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Bayer: „Die ziehen einem das letzte Hemd aus“

Vor einigen Wochen liest Manuel Bayer im Gschwätz von einer alleinerziehenden Mutter, der von Hartz IV nicht viel bleibt, wenn sie arbeitet. Sowieso geht es in den Medien (fast) immer nur um alleinerziehende Mütter, stellt er immer wieder fest – Mütter, die mit Ach und Krach über die Runden kommen – oder eben nicht. Doch was ist mit den alleinerziehenden Vätern?, fragt sich Bayer. Warum berichtet niemand über sitzen gelassene Männer, die am Existenzminimum leben, weil sie für ihre Kinder eine große Summe an Unterhaltskosten abdrücken müssen? „Wer fragt mal einen Vater?“, will Manuel Bayer aus Niedernhall wissen.

Manuel Bayer im Café Auszeit in Künzelsau beim Gespräch mit GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Der Rosenkrieg folgt

Aus diesem Grund wendet er sich an unser Magazin und erzählt von seinem Alltag mit vier Kindern: von Höhen und Tiefen, von Freude und Schmerz. Seine Geschichte berührt. Man bekommt Gänsehaut, wenn er sagt: „Ich habe vier süße Kinder“ oder „mein Haus und meine Tür sind immer offen“. Es ist die Geschichte eines Vaters, der drei Töchter im Alter von heute 18, 16 und 12 Jahren sowie einen neunjährigen Sohn hat. Die vier Kinder stammen aus einer einst glücklichen Beziehung: Heirat, Hauskauf, Familienleben. Doch dann wird die Idylle getrübt, es kommt zu Konflikten, die Scheidung ist unabwendbar.

Ein Rosenkrieg folgt, die einstige Liebe ist verflogen. Mitten im Scheidungsdrama stehen die vier gemeinsamen Kinder. Sie bleiben bei der Mutter und leben weiterhin im gemeinsamen Haus. Der Vater muss ausziehen, kommt bei Freunden unter. Eines Tages bringt die Mutter die älteste Tochter, damals 14 (heute 18) Jahre, zum Vater. Sie soll fortan bei ihm wohnen. Zunächst ein Schock für alle Beteiligten. Doch der Vater meistert seine Aufgabe – trotz Fulltime-Job als Hausmeister an der Georg-Fahrbach-Schule in Ingelfingen.

1.200 Euro zum Leben

Das Vater-Tochter-Gespann harmoniert – wären da nur nicht die ständigen Geldsorgen. Der heute 47-Jährige bedauert: „Ich habe nur noch knapp 1.200 Euro monatlich zum Leben.“ Mehrere hundert Euro Unterhalt monatlich bezahlt er seiner Ex-Frau für die drei bei ihr lebenden Kinder. Nach Abzug von Miete, Wasser, Strom, Versicherungen, Scheidungskosten und Lebensmitteln bleibt nichts mehr über. Obwohl bei ihm auch ein Kind lebt, bekomme er keinen Cent. Wer nun denkt, der Unterhalt wird weniger, da der Vater selbst eines der Kinder großzieht, der irrt. Die Summe bleibt gleich, sagt Manuel Bayer. Und es kommen stets weitere Kosten auf den Familienvater zu. Er kümmert sich jedes zweite Wochenende um den Nachwuchs. Auch in den Ferien sind die Kinder zur Hälfte bei ihm. In dieser Zeit will er nicht nur zu Hause sitzen, sondern seinen Sprösslingen etwas bieten. Doch mit welchem Geld?

„Da ist dann Halligalli in der Küche“

Freizeitaktivitäten hält er so günstig wie möglich. Kreativität ist gefragt. Mit den Kindern kocht und backt der Familienvater gerne. „Da ist dann Halligalli in der Küche“, erzählt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Bei Mehl-Partys geraten die Sorgen des Alltags in den Hintergrund. Außerdem gehen sie Fahrradfahren, sind viel am Kocher unterwegs und im Sommer im Freibad in Niedernhall. Für das Freibad haben sie eine Saisonkarte, gesponsert von den Großeltern. Ohne regelmäßige Finanzspritzen könnte Manuel Bayer den Alltag nicht meistern. Doch er beteuert: „Ich kämpfe mich durch.“ Es gibt aber auch Zeiten, in denen er mit sich hadert. „Wie es läuft, so läuft es halt im Leben“, philosophiert er. „Die ziehen dir das letzte Hemd aus.“

Manuel Bayer beim Bogenschießen mit Sohn Paul. Foto: GSCHWÄTZ

 „Heiraten würde ich nie wieder“

Manchmal ist er traurig darüber, keine funktionierende Familie zu haben. „Wenn du eine intakte Familie hast, kannst du Probleme kompensieren“, schwärmt er. Hiervon ist er mittlerweile weit entfernt, dennoch hat er mit seiner Ex-Frau aktuell wieder ein besseres Verhältnis. „Wir verstehen uns gerade wieder gut“, sagt er nüchtern. Auch wohnt Manuel Bayer wieder im einst gemeinsamen Haus, aus dem die Frau ausgezogen ist. Sie wohnt bei ihrem Lebensgefährten, hat in der Zwischenzeit noch ein Kind bekommen. Alleine kann der Familienvater das Haus jedoch nicht halten. Seine Eltern greifen ihm unter die Arme, er wohnt nun zur Miete. Aus der Vergangenheit hat er seine Schlüsse gezogen. „Heiraten würde ich nie wieder“, ist er sich sicher. „Da bin ich geheilt“, fügt er hinzu. Und er kommt zu dem Schluss: „Finanziell geht es den Frauen besser als den Männern.“

 

Unterhaltspflicht:
Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes des Hohenlohekreises, erklärt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage die Unterhaltspflicht: „Rechtlich gesehen sind Eltern, also sowohl Vater als auch Mutter, ihren Kindern zu Unterhalt verpflichtet. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, hat seine Unterhaltspflicht aufgrund von Pflege, Erziehung und Betreuung eines Kindes erfüllt, er leistet den so genannten Betreuungsunterhalt. Der andere Elternteil muss seinen Unterhalt als Geldzahlung leisten, das heißt, er schuldet den so genannten Barunterhalt. Die Höhe dieser Zahlung regelt die Düsseldorfer Tabelle. Die Tabelle baut auf dem gesetzlichen Mindestunterhalt nach Paragraph 1612a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auf und ist gerichtlich anerkannt. Die Höhe des Unterhalts hängt vom Alter des Kindes und dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen ab. […] Alleinerziehende, die keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten, können beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss beantragen. Diese Regelung soll in erster Linie den Elternteil entlasten, bei dem das Kind lebt. Die Ansprüche des Kindes gehen daher auf den Staat über, der diese Ansprüche beim Unterhaltspflichtigen zurückfordern kann.“
Quelle: Antwort des Landratsamtes auf eine Presseanfrage von GSCHWÄTZ

 




Der Trainingsalltag eines Kunstturners – „Man muss sich quälen können“

Seit elf Jahren gibt es den Kochertalturnstützpunkt, der aufgrund von Spenden der Albert Berner Stiftung verwirklicht werden konnte und seine qualitativ hochwertige Arbeit im Bereich des Kunstturnens durch Mitgliedsbeiträge der Turner und den finanziellen Beitrag der Mitgliedsvereine sichert. Eine große Aufgabe, die er mit Bravour meistert, lastet aktuell auf den Schultern von Trainer Dirk Gläser, der seit 2017 die Abteilung leitet.

über 60 Kinder trainieren an den Geräten

Über 30 Jahre Erfahrung als Trainer im Nachwuchsleistungssport und Spitzensport bringt Gläser mit. Als Nachfolger von Erfolgstrainer Andras Iszlai bringt er neuen Schwung in das Kochertal. Wie auch Iszlai aus rohen Diamanten wertvolle Edelsteine formte, so sichtet der Neue, Dirk Glaser, ebenso mit Weitblick Turntalente. Die ruhige Art haben beide Trainer gemeinsam. Mit viel Gespür holen sie talentierte Nachwuchsturner auf die Matte. So gehen allein bei den Jungen aktuell zirka 40 Turner bei regionalen Wettkämpfen an den Start.

Beine hoch und durchatmen. Foto: GSCHWÄTZ

Im Training üben sogar an die 60 Kinder und Jugendliche eifrig an den anspruchsvollen Geräten. Sie wissen die charmante, ehrgeizige und selbstbewusste Art von Gläser zu schätzen. Es braucht nicht viele Worte. Er, der zuvor bereits für acht Jahre in Norwegen als Trainer gearbeitet hat, versteht sein Handwerk, hat die Kids im Griff, die Trainingseinheiten laufen reibungslos ab.

Der Nachwuchs trainiert eisern für große Erfolge, wenn auch die ganz großen Ziele wie die Teilnahme bei Weltmeisterschaften oder bei Olympischen Spielen ausbleiben. Dies tut der guten Stimmung im Team jedoch keinen Abbruch, denn bei den Kunstturnern kann man von einer großen Turnfamilie sprechen. Ganz neu im Angebot ist die „Offene Halle“, die jeden Samstagvormittag Kunstturnkinder und deren Eltern nach Ingelfingen in die Sporthalle lockt. Dieses Angebot kommt super an. Der Nachwuchs kann den Eltern und Geschwistern neu erlernte Elemente zeigen. Danach können sich Mutter und Vater am Reck oder auf dem Balken ausprobieren.

 

Es benötigt ungefähr 300 bis 500 Versuche, bis ein Element beherrscht wird.

 

Doch nicht nur Turnen ist an diesen Vormittagen angesagt. Die Turner spielen auch mal Ball oder klettern. „Ein Turner kann alles“, so beschreibt Gläser den Fitnesszustand seiner Jungs. Bis es so weit ist, ist hartes Training erforderlich. Anfänger trainieren zwei Mal pro Woche. Die Aufbaugruppe muss drei bis vier Mal in der Woche ran, während Leistungskinder sogar fünf Mal pro Woche trainieren. Zur Leistungsgruppe hinzu kommen sogenannte Spaßkinder, die den Sport als eine Art Freizeitbeschäftigung sehen und nicht gezielt auf Wettkämpfe hinarbeiten. Diese Jungen kommen dann nur ein oder zwei Mal in der Woche, sind aber genauso willkommen wie alle anderen.

Adler im Landeanflug. Eine gute Körperbeherrschung ist das A und O. Foto: GSCHWÄTZ

Wer Erfolge einfahren will, muss schwitzen. Das weiß auch Gläser: „Man muss bereit sein, zu arbeiten.“ Und er fügt hinzu: „Man muss sich quälen können.“ Geduld ist angesagt, denn es benötigt ungefähr 300 bis 500 Versuche, bis ein Element beherrscht wird. Ungefähr 3.000 Turnelemente gibt es. „Wenn wir gut sind, lernen wir 600“, schätzt Gläser.
Nicht gut, sondern sehr gut waren 2017/18 Marlon Mix, Michael Bogdahn, Robin Rabb, Tim Neidhöfer sowie Benni und Basti Hofmann. Marlon Mix vom TSV Künzelsau errang im Landesfinale des Schwäbischen Turnerbundes bei den Achtjährigen den ersten Platz. Michael Bogdahn, ebenfalls vom TSV Künzelsau, stand beim Landesfinale des STB in Leonberg in der Altersklasse der 13-Jährigen ebenfalls am Ende auf dem höchsten Podest.

Mit den Hofmann-Zwillingen vom TSV Niedernhall waren zwei Vertreter bei der Deutschen Jugendmehrkampfmeisterschaft dabei: Basti freute sich über einen souveränen 2. Platz. Mittlerweile sind einige Jugendliche in der dritten Herrenmannschaft der KTV Hohenlohe integriert. Dieses Ziel, die Herrenmannschaften zu unterstützen, haben wohl die meisten Nachwuchsturner. Die erste Mannschaft turnt nämlich erfolgreich in der Dritten Bundesliga: gegen Vereine aus Bochum, Karlsruhe und Fulda.

Schwebebalken, Barren, Reck: Vor diesen Geräten sollte man sich nicht fürchten. Foto: GSCHWÄTZ

Kunstturnvereinigung Hohenlohe:
Die KTV Hohenlohe (Kunstturnvereinigung Hohenlohe) wurde 1972 ins Leben gerufen. Das Ziel der teilnehmenden Vereine war es, durch die Zusammenarbeit in der Schwäbischen Turnliga mit großen Vereinen mithalten zu können. Gesagt, getan: Heute stellt die Vereinigung drei Herrenmannschaften, dazu drei Damen-Teams. Im Jahr 2009 wurde die Sparte Leichtathletik mit an Bord genommen – ebenfalls sehr erfolgreich. Aktiv mitwirkende Vereine sind der TSV Künzelsau, der TSV Ingelfingen, der TSV Niedernhall, die TSG Öhringen, der TSV Markelsheim und die TSG Waldenburg.




Er hatte von Russland ein ganz anderes Bild

Am 10. Juni 2018 machte sich Gerhard Sprügel gemeinsam mit drei weiteren Reiselustigen auf den Weg zur WM nach Russland. Doch er reiste nicht wie viele andere deutsche Fußball-Fans mit dem Flugzeug an. Stattdessen packte er seinen extra dafür angeschafften Wohnwagen. Mit an Bord: zwei seiner fünf Brüder und ein Bekannter. Zu viert machten sie sich auf den Weg zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Mit im Gepäck hatten sie nicht nur haufenweise Lebensmittel, sondern auch zahlreiche Deutschland-Fanartikel.

 

„Alles war extrem sauber“

 

Gut 2.500 Kilometer legte die Reisegruppe in fünf Tagen zurück. Über Polen, Litauen und Lettland ging es nach Moskau, Russlands Hauptstadt, wo am 17. Juni 2018 das erste Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko stattfand. Im Stadion erlebte Sprügel eine „bombastische Stimmung“. Unsicher oder gar bedroht fühlte er sich nie. Mit der Fan-ID um den Hals erreichte er ohne große Kontrollen alle notwendigen Bereiche. Ihm fiel auf: Alles war extrem sauber. Und auch Obdachlose oder Betrunkene waren Fehlanzeige. Ob das immer so ist?

 

Von den mexikanischen Fans schwärmt Sprügel noch heute, Wochen später: „Die haben das Doppelte an Stimmung gemacht.“ Und er fügt hinzu:  „Die mexikanischen Fans waren der Wahnsinn“  – und das im positiven Sinne. Auch noch nach dem Spiel erlebte er die mexikanischen Fans, die ihn mit seiner freundlichen Art beeindruckten. „Sie haben keine Sekunde ausgelassen, um mit uns deutschen Fans ein Foto zu machen“, erzählt er. Dieses positive Bild kann Sprügel auch auf die russische Bevölkerung übertragen. „Ich war total überrascht. Ich hatte von Russland ein ganz anderes Bild.“

Norbert Renner aus Hollenbach im Interview mit den russischen Medien.
Foto: privat

„Die mexikanischen Fans waren der Wahnsinn“

 

Seine Vorstellungen wurden während seiner Wohnwagen-Reise in den Ostblock widerlegt, denn die Russen, mit denen er zu tun hatte, waren allesamt sehr entgegenkommend. Vor allem die jungen, von denen die meisten Englisch sprachen, halfen, wo sie nur konnten. Nahm die kleine deutsche Reisegruppe einmal einen Stadtplan in die Hand, wurde sie sofort angesprochen und Hilfe angeboten. Die gleiche Situation wiederholte sich ständig: in U-Bahnen wie auch im Stadion. Bereits im Vorfeld nahm Gerhard Sprügel Kontakt mit zwei russischen Studentinnen auf, die in Moskau Deutsch studierten. Deren Kontaktdaten bekam er von einem befreundeten Geschäftspartner, der aufgrund einer russischen Niederlassung des Öfteren dort verkehrt. Die beiden Damen sprachen flüssig deutsch und zeigten der deutschen Gruppe im Rahmen einer großen Stadtführung per Bus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Auch in punkto einkaufen, telefonieren und öffentliche Verkehrsmittel unterstützten die Deutsch-Studentinnen, was ein großer Pluspunkt war. Zur kleinen Wohnwagen-Gruppe gesellten sich weitere 14 Reisende aus der Hohenloher Gegend, das so genannte JAKO-Dream-Team. Gemeinsam flog die bunt gemischte Truppe zum zweiten Gruppenspiel der Deutschen nach Sotschi. Das Ergebnis lautete 2:1 für die deutsche Nationalmannschaft. Im letzten Gruppenspiel in Kasan aber mussten sich Neuer, Hummels, Boateng und Co. der Mannschaft aus Südkorea geschlagen geben. Diese bittere Niederlage bedeutete das Ausscheiden bei der diesjährigen Weltmeisterschaft. Der Traum, erneut Weltmeister zu werden, platzte wie eine Seifenblase.

Das JAKO-Dreamteam erkundet die prunkvollen Bauten und ist begeistert von der Willkommenskultur.
Foto: privat

 

Als das Aus für die Nationalelf kam, hatten sie zunächst kein Ziel mehr

 

Und auch die Reise von Sprügel und seinen Mitstreitern bekam zunächst einen Dämpfer. „Wir hatten kein Ziel mehr für das nächste Spiel“, so beschreibt er die bedrückende Situation. „Fußball war über Nacht zur kleinsten Nebensache der Welt geworden.“ Doch nicht lange war Trübsal blasen angesagt. Schnell packte die Fans die Abenteuerlust, so dass die Reise mit dem Wohnwagen fortgesetzt wurde. An Fußball war in den folgenden Tagen nicht mehr zu denken. Kaum ein Spiel wurde angeschaut – nur wenn es zufällig in einer Kneipe über den Bildschirm flimmerte. Nun ging es hinaus aus der Stadt, hinein in das Hinterland. Hier gab es keine Campingplätze, weshalb die Reisegruppe auf Parkplätzen von Motels nächtigte. Auf Parkplätzen, die eigentlich für Lkw ausgewiesen waren, durften die Deutschen ihren Wohnwagen samt VW Bus parken. „Immer wenn es ging, direkt am Kontrollhäuschen“, erklärt Sprügel. So fühlte sich die Gruppe am sichersten, war doch das Kontrollhaus rund um die Uhr mit Wachpersonal besetzt und die Plätze beleuchtet.

Im Wohnwagen wurde nicht nur gegessen, sondern auch rege diskutiert.
Foto: privat

Ging es in Restaurants, war Einfallsreichtum gefragt, denn die Speisekarte war meist nicht zu verstehen. Aus diesem Grund machte Sprügel in einem besonders guten Restaurant mit bebilderter Speisekarte Fotos, die fortan in jeder anderen Lokalität vorgezeigt wurden. Egal ob Fleisch oder Gemüse, ob Suppe oder Salat: Auf den Teller kam meist das, was geordert wurde. Und die Hungrigen konnten ihren Magen zu relativ günstigen Preisen füllen. Zur daheimgebliebenen Familie und zu Freunden bestand stets Kontakt. In fünf WhatsApp-Gruppen wurden Bilder ausgetauscht und Nachrichten verschickt, so dass auch die Lieben daheim ein wenig vom Russland-Flair abbekamen. War der Kontakt einmal für zwei Tage unterbrochen, kam sofort die besorgte Frage aus der Heimat: „Was ist los?“ Nach dreieinhalb Wochen bog der Wohnwagen schließlich wieder in Stachenhausen ein.

Doch Sprügel träumt schon heute von seiner nächsten Abenteuerreise – vielleicht zur EM 2020, die in zwölf europäischen Städten stattfinden soll? „Wenn jemand mitfährt, starten wir morgen“, sagt er.

Gerhard Sprügel (rechts) mit seinen Brüdern.
Foto: privat

 

Die Reiseroute

Von Stachenhausen ging es über Nürnberg nach Görlitz, dann über die Grenze nach Polen. Es folgten Städte wie Breslau, Lomza und Suwalki. Grenzübergang nach Litauen: über Kaunas und Zarasai nach Lettland. Von Zilupe aus war Moskau das große Reisziel, wo die Gruppe längere Zeit verweilte. Imposant war zudem St. Petersburg. Auf der Rückreise standen weitere sehenswerte Großstädte auf dem Programm: Tallinn, Riga und Warschau. Nach insgesamt 6.000 Kilometern Fahrt war das Abenteuer Russland zu Ende.

Mit diesem Wohnwagen ging es Richtung Osten.
Foto: privat




Yannic tanzt durchs Leben

Sein Hobby unterscheidet sich von dem der meisten Gleichaltrigen. Yannic ist Tänzer – und das,  seit er fünf Jahre alt ist. Gemeinsam mit seiner siebenjährigen Partnerin Valerie Badt tanzt der achtjährige für den Tanzsportclub Rot-Weiß Öhringen Standard und Latein.

 

Ein achtjähriger aus Weldingsfelden fliegt übers Parkett

 

Yannics Augen funkeln, wenn er vom Tanzen erzählt. Dass seine Sportart nicht der typische Jungensport ist, weiß er. Seine Mitschüler können wenig mit seinem etwas anderen Hobby anfangen. „Die machen sich über mich lustig“, sagt er. Aber warum? Einen Grund gibt es nicht, denn der Erfolg gibt Yannic Recht. Und auf seine bisherigen Erfolge ist er stolz. Viele seiner Kumpels spielen Fußball. „Mein Freund hat zwei oder drei Pokale, ich habe schon fünf“, freut sich der sportliche Junge aus Ingelfingen-Weldingsfelden.

Yannic mit seiner Tanzpartnerin Valerie haben schon einige Pokale bei diversen Wettbewerben gewonnen.
Foto: privat

Angefangen hat alles 2014. Yannic war mit seinen Eltern auf einem Tanzturnier, damals als Zuschauer. Er hat andere Kinder tanzen sehen, war von Beginn an vom Kindertanzen fasziniert. Das wollte er auch können. Gesagt, getan: Seine Mutter brachte ihn zum Anfängertraining nach Öhringen. Yannic fand schnell Gefallen am Sport. In dieser Zeit fing auch Valerie, wohnhaft auf den Taläckern, mit dem Tanzen an. Sie war schon öfter beim Kindertanzen mit dabei, da ihre große Schwester bereits tanzte. Das ist ein echter Familiensport. Die Eltern müssen dahinter stehen, sonst funktioniert es nicht.

 

„Das ist Leistungssport.“

 

Vier Mal pro Woche sind Yannic und Valerie beim Tanztraining: meist in Öhringen, einmal pro Woche in der Stadthalle in Ingelfingen. Hinzu kommen Privatstunden, um die sich die Eltern kümmern. An den Wochenenden finden Turniere statt. Yannics Mutter bringt es auf den Punkt: „Das ist Leistungssport.“ Yannic ist extrem viel unterwegs. Da Tanzen aber seine Leidenschaft ist, macht ihm das viele Training derzeit nichts aus. Auch die Wettkämpfe machen ihm Spaß – bringt er doch regelmäßig Top-Platzierungen mit nach Hause. Seinen größten Erfolg feierte er dieses Jahr im Februar bei den Baden-Württembergischen Landesmeisterschaften der lateinamerikanischen Tänze in Karlsruhe. Gemeinsam mit Valerie eroberte Yannic den zweiten Platz in der D-Latein-Klasse der Kinder. Gleichzeitig war dies das Ticket für die C-Klasse, die höchste Klasse in dieser Altersgruppe.

Yannic und seine Tanzpartnerin Valerie fliegen über das Parkett.
Foto: privat

 

Ein strenger Trainer

 

Neben dem Saison-Höhepunkt, den Landesmeisterschaften, geht Yannic in diesem Jahr auch bei weiteren großen Turnieren an den Start: so zum Beispiel bei den German Open in Stuttgart und beim Turnier „Blaues Band der Spree“ in Berlin.  Hierbei handelt es sich allesamt um deutsche Turniere, denn ins Ausland werden die Kindertänzer vom TSC Rot-Weiß Öhringen noch nicht geschickt. Trainiert werden die sogenannten Turnierkinder von einem Trainergespann. Jeder hat sein Steckenpferd im Standard- oder im Lateinbereich. So kann bestmöglich und vor allem sehr gezielt trainiert werden. Einer der Trainer ist Thomas Eil. Er ist ein strenger Trainer. Dennoch:

 

„Die oberste Priorität ist Spaß“

 

„Die oberste Priorität ist Spaß“, sagt er. Doch auch Ehrgeiz sei wichtig. „Der Anspruch, gewinnen zu wollen, muss da sein“, so der Erfolgstrainer. Diesen Ehrgeiz bringt Yannic zweifelsfrei mit. Er entwickelt sich schnell weiter, klettert die Erfolgsleiter im Nu nach oben. Im Moment trainieren Yannic und Valerie mit drei weiteren Kinderpaaren. Die Truppe ist wie eine kleine Familie. Auch in der Freizeit gibt es viele Unternehmungen. Dass die Kinder mit ihrem engagierten Trainer harmonieren, ist schnell zu erkennen. Thomas Eil fördert seine Schützlinge – und das im richtigen Maß.  Immer an Yannics Seite sind auch die Eltern, die ihn in allen Belangen unterstützen. Sie sind beim Training mit dabei und begleiten ihn zu großen Turnieren. Auch die schicke Tanzkleidung näht die Mutter mit viel Liebe zum Detail selbst. Langweilig wird es im Leben von Yannic nie: Schon jetzt freut er sich auf die Teilnahme bei „Hessen tanzt“ in Frankfurt am Main.

 

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 07 / Mai 2017.




Zu Besuch am schönsten Arsch der Welt

Der Musiker Gregor Meyle gastierte im August 2017 im Rahmen der Burgfestspiele zu zwei Sommerkonzerten in Jagsthausen.  Im persönlichen Gespräch mit GSCHWÄTZ plauderte der 39-Jährige über seine Kindheit und seine Karriere.

 

Aufgewachsen ist Gregor Fabian Meyle im beschaulichen Ernsbach. Mit 14 zog er über den Berg nach Jagsthausen. Bevor er 20 wurde, hatte er bereits seine erste eigene Wohnung. „Das Kocher- und Jagsttal, das ist meine Heimat“, sagt der Mann mit Hut und Brille. Hier erlebte er alle grundlegenden Dinge und ebnete sich den Weg in Richtung Musikstar. Nach der mittleren Reife war er als Tontechniker unterwegs. „Da bin ich als Roady mitgefahren“, erzählt er. Musik aber hat der sympathische junge Mann immer schon gemacht. Im Grundschulalter hatte er Gitarrenunterricht. Heute beherrscht er nahezu jedes Instrument, das Saiten hat. Und auch dem Klavierspielen näherte er sich an. „Mit dem Klavier entstehen viele neue Songs“, so Meyle. Außerdem hatte Gregor Meyle bereits zu Teenagerzeiten eine eigene Band, mit der er unter anderem im Kulturbahnhof in Künzelsau auftrat.

Wie es zu seinem musikalischen Durchbruch kam, war Schicksal

Er schrieb bereits früh eigene Songs und hob sich so von der breiten Masse ab. Als er volljährig wurde, ließ er die Musik ein wenig schleifen, da er viel als Tontechniker arbeitete. 2002 verließ Meyle Baden-Württemberg und zog nach Köln. Heute lebt der Familienvater im Bergischen Land. Wie es zu seinem musikalischen Durchbruch kam, war Schicksal.

Auftritt in Jagsthausen 2017. Meyle ist in Forchtenberg-Ernsbach aufgewachsen.
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

 

Sein Bruder arbeitete bei Stefan Raab und war mit den Spielen für die Fernsehshow „Schlag den Raab“ betraut. Er ermutigte ihn, bei einer neuen Musik-Castingshow von Raab mitzumachen. Gesagt, getan: Der Vollblutmusiker meldete sich für den Wettbewerb auf Pro Sieben an, denn er wusste es zu schätzen, dass er im Rahmen dieser Castingshow eigene Lieder performen durfte. „Dann habe ich da mitgemacht und es hat ganz gut geklappt“, resümiert der bescheidene Kerl von nebenan. Ganz gut geklappt ist untertrieben, denn Meyle belegte hinter Stefanie Heintzmann den zweiten Platz. Seither macht er hauptberuflich Musik und ist trotz Höhen und Tiefen voll durchgestartet.

„Ich produziere relativ viel“

Um unabhängig von Plattenfirmen zu sein, gründete er sein eigenes Plattenlabel „Meylemusic“. Nachdem ihm Pro Sieben ein Sprungbrett geliefert hatte, ging seine TV-Karriere im Frühjahr 2014 auf VOX weiter. Gemeinsam mit sechs weiteren Musikern nahm er auf Einladung von Xavier Naidoo bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teil. Im Rahmen dieser Staffel wurde er noch populärer und sein damals neu auf dem Markt erschienenes Album „New York – Stintino“ schaffte es in die Top Ten der deutschen Charts. Auch seine vorherigen Alben erfuhren durch das Medieninteresse einen Aufschwung. Im Folgejahr wirkte Mey le als Pate bei einem Songwriting-Wettbewerb für Kinder auf KiKA mit. Außerdem  bekam er unter dem Titel „Meylensteine“ seine erste eigene Fernsehsendung auf VOX. Im Rahmen dieser Show besuchte Meyle deutschsprachige Musiker zu Hause, musizierte mit ihnen und zeigte markante Eckpunkte derer Karrieren auf. Aufgrund des Erfolgs der ersten Staffel wurde dieses Jahr eine weitere gestartet. Diese konnte nicht an die Erfolge von vor zwei Jahren anknüpfen.

 

Dem Erfolg von Meyle tut dies keinen Abbruch. „Ich produziere relativ viel“, beschreibt er selbst seine aktuelle Situation. „Außerdem habe ich 60 bis 80 Konzerte im Jahr“, fügt er hinzu. Die Familie ist bei Auftritten selten dabei. Deshalb versucht Meyle, seine Konzerte auf drei bis vier Gigs pro Woche zu begrenzen. Der Familienmensch weiß, worauf es ankommt: „Familienleben und Musik machen: Das sind die zwei schönen Dinge im Leben.“ Der am Boden gebliebene Musikstar vergaß in den letzten Jahren nie, wo seine Wurzeln liegen. Beginnt er vom Kocher- und Jagsttal zu erzählen, schwärmt er wie ein kleiner Junge. „Es ist einfach eine wunderschöne Gegend und man weiß das sehr zu schätzen, wenn man da ist“, sagt Meyle. „Es sind die Gerüche, die tolle Luft, das Kulinarische, das sind die Leute, es ist der Dialekt natürlich und die Ruhe.“

„Es ist teilweise der Arsch der Welt, aber ein sehr schöner Arsch.“

Er hat schon viel von der Welt gesehen, dennoch zählt er das Kocher- und Jagsttal mit zu den schönsten Flecken in Deutschland. „Im Jagsttal gibt es noch viele Plätzchen, wo gar nichts los ist und man da wirklich noch von der Welt verloren gehen kann“, merkt Poet Meyle an. Um Worte ist der Sänger und Songwriter nie verlegen: „Es ist teilweise der Arsch der Welt, aber ein sehr schöner Arsch.“ Deshalb hat er seiner Band im Rahmen seiner beiden Sommerkonzerte Mitte August bei den Burgfestspielen in Jagsthausen seine Heimat gezeigt. Auf seinen Auftritt in Jagsthausen freute er sich  im Vorfeld riesig, denn schon früh lernte er die Burgfestspiele kennen und lieben. „Jagsthausen war für mich als Kind die große weite Welt, die zu mir ins Dorf kam“, berichtet Meyle. Außerdem jobbte er dort mit 15 oder 16 Jahren als Tonpraktikant.  Nach einem Anruf des Bürgermeisters war klar, dass Meyle die Anfrage über den kurzen Dienstweg annahm. Die zwei geplanten Konzerte waren schon nach kurzer Zeit ausgebucht.  „Für mich ist es ein Geschenk, wenn man in die Heimat kommt und die Hütte ist voll“, so beschreibt Meyle sein Heimspiel in Jagsthausen.

Der Musiker liebt klassische Hausmannskost

Die Stimmung war fantastisch. Bei bestem Sommerwetter bot er den rund 900 Zuschauern gemeinsam mit seiner Band eine tolle Show. Sogar ins Publikum wagte er sich bei der akustischen Zugabe. Gregor Meyle hautnah: Das hat gefallen.  Bei seinem „Heimaturlaub“ darf auch das eine oder andere schwäbische Gericht nicht fehlen, denn der Musiker liebt klassische Hausmannskost. „Der Kartoffelsalat ist spielentscheidend“, meint Meyle. Außerdem sei der Hefezopf der Bäckerei Gundel aus Ernsbach weltbekannt. Und auch eine Kuddelsuppe sei nur hier zu bekommen. Der Mann mit der ganz besonderen, sehr einfühlsamen Stimme, schwingt auch gerne selbst den Kochlöffel. Und wenn er dann noch Zeit hat, geht er seinen Hobbys nach: spazieren gehen, wandern und Snowboard fahren. Wohin es wohl musikalisch in den nächsten Jahren gehen wird? Eines ist sicher: Gregor Meyle wird sich treu bleiben.

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 11 / September 2017




Tausche Kochen gegen Malerarbeiten

„Wir sind ein Verein für erweiterte aktive Nachbarschaftshilfe“, so beschreibt der Vorsitzende Wolfgang Köder den Talent-Tauschkreis Schwäbisch Hall / Hohenlohe. Wer hier ein langweiliges Tauschen von ausgedienten Gegenständen erwartet liegt falsch, denn der aktuell 330 Mitglieder zählende Verein hat weit mehr zu bieten.

Einmal monatlich treffen sich die Tauschkreisler im Scheierle in Belsenberg zum gemütlichen Tauschplausch.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

So geht es nicht nur um die Weitergabe von Kleidung, Spielwaren oder Elektrogeräten, sondern vielmehr um den Austausch von Talenten. Diese Talente könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Bandbreite reicht von Wissen über Zeit, bis hin zu kreativen Ideen. Das Konzept ist simpel: Jeder Mensch besitzt mindestens ein Talent, das er einbringen kann. Es können ganz alltägliche Dinge sein: Fahrdienste, Kuchen backen, Reparaturarbeiten und so weiter. Prinzipiell gilt: Geld fließt nicht. Die Währung lautet „Talente“.

 

Wird ein Fahrdienst gebucht, wird die in Anspruch genommene Zeit mit Talenten beglichen

 

„Jeder Neuling bekommt ein Konto“, erklärt Köder. Anschließend wird inseriert, was angeboten wird. Mitglieder können die Anzeigen der anderen Teilnehmer einsehen. Eine gezielte Suche, beispielsweise nach Handwerksarbeiten, ist über einen Suchfilter möglich. Die Kontaktaufnahme erfolgt entweder per Mail oder telefonisch. Die in Anspruch genommenen Leistungen werden über ein Online-Banking-ähnliches Verfahren direkt auf dem Portal verbucht. Ein paar Ausnahmen gibt es dennoch: Wird ein Fahrdienst gebucht, wird die in Anspruch genommene Zeit mit Talenten beglichen. Hinzu kommen aber die tatsächlich angefallenen Spritkosten, welche in Euro an den Anbieter bezahlt werden.

Ein weiteres Beispiel für Geldflüsse ist das Backen einer Torte. Die Arbeitszeit wird mit Talenten vergütet, die Zutaten aber werden separat in Rechnung gestellt. Aktuell haben rund 90 Prozent der Tauschkreis-Teilnehmer einen Online-Zugang. Alle anderen haben einen sogenannten Broker an ihrer Seite. Ein Broker ist ein anderes Mitglied, das die Geschäfte im Auftrag der nicht Computer-affinen Tauschkreisler online verwaltet. Broker für gleich zwei Personen ist Heiderose Burkhardt, die unter anderem als Umzugshelferin zur Verfügung steht und auf diese Weise Talente auf ihr Mitgliedskonto sammelt. Seit anderthalb Jahren gehört Hildegard Hage dem Tauschkreis an. Sie fühlt sich wohl und schwärmt: „Es ist ein erweiterter Freundeskreis.“ Die kreative Dame aus Waldenburg bietet eine Vielzahl an Leistungen an: Sie kreiert Cremes, färbt und filzt Kleidung und repariert Schmuckstücke.

Braucht jemand Hilfe beim Nähen oder selbstgemachte Marmelade? Hier gibt es fast alles.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Karl-Heinz Baur aus Hermuthausen ist bereits ein alter Hase. Sein Steckenpferd ist Nachhilfe. Er gab schon zahlreiche Lateinstunden, ohne dies jemals zu inserieren. Mund-zu-Mund-Propaganda lautet seine Devise. Grundsätzlich gilt: Jede Art von Arbeit wird gleichwertig vergütet. Der Stundensatz für Putzarbeiten ist genauso hoch wie der für anspruchsvolle IT-Arbeiten. Ein Richtwert sind zehn Talente pro Stunde. Ein Talent entspricht ungefähr einem Euro. Damit die gesammelten Talente schnell wieder in Umlauf kommen, gibt es ein Gesetz. Alle drei Monate werden von den Guthaben auf den Mitgliederkonten drei Prozent abgebucht. Dieser Vorgang, der das Horten von Talenten unterbindet, wird als Rost-Regel bezeichnet.

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 13 / November 2017




Er schlug sie brutal

Geschlagen. Getreten. Mit Worten gedemütigt. So ergeht es vielen Frauen in Deutschland – nicht nur in Großstädten, auch im Ländle. Oft geschieht all dies, ohne dass
Außenstehende es bemerken.

Magdalena K.* gehört zu den Frauen, die häusliche Gewalt erfahren mussten. Die junge Frau wuchs bei einer Pflegefamilie auf. Mit 16 kam sie in ein Heim. Dort lernte sie Marc kennen und wurde schwanger. Sie heirateten, alles schien perfekt. Doch dem war nicht so. Marc schrie sie an, wurde immer aggressiver und schlug sie brutal. Nach zwei Jahren flüchtete sich Magdalena in ein Frauen- und Kinderschutzhaus. Die schwierige Frage: Wie fliehe ich aus dem Gefängnis zu Hause? Vielen Frauen fehlt der Mut, die Zuversicht. Und einige lieben ihren Partner trotz den Misshandlungen.

Ehrenamtlich tätige Frauen wollten den verängstigten Frauen den Schritt in ein neues, vielleicht sogar sorgenfreies Leben ermöglichen. Deshalb gründeten sie 1991 den Verein „Frauen helfen Frauen“ im Hohenlohekreis. Sie führten ein Notruftelefon ein und boten Frauen eine erste Anlaufstelle vor Ort. Nur drei Jahre später wurde das Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis gegründet. 15 Jahre lang konnte dieses soziale Projekt durch ehrenamtliche Helfer gestemmt werden. Seit Juli 2009 steht nun der Albert-Schweitzer-Kinderdorf-Verein als Träger hinter dem Frauenhaus. Zwei Sozialpädagoginnen und eine Erzieherin sind angestellt. Die Leiterin des Frauenhauses, Andrea Bühler, sagt: „Wir nehmen nur Frauen auf, die Gewalt erlebt haben oder bei denen eine akute Bedrohung vorliegt.“ Die betroffenen Frauen müssen selber wollen, sie können nicht zum Gang ins Frauenhaus gezwungen werden. „Den letzten Schritt muss die Frau selber machen“, so Bühler.

Die Plätze im Frauen- und Kinderschutzaus im Hohenlohekreis sind begrenzt. So fasst das Haus, dessen Adresse streng geheim ist, gerade einmal zehn Plätze, verteilt auf fünf Schlafzimmer. Besuch ist strikt untersagt. Nicht einmal enge Freunde und Verwandte dürfen vorbeikommen. Zu groß wäre die Gefahr, dass auch die gewalttätigen Ehemänner und Lebenspartner die Frauen aufsuchen und bedrohen könnten.

Ohne Schuhe stand sie vor uns

Zunächst einmal meldet sich die Frau unter der Hotline des Frauenhauses: 07940 / 58 954. Muss es schnell gehen, wird eine sofortige Unterbringung eingeleitet. In Einzelfällen muss die Polizei hinzugerufen werden, um die Frau in Sicherheit zu bringen. In der Vergangenheit kamen Frauen in diesen Fällen ohne jegliches Hab und Gut an. Eine Frau hatte nicht einmal Schuhe an. Da
brauchen die Mitarbeiter des Frauen- und Kinderschutzhauses viel Einfühlungsvermögen und psychologisches Geschick. Bühler erklärt: „Wir sind erst einmal auf der Seite der Frau, das ist unsere Botschaft.“

Das Selbstbewusstsein in Scherben

Anders als bei der Polizei werden keine Fragen nach Schuld und Unschuld gestellt, sondern die Frauen sollen sich geborgen fühlen und Vertrauen fassen. Viele Neuankömmlinge trauen sich nichts zu. Sie wurden jahrelang unterdrückt, das Selbstbewusstsein ist hinüber. Manche Frauen suchen ein Frauenhaus in ihrer unmittelbaren Heimat auf. Andere wiederum lassen Familie und Freunde zurück und wechseln in eine ihnen fremde Stadt. „Die meisten wechseln den Ort vor allem aus Sicherheitsgründen“, beschreibt Bühler den Weggang mancher Frauen. Es gäbe aber auch diejenigen Frauen, die nach zwei oder drei Tagen wieder nach Hause aufbrechen. Ihr Mann hätte sich entschuldigt, er würde sich ändern, die Kindern wollen zurück: Ausreden gibt es viele. Wer sich jedoch entscheidet, zu bleiben, möchte sich ein eigenständiges Leben aufbauen. Das ist derzeit im Hohenlohekreis schwer, denn der Wohnungsmarkt ist erschöpft.

Im Alkohol suchte sie Trost

Viele Frauen beziehen Hartz vier, haben Kinder, sind von vielen Vermietern nicht gern gesehen. Es gibt eine Absage nach der anderen. Magdalena ging nach ihrem ersten Aufenthalt im Frauenhaus in ihre Heimatstadt zurück. Im Alkohol suchte sie Trost, wurde abhängig. Dann traf sie Stefan und bekam mit dem neuen Mann an ihrer Seite zwei Kinder. Wieder schien alles perfekt. Er überhäufte sie mit Geschenken, machte sie glücklich. Doch auch er wurde gewalttätig. Noch schlimmer war der Psychoterror, dem Magdalena ausgesetzt war. Eines Tages fand sie Drogen im Garten. Schmerzlich wurde ihr klar, dass Stefan mit Rauschgift handelte und auch selbst abhängig war. Der Höhepunkt der Leidensgeschichte war erreicht, als Stefan vor den Augen der zitternden Söhne ein Küchenmesser in den Tisch rammte. Um sich selbst, insbesondere aber die Kinder zu schützen, suchte Magdalena erneut Hilfe in einem Frauen- und Kinderschutzhaus.

Vor den Augen der zitternden Kinder

Sechs Monate lang wird den Frauen das Leben in dieser Art Heim bezahlt. Danach endet der Geldfl uss vom Landratsamt, die Verantwortlichen müssen eine Begründung für eine weitere Beherbergung abgeben. Flavia da Silva-Matzick kümmert sich überwiegend um die mitgebrachten Kinder und Jugendlichen. „Die brauchen jemanden zum Zuhören“, resümiert sie ihre Hauptaufgabe. Sie nimmt sich die Zeit, bietet den hilflosen Kindern eine Schulter zum Anlehnen. Außerdem bringt sie den Nachwuchs auf andere Gedanken, macht Ausflüge, spielt und bastelt. Darüber hinaus ist Flavia Vermittler zwischen der Mutter und den Schulen und Kindergärten. Sie geht mit den Familien Schulsachen einkaufen, bringt die Kinder zur Schule und holt sie
wieder ab – wenn dies denn gewünscht wird. „Die Kinder bringen Hoffnung mit“,sagt sie. Und Bühler fügt hinzu: „Hoffnung, dass sich etwas verändert.“ Auch Magdalena steht heute mit beiden Beinen im Leben. Sie bewältigt Krisen ohne Alkohol, wohnt in einer kleinen Wohnung. Sie ist stolz auf ihre wunderbaren Kinder und würde mit ihnen gerne wie eine ganz normale Mutter in die Stadt zum Eis essen gehen oder ins Schwimmbad – wäre da nicht die Angst, Stefan könnte ihr auflauern und ihr und den Kindern etwas antun.

 

 




„VERDIENT DER AU Ä GELD?“ – Interview mit Michael Krebs

Auf einen Erdbeershake im EMMA in Künzelsau traf sich Musiker und Kabarettist Michael Krebs aus Neu-Kupfer mit unserer Journalistin Isabell Kähny.

 

GSCHWÄTZ: Sie sind Musiker und Kabarettist. Was können sich unsere Leser darunter vorstellen?

KREBS: Ich war immer Musiker. Ich habe eigene Songs geschrieben und die hatten lustige Texte. Und dann habe ich gemerkt, dass es da auch eine Bühne jenseits der Musikbühnen gibt, und das waren die Comedy- und Kabarettbühnen. Und insofern bin ich ein Musiker, der sehr gut auf einer Kabarettbühne auftreten kann, weil er Texte hat, die humorvoll und durchdacht sind.

GSCHWÄTZ: Dann ging es für Sie ziemlich schnell in den Kleinkunst-Bereich?

KREBS: Ja, da mache ich einfach viel. Ich stehe immer wieder auf Musikbühnen und es gibt aber auch diese Kleinkunstbühnen, die ich wahnsinnig gern bespiele, weil sie so schön intim sind.

GSCHWÄTZ: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

KREBS: Warum ich keinen richtigen Beruf erlernt habe, meinen Sie? Es war ein bisschen Zufall. Ich habe Musik studiert, habe Lieder geschrieben. Ich hatte Lust, meine Gedanken musikalisch zu verwerten. Eigentlich wollte ich Jazz-Musiker oder Popstar sein – oder wahlweise auch mal Bundespräsident. Aber ergeben hat sich dann tatsächlich diese Sache, weil immer wieder Leute kamen und sagten: „Hey, das ist so klasse, was du da machst.“ Für mich war das lange Zeit ein Hobby.

„Das ist die wichtigste Frage in Hohenlohe, denke ich: Verdient er au ä Geld?“

GSCHWÄTZ: Jetzt arbeiten Sie hauptberuflich als Künstler?

KREBS: Seit über zwölf Jahren jetzt.

GSCHWÄTZ: Können Sie gut davon leben?

KREBS: Ja, gut. Das ist die wichtigste Frage in Hohenlohe, denke ich: „Verdient er au ä Geld?“

GSCHWÄTZ: Aber Sie haben es ja gleich bejaht.

KREBS: Ich habe es mir angewöhnt, da immer „Ja“ zu sagen, sonst wird man nicht ernst genommen.

GSCHWÄTZ: Sie sind nicht nun solo unterwegs, sondern auch mit Ihrer Band. Was überwiegt?

KREBS: Ich würde sagen, momentan drei viertel solo und ein viertel mit der Band. Für mich könnte es mehr in Richtung halbe- halbe gehen, aber daran arbeite ich.

„Ich habe meine Band in Wacken kennengelernt.“

GSCHWÄTZ: Ihre Band heißt: „Pommesgabeln des Teufels“. Wie kam es zu dem Namen?

KREBS: Es gibt die Pommesgabeln des Teufels als Handzeichen der Heavy Metal Fans. Ich habe meine Band in Wacken kennengelernt und ich habe sowieso auch über dieses Handzeichen auf der Bühne in meinem Programm geredet, weil es im Kindergarten als Flüsterfuchs missbraucht wird. Und dagegen habe ich mich gewehrt.

GSCHWÄTZ: Welchen Bezug haben Sie zu Hohenlohe?

KREBS: Das ist meine Heimat. Ich bin hier groß geworden.

GSCHWÄTZ: Sie haben Ihre Kindheit in Neu-Kupfer verbracht?

KREBS: Ja, bis ich 19 war. Ich habe im Grunde alles, was wichtig ist, hier gelernt. Ich stelle es immer wieder an mir selbst fest, dass die Werte oder die Art zu denken, mir hier total vertraut sind. Ich verstehe immer sofort, wie die Leute hier ticken. Ich bin hier irgendwie daheim.

„Wenn ich hierher fahre, hab ich das Gefühl, hier sind meine Wurzeln.“

GSCHWÄTZ: Und das trotz ihres Großstadtlebens in Berlin? Da prallen ja Welten aufeinander.

KREBS: Ja wirklich! Es hat auch lange gedauert, überhaupt klarzukommen in der Großstadt. Wenn ich hierher fahre, hab ich das Gefühl, hier sind meine Wurzeln. Hohenlohe: wunderschön! Das sind auch so die Bilder, wie die Sonne untergeht, wenn man in Richtung Waldenburg guckt und man sieht das Schloss auf dem Berg. Das sehe ich und denke immer noch „wow“, Gänsehaut. Auch das dörflich-vertraute mag ich, dass man seine Nachbarn anders wahrnimmt, dieses Nacheinander-Gucken.

GSCHWÄTZ: Können Sie sich vorstellen, irgendwann wieder auf dem Land zu wohnen?

KREBS: Ich sage jetzt nicht: Das mache ich auf keinen Fall. Man wird im Dorf groß und zieht immer größere Kreise. Ich hatte hier wahnsinnig viele Freiheiten, weil so viel Platz da war. Wenn man nachts um zwei noch baden wollte, dann ist man an einen See gefahren und hineingesprungen. Aber irgendwann war es mir zu eng. Irgendwann war klar: Ich will auch mal was anderes sehen. Und durch das Musikstudium war auch klar, dass ich sowieso woanders hin muss.

GSCHWÄTZ: Welche Instrumente spielen Sie?

KREBS: Klavier. Und dann spiele ich noch Gitarre, Schlagzeug, Gesang natürlich. Der Rest ist eigentlich nicht der Rede wert. Mit neun habe ich angefangen, Klavier zu spielen und mit 14 aufgehört. Da wollte ich E-Gitarre spielen. Das war meine Heavy-Metal-Phase, Pubertät, da war ich wütend. Und dann habe ich mit 16 wieder angefangen mit Klavier.

GSCHWÄTZ: Da haben Sie dann ganz klassisch Klavierstunden gehabt?

KREBS: Ja, da kam der Klavierlehrer mit seinem alten Daimler über das Dorf gefahren, von Hof zu Hof, und hat den Kindern Klavierunterricht gegeben.

„Erste Klasse Flöte, logisch! Pflicht!“

GSCHWÄTZ: Also bei uns hat zuerst mal jeder Flöte gespielt. Haben Sie das ausgelassen?

KREBS: Erste Klasse Flöte, logisch! Pflicht! Das hat dem Instrument Blockflöte viel Schaden angerichtet. Eigentlich kann Blockflöte sehr schön sein, aber seit es DAS Kinderinstrument ist, wo alle durchmüssen, dagegen hatte die Blockflöte keine Chance. Sie war einfach zu zart und zu leise.

GSCHWÄTZ: Im April 2017 sind Sie mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen der Preis?

KREBS: Das war für mich eine tolle Bestätigung, eine überraschende. Ich hatte 2011 den Nachwuchspreis gekriegt und jetzt den Hauptpreis. In der Zwischenzeit habe ich mein Ding gemacht, dann kommt plötzlich so ein Preis und man denkt: Wow, die haben dich beobachtet über die Jahre und haben Interesse gehabt an dem, was du machst. Ich mache das, was ich mache, aber nicht, um Preise zu kriegen.

„Karriere ist mir gar nicht so wichtig.“

GSCHWÄTZ: War das der bislang bedeutendste Preis?

KREBS: Beim baden-württembergischen Kleinkunstpreis guckt sich die Jury die Künstler als Ganzes an und insofern ist dieser Preis schon bedeutender, weil er sich tiefer mit dem beschäftigt, was man macht. Und es nehmen einen Leute wahr, die einen vorher nicht wahrgenommen haben: Theater, Medien und Zuschauer.

GSCHWÄTZ: Welche Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?

KREBS: Auf jeden Fall mit meiner Band eine neue CD aufnehmen. Karriere ist mir gar nicht so wichtig. Ich mache das, was mich glücklich macht. Ich habe meinen Traumjob.

 

Aktuelle Termine zu seiner Tour finden Sie hier.




Pack‘ die Badehose ein

Urlaub zu Hause kann so schön sein. Wir haben die 13 Hohenloher Badeseen unter die Lupe genommen. Die besten stellen wir hier vor:

 

PLATZ 1:

Hollenbacher See

Der Hollenbacher See, auch als Hohenloher Meer bekannt, ist ein Natursee mit einer Größe von ca. 22.000 m². Der See landet in unserem Ranking auf Platz eins, da man sich gleich wie im Urlaub fühlt.

 

+ Campingplatz, Biergarten mit 160 Sitzplätzen und einem vielseitigen Angebot, Tretboot-Verleih, abgegrenzter Kinderbereich im See, großer Waldspielplatz, Rundwanderweg um den Badesee und den Fischsee, Grill-Möglichkeit, schwimmende Insel

– viel Publikum, enger Liegestreifen direkt am See

Hollenbacher See
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

 

PLATZ 2:

Neumühlsee

Der Neumühlsee bei Waldenburg ist ein Stausee mit einer Gesamtgröße von 50.000 m². Zirca 25.000 m² sind zum Baden geeignet. Leider ist der See bei sehr hohen Temperaturen anfällig für Blaualgen. Das Gesundheitsamt informiert über den aktuellen Stand und gibt zudem Verhaltensregeln. Dennoch hat es der See aufgrund seiner idyllischen Lage auf Platz zwei geschafft.

 

+ Campingplatz, WC, Liegewiese, ansprechender Spielplatz, Grillstelle, Kinderbereich im See, Landgasthof mit regionaler Speisekarte, Terrasse mit Blick auf den See

– Blaualgen

Neumühlsee
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

PLATZ 3:

Oberginsbacher See

Klein, aber fein ist der Badesee am Ortsrand von Oberginsbach. Der naturbelassene Stausee mit ca. 4.700 m² ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. In den Sommermonaten finden des öfteren Zeltlager statt. Ein Versorgungshaus steht hierfür zur Verfügung. Auf das Siegerpodest hat es der Oberginsbacher See aufgrund seiner natürlichen Schönheit geschafft.

 

+ Liegewiese, für Zeltlager-Besucher gibt es ein Versorgungshaus mit WC, Beachvolleyball, familiärer Charme

– keine WCs, Duschen und Umkleiden für reine Badegäste, kein Kiosk

Oberginsbacher See
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

PLATZ 4:

Tiroler See / Schleierhofer See

Umgeben von Wald und Wiesen liegt der Tiroler See nahe Forchtenberg. Der Tiroler See ist ein rund 16.000 m² großer Natursee. Jugendgruppen können das ansprechende Gelände rund um den Badesee nach Anmeldung als Zeltplatz nutzen. Nur ganz knapp an Platz drei vorbei liegt der Tiroler See in meiner Bewertung auf dem vierten Platz.

 

+ Liegewiese, Kiosk mit Terrasse, Toiletten, Umkleidekabinen, Kaltwasserduschen, großzügiger Spielplatz, Beachvolleyball, Grillmöglichkeit nach vorheriger Anmeldung

– begrenzte Parkmöglichkeiten

Tiroler See / Schleierhofer See
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

 

PLATZ 5:

Stausee Mulfingen

In der Nähe der neuen Mulfinger Sportanlagen liegt der Mulfinger Stausee mit einer Größe von circa 20.500 m². Auch dieser See darf bei den Top  sechs  nicht fehlen, da er an heißen Sommertagen nicht nur für Mulfinger eine sehr gute Wahl ist.

 

+ großzügige Liegemöglichkeiten auf beiden Seiten des Sees, Spielplatz in der Nähe, zudem Tennisanlagen und Sportplätze, Möglichkeit zum Grillen, Größe des Sees, ruhige Lage

– Liegemöglichkeiten im Hang

Stausee Mulfingen
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

PLATZ 6:

Railhofer See

Am unteren Railhof befindet sich der 7.000 m² große Natursee, der mit seinem besonderen Charme punktet.

 

+ ruhige, idyllische Atmosphäre, Holzhütte mit Sitzmöglichkeiten, Liegewiese

– keine WCs, Umkleiden, Duschen

Railhofer See
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny

 

INFO: Die Wasserqualität aller 13 Hohenloher Badeseen stets im Blick: Das Gesundheitsamt untersucht die Gewässer während der Badesaison regelmäßig auf Fäkalkeime. Folgende Daten werden erhoben: Wassertemperatur, PH-Wert und Sauerstoffgehalt. Auf: www.hohenlohekreis.de. Auskünfte hierzu auch unter 07940/18 580.

 




Traumberuf oder teures Hobby?

// Schwanger werden ist nicht schwer, Hebammen-suche dagegen sehr

// teure Versicherungsbeiträge machen es den Hebammen nicht leicht.

Corinna Baumann aus Ailringen erwartet im September ihr zweites Kind. Sie blickt optimistisch in die Zukunft, denn schon bei der Geburt ihrer Tochter Nele im Dezember 2014 fühlte sich sich sehr gut betreut. Ihre Hebamme war Margret Benz-Ehrmann aus Weldingsfelden. Und auch dieses Mal wird sie wieder an ihrer Seite sein. Dass es aber momentan nicht einfach ist, eine Hebamme zu finden, weiß Corinna. „Weil ich die Problematik kannte, habe ich schon in der sechsten Schwangerschaftswoche bei meiner Hebamme angerufen“, sagt sie. Jessica Layer aus Amrichshausen bekommt im Spätsommer ihr drittes Kind. Sie wusste ebenfalls, dass sie sich zeitig bei ihrer Wunsch-Hebamme Jutta Zugelder melden muss. In ihrem Umfeld hört die junge Mutter immer wieder von Frauen, die sich bei der Hebammen-Suche schwer tun.

„Viele haben nicht das Glück, dass die erste Hebamme Zeit hat“, berichtet sie. „Eine Bekannte aus Öhringen hatte bis zur 16. Woche noch keine Hebamme gefunden. Jetzt hat sie eine, die eigentlich schon in Rente ist.“  Im Kocher- und Jagsttal ist das Angebot an Hebammen derzeit begrenzt. Das beunruhigt auch Jutta Zugelder: „Ich sehe niemanden, der nachkommt.“ Die Gründe liegen auf der Hand: Hohe Versicherungsbeiträge schrecken ab. Der Klinikalltag ist anstrengend. Hinzu kommen intensive Nachsorgen, die einem die letzte Zeit rauben. Aktuell schwirrt ein weiteres heikles Thema durch die Nachrichten, das die Arbeit von Beleghebammen erheblich einschränken könnte. Es ist unter anderem vorgesehen, dass sie im Schichtdienst nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Das heißt: Eine Beleghebamme betreut zwei Schwangere im Kreißsaal. Sie nimmt der einen Blut ab, die andere wird an ein CTG angeschlossen. Kommt nun eine dritte Frau mit Wehen, darf diese nicht behandelt beziehungsweise abgerechnet werden. Die Beleghebamme kann die Schwangere nun entweder abweisen und weiterschicken oder aber die Patientin bezahlt die Behandlung selbst. Das klingt kurios? Das ist es auch, denn diese Regelung soll unabhängig des Betreuungsgrads gelten. Hebammenverbände schlagen Alarm. Es laufen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, den Vorsitzenden der Krankenkassen. Eine Schiedsstelle wurde eröffnet. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Natalie Carle, gebürtig aus Ingelfingen, arbeitet seit anderthalb Jahren als freiberufliche Beleghebamme in Regensburg. Um ihren Berufsstand macht sie sich große Sorgen: zum einen wegen den immensen Haftpflicht-Versicherungsbeiträgen von aktuell mehr als 7.000 Euro pro Jahr, zum anderen aufgrund der geplanten Vorschriften für Beleghebammen. „Geboren werden braucht Zeit, Raum und Ruhe“, meint die motivierte junge Dame, die sich eine sichere und planbare Zukunft wünscht. Von dieser ist sie weit entfernt. Sie überlegt, ob sie studieren soll.

Über die Missstände, die aktuell im Kreise der Beleghebammen herrschen, ärgert sich auch Natalie Carles Mutter Martina. Gemeinsam mit ihrer zweiten Tochter Isabelle zeigte sie in den letzten Wochen großen Einsatz im Kochertal, klärte über die aktuelle Situation auf und sammelte über 500 Unterschriften, zum Beispiel in Kindergärten. „Auch vor der BAGeno in Ingelfingen stand ich“, berichtet sie. Zusammen mit einem Brief ging die Unterschriftenliste Anfang Mai an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Hebamme Natalie Carle bringt es auf den Punkt: „Der Beruf ist wundervoll, erfüllend und toll. Aber die Bedingungen machen es schwierig.“ Doch es gibt auch Unterstützung: So können Beleghebammen einen Haftpflichtausgleich beantragen, den sogenannten Sicherstellungszuschlag. Gerüchte, dass die Öhringer Beleghebammen vom Hause einen Ausgleich bekämen, wurden entkräftet. Benz-Ehrmann, die bis vor einem Jahr noch selbst dort tätig war, erklärt: „Es gibt Bonuszahlungen. Diese sind für Arbeiten, die nicht zum normalen Tätigkeitsfeld einer Hebamme zählen: aufräumen, putzen und so weiter.“

Neben der Betreuung während einer Geburt bieten Hebammen Geburtsvorbereitungskurse an. Diese erfreuen sich großer Beliebtheit und sind meist schnell ausgebucht. Rückbildungskurse waren in den letzten Monaten rar, denn sowohl Hebamme Jutta Zugelder als auch Physiotherapeutin Simone Brandt standen nicht zur Verfügung. Zugelder zog sich nach 22 Jahren, in denen sie Rückbildungskurse anbot, zurück. Brandt verabschiedete sich in den Mutterschutz. Die Physiotherapiepraxis Rauch aus Niedernhall versucht, die jungen Mütter aufzufangen. Die Meinungen über die Qualität der Rückbildung dort gehen auseinander. Mit an Bord ist mittlerweile auch Michaela Erb, eine anerkannte Sport- und Gymnastiklehrerin mit der Zusatzqualifikation Sporttherapeutin. Sie hat sich in den Bereichen Rückbildungstraining, pränatales Training und Beckenbodentraining fortgebildet und bietet eine bunte Vielfalt an Kursen an: Fit mit Baby oder buggyFit sind nur zwei Beispiele.

Hoffnung auf Nachwuchs macht indes auch die neue Hebammenschule in Heilbronn.

 

// Fotos: GSCHWÄTZ/Isabell Kähny