Bayer: „Die ziehen einem das letzte Hemd aus“
Vor einigen Wochen liest Manuel Bayer im Gschwätz von einer alleinerziehenden Mutter, der von Hartz IV nicht viel bleibt, wenn sie arbeitet. Sowieso geht es in den Medien (fast) immer nur um alleinerziehende Mütter, stellt er immer wieder fest – Mütter, die mit Ach und Krach über die Runden kommen – oder eben nicht. Doch was ist mit den alleinerziehenden Vätern?, fragt sich Bayer. Warum berichtet niemand über sitzen gelassene Männer, die am Existenzminimum leben, weil sie für ihre Kinder eine große Summe an Unterhaltskosten abdrücken müssen? „Wer fragt mal einen Vater?“, will Manuel Bayer aus Niedernhall wissen.

Manuel Bayer im Café Auszeit in Künzelsau beim Gespräch mit GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ
Der Rosenkrieg folgt
Aus diesem Grund wendet er sich an unser Magazin und erzählt von seinem Alltag mit vier Kindern: von Höhen und Tiefen, von Freude und Schmerz. Seine Geschichte berührt. Man bekommt Gänsehaut, wenn er sagt: „Ich habe vier süße Kinder“ oder „mein Haus und meine Tür sind immer offen“. Es ist die Geschichte eines Vaters, der drei Töchter im Alter von heute 18, 16 und 12 Jahren sowie einen neunjährigen Sohn hat. Die vier Kinder stammen aus einer einst glücklichen Beziehung: Heirat, Hauskauf, Familienleben. Doch dann wird die Idylle getrübt, es kommt zu Konflikten, die Scheidung ist unabwendbar.
Ein Rosenkrieg folgt, die einstige Liebe ist verflogen. Mitten im Scheidungsdrama stehen die vier gemeinsamen Kinder. Sie bleiben bei der Mutter und leben weiterhin im gemeinsamen Haus. Der Vater muss ausziehen, kommt bei Freunden unter. Eines Tages bringt die Mutter die älteste Tochter, damals 14 (heute 18) Jahre, zum Vater. Sie soll fortan bei ihm wohnen. Zunächst ein Schock für alle Beteiligten. Doch der Vater meistert seine Aufgabe – trotz Fulltime-Job als Hausmeister an der Georg-Fahrbach-Schule in Ingelfingen.
1.200 Euro zum Leben
Das Vater-Tochter-Gespann harmoniert – wären da nur nicht die ständigen Geldsorgen. Der heute 47-Jährige bedauert: „Ich habe nur noch knapp 1.200 Euro monatlich zum Leben.“ Mehrere hundert Euro Unterhalt monatlich bezahlt er seiner Ex-Frau für die drei bei ihr lebenden Kinder. Nach Abzug von Miete, Wasser, Strom, Versicherungen, Scheidungskosten und Lebensmitteln bleibt nichts mehr über. Obwohl bei ihm auch ein Kind lebt, bekomme er keinen Cent. Wer nun denkt, der Unterhalt wird weniger, da der Vater selbst eines der Kinder großzieht, der irrt. Die Summe bleibt gleich, sagt Manuel Bayer. Und es kommen stets weitere Kosten auf den Familienvater zu. Er kümmert sich jedes zweite Wochenende um den Nachwuchs. Auch in den Ferien sind die Kinder zur Hälfte bei ihm. In dieser Zeit will er nicht nur zu Hause sitzen, sondern seinen Sprösslingen etwas bieten. Doch mit welchem Geld?
„Da ist dann Halligalli in der Küche“
Freizeitaktivitäten hält er so günstig wie möglich. Kreativität ist gefragt. Mit den Kindern kocht und backt der Familienvater gerne. „Da ist dann Halligalli in der Küche“, erzählt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Bei Mehl-Partys geraten die Sorgen des Alltags in den Hintergrund. Außerdem gehen sie Fahrradfahren, sind viel am Kocher unterwegs und im Sommer im Freibad in Niedernhall. Für das Freibad haben sie eine Saisonkarte, gesponsert von den Großeltern. Ohne regelmäßige Finanzspritzen könnte Manuel Bayer den Alltag nicht meistern. Doch er beteuert: „Ich kämpfe mich durch.“ Es gibt aber auch Zeiten, in denen er mit sich hadert. „Wie es läuft, so läuft es halt im Leben“, philosophiert er. „Die ziehen dir das letzte Hemd aus.“

Manuel Bayer beim Bogenschießen mit Sohn Paul. Foto: GSCHWÄTZ
„Heiraten würde ich nie wieder“
Manchmal ist er traurig darüber, keine funktionierende Familie zu haben. „Wenn du eine intakte Familie hast, kannst du Probleme kompensieren“, schwärmt er. Hiervon ist er mittlerweile weit entfernt, dennoch hat er mit seiner Ex-Frau aktuell wieder ein besseres Verhältnis. „Wir verstehen uns gerade wieder gut“, sagt er nüchtern. Auch wohnt Manuel Bayer wieder im einst gemeinsamen Haus, aus dem die Frau ausgezogen ist. Sie wohnt bei ihrem Lebensgefährten, hat in der Zwischenzeit noch ein Kind bekommen. Alleine kann der Familienvater das Haus jedoch nicht halten. Seine Eltern greifen ihm unter die Arme, er wohnt nun zur Miete. Aus der Vergangenheit hat er seine Schlüsse gezogen. „Heiraten würde ich nie wieder“, ist er sich sicher. „Da bin ich geheilt“, fügt er hinzu. Und er kommt zu dem Schluss: „Finanziell geht es den Frauen besser als den Männern.“
Unterhaltspflicht:
Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes des Hohenlohekreises, erklärt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage die Unterhaltspflicht: „Rechtlich gesehen sind Eltern, also sowohl Vater als auch Mutter, ihren Kindern zu Unterhalt verpflichtet. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, hat seine Unterhaltspflicht aufgrund von Pflege, Erziehung und Betreuung eines Kindes erfüllt, er leistet den so genannten Betreuungsunterhalt. Der andere Elternteil muss seinen Unterhalt als Geldzahlung leisten, das heißt, er schuldet den so genannten Barunterhalt. Die Höhe dieser Zahlung regelt die Düsseldorfer Tabelle. Die Tabelle baut auf dem gesetzlichen Mindestunterhalt nach Paragraph 1612a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auf und ist gerichtlich anerkannt. Die Höhe des Unterhalts hängt vom Alter des Kindes und dem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen ab. […] Alleinerziehende, die keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten, können beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss beantragen. Diese Regelung soll in erster Linie den Elternteil entlasten, bei dem das Kind lebt. Die Ansprüche des Kindes gehen daher auf den Staat über, der diese Ansprüche beim Unterhaltspflichtigen zurückfordern kann.“
Quelle: Antwort des Landratsamtes auf eine Presseanfrage von GSCHWÄTZ


















