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Die Irrungen und Wirrungen des Herrn Braun

Nun sind wir an diesem Punkt der Debatte angelangt, der noch 2020 Kopfschütteln in Deutschland ausgelöst hat, als Isreal die Impflicht quasi durch die Hintertür eingeführt hat, indem Geimpfte ihre Grundrechte zurückbekommen.

Nur noch ins Kino, wenn man vollständig geimpft ist

Nun, nur ein Jahr später, wird auch in Deutschland heftig darüber diskutiert, ob Geimpfte ihre vollständigen Rechte wiederbekommen und Nicht-Geimpfte eben nicht. Konkreter gesagt: Ab Herbst 2021 dürften dann nur noch vollständig Geimpfte ins Restaurant oder ins Kino gehen. Alle anderen können dann im wahrsten Sinne nur noch in die heimische Röhre schauen. DiesenVorschlag hatte unlängst etwa Kanzleramtsminister Helge Braun gemacht.

Urlaub ist für Familien derzeit schon ein Pokerspiel angesichts der drohenden Quarantäne

Was bei der ganzen Diskussion aber völlig vergessen wird, sind die Familien mit Kindern unter 12 Jahren, für die es noch keine adäquate Impfung gibt. Hier wird sogar der Urlaub schon problematisch, weil sie durch steigende Inzidenzen immer häufiger wieder gezwungen werden, einen nicht gerade angenehmen PCR-Test über sich ergehen zu lassen, wenn nicht sogar in Quarantäne nach dem Urlaub zu müssen. Ergo verzichten viele Familien lieber freiwillig auf ihren wohlverdienten Urlaub.

Ausschluss von kulturellen Veranstaltungen

Nun droht ihnen auch noch der Ausschluss aus kulturellen Veranstaltungen und Restaurantbesuchen. Was ist das für ein Signal, das hierzulande immer mehr gesendet wird?

Politische Sommerpause müssen für adäquate Schulkonzepte genutzt werden

Warum nutzen Politiker nicht die Sommerpause mit den niedrigen Coronazahlen, um sich für die kommende vierte Welle im Herbst / Winter 2021 / 2022 zu rüsten? Seit Monaten ist klar, wohin es gehen muss: Weg von der Kopplung der stark schwankenden Inzidenzen mit der Schließung sämtlicher Läden und Schulen. Hin zu einer Fokussierung auf den Schweregrad der Coronaerkrankungen, also eine Verschiebung des Fokusses auf die Intensivbettenbelegung. Denn: Viele haben Corona, aber keinen schweren Verlauf. Dabei sind Kinder keine Treiber von Coronaverbreitungen, im Gegenteil. Als die Schulen offen waren, waren die Ansteckungen überschaubar. Was nun hinzu kommt: Alle Lehrer, die geimpft werden wollten, konnten sich impfen lassen.

Erneute Schulschließungen wären fatal

Es wäre fatal, die Schulen noch einmal über einen so langen Zeitraum zu schließen und wieder ins homeschooling zu gehen. Es muss möglich sein und es ist auch möglich, die Schulen bei einer vierten Welle offen zu lassen. Und auch Deutschland sollte bis September 2021 so weit entwickelt sein, nicht wieder die Stoßlüften-Methode anwenden zu müssen, sondern adäquate Raumlüfter für die Klassenzimmer bereitzustellen. Für die Lufthansa-Corona-Subvention hatte man schließlich auch Millionen übrig.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Das kostet auch einfach viel Geld, diese ganzen Kontrollen und Hygienemaßnahmen zur Verfügung zu stellen“

Da stehen wir nun am großen Biergarten an der Burg Stettenfels, die Tische sind in greifbarer Nähe, die Aussicht ist atemberaubend, nur reingelassen werden wir nicht. Vor uns der Eintrittstisch und eine Mitarbeiterin, die uns erklärt, dass unsere Schnelltests, die wir, zwei Erwachsene und fünf Kinder, vorzeigen, zu alt sind, um Einlass begehren zu können. Um genau zu sein: zwei Stunden zu alt. Am Vortag wurden wir gegen 13 Uhr negativ auf Covid-19 getestet, einen Tag später stehen wir gegen 15 Uhr am Biergarteneingang.“Das ist ein Scherz“, fragen wir? Keineswegs.

Gleich neben dem Eingang steht ein Testzelt

Zum Glück arbeitet dieser große Gastronomiebetrieb mit einem Testunternehmen zusammen, dass gleich neben dem Tisch mit der Mitarbeiterin ein Zelt aufgebaut hat und hier reihenweise gewillte Besucher:innen testet. Aber unsere Kinder im Alter zwischen sieben und 12 Jahren sind alles andere als begeistet, als es heißt: schon wieder testen. Eines der Kinder verweigert sich komplett. Was also tun? Ein Mann, der ebenfalls in der Schlange zum Testen steht, rät: „Lasst den Jungen im Auto und geht alleine rein.“ Die Mama das Jungen schaut ihn ungläubig an. Eine andere Familie hat da mehr Verständnis und kennt das Problem.

Eines der Kinder verweigert sich komplett

Andere Szene, ebenfalls ungläubige Augen. Pimps Biergarten am Kocherfreibad öffnet ebenfalls wieder, auch unter Coronabedingungen. Der Chef hat das Biergartengelände eingezäunt, am Eingang hängt ein Schild, das nur Genesene, Geimpfte oder Getestete Zutritt erhalten. Einige Besucher:innen stehen davor und sind nicht getestet. Das Problem: Nicht bei jedem Biergarten ist eine Teststation direkt ums Eck. Was also tun? Da bleibt nur, Sachen zum Mitnehmen bestellen oder zum Baumarkt in Künzelsau fahren, da gibt es eine Schnellteststation, die den ganzen Tag geöffnet hat. Die Teststation in der Innenstadt hat nur vormittages geöffnet.

Die kleineren Gastronomen haben das Nachsehen

Die Inhaberin / Betreiberin der Burg Stettenfels, Anja Weimar, erklärt, dass ihre Teststation auch nur bei ihnen testet, weil sie ein sehr hohes Besucheraufkommen zu verzeichnen haben: „Man braucht einen offiziell bestellten Tester. Wir haben zum Glück einen Partner gefunden. Dieser muss auch eine Genehmigung haben. Man kann sich auch selbst dafür qualifizieren lassen, aber da gibt es sehr hohe Hürden. Man braucht auch eine medizinische Ausbildung dafür.“

GSCHWÄTZ: Das heißt, sie bezahlen das Ganze auch aus eigener Tasche?

Weimar: „Nein, die Betreiber suchen sich gute Standorte aus, wo sie das dann durchführen können. Weil wir hier hoch frequentiert sind, lohnt sich das, hier eine Teststation aufzubauen. Das lohnt sich für einen kleinen Gastronomen weniger und dadurch hat es der kleinere Gastronom wesentlich schwerer, um die Leute dann in seinen Betrieb zu bekommen.“

GSCHWÄTZ: Aber Sie haben trotzdem einen Mehraufwand, oder?

Weimar: „Wir sind sehr froh, dass wir wieder aufhaben dürfen. Aber das ist für uns ein großer Aufwand, alles zu organisieren. Wir brauchen zusätzliches Personal, um die ganzen Regeln zu kontrollieren. Wir müssen uns täglich informieren, wie die aktuellen Regeln gerade sind. Wir haben auch sehr viele Menschen, die mit viel Unverständnis kommen und enttäuscht sind, dass der Eintritt zu uns nicht so ganz einfach ist, das man einen Impfausweis vorlegen muss, eine Bescheinigung, genesen zu sein oder ein aktuelles Ergebnis eines Schnelltests“, das nicht älter sein darf als 24 Stunden. „Glücklicherweise haben wir eine Teststation am Eingang, so dass die Menschen, die noch keinen Test gemacht haben, hier die Möglichkeit haben, sich testen zu lassen. Aber das bedeutet auch wieder, Wartezeit mitbringen. Aber wenn man dann mal bei uns drin ist, dann hat man seine Ruhe und kann relaxen.“

„Wir brauchen zusätzliches Personal“

Warum wir mit unseren 26 Stunden alten Schnelltestergebnissen nicht reinkommen, obwohl wir bei anderen Stellen zuvor bereits reingekommen sind, erklärt Weimar so: „Das sind unsere Vorschriften und die werden auch sehr streng kontrolliert. Wir halten uns da auch ganz genau an die Vorschriften.“

„Wir halten uns ganz genau an die Vorschriften“

GSCHWÄTZ: Wie werden sie kontrolliert?

Weimar: „Wir werden zum einen vom Ordnungsamt gebrieft, wie wir uns zu verhalten haben. Es kann sein, dass Prüfungen kommen, aber bislang hatten wir das hier vor Ort noch nicht.“

GSCHWÄTZ: Freuen sich die Besucher:innen, endlich wieder die Gastronomie nutzen zu können?

Weimar: „Viele, die kommen, freuen sich tatsächlich sehr. Die nehmen das auch gerne in Kauf, ein bisschen warten zu müssen. Was natürlich schade war: dass man mit maximal zwei Haushalten zusammensitzen durfte mit maximal 5 Personen. Das hat natürlich die Menschen abgehalten, die mit Freunden und größeren Gruppen weggehen wollten. Und es gibt auch einfach die Menschen, denen das alles zu kompliziert und zu umständlich ist.“

GSCHWÄTZ: „Und es gibt ja auch so eine Art Zweiklassengesellschaft. Zum einen diejenigen, die schon zweimal geimpft sind und zum anderen Kinder etwa, die aktuell noch nicht geimpft werden können und ständig diese Tests machen müssen.

Weimar: „Ab Montag, den 07. Juni 2021, wird ja die Impfpriorisierung aufgehoben und dann kann sich jeder um einen Termin bemühen. Allerdings einen Termin zu bekommen, das ist ja bekanntlich schwer.“

GSCHWÄTZ: Aber für die Gastromen ist nun sicherlich erst einmal wichtig, dass es wieder aufwärts geht, oder?

Weimar: „Ja, es liegen sehr harte Monate hinter uns. Für den Betrieb selbst und vor allem auch für die Mitarbeiter, die nicht mehr arbeiten durften, die in Kurzarbeit waren und wir sind alle froh, wieder arbeiten zu dürfen, auch unter diesen Bedingungen und hoffen natürlich, dass die Bedingungen bald einfacher werden – für die Gäste und für uns. Das kostet auch einfach viel Geld, diese ganzen Kontrollen und Hygienemaßnahmen zur Verfügung zu stellen.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




Künzelsauer Coronapatient springt Tod von der Schippe

Andreas Müller* fehlen ein paar Wochen in seinem Leben. Am 02. November 2020 änderte sich sein Leben schlagartig. An die darauffolgenden Wochen kann er sich nicht mehr erinnern. Seine letzte Erinnerung ist, wie er an diesem von der Herzkatheteruntersuchung in Rothenburg mit dem Taxi zurück nach Hause gekommen ist. Er kann sich nicht mehr daran erinnern, dass er sich abends vor den Fernseher gesetzt hat, dass er ins Bett gehen wollte und erst einmal hingeflogen ist. Er weiß nicht mehr, als er auf die Toilette wollte und in den Flur lief, seine Familie – Müller wohnt in einem Mehrgenerationenhaus – sah ihn wirr herumlaufen und beschloss, den Notarzt zu rufen. Müller weiß auch nicht mehr, dass ihn ein Rettungswagen schließlich nach Öhringen ins Krankenhaus brachte.

Als er aufwacht, kann er sich nicht bewegen und nicht sprechen

Seine ersten Erinnerungen hat er wieder eine Woche vor Weihnachten. Er liegt im Krankenhaus und weiß nicht, warum. Er kann sich nicht bewegen, nicht richtig sehen und sprechen, fühlt sich durch seine Hilflosigkeit dem Klinikpersonal völlig ausgeliefert. Andreas Müller hat Corona. Er liegt auf der Intensiv 1, dann auf de Intensiv 2, dann auf der 3. „Es gab Zeiten, in denen man sich schon abgeschrieben hat“, sagt er, wenn man ihn fragt, ob er in dieser Zeit Angst hatte, zu sterben.

Dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen

Andreas Müller ist 67 Jahre, verheiratet, hat zwei Kinder, Enkel, wohnt bei Künzelsau, war vor seiner Rente 40 Jahre lang als Großhandelskaufmann tätig. Er wird dem Tod ein zweites Mal von der Schippe springen – so wie ein paar Jahre zuvor schon einmal in seinem Leben. Da hatte er Darmkrebs. Doch der Reihe nach.

Er wird dem Tod ein zweites Mal von der Schippe springen

Nach seinem Erwachen kurz vor Weihnachten 2020 liegt noch bis 02. Februar 2021 in mehreren Krankenhäusern, insgesamt vier Monate, in denen er zuerst nach Öhringen gebracht worden ist, dann nach Stuttgart überführt wurde, vom Klinikum Stuttgart ging es ins Katharinenhospital, anschließend in die Rote-Kreuz-Klinik nach Stuttgart, dann zu einer Operation ins Klinikum Esslingen und danach wieder zurück in die Rote-Kreuz-Klinik nach Stuttgart. Abschließend ging es für drei Wochen zur Reha nach Brackenheim.

Mittlerweile ist er wieder zu Hause, ein Beatmungsschlauch versorgt ihn beständig mit Sauerstoff. Der Schlauch ist mehrere Meter lang, sodass er sich in seiner Wohnung relativ frei bewegen kann, ohne ständig eine Sauerstoffflasche mitzunehmen. Am Ende des Schlauchs hängt eine Sauerstoffflasche, die sie hoch ist wie eine Regentonne, nur etwas schmaler im Umfang, dafür umso gewichtiger. Das Gerät steht im Schlafzimmer. Nachts reicht der Schlauch für seine Sauerstoffsättigung nicht aus, dann braucht er eine spezielle Beatmungsmaske, die er über seinen Mund und seine Nase befestigt. Das Gerät ist laut. Seine Frau hört die Geräusche aber mehr als er, da er nachts seine Hörgeräte nicht drin hat, er zählt er und schmunzelt. Da er schon vor seiner Coronaerkrankung ein Schlafapnoe-Gerät hatte, war es für Müller zudem keine große Umstellung.

Ein zirka 20 cm langer Schnitt ziert seit kurzem seinen Körper

Ein zirka 20 cm langer Schnitt, zugenäht und am Vernarben, ziert seit kurzem seinen Körper auf der rechten Seite in Bauchhöhe. Die Ärzte haben sich hier Zugang verschafft zu seinem rechten Lungenflügel, der durch seine Coronaerkrankung stark geschädigt wurde. Ränder mussten entfernt werden. Der Lungenflügel funktioniert nicht mehr richtig. Ob der zweifache Familienvater und Opa jemals wieder ohne Sauerstoffzufuhr wird atmen können, ist fraglich.

Begeisterter Jäger und Sammler

Seit seiner Rente ist Müller begeistert Geocacher, das heißt, er versteckt kleine Schätze für andere Geocacher, die sie finden müssen und sucht auch selbst so genannte Caches, im Hohenlohekreis, aber auch weiter weg, ein Hobby, das auch seine Enkel lieben. Sein Bewegungsradius ist nun jedoch deutlich kleiner geworden. Nach seiner schweren Coronaerkrankung hat er ein Zeitfenster von sechs Stunden, dann sollte er wieder zu Hause sein. Denn: Nur so lange ist Sauerstoff in seiner kleinen portablen Sauerstoffflasche. Das reicht, um etwa zum Arzt nach Öhringen zu gehen oder um fast jeden Tag seine Runde mit dem Rollator durch seinen Wohnort zu laufen. Mittlerweile kann er wieder mehrere Kilometer gehen. Am letzten Tag seiner Reha schaffte er es kaum, seinen Fuß für eine Treppenstufe zu heben.

Wenn er nun Menschen reden hört, die unbedingt in Urlaub wollen in Zeiten von Coronareiseverordnungen, ärgert ihn das. Durch Corona kann er vermutlich nie wieder reisen. Wenn er spazieren geht, holt er seinen Rollator und packt in den Korb vorne rein eine kleine Sauerstoffflasche. Der Sauerstoffschlauch ist immer an seiner Nase.

Nie wieder reisen

Müller wirkt trotz seines ganzen Leidenweges und den Nachwehen zufrieden. Er hadert nicht mit seinem Schicksal. Er akzeptiert es. Das war nicht immer so.  „Anfangs habe ich mich gegen alles gewehrt, auch gegen die Beatmungsmaske im Krankenhaus.“ Bis ein Arzt ihm ins Gewissen redete: „Herr Müller, das ist reine Kopfsache bei Ihnen.“ Danach akzeptierte Müller das Gerät. Ob er je wieder ohne Beatmungsschlauch leben kann, ist ungewiss. „Andreas, wie geht’s denn?“, hat ihn vor kurzem ein Freund gefragt. „Es könnte besser, aber es geht aufwärts“, hat Müller geantwortet.

In vier Monaten hat er im Krankenhaus nur einmal seine Frau gesehen

In den vier Monaten durfte ihn seine Frau nur einmal für eine Stunde und 10 Minuten besuchen. „Ich lag im Bett und hab die Wände angestarrt“, erzählt er. Zwischenmenschlich sei dabei vieles auf der Strecke geblieben. Ausgeliefert habe er sich anfangs dem Krankenhauspersonal gefühlt, da er für jede Kleinigkeit Hilfe brauchte – in einem finanziell eng geschnürten Gesundheitswesen, das nicht gerade glänzt mit viel Zeit, die das Personal für die Patienten übrig hat.

Ein Seelsorger hat ihm die Nägel geschnitten und eine Apfelschorle gebracht

Eine Begegnung hat ihn während seines langen Krankenhausaufenthaltes besonders gefreut und dankbar gemacht. Ein Seelsorger hat ihn im Rote-Kreuz-Krankenhaus in Stuttgart besucht und als er gefragt hat, was er braucht, wie er ihm helfen könne, hat Müller auf seine langen Fingernägel geschaut, die auch nach Wochen keiner geschnitten hat. Da schnitt der Pfarrer seine Nägel und brachte ihm statt Wasser eine Apfelschorle zum Trinken. Für den 67-Jährigen war diese Begegnung so einschneidend, dass er ihm heute noch gerne einmal danke sagen würde für diese kleine Geste der Menschlichkeit.

*Der Name wurde von der Redaktion auf Wunsch geändert. Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Einmal Mexiko und zurück

Die offiziellen Inzidenzzahlen von Mexiko sind um die Osterzeit herum niedriger als in Deutschland. Beim Buchen steht Mexiko auch nicht auf der Liste der Risikogebiete, also auch keine Quarantänepflicht beim Einreisen und beim Zurückkommen nach Deutschland. Die Regeln bei Flugreisen scheinen um die Osterzeit klarer als die Regeln, wenn man in Coronazeiten in Deutschlandurlaub machen möchte. Aber wie ist das Reisen in Coronazeiten wirklich? GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat es an Ostern ausprobiert. Einmal Mexiko und zurück.

Nur weg, aber das ist gar nicht so einfach

Nur weg, das wollen derzeit viele der über 80 Millionen Deutsche. Dem Coronalockdown zumindest für eine paar Tage entkommen, Sonne tanken, baden. In diesen Zeiten, wo man nicht wirklich weiß, was erlaubt ist und sicher – ich sprech hier um den Reisezeitrum um Ostern 2021 – verzichte ich auf eine Onlinebuchung und gehe stattdessen in ein Reisebüro und zwar direkt am Flughafen nach Stuttgart. Denn die müssen sich ja auskennen.

Covid-Reiseversicherung

Ein Ehepaar, denen das Reisebüro gehört, berät mich sehr ausführlich und unaufgeregt und meint: Flugreisen seien auch in dieser Zeit möglich, am besten aber in ein Land, das nicht auf der Liste der Risikogebiete steht und damit auch nicht quarantänepflichtig bei der Rückkehr ist. Die Malediven kämen zu diesem Zeitpunkt in Frage und Mexiko. Die Preise sind ähnlich wie vor Corona. Ich buche einen Allinklusive-Pauschalurlaub (Flug und Reise), was ich normalerweise auch nicht mache, aber coronabedingt erscheint es mir das sicherste zu sein, und buche aber auch ein Covidcarepaket beim Veranstalter, in dem Fall Alltours, mit. Dieses kostet mich nochmal eine dreistellige Summe, aber im Falle dessen, dass ich wegen Corona in irgendeiner Hinsicht nicht nach Mexiko reisen kann oder dort länger verweilen muss, bezahlt in dem Fall die Versicherung die Kosten beziehungsweise ich erhalte den Gesamtbetrag der Reise zurückerstattet. Das ist es mir wert.

Der Test muss bis spätestens Freitag vorliegen, ansonsten kann ich eventuell Samstagmorgen nicht in den Flieger steigen. Ob das klappt?

Das Reisebüropärchen rät zudem, vor zwei Tage vor dem Abflug einen PCR-Test zu machen, sonst kann mir eventuell der Flug mit der Fluglinie AirEuropa verweigert werden. Eine Woche vor der Reise werde ich dann doch etwas angespannt. Was mache ich eigentlich? Ich fliege in einer Pandemie nach Mexiko. Werde ich am Ende in einem mexikanischen Krankenhaus mit Corona zu kämpfen haben? Komme ich erst gar nicht in das Flugzeug, weil ich eventuell einen positiven PCR-Test habe? Apropos Test. Beim Hausarzt zahle ich dafür über 100 Euro, am Stuttgarter Flughafen nur 68 Euro. Als ich auf die Homepage gehe und überlege, wie viel Tage vor dem Flug ich am besten dort hingehe, wenn mein Flug samstags geht, erstarre ich zu einer Salzsäule. Denn: Da ist ja eine Anmeldung verpflichtend und es sind schon fast alle Termine für die kommende Woche gebloggt. Darauf war ich nicht gefasst. Denn einige Monate zuvor musste ich mich für einen Auslandsaufenthalt ebenfalls in Stuttgart testen lassen und da gab es noch keine Anmeldepflicht. Jetzt buche ich den schnellstmöglichen freien Termin für Donnerstag, 15 Uhr. Der Test muss bis spätestens Freitag vorliegen, ansonsten kann ich eventuell Samstagmorgen nicht in den Flieger steigen. Ob das klappt?

Sehr unangenehm, aber was tut man nicht alles für 30 Grad?

Am Donnerstag im Testzentrum direkt neben dem Flughafengebäude angekommen dann die Überraschung: Es gibt einen Gang für angemeldete Testlinge und eine daneben für nicht angemeldete. Na toll, da hätte ich mich gar nicht anmelden brauchen. Es ist auch kaum etwas los. Ich komme in fünf Minuten dran. Am Schalter zeige ich meine Reiseunterlagen und muss danach in eine kleine Kabine. Dort steckt mir dann ein komplett geschützter Mann ein Stäbchen tief in den Rachen und ein weiteres tief in beide Nasenlöcher. Sehr unangenehm, aber was tut man nicht alles für 30 Grad? Das Ergebnis erhalte ich bereits am Vormittag des nächsten Tages. Also auch hier habe ich mir unnötig Sorgen gemacht.

Also habe ich nicht nur den Test umsonst gemacht, sondern sitze auch mit einer voll besetzten Boing über 10 Stunden lang im Flieger, wobei ich vermutlich die einzig PCR-Getestete bin. Fabelhaft.

Vor dem Abflug im Terminal bildet sich eine Schlange. Es herrscht Maskenpflicht, aber anscheinend keine Abstandspflicht. Vor mir ein Pärchen ohne PCR-Test, das in denselben Flieger steigt wie ich. Woraufhin ich die Dame am Schalter von AirEuropa frage, ob es keine PCR-Testpflicht gibt, um mitfliegen zu dürfen? Daraufhin verweist sie mich auf die mexikanische Regierung, die das nicht verlangen würde. Als ich sagte, dass meine Reisegesellschaft Alltours mir aber vorab versichert hat, dass jeder einen PCR-Test für den Flug braucht, zuckt die Dame nur mit den Schultern. Also habe ich nicht nur den Test umsonst gemacht, sondern sitze auch mit einer voll besetzten Boeing über 10 Stunden lang im Flieger, wobei ich vermutlich die einzig PCR-Getestete bin. Fabelhaft.

Man fühlt sich fast sicherer als in Deutschland.

Nach dem Flug bin ich nicht krank geworden. Ich darf mich stattdessen an den warmen Temperaturen freuen und auch über eine konsequentes Covid-Management. Es hat zu diesem Zeitpunkt in Mexiko zwar alles geöffnet, während Deutschlandtief im Lockdown sitzt, aber es gibt ganz klare Regeln. Maskenpflicht herrscht fast überall, Abstandsregeln auch. Aber in Hotels wird wesentlich konsequenter darauf geachtet als an touristischen Stätten. Dort kann es schon passieren, dass man dicht gedrängt in einer Menschenschlange steht. Die Hotelangestellten hingegen (zumindest in dem Hotel, in dem ich war) tragen neben der Maske noch zusätzlich eine durchsichtige Brille für ihren Schutz. Die Koffer werden desinfiziert. An den Eingängen vor den Hotels und den touristischen Attraktionen stehen überall Temperaturmessgeräte. Bei einer erhöhten Temperatur oder Fieber leuchten die betreffenden Personen rot auf.

Unerwartete Quarantäne

Während meines Urlaubes hat die deutsche Bundesregierung Mexiko auch auf die Liste der Risikogebiete gesetzt, weswegen nun eine Quarantäne nach Reiserückkehr in Deutschland ansteht. Aber darüber mache ich mir später Gedanken. Vor Ort muss ich mich erst einmal informieren, wo ich einen Termin machen kann für einen PCR-Test beziehungsweise Antigentest vor dem Rückflug nach Deutschland. Laut der Internetseite der Bundesregierung reicht nämlich auch ein Antigentest für eine Wiedereinreise. Der Vorteil: Diese Tests sind schneller ausgewertet und werden vor Ort kostenlos von dem Hotel angeboten. Für PCR-Tests zahlt man auch in Mexiko pro Person teilweise über 100 Euro, ähnlich wie in Deutschland. Die Tests werden in einem hoteleigenen Konferenzzentrum gemacht. Das geht schnell und reibungslos. Am nächsten Tag erhalte ich das Ergebnis per E-Mail. Das Hotel druckt mir das Dokument aus, das bestätigt, das ich negativ auf Corona getestet wurde mit einem Antigentest. Dieses Dokument muss ich mehrfach am Flughafen in Mexiko vorzeigen sowie während der Zwischenlandung in Madrid. Nur in Deutschland fragt kein Mensch danach.

Ich persönlich fliege nun mit einem besseren Gefühl zurück, weil ich in einer Maschine sitze, in der jeder vorab auf Corona getestet wurde.

Ich persönlich fliege nun mit einem besseren Gefühl zurück, weil ich in einer Maschine sitze, in der jeder vorab auf Corona getestet wurde. Das sollte Standard bei allen Fluggesellschaften weltweit sein und nicht länderabhängig unterschiedlich geregelt. Der Vorteil für die Fluggesellschaften: Auch das Bordpersonal muss keine Angst haben, an Corona zu erkranken wegen kranken Passagieren an Bord. Das wäre für mich im Übrigen auch sicherer als Fluggast.

Zurück in Deutschland will allerdings kein einziger am Flughafenmein Testergebnis bei der Einreise oder andere Coronaeinreiseformulare sehen.

Zurück in Deutschland will allerdings kein einziger am Flughafen mein Testergebnis bei der Einreise oder andere Coronaeinreiseformulare, die ich habe zuvor ausfüllen müssen, sehen. Das wundert mich. Ich komme unkontrolliert in Frankfurt an, marschiere aus dem Flughafen und müsste somit nicht mal in Quarantäne, weil ich vermutlich nirgends erfasst bin. Ich gehe trotzdem vorschriftsmäßig für 5 Tage in Quarantäne und mache danach erneut einen Test. Aber gerade von Deutschland hätte ich mehr erwartet. Da waren die mexikanischen Behörden verblüffenderweise wesentlich strikter organisiert.

 

 

 




Still standing

Seit 1914, also vor über 100 Jahren, soll sich der Muttertag allmählich in der westlichen Welt etabliert haben. Er wird immer am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. In Coronazeiten sind die Mamis meist mehr gefordert wie andere Familienmitglieder – Managerin, Lehrer:in, Arbeitskraft, Ehefrau, Mutter, Hauswirtschafterin. Der Tag, der eigentlich von Frauenbewegungen auf der ganzen Welt forciert wurde, zeigt im Jahr 2021, dass nach wie vor die Lasten zu ungleich verteilt sind. Und es zeigt auch: Nur Frauen können dies ändern und mehr Gleichberechtigung einfordern.

Elternabende, auch digitale, scheinen nach wie vor Frauensache zu sein

40 Augen gucken die Lehrerin an. Allesamt weiblicher Natur. Auch vier männliche Augen sind dabei, die Männer dazu sitzen neben ihren ebenfalls anwesenden Ehefrauen. Der Anblick eines normalen Elternabends in Deutschland. Derzeit sieht man die Anwesenden coronabedingt lediglich per Videochat, aber auch hier ein ähnliches Bild – obwohl die Männer dieses Mal nicht die Ausrede haben, sie müssen auf die Kinder aufpassen, während Frau in die Schule geht. Elternabende scheinen nach wie vor Frauensache zu sein. Zumindest bei uns auf dem Land, im häufig noch stark konservativ geprägten hohenlohischen Kreis. Ob sich in Berlin ein anderes Bild abzeichnet? Man weiß es nicht, man hofft zumindest.

Das Kind muss zu Hause mehr lernen, sagt die Lehrerin zur Mutter – Wo ist eigentlich der Vater in dem Schulkosmos?

Auch bei Lehrer-Eltern-Gesprächen sitzt da häufig die Mutter, die sich anhören darf, was das Kind kann und was man noch üben müsse beziehungsweise die Mami mit ihm oder ihr üben muss. Väter scheinen in diesem wichtigen Kosmos gar nicht zu existieren. Und wenn, dann ist man nachsichtig. In der Hausarbeit freuen sich Frauen bereits über einen Ehemann, der die Spülmaschine ausräumt. Das ist dann quasi ganz nah dran an Gleichberechtigung. In den 1950er Jahren war das noch verständlich, als der Ehemann der Ehefrau noch ihren Beruf vorschlagen durfte, häufig waren sie aber Hausfrau und kümmerten sich um den Haushalt, während ihre Männer arbeiten gingen. Mittlerweile ist das anders. Fast jede/r zweite Uniabsolvent:in ist weiblich. Dennoch: Der Rest des Familienmanagements darf in ländlichen Regionen noch oft die Frau machen.

8 Bälle gleichzeitig jonglieren – auf Dauer unmöglich – aber wer fragt Frau schon?

Die nun fast 1,5 Ausnahme-Jahre in Coronazeiten haben nun Frauen auch noch zu Lehrkräften bestimmt, beziehungsweise war das nur indirekt Corona. Eigentlich waren es Entscheidungen von Politiker:innen, Politiker:innen, die vermutlich mehr männlich als weiblich waren. So hat Frau vorher 7 Bälle gleichzeitig jongliert, nun kam noch ein gewichtiger 8. dazu. Das geht eigentlich gar nicht. Aber es scheint auch keinen wirklich zu interessieren.

Annalena Baerbock als Vorbild

So richtig vertreten fühlen sich viele Frauen nicht in der aktuellen Politik – trotz einer (allerdings kinderlosen) Frau als Kanzlerin. Vielleicht ist daher die aktuelle Begeisterung um Annalena Baerbock so groß, hat sie es doch geschafft, trotz (!, so wird es leider derzeit immernoch häufig geschrieben von männlichen Journalisten) zweier jüngerer Kinder, Kanzlerkandidatin zu werden. Der Ehemann soll zu Hause das Homeschooling am Laufen halten. Ein unrealistischer Traum vieler Frauen in Deutschland und daher schauen auch viele bewundernd (hoffentlich nicht neidisch oder abwertend) auf Baerbock.

Deutschland: Schade, dess es überhaupt eine Frauenquote per Gesetz braucht

Alice Schwarzer und andere Feministinnen – oft belächelt, auch von Frauen – haben vor allem in den 1970er und 1980er Jahren den Weg bereitet, für ein anderes Selbstverständnis als Frau. Denn: Nur, wenn Frau ihre ungleichberechtigte Rolle erkennt, kann sie selbst etwas tun, um ihre Rechte einzufordern – so wie es jüngst geschehen ist mit der Frauenquote. Das, was in anderen Ländern scheinbar wie selbstverständlich funktioniert, braucht in Deutschland ein Gesetz. Schade eigentlich. Aber demnächst muss es zumindest für größere Unternehmen Pflicht sein, einen gewissen Anteil an Frauen in ihren Führungsebenen vorweisen zu können. Dasselbe täte auch der Politik gut.

Daher: Ein Hoch auf die Mamis dieser Welt, die wieder einmal in einer absoluten Weltkrise, die Räder am Laufen halten.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann zum Muttertag 2021.

 




Eine Schande

Es ist einfach nur unglaublich, welches Urteil die Richterin am Amtsgerichts Düsseldorf am Donnerstag, den 29. April 2021, über Christoph Metzelder gesprochen hat. Der ehemalige Fußballstar ist in einem Kinderpornografie-Prozess zu einer Bewährungsstrafe von 10 Monaten verurteilt worden. Da kann der Glaube an unser Justizsystem schon mal ins Wanken kommen.

„Echte Reue“

Die zuständige Richterin begründet ihr Urteil laut dem Spiegel zum einen damit, dass der Angeklagte „echte Reue“ gezeigt hat. Und zum anderen, dass er nun auch in der Öffentlichkeit gebrandmarkt sei.

Tränenreiches Teilgeständnis

Vorausgegangen war tränenreiches Teilgeständnis und Bilder sowie Videos von dem PC des Angeklagten, die unter anderem Kinder zeigen, wie sie vergewaltigt beziehungsweise werden. Eine Zeugin sagte des Weiteren gegen Metzelder aus, nachdem der ehemalige Fußballstar ihr gesagt hat, dass er gerne mit ihr und einer sehr jungen Person Sex haben würde. Vor Gericht nun sagte Metzelder, er sei nicht pädophil. Er sei ja schließlich auch zu keinen Handlungen gekommen. Er weint, seine Stimme wird brüchig. Soll man etwa noch Mitleid mit diesem Mann haben? Ja, er ist hoffentlich gebrandmarkt für eine sehr lange Zeit in der Öffentlichkeit. Aber 1. hat er sich das selbst zuzuschreiben und 2. geht das auch Nicht-Promineten so. Das als strafmildernd gelten zu lassen, ist absoluter Humbug. Zudem: Öffentlichkeitswirksame Inszenierungen sind ehemaligen Fußballstars auch nicht ganz fremd. Inwieweit Metzelder einfach nur sehr gut geschauspielert hat vor Gericht bei seinem Geständnis, ist daher ebenso kritisch zu betrachten.

Das Opfer heißt nicht Christoph Metzelder

Fakt ist: Es sind eindeutig Grenzüberschreitungen hier geschehen und diese passieren nicht einfach so. Jemand hat nicht ohne Grund derartiges Material auf dem PC. Metzelder ist nicht das Opfer in einem medienwirksamen Prozess, er ist  der Täter. Die Opfer sind die Kinder auf den Fotos und den Videos. Und allein für diese jungen Opfer hätte es ein Urteil, zumal von einer Frau gesprochen, bedurft, das wesentlich härter ausfällt als das. Schon allein als Abschreckung für Wiederholungstäter.

Nicht nur die Fotos und Videos, die gefunden wurden, löst einen Würgereiz aus, sondern auch das beschämende Urteil. So beschützen wir in unserem deutschen Rechtsstaat sicher nicht unsere Kinder vor Triebtätern. Aber Hauptsache, es wandern Kiffer wegen Cannabisbesitzes ins Gefängnis.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Symbolfoto. Quelle: adobe stock

 

 




Landrat will beim Landratsamt-Neubau kleinere Brötchen backen

„Unser Landkreis braucht sich nicht zu verstecken“, sagt der Landrat des Hohenlohekreises, Dr. Matthias Neth, bei seiner Wiederwahl am Montag, den 26. April 2021,und verspricht eine  Neugestaltung der Wirtschaftsförderung und des Tourismus – er spricht von der Entwicklung eines eigenständigen Markenkerns. Dabei lenkte er das Thema auch auf das Landratsamt, das schon seit Jahren erneuert werden soll. Bereits sein Vorgänger, Landrat Helmut M. Jahn, wollte das in die Jahre gekommene Landratsamt erneuern.

Das Thema steht schon jahrelang auf der Agenda

Nun steht das Thema auch bei Neth inzwischen jahrelang auf der Agenda. Getan hat sich bislang nicht viel. Die Empörung war bei vielen Bürgern groß, als das Krankenhaus in Künzelsau, weil es zu rote Zahlen schreibe, so der Kreistag, geschlossen wurde, im Gegenzug aber ein neues Landratsamt namens Kreishaus in Künzelsau gebaut werden sollte für rund 100 Millionen Euro.

Künzelsau: Krankenhaus gegen Kreishaus

Zunächst wollte man das alte Landratsamt kernsanieren, dann sollte es ein repräsentativer Neubau neben dem Kaufland sein. Danach sollte es doch direkt neben dem Rathaus neu gebaut werden und auch hier in seiner Größe – so ein Kreisrat in einer Kreistagssitzung – nicht (mehr länger) „das Pförtnerhäuschen“ neben dem Rathaus sein.

„Muss vernünftig sein“

Groß, größer, doch nun, vielleicht im Zuge der Coronapandemie, spricht der neu gewählte Landrat etwas anders über den geplanten Neubau: „Wer als Kreis leistungsfähig sein will, braucht eine leistungsfähige Verwaltung“ – der Bau des Kreishauses müsse allerdings vernünftig sein und zu Hohenlohe passen.“ Oha. Das lässt aufhorchen. Vernünftig sein, das hört sich fast so an, dass man nun doch mehr auf die finanzielle Komponente schauen möchte in Zeiten, in denen die Politiker (und auch der neue Landrat)  die Bürger auf Verzicht und Zusammenhalt einschwören – ein sicher sinnvoller Gedanke.

Das lässt aufhorchen

Nun bleibt es abzuwarten, ob der Neubau des Kreishauses tatsächlich noch einmal in seiner Großartigkeit überdacht und mit einem etwas kleineren Budget gestemmt wird.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

Landrat Dr. Matthias Neth bei seiner Wiederwahl am Montag, den 26. April 2021. Foto: GSCHWÄTZ




„Ihr müsst Angst haben“

Bekannte Schauspieler:innen und Kulturschaffende wollen mit ironischen Videos einen kritischen Diskurs über die Coronaverordnungen anregen und werden sofort angegriffen. Jan Josef Liefers und Heike Makatsch ruderten sofort zurück. Andere taten es ihnen gleich.
Schade eigentlich. Denn zeichnen nicht genau solche Beiträge eine Demokratie aus?
Ironische Beiträge

Worum geht es in den Video, die unter anderem auf youtube zu sehen sind?

Bekannte Schauspieler sprechen ironisch eindringlich in die Kamera, unter anderem fordern sie die Bürger:innen auf, Angst zu haben, Angst, vor die Tür zu gehen, Angst vor sozialen Kontkaten zu haben.

Kinder werden anhand von Inzidenzwerten bestraft

Eine Schauspielerin sagt, dass ihre Kinder den Umgang mit Inzidenzwerten lernen sollen. Dafür haben sie nun zu Hause eine Inzidenztafel eingeführt, wenn die Inzidenzwerte überschritten werden gibt es Bestrafungen. Das kann auch ein gestrichenes Abendessen sein. Falls der Inzidenzwert ganz nach oben geht, müssen die Kinder zur Adoption freigegeben werden.

Unlogische Maßnahmen

Die kurzen Clips der einzelnen Schauspieler:innen, die sich aneinanderreihen, sind natürlich ironisch gemeint. Die Schauspieler:innen möchten unter anderem auf die teilweise in ihren Augen desaströse Coronapolitik hinweisen, auf unlogische Maßnahmen und Verordnungen und was diese wiederum auch psychisch bewirken.

Die Schauspieler:innen haben nach der Veröffentlichung massive Kritik, unter anderem auch von Schauspielkolleg:innen wie Nora Tschirner und Jan Böhmermann sowie von zahlreichen Medien einstecken müssen. Die Begründung: Die Clips würden Corona verharmlosen. Daraufhin ließ unter anderem Heike Makatsch ihren Clip wieder entfernen und entschuldigten sich. Das sei nicht Ziel der Clips gewesen. Auch Jan Josef Liefers distanzierte sich ausdrücklich von Querdenkern, die Corona nicht ernst nehmen.

Das Ziel sei lediglich gewesen, einen Diskurs über den Sinn und Unsinn von politischen Entscheidungen im Rahmen der Coronamaßnahmen anzuregen und darauf hinzuweisen, welche Schäden mit der ein oder anderen in ihren Augen wenig zielführenden Verordnung und mit einer Politik der Angst auch angerichtet werden kann.

 




Dieses Schuljahr gehört gestrichen

Was war Deutschland kulant im ersten Coronalockdown zwischen März und Juli 2020. Schüler:innen durften nicht sitzenbleiben angesichts des monatelangen homeschoolings. Neuer Stoff durfte eigentlich nicht im homeschooling vermittelt beziehungsweise musste mindestens von der Lehrkraft im Klassenzimmer wiederholt werden und dann erst durfte er in Klassenarbeiten und Tests abgefragt werden.

Eltern sind nach wie keine ausgebildeten Lehrer:innen

Das ist nun mit dem neuen Schuljahr alles Schnee von gestern. Der Grund: Homeschooling läuft ja nun viel besser als noch im ersten Lockdown, was ja auch durchaus stimmt. Er ist besser organisiert. Dennoch darf man nicht vergessen: Eltern sind nach wie keine ausgebildeten Lehrer:innen. Es gibt nicht ohne Grund ein mehrjähriges Studium hierfür. Immerhin zwischen 3.700 und 3.800 Euro verdienen bade-württembergische Grundschullehrer jeden Monat. Das ist uns die Bildung unserer Kinder wert. Nun sind es aber doch seit über einem Jahr im Wesentlichen die Eltern, die den Kindern den Stoff vermitteln. Im Homeschooling gibt es zwar nun eine Handvoll mehr Stunden Videounterricht in der Woche. Der Großteil des (neuen) Stoffs wird aber weiterhin von den Eltern beigebracht, die auch nach über einem Jahr Lockdown, nach wie vor neben dem Lehrerdasein noch häufig irgendwo anders arbeiten. Also kann der neue Stoff vielleicht nicht so vertiefend erklärt und beigebracht und/oder überprüft werden wie im Klassenzimmer. Geschweige denn, dass nicht jedes Elternteil an den weiterführenden Schulen den Stoff den Kindern erklären kann. Man denke nur an Fächer wie Französisch oder Chemie.

Biildungsschwache und berufstätige Eltern und ihre Kinder haben das Nachsehen

So sind nach wie berufstätige Eltern doppelt belastet und damit benachteiligt, aber auch bildungsschwache Familien, die ihren Kindern nicht so unterstützen können beim digitalen Lernen oder Eltern, die selbst in einem anderen Bildungssystem groß geworden sind. Ein Grundschulkind, das etwa aus einem anderen Land kommt und dessen Eltern beide nicht gut Deutsch sprechen und das vielleicht zu Hause nur ein Zimmer mit seinen Geschwistern zusammen hat, hat schon mal schlechtere Voraussetzungen beim digitalen Lernen, wie ein Kind, das eigenen ruhigen Platz zum Lernen hat, seinen eigenen PC-Zugang, und Eltern, die Zeit und das Wissen haben, alles zu erklären, falls nötig.

Das Resultat: Die Arm-Reich-Schere klafft in einem Land, wo nach wie vor noch häufig die Kinder in die schulischen und beruflichen Fußstapfen ihrer Eltern treten (Vater Arbeiter > Sohn Arbeiter; Vater Akademiker > Sohn Akademiker) noch weiter auseinander. Soziale Unterschiede verfestigen sich.

Dieses Schuljahr noch mehr homeschooling als im vergangenen Jahr

Dieses Schuljahr setzt nun bislang noch mehr auf Homeschooling als das vergangene. Im vergangenen Jahr fand zumindest die erste Hälfte des Schuljahres im Klassenzimmer statt. In diesem aktuellen Schuljahr nun waren es gerade mal ein paar Wochen am Anfang.  Auch in diesem Jahr muss daher das Sitzenbleiben entfallen, zu unterschiedlich sind die Lernbedingungen der Schüler:innen und damit das Gleichheitsprinzip, das gelten sollte.

Lehrer müssen Nachholkurse anbieten

Stattdessen müssen  nun nachmittags, samstags oder in den Ferien Nachholkurse angeboten werden – von den Lehrern. Und zwar flächendeckend. Damit alle Schüler:innen ab September 2021 auf einem annähernd gleichen Niveau starten können.

Klassenarbeiten sind gerade einfach fehl am Platz

Es kann auch nicht sein, dass Kinder monatelang von den Eltern zu Hause unterrichtet werden und, sobald sie ein paar Tage in die Schule dürfen, dieses neu gelernte Wissen in Tests und Klassenarbeiten abgefragt und benotet wird. Zuerst muss wieder ein normaler Unterricht stattfinden mit einer Wiederholung des zu Hause gelernten Stoffes. Erst dann dürften Noten vergeben werden. Wir befinden uns aber aktuell in einer absoluten schulischen Ausnahmesituation, wo Tests und Klassenarbeiten einfach fehl am Platz sind.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Tut das weh?

Eventuell soll ein Unterricht im Klassenzimmer in Baden-Württemberg ab Montag, den 19. April 2021, wieder möglich sein. Voraussetzung sind wie gehabt geringere Covid-Fallzahlen als bislang und eine ausgeklügelte Corona-Teststrategie. Beides ist bislang noch nicht vorhanden. Daher geht es ab Montag, den 12. April 2021, auch erst einmal für eine Woche wieder ins homeschooling, bis möglichst viele Fragen geklärt und hoffentlich die Fallzahlen niedriger sind.

Wie soll das genau ablaufen?

Schulleiter, Lehrer und Eltern rätseln bislang, wie die Coronateststrategien genau funktionieren sollen. Geplant sind regelmääßige Testungen von Schüler:innen, bevor sie am Unterricht teilnehmen. Derzeit ist es nicht ungewiss, ob es genügend Coronaschnelltests für alle Schulen flächendeckend zur Verfügung stehen. Wenn das der Fall sein sollte, dann soll voraussichtlich erst einmal bis Pfingsten an Schulen regelmäßig getestet werden. Derzeit ist eine zweimalige Testung für Schüler:innen angedacht. Warum nicht jedne Tag gestet wird, liegt möglicherweise an zu wenigen Schnelltests, die zur Verfügung stehen, oder an zu hohen Kosten.

Verpflichtende Tests durch die Hintertür

Diverse Eltern und Lehrer bemängeln daher auch hier die inkonsequente Politik. Sie sagen: Wenn schon Tests, dann bitte verpflichtend und täglich. Ansonsten sei es wieder mal nur ein Flickenteppich. Verpflichtend sind die Tests aber eigentlich schon, zumindest durch die Hintertür. Denn wer sein Kind nicht testen lassen möchte, muss es weiterhin im homeschooling unterrichten.

Zuhause oder in der Schule testen? Klar ist bislang wenig

Der Flickenteppich wird vermutlich dadurch noch vergrößert, dass wieder einmal jede Schule die Umsetzung der Landesvorgaben selbständig tätigen kann, etwa, ob die Tests zu Hause durchgeführt werden (wie in Künzelsau zum Beispiel), damit sich das Virus erst gar nicht auf den Schulweg machen kann, oder in den Einrichtungen direkt (wie etwa in der Kita in Niedernhall, weil der Bürgermeister sichergehen möchte, dass die Tests richtig angewendet werden).

Kann man beim Testen auch etwas kaputtmachen in der Nase?

Die nächste Frage: Kann man mit der Selbstdurchführung dieser Tests auch etwas kaputtmachen in der Nase? Geschweige denn, dass diese PCR- und Antigentests höchst unangenehm sind und auch wehtun können. Besser wären in den Schulen und Kitas in jedem Fall der flächendeckende Einsatz von Lutschtests, die bereits entwickelt worden sind für Kinder. Warum diese nicht zur Anwendung kommen (zu teuer?), darüber wurde bislang nicht gesprochen.

Zielgerichtetes Testen durch Fiebermessstationen

Einfacher wären auch Fiebermessstationen, die es bereits in diversen anderen Einrichtungen gibt und die sofort darauf hinweisen, ob jemand eine erhöhte Temperatur hat. Das wäre zwar kein Coronatest, aber doch ein erster Hinweis für ein zielgerichtetes Testen.

Eins ist zweifelsfrei klar: Wenn flächendeckend alle Schüler:innen getestet werden, schießen die Fallzahlen vermutlich wieder in die Höhe. Und das bewirkt? Richtig. Die nächste Homeschooling-Runde. Und eine weitere Doppelbelastungsrunde für jede berufstätige Mutter.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann