben. Wir sind wirklich gut darin, unsere östlichen Nachbarn, allen voran Russland und Wladimir Putin zu kritisieren oder über die USA den Kopf zu schütteln, wie das Volk nur einen Donald Trump zum Präsidenten wählen konnte. Bei unserem eigenen innenpolitischen Scherbenhaufen zucken wir lediglich mit den Schultern oder – noch schlimmer – die Parallelen, etwa zu Russland, fallen uns gar nicht auf.

Ja, hätte denn ersthaft jemand am Sieg von Angela Merkel gezweifelt – obwohl es reihenweise Pleiten, Pech, Pannen und vor allem Stillstand bei innenpolitischen Problemen in den vergangenen Jahren gab? Es hat sich weniger als nichts getan in der Gesundheitspolitik, in der Bildungspolitik und der Infrastruktur. Viel versprochen, noch weniger gehalten, stattdessen wurde vieles heruntergekürzt. Lediglich die Diätenerhöhung war sicher. Und was sich jetzt frisch gedruckt auf dem Koalitionspapier lesen lässt, interessiert sowieso das Gros der Bevölkerung nicht mehr, weil die Umsetzung dieser ganzen Heilsversprechen ohnehin in den Sternen steht.

// Deutschlands Baustelle 1 //

Unsere Gesundheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen verschlechtert: zahlreiche Krankenhäuser wurden deutschlandweit geschlossen, in der Stadt und auf dem Land herrscht Ärztemangel, der in den kommenden Jahren noch größer werden wird, Rettungsdienste beklagen eine so dünne Personaldecke wie noch nie, die staatlichen Pflegeheime sind zwar teuer, aber Pflegekräfte bekommen trotzdem nur ein Azubigehalt oder häufen Überstunden ohne Ende an.

// Deutschlands Baustelle 2 //

Deutschland war mal Klassenprimus in der Bildungspolitik – Sie erinnern sich vielleicht noch, das war zu einer grauen Vorzeit. Das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg hatte stets Platz 2 bei den Pisastudien sicher, nach Bayern. Nun dümpeln unsere Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen auf den hintersten Plätzen herum. Viele Schulen beklagen einen Mangel an Lehrern, so dass es zu immer mehr Unterrichtsausfällen kommt und die Klassen immer größer werden. Geld wurde vor allem an den Grundschulen jahrelang nicht investiert – dort, wo der Samen für Bildung gesetzt wird.

// Deutschlands Baustelle 3 //

Über Infrastur sprechen wir lieber erst gar nicht. So wurde manch ein fast nie benutztes landwirtschaftliches Sträßchen im Kocher– und Jagsttal wurde bestens asphaltiert. Die A6 aber – die Problemzone für alle Pendler – ist so stark belastet, dass es andauernd zu Unfällen kommt. Permanente Baustellen und Unfälle zusammen – ergibt was? Richtig. Staus. Wartezeiten. Stillstand. Frust. Wann kommt der Ausbau?

Wohin sind in den vergangenen Jahren die sprudelnden Steuereinnahmen geflossen, die der ehemalige Finanzminister Woflgang Schäuble postuliert hat? Das fragen sich viele Bürger zu Recht.

A propos Altlasten: Wo ist eigentlich der beinahe-Aussenminister Martin Schulz (SPD) abgeblieben?

Foto: adobe stock




Wespenalarm an Kocher- und Jagst

// Was am besten hilft
// Sie fliegen auf helle Farben

Sie sind wieder hier – in unserm Revier…Westernhagens Lied tritt in diesem Sommer versteckt auf Wespen zu, die zu ungebetenen Gästen in den Häusern und auf den Terassen an Kocher und Jagst geworden sind.

Wespen sind – man soll es kaum glauben – ängstliche Tiere, die, wenn man sie vertreibt (abwehrende Handbewegungen) zustechen können – und das nicht nur einmal. Auch anpusten ist keine gute Idee, denn der CO2-Gehalt unseres Atems wirkt für Wespen wie ein Alarmstoff, der diese zum Stechen animieren kann. Was also tun?

Klar ist:
Nahrungsmittel, besonders Süßes und Eiweißhaltiges nicht offen herumstehen lassen. Essensreste und Fallobst im Garten sofort wegräumen. Mülleimerdeckel schließen.

ACHTUNG: Die Farben weiß, gelb und blau sowie süße Parfüms meiden – sie sind für Wespen unwiderstehlich.

Entweder man versucht es mit der Anlockmethode:
Man lockt die Wespen an einem Ort, der einen nicht stört mit überreifem Obst, einer Flasche Apfelsaft oder mit rohem Fleisch oder Lachs an. Allerdings ertrinken die Wespen im Apfelsaft, daher eine eher ungeeignete Methode für Tierfreunde. Die Anlockmethode hat zudem den Nachteil, dass es durchaus sein kann, dass dadurch noch mehr Wespen angeflogen kommen.

Die Abschreckungsmethode:
Der Duft von Salmiak, frischem Basilikum und Lavendel soll Wespen fernhalten. Hat nicht jeder zu Hause oder im Garten? Kein Problem. Für Wespen besonders unangenehm soll ebenso der gemischte Geruch von Zitrone und Nelke sein: Einfach ein paar Zitronen aufschneiden, mit getrockneten Nelkenblüten (gibt es im Supermarkt) spicken und überall aufstellen.