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„Wenn ich noch einmal das Wort ,klimaneutral‘ höre, übergebe ich mich“

Ikea wirbt bezüglich Klimeutralitität mi seinen aus Spanplatten gefertigten Schränken. Da heißt es unter zum Beispiel beim Besta-Regal: „Durch die Verwendung einer Hartfaserplatte mit einer Spanplatte als äußerer Schicht und einer Papierfüllung in Wabenstruktur bei diesem Produkt benötigen wir weniger Holz pro Produkt. Auf diese Weise schonen wir die Ressourcen besser.Wir möchten einen positiven Einfluss auf den Planeten haben. Deshalb wollen wir, dass bis 2030 alle Materialien in unseren Produkten recycelt oder erneuerbar sind und auf verantwortungsvolle Weise beschafft werden.

„Ich habe mir daraufhin guten Gewissens ein Ikea-Bücherregal gekauft“

Ich habe mir daraufhin guten Gewissens ein Ikea-Bücherregal bestellt. Beim Aufbau wurde mir dann erklärt, dass Ikea ja ziemlich in die Kritik geraten sei mit ihrer schlechten Klimabilanz bei den Möbeln. Stand auf der Ikea-Internetseite nicht genau das Gegenteil? Ich google das ganze Mal lieber durch. Unter anderem der Business Insider schreibt, dass Ikea eines von insgesamt derzeit 69 Unternehmen ist, die mehr Klimaschutz von der Bundesregierung erwarten und hierfür eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“ fordern. Wieder dieses Wort: Klimaneutralität.

Immer leichter gesagt, als praktisch umgesetzt

Wäre es nicht besser, statt Bäume für neue Möbel zu roden, um dann wieder woanders neue zu pflanzen (=klimaneutral, was an sich auch nicht stimmt, denn ein großer Baum verarbeitet ja wesentlich mehr CO2 als ein kleiner frisch gepflanzter Baum), einfach möglichst so zu leben, dass möglichst keine Bäume wegen meines Konsums mehr gefällt werden müssen?

Nun ist das immer leichter gesagt, als praktisch umgesetzt. Wenn man zum Beispiel ein Haus neu einrichtet, braucht man ja Möbel. Wie stellt man das dann an, damit möglichst keine Bäume deswegen gefällt werden müssen? Ikea sagt unter anderem, dass ihre Spanplatten vereinfacht gesagt, aus Holzresten bestehen. Doch das bezweifeln Kritiker und sagen, dass auch diese Holzreste aus neuem Holz hergestellt werden.

Antiquitätenhändler als Alternative?

Also bleibt das Ikea-Bücherregal das einzige neu Möbelstück. Wir versuchen es mal ein wenig klimafreundlicher und stöbern bei ebay und bei Antiquitätenhändlern nach bereits existierenden Möbeln. Hier steht man vor der logistischen Herausforderung, nicht selten weite Strecken mit dem Hänger irgendwo hingondeln zu müssen, um ein schönes Stück zu erwerben, um dann bestenfalls zum nächsten weiterzufahren. Die CO2-Bilanz ist daher auch hier eher mäßig.

Nett und freundlich Bäume roden – warum nicht gleich darauf verzichten?

Neue Möbel, trotz grünem Siegel, wie auch oft bei otto.de derzeit angepreist, sind etwas teurer als Möbel ohne diesen grünen Stempel, aber nur unwesentlich. Das Problem dabei: Auch hier bedeutet klimaneutral oft nur, dass das verwendete Holz aus nachhaltigem Anbau kommt. Aber trotzdem sind es Bäume, die gefällt werden und Flächen, die nur für den Plantagenbau herangezogen werden. Monokulturen sind aber alles andere als gut für die Natur. Ganz egal, wie nachhaltig dies geschieht. Besser wäre es, wenn man gar keine Bäume dafür fällt und so wenig wie möglich in die Natur eingreift. Die Argumentation erinnert dabei ein wenig an Bioeier von glücklichen Hühnern, die am Ende doch auch gegessen werden. Warum also nicht gleich darauf verzichten? (Ich bin keine Veganerin, wohlgemerkt, aber ich finde es durchaus erstrebenswert so zu leben).

Altholz-Möbel: teuer, aber schöne Idee

Also weiter geht es auf der Suche nch einem guten Gefühl beim Möbelkauf. Ich stoße auf einige hübscher Möbelstücke, gefertigt aus Altholz, etwa aus alten Booten aus dem indonesischen Raum. Sprich: bereits vorhandenes, recyceltes Holz. Die Möbelstücke sind nicht billig und die bunt angestrichenen Hölzer gefallen auch nicht jedem, aber die Idee mit dem Altholz finde ich gut und ich kann hier aus einer Hand mehrere Möbel bestellen. Dadurch sinkt zumindest etwas meine CO“-Bilanz (an die Überfahrt der Hölzer nach Europa denken wir jetzt mal nicht).

Alte Möbel aufpeppen: persönliche Note

Was natürlich immernoch die beste Variante ist, um die eigene CO-Bilanz nicht in die Höhe zzu treiben: Second-Hand-Möbel aus der unmittelbaren Umgebung nehmen und bei Bedarf einfach aufhübschen. Von den Vorbesitzern unseres Hauses haben wir ein paar mehr oder weniger antike Stücke übernommen. Eine alte Holztruppe haben wir etwa weiß gestrichen und mit einem Fischernetz und Muscheln versehen. Einen alten Schuhschrank haben wir shabby gechickt. so bekommt die Einrichtung einen ganz persönlichen individuellen Charme und es ist auch ein tolles Gefühl, selbst etwas geschaffen zu haben. Hierfür musste kein Baum gefällt werden. Und wenn man jetzt noch im Garten 2 Bäume pflant, dann ist man nicht mehr bei klimaneutral angekommen, sondern bei klimapositiv.




Erfahren wir dann am Bahngleis, wer zurückbleiben muss?

Gestern wollte ich zum Frisör gehen. Es war ein Fest für mich. Nicht, weil ich ein besonders emsiger Frisörgänger bin, sondern weil ich seit über einem halben Jahr nicht mehr dort war – Corona sei Dank. Entweder die Frisöre mussten wegen Corona schließen oder sie hatten offen und den nächsten Termin bekam man aber erst Monate später, wenn schon wieder die nächste Coronawelle heranrollte. Nun sollte es also tatsächlich wahr werden. Der Traum von frischen Strähnchen und einem ordentlichen Harrschnitt. Dann kam ein Anruf aus der Redaktion.

Der Traum von frischen Strähnchen

Ob ich denn die nun beschlossene Coronaverordnung kenne, die seit heute gültig ist? Ich bin zwar Journalistin, aber ganz ehrlich, als Geimpfte kann man mir doch sowieso nichts. Ein Lachen am anderen Ende der Leitung. „Du brauchst einen Test, wenn Du jetzt zum Frisör möchtest, auch als Geimpfte.“ Mein Blutdruck beschleunigt sich auf unzählbar, ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich nur noch 3 Minuten von meinem Seelenheil entfernt bin. Bringt ein fehlender Test nun alles zu Fall? „Das kläre ich“, antwortete ich, legte auf und hastete zum Friösör, obwohl ich es heute morgen eigentlich so ganz gemütlich angehen wollte. Brauche ich bei euch seit heute einen Test auch als Geimpfte?

Alles kann morgen schon wieder anders sein

Meine Lieblingsfrisörin schaut mich irritiert an und sagte: „Nein.“ Erleichtert atmete ich durch. Da merke ich, dass ich eigentlich überhaupt keine Ahnung mehr habe, was derzeit an Coronaregeln gelten – weil ich nach fast zwei Coronajahren es einfach leid bin. Es gibt viel zu viele Verordnungen, Ausnahmen, Unterschiede. 3G, 2G, 2G+, 5G-, 8H:. Und alles kann morgen schon wieder ganz anders sein.

Erfahren wir dann am Bahngleis, wer zurückbleiben muss?

Zum ersten Mal in meinem Leben fahre ich der Umwelt zuliebe mit der Deutschen Bahn in den hohen Norden. Die Tickets sind gebucht. Wie schaut es aber jetzt hier mit Zugangsbeschränkungen hinsichtlich Corona aus? Ich bin geimpft, habe aber noch drei ungeimpfte Kinder im Gepäck. Dürfen die nach wie vor mit oder muss ich sie zurücklassen?, frage ich Herr Schmidt, der am Bahnhof in Würzburg arbeitet. Er bekommt gerade täglich haufenweise Anfragen diesbezüglich. sagt er. Bei Kindern weiß er gar nicht wirklich, wie die Sachlage derzeit ausschaut. Auch seine Kollegin, die er während unseres Telefonats fragt, kann dazu nicht viel sagen. Das ist ja doof, sage ich. Dann erfahren wir das erst, wenn wir den Zug in Würzburg besteigen, ob wir alle mitdürfen?, hake ich nach. Im Grunde müsste es reichen, wenn ich alle Schülerausweise dabei habe und zusätzlich noch optimalerweise einen Schnelltest vom Kinderarzt. An diesem Satz stört mich vor allem: „Im Grunde müsste es reichen…“ Denn das besagt eigentlich nichts. Das sind ja mal schöne Aussichten. Vielleicht fahre ich doch mit dem Auto.

Die aktuell gültige Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg (Stand: 25. November 2021) finden Sie hier:

https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/aktuelle-corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/




„Was mich so erschreckt hat: Wie schnell und leicht das ging“

30 Jahre, ungewollt schwanger, alleinerziehend. Damals am Existenzminium lebend. Als Manuela H. (Name von der Redaktion auf Wunsch der Interviewpartnerin geändert. Der richtige Name ist der Redaktion bekannt) bereits in der vierten Woche gefühlt hat, dass sie schwanger war, konnte sie es kaum glauben. Immerhin hat sie mit der Pille verhütet, aber ein Pillenwechsel sei möglicherweise der Grund für die Schwangerschaft gewesen, vermutet sie bei unserem Interview mit ihr zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Der Frauenarzt bestätigt das Gefühl der Hohenloherin, dass sie schwanger ist, mit einem Schwangerschaftstest. Manuela erinnert sich noch gut an diesen Moment: „Ich habe damals erstmal gar nichts gedacht, außer: Scheiße, scheiße, scheiße.“

Der vermeintliche Kindsvater: „Das muss weg“

„Ich bin wahrscheinlich schwanger“ sagt sie zu dem Vater des Kindes, mit welchem sie damals eine Liaison hatte, und wartet auf seine Reaktion. Die kommt prompt: „Das muss weg. Wenn du das wegmachen lässt, bin ich auf jeden Fall für dich da. So sollten wir unsere Beziehung nicht starten.“ 2 Wochen lang wurde Manuela H. vom vermeintlichen Kindsvater unter Druck gesetzt, mal mit Drohungen, mal mit Versprechungen über eine gemeinsame Zukunft.

2 Wochen, um eine Entscheidung zu treffen

Nach zwei Wochen bestätigte der Frauenarzt die Schwangerschaft. Manuela H. hatte zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung, die Schwangerschaft zu beenden, bereits getroffen. Der Frauenarzt hat Manuela gesagt, wo man einen Abbruch durchführen kann. Sie hat sich dann in einer Klinik in Heilbronn vorgestellt. Das war in der neunten Schwangerschaftswoche. Bis zur zwölften konnte sie abtreiben. „Ich fand mich die ganze Zeit furchtbar. Ich fand das schlimm“, sagt sie rückblickend.

Von einer Bekannten hat Manuela gehört, dass es auch Medikamente für einen Schwangerschaftsabbruch gebe, die man einnehmen könne. Aber das sei ihr nicht angeboten worden.

Routine in der Klinik

In der Klinik sei das alles schließlich wie eine traurige Routine gewesen, berichtet die gelernte Industriekauffrau. Dort erhielt sie nach einer Erklärung über den Ablauf des Abbruches einen Termin in 2 Wochen. Zu diesem Termin sollte sie eine Bescheinigung von ProFamilia mitbringen. Der zuständige Arzt informierte auch über die entstehenden Kosten und dass diese vom Bund übernommen werden würde, falls Manuela H. unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegt. Dies sollte sie über ihre gesetzliche Krankenkasse erfragen und gegebenenfalls abwickeln.

„Das fand ich widerlich“

Sie wurde auch darauf hingewiesen, dass falls sie den Termin weniger als 24 Stunden vorher absagen würde und sich somit kurz zuvor gegen den Eingriff entscheidet, sie trotzdem die Kosten des Abbruchs zahlen müsse. Das kann Manuela bis heute nicht nachvollziehen. „Das fand ich widerlich. Da müsste die Klinik das doch fördern nach dem Motto: Sie hat sich für das Leben entschieden.“

ProFamilia hat in ihren Augen versagt

Das als „ergebnisoffen“ deklarierte Gespräch mit Mitarbeiter:innen von ProFamilia in Öhringen sei relativ schnell vorbei gewesen. „Ich habe gesagt: Ich will es [das Kind] nicht.“ Dann hatte ich die Bescheinigung.“ Manuela hätte sich im Nachhinein mehr Nachfragen von Seiten ProFamilia gewünscht, mehr Nennung von Alternativen in ihrer Situation wie Adoption, welche Unterstützung könnte die Familie / Verwandtschaft leisten, wenn sie sich doch für das Kind entscheidet? Doch Fragen bleiben laut Manuela weitestgehend aus. „Es wurde nicht versucht, mich umzustimmen“, bedauert sie heute.

„Ich hätte mehr nachdenken müssen“

Aber hätte es damals wirklich etwas an der Entscheidung geändert? Manuela ist sich sicher: „Ja. Nachfragen und Optionen für andere Möglichkeiten hätten mich zum Nachdenken bewegt. Sätze wie: Die Entscheidung, die du da triffst, beeinflusst dein ganzes Leben‘, hätten mich vielleicht schon nochmal innehalten lassen. In dem Moment war ich mir dessen nicht bewusst, dass mich diese Entscheidung mein ganzes Leben begleiten wird. Es ist nicht: Ah, weg. Und dann ist es aus deinem Kopf draußen. Es holt dich immer wieder ein.“

„Diese Entscheidung begleitet dein ganzes Leben“

Auch ProFamilia hat in ihren Augen versagt. Gerne hätte sie nach dem Abbruch mit jemandem darüber gesprochen, um es zu verarbeiten: „Es wäre schön gewesen, wenn man mir gesagt hätte, das wird schlimm danach, lass uns einen Termin vereinbaren.'“

Handtuch und Bettlaken von zu Hause

Der vermeintliche Kindsvater hat Manuela in die Klinik gefahren. „In der Sekunde dachte ich noch: Er will doch mit mir zusammen sein.“ Morgens vor dem Abbruch hat sie ein Medikament einnehmen müssen, das den Muttermund weich werden lässt. Kurze Zeit später musste sie sich übergeben. Ein Bettlaken und ein Handtuch musste sie von Zuhause mitnehmen, die dreckige Wäsche hat sie danach wieder mit nach Hause genommen. Manuela, auf dem gynäkogolischen Stuhl sitzend, wurde für den Eingriff vollnarkotisiert, der Arzt hat sie nicht vorher gefragt: „Sind Sie sich wirklich sicher?“

10-minütiger Eingriff

10 Minuten hat der Eingriff für Manuela gefühlt gedauert. Der Embryo wurde abgesaugt. Manuela ist im Aufwachraum zu sich gekommen, neben ihr der vermeintliche Kindsvater. Sie bekommt Dokumente für ihren Frauenarzt. Blutungen treten auf und Unterleibsschmerzen.

„In dem Moment war ich erstmal froh, dass es vorbei war“

„Das ganze Ausmaß wird dir erst Wochen, wenn nicht sogar Jahre später bewusst. In dem Moment war ich erstmal froh, dass es vorbei war“, schildert sie ihre Gefühle nach dem Eingriff. Ein halbes Jahr später hat der vermeintliche Kindsvater die Liaison beendet. Manuela hat in dieser Zeit viel getrunken und geweint. Ihr Hausarzt verschreibt ihr Antidepressiva, sie macht eine Gesprächstherapie. „Ich war danach in psychologischer Beratung wegen der missbräuchlichen Beziehung zu meinem damaligen Freund.“

„Mich hat erschrocken, wie schnell und leicht das ging“

Für Manuela ist es heute, Jahre später, wichtig, dass Frauen selbst bestimmen, was mit ihrem Körper geschieht. „Wir sollten jedoch differenzieren: Es gibt Schwangerschaftsabbrüche nach einem Missbrauch, nach einer Vergewaltigung. Aber ein Schwangerschaftsabbruch ist keine Verhütungsmethode. Deshalb muss es hohe Hürden dafür geben. Was mich so erschreckt hat: Wie schnell und leicht das ging. Ich habe es auf dem Silbertablett serviert bekommen.“ Für die Mutter von inzwischen zwei Kindern ist klar, dass sie sich heute für das Kind entschieden, hätte: „Ganz egal, wie erfolgreich ich heute bin, das Kind wäre es mehr wert gewesen. Irgendwie wäre es auch gegangen.“

Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann

Beratungsstellen und Praxen in der Nähe sowie weitere Informationen gibt es hier:

https://www.familienplanung.de/schwangerschaftskonflikt/schwangerschaftsabbruch/schwangerschaftsabbruch-praxen-kliniken-einrichtungen/

https://www.profamilia.de/themen/schwangerschaftsabbruch

 

 

 




Es ist nie vorbei

Am 27. Oktober 2021 hatte Künzelsau prominenten Besuch. Michael Reh, der in den Vereinigten Staaten als erfolgreicher Modefotograf arbeitet, stellte im Rahmen einer Lesung sein Buch Katharsis in der gut besuchten Stadthalle vor. Darin verarbeitet er den sexuellen Missbrauch, den er in seiner Kindheit über Jahre durch seine Tante erfahren hat.

Ganz entspannt: Autor und Fotograf Michael Reh im Dialog. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

GSCHWÄTZ: Michael, wie waren gestern die Reaktionen hier in Künzelsau auf dein Buch?

Arbeit als Aufklärer

Michael Reh: Es hat mir sehr gut gefallen. Es ist immer bei einer Lesung bei diesem Thema natürlich schwierig. Ich bin ein bisschen nervös, wenn es anfängt, weil ich ja nicht übers Wetter rede, aber das geht dann ganz schnell weg. Ich sage auch, es ist ein miteinander, ich rede ganz viel vorher, woher ich komme und was ich beabsichtige mit meiner Arbeit als Aufklärer.

„Ich frage nicht: Wer ist missbraucht worden?“

GSCHWÄTZ: Das heißt, es sind auch viele Menschen im Publikum, die selbst betroffen sind?

Michael Reh: in irgendeiner Form. Das habe ich auch vorher gefragt. Ich frage nicht: Wer ist missbraucht worden, weil es eine sehr persönliche Frage ist und viele Menschen das auch nicht öffentlich machen wollen. Aber es waren sehr viele Leute, die mit dem Thema arbeiten und Sozialarbeiter natürlich von Infokkoop in Künzelsau und vom Kinderdorf in Waldenburg.

8 Jahre Missbrauch

GSCHWÄTZ: Du wurdest ab deinem vierten Lebensjahr bis zum 12. Lebensjahr missbraucht. Das ist eine lange Zeit.

Michael Reh: Es hat immer wieder stattgefunden über die Jahre. Also nicht täglich natürlich. Aber jedes Mal, wenn ich in die Obhut meiner Tante gegeben wurde, was sehr oft passierte, dann wurde sie übergriffig und hat mich missbraucht mit allem, was dazugehört. Ich weiß nicht, inwiefern wir hier ganz offen reden können, aber vom Oralverkehr bis zur Interaktion als Mann hat alles stattgefunden. Die meisten Menschen können sich ja nicht vorstellen, wie eine Frau missbraucht. Wie das aussieht, sie hat ja keinen Penis und kann selbst nicht penetrieren. Aber da gibt es sehr viele andere Möglichkeiten, man kann mit Gegenständen penetrieren, Oralverkehr und so weiter. Das ist auch alles über die Jahre immer wieder vorgekommen.

„Wenn du darüber redest, bringe ich dich um“

GSCHWÄTZ: Du warst ja damals ein kleiner unschuldiger Junge, der vermutlich auch Vertrauen zu dieser Frau hatte. Wann kam der Punkt, als du überlegt oder gemerkt hast, dass das nicht normal ist, was da geschieht, dass möglicherweise Grenzen überschritten werden?

Michael Reh: Natürlich kannst du mit viereinhalb nicht erkennen oder benennen, was da gemacht wird. Du kannst es nur erfühlen, du weißt, dass das, was da gemacht wird gegen deinen Willen passiert, übergreifend ist, kriminell. Und wenn du dich dagegen wehrst, dann wird dir gesagt: Wenn du darüber redest, bringe ich dich um. So, das heißt, sofort wird der Deckel draufgehalten. Man kann sich nicht mitteilen. Man kann nicht sagen: Ich bin gerade sexuell missbraucht worden, weil du das noch nicht so in Worte fassen kannst als Kind. Du weißt nur, dass das, was passiert, vollkommen falsch ist, Angst auslöst.

„Ich hatte kein Vertrauen in meine Eltern“

Hast du trotzdem versucht, zumindest deinen Eltern zu vermitteln, dass du da nicht mehr hin willst?

Michael Reh: Bei mir ist es ja sehr lange her. Ende der 60er Jahre bis in die 70er Jahre hinein. Ich komme aus einem katholischen Elternhaus. Ich hatte kein Vertrauen in dem Sinne zu meinen Eltern. Das war ein sehr distanziertes Verhältnis. Kein emotionales Verhältnis also, wie man es von Familie kennt. Ich kenne das nicht. Familie, Liebe und Nähe, Vertrauen, Zuneigung. Ich finde es toll, wenn ich Eltern sehe, die mit den Kindern liebevoll umgehen. Das kenne ich nicht. Ich sehe das nur.

GSCHWÄTZ: Hast du aus diesem Grund auch keine Kinder? Aus Angst, etwa keine Liebe weitergeben zu können?

Michael Reh: Ja, ich glaube schon. Ich habe früher immer gedacht, denen gebe ich dann so viel Mist mit oder so viel unverarbeitete Geschichten. Heute denke ich, ich wäre ein guter Vater, heute bin ich jedoch 59. Aber ich arbeite ganz viel mit jungen Menschen zusammen, in meinem Job natürlich. Und da kann ich etwas weitergeben. Obwohl ich immer, wenn ich kleine Kinder sehe, denke, schade eigentlich. Also Eltern, Kinder, diese Liebe weiterzugeben, diese Liebe zu bekommen, ist natürlich Wahnsinn.

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Männer darüber sprechen“

GSCHWÄTZ: Aber dafür hast du jetzt auch irgendwo deine Rolle gefunden, indem du Missbrauchsopfern auf der ganzen Welt eine Stimme gibst und Mut machst, damit nach außen zu gehen.

Michael Reh: Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Männer über dieses Thema sprechen. Egal ob sie schwul sind oder hetero. Die Männer reden über das Thema nicht, weil sie entmannt wurden. Das passt in unsere Gesellschaft aber nicht rein. Du sagtest gerade Mut. Das wird auch so oft gesagt und dann denke ich Ja, Mut. Für mich ist das kein Mut in dem Sinne. Ich habe da auch nie drüber nachgedacht, sondern es ist eine Notwendigkeit. Ich muss das machen. Ich empfinde es als eine Aufgabe, das nach außen zu tragen und vielleicht anderen damit auch eine Stimme zu geben.

„Ich bin weggelaufen“

GSCHWÄTZ: Warum hat der Missbrauch bei Dir dann mit 12 Jahren aufgehört?

Michael Reh: Ich war zu alt. Wahrscheinlich kam in die Pubertät und ich war an einem Punkt, an dem ich mich gewehrt habe. Ich bin weggelaufen, als sie weg war. Das war an Ostern 1974. Meine Eltern hatten mich dahingegeben, bevor sie nach Rom gefahren sind. Und ich wurde bei dieser Frau, meiner Tante Hanne, abgegeben und sie hat es wieder probiert, dann bin ich raus vor ein Auto gelaufen auf der Straße und dachte, wenn ich vor ein Auto laufe, komme ich ins Krankenhaus, dann kann sie nicht ran. Und dann hörte es auf. Dann hat sie wahrscheinlich auch irgendwie mitgekriegt:Okay, da läuft nichts mehr. Der Junge fängt an, in anderen Dimensionen zu denken und sich zu wehren.

„Ich habe das verdrängt wie viele andere“

GSCHWÄTZ: Dann kam die Pubertät.

Michael Reh: Ich war ein Spätzünder. Ich habe mich weiterhin zurückgezogen und dann hatte ich das ganz, ganz große Glück in der neunten Klasse sitzen zu bleiben, wegen Mathematik. Aber Mathe war nicht das eigentliche Problem. Ich musste aus dieser Klasse raus, in der ich gemobbt wurde. Ich musste aus dieser Situation raus, in der ich immer drin war und bekam eine ganz wunderbare Klasse und lernte wunderbare Mitschüler kennen, wurde Klassensprecher und hatte eine Clique und die haben mich getragen, mit denen bin ich teilweise heute noch befreundet. Und da merkte ich, wie ich allmählich aus dieser Vereisung und aus dieser Isolation rauskam. Das Trauma des Missbrauchs. Ich habe das verdrängt, wie viele Missbrauchte oder Überlebende von Missbrauch. Erst mit Mitte 20 kamen die Erinnerungen wirklich extrem zurück. Dann habe ich angefangen mit Therapie und Arbeit. Dann brach das Ganze ganz extrem Anfang der 90er auf, als meine Mutter starb, was mich sehr traumatisierte. Dann war alles wieder da.

„Eine Therapie ist extrem wichtig“

GSCHWÄTZ: Was rätst Du Missbrauchsopfern und Angehörigen?

Michael Reh: Eine Therapie ist extrem wichtig, das kann ich nur jedem empfehlen. Ich fand immer, in Deutschland ist manchmal Therapie ja noch so ein bisschen verpönt. Ich habe in New York eine Therapie gemacht und hatte eine wunderbare Therapeutin. Eva Welsh hieß sie. Sie hat mir sehr, sehr geholfen. Therapie ist eine Lebensschule. Sie hat mir Sachen erklärt oder mich auf Dinge hingewiesen, die ich selber nicht erkannte. Sie  hat immer gesagt: Das bist du und ich zeige dir dich selbst aus unterschiedlichen Perspektiven. Das heißt, du kannst deine Geschichte anders sehen und anders leben und fühlen. Sie hat mich sehr behutsam an diese Missbrauchserinnerungen, die ja extrem negativ und sehr stark waren, herangeführt.

„Ich schlafe total schlecht“

GSCHWÄTZ: Hattest Du Albträume davon?

Michael Reh: Ja, ich habe schon seit 30 Jahren nicht geschlafen. Ich schlafe total schlecht. Es hat sich jetzt verändert, seitdem ich das  Buch geschrieben habe, Katharsis, und meine Erinnerung in einer Romanform erzählt habe. Als ich das im Februar 2020 bei Bettina Böttinger im Kölner Treff vorgestellt und öffentlich gemacht habe, seitdem habe ich eine sehr große Veränderung erlebt in mir selbst und meine Albträume sind weniger geworden. Ich schlafe immer noch nicht so gut, aber es ist besser geworden. Der Missbrauch begleitet dich dein ganzes Leben. Ich lese diese Berichte in der Zeitung. Mann missbraucht Kind, es kommt eventuell zu einer Verhandlung. Man wird meistens auf Bewährung ausgesprochen, weil Missbrauch ein Vergehen und kein Verbrechen war – bis zum letzten Jahr in der deutschen Rechtsprechung. Man braucht Zeugen, es gibt eine Verjährungsfrist und so weiter und so fort. Aber anyway, wenn er dann trotzdem verurteilt wird, zahlt er meinetwegen noch ein bisschen Geld und Schluss. Das ist der große Unterschied und das wissen die meisten Leute nicht. Wie oft habe ich diesen Spruch gehört: Nun ist doch mal gut. Nein, es ist nie gut.

Mit 40 Jahren beruft Michael Reh ein Familiengericht ein

GSCHWÄTZ: Mit 40 Jahren hast du dein eigenes Familiengericht einberufen. Das war auch keine einfache Sache, weil du ziemlich isoliert dastandest. Dieses Glaubwürdigkeitsproblem  haben ja viele Überlebende [Michael Reh legt Wert darauf, dass man nicht von Opfer spricht, sondern von Überlebenden], die sich erst einmal rechtfertigen oder andere überzeigen müssen. Das ist ja auch ein Riesenproblem bei Missbrauchsopfern, dass sie erst einmal Angst haben, dass ihnen gar nicht geglaubt wird.

„Ich habe nicht mit dieser Frau geschlafen, sie hat mich vergewaltigt“

Michael Reh: Ich kann nur zustimmen zu allem, was du gesagt hast. Du bist schuld, du hast was falsch gemacht, du kommst an und störst die Ordnung. Es ist nicht die Frage im Falle eines Missbrauchs. Na ja, du hast mit dem Hintern gewackelt, oder? Die hatte dich nur am Hintern getätschelt oder so. Das Problem ist, dass ein Verbrechen stattfand – egal wie lange es zurückliegt. Und das hat etwas mit dir gemacht. Jemand hat etwas mit mir gemacht, ich nicht mit ihr. Ich habe nicht mit dieser Frau geschlafen, die hat mich vergewaltigt. Und deswegen sage ich: Nennt euch nicht Opfer, nennt euch Überlebende, sonst bleibst du in der Opferrolle auch innerlich, emotional.

 

Das war der 1. Teil des Videointerviews von GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann mit Michael Reh. Der zweite Teil, indem es unter anderem um das von Michael Reh einberufene Familiengericht und die Rolle seines Vaters geht, folgt in Kürze.

Bücher von Michael Reh

Michael Reh hat bislang zwei Bücher geschrieben. Das erste heißt Katharsis. Darin verarbeitet der Fotograf den sexuellen Missbrauch in Romanform. Das zweite Buch von ihm heißt Asta. Es ist ein Kriminalroman, der ebenfalls innerfamiliäre Beziehungsebenen beleuchtet.

Der zweite Roman von Michael Reh, Asta, ist ein Krimi.

 




Bild dir deine Meinung: Bild-Chef Reichelt missbraucht seine Macht – Das Spiel mit den jungen Praktikantinnen

Das Nachrichtenmagazin der Spiegel titelte am Dienstag, den 19. Oktober 2021: „Warum Julian Reichelt gehen musste.“

Persönliche Freude

Vorausgegangen waren Recherchen und Veröffentlichungen der US-amerikanischen Zeitung New York Times, die die Machtstrukturen hinter den Kulissen des wohl mächtigsten Boulevarblatts Deutschlands öffentlich machte. Dabei soll der nunmehr  vom Springer-Verlag gefeuerte Bild-Chefredakteur unter anderem mit diversen Praktikantinnen seine persönliche Freude gehabt haben und damit seine interne Macht im Verlag missbraucht haben. Was da hinter den Kulissen abging, schien im Verlag und unter den Mitarbeiter:innen ein offenes Geheimnis gewesen zu sein. Wer mit Reichelt schlafe, solle danach eine dementsprechende Stellenaufwertung erfahren haben, heißt es.

Von Hollywood direkt in die deutschen Redaktionsstuben

Die #Metoo-Debatte ist damit von Hollywood direkt in die deutschen Redaktionsstuben gehupft. Doch man darf sicherlich nicht so naiv sein, zu glauben, dass Reichelt diese machtmissbräuchlichen Spielchen am Arbeitsplatz erfunden hat.

Der böse Bube

Der Unterschied zu den vergangenen Jahren: (Ehemalige) Mitarbeiter:innen und Führungskräfte packen aus oder zeigen sich auch öffentlich solidarisch gegenüber den Opfern. Der öffentliche Druck hat zugenommen. Ein Kopf musste schließlich rollen. Der Springerverlag feuerte den bösen Buben Julian Reichelt. Undenkbar, dass Reichelt heute, wenn er auf die Bühne gehen würde, Standing Ovations erhalten würde – (wie das immerhin die Who-is-who-Hollywoordriege vor einigen Jahren Brad Pitt bei einer Preisverleihung gezollt hat – sein erster öffentlicher Aufritt nach dem Skandal um sein übergriffiges Verhalten gegenüber seinem Sohn Maddox).

Von Anfang an stand Reichelt in der Kritik – und erhielt Rückendeckung unter anderem von Kai Diekmann

Interessant wäre es nun, und ehrlich noch dazu, würde der Springerverlag nun machen, was ihm ureigen ist: recherchieren, welche ehemaligen Chefredakteure ihre Spitzenposition noch so zu ihrem eigenen Vorteil genutzt haben, wie es Reichelt getan hat – oder vielleicht auch nicht? Sogleich denkt man an den berühmten Kai Diekmann, der zuvor jahrelang die Geschicke von Bild geleitet hat.

Diekmann zeigte sich zunächst verständnisvoll

In einem Interview vom März 2018 zeigte sich Dieckmann verständnisvoll mit der neuen Führung Reichelt und verteidigt ihn, obwohl er damals bereits in der Kritik stand: Es sei, so Diekmann, „normal, dass sich Dinge erst setzen müssen“. Was Diekmann wohl heute zu Reichelts Verhalten sagen würde?

Das Patrichat in Deutschland jedenfalls hat solche machtmissbräuchlichen Strukturen gegenüber Frauen schon immer begünstigt. Fortschritt sieht anders aus. Aber die kritische öffentliche Debatte über Reichelts Verhalten ist schon mal ein Anfang.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

 

 




„Beim Kicken gefürchtet, von Weibern verehrt…“

„Beim Kicken gefürchtet, von Weibern verehrt. Am Glase der Beste, sein Körper begehrt.“ Weiter möchten wir an dieser Stelle das Gedicht über den „Nitzenhäuser Schuppenhocker“ nicht zitieren, sonst müssen wir ein FSK auf diesen Artikel kleben. Dieses Gedicht jedenfalls ist eines von vielen netten kleinen Details, das den komplett entkernten und von Grund auf renovierten und sanierten Schuppen Nizza ziert.

Sinnbildlich für die Gemeinschaftsleistung eines ganzen Dorfes

Der Schuppen steht sinnbildlich für die Gemeinschaftsleistung eines ganzen Dorfes, allen voran den kleinen Handwerksbetrieben, die sich in Nitzenhausen tummeln. „Ohne die Motivation von den ganzen Jungs hätten wir das nicht stemmen können“, sagt Yannick Kraft, verantwortlicher für den Jugendraum, bei der Presseführung durch die neuen Räume am Samstag, den 18. September 2021.

„Wir haben erst festgestellt, was alles auf uns zukommt, als wir alles draussen hatten“

Alte Wagenräder hängen nostalgisch von der Decke, im frisch holzervertäfeltem Gemeinschaftsraum hat man es nicht weit zur neu gestalteten Bar. Sogar mit einer Fußbodenheizung sind die neuen Räume ausgestattet, was energetisch sicherlich Sinn macht.

Zimmerer, Schreiner, Elektriker und Schlosser haben rund ein Jahr für diesen Kraftakt gebraucht.

An den Wänden kleben noch Fotos von der schrittweisen Erneuerung der Räume. Zimmerer, Schreiner, Elektriker und Schlosser haben rund zwei Jahre für diesen Kraftakt gebraucht. Viele ehrenamtliche Stunden sind dabei zusammengekommen. „Wir haben erst festgestellt, was alles auf uns zukommt, als wir alles draussen hatten“, erinnert sich Yannick Kraft.

„Wenn wir Marcel Schuhmacher nicht im Boot gehabt hätten, hätten wir das nicht so umgesetzt bekommen“

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat das Projekt im Rahmen des Bürgerbudgets mit 16.000 Euro bezuschusst. Mit dem Betrag wurden im Wesentlichen die Materialien bezahlt. Der Rest: Engagement von vielen. Ein Ortsvorsteher, der das Projekt immer unterstützt und mit Ideen weitergeführt hat und Menschen wie Marcel Schuhmacher, der mit seiner Holzwerkstatt Hohenlohe nur einen Steinwurf vom Schuppen Nizza entfernt arbeitet. „Wenn wir Marcel Schuhmacher nicht im Boot gehabt hätten, hätten wir das nicht so umgesetzt bekommen.“

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

Rustikal-schöne Details hängen etwa über dem Stammtisch. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Gewölbekeller angrenzend an den Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ

Auch mit einem Gewölbekeller kann der Schuppen aufwarten. Foto: GSCHWÄTZ

Das Logo des Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ

Die neue alte Bar. Ach ja, und: Gracht wird drauße. Foto: GSCHWÄTZ

Hinter der neuen Theke lässt es sich gut ausschenken. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Nobel geht die Welt zugrunde. Der Jugendraum ist nun mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Foto: GSCHWÄTZ

Bis auf die Grundmauern abgerissen und wieder neu aufgebaut. Foto: GSCHWÄTZ

Auch eine neue Küche gab’s. Foto: GSCHWÄTZ

 

Yannick Kraft zeigt voller Stolz den neuen Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ




1.000 Liter Wasser fortan immer im Gepäck

„Wir haben nun mehr Ausrüstung und sind wesentlich schlagkräftiger“, sagt Nitzenhausens Ortsvorsteher Ralf Markert nicht ohne stolz bei der Präsentation des neuen nagelneuen Fahrzeuges für die Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen am 18. September 2021 beim Feuerwehrgerätehaus in Nitzenhausen. Mit der Stärkung der Feuerwehr Nitzenhausen möchte die Stadt Künzelsau vor allem die Ränder des Stadtbezirkes stärken.

Das neue Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen. Foto: GSCHWÄTZ

Vorher musste das Wasser aus einem Bach oder aus dem Hydrantennetz geholt werden

Das Besondere: „Das Fahrzeug ist wasserführend.“ Die Feuerwehr fährt fortan stets mit einem 1.000 Liter-Wassertank zu den Einsätzen. Das war vorher nicht der Fall. Das Wasser musste aus dem Hydrantennetz, aus einem See oder Bach geholt werden, erklärt Stadtbrandmeister Thomas Böhret.

Abteilungskommandant Johannes Seebach erklärt die Ausstattung des Fahrzeuges. Hier zu sehen: der Wassertank. Foto: GSCHWÄTZ

7 Minuten, die Leben retten können

1.000 Liter Wasser reichen allerdings nur für rund 7 Minuten, etwa bei einem Unfall, um die Erstmaßnahmen einzuleiten, bis die Künzelsauer Feuerwehr zur Unterstützung kommt. Aber immerhin: 1.000 Liter und 7 Minuten, die Leben retten können.

Stadtbrandmeister Thomas Böhret: „Die Stadt Künzelsau steht da schon hinter ihrer Feuerwehr“

230.000 Euro hat das Fahrzeug gekostet, inklusive einem Zuschuss vom Land-Baden-Württemberg von 52.000 Euro. Damit bleiben für die Stadt Künzelsau Kosten von rund 180.000 Euro. „Die Stadt Künzelsau steht da schon hinter ihrer Feuerwehr“, sagt Feuerwehrchef Thomas Böhret.

von links: Yannick Kraft vom Schuppen „Nizza“, Abteilungskommandant Johannes Seebach, Stadtbrandmeister Thomas Böhret, Nitzenhausens Ortsvorsteher Ralf Markert, Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Amrichshausen und Kocherstetten bekommen neue Fahrzeuge

Interessiert schauten sich nicht nur die Bewohner Nitzenhausens, sondern auch Feuerwehrler anderer Abteilungen das neue Tragkraftspritzenfahrzeug an. Stefan Baier ist Feuerwehrler aus dem nur einen Steinwurf entfernten Amrichshausen. Er freut sich, denn im Herbst bekommen die Abteilungen Kocherstetten und Amrichshausen dasselbe Fahrzeug geliefert. Nur die Garage sei etwas zu klein für das Fahrzeug, das passe da nicht rein. Laut Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann soll jedoch mit einem dementsprechenden Anbau in Amrichshausen noch in diesem Jahr begonnen werden. Bis dieser fertig sei, werde das Fahrzeug in Künzelsau stehen.

Stefan Baier aus Amrichshausen mit seinen Töchtern Emma und Annika und seinem Sohn Lukas schauen sich das Fahrzeug aus nächster Nähe an. Foto: GSCHWÄTZ

„Papa, was ist das?“

Stefan Baiers Töchter Emma (5) und Annika (3) sind jedenfalls ganz begeistert und erkunden interessiert das Fahrzeug. „Papa, was ist das?“ – „Ein Feuerlöscher“, erklärt Papa Stefan Baier. Neben mehreren Feuerlöschern hat das Fahrzeug unter anderem auch Atemschutzgeräte, einen Lichtmasten zur besseren Ausleuchtung, einen Nasssauger und eine Schmutzwasserpumpe vorzuweisen – ach ja, und einen Klappspaten. Wofür dieser gedacht ist, rätselt Stadtbrandmeister Böhret. Zum Einsatz kam er in seiner langen Feuerwehrkarriere bislang jedenfalls nicht.

Alles, was das Feuerwehrherz begehrt. Sogar ein Klappspaten ist mit dabei. Foto: GSCHWÄTZ

„Mir ist es wichtig, dass ich eine schlagkräftige Einsatztruppe habe“

Damit sich jeder Feuerwehrler damit auskennt, bekamen die Männer (eine Frau ist nicht dabei), eine Einweisung in das neue Fahrzeug und es werde auch damit geübt, so dass sich jeder im Einsatzfall damit auskennt. Im Durchschnitt hat die Feuerwehr Nitzenhausen laut Thomas Böhret drei Einsätze im Jahr. Aber durch das neue Fahrzeug könne es schon sein, dass die Feuerwehr nun öfter bei Einsätzen beteiligt sei. „Mir ist es wichtig, dass ich eine schlagkräftige Einsatztruppe habe.“

von links: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, Stadtbrandmeister Thomas Böhret, Ortsvorsteher Ralf Markert, der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Hohenlohekreis, Christian von Stetten, Abteilungskommandant Johannes Seebach. Foto: GSCHWÄTZ

Sonnhofen: Der bislang schwierigste Einsatz

Der bislang schwierigste Einsatz der Nitzenhausener in jüngster Vergangenheit sei, so Abteilungskommandant Johannes Seebach, der Großbrand in Sonnhofen 2020 gewesen.

Die Sache mit dem Klappspaten

28 Mann im Alter von 18 und 61 Jahren sind derzeit in der Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen aktiv, erklärt Abteilungskommandant Johannes Seebach. Das ist viel, wenn  man bedenkt, dass Nitzenhausen lediglich etwa über 200 Einwohner hat. Nur mit dem Engagement von jedem einzelnen sei es laut Seebach möglich gewesen, dass die Feuerwehr in Nitzenhausen auch neue Räume bekommen hat. Die Truppe hat  zwei Garagen zu einer großen Umkleidekabine umgebaut. Rund 800 Stunden benötigten sie dafür. Lediglich die Gipser- und Malerarbeiten haben sie fremdvergeben. Direkt daneben wurde in diesem Zuge auch ein neuer Aufenthaltsraum geschaffen. „Ohne die Eigenleistung wäre das Ganze zwei- bis dreimal teurer geworden“, so Seebach.

Hocketse am Feuerwehrhaus in Nitzenhausen zur Einweihung des neuen Fahrzeuges und der neuen Räume. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Neumann: „Nitzenhausen ist beispielhaft für andere Ortsteile“

„Es ist nicht selbstverständlich, was hier passiert ist“, weiss auch Künzelsaus Bürgermeister das Engagement der Feuerwehrler und Einwohner Nitzenhausens zu würdigen. Nitzenhausen sei „beispielhaft für andere Ortsteile“. Durch ein derartiges Engagement könne man mehr erreichen, „wie wenn es nur die Stadt macht“.

Die neue Umkleidekabine. Ehemals 2 Garagen haben die Feuerwehrler in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden umgebaut. Foto: GSCHWÄTZ

Neuer Gemeinschaftsraum für die Feuerwehr. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




Von der „Fehlerfrau“ Annalena und vom unfehlbaren Armin

Die eigentlich heißesten Kandidaten im Kampf um den Bundeskanzlerthron 2021 werden womöglich durch die anhaltende Fehlersuche mit der XXL-Lupe durch die Medien selbst ins Aus geschossen.

Man möche sich wegschmeissen vor Lachen

Annalena Baerbock darf kein Komma an der falschen Stelle setzen, ohne durch den männlichen Fleischwolf gedreht zu werden. Man denke nur an die kürzlich erschienene Kolumne von Jan Fleischhauer im Focus („Die Schummelliese“), in welcher Fleischhauer über Annalena Baerbock postuliert: „Warum versucht sich jemand größer zu machen, als er ist?“ Zum Glück liegt diese Eigenschaft Männern nicht zu Grunde. Oder Helmut Marktworts ergötzender Essay über die „Fehlerfrau Baerbock“, in welchem es unter anderem heißt:“In Baerbocks Buch stammen nur die Gendersternchen sicher von ihr.“ Na, offensichtlicher kann man eine Alice-Schwarzer-Keule nicht aus dem Steinzeitrevers ziehen. Plumper geht es nicht.

Viele Fakenews gingen über Annalena Baerbock im Rahmen des Bundestagswahlkampfes heraus. Quelle: BR

Offensichtlicher kann man eine Alice-Scharzer-Keule nicht aus dem Steinzeitrevers ziehen

Während Armin Laschet sich selbst regelmäßig ins Aus schießt, sobald er nur den Mund aufmacht (oder lacht, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Opfern der Hochwasserkatastophe in Deutschland gedenkt). Fremdschämeffekt garantiert.

Während sich Armin Laschet regelmäßig selbst ins Aus schießt

In diesem Wahlkampf trifft das Motto: „Wer keine Fehler macht, macht auch sonst nicht viel“, leider nicht zu. Denn der lachende Dritte ist Olaf Scholz, der zwar ausser staatsmännisch auftreten, wie ihm diverse Medien regelmäßig bescheinigen, reichlich blass und inhaltlos wirkt. Keine mitreissenden Reden, keine Visionen, keine konkreten politischen Vorstellungen für die nächsten Jahre. Ausser die üblichen Heilsversprechen bezüglich etwaiger Steuersenkungen. Schade eigentlich. Dabei hätten es die Bürger:innen dringend nötig, eine/n Visionär:in zu bekommen, der/die in einer derart schweren Corona- und klimagebeutelten Zeit positiv-begeisternd voranschreitet und den Menschen neuen Mut und neue Perspektiven gibt.

Olaf mit den üblichen politischen Heilsversprechen

Olaf Scholz.

Doch wie heißt es so schön: „Jedes Volk bekommt die Herrscher, die es verdient.“ Betrachtet man Olaf Scholz, der schon seit Jahrzehnten vermeintlich immer gleich blickende, bekommt man zumindest vertraute Gefühle an einen immer gleichen Gesichtsausdruck – Angela Merkels Gesichtsausdruck war ja oft ähnlich in Stein gemeißelt. Nur hatte Angela Merkel einen subtilen schwarzen Humor, der bei ihren Aussagen und Reden immer wieder für Lacher sorgte für all diejenigen, die ihn verstanden haben.

Angela Merkel hatte einen gnadenlos guten schwarzen Humor – für all diejenigen, die ihn verstanden haben

Schade eigentlich, dass auch diese Frau bis zum Schluss von diversen vermeintlichen Journalistenanführern kleingeredet und unterschätzt wurde. Ihre wahren Leistungen (ihr humanitäres Vorgehen bei den Flüchtlingsbewegungen etwa oder ihr überaus rationelles hochintelligentes Verhalten in der Coronapandemie)  wird vermutlich erst rückblickend, viele Jahre später, in den Geschichtsbüchern Anerkennung finden.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Ich wurde im Zug angesprochen, als ich 12 zwölf war“

Die 20-jährige Jasmin Beyer aus Kupferzell arbeitet seit vier Jahren als Model. Im September 2021 geht es nach Mailand. Wie sie wurde, was sie ist und warum GNTM nicht das Gelbe vom Ei sein muss – darüber haben wir mit der Abiturientin gesprochen.

GSCHWÄTZ:  Wurdest Du klassisch irgendwo auf der Straße angesprochen?

Beyer: Ich wurde tatsächlich zweimal angesprochen im Zug, da war ich 12 Jahre alt. Das war von einer Agentur in Würzburg.

GSCHWÄTZ: Dann stimmt es schon, wenn man sagt, es gibt klassische Schönheitsmerkmale, die man als Model mitbringen muss, oder?

Beyer: Man sagt, es gibt nicht mehr die klassischen Schönheitsmerkmale. Es gibt bestimmte Typen und es gibt Agenturen für bestimmte Typrichtungen.

GSCHWÄTZ: Was bist du für ein Typ?

Beyer: Ich bin in meiner Agentur mittlerweile wieder ein anderer Typ als die anderen Modellkolleginnen. Rund 600 Modelkolleginnen gibt es in der Agentur, fast alle haben lange Haare, so wie ich früher.

GSCHWÄTZ: Auf früheren Fotos hast Du lange leicht gewellte braune Haare. Was hat Deine Agentur zu Deiner Typveränderung gesagt?

Beyer: Es war meine Entscheidung, sie abzuschneiden (lacht). Eigentlich muss ich das aber alles absprechen mit meiner Agentur. Ich bin durch Künzelsau gelaufen und ich dachte, ach, machste mal eine Typveränderung. Und dann habe ich mir die Haare abschneiden lasse zu einem Shortbob in einem Friseurgeschäft in Künzelsau. Meine Agentur fand es im Nachhinein sehr gut. Blond färben oder Strähnchen wären aber nicht so doll gewesen. Ich mache teilweise High Fashion / Fashion und teilweise commercial. Ich bin quasi multifunktionell einsetzbar.

GSCHWÄTZ: Du bist nun seit rund zwei Jahren bei der Modelagentur Most wanted Models mit Sitz in München und in Hamburg. Wie hast Du den Einstieg ins Modellbusiness letztendlich geschafft?

Beyer: Mit 16 Jahren hat meine Nachbarin ein Shooting  gemacht und ich habe dann die Bilder geliked bei Instagram. Der Fotograf hat mich daraufhin angeschrieben, ob ich auch ein Shooting machen möchte bei ihm. Da war ich dann schon aufgeregt. Man muss schließlich wissen, wie man sich bewegt und welche Posen gut ausschauen.

GSCHWÄTZ: Hast Du dafür Geld bekommen?

Beyer: Nein. So etwas nennt sich TFP (time fot prints). Das bedeutet, dass das Modell und der Fotograf beide kostenlos arbeiten. Nach dem Shooting können die Fotos beide nutzen, um ihr Portfolio zu erweitern. Andere Fotografen sind danach auf mich zugegangen und ich auf sie. So habe ich immer mehr Fotos für eine professionelle Fotomappe sammeln können. Es gibt sehr viele, die modeln möchten. Man muss selbst schon sehr viel Eigeninitiative mitbringen. Viel lief bei mir über Instagram, viel connecten, viel social networking. Auf sich aufmerksam machen. So verbessert man sich auch und baut eine immer größere Reichweite auf (Anm. d. Red.: Auf Instagram folgen Jasmin Beyer bereits über 11.000 Menschen). Mittlerweile hat mich die Agentur angeschrieben, dass ich auch andere Plattformen bedienen soll, youtube und Tiktok zum Beispiel.

GSCHWÄTZ: Das heißt, Bewegtbild spielt auch im Modellbusiness eine immer größere Rolle?

Beyer: Ja, auch bei Castings muss man immer ein eCasting-Video hinschicken. Videocastings sind durch Corona verstärkt gekommen. Ich habe auch eine Zeit gehabt, in der ich mir klar werden musste: Wer bin ich, was präsentiere ich und wofür stehe ich überhaupt?

GSCHWÄTZ: Und was präsentierst Du beziehungsweise für was möchtest Du stehen?

Beyer: In jeden Fall Offenheit und dass dieses Körperbild, das existiert, breiter wird. Ein Model sollte die Werte nicht genau vorschreiben, wie jeder sein sollte. Ich finde es gut, dass es curvy models gibt, body positivity nennt sich das. Es werden mittlerweile Models mit Zahnlücken gefragt, Sommersprossen, mit dicken Augenbrauen. Das finde ich gut. Es wird von den Kunden gezielt nach etwas Besonderem gesucht.

GSCHWÄTZ: Du selbst hast ja Modelmaße. Bei einer Größe 1,77m wiegst Du um die 56 kg. War das schon immer so?

Beyer: Ich muss auf mein Gewicht achten. Ich gehe jeden zweiten Tag für 1 Stunde ins Fitnessstudio. Dort mache ich gemeinsam mit Freundinnen Ausdauer- und Krafttraining. Ich achte auf eine gesundere Ernährung, ernähre mich vegetarisch und esse viel Obst und Gemüse.

GSCHWÄTZ: Wie bist Du denn zu Deiner Modelagentur Most Wanted Models gekommen?

Beyer: Ich habe gegoogelt, welche Agenturen gut und seriös sind (=> Welma). Dann habe ich mir einen Tag von der Schule freigenommen und bin mit meiner Fotomappe nach München gefahren und habe mich persönlich bei 7 oder 8 Agenturen vorgestellt. Die Fotos hatte ich zuvor noch bei Rossmann ausgedruckt. Bei der ersten Agentur war ich noch ein bisschen aufgeregt, aber das hat sich dann ganz schnell gelegt. Die Leute in den Agenturen waren alle sehr nett. Jeder hat Polaroids von mir gemacht. Rückmeldungen kamen dann nach zirka zwei Wochen. Die meisten Mädchen bewerben sich online, aber ich fand‘s besser, persönlich hinzugehen.

Jasmin Beyer hat dann gleich mehrere Angebote von Agenturen erhalten. Für ihre jetzige Agentur hat sie sich entschieden, weil die Mitarbeiter:innen dort gleich „sehr offen, freundlich und herzlich“ zu ihr waren. „So kann dann auch eine gute Zusammenarbeit gewährleistet sein“, sagt sie.

GSCHWÄTZ: Wolltest Du schon immer Model werden?

Beyer: Nein, ich bezeichne das auch als mein Hobby. Ich mache das aus Leidenschaft. Es ist aber derzeit tatsächlich mein Hauptberuf.

GSCHWÄTZ: Gibt es unter den Modellkolleginnen auch Zickenkriege?

Beyer: Bisher habe ich nur gute Erfahrungen mit anderen Models gemacht. Anfang September 2021 gehe ich nach Mailand in ein Modelappartment. Zufälligerweise sind bereits andere Models, Stylisten und Fotografen dort, die ich schon kenne. Das macht es leichter. Models, die etwas abgehoben sind, werden, wenn sie Pech haben, nicht wieder gebucht. Man muss als Model schon sehr flexibel sein und anpassungsfähig.

Model Jasmin Beyer aus Kupferzell. Foto: privat

In Mailand ist Jasmin für mindestens sechs Wochen. Vertreten wird sie dort nicht von ihrer deutschen Modelagentur, das ist quasi ihre Mutteragentur, sondern von einer Agentur vor Ort, von der sie zu verschiedenen Castings geschickt wird.  

Beyer: Bei den Castings ist es schon schwierig. Da muss man sich hervorheben. Mit der Kleidung, aber auch nicht zu auffällig, mit der Frisur, mit dem Charakter.

GSCHWÄTZ: Welche Charaktere sind denn derzeit gefragt?

Beyer: Offene Body-positity-Charactere sind gesucht. Aber das ist schwer zu sagen, denn es gibt für jeden Kunden und jede Message, die vermittelt werden soll, einen anderen Modelltyp.

GSCHWÄTZ: Ist Germanys next topmodel (GNTM) mit Heidi Klum ein guter Einstieg ins Modelleben?

Beyer: Es ist schwierig, nach GNTM als Model zu arbeiten, denn viele arbeiten zunächst im Influencerbereich. Dennoch ist es natürlich ein ein guter Einstieg und eine gute Möglichkeit, wenn man es richtig macht.

GSCHWÄTZ: In Kupferzell lebst Du derzeit noch bei Deiner Ma. Was sagt sie zu Deiner steilen Karriere mit nur 20 Jahren?

Beyer: Meine Mama ist sehr stolz und unterstützt mich sehr viel, auch schon früher, wenn ich irgendwo hingefahren werden musste.

GSCHWÄTZ: Und deine Freundinnen?

Beyer: Meine Freundinnen finden es auch interessant, ich habe auch schon eine Freundin mitgenommen zu Shootings. In der Schule habe ich es anfangs gar nicht erzählt, das war mir eher ein bisschen unangenehm. Manchmal haben Menschen Vorurteile. Manche gehen dann anders auf einen zu, wenn sie wissen, was Du beruflich machst oder sind ein bisschen eingeschüchtert. Manchmal habe ich auch nur gesagt, ich arbeite im Fotografiebereich.

GSCHWÄTZ: Was findest Du besonders schön an Deinem Beruf, außer natürlich, tolle Fotos zu machen?

Beyer: Ich finde es gut, dass man Sachen, die einem wichtig sind, weitergeben kann. Ich setze mich zum Beispiel für den Tierschutz ein. Wir haben selbst einen Hund. In Kroatien habe ich vor kurzem einen Straßenhund mitgenommen.  Anstatt einer Autofahrt von 12 Stunden, wurden das 48 Stunden mit der Bahn. Der Hund lebt heute bei einer Familie in Ellwangen. Früher als Kind habe ich auch schon alle möglichen Tiere mit nach Hause gebracht, einen Hasen, einen Igel, ja sogar eine Fledermaus.

GSCHWÄTZ: Wenn wir jetzt noch ganz indiskret fragen dürfen: Was verdient ein Modell denn so?

Beyer: Das ist ganz unterschiedlich: Pro Job bekommt man Geld, das kann von Null Euro gehen, dann bekommt man quasi nur die Fotos für die Fotomappe, bis zu 800 Euro pro Tag. Bei den sehr bekannten Models ist der Tagessatz natürlich wesentlich höher.

Jasmin, wir danken Dir für das Gespräch.

 

 

Info:

Jasmin Beyer wurde am 26. Januar 2001 in Künzelsau geboren. Seit rund vier Jahren arbeitet die 20-Jährige als Model. 2021 hat sie das Abitur an der Wirtschaftsschule in Öhringen gemacht. Jasmin hat 2 ältere Brüder und einen Golden Retriever. Vor drei Jahren musste ihr Haflinger Nico eingeschläfert werden, weil er krank war. Jasmin wohnt gemeinsam mit ihrer Mutter in Kupferzell. Die 20-Jährige ist in festen Händen. Ihr Freund kommt von Nürnberg und ist Mediendesigner.

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann

Fotograf: Matthias Lauterer

Wir haben Jasmin Beyer als eine beeindruckende 20-Jährige kennengelernt, die sehr freundlich, höflich und offen ist. Es liegen, wie sie uns gesagt hat, mehrere Jahre harte Arbeit hinter ihr, bis sie den Schritt in eine Agentur gewagt hat. Voraus gingen viele Übungsstunden, wie man sich am besten vor der Kamera in Szene setzt, wo fallen Licht und Schatten hin, auf welche Details gilt es zu achten. Netzwerken ist in dieser Branche das A und 0. Und auch hier gilt, wie fast überall: Wie man in den Wald hineinruft…

 




„Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass es so eine Hilfsbereitschaft gibt“

Vor vier Jahren hat sich Leons Leben verändert. Der damals Zehnjährige hatte einen Fahrradunfall. Dabei zog er sich ein schweres Schädelhirntrauma zu. „Er konnte weder laufen noch sprechen oder essen“, erinnert sich Heidi Arnold aus Künzelsau. Sie ist Leons Mutter.

Mehrere Wochen im Koma

Mehrere Wochen lag ihr Sohn im Koma. „Es war auf der Kippe gestanden, ob er überhaupt überlebt“, sagt sie. Er erwacht aus dem Koma, doch weitere Rückschläge stehen im Raum. „Einmal habe es geheißen, er kann niemals mehr laufen oder er wird blind, weil ein Sehnerv gequetscht sein könnte.“ In den nächsten vier Jahren kämpft sich Leon trotz aller düsteren Prognosen zurück ins Leben.

Ein gewisses Handicap hat er noch

„Heute spricht er wieder, fährt wieder Fahrrad. Aber ein gewisses Handicap hat er noch. Leon hat eine leichte Halbseitenlähmung, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme sowie Probleme bei der Handlungsplanung.“ Leon ist ein schlauer, aufgeweckter Junge. Derzeit wird er auf Gymnasialniveau an einer Privatschule in Künzelsau unterrichtet.

Welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem Foto?

Vor einigen Tagen startete Heidi Arnold einen Aufruf über WhatsApp, der zahlreiche Gruppen nicht nur in WhatsApp, sondern auch in Facebook erreichte und in Instagram landete. Auch GSCHWÄTZ wurde der Aufruf zum Teilen zugeschickt, wir haben ihn auch veröffentlicht, wollten aber mehr wissen. Welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem Foto?:

 

Aufruf in diversen sozialen Gruppen auf facebook und in WhatsApp.

Leon sucht einen Schulbegleiter. Foto: privat

Jedes Jahr sucht Heidi Arnold einen Schulbegleiter für ihren Sohn. Dieser Schulbegleiter wird vom Landratsamt (Sozialamt) gewährt, die Anstellung des Schulbegleiters erfolgt dann über einen sozialen Träger.

Die Genehmigung für die Schulbegleitung erfolgt immer nur für ein Jahr, dann muss man den Antrag neu stellen. Nun suchen sie wieder jemanden ab 01. Oktober 2021, der Leon in die Schule begleitet und unter anderem „guckt, dass er alles einpackt und an Dinge erinnert, ihn unterstützt, motiviert und teilweise mitschreibt, da Leon aufgrund der Lähmung nicht so schnell schreiben kann.“ 29 Wochenstunden umfasst die Stelle.

Oft wird eine solcher Job gerne als Übergangsstelle ins Studium genutzt. Gerne kann jemand aber auch länger als ein Jahr bleiben, aber den Antrag auf einen Schulbegleiter muss die Familie jedes Jahr aufs Neue wieder beim Sozialamt stellen. Wichtig ist Heidi Arnold, dass die Chemie passt zwischen dem 14-Jährigen und der/m neuen Menschen an seiner Seite. „Leon ist „ein wahnsinnig humorvoller, frecher, temperamentvoller, positiver, süßer Junge. Alle lieben meinen Sohn. Wir suchen Jemanden, auf den wir uns verlassen können und bei dem der Draht zu Leon passt.“

„Ich habe auch schon gruselige Anfragen bekommen von Heilern, die mir irgendwas verkaufen wollen. Aber auch von ganz süßen Menschen. Von einem 28-Jährigen

Zum Beispiel von Jan aus Gaisbach, der zwar keinen Schulbegleiter machen kann, aber mal mit ihm Fußball spielen würde. Jan war dann tatsächlich mit ihm im McDonalds. „Ich hätte gar nicht damit gerechnet, dass es so eine Hilfsbereitschaft gibt.“ Eine Lehrerin habe Leon Nachhilfe angeboten.

Bei Interesse kann man sich an die Familie die Mutter direkt wenden oder auch an das GSCHWÄTZ-Redaktionsteam, wir leiten den Kontakt dann weiter:

GSCHWÄTZ | info@gschwaetz.de | 07940/93 555 7 | WhatsApp: 0172/68 78 474 | Gaisbacher Straße 6 | 74653 Künzelsau

Text: Dr. Sandra Hartmann