1

Wie in einem Horrorfilm: Eltern von Ole erleben Fürchterliches

Es ist eine bizarre Szene, die Susanne T. (41) schildert. Sie sei die Treppe hinaufgegangen. Im Schlafzimmer sei alles dunkel gewesen. „Dann bin ich Richtung Bad gegangen.“ Auch dort sei alles dunkel gewesen. „Vom Türrahmen sah ich schon, dass Wasser in der Badewanne war. Und zwar ziemlich hoch.“ Und darauf trieb Ole. Ihr einziges Kind. Sieben Jahre. Und er war tot.

Was sich liest wie der Anfang eines Horrorfilms, durchlebte die in Künzelsau wohnhafte Grundschullehrerin Susanne T. tatsächlich. Und zwar am Samstagvormittag, den 28. April 2018. Am 27. November 2018 begann im Landgericht Heilbronn nun der Prozess gegen die Ersatzoma Elisabeth S. aus Künzelsau, in deren Haus Ole von seinen Eltern tot aufgefunden wurde.

Susanne T. hat ihre lockigen braunen Haare vor Gericht hochgesteckt, trägt einen schwarzen Rollkragenpullover. Sie wird als erste Zeugin in dem Prozess vernommen. Insgesamt hat das Landgericht derzeit acht weitere Verhandlungstermine anberaumt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Elisabeth S. Anklage wegen Verdachts auf Totschlag erhoben. Sie soll den Jungen getötet haben, den sie seit rund fünf Jahren als Ersatzoma häufig in ihrer Obhut hatte. Das Tatmotiv könnte, so die Staatsanwaltschaft, Verlustangst gewesen sein – die Sorge, den Jungen, je größer er wird, irgendwann nicht mehr betreuen zu dürfen: „Aus anfänglichen täglichen Kontakten mit Übernachtungen im Haus gab es nach der Einschulung weniger Kontakte. Die langen Trennungsphasen hielt sie nicht mehr aus.“ Im Badezimmer habe Elisabeth S. den Jungen erwürgt und anschließend das Kind tot in die Badewanne gelegt. Ob dies wirklich so war, gilt es nun zu prüfen. Gutachter sollen im Laufe des Prozesses gehört werden, die Auskunft darüber geben sollen, wie sie den Gesundheitszustand von Elisabeth S. einschätzen.

Am ersten Verhandlungstag, der insgesamt über sieben Stunden dauerte, sagten die Mutter und der Vater des getöteten Jungen sowie ein Nachbar von Elisabeth S. aus, der beim Finden des Kindes dabei war. Elisabeth S. schwieg während des ersten Verhandlungstages, vermied jeglichen Blickkontakt zu den Eltern und zeigte ansonsten auch wenig Regung. In ihrem schwarz-grau-weißen Kostüm saß die zierliche kleine Frau mit den weissen schulterlangen Haaren in leicht eingesunkener Haltung neben ihrer Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf und hörte sich an, wie die Eltern nacheinander davon berichteten, wie sie den Jungen in ihrem Haus vorfanden. Der Vater wird die Geschichte sehr sachlich erzählen, die Mutter sehr emotional, Tränen werden fließen. Und der Richter wird am Ende beiden empfehlen, die Therapie, die sie nach dem Tod ihres Jungen gemacht haben, noch ein wenig länger zu machen.

Mutter: „Er war so kalt, so furchtbar kalt“

Susanne T. schrie, als sie ihren Sohn sah. Ole im Schlafanzug, mit Socken an den Füßen. Sie versuchte – so glaubt sie sich zu erinnern -, ihn aus dem Wasser zu ziehen, aber es gelang ihr nicht. Ihr Mann, Dr. Jens T., (45) gibt später zu Protokoll, dass er diesen markerschütternden Schrei seiner Frau wohl nie vergessen werde. Der Nachbar, der nach Jens T. als Zeuge befragt wird, wird ebenfalls sagen, dass ihn dieser Schrei noch heute verfolgt. Jens T. rannte die Treppe in den ersten Stock hinauf zu seiner Frau, sah seinen Jungen, mit dem Gesicht nach oben treibend, als ob er schlief, hob ihn aus dem Wasser, trug ihn ins Wohnzimmer nach unten ins Erdgeschoss und legte ihn sanft auf dem Boden ab, mit der Hoffnung, das der Sohn vielleicht doch noch lebe. „Ich habe mich neben Ole gelegt. Er war so kalt, so furchtbar kalt. Ich wollte ihn wärmen“, sagt die Mutter unter Tränen. Immer wieder ringt sie in ihrer knapp zweistündigen Befragung um Fassung. Immer wieder spricht sie Elisabeth S. direkt an, fragt: „Warum, Elisabeth? Ich will doch nur wissen, warum? Jeden Tag liege ich heulend in meinem Bett, weil mein Sonnenschein weg ist.“ Doch Elisabeth schweigt.

Der Vater, Justiziar bei einer großen Künzelsauer Firma, soll mit den Händen gegen die Wände getrommelt und geschrien haben: „Mein Junge, mein Junge.“ Elisabeth S. war nicht zu Hause, als die Eltern Ole fanden.
Was ist in der Tatnacht geschehen?
Spulen wir die Zeit ein wenig zurück, lassen wir Ole nochmal 1,5 Jahre alt sein. Die Mutter berichtet, dass sie nach Oles Geburt ein Jahr mit ihm zu Hause geblieben ist, dann habe sie wieder angefangen, vormittags in ihrer Grundschule zu arbeiten. Ole ging in die Kindertagestätte, sei jedoch häufig krank gewesen. Erkältungen wechselten sich mit grippalen Infekten ab, bis ihnen der Kinderarzt geraten habe, Ole zwei bis drei Monate nicht mehr in die Kita zu bringen, bis sich sein Immunsystem stabilisiert habe. Wer sollte aber auf Ole aufpassen? Die Großeltern väterlicherseits wohnten in Rostock. Susannes Mutter war verstorben, der Vater hatte Multiple Sklerose. Susannes Chefin vermittelte den Kontakt zu Elisabeth S., eine ehemalige Krankenschwester, Witwe.

Obwohl Ole ein eher zurückhaltendes Kind gewesen sei, vor allem gegenüber Fremden, verstanden sich Elisabeth und Ole von Anfang an sehr gut, erzählen beide Eltern bei ihren jeweiligen Befragungen. „Die Chemie hat einfach gepasst“, sagt der Vater. „Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen Ole und Elisabeth“, gibt die Mutter an.

Elisabeth S., die in Rente war, und deren einziger Sohn als freischaffender Fotograf in München lebte, nahm den Babysitterjob an. Für 7,50 Euro in der Stunde. Über die Jahre wurde aus Elisabeth S. „Oma Elisabeth“, wie Ole sie nannte, und Ole wurde für sie eine Art Ersatzenkel, da sie selbst keine Enkel hatte.

Die heute 70-Jährige betreute den anfangs Zweijährigen, wenn Susanne morgens arbeitete, auf Fortbildungen ging oder Ole krank war und nicht in den Kindergarten konnte. Auch übernachten durfte Ole des Öfteren bei Oma Elisabeth und freute sich immer, wenn er zu ihr gehen durfte, so die Eltern. „Oma macht heute wieder Programm mit mir“, pflegte Ole stolz zu verkünden, bevor er seine Sachen für den Besuch bei der Ersatzoma packte.

Auch Susanne T. fühlte sich wohl bei Elisabeth, aß dort auch mal zu Mittag, sie tranken Kaffee oder machten Ausflüge zusammen. Bezüglich dem möglichen Tatmotiv, der Angst von Elisabeth S., den Jungen irgendwann zu verlieren, betonte Susanne: „Es stand nie zur Debatte, dass wir den Kontakt zu ihr einstellen. Elisabeth gehörte zur Familie und auch Elisabeth sah uns als Teil ihrer Familie an“, glaubt Susanne T.. Aber sicher habe sich einiges verändert. Ole kam in die Schule, traf sich mit Freunden, ging ins Karate und Tennis.

„War Elisabeth S. psychisch auffällig oder ist sie im Laufe der Zeit psychisch auffällig geworden?“, wollte der vorsitzende Richter Roland Kleinschroth von Susanne T. wissen. „Elisabeth war manchmal traurig und antriebslos und hat das mit dem Tod ihres Mannes begründet“, erzählt sie. „Elisabeth hatte auch eine Sammelleidenschaft – von Geschirr über Kleidung bis hin zu Büchern“. Aber nichts dergleichen sei besorgniserregend gewesen oder gar so besorgniserregend, dass sie ihr Kind nicht mehr hätten bei Elisabeth lassen mögen. Auch als die Frontzähne von Elisabeth S. gezogen wurden, sei dies zwar schwer für die alte Dame gewesen, bis sie künstliche Zähne bekommen hatte. Aber sie sei in kein auffällig depressives Loch gefallen. „Zu uns hat auch keiner gesagt, wir sollen Ole da nicht mehr hingeben“, betonen beide. Auch der Nachbar, Claus H., der seit vierzig Jahren Haus an Haus neben Elisabeth S. wohnt, sagt in seiner Zeugenvernehmung, dass ihm kein psychisch auffälliger Zustand oder eine Wesensveränderung von Elisabeth S. aufgefallen sei. Aber natürlich sei der Tod ihres Mannes nicht leicht zu verkraften gewesen.

 Notrufzentrale wirkte extrem flapsig

Claus H. (54) spielte eine wichtige Rolle an dem besagten Samstag, der für die Eltern Susanne und Jens alles verändern sollte. Er schloss dem Ehepaar die Türe zu Elisabeths Haus auf. Er war der Dritte, der den toten Jungen zu Gesicht bekam – wenn man den Mörder nicht mitzählt. „Mir ist danach der Kreislauf weggesackt“, berichtet er vor Gericht, mit zitternder Stimme. Claus H. hat den Notruf an diesem Tag abgesetzt. Der Notruf wird vor Gericht vorgespielt. Dabei macht die Rettungsdienstleitstelle einen etwas unglücklichen Eindruck. Stark atmend und völlig aufgelöst stammelt Claus H. ins Telefon: „Wir brauchen einen Notarzt. Hier gibt es vermutlich einen Suizid. Hier ist ein Junge, der vermutlich unter Wasser gelegen ist.“ Es folgen sehr lapidare Worte von dem einem zum anderen Notruf-Ansprechpartner in der Leitstelle und am Ende erhält Claus H. die flapsige, recht träge gesprochene Antwort: „Ja, is‘ ok. Wir schicken einen los.“

„Warum sind Sie in Ihrem ersten Impuls von einem Suizid ausgegangen?“ will der Staatsanwalt von dem Nachbarn wissen. Weil sich Claus H. nie habe vorstellen können, dass Elisabeth S. dem Jungen etwas habe antun können. Erst sei er daher von einem Unglücksfall ausgegangen. Dann von einem Suizid der Frau, die den Jungen dabei mit in den Tod genommen habe. Dennoch habe er sie zuvor nie als suizidgefährdet eingeschätzt. Claus H. wirkt noch immer stark mitgenommen von den Ereignissen: „Dieses grundsätzliche Vertrauen zu Menschen habe „stark gelitten“, sagt er. Kann er sich tatsächlich so getäuscht haben in seiner Nachbarin? Hat diese Frau einen Jungen ermordet? Auch die Eltern des Jungen, Susanne und Jens, berichten nur Positives von Elisabeth vor Gericht. Die zwei großen Fragen nach dem WIE und WARUM stehen nach wie vor unbeantwortet im Raum. Wer hat Ole und warum in eine fast randvoll mit Wasser gefüllte Wanne gelegt? War es Elisabeth? Sollten Spuren verwischt werden?

Es wird nicht nur von Elisabeth S. gesprochen. Immer wieder kommen der Richter und auch der Staatsanwalt auf Elisabeths Sohn, Stephan S., zu sprechen, der als freier Fotograf in München lebt, unverheiratet und kinderlos, was Elisabeth S. laut der Aussage von Oles Vater ein wenig bedauerte. Den Sohn habe er zweimal persönlich getroffen, unter anderem bei einem Geburtstag, es müsse wohl der Geburtstag von Elisabeth S. gewesen sein, erinnert sich Jens T.. Da habe ihn der Sohn gefragt: „Ist das hier eine feindliche Übernahme?“ Jens T. sei nicht auf diese Frage eingegangen. War der Sohn eifersüchtig auf das Verhältnis zwischen seiner Mutter und der Familie T.? Er hätte keinen Grund dazu gehabt. Die Eltern des verstorbenen Jungen berichten, dass Elisabeth einen sehr engen Kontakt mit regelmäßigen Telefonaten zu ihrem Sohn gepflegt habe. Dieser Eindruck sei ihnen zumindest vermittelt worden. Laut einem Gutachter, der zu Beginn der Verhandlung den Lebenslauf von Elisabeth S. vorträgt, wurde dem Sohn bereits vor über zwei Jahren das Elternhaus überschrieben. Stephan S. soll im Laufe des Prozesses ebenfalls noch als Zeuge vor Gericht gehört werden – ebenso die Künzelsauer Ärztin, die Ole untersucht hat. Richter Kleinschroth berichtet von „Verletzungen im Halsbereich mit bläulichen Verfärbungen der Haut“, die an dem toten Jungen festgestellt wurden.

Am Donnerstag, einen Tag bevor die Eltern Ole das letzte Mal zu Elisabeth S. bringen, verbringt der Vater den Abend mit Ole, macht noch Mathe-Hausaufgaben mit ihm und erinnert sich an „schöne Stunden“. Am Freitag holt ihn seine Mutter um 16 Uhr vom Tennis ab. Gegen 17 Uhr habe sie ihn bei Elisabeth abgeliefert – mit Essen im Gepäck. Würstchen, Brötchen, weil Elisabeth angerufen habe, dass sie keine Zeit gehabt habe, einkaufen zu gehen. Sie möge dem Jungnen doch bitte etwas zu essen mitgeben. Das sei öfter vorgekommen und daher nichts Ungewöhnliches gewesen, sagt Susanne T..

Als Elisabeth S. an diesem Freitag Susanne und Ole die Türe öffnet, steckt sie noch, wie sie selbst entschuldigend formuliert, in „Schaffkleidung“. Unter anderem hatte sie ein altes T-Shirt von Susanne T. an. Es hatte ein Loch und sie erklärte Susanne T., dass sie das Shirt an ihrem Rosenstock im Garten aufgerissen habe. Sie sei gut gelaunt gewesen, erinnert sich Susanne T., regelrecht „euphorisch“. Aber Elisabeth habe sich immer gefreut, wenn sie Ole gesehen habe.

Um 19.44 Uhr lacht Ole noch in Elisabeths Handykamera

Ole ging ins Wohnzimmer und suchte sich eine Beschäftigung. Die Mutter ging. Was danach geschah, weiss nur Elisabeth S.. Die Spurensicherung hat auf ihrem Handy viele Fotos von Ole gefunden, zwei Bilder sind an diesem Freitag geschossen worden. Um 19.44 Uhr. Ole sitzt in seinem Schafanzug, mit Socken an den Füßen, auf ihrem Wohnzimmersofa und lacht in ihre Handykamera.

Das Konzert, zu dem das Ehepaar T. an diesem Freitagabend mit Freunden gegangen seien, sei schön gewesen, erzählt Susanne T.. Sie selbst habe zwar ihr Handy nicht dabei gehabt, es seien aber auch keine Anrufe in Abwesenheit von Elisabeth S. darauf verzeichnet gewesen. Auch Oles Vater Jens T. erhielt in dieser Nacht laut eigenen Aussagen keine Anrufe von der Ersatz-Oma auf sein Handy.

Am Samstagmorgen lief das Ehepaar in die Stadt, um Ole abzuholen. Susanne T. wollte noch ein Geburtstagsgeschenk für einen Kindergeburtstag kaufen, an dem Ole am Nachmittag eingeladen war. Der Vater wollte schon einmal Ole bei Elisabeth S. abholen. Sie trennten sich. Der Vater berichtet, wie er geklingelt habe, aber niemand die Tür geöffnet habe. Da die Klingel von Elisabeth S. öfter mal nicht funktioniert habe beziehungsweise nicht zu hören war, sei er zum Wohnzimmerfenster auf der hinteren Seite des Hauses gelaufen, um zu klopfen. Hinter dem Wohnzimmerfenster sah er Spielsachen herumliegen. Über dem Wohnzimmerfenster war das Schlafzimmerfenster. Die Rollläden waren noch heruntergelassen. Zunächst dachte der Vater: Vielleicht schlafen die beiden noch. Er ging zurück in die Stadt, aber offensichtlich beschlich ihn schon ein merkwürdiges Gefühl, denn er äusserte gegenüber seiner Frau: „Das ist komisch. Da macht keiner auf.“ Sie gehen gemeinsam wieder zum Haus von Elisabeth S.. Auch Susanne geht in den Garten, schaut durchs Wohnzimmerfenster, sieht Oles Turnbeutel und Kassetten im Wohnzimmer liegen. Auch sie bemerkt den heruntergelassenen Rollladen im Schlafzimmerfenster. Oles Vater ruft bei Elisabeth S. auf dem Handy an, kann aber niemanden erreichen.
Er klingelt beim Nachbarn, berichtet von den Umständen und fragt, ob er einen Schlüssel zu Elisabeths Haus haben könnte. Claus H. bejaht, geht aber selbst mit und schließt auf. Während Claus H. nach Elisabeth ruft und zunächst im Keller nach dem Rechten schaut, geht Susanne T. Richtung Schlafzimmer in den ersten Stock. Direkt daneben befindet sich das Badezimmer.

 

ALLE HINTERGRÜNDIGE LESEN SIE IN UNSERER NEUEN PRINTAUSGABE – erhältlich bei allen unseren Vertriebspartnern im Hohenlohekreis.https://www.gschwaetz.de/wo-gibt-es-gschwaetz-zu-kaufen/

 

 




Vollsperrung zwischen Belsenberg-Hermuthausen

Die L 1022 von Belsenberg nach Hermuthausen muss von Montag, den 3. Dezember 2018, bis Freitag, den 7. Dezember 2018, aufgrund von umfangreichen Gehölzpflege- und Baumfällarbeiten für den Gesamtverkehr gesperrt werden.

Der überörtliche Verkehr wird ab der Einmündung der B 19 Richtung Hermuthausen, in Richtung Stachenhausen bis auf Höhe des Parkplatzes über die Kreisstraße 2316  zurück bis zur Landesstraße 1022 bei Hermuthausen und umgekehrt umgeleitet. Die Einmündung in Hermuthausen in Fahrtrichtung Ohrenbach und Steinbach ist frei.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Bunter Weihnachtsbaum im Landratsamt

Zum ersten Mal haben Schüler der Erich Kästner-Schule für Sprachbehinderte in Künzelsau einen Weihnachtsbaum geschmückt. Insgesamt waren 65 Schüler an der Aktion im Foyer des Landratsamtes beteiligt. Den Baumschmuck haben die Kinder aller Klassenstufen mit hoher Motivation und viel Freude selbst gebastelt – nur Baum, Kerzen und Kugeln wurden vom Landratsamt zur Verfügung gestellt.

Stolz präsentierten die Schüler zusammen mit Schulleiterin Kathrin Ehrmann Landrat Dr. Matthias Neth ihren Baum. „Ich freue mich sehr, dass ihr euch zum ersten Mal  bereit erklärt habt, den Schmuck zu basteln und den Baum damit zu schmücken. Und ich muss sagen, das ist euch hervorragend gelungen“, war dann auch der Landrat sehr erfreut. „Der Baum bringt Glanz in unser Foyer, erfreut jeden, der ihn sieht und verbreitet vorweihnachtliche Stimmung.“

Die Kinder freuen sich, dass ihre kleinen Kunstwerke so prominent zur Geltung kommen. „Sie waren wirklich mit Feuereifer bei der Sache und konnten es kaum erwarten, bis es endlich losgeht“, berichtete Schulleiterin Kathrin Ehrmann.

Neben dem Weihnachtsbaum präsentierten die Kinder zudem die Lieder „Jeder macht sich nun bereit“ sowie „Ich lieb den Winter“, die sie eigens für diesen Anlass einstudiert hatten. Neben einem kleinen Umtrunk mit Brezeln, Hefezopf und Gebäck gab es zum Ausklang noch Blumen für die Lehrerinnen sowie Adventskalender für die Kinder.

In Zukunft wollen sich die Erich Kästner-Schule sowie die Geschwister-Scholl-Schule Künzelsau beim Basteln und Schmücken abwechseln.

Die Schüler der Erich Kästner-Schule mit Landrat Dr. Matthias Neth und Ursula Mühleck, Dezernentin für Familie, Bildung und Gesundheit (beide rechts).

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

 




„Hohenlohern ist die Hofeinfahrt wichtiger als die Kunst“

Bei Kunst scheiden sich die Geister, denn über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber was ist eigentlich Kunst? Wer hat Kunst zu Hause und muss man Kunst studiert haben, um Künstler zu werden? Bei einer privaten Kunstausstellung des  Architekten und Künstlers Andreas Graziadei am 08. September 2018 in Künzelsau bekam man einen kleinen Einblick in die verschiedenen Arten von Kunst und den Hohenloher Kunstmarkt.

Kunstliebhaber treffen sich auf privaten Kunstausstellungen wie hier zu sehen im September in Künzelsau.
Foto: privat

„Mein erstes Atelier in Künzelsau war über der Metzgerei Rose in der Hauptstraße“

 

Andreas Graziadei ist nicht nur Architekt und Künstler, sondern auch Galerist. Sein erstes Kunstwerk verkaufte er vor gut 20 Jahren, direkt nach dem Abitur. Da es ihn störte, dass die Galeristen mehr Geld am Verkauf eines Kunstwerks verdienten, als der Künstler selbst, entschied er sich kurzerhand, selbst Galerist zu werden. Mittlerweile organisiert er Ausstellungen mit bis zu 800 Exponaten aus aller Welt. „Mein erstes Atelier in Künzelsau war über der Metzgerei Rose in der Hauptstraße. Die Metzger haben sich bestimmt immer gefragt, was der da oben treibt“, erzählt Graziadei und lacht. Auch Skulpturen aus Glas, Bronze, Draht und Stein stellt der fünffache Familienvater aus. Diese Kunst kostet zwischen 50 Euro und einer halben Million Euro. „Die teuerste Skulptur ist ein lebensgroßer Elch aus Bronze, der momentan in den USA steht“, so der Künstler Graziadei.

 

„Es gibt viele, die die Kunst als Wertanlage sehen“

 

Ein Kunstkenner, der anonym bleiben möchte, weiß, was auf dem Kunstmarkt los ist. „Es gibt viele, die die Kunst als Wertanlage sehen. Vor allem, so makaber es klingt, wenn der Künstler stirbt. Man sollte sich in erster Linie an der Kunst erfreuen. Aber vielen Hohenlohern ist die Hofeinfahrt wichtiger, als ein Kunstwerk zu besitzen“, erzählt der Kenner schmunzelnd, wenn er nach der Einstellung der Hohenloher zur Kunst gefragt wird.

 

„Wir haben einen sehr gegensätzlichen Geschmack“

 

Bei der privaten Kunstausstellung in Künzelsau hielten sich die Besucher bedeckt, was sie selbst schon gekauft haben. Ein Ehepaar erzählt zumindest so viel: „Wir haben einen sehr gegensätzlichen Geschmack und jeder hat seine Räume, in denen er seine Kunst aufhängt und aufstellt. Nur im Wohnzimmer konnten wir uns einigen.“ Warum man sich Kunst kauft, erklärt ein Geschäftsmann: „Es ist schön und dient natürlich der Wertanlage.“

 

„Jedoch arbeite ich aber meist an zwei bis drei Bildern gleichzeitig“

 

Franziska Eben von Racknitz aus Dörzbach malt seit 2012 abstrakte Gemälde. Eigentlich ist die vierfache Mutter Bauingenieurin, findet in der Kunst aber ihren Ausgleich. „Wenn ich mit einem Bild anfange, weiß ich nie, was es wird. Manchmal brauche ich Wochen bis Monate, bis ein Bild fertig ist. Jedoch arbeite ich aber meist an zwei bis drei Bildern gleichzeitig“, erzählt die 40-jährige, die die Farben ihrer Bilder je nach Stimmung wählt.

Gemälde von Frankziska Eben von Racknitz.
Foto: GSCHWÄTZ

 

„Drahtplastiken sind einzigartiger als Bronze“

 

Wenn man durch den Garten des Gastgebers schlendert, springen einem die lebensgroßen Drahtplastiken direkt ins Auge. „Die Skulpturen sind hohl gearbeitet und über Bänder wird der Draht gelegt“, erklärt die Künstlerin Gudrun Cornford. Seid ihrer Ausbildung als Grafikerin ist sie als freischaffende Künstlerin, Illustratorin und Dozentin an der Universität Darmstadt tätig. Bevor die Künstlerin mit Drahtplastiken anfing, arbeitete sei mit dem Material Bronze. „Drahtplastiken sind einzigartiger als Bronze. Somit habe ich meinen Schwerpunkt auf Draht gelegt“, so die 74-jährige.

Lebensgroße Drahtskulptur von Gudrun Conford.
Foto: privat

Sie und ihr Mann, Adrian Cornford, waren unter anderem für die Illustrationen von medizinischen Fachbüchern zuständig. Adrian Cornford fing 2013 wieder mit der Kunst an. „Ich wollte nie wieder für einen Galeristen arbeiten. Ich wollte kein Korsett mehr anhaben und in der Pflicht stehen zu malen. Ich wollte Motive wählen, die ich möchte“, erklärt der gebürtige Engländer.

Gudrun und Adrian Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ

 

„Die Wildgans-Skulptur könnte ich mir perfekt an den Fontänen am Kocher bei den Parkplätzen vorstellen.“

 

Tierfiguren aus Bronze sind für den Künstler Calyxte Campe eine Leidenschaft. Der 46-jährige hat in Florenz Kunst studiert, ist das erste Mal im Hohenloher Ländle und hat schon den perfekten Platz für seine handgefertigte Wildgans-Skulptur gefunden: „Es ist so schön hier. Es ist alles so grün und sauber. Die Wildgans-Skulptur könnte ich mir perfekt an den Fontänen am Kocher bei den Parkplätzen vorstellen.“ Der in Genf und der Toskana beheimatete Künstler formt seine Figuren erst in Ton. Von der Tonskulptur macht er einen Silikonabdruck. In den Silikonabdruck gießt er Bronze. „Ich brauche ein bis zwei Monate, um eine Bronzeskulptur herzustellen. Für eine Marmorskulptur brauche ich sechs Monate bis zu einem Jahr, bis sie fertig ist“, so Campe.

Skultur einer Wildgans con Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

„Alle Kinder malen, aber hören irgendwann damit auf. Ich habe nie aufgehört“, erwidert der Künstler Nik Golder auf die Frage, wie er denn zur Kunst kam. Der 59-jährige hat sein Atelier in Bad Wimpfen: „Ich stehe morgens um acht Uhr auf. Mein Atelier ist im Haus. Also gehe ich einfach nur die Treppe nach unten und stehe schon an meinem Arbeitsplatz. Dann überlege ich mir, was ich mache. Entweder ich male oder ich gehe in meinen Gewölbekeller und haue Steine.“

Carola Lehmann und Nik Goldner.
Foto: GSCHWÄTZ

 

Hauptberuflich Floristin – in der Freizeit arbeitet sie aber mit Hammer und Meißel

 

Die Künzelsauerin Carola Lehmann ist hauptberuflich Floristin. In ihrer Freizeit schlägt sie keltische Motive in Stein. Warum die 49-jährige in ihrer Freizeit die Arbeit mit zarten und duftenden Blumen gegen einen Stein, Hammer und Meißel tauscht: „Ich bin die Tochter eines Maurermeisters und habe so vielleicht die Verbindung zu meinem verstorbenen Vater gefunden.“

Steinobjekt von Carola Lehmann.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulpturen von Nik Golder.
Foto: GSCHWÄTZ

 

Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulptur von Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulptur von Gudrun Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ

Bild von Adrian Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ

 




Morsbacher Weihnachtsdorf

Am ersten Adventssonntag, den 02. Dezember 2018, eröffnet um 10.30 Uhr das 21. Morsbacher Weihnachtsdorf mit einer Andacht der evangelischen Kirchengemeinde in der Kelter. Das Weihnachtsdorf findet in der Ortsmitte und auf dem Dorfplatz entlang der Langen Gasse in Morsbach statt. Verschiedene Stände sind auf der Straße und in den Höfen aufgebaut, Keller werden geöffnet und die Kelter ist eingebunden. Es werden verschiedene handwerkliche Arbeiten angeboten wie Holz-, Stoff- und Wollarbeiten. Auch die Kinder können sich die Zeit beim Basteln, Ponyreiten oder bei Stockbrot am Lagerfeuer vertreiben. Neben kulinarische Köstlichkeiten, darunter auch Spezialitäten, Liköre, Punsch, Glühwein und selbst kreierte Heißgetränke kommt auch der Nikolaus vorbei.

21. Morsbacher Weihnachtsdorf 2018 Flyer: Morsbacher Dorfgemeinschaft




Verfolgungsjagd durch Künzelsau

Eine Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte sich ein Autofahrer in der Nacht zum Freitag, den 23. November 2018, in Künzelsau. Gegen 1 Uhr fiel er einer Polizeistreife auf, weil er mit überhöhter Geschwindigkeit in den Kreisverkehr zur Taläckerstraße einfuhr. Als die Polizeibeamten ihn für eine Kontrolle anhalten wollten, gab der Mann Gas. Er raste, teilweise mit einer Geschwindigkeit von weit über 100 Stundenkilometer, in die 30er-Zone des Wohngebiets. Sein waghalsiges Fahrmanöver nutzte ihm jedoch nichts. Die Streifenwagenbesatzung blieb ihm auf den Fersen und stoppte seinen Audi vor einem Wohnhaus in der Claude-Monet-Straße. Bei der anschließenden Überprüfung stellten die Beamten Alkoholgeruch bei dem Fahrer fest. Einen Alcotest verweigerte der 31-jährige. Ebenso war er nicht bereit, einen Führerschein vorzulegen. Zur Personalienfeststellung musste er die Ordnungshüter deshalb zum Polizeirevier und anschließend zur Blutprobe ins Krankenhaus begleiten. Dies ließ er nur sehr widerwillig über sich ergehen und stieß Beleidigungen aus. Rechtliche Konsequenzen gegen den Mann folgen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Exhibitionist in Künzelsau

In Künzelsau trat am Mittwoch, den 21. November 2018, in der Zeit zwischen 07.30 und 07.50 Uhr, ein unbekannter Exhibitionist im Bereich des Fuß- und Radwegs entlang des Kochers in Höhe der Mehrfamilienwohnhäuser am Klebweg auf. Der Mann war zu Fuß in Richtung Wertwiesen unterwegs und zeigte sich beim dortigen Fitnessstudio. Er wird mittleren Alters geschätzt und war etwa 170 bis 175 cm groß und von schlanker Statur. Er hatte braune, kurze Haare. Außerdem war er unrasiert und trug unter Umständen einen sogenannten Dreitagesbart. Bekleidet war er mit einer dunklen Jeans und einer schwarzen Regenjacke mit dunklen, horizontal verlaufenden, gleichfarbigen Querstreifen. Bei ihm dürfte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um denselben Mann handeln, der bereits Anfang Oktober an der gleichen Örtlichkeit in Erscheinung getreten war.
Die Kriminalpolizei Künzelsau sucht Zeugen. Wer die beschriebene Person gesehen hat, kennt oder belästigt wurde, wird gebeten sich unter Telefon 07940 9400 melden
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn



Kunsthandwerker Ausstellung mit Workshop

Am Samstag, den 24. November 2018, ab 17 Uhr bietet CCenterprises eine Kunsthandwerker Ausstellung mit Workshop in Dörrenzimmern an. Beim Workshop können die Besucher einen Drahtsterne oder einen Drahtengel herstellen.

 

Ausstellung der Kreativwerkstatt in Dörrenzimmern.
Foto: CCenterprises

Folgende Aussteller sind dieses Jahr vor Ort:

Anjas Betonbude, Carmen Koch-Pittroff mit genähtem, Fr. Donatellas Schmuck, Lisa und Gehäkeltes, Schwenda mit Leckerem aus ihrer Küche, Fr. Messerschmidts Taschen, Nicole Vogt Hanfmanufaktur + Genähtes, Melanie Egner mit ihren Kerzen, Lena Rühling bietet etwas für die Kleinen, Reni Stier mit Leckerem vom Ochsen, die Werkstatt am Schloss mit Müller Malerei und Müller Fotoausstellung und Metallskulpturen, Biggi und Jörg mit ihren Metallkreationen, Jochen Hermann mit Wohndesign, Claudia Zappala und ihr Schmuck sowie die Kreativwerkstatt mit Schmuckdesign und Holz- und Metallskulpturen.

Nur handgemachtes wird angeboten.
Foto: CCEnterprise

Nur handgemachtes wird angeboten.
Foto: CCEnterprise

Nur handgemachtes wird angeboten.
Foto: CCEnterprise




Musikschule wird teurer

Die Stadt Künzelsau hat einen externen Berater engagiert, der die Musikschulgebühren unter die Lupe genommen hat. Mithilfe eines Betriebsabrechnungsbogens hat er herausgefunden, daß die Einnahmen etwa 62 Prozent der Kosten decken und daß sich pro Schüler und Monat ein Betrag von 35 Euro ergibt, der aus dem Haushalt der Stadt gedeckt werden muß. Außerdem hat er festgestellt, daß beim Einzelunterricht pro Stunde höhere Fehlbeträge erzielt werden, als bei Gruppenunterricht- bei Gruppenunterricht könnte bei sechs bis sieben Schülern der „break-even“erreicht werden, sprich, ab dieser Anzahl könnten sich die Kurse refinanzieren.

Der Berater habe, so die Stadtverwaltung Künzelsau bei ihrer letzten Gemeinderatssitzung am 13. November 2018, ein Excel-Formular entwickelt, in das man die prozentuale Gebührensteigerung eingeben könne und das dann den Fehlbetrag ermittele.

Das Ergebnis: Wenn man von  300.000 Euro Gebühreneinnahmen (dazu kommen noch staatliche Zuschüsse) pro Jahr ausgehend die Gebühren um fünf Prozent erhöht, dann erhöht das die Einnahmen um 15.000 Euro und der Fehlbetrag erniedrigt sich um diesen Betrag.

Der Gemeinderat beschloss die Gebührenerhöhung um fünf Prozent.

Text: Matthias Lauterer

Fotos: Stadt Künzelsau/Archiv

Die erfolgreichen Teilnehmer der Jugendmusikschule Künzelsau am Landeswettbewerb, v.l.n.r.: Stefan Bender (Lehrer), Daniel Bechtel, Michael Bogdahn, Max Bentz (Lehrer), Ines Beetz und Johannes Mittl (Lehrer). Foto: Stadtverwaltung Künzelsau/Archiv

Gemeinsamer Auftritt der Jugendmusikschulen Künzelsau und Marcali 2017. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau




Künzelsau: Keiner will die Kläranlage sanieren

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann verkündete in der der Gemeinderatssitzung am 13. November 2018, dass der günstigste Bieter eigentlich den Zuschlag zur Sanierung der Kläranlage bekommen solltem dieser jedoch den Auftrag aufgrund von Kapazitätsgründen nicht angenommen habe. Ebenso der Zweit- und Drittbieter. Es wird daher aller Voraussicht nach zu einer Neuausschreibung kommen müssen.

Text: Matthias Lauterer