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„Ein faires Preis-Leistungsverhältnis liegt im Auge des Betrachters“

Quartier an der Stadtmauer – so heißt das ehemalige Peka-Areal in Künzelsau nun. Nach einer gefühlten Ewigkeit erfolgte am Dienstag, den 10. November 2020, der symbolische erste Spatenstich. Bald soll die Lücke im Herzen der Kreisstadt des Hohenlohekreises geschlossen werden. Eine mehrjährige Geschichte findet zu einem hoffentlich guten Ende, denn die activ-Group aus Schemmerhofen bei Ulm will auf dem Areal ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus bauen.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus war beim Spatenstich dabei, in seinem Fokus standen vor allem Künzelsaus Bürgermeister Stefan  Neumann und Christian Neudeck, zuständiger Projektentwickler bei der activ-Group.

„Gar nicht unsere Baustelle“

In seiner Begrüßung verwies Bürgermeister Neumann darauf, dass das Gelände jetzt „gar nicht unsere Baustelle ist, sondern die der activ-Group“. Nur noch wenig sei von der Stadt vorbereitend zu leisten. Die Stadt Künzelsau habe in den letzten Wochen noch Erschließungsarbeiten durchgeführt, zum Beispiel einen großen Abwassersammler errichtet. „Jetzt geht es noch um ein paar andere Leitungen, zum Beispiel Gas, aber auch das wird man noch hinbekommen, bevor die Bagger in die Tiefe gehen“, sagte Neumann.

Zwei Jahre seit dem Verkauf vergangen

Im Mai 2018, kurz vor der Bürgermeisterwahl, haben Neumann und Neudeck den Verkauf des Geländes an die activ-Group festgezurrt, jetzt erst ist Baubeginn. Neumann verwies auf die Schwierigkeiten der activ-Group, einen Generalunternehmer zu finden: „Man sieht, dass von der Baugenehmigung bis hin zur Auswahl eines Generalunternehmers schon Tage, Wochen, Monate und teilweise auch Jahre vergehen. Das war kein einfacher Prozess, weil wir uns eigentlich immer noch in einer Phase bewegen, wo in Baden-Württemberg und in Künzelsau noch immer gebaut wird. Das heißt, es war nicht einfach, jemanden zu finden, der die Kapazität hat und wo auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.“ (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/). „Wobei ich dazu sagen muss, dass das nicht auf unsere Rechnung geht, sondern auf die der activ-Group und so freuen wir uns heute mit der activ-Group, dass das geklappt hat.“ Jetzt, so Neumann, sei das einer der wenigen Fälle, wo er sich entspannt zurücklehnen kann.

Eröffnung voraussichtlich im Sommer 2020

Im Frühling 2022 sollten die Geschäftsräume eröffnen können. Christian Neudeck von der activ-Group weist darauf hin, dass er diesen Termin wohl nicht halten kann:  „Wie vorhin beim Spatenstich schon angesprochen, wird aus Frühjahr realistisch der Sommer 2020, das aber wird funktionieren.“ Es sei „grundbuchtechnisch noch nicht möglich“ gewesen, mit dem Verkauf der Wohnungen zu beginnen, sagte Neudeck. „Wir werden in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten, mit gleichen Chancen für alle.“ Wirklich für alle? GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hakte nach und fragte nach den Preisen: „Das ist natürlich abhängig von der Größe einer Wohnung, wir gehen davon aus, dass eine Wohnung etwa 4.000 Euro pro Quadratmeter kosten wird. 75 bis 80 Quadratmeter dürfte der Durchschnitt sein, wir haben natürlich Zwei-Zimmer-Wohnungen und auch Vier-Zimmer-Wohnungen mit über 100 Quadratmetern.“

„Wichtig ist, dass wir hier barrierefreies Wohnen haben“

Bürgermeister Stefan Neumann betonte: „Wichtig für die Stadt Künzelsau ist immer der Wohnungsmix.“ Und verwies darauf, dass die Käufer die Wohnungen auch vermieten könnten. „Was ein faires Preis-Leistungsverhältnis ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters“. Künzelsau habe aktuell andere Objekte, die Richtung preisgünstiges und soziales Wohnen gehen. Wichtig sei ihm, „dass wir hier barrierefreies Wohnen haben, dass man mit dem Aufzug nach oben kommt. Das ist ein Thema, das – wenn wir ans Alter denken –  für die Innenstadt und innerstädtisches Wohnen ein guter Punkt ist.“

Belebung oder Verarmung der Innenstadt?

Neumann sieht das neue Zentrum als Frequenzbringer und Magnet für den Einzelhandel der Innenstadt, obwohl der belebte Drogeriemarkt Müller die Innenstadt in Richtung PEKA-Areal verlassen wird: „Das PEKA-Areal liegt direkt an der Hauptstraße und was richtig gut ist: Dass wir einen Eingang und einen Kassenbereich haben Richtung Hauptstraße und nicht nur Richtung Konsul-Uebele-Straße.“ Auch die innenstadtnahen Parkplätze seinen ein wichtiger Punkt für Filialisten und Einzelhändler der Stadt.

Projekt „Verwirkliche Deinen Traum“

400 Quadratmeter „in bester A-Lage“ seien für das Projekt „Verwirkliche Deinen Traum in Künzelsau“ reserviert, die bekäme man auch in Künzelsau gut an den Mann oder die Frau. Die Stadt Künzelsau sei ein guter Partner und begleite ein solches Projekt „von der ersten Idee bis zum Businessplan“. Jeder könne ihn persönlich ansprechen – seine Telefonnummer nennt er im Video.

Interview: Dr. Felix Kribus

Transkript: Matthias Lauterer

GSCHWÄTZ berichtete bereits unter:

https://www.gschwaetz.de/2018/11/14/und-taeglich-gruesst-die-baustelle/

https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/

Endlich geht es los: Spatenstich am PEKA-Areal. Foto: GSCHWÄTZ

Christian Neudeck von der activ-Group will in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Die Freude hält sich in Grenzen“

„Die Freude hält sich in Grenzen“, sagt Konstantin Papadopoulos, der Betreiber des OXN in Künzelsau, über den zweiten Lockdown. Aber er hat GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus auch verraten, dass er nicht mehr so erschrocken sei wie beim ersten Mal, auch wenn die Situation genauso schwierig ist. „Man kann es nicht ganz nachvollziehen, weil es ist ja schon erwiesen, dass es eigentlich weniger von der Gastronomie kommt“, kommentiert der Wirt die erneute Schließung. Aber die Entscheidung sei gefallen und nun müsse man damit leben. Auch er hat keine Lösung, wie man das hätte vermeiden können, denn die Gastronomen hätten schon alles gemacht: „Mehr können wir nicht machen als Gastronomen.“ Seine Mitarbeiter sind nun wieder in Kurzarbeit.

„Es könnte wieder passieren“

Konstantin Papadopoulos hofft, dass es nicht allzu lange dauert mit der Schließung. Aber momentan sei alles möglich und alles ein großes Fragezeichen. „Es könnte wieder passieren ab Januar, Februar“, glaubt er. „Vielleicht, dass im Dezember nochmal aufgemacht wird wegen des Weihnachtsgeschäftes, dass man halt ein bisschen was reinspielt. Und danach kommt wahrscheinlich wieder, denke ich mal, ein Lockdown.“ Zurzeit können die Gäste beim OXN Essen bestellen und dort abholen. Allerdings spielen diese Einnahmen eher eine untergeordnete Rolle, sagt der Wirt, weil dieses Angebot in Künzelsau sehr groß sei und die Leute eher daheim bleiben würden, als sich etwas abzuholen.

„Die haben nur den Kopf geschüttelt“

Die Reaktion seiner Gäste auf die Schließung war weniger verständnisvoll, hat der Wirt erfahren: „Die Gäste haben alle nur den Kopf geschüttelt nach der Entscheidung und die verstehen es selber auch nicht, weil sie ja wissen, dass die Maßnahmen hier alle getroffen sind. Sie wissen auch, wie es woanders ist – zum Beispiel Busse und Bahnen – dass die Ansteckungsgefahr da natürlich extremer ist.“ Dennoch fühlt er sich nicht benachteiligt, auch wenn beispielsweise Friseure weiterhin ihrer Arbeit nachgehen dürfen. Er sei froh über „jeden, der sein Geschäft machen kann“. Nun hofft er, dass „es irgendwann mal aufhört und ein Schlussstrich gezogen wird und man sagt, okay, wir müssen jetzt mit dem Virus weiterleben.“

 

Der OXN in Künzelsau hat wie alle anderen Gaststätten wegen Corona im November 2020 geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir sind seit März stillgelegt“

Marktbeschickerin Tanja Fankhauser aus Fichtenau hat auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt Stoffmasken in allen möglichen Variationen angeboten. Eigentlich verkauft sie Wärmekissen aus eigener Produktion. „Ich hätte mir niemals denken lassen, dass ich sowas überhaupt produziere“, sagte sie im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus. „Aber die Not hat uns erfinderisch gemacht.“ In Corona-Zeiten bräuchten die Menschen Masken und so sei man über Nacht in die Produktion eingestiegen.

„Dann sind Sie arbeitslos“

Doch nicht nur bei neuen Produkten, sondern auch auf die Existenzgrundlage der Marktbeschickerin und ihrer Kollegen hat die Pandemie großen Einfluss. „Wir sind seit März – eigentlich seit dem ersten Lockdown – stillgelegt und haben keine Einkünfte“, beklagte sie. „Wir leben für die Menschen, wir kommen und bringen Freude, bringen Waren, die bekommen Sie im normalen Handel nicht. Und wenn Ihnen von heute auf morgen die Arbeit genommen wird und Sie bekommen nur Verbote, dann sind Sie arbeitslos.“ Dennoch habe sie lediglich die erste Soforthilfe beantragt.

„Wir kämpfen dafür“

Zur angespannten wirtschaftlichen Situation kommen noch die psychischen und emotionalen Belastungen dazu. Sie sei für den Markthandel geboren und auch so aufgewachsen, wie auch ihre Eltern schon. Deshalb empfinde sie die Beschränkungen als „einen sehr großen Einschnitt in unsere Menschenwürde.“ Doch sie macht sich auch Mut: „Wir sind selbstständige Marktkaufleute und wir kämpfen dafür.“ Von der Politik fühlt sich Tanja Fankhauser nicht gerecht behandelt: „Die Gleichbehandlung ist nicht korrekt dargestellt in Bezug auf unsere Verkaufsstrategie, die wir eigentlich führen. In ein großes Kaufhaus dürfen 3.000 Menschen rein. Und hier – Sie sehen diese Situation – hier geht der eine oder andere über den Markt und es ist hier kein Gedränge. Es ist doch alles möglich.“ Dennoch möchte sie der Stadtverwaltung sowie der Marktleitung, Bürgermeister und Stadträte „ein großes Dankeschön“ aussprechen: „Im Moment liegt es in der Hand von diesen Menschen, ob wir kommen dürfen oder nicht. Das ist kommunal geregelt.“

„Das tut uns jetzt sehr gut“

Die Kunden würden sich freuen, dass die Markthändler kommen, hat Tanja Fankhauser erfahren. „Man kauft seine bestimmten Dinge auf dem Krämermarkt und das sind zuverlässige Kunden und die erwarten uns Händler dann“, sagte sie. „Das ist wichtig für uns und das tut uns jetzt im Moment auch für die Seele sehr gut, dass unsere Kundschaft hinter uns steht. Wir werden gebraucht.“ Außerdem sei so ein Markt wie ein „Kaufhaus unter freiem Himmel“ und im Verbund mit den Hygienekonzepten sei da die Corona-Gefahr eher gering.

„Da fällt einem ja nichts ab“

Marktbesucherin Sabine ist eigens für den Simon-Judä-Markt aus Neuenstein nach Künzelsau gekommen. „Da komme ich schon jahrelang her. Das ist irgendwie Pflicht“, sagte sie. Sie war auf der Suche nach neuen Masken, denn die „muss immer passend zum Outfit sein“. Sie rechne damit, dass die Menschen mit Corona werden leben müssen. Deshalb finde sie auch die Maskenpflicht gut: „Man soll sich selber schützen und die anderen auch. Da fällt einem ja nichts ab, wenn man das Ding aufsetzt. Ich finde es unverantwortlich, wenn es die Leute nicht machen.“

Video: Dr. Felix Kribus

Kundin Sabine findet, dass „einem nichts abfällt“, wenn man eine Maske trägt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Masken in allen Variationen gab es an Tanja Fankhausers Stand auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir bereiten uns jetzt mit Gebäck und Brot vor“

Wird der Simon-Judä-Markt die letzte große Veranstaltung in diesem Jahr für Künzelsau gewesen sein? Die Kreisstadt des Hohenlohekreises hat im Gegensatz zu anderen Städten und Gemeinden, den Krämermarkt am 28. Oktober 2020 veranstaltet, trotz des anstehenden Teil-Lockdowns am Montag, den 02. November 2020 – aber mit strengeren Abstandsregeln zwischen den Ständen und Maskenpflicht auf der Hauptstraße. GSCHWÄTZ-Video-Reporter Dr. Felix Kribus hat mit Marktbeschickern gesprochen, die um ihre Existenz bangen und mit Besuchern, die versuchen, vernünftig und gelassen der neuen Coronawelt zu begegnen – mit Maske selbstverständlich.

„Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft“

„Es ist ja alles eingeschränkt, wir können nicht mehr so oft auf Märkte, weil die Märkte alle abgesagt werden. Heute so morgen so, da hängt man völlig in der Luft. Bereiten wir uns jetzt mit Gebäck und Brot vor und dann wird es kurzfristig abgesagt, das ist ein Verlustgeschäft für uns.“ So klagt Gunda Horn, Markthändlerin aus Creglingen und Dauergast auf den Märkten der Region. Sie ist als Direktvermarkterin darauf angewiesen, zu ihren Kunden zu kommen, da sie sie sonst nicht erreicht. „Hier in Künzelsau haben wir nette Kundschaft, da freuen wir uns immer, wenn wir sie sehen.“

„Es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle“

Ihre Kunden schätzen die Qualität und wissen gerne, wo die Ware herkommt, dann kaufen sie auch gerne, gerade zu Coronazeiten: „Wo das Produkt herkommt, wo es hergestellt worden ist, wie es hergestellt wird und durch wie viele Instanzen es durchgeht. Wir sind Direktvermarkter, also direkt vom Erzeuger zum Kunden“, sagt sie. Ob sie sich für die Zukunft etwas wünscht, einen Impfstoff etwa? „Ja, wünschen kann man sich viel, aber es gibt einen, der bestimmt. Und in dessen Hand sind wir alle.“

„Der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand“

Die Marktbesucher sind diszipliniert und tragen Maske. Tanja aus Künzelsau meint: „Ich weiß, dass Viren durch die Masken durchkommen, aber wenn man mal richtig kräftig husten oder niesen würde oder eine sehr feuchte Aussprache hätte, ich denke da schützen die Masken schon.  Aber der Abstand ist es eigentlich und der nötige Verstand.“

Julia aus Künzelsau fühlt sich durch die Maske nicht sehr beeinträchtigt: „Deshalb finde ich es auch richtig so, dass die Maßnahmen getroffen werden. Die Sicherheit geht ja immer noch vor und es sind ja viele Menschen auf dem Markt. Von daher finde ich es schon gerechtfertigt.“

„Ja, was sag ich zu dem?“

Was würde Rosemarie aus Künzelsau einem Maskengegner sagen, der behaupten würde, dass Masken zu allen möglichen Atemwegserkrankungen führe und gar nicht vor Corona schütze? „Ja was sag ich zu dem? Das glaub ich nicht ganz, das schützt schon gegen die Viren.“ Auch Tanja hält den Virus für existent: „Diese Vorurteile hab ich nicht.“

„In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen.“

Auch Julia ist überzeugt: „In meiner Welt existiert das Virus auf jeden Fall, von daher finde ich es sehr albern, das zu leugnen. Die Fakten sprechen ja auf jeden Fall dagegen.“ Sie ist zum ersten Mal auf dem Simon-Judä-Markt, hat demnach keinen Vergleich zu früher. „Mich stört das mit der Maske nicht. Ich finde es trotzdem schön, dass man die Möglichkeit hat, den Markt zu machen.“

Raus aus dem Gedränge

Tanja hält sich aus dem gröbsten Gedränge heraus: „Ich gehe immer so an der Seite, damit ich ohne Maske laufen kann.“ Ein richtiger Stammkunde ist sie nicht, aber „Ich gehe da vorbei, denn ich suche das Bunzlauer Porzellan.“

Rosemarie fühlt sich sicher, auch wenn sie Vorsicht walten lässt: „Ich pass schon ein bissle auf und halte Abstand. Ich trage halt die Maske und schau zu, dass die anderen auch eine tragen.“

„Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll“

Weniger sicher ist sich Sabrina aus Gaisbach: „Es ist schwierig, weil man halt selber nicht genau weiß, was man noch glauben soll. Die einen sagen so, dann wird wieder die Wirtschaft zugemacht, es ist wirklich sehr schwierig.“ Ist Corona für sie eine reale Bedrohung oder eher eine Verschwörung? „Irgendwo dazwischen, ich weiß jetzt nicht genau, was ich glauben soll. Die goldene Mitte.“

„So kann das nicht weitergehen“

Sehr wenige Besucher und Kunden sind gekommen, findet Melanie Melber-Scholz, Markthändlerin aus Abtsgmünd: „Der Umsatz ist eigentlich okay für die Besucher, die heute da waren …“ Sie wünscht sich die alten Zeiten wieder zurück: „Das wollen und wünschen wir uns eigentlich alle. Es ist ein Wunsch, die Realität ist schwierig. Man rechnet ja mit 2 Jahren und das ist nicht real für uns. So kann das nicht weitergehen.“ Existenzprobleme sieht sie auf sich zukommen, aber sie hängt auch an ihrem Beruf: „Ganz aufhören will man es eigentlich nicht“.

„Wir dürfen nicht arbeiten. Unsere Lebensgrundlage ist weg“

Ganze sieben Tischdecken hat Mehmet, ein Markthändler aus Balingen, bisher verkauft. „Zu wenig“, etwa 30 müsste er verkaufen, um mit Gewinn nach Hause zu fahren, sagt er: „Spritgeld, Standgeld, die Ware ist nicht bezahlt und mein Lohn ist auch nicht bezahlt“. Sehr negativ habe Corona seine Existenz als Marktbeschicker beeinflusst: „Die Wirkung ist schon da. Sie sehen es ja: Die Zahl der Besucher ist nicht so wie üblich, es sind eher weniger Leute und wirkt sich dann halt aus.“

„Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann“

„Wir dürfen nicht arbeiten“, meint er: „Die Märkte sind alle abgesagt, die Städte verbieten, dass größere Veranstaltung stattfinden. Unsere Lebensgrundlage ist weg.“ Und was machen Sie jetzt? „Ich weiß nicht. Ich hab noch ein paar Groschen auf der hohen Kante gehabt, die sind fast zur Neige. Ich weiß nicht, wie ich meine Existenz führen kann.“

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Video: Dr. Felix Kribus

Transkript: Matthias Lauterer

Marktbeschicker bangen um ihre Existenz. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Keine Angst vor den Bürgern haben“

Am kommenden Sonntag, den 18. Oktober 2020, werden die Waldenburger Bürger zum zweiten Mal an die Wahlurnen gerufen. Beim ersten Wahlgang hatte keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Herausforderer Daniel Vogelmann und der noch amtierende Bürgermeister Markus Knobel haben mittlerweile angekündigt, beim zweiten Urnengang nicht mehr antreten zu wollen.

Mit dem Danke-Schild am Fahrbahnrand

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat dem verbleibenden Kandidaten, Bernd Herzog, auf den Zahn gefühlt und ihn gefragt, was ihn „zu einem geeigneten Bürgermeister macht“. Herzog daraufhin: „Das Allerwichtigste ist zunächst mal, zu den Bürgern gehen zu können. Keine Angst vor diesen zu haben“.  Bedankt hat sich Herzog bereits am Tag nach dem ersten Wahlgang: Frühmorgens stellte er sich an die Waldenburger Ortsausfahrt mit einem Danke-Schild. Und auch wenn es „ziemlich kalt“ war, so hat es der Bürgermeister-Kandidat als „schöne Erfahrung“ empfunden, wozu Brezeln und Kaffee, die ihm vorbeigebracht wurden, sicherlich auch beigetragen haben.

„Ich bin gegen Windräder hier oben“

Die Bergstadt verfügt über einen tollen Ausblick, der aber nach Herzogs Ansicht nicht ausreicht. Er will sich nach erfolgreicher Wahl vor allem um die Zukunftsfähigkeit der Stadt kümmern: Beispielsweise die Infrastruktur anpassen, junge Familien ansiedeln und für eine kontinuierliche Befahrung der Strecke zwischen Stadt und Bahnhof sorgen. Als bekennender Gegenwind-Anhänger ist Herzog allerdings gegen „Windräder hier oben“. Doch der Kandidat will noch weitere Themen ins Visier nehmen und der Stadt neuen Schwung geben: „Ich glaube auch, dass wir hier in der Hauptstraße unbedingt etwas tun müssen, was die Verkehrsberuhigung betrifft“, Auch die Wasserversorgung und der Kurpark stehen weit oben auf seiner Agenda. Er will Ressourcen nutzen, „die wir haben – ich denke da beispielsweise an unsere Türme, dass wir die öffnen für kulturelle Veranstaltungen“. Außerdem möchte er das Schloss mit integrieren sowie „eine angenehme Zusammenarbeit auch mit dem Fürsten hier pflegen“.

„Jene gewinnen, die noch nicht das Vertrauen haben“

Doch als allererste Amtshandlung möchte er nach erfolgreichem Wahlausgang „ein großes Dankeschön loslassen an alle, die mich unterstützt haben“ und er hofft, jene zu gewinnen, „die noch nicht das Vertrauen zu mir haben“. 

Text: Dr. Felix Kribus




„Wir fühlen uns hier sehr, sehr alleingelassen“

Seit vier Jahren bemüht sich die Interessengemeinschaft um Simone Weis-Heigold darum, Tempo aus der Kupferzeller Straße zwischen der Kur und den Hirtenäcker zu nehmen. Dort drücken die Autofahrer erwiesenermaßen zu sehr aufs Gaspedal, so dass sie die Geschwindigkeit inner- und außerorts teilweise erheblich überschreiten. Die Konsequenz: Nervenaufreibender Straßenlärm und gefährliche Situationen, die Anwohner erleben, wenn sie die Straße entlanggehen oder überqueren Richtung Sternwiesen Wohnsiedlung. Denn Bürgersteige ab dem Ortausgangsschild gibt es keine. Die Interessengemeinschaft wirft dem zuständigen Landratsamt Untätigkeit vor, das auf Anfrage von Gschwätz wiederum auf geltendes Verkehrsrecht verweist. Im Video zum Sachverhalt äußern wollte sich die Pressestelle nicht. Einzelheiten von GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus.

 

Gefährliche Sztaßensituationen am Ortseingang Gaisbach von Haag kommend. Foto: GSCHWÄTZ

Diese Anwohnerin erklärt, warum hier eine Fahrbahnüberquerung von einem Wohngebiet ins andere so schwierig ist. Foto: GSCHWÄTZ

Interessengemeinschaft Raserstrecke Gaisbach Haag. Foto: GSCHWÄTZ

Im Video kritisieren die Interessenvertreter einer Geschwindigkeitsbegrenzung, dass das Landratsamt das Ortsschild nun noch  näher in den Ort stellen ließ und dadurch Raser noch später abbremsen würden.




„Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“

Die Transnet, ein Unternehmen der EnBW, will in Kupferzell einen sogenannten Netzbooster bauen. Dieser Booster – zu Deutsch Riesenbatterie – soll das Stromnetz im Falle eines anstehenden Kollapses schützen. Dafür vorgesehen ist ein Areal hinter dem Umspannwerk Kupferzell, so groß wie fünf Fußballfelder.
So groß wie fünf Fußballfelder
Gschwätz-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat mit Gegnern des Projektes von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ sowie dem Bürgermeister der Stadt Kupferzell, Christoph Spieles, über das Projekt, das so nur noch in Australien im menschenleeren Hinterland existiert und wohl zahlreiche Risiken für die Hohenloher birgt, gesprochen.
Gegner warnen vor Gefahren und Belastungen
Die Gegner sehen die Gefahren, die ein solcher Netzbooster mit sich bringen könne. „Die Gefahren vom Umspannwerk und den Stromleitungen und auch die Belastungen dadurch, die wir für einen Großteil von Süddeutschland tragen, das reicht unserer Meinung nach für Deutschland“, sagt Birgit Kühnle. „Diese Booster sind ja Lithium-Ionen, sie sind sehr hitzeempfindlich und da kann das Ding auch in die Luft gehen“, ist Viola Yildiz überzeugt. Die Bürger fühlen sich bei der Projektentwicklung nicht mitgenommen und beklagen: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“.
Bürgermeister Spieles teilt die Skepsis
„Die Skepsis im Allgemeinen teilen wir alle hier bei der Gemeindeverwaltung inklusive des Gemeinderates. Wir stehen dem Projekt auch sehr kritisch gegenüber und versuchen, innerhalb eines Arbeitskreises gemeinsam mit der Interessengemeinschaft, Bürgerinnen und Bürger sowie der TransnetBW diese Risiken eben klar zu benennen und auch hoffentlich auszuräumen“, schließt sich Bürgermeister Spieles den Bürgern an. Allerdings geht er davon aus, dass das Projekt realisiert wird: „Wir lehnen das Projekt grundsätzlich auch ab, sehen das aber auch realistisch genug, dass dieses Projekt vermutlich kommen wird“.
„Wir müssen im Vorfeld aktiv werden“
Deshalb wolle die Gemeindeverwaltung das Projekt „so kritisch als möglich mit allen Gefahren und Risiken eben hinterfragen, um das bestmögliche Ergebnis für Kupferzell zu erzielen“. Mithilfe eines Rechtsbeistandes sollen außerdem alle Möglichkeiten geprüft werden. „Wenn dieses Gesetz verabschiedet wurde, werden die Chancen nicht nur gegen Null gehen, sie werden null sein. So müssen wir natürlich im Vorfeld Farbe bekennen und aktiv werden“, sagt Bürgermeister Spieles.
Video: Dr. Felix Kribus

Lageplan für den Netzbooster. Fotos: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.

Der Netzbooster soll eine Größe von 250.000 kW haben.




„Sollen wir uns Zu Hause in einen Eimer Wasser setzen, wenn’s so heiß ist?“

Hohenlohe ist fest im Griff der Sommerhitze. Doch wo findet man Abkühlung in Zeiten von Corona? Die Freibäder dürfen nur unter Auflagen öffnen, manche bleiben ganz geschlossen, wie das Bad in Niedernhall. Auch der Breitenauer See wurde vor kurzem bis Mitte Oktober angesichts eines Besucheransturms geschlossen. Viele Menschen finden jetzt den Weg an die Tiroler Seen in Forchtenberg. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat sich dort unter den Badegästen umgehört und mit ihnen über Abstandsregeln, geschlossene Badeseen und Urlaubspläne unterhalten.

„Ich habe keine Bedenken wegen Corona“

„Ich habe jetzt keine Bedenken wegen Corona. Die Leute halten Abstand und im Wasser ist sowieso nicht so viel los“, findet Oskar vom Büschelhof. Auch Edith aus fühlt sich am See sicherer als im Freibad, „weil man da wesentlich mehr Platz hat“. Für Ulrike aus Niedernhall und ihre Familie – eigentlich eher Freibadgänger – sind die Tiroler Seen eine echte Alternative. Sonst würden sie imemr ins Niedernhaller Freibad gehen, das aber in diesem Sommer geschlossen bleibt. Franz aus Bieringen gefällt am „am besten die Stille und dass der See echt gut gereinigt worden ist“. Früher sei alles voll mit Pflanzen gewesen, jetzt aber sei es eine „super Fläche zum Baden“.

„Am See hat man wesentlich mehr Platz“

Verständnis haben die Leute an den Tiroler Seen für die Schließung des Breitenauer Sees. Allerdings gibt Franz zu benken, dass man „vielleicht auch über eine Parkplatzregelung einen Weg finden könnte, um die Besucherzahlen zu reduzieren“. Und Edith meint: „Die Problematik mit den erhöhten Fallzahlen kommt jetzt nicht von den Seen. Das sind auch die privaten Veranstaltungen“. Ulrike dagegen findet die Maßnahme übertrieben. „Man muss den Leuten ja auch was bieten, wenn sie jetzt nicht in Urlaub fahren sollen. Was sollen sie dann machen bei der Hitze von über 30 Grad?“, fragt sie. Sie befürchtet, dass die Verantwortlichen die Tiroler Seen bei zu vielen Badegästen ebenfalls schließen könnten. Dem schließt sich Franz an, der fragt: „Wo sollen wir denn hin, wenn’s heiß ist? Sollen wir uns zu Hause in einen Eimer Wasser oder in die Badewanne setzen?“

Video: Dr. Felix Kribus

Die Tiroler Seen sind für viele eine Alternative zum Freibad. Fotos: GSCHWÄTZ

Auch hier gelten die Corona-Regeln.

Edith aus Muthof kommt normalerweise vormittags zum Schwimmen.

Franz aus Bieringen gefällt an den Tiroler Seen vor allem die Stille und das saubere Wasser. Foto: GSCHWÄTZ

Oskar aus Büschelhof rechnet mit einer entspannteren Situation bei einem Wetterumschwung.

 

 




„Die Isolationsabteilung im Künzelsauer Krankenhaus ist weiterhin auf Stand-by“

Beim Besuch von Minister Manne Lucha in Hohenlohe hat die Leiterin des Gesundheitsamtes im Landratsamt Hohenlohekreis, Dr. Antje Haack-Erdmann, über die aktuelle Situation im Kreis gesprochen. Anschließend nutzte GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus die Gunst der Stunde und sprach mit ihr über die Sorge vor einer zweiten Welle der Corona-Pandemie.

„Wir haben Angst vor einer zweiten Welle“

Dr. Haack-Erdmann erklärte, „wir haben Angst vor einer zweiten Welle, weil wir natürlich nicht wissen, was auf uns zukommt“. Man hätte jetzt zwar Erfahrungen und auch medizinische Erkenntnisse gesammelt, es sei aber nicht klar, „ob uns diese jetzt helfen bei einem neuen Ausbruch, wenn eine zweite Welle tatsächlich kommt“.

Appell an die Eigenverantwortung der Leute

Hinsichtlich der Reiserückkehrer ist die Leiterin des Gesundheitsamtes überzeugt, dass man auf diese „besonders Acht geben muss“. Man müsse sich sicher sein, „dass die Menschen, die da wiederkommen, sich der Gefahr bewusst sind, dass sie sich auch dann schützen und auch, wenn sie aus Risikogebieten kommen, testen lassen und sich danach verhalten“. Deshalb appellierte sie an die Eigenverantwortung der Leute.

Krankenzimmer sollen zu Büroräumen umgebaut werden

Dr. Haack-Erdmann erläuterte die Pläne für das stillgelegte Krankenhaus, in das eine sogenannte Taskforce einziehen soll. Die Krankenzimmer sollen zu Büroräumen umgebaut werden, in denen dann „zwischen zehn und 40 Personen abhängig von der epidemiologischen Lage gleichzeitig arbeiten können“. Gleichzeitig sei die so genannte Isolationsabteilung weiterhin auf Stand-by, „sodass diese, wenn es wieder erforderlich ist, wieder in Betrieb genommen werden kann“.

Video: Dr. Felix Kribus




„Zu kleine Einheiten sind für solch eine Herausforderung nicht geeignet“ – Interview mit Minister Manne Lucha

Während seiner Sommertour reist Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Die Grünen) durch die Lande. Am Mittwoch, den 05. August 2020, machte er auch Station in Künzelsau. In der Stadthalle informierte er sich, wie im Hohenlohekreis mit der Corona-Pandemie umgegangen wurde und wie sich Gesundheitsamt und Kreis auf eine mögliche zweite Welle vorbereiten.

Anschließend hatte GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus Gelegenheit, den Minister über die Reaktivierung von geschlossenen Krankenhäusern zumindest für die Zeit der Corona-Pandemie zu befragen und welche Pläne das Land in der Schublade hat, sollte eine zweite Welle kommen.

Gefragt, ob es nie Überlegungen gab, „im Rahmen der Corona-Pandemie eines oder mehrere der geschlossenen Krankenhäuser hier im Hohenlohekreis zumindest für diese Zeit zu reaktivieren“, meinte der Minister, das sei zu keinem Zeitpunkt entschieden gewesen, weil „gerade die große Chance eine größere Einheit mit größeren Intensivkapazitäten zu bespielen, wesentlich sinnvoller als kleine, dezentrale“ sei. Das sei auch die Erfahrung im ganzen Land, nämlich „dass zu kleine Einheiten für solch eine Herausforderung nicht geeignet wären“.

Hinsichtlich einer zweiten Welle empfahl Lucha, weiterhin achtsam zu sein: „Das Virus ist da, es ist unter uns und wir müssen alles dafür tun, dass es sich nicht unkontrolliert in der Gesamtbevölkerung verbreitet“. Im Fall der Fälle solle aber nicht mehr das ganze Land heruntergefahren werden, sondern „auf dieser Basis werden wir uns ausschließlich auf lokale und regionale Beschränkungen konzentrieren und alles dafür tun, dass keine größeren Schließungen großflächig nötig werden“.

Video: Dr. Felix Kribus