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Ziehl-Abegg spendet der Kreisverwaltung 70 Gesichtsschutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Am Freitag, den 03. April 2020, hat die Firma Ziehl-Abegg 70 Gesichtsschutzvisiere an den Hohenlohekreis übergeben. „Wir bewältigen die Krise gemeinsam und können uns aufeinander verlassen“, freut sich Landrat Dr. Matthias Neth. „Die Kreisverwaltung arbeitet im engen Schulterschluss mit den ansässigen Unternehmen im Kreis.“

Die Masken werden bei Ziehl-Abegg in 3D-Druckern hergestellt. „Die Idee hat eine Arbeitskollegin auf den Weg gebracht“, erklärt der Laborleiter der Firma Ziehl-Abegg, Achim Kärcher. Anschließend wurde gleich ein Testlauf gestartet. „Unsere Mitarbeiter und deren Familien leben hier – da unterstützen wir die Kreisverwaltung natürlich gerade in einer solchen Krise, wo es geht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl. Die 3D-Drucker sollen auch in der kommenden Woche Masken fertigen. Der große Vorteil dieser Masken ist, dass sie Mund, Nase und auch Augen – und damit alle Schleimhäute – schützt. Der Landkreis gibt die Masken an verschiedene Hilfsorganisationen weiter.

Landrat Dr. Matthias Neth (links) gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Firma Ziehl-Abegg Peter Fenkl (Mitte) und Laborleiter Achim Kärcher (rechts) bei der Übergabe der Schutzmasken. Foto: Ziehl-Abegg

„Das Ansteckungsrisiko für die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen muss minimiert werden“, das ist das Ziel des Künzelsauer Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg und hat daher Gesichtsschilde gedruckt und an Landrat Dr. Matthias Neth überreicht. Schnell und unkompliziert lief auch die Erstellung der Schutzschilde: Der Träger wird gedruckt, die Sichtscheibe ist eine Folie für einen Tageslichtprojektor, ein handelsüblicher Locher stanzt die Öffnungen, und befestigt wird mit Gummibändern. „Einfach aber wirkungsvoll“, freut sich auch Landrat Dr. Matthias Neth. 

Die Bauanleitung hatte laut Ziehl-Abegg eine Mitarbeiterin von Ziehl-Abegg am Mittwochabend, den 01. April 2020, zufällig per WhatsApp erhalten – und schon am Donnerstagvormittag schickte Ziehl-Abegg ein Foto der ersten Gesichtsschilde an den Krisenstab im Landratsamt. Als es von dort sofort grünes Licht gab, liefen beide 3-D-Drucker im Künzelsauer Entwicklungszentrum InVent an, erklärt das Künzelsauer Unternehmen in einer Pressemitteilung.

„Wir drucken seit 2010 in 3-D-Technik“, sagt Achim Kärcher, Laborleiter bei Ziehl-Abegg. Schon im Folgejahr stand der zweite 3-D-Drucker im Entwicklungszentrum. Kostenpunkt für ein Gerät: etwa 100.000 Euro. Die Schichten beim Druck betragen 0,16 Millimeter. „Das nutzen wir normalerweise zum Erstellen von Prototypen, zum Umsetzen von neuen Ideen unserer Ingenieure“, erklärt Kärcher. Ziehl-Abegg ist Technologieführer beim bionischen Design von Ventilatoren; „daher müssen wir schnell und unkompliziert neue Formen ausprobieren können“, ergänzt der Laborleiter.

„Wir sind froh, wenn wir auf diesem Weg Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen helfen können“, sagt Firmenchef Fenkl. Dabei gehört der Medizinbereich auch zum normalen Geschäftsfeld: Ziehl-Abegg baut seit Jahren große Ventilatoren sowohl für Operationssäle als auch für Quarantäne-Stationen. Das Unternehmen hat für chinesische Krankenhäuser in Wuhan, Shandong und Shenzhen, die dort binnen weniger Tage aufgebaut worden sind, spezielle Ventilatoren geliefert. Auch in Italien und anderen Ländern hat das deutsche Unternehmen das Kernequipment für Unter- beziehungsweise Überdruck in Kliniken hergestellt. Und produziert auch aktuell solche Ventilatoren in Hohenlohe und weltweit noch immer unter Hochdruck.

3-D-Druck-Gesichtsschilde von Ziehl-Abegg. Foto: Ziehl-Abegg

Über Ziehl-Abegg

Ziehl-Abegg (Künzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland) gehört zu den laut eigenen Angaben international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Ziehl-Abegg hat schon in den fünfziger Jahren die Basis für moderne Ventilatorenantriebe gesetzt: Außenläufermotoren, die auch noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.

Das Unternehmen (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 2019) beschäftigt laut eigenen Angaben 2.400 Mitarbeiter in süddeutschen Produktionswerken. Weltweit arbeiten für das Unternehmen 4.300 Mitarbeiter. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 29 Gesellschaften und 113 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Der Umsatz liegt bei 633 Mio. Euro. Dreiviertel der Umsätze werden im Export erzielt.

Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.

Weitere Informationen auf http://www.ziehl-abegg.de

Quelle: Pressemitteilungen von Ziehl-Abegg und vom Landratsamt des Hohenlohekreises

Die Idee der Gesichtsschilde bekam eine Mitarbeiterin via WhatsApp. Foto: Ziehl-Abegg

 




Corona: Landrat Neth schließt aus „faktischen Gründen“ vollwertiges Krankenhaus mit Sauerstoffversorgung für Künzelsau aus

Wie bereitet sich der Hohenlohekreis auf eine mögliche Extremsituation in der Coronapandemie vor? Offensichtlich gar nicht, zumindest nicht, wenn es darum geht die Ressourcen des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau weiter zu nutzen. Derzeit werden keinerlei Vorkehrungen getroffen, um dass ehemalige Krankenhaus in Künzelsau so aufzurüsten, damit im Ernstfall Patienten mit medizinischen Sauerstoff versorgt werden können. Covid-19-Erkrankte leiden oft Atemwegserkrankrankungen – weswegen eine optimale Sauerstoffversorgung in einem Krankenhaus benötigt wird. Das Krankenhausgebäude wird derzeit nur als Isolierstation ohne medizinisches Fachpersonal genutzt.

Im Zuge der Krankenhausschließung im November 2019 wurde der Sauerstofftank entfernt, der sich auf dem Außengelände des Krankenhauses befand. Ein solcher Sauerstofftank ist nötig, um die einzelnen Patientenzimmer mit medizinischen Sauerstoff zu versorgen.

Aus diesem Grund hat GCHWÄTZ eine Anfrage bei den Sauerstoffwerken in Friedrichshafen gestellt, um zu erfahren, wie lange es im Ernstfall dauern würde, bis auf dem Krankenhausgelände ein solcher Sauerstofftank wieder aufgestellt wäre.

Eine konkrete Antwort auf diese Frage haben wir nicht erhalten, dafür wurde uns aber von Herrn Michael S., Mitarbeiter der Sauerstoffwerke, Folgendes geantwortet:

Mehr als eine Isolierstation soll es für Künzelsau nicht geben

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamt Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht, in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen“.

Im Klartext heißt das, dass man trotz steigender Zahlen von Coronaneuinfektionen scheinbar keine weiteren Vorkehrungen trifft, um im Akutfall schnell handeln zu können. Im Gegenteil, unsere Presseanfrage wurde von Herrn M. S. sogar als „befremdlich“ bezeichnet. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass er sich hierzu persönlich äußert und nicht im Namen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen. Zitat:

„Ich finde Ihre „Presseanfrage“ in der aktuellen Situation, wo jede/r Mitarbeiter/in der im Bereich der Versorgung von  Mitbürgern und im Besonderen von kranken Menschen tätig ist, sehr befremdlich.“ Weiter schreibt Michael S.: „Durch Ihre Anfrage wurden personelle Ressourcen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen GmbH, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis gebunden, die in dieser Zeit betroffenen Personen weit besser hätten helfen können.“ Weiter heißt es:

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen.“

Landrat Dr. Neth: „Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird“

Um so erstaunlicher liest sich die Pressemitteilung vom 29.03.2020, in der Landrat Dr. M. Neth schreibt: Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird. https://www.hohenlohekreis.de/index.php?id=291&publish[id]=1116962&publish[start] Indes steigen die Zahlen der Coronaneuinfektionen im Hohenlohekreis tatsächlich weiter an. Zwei weitere Altenheime im Kreis müssen unter Quarantäne, damit sind Stand 02. April acht Pflegeheime betroffen.

Besonders ältere Menschen sind gefährdet an einem schwereren Atemwegsinfekt, wie durch das Corona-Virus verursacht, zu erkranken. Je nach nach Schwere und Verlauf der Lungenerkrankung Covid-19 benötigt es unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Eine Maßnahme ist dabei die Sauerstofftherapie. Hat der Patient Atembeschwerden und nicht mehr genügend Sauerstoff im Blut, bekommt er von außen medizinischen Sauerstoff zugeführt, zum Beispiel über eine Nasenbrille.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau verfügte über 120 Betten, von denen auf 90 Bettplätzen eine Sauerstofftherapie möglich wäre.

Die Isolierstation mit 50 Zimmern im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau hat am Montag, den 30. März , 2020 ihren Betrieb aufgenommen. Bis dahin standen 17 Zimmer für die Isolierung von Menschen in Kupferzell zur Verfügung. In dieser Zeit war lediglich ein Patient in Kupferzell zur Isolierung. Dennoch erhöht man die Anzahl der Isolierplätze von 17 auf 50 und zieht diese nach Künzelsau um. Warum also erhöht man die Anzahl der Isolierbetten fast um das Dreifache?

Angesichts der Einschätzung von Dr. Neth, dass sich die Pandemie noch weiter verschärfen könnte, fragt man sich, warum diese Möglichkeit im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau noch nicht in Erwägung gezogen wurde. Gerade dieser Tage sieht man, wie wichtig es ist, immer einer Schritt voraus zu sein. Immerhin liegt die Schließung des Krankenhauses nicht zehn Jahr zurück, sondern gerade mal etwas mehr als vier Monate.

Wir haben aus dem Grund im Landratsamt angefragt, ob eine mögliche Erweiterung der Isolierstation geplant sei, auch im Hinblick auf eine Versorgung mit Sauerstoff.
Vom Landratsamt wurde unter anderem mitgeteilt, dass eine Inbetriebnahme des ehemaligen Krankenstandortes Künzelsau nicht möglich sei. Gründe dafür seien, dass keine medizinische Infrastruktur mehr zur Verfügung stehe, dass beträfe sowohl medizinische Geräte wie auch Personal. Weiter heißt es: „Es ist gerade vor dem Hintergrund des Bedarfs an Intensivplätzen und Beatmungsplätzen medizinisch nicht sinnvoll, die in Öhringen konzentrierte Expertise und Infrastruktur zu splitten.“

Medizinisches Personal ist nicht weg, sondern im Zuge der Schließung im November 2019 lediglich umverteilt worden

Das aber gerade eine solche Splittung Sinn machen kann und wie die Versorgung in der Coronakrise andernorts organisiert ist, zeigen derzeit die Politiker und Ärzte der Landkreise Altötting und Mühldorf im Regierungsbezirk Oberbayern. Das Innklinikum Mühldorf hat dabei ausschließlich die Versorgung von Coronapatienten übernommen, Altötting übernimmt die Versorgung aller anderen Patienten, die nicht Corona positiv sind oder entsprechende Symptome haben. Ein absolutes Vorzeigebeispiel in solchen Zeiten, da dadurch auch die Ansteckung untereinander minimiert werden kann, zudem können Patientenzimmer effektiver genutzt werden. https://amp.zdf.de/nachrichten/heute-journal/task-force-der-corona-klinik-100.html

Auch wenn nach internen Berichten bei der Schließung des Standortes in Künzelsau im November 2019 sehr viele Geräte und Materialen einfach entsorgt worden sind, ist dass medizinische Personal aus Künzelsau ja nicht weg, es wurde lediglich auf verschiedene Standorte der BBT verteilt. Auch wenn zwischenzeitlich Fachkräfte für Intensivmedizin und Anästhesie nicht mehr im Intensivbereich arbeiten, sondern beispielsweise derzeit von der Hohenloher Krankenhaus gGmbH in einem Pflegeheim eingesetzt sind, könnten diese sicher wieder akquiriert werden.

Es ist bedauerlich, dass ein Landrat lediglich darauf verweist, dass nun das Land Baden-Württemberg über eine mögliche Krankenhausnutzung entscheidet und nicht der Hohenlohekreis und ausführlich im selben Atemzug darlegt, warum diese Reaktivierung nicht möglich ist. Dabei wäre es in der derzeitigen Situation doch gerade Aufgabe eines Landrates sich dafür stark zu machen, dass alle denkbaren und verfügbaren Ressourcen genutzt werden. Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau bietet dazu mehr als nur eine realistische Chance. Neth hat viele Punkte aufgeführt, aus welchen Gründen eine weitere Nutzung unmöglich sei. Wir haben in unseren Recherchen keine triftigen Gründe gefunden, die dass rechtfertigen. Eine vollständige Reaktivierung ist möglich.

Im Hinblick auf die aktuelle Coronalage in vielen Pflegeheimen im Hohenlohekreis ist das sicher keine ungefährliche Entscheidung seitens des Landratsamtes. Dennm maximal 12 Intensivbetten im Krankenhaus Öhringen für 120.000 Einwohner des Hohenlohekreises sind definitiv nicht ausreichend angesichts der Coronawelle, die über uns hereinzubrechen droht. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann? Nicht reden, handeln.

Das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg hat sich auf Nachfrage uns gegenüber bislang noch nicht dazu geäußert, welche in den vergangenen Jahren geschlossen Krankenhäuser möglicherweise wieder reaktiviert werden als vollwertige Krankenhäuser und ob das Krankenhaus Künzelsau darunter fällt. Dadurch dass der Hohenlohekreis Corona-Hotspot in Deutschland ist, wäre es allerdings mehr als verwunderlich, wenn das Künzelsauer Krankenhaus davon ausgenommen werden würde.

Text: Carla Mosel

Schreiben des Landrats Dr. Matthias Neth bezüglich einer möglichen Wiederinbetriebnahme des seit rund vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ




Derzeit 38 Covid-19-Patienten im Diak Schwäbisch Hall – „Zahlen ändern sich täglich“ – Auch Mitarbeiter in Quarantäne – Seit dieser Woche Mundschutz für alle Mitarbeiter & Patienten

Das Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall ist neben dem Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim und dem Hohenloher Krankenhaus in Öhringen das nächstgelegene Krankenhaus für Hohenloher. Wir haben im Diak nachgefragt, wie viele Corona-Patienten derzeit dort behandelt werden. Pressesprecherin Manuela Giesel hat unsere Fragen beantwortet.

GSCHWÄTZ: Wie viele Corona-Patienten sind derzeit im Krankenhaus in Schwäbisch Hall?

Diak: Wir behandeln Stand Donnerstag, 02. April, 18:00 Uhr: 38 Covid-19 Patienten stationär, davon sind 9 Patienten auf der Intensivstation. Diese Zahlen ändern sich jedoch täglich.Wir konnten bis jetzt bereits mehr als 43 Patienten wieder in die häusliche Quarantäne entlassen.

GSCHWÄTZ: Wie werden die Covid-Patienten von anderen Patienten getrennt?

Diak: Durch die Reaktivierung eines Klinikgebäudetraktes, der früher als Infektkrankenhaus genutzt wurde, konnten wir für Covid-19-Patienten mehrere abgeschirmte Bereiche im sogenannten Waldhaus schaffen.

GSCHWÄTZ: Sind bereits Mitarbeiter an Covid erkrankt?

Diak: Es befinden sich auch Mitarbeitende des Diak Klinikums in häuslicher Quarantäne. Wir bündeln unsere Kräfte auch dadurch, dass rein elektive Eingriffe im Moment auf unbestimmte Zeit verschoben sind. Dazu gibt es einen Beschluss der Bundeskanzlerin und der Regierungschefs der Länder vom 12. März 2020: Soweit medizinisch vertretbar, sind grundsätzlich alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe in allen Krankenhäusern ab Montag 16.03.2020 auf unbestimmte Zeit verschoben und ausgesetzt. Die Notfallversorgung wird rund um die Uhr aufrecht erhalte

GSCHWÄTZ: Inwiefern schützen sich die Mitarbeiter?

Diak: Wir orientieren uns in unserem Handeln immer an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts sowie der Bundes- und Landesministerien. Dazu gehört hygienische Händedesinfektion, Abstandsregelungen und alle anderen geltenden Schutzmaßnahmen. Im Klinikum tragen seit dieser Woche alle Mitarbeitende und soweit möglich auch alle Patienten einen Mund-Nasen-Schutz. Die Ausrüstung des medizinischen und pflegerischen Personals im Bereich der Infektstationen ist entsprechend; mit FFP-Maske, Brille, Schutzkittel und Handschuhen.

GSCHWÄTZ: Wie viel Intensivbetten haben Sie insgesamt (mit und ohne Beatmung)

Diak: Wir haben 20 Intensivbetten mit der Möglichkeit auf bis zu 8 Betten zu erweitern.

GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass auch jüngere Covid-Patienten (unter 40 Jahren) in Ihrem Haus sind.

Diak: Auch jüngere Menschen können einen schwereren Krankheitsverlauf von Covid-19 erfahren, der einen stationären Aufenthalt nötig macht. Eine typische Symptomatik ist Atemnot,  wenn diese zu stark wird, werden die Patienten nach medizinischen Gesichtspunkten auf den Intensivbereich verlegt.

 

 

 

 




Warum die heile Hohenloher Welt danach eine andere ist

Es ist Samstag, der 28. März 2020, 19.41 Uhr. Aber es spielt keine Rolle, mit welchem Satz ich beginne, denn alles, was das Thema Coronavirus betrifft, ist binnen kürzester Zeit obsolet, veraltet, überholt.

Verzeihen Sie uns, aber noch nie war das von heute Geschriebene morgen schon so veraltet.

Ich bin ein Kind der 1980er Jahre. Das Spektakulärste, das ich bislang hinsichtlich unserer deutschen Geschichte erlebt habe, war vielleicht der Fall der Berliner Mauer, aber auch das tangierte mich eher peripher in Baden-Württemberg.

Denn: Es änderte sich nicht wirklich viel im schönen Hohenlohekreis, als die Mauer fiel. Damals war ich ein Kind. Der Krieg war weit weg und rückte erst ein Stückchen näher, als die Zwillingstürme des World Trade Center in den Vereinigten Staaten einstürzte. Die Welt bekam Risse, aber sie schien noch heil.
Als Fridays for future mit Greta startete, bewunderte ich die neue politisch motivierte Jugend mit ihrem Glauben an eine bessere Welt (und tue es immernoch).

Und jetzt? Heute, als ich zum hellblauem Himmel blickte bei schönstem Sonnenschein, sah ich kein einziges Flugzeug, kein einziger Kondensstreifen zeigte sich. Aber leider hat das nicht die Greta-Bewegung geschafft. Sondern Deutschland scheint seit über zwei Wochen stillzustehen wegen eines Virus‘, zuerst genannt Corona, dann Covid-19. Ein Virus legt in Rekordschnelle eine hochmoderne Welt lahm. Wer hätte das gedacht?

Und man sieht: So anfällig ist unser System. Was 1919 die Spanische Grippe bewirkte (damals starben 27 bis 50 Millionen Menschen), könnte laut der Financial Times auch uns jetzt blühen.

Die heile, sichere Hohenloher Welt, wie wir sie gekannt haben, ist passé.

Keine Frage, irgendwann werden die jetzt steigenden Zahlen an Infizierten und Toten wieder fallen. Irgendwann wird die Seuche wieder verschwunden sein.

Aber wir werden damit leider in die Geschichte eingehen und unsere Enkel werden uns vielleicht irgendwann einmal fragen: Oma, wie war das damals, als die Seuche über euch kam? Wie habt ihr euch verhalten?

So ähnlich, wie ich meine Großmutter einst gefragt habe, wie der Krieg war.

Wir werden danach in einer anderen Welt leben.




Hohenlohe / Corona – Warum die Zahl in Wahrheit signifikant höher ist – Ärztliche Diagnosen fließen nicht in offizielle Statistik ein

Man wundert sich dieser Tage schon ein wenig. Denn der Graben zwischen den offiziellen Coronazahlen im Hohenlohekreis und der Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, wird immer größer.

Eine neue geschaffene Isolierstation im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau mit dreimal so viel Betten wie in Kupferzell, der Hilferuf des Landrats Dr. Matthias Neth nach mehr Schutzmasken und medizinischem Personal. Und demgegenüber aktuell aber offiziell „lediglich“ 350 bestätigte Coronainfizierte im Kreis (Sozialministerium Baden-Württemberg, Stand: 27. März 2020, 16 Uhr https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/corona-karte-baden-wuerttemberg/). 

Das klingt zuerst nach nicht wirklich vielen Fällen bei rund 120.000 Einwohnern. Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

  1. Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, also 50 weniger. In einer Woche könnte man so schnelle eine vierstellige Zahl im Hohenlohekreis erreichen. Der exponentielle Anstieg (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen den Infizierten in Baden-Württemberg. So liegt die Zahl der Infizierten derzeit bei 9.729 Fälle), einen Tag zuvor war die Zahl 8.441 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg um rund 1.300 Fälle innerhalb von 24 Stunden).
  2. Es werden längst nicht alle Coronainfizierten bei der offiziellen Statistik erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders. Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelte, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach wurde nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen  „stillen“ aktiven Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken. Das größte Problem bei der offiziellen Zahlenstatistik ist aber: Es finden derzeit weit weniger Coronatestungen statt. Als im März 2020 der Abstrich-Drive-In in Belzhag eröffnet wurde, testeten Ärzte bis zu 200 Menschen täglich. Ziemlich schnell, noch bevor der Monat um war, gingen die Teststäbchen fürs Labor zur Neige. Fortan sollten die Ärzte vermehrt klinische Diagnosen durchführen, vom Landratsamt wurde diese Methode als genauso gut empfunden. Das Problem: Diese klinischen Diagnosen fließen nicht in die offizielle Corona-Statistik ein. Das bestätigte uns sowohl das Landratsamt des Hohenlohekreises als auch das Sozialministerium Baden-Württemberg in einem Schreiben auf Nachfrage gegenüber GSCHWÄTZ. Das Landratsamt verwies dabei auf die Vorgaben das Robert-Koch-Instituts hinsichtlich der Erstellung der Statistik. Daher ist es falsch zu glauben, dass die Zahl der Coronainfizierten weniger stark steigt, da die Statistik bislang nur die rückläufigen Labordiagnosen berücksichtigt und nicht die ärztlichen Diagnosen.
  3. Aber auch ärztliche Diagnosen sind derzeit nicht so leicht zu bekommen. Denn: Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/27/arzt-und-oder-personal-infiziert-11-bis-15-arztpraxen-in-hohenlohe-mussten-bereits-schliessen/). Dies macht es diversen Menschen es noch schwerer, einen Arzt für eine Diagnose zu konsultieren. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.
  4. Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises selbst hat Wochen später erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier unmöglich sei.
  5. Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung). Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat, ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung derzeit nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal derzeit noch unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. 
  6. Man verdreifacht nicht mal einfach so die Isolierplätze in einem Landkreis, wenn es nicht erforderlich wäre beziehungsweise wenn man nicht die Annahme hegt, dass sich die Zahl der Infizierten weiter erhöhen wird.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen. Aber dafür muss der Kreis jetzt alle nur erdenklichen Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

 

 




Wegen Engpass 10.000 Schutzmasken für den Hohenlohekreis geliefert

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat am Freitag, den 17. März 2020, mehrere Pakete Schutzmasken an die Diakoniestation Öhringen überreicht. Die Aktion war Teil mehrerer Übergaben von insgesamt 10.000 gespendeten Schutzmasken an verschiedene Institutionen im Kreis. Landrat Dr. Matthias Neth ist dankbar über die hohe Spendenbereitschaft: „Dass der Aufruf der Kreisverwaltung große Erfolge zeigt, beweist wieder einmal: Hohenlohe hält zusammen.“ Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Insbesondere Schutzmasken waren in den vergangenen Tagen in vielen Einrichtungen Mangelware geworden, weshalb die Spende von 10.000 Schutzmasken bei den Betroffenen für große Erleichterung sorgte. Sabine Waldmann, Dekanin und Vorstand der Diakoniestation Öhringen e. V., freut sich: „Durch Ihre Mithilfe können wir unsere Mitarbeiter ausreichend schützen und so die bestmögliche Versorgung aller Patienten gewährleisten“. Nachdem ein Teil der Masken am Donnerstag an das Hohenloher Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte geliefert wurde, erhielten am Freitag die Altenheime und ambulanten Pflegedienste im Hohenlohekreis weitere Schutzmasken. Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Das Landratsamt Hohenlohekreis freut sich weiterhin über Spenden.

Wer Masken, Schutzkleidung oder Handschuhe spenden kann, wird gebeten, sich mit dem Gesundheitsamt unter corona-spenden@hohenlohekreis.de in Verbindung zu setzen, damit die Anlieferung organisiert werden kann. Offene Pakete können leider nicht angenommen werden.

Anfang dieser Woche haben sich Landrat Dr. Matthias Neth, der Vorsitzende der Innovationsregion Hohenlohe Thomas Philippiak und der Ärztliche Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Dr. Werner Reinosch, in einem gemeinsamen Brief an die Betriebe, Firmen, Unternehmen und Privatpersonen im Hohenlohekreis gewandt und um Unterstützung auf der Suche nach Schutzausrüstung gebeten. Der gemeinsame Spendenaufruf für die Gesundheitseinrichtungen im Kreis war nötig geworden, weil sich durch steigende Fallzahlen ein Engpass an Schutzausrüstung abgezeichnet hat.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Welche Läden aus Künzelsau jetzt übers Internet ihre Waren verkaufen

Für niemand ist die aktuelle Situation leicht. Besonders die Unternehmen, Einzelhändler und Gastronomen vor Ort trifft die Corona-Krise.
Viele Unternehmen, Einzelhändler und Gastronomen mussten auf unbestimmte Zeit schließen. Trotzdem bieten viele von ihnen einen besonderen Service für ihre Kunden an. Mit Online-Bestellungen, Warenlieferungen, terminierten Abholmöglichkeiten, telefonischer Beratung und vielem mehr sind die Unternehmen, Einzelhändler und Gastronomen trotzdem für die Kunden da. Vor allem Restaurants und Gaststätten bieten ihre abwechslungsreichen Speisen als Lieferservice und zur Abholung an. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadt Künzelsau hervor.

Die Stadt Künzelsau hat die vielfältigen Angebote der Künzelsauer Unternehmen, Einzelhändler und Gastronomen unter http://www.kuenzelsau.de/kaufdaheim zusammengestellt.

Gerne nimmt Christoph Bobrich deron Stadt Künzelsau weitere Anbieter aus Künzelsau auf. E-Mail christoph.bobrich@kuenzelsau.de, Telefon 07940 129-105

 




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Landratsamt sagt: Corona-Isolierstation im Künzelsauer Krankenhausgebäude für gesunde & kranke Menschen gleichermaßen gedacht

Nun ist es amtlich, was GSCHWÄTZ Anfang dieser Woche veröffentlicht hat: Die Landkreisverwaltung hat sich entschieden, im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau eine Isolierstation einzurichten. Am heutigen Donnerstag, den 26. März 2020, nun hierzu auch eine offizielle Pressemitteilung.

Die Isolierstation kann, so das Landratsamt, für folgende Fälle genutzt werden:

1. Menschen mit schwachen Krankheitsanzeichen, die nicht zuhause leben können, weil dort Risikogruppen mit Ihnen leben.
2. Gesunde Menschen, die von kranken Familienmitgliedern getrennt werden sollen.
3. Klassische Verdachtspersonen, d.h. z.B. Personen, die aus dem Ausland einreisen, können in der Isolierstation zwei Wochen leben, bis klar ist, dass sie keine Infektion haben.
4. Risikogruppen, wie z.B. alte oder immunschwache Menschen, die von den Familienmitgliedern getrennt untergebracht werden sollen.
5. Mitglieder von systemrelevanten Berufen, die vorsorglich isoliert leben sollen.
6. Menschen, die aus dem Krankenhaus mit noch schwachen Symptomen entlassen werden.

Offen lässt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung, wie gesunde Menschen aus Risikogruppen innerhalb des Gebäudes strikt getrennt werden von Coronapatienten, um Ansteckungen zu vermeiden. Zumal sich dort vermutlich jeder frei bewegen kann.

Die BBT-Gruppe hat noch vor rund zwei Wochen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ein klares „Nein“ geantwortet bei der Frage, ob das eheamlige Künzelsauer Krankenhaus im Rahmen der Corona-Pandemie genutzt werden könnte. https://www.gschwaetz.de/2020/03/10/coronavirus-quarantaenestation-in-kupferzell-krankenhaus-kuenzelsau-kommt-nicht-als-quarantaenestation-in-betracht/

Nun also der Umschwung, nachdem der Hohenlohekreis mit steigenden Coronazahlen zum deutschlandweiten Hotspot avanciert ist.

Die Hohenloher Krankenhaus GmbH habe in den vergangenen Wochen überprüft, inwiefern kurzfristig weitere Krankenhausplätze geschaffen werden können, erklärt das Landratsamt die Meinungsänderung. Für Coronapatienten mit einem schweren Krankheitsverlauf stünde jedoch nach wie vor das Öhringer Krankenhaus an erster Anlaufstelle. Denn: „Insbesondere für Menschen, die beatmet werden müssen, ist es nicht sinnvoll, diese im Hohenlohekreis außerhalb des Öhringer Krankenhauses unterzubringen. Denn nur im Krankenhaus Öhringen sind die medizinischen Geräte und die medizinischen Fachleute vor Ort.“

Aufnahme erfolgt freiwillig – medizinisches Personal werde es nicht geben

Daher handelt es sich, betont das Landratsamt, „beim ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau um eine reine Isoliereinrichtung, eine medizinische Versorgung wird nicht angeboten. Die Aufnahme in der Isolierstation erfolgt freiwillig. Das Essen der Bewohner werde vom DRK Hohenlohekreis gestellt. Warum aber hat man die Isolierstation nicht in Kupferzell belassen? „Ein Vorteil gegenüber der Isolierstation in der Akademie Kupferzell ist, dass die Zimmer im ehemaligen Krankenhaus Nasszellen haben und die dort lebenden Personen somit ihre Zimmer nicht verlassen müssen“, erklärt das Landratsamt.

Aber es gäbe noch einen weiteren Grund: „Aus den Krankenhausentlassberichten von bisherigen Patienten ist ersichtlich, dass viele Infizierte aus dem Krankenhaus entlassen werden können, auch wenn noch leichte Krankheitssymptome und eine Virusausscheidung vorliegen. Diese Personen können dann, falls eine häusliche Unterbringung nicht sinnvoll ist, in der Isolierstation bis zur vollständigen Genesung bleiben. Dadurch können Krankhausbetten für schwerer erkrankte Personen freigehalten werden.“

Das Technische Hilfswerk Künzelsau werde, so das Landratsamt, die Isolierstation im Krankenhaus Künzelsau mit Materialien, die noch aus der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehen, herrichten.

Ab nächster Woche startklar

Die Nutzung des Gebäudes wurde mit der Stadt Künzelsau abgestimmt. Die Isolierstation könnte somit ab Anfang nächster Woche in Betrieb gehen. Platz für über 50 Personen steht dann bereit.
Landrat Dr. Neth und die BBT-Gruppe haben dem Land Baden-Württemberg auch frühzeitig angeboten, dass das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus für landeseigene Nutzungen zur Verfügung steht. Auch der Bundeswehr sei das Gebäude zum Gebrauch angeboten worden. Vor zwei Tagen allerdings wusste die dafür zuständige Bundeswehr in Stuttgart noch nichts davon (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/?s=bundeswehr ). Das Land und der Bund würden derzeit noch prüfen, ob sie das Krankenhausgebäude nutzen möchten. Falls diese Prüfung positiv verlaufe, könnte sich der Hohenlohekreis vorstellen, „die Räumlichkeiten dann anderen Trägern zu übergeben“. Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner erwähnt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung nicht.




„Eine weitere Woche halte ich noch durch“ – aus dem Alltag einer Corona-Patientin in Gaisbach – Virenübertragung bei einem Nachbarschaftsplausch?

Anna Maier* klingt atemlos, als sie sich am Telefon meldet. Seit über einer Woche ist die Gaisbacherin krank. Sie leidet unter Atemnot, hat starke Gliederschmerzen, Husten und Kratzen im Hals. Das Fieber ist zwischenzeitlich wieder abgeklungen, Schnupfen hatte sie keinen. Zwischenzeitlich ging es ihr etwas besser, jetzt aber wird es wieder schlechter. Ihre Hausärztin vermutete gleich, dass sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte. Deshalb war sie am vergangenen Dienstag in der Abstrichstelle in Belzhag, um sich testen zu lassen.

Virenübertragung bei einem Nachbarschaftsplausch?

Woher sie die Infektion haben könnte? Das weiß die 73-Jährige auch nicht. Etwas ratlos erzählt sie, dass sie sich in den Tagen, bevor sie krank wurde, rund 20 Minuten mit einer Nachbarin auf der Straße unterhalten hatte. Diese Frau hat ihr ein paar Tage später am Telefon berichtet, dass sie am Corona-Virus erkrankt sei. Aber ob es bei diesem Nachbarschaftsplausch zur Virenübertragung gekommen ist, kann sie auch nicht sagen. 

Eine Woche bis zum Test – „Das Eingesperrtsein wird langsam schwer“

„Es hat eine Woche gedauert von der Überweisung durch meine Hausärztin, bis ich endlich einen Termin in der Abstrichstelle hatte“, erzählt Anna Maier weiter. Aber, meint sie, die Leute dort können wahrscheinlich auch nichts für die lange Dauer. Die würden ja tun, was sie können. Auch das Testergebnis lässt auf sich warten. Also heißt es jetzt es für die Patientin abwarten. Auch wenn das Eingesperrtsein langsam schwer werde, Besuch nicht ins Haus dürfe. Zuvor hat sie regelmäßig im Tafelladen in Künzelsau gearbeitet. „Ich bin ja seit über einer Woche Zuhause“, sagt die Gaisbacherin, die eigentlich ein kontaktfreudiger Mensch sei. Lediglich ihr Lebenspartner, der zwar noch gesund, aber in Quarantäne sei, leiste ihr Gesellschaft. „Eine weitere Woche halte ich jetzt auch noch durch und dann ist das hoffentlich vorbei“, macht sie sich Mut.  

„Ich habe nicht mit der Krankheit gerechnet“

Doch was tut sie in dieser Zeit, in der sie maximal auf die Terrasse ihres Hauses darf? „Ich lese viel, kümmere mich um den Haushalt und telefoniere häufig“, erklärt sie. Langeweile komme bei ihr trotz allem nicht auf. Außerdem sei sie immer so erschöpft und müde, sie gehe deshalb häufig schon um 20 Uhr abends ins Bett. „Sonst gehe ich selten vor 1 Uhr morgens schlafen“, sagt sie. Die Einkäufe erledigten ihr Bruder und seine Frau, die gleich ums Eck wohnen. „Die fragen häufig, ob ich was brauche“, so die Gaisbacherin. Aber sie hätte vorher schon eingekauft und vorgekocht – „falls doch was sein sollte“. Allerdings nicht gehamstert, darauf legt sie Wert. Sie hat sich vorbereitet, auch wenn sie „eigentlich ein ganz gesunder Typ“ sei. Dass sie krank werden könne, damit habe Anna Maier überhaupt nicht gerechnet. Alle ihre Geschwister hätten irgendwelche Krankheiten, die mit dem Alter kommen. Nur sie sei von Bluthochdruck, Herzproblemen, Krebs und Co. verschont geblieben. Die Ironie dabei: Keins ihrer Geschwister hat sich bislang mit dem Corona-Virus infiziert. Allerdings würden diese seit Ausbruch der Krise auch nicht mehr vor die Tür gehen.

*Name auf Wunsch geändert. Der Redaktion ist der Name bekannt.