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„Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig“

Im nur drei Monaten, am 08. Mai 2022, wählt Ingelfingen einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Rathauschef hat sich bereits für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Nun bekommt er Konkurrenz – und zwar aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft

Klaus Schmitt hat seinen Hut in den Ring geworfen als weiterer Kandidat. Der 58-Jährige (Geburtsdatum: 17. Mai 1963) wohnt auf dem Lipfersberg, er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er ist selbstständig und katholisch getauft. Geboren ist er in Südhessen, „vor den Toren Mannheims“, wie er selbst so schön ausdrückt. Seit dem Jahr 2000, also seit über 20 Jahren, wohnt er im Hohenlohekreis. Durch das Unternehmen Würth kam er zunächst als Aussendienstler hierher, der Liebe wegen ist Schmitt geblieben.

Der Liebe wegen im Hohenlohekreis sesshaft geworden

Wir durften mit ihm am Freitag, den 18. Februar 2022 das ein erstes Interview führen nach seinem Entschluss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und haben ihn auf Herz und Nieren in unserer Redaktion in Künzelsau geprüft.

GSCHWÄTZ: Lieber Herr Schmitt, schön, dass Sie da sind. Sie sind ja selbstständig. Nun bewerben Sie sich als Bürgermeister. Kritiker könnten sagen, dass Ihnen die nötige Amtserfahrung fehlt.

„Das würde ich gerne ändern“

Klaus Schmitt: Ich denke, da gibt es sehr viele Schnittstellen, vor allem das Thema Kommunikation, was ja ein Grund ist, warum ich mich in Ingelfingen als Bürgermeister bewerbe. Mein Eindruck, der mich glaube ich nicht täuscht, ist, dass die Kommunikation vom Rathaus zu den Vereinen, zu den Nachbargemeinden und zu den Bürgern doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da sehe ich meine große Stärke. Das würde ich gerne ändern.

GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn aus mit ihrer Verwaltungserfahrung?

Klaus Schmitt: Ich bin ja selbst und ständig. Als Selbstständiger muss ich bei mir alles, was mit Verwaltung zu tun hat, für mich selber organisieren. Also von der eigenen Homepage angefangen über die Verwaltung bis hin zur Neukundengewinnung und die Steuer. Im Rathaus in Ingelfingen arbeiten sehr gute Mitarbeiter und ich glaube, dass wir uns wunderbar ergänzen würden.

GSCHWÄTZ: Sie trauen sich diese Aufgabe also durchaus zu.

Klaus Schmitt: Absolut. Gerade als Produkt-Trainer bei Würth war es für mich normal, mich in ständig neue Dinge einarbeiten zu müssen. Und so ist es auch mein Leben lang geblieben. Da jetzt die Corona-Umstellung von Präsenz-Trainings in Online-Trainings mit zig verschiedenen Systemen, von Zoom über Webex und Teams und was es alles gibt, für mich nichts Neues.

Arbeitsplätze für Ingelfingen

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie denn Ingelfingen in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?

Klaus Schmitt:  Wir haben 4000 Arbeitsplätze in Ingelfingen bei 5500 Einwohnern und das ist erst mal ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Zahl an Arbeitsplätzen in Ingelfingen  hält oder gar erweitert.

GSCHWÄTZ: Wie wollen Sie das machen? Ingelfingen ist jetzt nicht gerade das Gewerbegebiet an der A6.

„Vieles ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen“

Klaus Schmitt: Das ist richtig. Das ist auch das, was mir Kopfzerbrechen macht, dass etwa eine Firma Gemü ihren Standort verlagert, nach Waldenburg an die Autobahn. Unsere Firmen hier vor Ort sind allesamt sehr gut aufgestellt. Auch die Firma Reisser wächst um 30 Prozent und braucht natürlich auch mehr Platz – und damit einhergehend auch optimale Grundstücke hierfür, die nicht ständig vom Hochwasser betroffen beziehungsweise bestmöglich geschützt sind. Hier haben wir noch einiges an Potenzial. Was die technischen Dinge angeht, gibt es vieles, was in den letzten Jahren in Ingelfingen gut gelaufen sind: der Umbau der Schule, die neue Turnhalle,  der Ausbau der Gemeindehäuser. Das ist alles prima für Ingelfingen. Aber ich sehe auf der anderen Seite auch, dass vieles in den letzten Jahren verloren gegangen ist – vor allem allem die Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Vereinen und anderen Gruppen, ob es die Musikkapelle ist oder die Kirche oder die Kindergärten sind. Ich sehe noch viel Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation mit den Menschen, mit den Bürgern. Mir wäre es wichtig, dass in fünf Jahren die Leute sagen: Der Schmitt hat viel vorangebracht. Wir pflegen eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir werden gehört. Wir werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, wie das im Moment oft der Fall ist.

GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein, wie sagt man so schön, Neigschmackter.

Klaus Schmitt: Ein Wahl-Ingelfinger (lacht).

GSCHWÄTZ: Genau. Was kann denn ein Wahl-Ingelfinger besser als einer, der hier schon immer mal gelebt hat?

Klaus Schmitt: Ich bin jetzt schon seit 22 Jahren in Ingelfingen und Ingelfinger. Ich denke, was mich unterscheidet von einem Ur-Ingelfinger ist, dass mich vieles, was aus der Vergangenheit vielleicht zu Konflikten geführt hat, nicht betrifft. Insofern bin ich da neutral, außenstehend, kann allen Parteien hören, wenn es Diskussionen gibt. Wie so oft im Leben haben beide irgendwie recht und ich glaube, da bin ich nicht so befangen und eingebunden wie andere.

„Ingelfinger sind bodenständig, offen und gradraus“

GSCHWÄTZ: Was mögen Sie denn besonders in Ingelfingen und an den Ingelfingern?

Klaus Schmitt: An Ingelfingen mag ich zunächst mal diese idyllische Lage. Ich habe mich bei diversen Feiern auf der Burg oben in diesen Blick in das langgezogene Tal verliebt. Die Kocher-Jagst-Strecke  im Hohenloher Land ist für mich einfach ein Traum. Ich fühle mich hier richtig wohl und oben auf dem Lipfersberg sowieso. Da hören Sie nicht, ob Dienstag oder Sonntag ist, weil die Geräuschkulisse immer gleich ist. Das ist immer sehr, sehr angenehm. Ich möchte nirgends anders mehr wohnen. Und an den Ingelfingern mag ich, dass sie so bodenständig sind, so offen, so gradraus authentisch. Die sagen dir ins Gesicht, wenn ihnen was nicht passt. Und das finde ich gut so, da weiß man, wo man dran ist.

„Ich habe mich in dieses langgezogene Tal verliebt“

GSCHWÄTZ: Was haben Sie denn, wenn man jetzt mal vom Beruflichen absieht, denn für Hobbys und Interessen im privaten Bereich?

Klaus Schmitt: Ich habe früher gerne und viel Fußball gespielt. Ich habe auch mal acht Jahre die Jugend trainiert,mit 16 Jahren habe ich angefangen im Verein in meiner Heimat, die Bambinis zu trainieren. Von Beruf bin ich gelernter Maschinenschlosser und bin dann für meine Firma auf Montage gegangen und irgendwann war das nicht mehr vereinbar. Ich war immer häufiger unterwegs und wollte natürlich auch mein Team nicht hängen lassen und habe dann irgendwann gesagt, ich kann das nicht mehr leisten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich hier in Ingelfingen mich nicht mehr als Trainer engagiert habe, obwohl die Jugendspieler dringend Leute gesucht haben, die die Teams führen könnten. Aber ich wusste genau, dass ich, wenn ich das anfange, dann will ich auch voll dabei da sein. Durch meine Selbstständigkeit, bei der ich durch ganz Deutschland reise, um Seminare zu geben, hätte ich das nicht leisten können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die Selbstständigkeit würde, falls sie gewählt werden, auch erst mal ruhen?

Klaus Schmitt: Natürlich ist mein Ziel jetzt auf das Bürgermeisteramt ausgerichtet und die Selbstständigkeit würde ruhen. Die würde ich dann komplett aufgeben müssen, weil sich das nicht vereinbaren lässt vom Zeiteinsatz her. Ich habe auch schon meine Kunden informiert, dass wir eine Lösung brauchen für den Tag nach dem 8. Mai 2022, falls mich die Ingelfinger wählen.

Erschwerte Bedingungen: Wahlkampf in Coronazeiten

GSCHWÄTZ: Jetzt gehen Sie in den Wahlkampf bis Mai. Wie ist das in Coronazeiten? Wie kann man da überhaupt einen vernünftigen Wahlkampf führen?

Klaus Schmitt: Ich werde jede Chancen nutzen, die ich kriege, um die Einwohner:innen persönlich zu treffen. Natürlich hat man den größten Hebel, wenn man in die Organisationen geht, wo man mehr Leute auf einmal treffen kann. Es wird mich aber auch nicht davon abhalten, auch von Briefkasten zu Briefkasten zu gehen und mal zu klingeln an der Haustür und meine Prospekte abzugeben und mich vorzustellen, damit die Bürger:innen auch mal den Klaus Schmitt gesehen haben, der sich als Bürgermeister bewirbt und um ins direkte Gespräch mit den Leuten zu kommen.

Stärken und Schwächen von Klaus Schmitt

GSCHWÄTZ: Eine letzte Frage zum Schluss ist so eine typische Bewerbungsfrage, die immer vom Personaler gestellt wird, die kennen Sie sicher auch: Wenn Sie uns zum Abschluss noch drei ihrer Stärken und drei ihrer Schwächen nennen könnten.

Klaus Schmitt: Fangen wir mal mit den Stärken an. Die Tatsache, dass ich Menschen mit Respekt behandele und ich auch mit Respekt behandelt werden möchte, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander agieren und dass ich immer ein offenes Ohr habe – egal, ob es die Leute im Rathaus selber sind oder in den Vereinen oder die Bürger:innen, die auf mich zukommen. Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig. Ich denke, die Kommunikation, da hapert es enorm in Ingelfingen. Wenn ich sehe, wer alles verärgert ist, wer alles vergrault ist, wer frustriert ist. Da sehe ich gute Chancen, die Stadt wieder voran und näher zusammenzubringen.

GSCHWÄTZ: Jetzt kommen wir zu Ihren Schwächen …

Klaus Schmitt: Sicher, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, fehlt mir Verwaltungserfahrung. Aber ich scheue mich nicht, mich in Dinge hinein zu arbeiten. Ich weiss, dass ich das gut kann. Und ich habe auch noch nicht die Vernetzung habe, die es braucht. Aber auch da denke ich, dass das die Zeit mit sich bringt. Es ist mir wichtig, einen besseren Kontakt mit den Nachbargemeinden und den Rathäusern herzustellen. Diese Kultur ist leider etwas verloren gegangen ist.

GSCHWÄTZ: Dann wünschen wir Ihnen jetzt eine angenehme Wahlkampfzeit und viel Spaß und Erfolg.

Klaus Schmitt: Dankeschön.

Das Gespräch führten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer.

Mehr Informationen über Klaus Schmitt gibt es auf seiner Internetseite: https://buergermeister-kandidat-klaus-schmitt-ingelfingen.jimdosite.com/

 

 

 




Versinken im Verpackungsmüll

Katzenfutter. Das Katzenfutter ist schuld. Gefühlt der halbe Gelbe Sack besteht bei uns, aus lilafarbenen Kunstoffbeuteln, welche jeweils die Größe einer Packung Schokolade haben. Doch das ist nicht ganz richtig. Dazwischen sehe ich unter anderem eine leere Duschgelpackung, leere Käsepackungen, leere Schoki- und Müsliverpackungen, eine leere Traubenverpackung und zahlreiche benutzte Coronatest-Kits.

Das Katzenfutter ist schuld und Checker Tobi weiß Rat

Mit diesem Gelben Sack konfrontiere ich meine Kinder und frage sie, wo sie denn Einsparungspotenzial sehen würden, damit wir unseren Kunststoffmüll reduzieren. Meine Kinder scheinen gut informiert und brauchen nicht lange zum Überlegen. Die leere Zahnpastatube könne man vermeiden, indem man „so Zahnpastatabletten im Unverpackt-Laden kauft“, erklärt mein zwölfjähriger Sohn. Von Checker Tobi aus dem Fernsehen wisse er das. Der habe auf youtube auch schon mal ein Video veröffentlicht, indem es darum ging, Plastik im Alltag zu vermeiden.

Weit und breit kein Unverpackt-Laden

Die Frage ist nur: Wo gibt es im Hohenlohekreis einen Unverpackt-Laden? Ein kurzer Blick in Google bringt die Ernüchterung. In Heilbronn, Schorndorf oder Backnang gibt es anscheinend die nächsten. „Dann fahren wir da hin“, jubeln die Kinder begeistert. Ich erkläre, dass ich das nicht sonderlich sinnvoll finde, so viele Kilometer zu fahren. Auch das ist ja nicht wirklich energie- und damit klimafreundlich.

Hofläden als Alternative im Hohenlohekreis

Wer auch diverse Unverpackt-Angebote bereithält oder auch wiederverwertete Verpackungen, das sind die kleinen Hofläden, die es bei uns im Hohenlohekreis überall gibt. Wir gehen jede Woche einmal in den Vollsortiment-Hofladen Frank in Garnberg. Bislang habe ich aber ehrlich gesagt nicht wirklich auf Verpackungen geachtet. Ich glaube, da kann  man auch Reis und Nudeln unverpackt kaufen, aber mit welchen Behältnissen transportiere ich die am besten nach Hause? in Tupperdosen oder Glasbehältern?

Nudeln und Reis kann man im Hofladen Frank in Garnberg einfach in eigene Glasbehälter abfüllen lassen. Foto: GSCHWÄTZ

Für Gemüse und Obs gibt es spezielle Netzbeutel, die man immer wieder benutzen kann. Foto: GSCHWÄTZ

Irgendwo zu Hause habe ich auch noch Stoffnetze in verschiedenen Größen für den Obst- und Gemüse

Irgendwo zu Hause habe ich auch noch Stoffnetze in verschiedenen Größen für den Obst- und Gemüseeinkauf. Damit spart man sich die dünnen Kunststofftüten. Kaufen kann man diese unter anderem bei Mehrweghelden.

Das Hauptproblem: An die normalen Stofftaschen denke ich ja noch, wenn ich einkaufen gehe, aber oft nicht an die Obst- und Gemüsebeutel. Im Hofladen vergesse ich konsequent, meine leeren Eierschachteln zum Nachfüllen mitzubringen. Die Bienenwachstücher an der Kasse von Frau Frank finde ich sehr interessant, nur weiß ich derzeit noch nicht, wie wir persönlich sie am besten bei uns im Haushalt einsetzen können. In Glas kaufe ich jetzt schon viel ein: Joghurt, Sahne, Milch. Das alles trägt zur Plastikreduktion bei. Es schleppt sich nur etwas schwerer damit.

Seife kann man im Hofladen Frank einfach abfüllen, in dem man die alte Verpackung, wenn sie leer ist, wieder mitbringt. Foto: GSCHWÄTZ

Seltsames Gefühl, mit einer Tupperdose an der Metzgerstheke zu sehen

Auch die großen Supermärkte stellen immer mehr um – nicht nur auf Bio- und Demeterware. Diverse Produkte in der Obst- und Gemüseabteilung sind, etwa bei Edeka, nicht mehr in Plastik verpackt, sondern in Pappschälchen. Aber ob das besser ist als Plastik? Immerhin wollen wir auch mit unseren Holzressourcen sparsamer umgehen. Am besten, man versucht auch im Supermarkt, seine eigenen Verpackungen mitzubringen oder – zum Beispiel beim Einkauf von Bananen – ganz darauf zu verzichten. Schließlich hat diese Frucht bereits ein Verpackung. Man fühlt sich aber vor allem auf dem Land noch etwas seltsam, wenn man der Metzgerstheke steht und seinen mitgebrachten Behälter rüberreicht, damit der Metzger hier den Käse reinlegt. Aber man hat damit schon wieder eine Verpackung gespart.

Nicht nur eine Glaubens- sondern auch eine Geldfrage

Beim Katzenfutter habe ich keine wirkliche Alternative beim Einkaufen ums Eck gefunden. Im Internet kann man Katzenfutter im Glas bestellen. Ein Sechser-Set (jeweils 200 Gramm) kostet 15,54 Euro. Das reicht bei uns vermutlich lediglich drei Tage. Aber wenn ich auf die normale Supermarktverpackung schaue, sind da auch nur 12 Beutel mit jeweils 85 Gramm drin. Also eigentlich noch weniger als in den Gläschen. Dennoch: Der Preisunterschied beträgt trotzdem stolze sieben Euro zwischen der Glasverpackung der Kunststoffverpackung. Nachhaltig leben kostet, auch wenn man die anderen Produkte betrachetet, die man im Glas ansatt in Plastik kauft, oft deutlich mehr. Es ist also schon auch eine Geld- und nicht nur eine Überzeugungsfrage, wer sich solche Produkte leisten kann. Andererseits gibt es Produkte, die zwar teurer sind, dafür aber auch deutlich länger halten, beispielweise Seife am Stück anstatt Flüssigseife aus einem Plastikspender.

Katzenfutter im Glas. Bestellbar auf: hunde-undkatzengenuss.de

Nach einer Woche ist der Gelbe Sack nur noch halb voll

Schauen wir mal, wie es in unserem Gelben Sack nach einer Woche ausschaut. Es ist tatsächlich nur noch zur Hälfte gefüllt. Man muss dafür aber schon sehr gut vorbereitet zum Einkaufen gehen. Dennoch: Da geht noch mehr. Wir bleiben dran.

Nach einer Woche schrumpft der Inhalt des Gelben Sackes merklich dahin. Foto: GSCHWÄTZ

Neue GSCHWÄTZ-Serie: Nachhaltiger leben im Ländle. So geht‘s.

Hofläden im Künzelsauer Umland

Allein in Google sind 17 Hofläden im Hohenlohekreis gelistet, unter anderem der Hofladen Kornblume (mit sehr vielen Unverpackt-Angeboten auch etwa im Müslibereich) bei Schloss Stetten oder das Bio Eier Lädle auf dem Kügelhof. Alle Hofläden im Überblick mit Öffnungszeiten gibt es hier.

Im nächsten Teil: Dr. Sandra Hartmann testet Shampoo am Stück und plastikfreie Zahnpasta-Tabletten. Schaut, was bei der Anwendung passiert.




Hallo, wir sind das Volk

Keiner kann genau sagen, der wie vielte Montagsspaziergang es ist am Montag, den 24. Januar 2022. Um kurz vor 18 Uhr stehen etwa 30 Menschen am Alten Rathaus und warten. Dann füllt sich immer schneller der Platz, um 10 nach 6 sind es mehrere hundert. Die Innenstadt Künzelsaus ist gut gefüllt.

Manche trinken danach noch gemeinsam einen Glühwein

Beim ersten Spaziergang vor ein paar Wochen sollen es lediglich fünf Bürger:innen gewesen sein, dann 20, 50, 150. Nun sind es gefühlt mehrere hundert. Es wird leise miteinander geredet. Um viertel nach 6 setzen sich dann die ersten in Bewegung, die anderen folgen und so laufen die Menschen ruhig und leise hintereinander her, durch Künzelsau und seine Gassen, um sich gegen 19 Uhr wieder am Alten Rathaus einzufinden. Manche trinken danach noch einen heißen Glühwein in weißen Pappbechern miteinander. Eine Maske trägt hier fast keiner.

Was soll damit erreicht werden?

Wir von der Presse sind zum zweiten Mal dabei und möchten wissen: Was möchten die Menschen mit diesen Montagsspaziergängen erreichen? Bei unserem ersten Besuch vor einer Woche wollte keiner so Recht Auskunft geben, es wurde uns gegenüber lediglich gesagt: „Wir gehen hier nur spazieren.“

„Wir haben uns gerade zufällig getroffen“

Heute beginnen die ersten Gespräche fast genau so. „Wir haben uns gerade zufällig getroffen“, sagen mir drei Männer mit einem Augenzwinkern. „Ich wollte gerade einen Stadtbummel machen.“ Als wir den Befragten Anonymität zusichern, das heißt, ihre Namen nicht nennen, fangen sie an zu reden, warum sie hier sind. Und sie haben einiges zu sagen.  Corona und die Verordnungen hierzu sind nur ein Thema unter vielen. Schnell wird klar: Hier geht es ums große Ganze. Um die Politiker, denen diese Bürger:innen zunehmend misstrauen.

Heftige Impfnebenwirkungen

Vorneweg, sagt ein Mann, „ich bin zweimal geimpft“. Aber: „Wenn man sich impfen laässt, dann muss das auch eine Wirkung haben.“ Aber Geimpfte können nach wie vor andere anstecken. Daher ist er „vom Wirkstoff nicht überzeugt.“ Er erzählt von seiner Frau, 50 Jahre, die sich habe boostern lassen mit Pfizer. 7 Wochen sei das nun her. Sie habe seitdem so starke Kreislaufprobleme, dass sie sich kaum auf den Beinen halten, geschweige denn Auto fahren könne.

Man sollte anfangen, das Volk einzubeziehen

Der Mann neben ihm ergänzt: „wo ich so lachen musste, als es hieß, dass jeder eine Bratwurst bekommt, der sich impfen lässt“. Was alle gleich klarstellen, mit denen wir sprechen, dass sie keine Coronaleugner sind. „Corona ist da und kann sehr schwer verlaufen, keine Frage“, sagt ein Mann mittleren Alters. Daher sei es aber auch unsinnig, „Krankenhäuser zu schließen und Intensivbetten abzubauen“. Die Männer sind unzufrieden mit der aktuellen Politik. Welche Partei würde es aber derzeit besser machen?

Sie möchten nicht in eine Ecke mit Rechtsradikalen oder Coronaleugnern gesteckt werden

„Die Basis“ bekommen wir als Antwort. Christian Wulff sei „super“ gewesen. Ein junger Mann sagt: „Man sollte anfangen, das Volk einzubeziehen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil einer Demokratie“, Volksentscheide seien eine solche Möglichkeit. Warum aber werde das nicht gemacht, möchten wir wissen. Traut die Politik dem Volk zu wenig zu? „Die Politik folgt dem Geld“, antwortet ein anderer Mann. „Es geht um die Gesamtsituation.“ Man habe jetzt durch Corona auch mehr Zeit zum Nachdenken und man sehe nun mehr, wo es brenne und falsch laufe. Aber dennoch sei er nicht fatalistisch. „Es wird alle gut enden. Die Wahrheit wird ans Licht kommen.“

„Man muss aufpassen, was man sagt.“

Warum möchten sie nicht mit Namen genannt werden?, möchten wir von ihnen wissen. „Man muss aufpassen, was man sagt.“ Sie möchten nicht in eine Ecke mit Rechtsradikalen oder Coronaleugnern gesteckt werden. Sie möchten lediglich still und gewaltlos protestieren. „Gewalt war noch nie eine Lösung“, betont ein Mann.

Ein anderer Mann mittleren Alters und ein älterer Mann berichten uns ebenfalls, warum sie bei de Montagsspaziergängen mitmachen, ebenfalls nur anonym. „Die Politiker leben in ihrer Filterblase und sind weit weg vom Volk.“ Es könne nicht sein, dass man demonstrieren gehe und dann mit Wasserwerfern, Tränengas und Pfefferspray geantwortet werde, wie es in Berlin der Fall gewesen sei (wir berichteten).

Lauterbach ein Lobbyist und Panikmacher im Quadrat

Die derzeitigen Politiker:innen schneiden schlecht ab bei einigen Spaziergängern. So sei „Scholz der größte Verbrecher, „die Merkel-Ära voll danebengegangen“, „Lauterbach ein Lobbyist und Panikmacher im Quadrat“, bei den GRÜNEN habe „doch keiner was gscheits gelernt“, jeder habe von jeder führenden Partei doch „irgendwie Dreck am Stecken“. Der Frust ist groß, der Vertrauensverlust in die Politik bei vielen da. Man befürchte eine zunehmende Digitalisierung und Überwachung der Bürger:innen, der Euro werde auch nicht mehr lange funktionieren, weil etwa in Griechenland ganz andere Verhältnisse als in Deutschland herrschen. Während Amazon massenhaft Gewinne einfahren, fahren kleine Betriebe in der Pandemie an die Wand.

„Jeder kleine muss alles offenlegen und die Politiker können drei Jpbs nebenher machen. Die sollen erstmal einen richtig machen.“

Der Mann mittleren Alters fordert, „den ganzen Lobbyismus in der Politik zu kappen und alles transparent zu machen“. Denn: „Jeder kleine muss alles offenlegen, während die Politiker können drei Jobs nebenher machen. Die sollen erstmal einen richtig machen.“

Auch das Thema Migration und Flüchtlingspolitik wird kurz gestreift. „Es kommen zu viele rein, wir müssen den Leuten dort helfen, wo sie herkommen“, sagt ein Mann. Es gehe darum, die Fluchtursachen zu bekämpfen. An den Klimawandel glaubt er nur teilweise. Aber ohnehin gäbe es viel zu viele Informationen, die kaum mehr einordenbar wären. Was ihm aber wichtig ist, zu betonen hinsichtlich Corona:

„Mann kann die Coronaverordnung benutzen, um die Menschen massiv einzuschränken“, auch über Corona hinaus. Manche Verordnungen seien auch nicht sonnvoll oder wirksam. Die normale Makse schütze 90 Prozent so gut wie eine FFP2-Maske und sie sei darüber hinaus viel sauerstoffdurchlässiger [Achtung: Diese Aussagen haben wir von der Redaktion keinem Faktencheck unterzogen. In unserem Artikel geht es und zunächst darum, zu zeigen, aus welchen Beweggründen Menschen derzeit auf die Straße gehen]. Im Freien brächten Masken „gar nichts“.

Der ältere Mann sagt, dass er feststelle, dass Kinder in seiner unmittelbaren Umgebung „geschwächt von der Schule nach Hause kämen aufgrund von Sauerstoffmangel durch das stundenlange Tragen der Maske. Thema Ausgangsbeschränkungen. „Den Menschen wird komplett die Eigeninitiative entzogen“, fährt der Mann mittleren Alters fort. Auch er kennt jemanden, dem es nach der Boosterimpfung nicht gut ging und kurzzeitig Schwindel und Lähmungserscheinungen gehabt hätte.

Gelernter Bankkauffmann Jens Spahn: „Bei uns kann doch jeder alles werden in der Politik“

Die Politiker seien mit der Situation „total überfordert“. Wenn man bedenke, dass Jens Spahn gelernter Bankkauffmann sei [Faktencheck: stimmt], „bei uns kann doch jeder alles werden in der Politik“, empört sich der Mann. Er möchte über seinen persönlichen Impfstatus keine Auskunft geben, nur so viel: „Der Genesene oder Geimpfte kann alles weitergeben, ich teste mich jeden Morgen mit einem Selbsttest. Er sei gegen Pocken und Masern geimpft. Aber dieser Impfstoff sei noch nicht richtig erforscht. Aber Deutschland lebe auch in anderen Bereichen noch gefühlt in der Steinzeit, wenn man an die zahlreichen Funklöcher denke oder dass man noch mit dem Fax arbeite. Er endet mit den Worten: „Deutschland wird bald um Sozialfall.“

„Auch in Krisenzeiten sind die Grundrechte einzuhalten.“

Auf Nachfrage gibt uns auch eine Frau Auskunft, warum sie heute hier ist. „Auch in Krisenzeiten sind die Grundrechte einzuhalten.“ Was sie damit meine, möchten wir wissen. „Jetzt wird alles durchgewunken. Was früher der Bundesrat entschieden hat, entscheiden nun Gremien. Die sind gar nicht legitimiert [durch das Volk, Anm. der Red. Faktencheck: Es gab wesentliche Änderungen im beschleunigten Gesetzgebungsverfahren hinsichtlich diverser Coronaverordnungen, das ist daher teilweise korrekt, siehe auch: https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/strafrecht-oeffentl-recht/bundeseinheitliche-corona-notbremse-vom-kabinett-beschlossen_204_540916.html]

„Die Entwicklung macht uns Angst“

Was ihren Begleiter sauer aufstößt: Dass trotz gesunkener Coronazahlen, Baden-Württemberg an der Alarmstufe II festhält. „Sein Fazit: „Die halten sich ja nicht mal an ihre eigenen Verordnugnen.“ Unisono hieß es überdies: Die Impflicht komme nicht, nun soll auch das GESCHWÄTZ von gestern sein. „Das ist Wortbruch“, sagt der Mann. Die Frau ergänzt: „Die Entwicklung und was noch kommen könnte, macht uns Angst.“

Text: Dr. Sandra Hartmann, Fotos und Video: Markus Neugebauer




„Das war peinlich“

Es war eine denkwürdige Gemeinderatssitzung in Ingelfingen und niemand von der hiesigen Presse war anwesend, sondern musste sich die Informationen im Nachgang zusammentragen. Auch die Redaktion GSCHWÄTZ war nicht vor Ort. Dieser Bericht soll rekonstruieren, was am 14. Dezember 2021 in der Stadthalle geschehen ist. Bitte beachten Sie beim Lesen jedoch, dass wir nicht vor Ort waren und lediglich das berichten, was uns im nach hinein von Dritten, die in dieser Sitzung anwesend waren, berichtet wurde.

„Das war peinlich“

Um 19 Uhr startete die Sitzung mit insgesamt 10 Punkten. Allerdings verlief bereits der erste Punkt, in dem es um die Bürgermeisterwahl 2022 ging, nicht wie diverse Anwesende vermutlich gedacht haben. Bürgermeister Michael Bauer gab bekannt, dass er nochmal als Bürgermeister kandidieren möchte. Hierfür gab es verhaltenen Beifall von Gemeinderäten, was im Nachhinein unter anderem mit dem Satz kommentiert wurde: „Das war peinlich.“ Es wäre die 3. Amtszeit von Bürgermeister Bauer.

Dr. Baum leitete als Stellvertreter von Bürgermeister Bauer, der bei diesem Tagesordnungspunkt befangen war, die Sitzung.

Die Mehrheit der Gemeinderäte setzten sich für einen späteren Wahltermin ein

Die Verwaltung hatte in der Einladung zur Gemeinderatssitzung den frühest möglichen Wahltermin, den 03. April 2022 vorgeschlagen. Daraufhin wehrten sich Gemeinderäte. Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Schmezer brachte einen fraktionsübergreifen Antrag ein, dass die Wahl erst am 15. Mai 2022 stattfinden soll. Der Grund: „Wir wollten den Wahltermin nach hinten schieben, dass ein Wahlkampf im wärmer werdenden Frühjahr möglich ist (auch wegen Corona, wenn möglicherweise keine Hallenveranstaltungen möglich sind) und aus Fairnessgründen, dass ein wenig mehr Zeit bleibt für einen Bewerber von außen“, erklärt Gemeinderat Bernd Bauer gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ.

Bürgermeister Bauer saß abseits vom Geschehen

Eine zwei Drittel Mehrheit, nämlich 14 Gemeinderäte, hat dann für den abgeänderten Antrag mit Wahltermin 8. Mai 2022 gestimmt. Sieben Gemeinderäte waren dagegen, ein Gemeinderat hat sich enthalten.  Bürgermeister Michael Bauer durfte sich während der Diskussion und Abstimmung nicht zu Wort melden und saß etwas abseits vom Geschehen („Der Befangene muss abrücken“).

„Wenn das so ist, dass man Wahltermine ausmachen darf, wenn man mit dem Bürgermeister  befreundet ist, dass haut dem Fass den Boden raus“

In der Diskussion hat sich herausgestellt, dass eine Vorbesprechung über das Wahlprozedere  stattgefunden hat. Teilnehmer Bürgermeister Michael Bauer und die zwei stellvertretenden Bürgermeister Dr. Baum und Frau Hagdorn. Nicht dabei war Susanne Schmezer. Nach mehreren Wortwechseln erklärte Dr. Baum daraufhin in öffentlicher Sitzung gegenüber den restlichen Gemeinderäten, dass dieses Treffen stattgefunden habe, weil die drei befreundet sind. Das ist manch einem Gemeinderat sauer aufgestoßen: „Wenn das so ist, dass man Wahltermine ausmachen darf, wenn man mit dem Bürgermeister  befreundet ist, dass haut dem Fass den Boden raus“, wurde von einem Besucher der Gemeinderatssitzung auf dem Heimweg geäußert.

Schließlich einigte man sich beim Wahldatum auf den 08. Mai 2022, da am 15. Mai 2022 noch diverse andere größere Aktivitäten in den Teilorten stattfinden, etwa die 777-Jahr-Feier in Dörrenzimmern.

Die Suche nach einem geeigneten Gegenkandidaten läuft.




Die Corona-Angst und ihre Profiteure

Seid zwei Jahren beherrscht Corona unser Leben. Wir befinden uns mitten in einer Pandemie. Die Angst geht um – die Angst, Corona zu bekommen, die Angst vor Impfverweigerern, die Angst vor dem Impfstoff, die Angst, wenn der Nachbar einen anhustet, die Angst vor Umarmungen. Wir sind eine Angst-Nation – schon immer gewesen. Und jetzt haben wir alle noch mehr Angst. Aber ist das ein guter Weg, um aus der Krise zu kommen?

Stoffmasken für alle war auch so ein Fehler

Auch die Politiker:innen und Wissenschaftler:innen sind nicht allwissend. Doch in dieser komplizierten Zeit hofft man inständig, dass diese Menschen quasi die Halbgötter in Coronazahlen sind. Doch das ist leider nicht der Fall. Auch Politiker:innn sagen manchmal die Unwahrheit oder wissen es nicht besser, auch die Wissenschaft liegt nicht immer richtig. Viele Dinge auch im Bezug auf Corona wurden in den vergangenen Jahren daher auch korrigiert, angefangen bei den Stoffmasken. Man denke zurück an das Jahr 2020, als Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck seine Bürger:innen aufgerufen hat, Stoffmasken für alle zum Schutz vor Corona zu nähen. In dem damaligen Glauben, diese würden vor Coronaviren ausreichend schützen. Falsch gedacht. Das ist auch nicht verwerflich, sondern menschlich.

Die größten Corona-Irrtümer

Nur sollte es uns vor Augen führen, dass auch politische Aussagen und Verordnungen nicht alle immer sinnvoll und logisch sind, sondern aus der Not heraus geboren, weil wir alle so etwas noch nicht erlebt haben. Der Weg aus Corona heraus ist gepflastert mit Verordnungen – und mit vielen Irrtümern.

1. Beispiel Norddeutschland: Tischnachbarn, die zuvor noch gemeinsam (ohne Maske und Abstand) im Schwimmbad waren, nicht ohne Maske miteinander sprechen beim Essen. Das heißt, wenn man gerade ein Schnitzel isst und gerne danach noch einen Satz zum Tischnachbar sagen möchte, der einen Tisch nebendran sitzt, muss man zwischen Essen und Kommunikation stehts die Maskenpflicht einhalten. Am Tisch selbst darf aber im Rahmen der eigenen Familie auch maskenlos kommuniziert werden.

Unlogisch weil: Dann hätte man das Treffen im Schimmbad ebenfalls verbieten müssen. Des Weiteren: Aerosole bleiben nicht am eigenen Tisch, auch wenn man sich nur am eigenen Tisch unterhält. Effektiver wären tägliche Corona-Testungen sowie das Tragen von FFP2-Masken anstatt gewöhnlicher OP-Masken.

2. Ungeimpfte dürften in manchen Bundesländern nicht mehr in die Einzelhandelsgeschäfte, etwa zum Kauf von Kleidung und Schuhen. Wohlgemerkt: Die Autorin dieses Artikels ist geimpft (Schlimm, dass man das schon vornewegnehmen muss, damit man keinen Stempel erhält).

Unlogisch deshalb, weil hier ständige Antigentests, die Ungeimpfte machen können, mindestens genauso gut vor der Weiterverbreitung schützen würden wie Geimpfte, die das Virus totz Impfung symptomlos weiterverbreiten können. Will man das Virus wirkungsvoll bekämpfen, müssten ständige zusätzliche Schnelltests (ähnlich wie in der Schule) bei jedem Bürger zum Alltag gehören. Aber dazu Bedarf es auch und vor allem im ländlichen Raum überall Möglichkeiten, spontan Schnelltests bei Dritten machen zu können. Das ist leider derzeit nicht der Fall.

3. Ein Virus macht weder Halt an Ländergrenzen noch an Bundesländergrenzen. Wie also will man etwa in Deutschland effektiv das Virus bekämpfen, wenn in jedem Bundesland, ja teilweise in jeder Kommune, andere Coronaregeln gelten beziehungsweise selbst im Einzelhandel vermeintlich jeder die Verordnungen anders auslegt und umsetzt? Warum darf ein kleines Teegeschäft Ungeimpfte, etwa mit einem aktuellen Schnelltest, nicht hineinlassen, dafür drängeln sich aber ungeimpfte wie geimpfte Kunden ins Kaufland hinein?

Logisch wäre: Flächendeckende, einheitliche Regelungen und überall die Möglichkeit, sich schnelltesten zu lassen, um dadurch in jedes Geschäft zu dürfen

4. Isolation durch Lockdowns (monatelangen Ausgangssperren, Homeschooling, homeoffice)

Unlogisch weil: Die psychischen Schäden innerhalb der Gesellschaft dadurch vermutlich höher sind als die physischen. Wir können uns vor dem Virus nicht verstecken, wir werden vermutlich eine lange Zeit mit ihm leben müssen. Daher: Wenn homeschooling, dann auch wirklich homeschooling mit einem adäquaten Online-Unterricht und Online-Nachhilfe-Angebote für einzelne Schüler:innen.

5. Ungleichbehandlung bestimmter Gesellschaftsschichten. Wie kann es sein, dass der Kreistag des Hohenlohekreis in seiner letzten Sitzung für das Jahr 2021 ohne Masken in einer Stadthalle sitzt, während wiederum Schüler:innen im Hohenlohekreis ständig Masken im Unterricht tragen sollen?

Unlogisch weil auch die Kinder wie die Politiker schnellgetestet werden. Daher: Maskenregelung entweder für alle oder jeder macht morgens einen Schnelltest und die Maskenregelung fällt dadurch für alle. Nur: Einheitlich muss es sein, sonst wirkt es unglaubwürdig.

6. Omega. Die nächste Virusmutatente. Es wird nicht die letzte sein. Und immer wieder ist dabei ungewiss, ob unsere bisher entwickelten Impfstoffe ausreichend dagegen sind. Viele Menschen fühlen sich durch die neuen Mutanten auch als Geimpfte nicht wirklich sicher, sind es ja da facto auch nicht. Eine derartige Verunsicherung schürt jedoch noch mehr Ängste, Unsicherheit, Frust und Wut auf „die da oben“, die die Pandemie einfach nicht in den Griff zu bekommen scheinen, während die Bürger:innen mit unzähligen Einschränkungen und Auflagen ihren Alltag gestalten müssen, ohne dass – betrachtet man die Zahlen – sie vermeintlich etwas bringen.

Was hilft? Die Wahrheit. Poltiker:innen sollten auf Heilsversprechen verzichten, dass die Pandemie bald vorbei sei oder dass es nie wieder einen Lockdown gibt. Denn: Versprechungen, die ständig gebrochen werden, denen wird irgendwann auch gar nicht mehr geglaubt. Besser: Wenn man ehrlich sagt, dass man die Antwort darauf aktuell noch gar nicht weiss.

6. Die Suche nach dem Sündenbock. In jeder Krise wird bekanntlich nach einem Sündenbock gesucht, weil die Menschen eine vermeintlich einfache Erklärung beziehungsweise Lösung für komplizierte Vorgänge brauchen. In der Coronapandemie ist die Rechenaufgabe leicht. Zu wenig Geimpfte (nur knapp etwas über 70 Prozent), zu viele Ungeimpfte.

Unlogisch weil: Noch 2020 sagten diverse Politiker:innen, dass eine Impfquote von 70 Prozent die Pandemie beenden könnte. Wenn man Politiker:innen und Wissenschaftler:innen jetzt fragt, bekommt man ganz unterschiedliche Antworten. Das eigentliche Problem: Auch bei einer Impfquote von 80 oder sogar 90 Prozent kann sich das Virus trotz Impfung weiterverbreiten. Und: Neue Virusvarianten kommten ständig hinzu. Manche Impfstoffe sind hier nicht so wirkungsvoll. Es gibt daher diverse Gründe, warum es die Pandemie nach wie vor gibt.

Wer sich boostern lassen möchte, steht daher nicht selten stundenlang in einer Schlange vor einer Stadthalle an

7. Das schwierige Boostern im ländlichen Raum. Wer sich boostern lassen will, hat es nicht überall gleich leicht. Saisonal betrachtet gibt es um die Weihnachtstage viel mehr Angebote als noch Anfang Dezember und deutschlandweit betrachtet gibt es in manchen Bundesländern weit mehr Angebote als in anderen. Im ländlichen Raum herrscht generell eine Ärzteknappheit. Wer sich boostern lassen möchte, steht daher nicht selten stundenlang in einer Schlange vor einer Stadthalle an. „Niedrigschwellige Angebote“ lautet hier die Lösung. Wenn ich möchte, dass sich viele boostern oder impfen lassen, muss ich auch dementsprechend leicht zu bekommende Impfungen anbieten.

„Ich vertraue nur der Tagesschau“

Doch auch hier sickert wieder das marode Gesundheitssystem in Deutschland durch. Selbst in der Pandemie wird nicht mehr oder nur punktuell beziehungsweise zeitlich begrenzt das Gesundheitssystem mit Finanzspritzen gestärkt, anstatt flächendeckend und generell mehr Geld in die Säule Gesundheit zu investieren, das heißt, in Personal, Krankenhäuser und Arztpraxen auch und vor allem im ländlichen Raum. Wer eine Praxis für Psychotherapie in Deutschland eröffnen möchte, muss warten, bis ein Sitz frei wird, das heißt, bis jemand zum Beispiel in den Ruhestand geht und die Praxis und damit auch den Sitz verkauft. Man kann nicht einfach eine neue Praxis eröffnen. Und dabei übersteigt auch in diesem Bereich schon jetzt bei Weitem die Nachfrage das geringe Angebot, so dass Patienten nicht selten Jahre auf einen Termin warten müssen.

Auch wenn viele Medien dasselbe berichten, muss das nicht unbedingt dadurch wahr sein.

8. „Ich vertraue nur der Tagesschau.“ Solche Sätze hört man immernoch beziehungsweise wieder immer häufiger von Bürger:innen, wenn es darum geht, wie sie journalistische Inhalte verifizieren, wenn es etwa um Fakten zur Coronapandemie geht. Man vertraut den Öffentlich-Rechtlichen, aber man darf dabei schlicht und einfach nicht vergessen, dass dieses Fernsehen staatlich getragenes Fernsehen ist. Und dass daher auch Pressemitteilungen des Staates ukritisch weiterverbreitet werden. Daher sollte man, wenn man nur mal einen Blick in die TV-Landschaft schaut, nachrichtliche Inhalte von der ARD genauso kritisch konsumieren wie journalistische Inhalte von RTL. Journalistische Inhalte gelten dann als seriös, wenn man am optimalisten die Inhalte mit den originär Quellen verknüpft und transparent macht. Das heißt: Woher kommt die Aussage? Auf welche Primärquelle stützt sie sich (etwa eine Studie, von wem ist die Studie in Auftrag gegeben, was will vielleicht jemand mit einer bestimmten Meldung bewirken)? Auch wenn viele Medien dasselbe berichten, muss das nicht unbedingt dadurch wahr sein. Oft wird eine Nachricht von der Politik an die Deutsche Presseagentur lanciert (dpa), die DPA wiederum schickt die Pressemitteilung an alle Tageszeitungen Deutschlands, dies wiederum veröffentlichen die Einheitsmldung am darauffolgenden Tag, die Leser:innen wiederum konsumieren unkritisch diese Meldung.

Es gib bislang noch keine Coronaimpfung, die das Virus nicht weiterverbreitet.

9. 2G+-Regelung. Das bedeutet: Hier dürfen nur Menschen hin, die genesen und/oder geimpft sind und einen zusätzlichen Schnelltest gemacht haben. Viele Geimpfte ärgert diese Regelung, weil sie sich eigentlich erhofft hatten, durch die Impfung keine Einschränkungen zu erfahren. Nun also doch. Das macht deutlich: Es gib bislang noch keine Coronaimpfung, die das Virus nicht weiterverbreitet.

Logisch wäre: Ein Impfstoff, der nicht nur die Symptome unterdrückt, sondern eine Ansteckung und Weiterverbreitung verhindert. Aber daran wird hoffentlich derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Glaubwürdigkeit in der Politik

10. Glaubwürdigkeit in der Politik. Enttäuschend für viele Bürger:innen war der Ausgang der CDU-Maskenaffäre 2020. Millionen wurden dabei von diversen führenden CDU-Köpfen verdient. Als Konsequenz gab es vermeintlich nicht viel zu befürchten. So wird Vertrauen in die Politik vor allem in dieser unsicheren Zeit nicht gestärkt. Es müsste daher klare Linien geben, dass Politiker:innen sich in keinster Form bereichern dürfen, etwa durch so genannte „Maskendeals“. Am besten wäre natürlich, wenn ein Bundestagsabgeordnete gar nicht in der freien Wirtschaft während seines Bundestagsmandats tätig sein dürfte, sondern sich allein auf sein Bundestagsmandat konzentriert.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Bauers Reifeprüfung

Als Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer (54) 2006 zum Bürgermeister von Ingelfingen gewählt wurde, war er frische 40 Jahre und sprühte vor Enthusiasmus und einem positiven Gemüt. Mittlerweile sind fast 16 Jahre ins Land gezogen. Die Haare sind lichter, der Blick ernster und nicht selten düsterer. Der Bürgermeister war auch vor Corona immer seltener bei öffentlichen Auftritten zu sehen.

Rosinenpicker

Er ließ unter anderem verlauten, dass er eben nicht an allem interessiert sei (wir berichteten), zum Beispiel am Fasching. Die Veranstalter waren enttäuscht. Denn auch wenn ein Bürgermeister ein Faschingsmuffel ist, sollte er doch den Organisatoren den Anstand zollen, sich auf diese Veranstaltung, die lediglich einmal im Jahr in der Stadthalle mit viel Mühe ausgerichtet wurde, hinzubemühen.

Auch Veranstaltugen des TSV nahm er immer seltener oder gar nicht wahr, weil es zwischen ihm und dem TSV-Vorsitzenden Bernd Bauer viele Spannungen gab und gibt.

Beleidigte-Leberwurst-Verhalten

Menschlich vielleicht verständlich, wenn jemand ein Faschingsmuffel ist, dass er solchen Veranstaltungen nicht beiwohnt. Oder auch TSV-Veranstaltungen meidet, wenn man sich mit dem Vorsitzenden nicht gut versteht. Aber ein Bürgermeister ist eben nicht Hans Müller vonnebenan, sondern sollte sich in derartigen Situationen anders verhalten. Ein Beleidigte-Leberwurst-Verhalten ist nicht angemessen für einen Rathauschef, sondern wirkt, pardon, eher lächerlich.

Wer tritt gegen Bauer an?

Die größte Schlappe: Sein Projekt, das Einbahnstraßendasein der Mariannenstraße in Ingelfingen, scheiterte kläglich am Protest der Bürger:innen und Gemeinderäte. In einer so kleinen Stadt wie Ingelfingen eher eine Seltenheit.

Die wenigsten gewinnen bei einer Wahl gegen einen amtierenden Bürgermeister

Diverse Gemeinderatmitglieder suchen daher derzeit händeringend nach einem Ersatzkandidaten, der gegen Bauer zur Wahl 2022 antreten könnte. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn kaum jemand kann sich im ländlichen Hohenlohekreis gegen einen amtierenden Bürgermeister bei einer Wahl durchsetzen – unabhängig davon, was schon alles in der Vergangenenheit vorgefallen ist. Denn: Diverse Bürger:innen kennen Bauer nur vom Foto und machen ihr Kreuz einfach bei dem Namen, der ihnen bekannt und vertraut ist.

Kritische Nachfragen stellen nur die mutigen Bürger:innen

Falls er wiedergewählt wird, wird es weitere acht Jahre nicht einfach werden für all diejnigen, die es sich mit ihm verscherzt haben. Nicht selten reichte dafür, eine andere Meinung zu äussern oder sich anders verhalten zu haben, als Bauer es sich gewünscht hat. Und Michael Bauer ist nachtragend. Daher wird es sehr spannend sein, mit anzusehen, wie er sich bei seinen Wahlkampfveranstaltungen nach aussen präsentiert. Kritische Nachfragen stellen vermutlich nur die mutigeren Bürger:innen, denn da kann es passieren, dass man einen harten Gegenwind erfahren muss.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Weil du hier bist, ist alles möglich

Es gibt nicht viele Geschichten, insbesondere im Bereich Kinderbücher, die das Zeug dazu haben, auch dauerhaft als Standardwerke in den Bücherregalen aufbewahrt zu werden. Michael Endes „Die unendliche Geschichte, ist eines der ersten fantastischen Klassiker der Nachkriegszeit. Oder man denke an den Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupery. Kobi Yamadas Buch für Kinder (und Erwachsene) „Vielleicht“ – Eine Geschichte über die unendlich vielen Begabungen in uns“ ist weder so lang wie der Kleine Prinz noch so subtil. Aber es tut so gut. Und es ist so wahr.

Auch für Erwachsene geeignet

Anbei präsentieren wir Auszüge daraus:

„Hast Du Dich jemals gefragt, warum Du hier bist? Du bist Du. So jemanden wie Dich hat es noch nie gegeben und wird es auch nie mehr geben. In dir steckt so viel. Vielleicht wirst Du einmal etwas erfinden, Dinge bauen. Dein Leben gehört dir. Probiere Dinge aus.

Vielleicht wirst Du anderen helfen, die Schönheit in jedem Tag zu erkennen. Vielleicht wirst Du Menschen mit Deiner Begeisterung mitreißen.

„Aber du wirst auch wieder aufstehen“

Mache alles mit Liebe. Folge Deinem Herzen und schaue, wohin es Dich führt.

Vielleicht bist Du hier, um Licht an Orte zu bringen, die viel zu lange dunkel waren.

Vielleicht wirst Du für jene deine Stimme erheben, die nicht für sich selbst sprechen können.

Manchmal wird es sich richtig schwer anfühlen und du könntest sogar alles vermasseln. Aber Du wirst auch wieder aufstehen und ein wenig stärker daraus hervorgehen. Weil so viel mehr in dir steckt, als Dir bewusst ist.

Diese Welt braucht deine Begabungen, deine Talente, deine großartigen Ideen.

Da ist etwas Starkes, ja sogar Magisches in dir.

Eine Sache ist gewiss. Du bist hier. Und weil du hier bist, ist alles möglich.“

 

Im Namen des GSCHWÄTZ-Redaktionsteams wünsche ich allen Leser:innen schöne Weihnachtstage, bezaubernde Momente und einen friedlichen Rutsch ins neue Jahr.

Wir freuen uns auf 2022 mit Euch.

Winterliche Grüße

Dr. Sandra Hartmann

 

 

 




„Du kannst nichts und du bist nichts ohne mich“

Häusliche Gewalt ist laut Studien in den vergangenen zwei Coronajahren stark angestiegen. Doch nicht immer äußert sich diese Gewalt in blauen Flecken oder gebrochenen Armen. Neben der physischen gibt es die in Deutschland auch vor Gericht noch weitgehend unterbewertete und vielfach unterschätzte psychische Gewalt, unter der Kinder und Partner leiden – oft mit jahrelangen schwerwiegenden psychischen Folgen.

Starke, immer wiederkehrende Abwertungen

Unter psychischer Gewalt versteht man unter anderem starke verbale und immer wieder kehrende verbale Abwertungen eines anderen Menschen in Form von Sätzen wie etwa: „Du bist ein Versager:in“ / „Du kannst / bist nichts (ohne mich)“ / „Du bist nur etwas durch mich“ / „Hau ab, du Fotze, mit deinem Balg“ / „Ohne mich wird es für dich nur noch abwärts gehen“ / „Du hast dankbar dafür zu sein, hier wohnen zu dürfen“ /

Wenig Empathieempfinden, starkes Geltungsbedürfnis

Es gibt einen speziellen Namen für Menschen, die andere ständig und in massiver Form abwerten, um sie zu verletzen und / oder um sich selbst dadurch vermeintlich besser darzustellen: der so genannte Narzisst.

Nicht selten notorische Lügner

Dieser Typus von Mensch hat im Allgemeinen wenig Empathieempfinden für andere Menschen, sein Wohlergehen steht im Mittelpunkt, er reagiert völlig überzogen auf Kritik, ist jedoch andererseits auch ein Meister der Manipulation und kann andere sehr schnell von Dingen überzeugen und für sich vereinnahmen. Für Außenstehende wirken Narzissten oft sehr sympathisch, sie sind gesellig und oftmals beliebt, allerdings kennen sie oft nur schwarz oder weiß. Wer nicht ihrer Meinung ist, kann schnell ausrangiert werden und sie lügen nicht selten ungeniert, um an ihre Ziele zu kommen.

Es gibt auch nette Narzissten

Dr. med Pablo Hagemeyer hat ein Buch über den Typus Narzisst geschrieben und ist auch selbst ein bekennender Narzisst, allerdings ein netter, wie er nach eigener Einschätzunng sagt. Hagemayer differenziert zwischen dem netten Narzissten, dessen Zentrum des Lebens zwar er selbst ist und dem psychopathischen, der sein Umfeld notfalls zerstört, um an seine Ziele zu gelangen beziehungsweise um nach außen gut beziehungsweise besser dazustehen (als andere).

„Gestatten, ich bin ein Arschloch“

Wegen des großen Erfolges des ersten Buches („Gestatten, ich bin ein Arschloch“) hat Hagemayer nun ein zweites Buch veröffentlicht, in welchem er „die perfiden Spiele der Narzissten“ aufdeckt.

Es geht um Macht und Kontrolle

Einem Narzissten geht es demnach oftmals um Macht und Kontrolle. Es gibt aber immer einen Partner, der dieses Spiel mitspielt. In seinen Büchern berichtet Hagemeyer aus seiner psychotherapeutischen Praxis, von Frauen, die vermeintlich alles tun, um ihrem narzistischen Mann keine Bühne zu geben, an die Decke zu gehen: die richtige Kleidung, das korrekte Duschgel, das richtige Waschmittel, richtig putzen, richtig kochen, richtig lachen, richtig sprechen. Oft sind es Alltagsdinge, an denen ein Narzisst im wahrsten Sinne hochgehen kann, wenn sie nicht seiner Vorstellung entsprechen.

Das falsche Duschgel, das falsche Waschmittel und schon kann der Narzisst ungemütlich werden

Die Partner, die das Spiel mitspielen, haben nicht selten Verlassensängste und / oder ein geringes Selbstwertgefühl. Und oft liegen, wer hätte es gedacht, sowohl beim Narzissten als auch beim Partner, die Ursachen eines solchen extremen Verhaltens in der Kindheit. Auch ein Narzisst hat zumeist ein sehr geringes Selbstwertgefühl, das er gerne mit einem großen Auftritt überpinselt. Zu viel oder zu wenig Liebe und traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit können Ursachen derartiger Verhaltensweisen – sowohl von Seiten des Narzissten, als auch von dessen Partner – sein.

Ein toxischer Narzisst (also kein netter) ist zu Anfang einer Beziehung laut Hagemeyer (4 Phasen einer Beziehung mit einem Narzissten):

  • oft extrem nett und aufmerksam, gibt seinem/r Partner:in nicht selten das Gefühl, dass er/sie sich das erste Mal so richtig wohl in einer Beziehung fühlt („love bombing)“. Verhält sich der Partner/in aber nicht so wie erwartet, hagelt es Beschimpfungen und / oder der Narzisst spricht tagelang nichts mit dem Partner. Der Partner wiederum wünscht sich den vorherigen Zustand zurück und passt sich immer mehr so an, dass der Narzisst nichts zu beanstanden hat
  • Der Narzisst übt regelmäßig Kritik an der Partnerin, konfrontiert sie regelmäßig mit Änderungswünschen, treibt sie in die Isolation, wertet sie ab, erlegt ihr Zwänge und Pflichten und erteilt ihr einen Maulkorb („Du kannst gerne anderer Meinung sein als ich, aber dann behalte sie für dich und äußere sie nicht“)
  • „Gaslighting“: Destabilisierung der Partnerin (Wahrheiten werden um 180 Grad ins Gegenteil verkehrt, etwa: „Nicht ich habe dich angeschrien, sondern du mich“) „Hoovering“: Bemühen, den fliehenden Partner wieder an sich zu binden; Senden von „Flying Monkeys“: Freunde, die die Drecksarbeit für den Narzissten machen, um den Ex einzuschüchtern und gewalttägige Äußerungen / Handlungen
  • Hat der Narzisst sämtliche Macht über seine Partnerin verloren, bleibt nur noch die Rache durch Zerstörung – psychisch, physisch, finanziell und juristisch.

Meister der Manipulation

Um eine narzisstischen Beziehung zu verlassen, sollte der Kontakt am besten wenn möglich vollständig zu dem Narzissten abgebrochen werden. Jedweder Kontakt und jede Information wird der Narzisst laut Hagemeyer komplett ins Gegenteil verkehren und gegen den Expartner richten. Gespräche sollten daher nur noch schriftlich oder im Beisein von Dritten erfolgen. Narzissten brauchen Grenzen. Expartner sollten sich daher wehren, wenn Grenzübertritte in jedweder Form erfolgen und sie sollten Fachleute hinzuziehen, die sie mit dem Verhaltensmuster des toxischen Narzissten auskennen. Denn nach wie vor kann der Narzisst nach außen hin wie der nette Nachbar von nebenan wirken – was die Glaubwürdigkeit des Expartners nicht selten untergräbt.

Denn Narzissten sind vor allem eines: Meister der Manipulation.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Wichtig ist es, in dieser schweren Zeit, menschlich zu bleiben“

Das zweite Coronajahr geht zu Ende. Es war geprägt von Coronaverordnungen, Maskenpflicht, Öffnungen im Sommer, um dann wieder im Winter auf die Bremse zu treten. Dazwischen gab es eine Bundestagswahl, einen neuen Bundestrainer und einen immer tieferen Graben in der Gesellschaft zu den unterschiedlichsten Themen wie Impfpflicht, Klimawandel und Migration. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann wünscht allen GSCHWÄTZlern in dieser schweren Zeit: „Menschlich bleiben ist die höchste Tugend, insbesondere in Krisenzeiten.“ „Bleibt stark, zuversichtlich, haltet zusammen und seid achtsam mit der Welt, in der ihr lebt.“

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




Fritz, adé

Eine kleine Erschütterung wird es im Kochertal gegeben haben, als sich – für Aussenstehende vermeintlich doch etwas unerwartet – der Gemü-Mitgründer Fritz Müller in der Nacht zum 01. Dezember 2021 von dieser Welt verabschiedete.

Erfinder, Tüftler, Oldtimersammler

Gemü, das ist die Firma mit dem rot-grau gekleideten Gebäude in Criesbach, das direkt neben der Firma Reisser steht und zu Beginn nur von dort überall auf der Welt seine Ventile und die Technik dazu verteilt hat. Fritz Müller war ein Erfinder, Tüftler, Patenteanmelder. Ein Patriarch alter Schule, der es geschafft hatte, aus einfachen Verhältnissen kommend, ein Weltmarktführerunternehmen aufzubauen und damit Millionen zu verdienen.

Stephan und Gert

Dafür braucht es gute, engagierte Mitarbeiter:innen. In der Führung hat er unter anderem seinen Neffen Stephan mit messerscharfem Unternehmenverstand (Stephans Vater war der Gemümitgründer neben Fritz Müller. Gemü ist die Abkürzung für Gebrüder Müller) als einer seiner Nachfolger und auch seinen Sohn Gert, der sich für einige doch überraschend zu einem würdigen Nachfolger von Fritz Müller gemausert hat. Er hat das Zepter wohl zum richtigen Zeitpunkt übergeben, was sicher nicht einfach und nicht allen Firmen im Kochertal gelingt beziehungsweise gelungen ist.

Wegen seines Pendelewichts war der Traum vom Fliegen nicht immer einfach

Fritz nun war ein Mensch, dessen Leidenschaft das Fliegen war und seine Chesna. Wegen seines Pendelgewichts, das immer wieder auf und nieder ging, und auch dadurch, dass er dem Alkohol nicht immer abgeneigt war, konnte er diesem seinem Hobby nicht immer fröhnen.

sein Vermächtnis aber wird wohl der spektakuläre Gemüdome sein

Fritz wollte sein Unternehmen vergrößeren und erweitern, am liebsten am Standort Ingelfingen-Criesbach, ein beachtliches Schlossrestaurant, mitten in der Ingelfinger Altstadt, nennt er hier bereits sein eigen und ein noch relativ junges Weinkontor. Doch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit mit der stadtverwaltung soll wohl dazu geführt haben, dass er umgeschwenkt ist. Gemü baute unter anderem ein beachtliches Logistikzentrum im Gewerbepark Hohenlohe an der A6. Mit Sicherheit auch für die Zukunft der Firma die bessere Entscheidung.

Sein Vermächtnis aber wird wohl der spektakuläre Gemodome sein, der direkt am Fritz-Müller-Platz im Gewerbepark Niedernhall-Waldzimmern steht – mit einem drehbaren Büro. Ursprünglich hauptsächlich als Unterschlupf für seine zahlreichen Flug- und Oldimerautomobile gedacht, arbeiten dort auch Mitarbeiter:innen.

Gemü in Zahlen

Die Unternehmensgruppe beschäftigt laut eigenen Aussagen heute weltweit mehr als 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon über 1.200 in Deutschland. Die Produktion erfolgt an sechs Standorten: Neben den Produktionsstandorten in Deutschland fertigt GEMÜ seine Produkte in der Schweiz und Frankreich sowie in China, Brasilien und den USA. Der weltweite Vertrieb erfolgt über 27 Tochtergesellschaften und wird von Deutschland aus koordiniert. Über ein dichtes Netz von Handelspartnern ist GEMÜ in mehr als 50 Ländern auf allen Kontinenten aktiv.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Screenshot von der Gemü-Internetseite vom 02. Dezember 2021