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„Wenn das Futter nicht mehr reicht, müssen Rinder geschlachtet werden“

Trockenheit und Dürre so weit das Auge derzeit reicht. Landwirte schauen derzeit mit Sorge auf ihre Felder. Der Mais lässt seine Kolben hängen. Im Ackerboden tun sich tiefe Risse der Trockenheit auf, Abgeerntet werden teilweise halb vertrocknete Pflanzen. Wenn das Futter nicht reicht für die Tiere, müssen die ersten Rinder geschlachtet werden, so ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis, der nicht namentlich genannt werden will.

Unter anderem Mais dient als Futter für die Tiere. Wenn aber dieser Mais nun halb vertrocknet abgeerntet wird, reicht das Futter möglicherweise nicht, um alle Tiere im Stall sattzukriegen. Im Herbst / Winter kann es dadurch zu ersten Notschlachtungen kommen, wie sich ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis nun gegenüber GSCHWÄTZ geäussert hat.

Was für die Tiere bitter wäre und auch für die Landwirte, könnte auf dem derzeit sehr hochpreisigen Lebensmittelmarkt die Preise für Rindfleisch fallen lassen – was den Verbraucher sicher zunächst freuen wird, wenn er die Hintergründe hierfür nicht kennt.

Eine Lösung könnten staatliche Hilfen für die Landwirte sein, die mit dem Klimawandel auch im Hohenlohekreis zu kämpfen haben. Es regnet zu wenig, die Trockenheit breitet sich auch hierzulande immer weiter aus.

Nach dem Trockensommer 2018 beschloss die Bundesregierung diverse Maßnahmenpakete, um Landwirte zu unterstützen, die on größeren Ernteausfällen betroffen sind. So heißt es seit Mai 2022: „Bund und Länder können auf Grundlage einer Nationalen Rahmenrichtlinie zur Gewährung staatlicher Zuwendungen zur Bewältigung von Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verursacht durch Naturkatastrophen oder widrige Witterungsverhältnisse (NRR) Hilfe in Form von Zuschüssen leisten.“

Dennoch werden anhaltende Dürreperioden für die Weltgemeinschaft insgesamt immer mehr zum Problem, da international betrachtet die Menschheit bei gleichbleibenden Abläufen bei anderen Witterungsbedingungen zu wenig Nahrung produzieren wird, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen. Es müssen daher Lösungen gefunden werden, wie die Landwirtschaft sich optimal auf die veränderten klimatischen Bedingungen einstellt, um wieder ertragreicher zu werden.

Zusätzlich steigt durch die häufiger autretenden Hitzeperioden in den vergangenen Jahren die Gefahr von Wald- und Flächenbränden auch im Hohenlohekreis, wie Künzelsaus Stadtbrandmeister Thomas Böhret unlängst in einem GSCHWÄTZ-Interview betont hat. Auch das bereitet den Landwirten Sorge.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Ich möchte verstehen, warum ein Mensch einen anderen Menschen liegen lässt, nachdem er ihn überfahren hat“

Was als „Männerwochenende“ geplant war, endete in einer Katastrophe.

Auf einem Acker von einem Auto überfahren

Am Donnerstag, den 04. August 2022, machte sich Michael W. mit einem Freund auf den Weg zur Echinger Brass Wiesn. Bis Sonntag wollten die beiden Familienväter bleiben. Am Freitag klingelt die Polizei bei Michaels Ehefrau Alexandra. Ihr Mann sei auf dem Festivalgelände auf einem Acker (ein abgeerntetes Gerstenfeld) von einem Auto überfahren worden.

„Wir hoffen, dass es Zeugen gibt“

Was genau in der Nacht von der Donnerstag auf Freitag gegen 01 Uhr passiert ist, weiß bislang niemand so genau. Erste Zeugenhinweise sollen eingegangen sein. Der oder die Täterin wurde jedoch bislang noch nicht gefunden. Daher geht Alexandra W. an die Öffentlichkeit. Die gebürtige Crailsheimerin möchte wissen, was passiert ist: „Wir hoffen, dass es Zeugen gibt. Es ist unbegreiflich. Ich möchte verstehen, warum ein Mensch einen anderen Menschen liegen lässt, nachdem er ihn überfahren hat“, sagt Alexandra gegenüber unserer Redaktion GSCHWÄTZ auf Nachfrage.

Diverse Knochenbrüche

Michael liegt derzeit schwer verletzt im künstlichen Koma in einem Krankenhaus. Der 34-Jährige hatte noch Glück im Unglück. Ein Feuerwehrmann hat den Mann am Boden liegen sehen, die Erstversorgung gemacht und den Rettungsdienst verständigt. Ansonsten wäre Michael wohl verblutet. Laut seiner Frau hat er sehr schwere Knochenbrüche am ganzen Körper. Was besonders betroffen ist, sind seine Beine. Beide Oberschenkel sind gebrochen, auch seine Rippen und Schultern. Glück im Unglück: Von einer Kopfverletzung blieb er verschont. „Er hatte sehr viel Glück, dass er es überhaupt überlebt hat“, sagt Alexandra. „Wir hoffen, dass er bald wieder aufwachen darf, aber das wird noch ein langer Weg und auch er muss dann auch erstmal verarbeiten, was da passiert ist.“

„Versuche jetzt, stark zu sein“

Nach dem ersten Schock versucht die Ehefrau und Mutter eines vierjährigen Jungen ihre Energie nun zu sammeln für die folgenden Tage, Wochen und Monate. „Es wird ein langer Weg werden“, haben ihr die Ärzte gesagt. „Ich versuche jetzt, stark zu sein und positiv zu bleiben. Wir haben Gott sei Dank sehr viel Unterstützung von Familien und Freunden und man versucht, sich nicht hängen zu lassen. Man hat da aber auch keine Wahl.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Es ist ja nicht so, dass er sie zum Beispiel „nur“ schlägt, sondern das ganze soziale Gefüge steht auf dem Spiel, wenn die Frau darüber nachdenkt, zu gehen.

Cornelia Taschner war früher Erste Kriminalhauptkommissarin. Die 68-Jährige hat seit 2017 die Außenstellenleitung des Weißen Rings im Hohenlohekreis ehrenamtlich übernommen. Seit diesem Jahr hat sie Unterstützung von fünf weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen, unter anderem von Monika Chef (63). Die ehemalige Bürgermeisterin möchte Opfer von Gewalt unterstützen. Dr. Sandra Hartmann hat mit den beiden Frauen über ihre Arbeit beim Weißen Ring gesprochen.

Cornelia Taschner arbeitete früher bei der Polizei. Foto: GSCHWÄTZ

Monika Chef arbeitet seit 2022 ehrenamtlich beim Weißen Ring Hohenlohekreis. Foto: GSCHWÄTZ

Suche nach einer neuen Wohnung oder einem Kindergartenplatz

GSCHWÄTZ: Frau Chef. Was hat sie bewogen, sich beim Weißen Ring ehrenamtlich zu engagieren?

Chef: Es gibt drei Gründe. Ich bin jetzt in Pension, ich habe viel Zeit. Und ich habe mir die Frage gestellt: Wo könnte ich meine Zeit nützlich einbringen? In der Presse wurde bekannt gemacht, dass der Weiße Ring im Hohenlohekreis noch ehrenamtliche Mitarbeiter:innen sucht. Ich kenne den Weißen Ring seit meiner Jugendzeit, allein schon durch Sendungen wie Aktenzeichen XY. Der Verein ist sehr wichtig in unserer Gesellschaft, weil er Opfer von Gewalt sehr intensiv unterstützt, sei es durch finanzielle Hilfen, durch psychologische Unterstützung oder durch Begleitung zu verschiedenen Stellen, etwa wenn jemand eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet. Auch bei Dingen des Alltags helfen wir so gut wir können, wenn etwa eine Betroffene eine neue Wohnung sucht oder eine Alleinerziehende einen neuen Kindergartenplatz.

Wenn die Frau das tut und sich so entwickelt, wie er es gerne hätte, dann ist er „zufrieden“

Taschner: Unsere finanziellen Mittel sind beschränkt, aber wir sind die opferunterstützende Seite. Wir verstehen uns als Lotsen in einem Verfahren. Jedes Opfer einer Straftat, wenn jemand zum Beispiel überfallen wurde, darf sich an uns wenden. Täter wollen Opfer nicht selten verunsichern und klein halten, damit sie sich gar nicht trauen, eine Anzeige zu erstatten. Aus Sicht des Täters ist alles „gut“, wenn die Frau das tut und sich so entwickelt, wie er es gerne hätte, dann ist er „zufrieden“. Wenn nicht, hat die Frau ihm quasi Anlass gegeben, dass er sie schlagen „muss“.

GSCHWÄTZ: Sprechen die Frauen eigentlich von sich als Opfer oder als Überlebende?

Taschner: Wir sprechen eher von Betroffenen, wie die Frauen sich selbst sehen, ist unterschiedlich.

GSCHWÄTZ: Haben die Betroffenen Schuldgefühle, wenn sie etwas unternehmen, um da rauszukommen?

Taschner: Das ist ganz verschieden.

Ein ständiges Auf und Ab

Chef: Es gibt welche, die versuchen, aus dieser Rolle wieder rauszukommen. Es ist aber oftmals ein ständiges Auf und Ab, insbesondere, wenn man psychisch zermürbt wird.

Taschner: Es ist ja nicht so, dass er sie zum Beispiel „nur“ schlägt, sondern das ganze soziale Gefüge steht auf dem Spiel, wenn die Frau darüber nachdenkt, zu gehen. Da kommen finanzielle Sorgen hinzu, eine neue Wohnung muss gefunden werden. Der Familien- und Freundeskreis bricht eventuell zum Teil weg.

GSCHWÄTZ: Wie viele Fälle betreuen Sie im Durchschnitt pro Jahr im Hohenlohekreis?

Taschner: Das kann man nicht pauschal sagen. Mit manchen rede ich 45 Minuten am Telefon und dann höre ich nie weder etwas von ihnen. Bei anderen dauert die Begleitung länger, bis hin zum Gerichtsprozess. Wir haben zwischen 30 und 40 Fälle pro Jahr, in den meisten Fällen dreht es sich um häusliche Gewalt. Auch Männer sind darunter – mehr als man denkt. Diese Klientel hat oft eine noch größere Scham, sich damit an jemand Außenstehenden zu wenden.

Einbrüche

Chef: Nach einem Einbruch betrifft es das Ehepaar an sich, gerade wenn es ältere Leute sind. Ein Einbruch in eine Wohnung ist für die allermeisten ein ganz gravierender Einschnitt, da es in einem sehr privaten Raum geschehen ist.

GSCHWÄTZ: Gab es Veränderungen bezüglich der Fälle in der Coronazeit?

Taschner: In der Coronazeit kann ich nicht bestätigen, dass die Zahlen bei uns gestiegen wären. Die Fälle, bei denen es sich um Einbrüche handelt, sind zurückgegangen, weil viele ja bekanntlich zu Hause waren.

GSCHWÄTZ: Der erste Schritt aus der Gewaltspirale ist vermutlich ein Anruf, ein Hilferuf, nach außen zu senden. Wäre der nächste dann der Auszug etwa ins Frauenhaus?

Die allerwenigsten wollen ins Frauenhaus

Taschner: Die allerwenigsten wollen ins Frauenhaus, aber für viele gibt es auf die Schnelle keine andere Zufluchtsstätte. Andere versuchen, selbst eine neue Bleibe zu finden. Wir geben Tipps, aber es ist sehr schwierig. Der Wohnungsmarkt ist sehr angespannt, auch im Hohenlohekreis. Als Alleinerziehende hat man bei einem Vermieter schon von vorneherein eventuell schlechtere Karten, etwa im Vergleich zu einem Vollverdiener-Ehepaar.

„Man fühlt sich sehr gut aufgehoben“

GSCHWÄTZ: Frau Chef, wie wurden Sie auf Ihre ehrenamtliche Tätigkeit vorbereitet?

Chef: Bei Frau Taschner kommen die Fälle an, sie verteilt die Fälle auf die Ehrenamtlichen. Mit den anderen Ehrenamtlichen habe ich ein Grundseminar absolviert. Man lernt die ganze Vorgangsbearbeitung und auch rechtliche Grundkenntnisse. Es gibt dann auch Aufbauseminare. Man fühlt sich sehr aufgehoben und bekommt ein tolles Netzwerk, das sich über ganz Baden-Württemberg erstreckt mit Frauen und Männern aus den unterschiedlichsten Berufssparten. Im Grundseminar waren auch Studentinnen, die Jura studieren, dabei.

Taschner: Auch viele Polizeibeamt: innen sind aktiv. Ich habe auch während meines Jobs erkannt, was dieser Verein alles für Opfer tut und wie notwendig das ist.

GSCHWÄTZ: Frau Taschner, gibt es einen Fall in den vergangenen fünf Jahren, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Taschner: In Bretzfeld lebte ein Ehepaar getrennt voneinander. Die Frau war allein mit den Kindern in der Wohnung, als der Mann widerrechtlich in die Wohnung eingedrungen ist und die Frau und seine Tochter mit einem Messer niedergestochen hat. In diesem Fall ist der Mann verurteilt worden. Derzeit läuft ein 2. Prozess gegen ihn, da er die Tochter über mehrere Jahre auch sexuell missbraucht haben soll.

„Man muss dieses Ehrenamt von seinem persönlichen Leben abgrenzen können“

GSCHWÄTZ: Wie geht man persönlich mit solchen Geschichten um?

Taschner: Man muss einerseits die Fähigkeit haben, empathisch zu sein, andererseits muss man dieses Ehrenamt von seinem persönlichen Leben abgrenzen können. Das habe ich durch meinen früheren Beruf gelernt. Du musst einen Cut machen, wenn du nach Hause kommst. Ich habe die Frau betreut, nachdem das passiert ist. Auch dieser Fall kam über die Polizei, wie viele andere Fälle auch. Die Frau und die ganze Familie waren schwer traumatisiert.

GSCHWÄTZ: Hat die Frau dann eine Psychotherapie erhalten?

Taschner: Das ganz große Dilemma in Deutschland ist, dass wir viel zu wenig Psychotherapeuten haben. In diesem Fall scheiterte es aber auch noch an sprachlichen Hürden. Bei der Tochter habe ich es geschafft, dass sie einen Psychotherapeuten bekommen hat. Aber man stößt schon sehr oft an seine Grenzen. Daher ist für unsere Arbeit ein gutes Netzwerk ganz wichtig.

Zu wenig Psychotherapeuten in Deutschland

Chef: Wir machen Besuche bei verschiedenen Stellen, unter anderem bei der Polizei, um uns bekannt zu machen. In meinem vorigen Beruf, in dem ich 24 Jahre lang tätig war, habe ich schon vieles erlebt, unter anderem verweste Tote in einer Wohnung. Daher überrascht mich so schnell nichts mehr. Da muss man lernen, sich früh abgrenzen. Auch während meiner Arbeit beim Jugendamt habe ich vieles mitbekommen. Wichtig ist dabei für mich auch immer die Frage: Wie kann man diese Frauen stärker unterstützen, um ihnen diese innere Sicherheit zu geben, diese Selbstachtung, die so wichtig ist? Die Frauen haben oftmals einfach Angst, diese angebliche Sicherheit in den eingefahrenen Strukturen aufzugeben. Und manche Frauen gehen dann wieder zurück, leider.

Taschner: In der Mehrheit der Fälle brauchen die Frauen mehrere Anläufe, um aus einer solchen Beziehung rauszukommen.

Chef: Oft sind es auch Familienangehörige, die diese Struktur weiter stützen, vor allem, wenn es die Familie des Täters ist

Taschner: Man sieht von außen oft nicht, was im Kern einer Familie passiert.

GSCHWÄTZ: In welchem Alter sind denn die Betroffenen, die sich an Sie wenden?

Chef: Das ist ganz unterschiedlich. Die letzte Frau, die ich hatte, war über 60 Jahre.

„In der Mehrheit der Fälle brauchen die Frauen mehrere Anläufe, um aus solche Beziehungen herauszukommen“

Taschner: Man weiß, dass es auch viele Ältere sind, aber je älter, desto schwieriger wird es auch, sich aus diesen Strukturen zu lösen. Aktuell betreuen wir aber eine junge Frau, 23 Jahre, die in einer Partnerschaft lebte. Sie hat ein gemeinsames Kind mit ihrem Partner.

GSCHWÄTZ: Gibt es einen Stadt-Land-Unterschied, was Häusliche Gewalt und den Umgang damit betrifft?

Taschner: Ich denke, ein Stück weit liegt es schon an unserer ländlichen Struktur, dass die sozialen Bindungen anders sind, dass man sich eher selber hilft, bevor man sich an uns wendet.

GSCHWÄTZ: Manche Frauen haben keine blauen Flecke, werden aber psychisch ständig von ihrem Partner angegangen. Ist das auch Häusliche Gewalt?

„Psychische Gewalt ist manchmal schlimmer als physische Gewalt“

Chef: Psychische Gewalt ist manchmal schlimmer als physische Gewalt.

Taschner: Diese psychische Gewalt sieht man auch in Stalking-Fällen. Ich erinnere mich an einen Fall, da war der Täter war ein Arbeitskollege. Stalking beginnt, wenn sich der/die Betroffene unter Druck gesetzt fühlt. Wenn man ständig Nachrichten aufs Handy bekommt, wenn einem jemand irgendwo auflauert, Ängste aufkommen. Wenn sie sagt, hör auf und es hört nicht auf. Dann ist eine Grenze überschritten.

GSCHWÄTZ: Wo beginnt Häusliche Gewalt?

Chef: Das definiert wohl jeder anders. Frauen, die in ihrer Familie schon Gewalt erlebt haben als Kind, für die ist die Grenze, wo häusliche Gewalt beginnt, höher, als bei jemandem, der behütet aufgewachsen ist.

Taschner: Gewalt ist es aber auch, wenn mich jemand ständig beleidigt und runtermacht, z. B. in Form von: ,Du bist nichts wert. Du kannst das nicht.‘ Das ist aber schwieriger zu beweisen.

Häusliche Gewalt ist das ein großes Thema beim Weißen Ring. Daneben gib es aber auch andere Delikte, bei dem der Verein Unterstützung für Betroffene bietet, etwa bei Einbrüchen, Diebstahl, Körperverletzung, Betrug, Stalking und Sexualdelikten (sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung).

T: Missbrauchshandlungen bei kleineren Kindern etwa. Die Kinder haben eigentlich ein relativ feines Gespür dafür, ob eine Handlung in Ordnung ist oder nicht. Aber nicht selten mögen sie auch den Täter trotz alledem. Für Kinder ist es schwer vorstellbar, dass dann möglicherweise eine Haftstrafe für den Täter droht.

Anwaltliche Erstberatung wichtig

GSCHWÄTZ: Zumal sexueller Missbrauch schwer zu beweisen ist.

Taschner: Manchmal ist es so, dass das Kind etwas erzählt oder die Mutter hat das mitbekommen und eine Anzeige erstattet. Dann wird das Kind bei der Polizei befragt und es kann sein, dass ein so genanntes Glaubhaftigkeitsgutachen gefertigt wird.

GSCHWÄTZ: Was raten Sie Betroffenen im ersten Schritt?

Taschner: Häufig eine anwaltliche Erstberatung. Wir vom Weißen Ring stellen hierfür sogenannte Anwaltsschecks aus. Das heißt, der WEISSE RING übernimmt hierfür die Kosten, falls die/der Betroffene keine Rechtschutzversicherung hat, die das abdeckt. Seit 2022 gibt es bei uns auf der Internetseite eine Liste mit Anwälten, die spezielle Bereiche abdecken.

GSCHWÄTZ: Woran erkennt man denn einen guten Anwalt?

T: Ich habe den Fall erlebt, dass eine Gerichtsverhandlung anstand. In der Regel sollte der Anwalt mit der Betroffenen nochmal alles besprechen. In dem Fall ist das aber nicht passiert. Wir sollten uns den Aktenordner selbst durchlesen, was meiner Meinung nach so gar nicht geht. Bei Familiengerichtsverfahren ist so eine Prozessbegleitung nicht immer einfach. Zweimal hat ein Gericht einen Antrag von mir diesbezüglich schon abgelehnt mit dem Verweis darauf, dass es sich um ein nicht-öffentliches Verfahren handelt.

Zweimal hat ein Familiengericht einen Antrag auf Prozessbegleitung abgelehnt

GSCHWÄTZ: Wann ist denn ein Fall für Sie abgeschlossen?

Taschner: Auch das kann man nicht pauschal beantworten. In der Regel ist ein Fall dann abgeschlossen, wenn es keine weiteren Hilfe- und/oder Unterstützungsmöglichkeiten für den/die Betroffene mehr gibt. Das kann nach 3 Gesprächen, aber auch erst nach 2 Jahren der Fall sein.

Abschließend möchte ich aber noch eine schöne Begebenheit schildern. Vor kurzem hat mich eine Frau angerufen, deren Fall schon längst abgeschlossen ist, und sie wollte sich einfach mal wieder melden und fragen, wie es mir geht. Ich sehe das als Bestätigung für eine gute Unterstützung der Frau durch den WEISSEN RING.

Der Weiße Ring

Der Weiße Ring ist ein Verein, der Opfern von Kriminalität und Gewalt hilft. Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Wer spenden möchte, kann den Verein direkt auf der Internetseite unterstützen.

Den Weißen Ring Hohenlohekreis erreichen Sie unter: 07942/5210001
Mobil: 0151/54503917

 

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Wir wollen uns mehr öffnen“

Bärbel Kapfer trägt weiße Sneakers bei unserem Interviewtermin, keine Pumps. Auf einem der Firmenfotos lächelt die Geschäftsführerin mit einer Hawaiibluse in die Kamera. Anlass war ein Mottotag, an dem sich alle rund 200 Mitarbeiter:innen dementsprechend kleiden dürfen. Die Veith-Familie ist ihr wichtig und dass sich jeder wohl fühlt in dem Unternehmen, das sie gemeinsam mit ihrem Bruder leitet. Vor zehn Jahren ist sie in das Familienunternehmen eingestiegen, mittlerweile (seit zirka 2 Jahren) haben sie es von ihrem Vater übernommen. Sie sind nun die vierte Veith-Generation. Zuvor hat Kapfer bei GEMÜ in Criesbach gearbeitet, zunächst im Rahmen eines Stipendiums als Werkstudentin.

Bärbel Kapfer ist nicht eine von vielen, sondern öfter mal eine von wenigen Frauen.

Als sie Wirtschaftsingenieurwesen an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau studiert hat, waren sie „drei Frauen unter vielen Männern“, erinnert sie sich lachend. „Das war spannend“, fügt sie mit einem Augenzwinkern (Wiederholung drei Sätze später) hinzu. Seit zehn Jahren leitet sie nun bei Veith die Produktion, ihr Bruder die Verwaltung. „Ich liebe die Fertigung, bin gerne bei den Kunden und auf den Messen.“ Da kann es schon mal passieren, dass sie von dem ein oder anderen als „nettes Beiwerk des Verkaufsleiters“ betrachtet wird oder von potenziellen Kunden angesprochen wird, ob sie noch einen Kaffee bringen könne. Aber „man lernt, damit umzugehen“, sagt Kapfer mit einem Augenzwinkern. In der höheren Führungsebene in der Produktionsbranche gibt es noch immer überwiegend Männer. „Ich glaube, das Thema Familie und Karriere kommt sich noch in die Quere“, sagt sie. Sie selbst ist seit zehn Jahren verheiratet, hat keine Kinder – nicht wegen der Karriere, sondern weil schlicht der Wunsch noch nicht da war. In ihrem Unternehmen arbeiten aber auch Mütter in höheren Positionen,  können flexibel arbeiten und sich die Stunden selbst einteilen. Das ist ihr wichtig. Sie weiß: „Der Fachkräftemangel ist ein großes Problem. Wenn man sich da nicht öffnet, hat man keine Chance, zu bestehen.“ Freizeitausgleich, home office, Elternzeit für Väter. „Leider noch immer eine Seltenheit heutzutage“, findet Kapfer.

Seit 2017 nicht nur im Veith-Club, sondern auch im Rotary Club

Seit 2017 ist die 35-Jährige nach Einladung eines Schulfreundes Ihrer Eltern Mitglied im Rotary Club Künzelsau-Öhringen. Der Vorschlag eines Mitglieds, in dem Fall der Schulfreund von Kapfer, ist Voraussetzung für eine Aufnahme. Und auch hier: ein ähnliches Bild. 2 Frauen unter 72 Männern. Aber Bärbel Kapfer freut sich, hier Dinge bewegen zu können, die ihr wichtig sind. Kapfer hielt bei ihrem ersten Treffen einen Vortrag über positive Verstärkung in der Personalentwicklung. Sie ist kein Freund von Bestrafung und Überwachung, sondern setzt auf Vertrauen und positive Beziehungen. Die zweite Frau neben ihr ist Martina Feuchter von Dorn Bestattungen in Öhringen und Künzelsau. „Rotary ist seit vielen Jahren eine reine Männerdomäne gewesen. Manche Clubs nehmen bis heute keine Frauen auf“, sagt sie und schüttelt etwas verständnislos den Kopf.

Der Rotary Club wird in diesem Jahr 50. Wofür aber steht dieser Club, den von vielen als elitär und geheimnisumwoben betrachtet wird?

Zunächst: Der Rotary-Club unterstützt mit Spenden diverse soziale Projekte. In Künzelsau-Öhringen werden mit den gesamten Spenden 50 Prozent lokale / regionale Projekte unterstützt und 50 Prozent internationale. Die Rotarier spenden dabei nicht nur selbst, sondern rufen auch zum Spenden auf, betreiben also auch selbst Fundraising.

Etwas abgeben an diejenigen, denen es weniger gut geht

Für Kapfer war klar: Sie möchte helfen. „Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man etwas abgeben und teilen mit Menschen, denen es weniger gut geht.“ Aber auch Freundschaften haben sich aus ihrer Mitgliedschaft heraus entwickelt und gute Gespräche. „Ich liebe es, mich mit langjährigen Mitgliedern auszutauschen, die Firmen aufgebaut haben.“

Als der Ukraine-Krieg begann, schob sie gemeinsam mit einem weiteren Clubmitglied einen Einkaufswagen durch den Großmarkt in Heilbronn, um Konserven und andere Dinge, die in der Ukraine benötigt wurden, als Spende im Namen des  Rotary Clubs einzukaufen. Am Kriegsgeschehen selbst hatten sie einen direkten Verbindungsmann eines dortigen Rotary-Clubs, der ihnen mitgeteilt hat, was die Menschen vor Ort brauchen. Ein Apotheker und ebenfalls Mitglied im Rotary Club stellte Medikamentenpakete von mehreren tausend Euro zusammen.

Medikamente für mehrere tausend Euro für die Ukraine

Bei der Öhringer Messe präsentierte und warb der Club für die Shelter Box und den Verein, der dahintersteht. „Wir möchten uns als Club mehr nach außen öffnen und zeigen, wer wir sind und was wir tun“, erklärt Kapfer. Die Shelter Box ist eine grüne Box, die alles zum Überleben beinhaltet, etwa nach einer Naturkatastrophe. Ein Survival Kit findet sich darunter, ein kleiner Herd, ein Zelt, eine Plane, Nägel, eben alles, um ein Obdach zu schaffen. Diese Boxen kann man sogar vom Flugzeug abwerfen, wenn man in die betroffenen Gebiete nicht mehr vordringen kann. Auch für Wasserprojekte setzt sich der Club ein.

Zum 50-jährigen Jubiläum nun spendet der Rotary Club „50 für 50“: an 5 regionale / internationale Projekte gehen 10.000 Euro.

Vorträge über aktuelle Themen

Viermal im Monat hören die Rotarier Vorträge, vor kurzem in Sindringen zum Thema: Unterstützung der ukrainischen Flüchtlinge und die Arbeit von Ehren- und Hauptamtlichen. Ab Juli 2022 ist Bärbel Kapfer ein Jahr lang für die Vorträge verantwortlich. Die genauen Themen sind noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber es sind Dinge, die ihr wichtig sind, Menschen inspirieren und denjenigen eine Plattform geben sollen, die etwas zu sagen haben.

Rotary Club Künzelsau-Öhringen

Der Rotary Club Künzelsau-Öhringen wurde am 21.09.1972 gegründet, der Club feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen. Derzeit besteht er aus 74 Mitgliedern, darunter zwei Damen. „Unsere Mitglieder gestalten den Serviceclub nach den Grundsätzen von Rotary International. So pflegen wir Freundschaften, fördern Bildung und helfen in sozialen Notlagen. Unsere Schwerpunkte hierbei sind aktuell die Ukrainehilfe, das weltweite Projekt End Polio Now sowie die internationale Organisation Shelter Box“, erklärt Sascha Haas, der bei Rotary zuständig ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Olaf mit der Nazikeule?

Beim Kirchentag in Stuttgart bedarf es nur weniger Sätze des aktuellen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), die nun zum viralen Aufreger in den sozialen Medien, allen voran Twitter, werden. Klimaaktivist:in Luisa Neubauer bezeichnete die Äusserungen des Bundeskanzlers als „Skandal“.

Welche Worte sind gefallen?

Was genau hat Scholz gesagt? „Ich sage mal ganz ehrlich. Diese schwarz gekleideten Inszenierungen bei den verschiedensten Veranstaltungen von immer den gleichen Leuten erinnern mich an eine Zeit, die lange zurück liegt und Gott sei Dank.“ Hier geht es direkt zum Video mit Scholz’Aussage:

Luisa Neubauer schreibt in Ihrem Tweet:

OK WIR MÜSSEN DARÜBER SPRECHEN. „Olaf #Scholz wurde mit der Klimakrise konfrontiert. Seine Reaktion macht sprachlos. Und wir sollten genau hingucken. Denn das spricht Bände über das, was wir vom Kanzler in der Klimakatastrophe erwarten müssen.“ Neubauer sieht demnach Scholz nach seinen Äusserungen nicht als Vorreiter in der Klimapolitik, im Gegenteil.

Ola Scholz führt auf dem Katholikentag näher aus: „Und deshalb glaube ich, ist das keine Diskussion, sondern der Versuch, eine Veranstaltung für seine eigenen Zwecke zu manipulieren. Das sollte man nicht machen.“

Manipulation findet jedoch in gewisser Weise immer statt, wenn jemand an Veranstaltungen teilnimmt und sich zu Wort meldet. Dann möchte jemand etwas einbringen und damit den Diskussionsverlauf ändern. Auch Olaf Scholz manipuliert in dem Moment, in dem er diese Aussagen auf dem Podium tätigt.

Auch der Begriff „eigene Zwecke“ ist zweifelhaft hzu betrachten, da die Klimaaktivist:innen sich schließlich nicht persönlich bereichern wollen mit deratigen Aktionen, sondern darauf aufmerksam machen möchten, dass man aktiv gegen den Klimawandel vorgehen muss.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Irgendwann möchte ich in einem echten Zuhause wohnen“

Geht man auf die Internetseite von Alea Horst aus Reckenroth, das zwischen Koblenz und Frankfurt liegt, lacht einen eine dunkelhaarige Frau aus einem Cockpit eines Segelflugzeuges an. Die Hochzeitsfotografin macht aber nicht nur Bilder von den schönsten Momenten im Leben, sondern auch von weniger schönen, teilweise entsetzlich bedrückenden Szenen. Für SOS-Kinderdörfer Sri Lanka war Horst etwa am Hafen von Bangladesch und fotografierte Kinder bei der Arbeit. Dort werden Schiffsschrauben gefertigt und Schiffe zurückgebaut, um Rohstoffe zu gewinnen.

„Dieses Projekt ist eines der emotionalisten, welches ich bisher fotografiert habe“

„Dieses Projekt ist eines der emotionalsten, welches ich bisher je fotografiert habe. In Bangladesch ist Kinderarbeit an der Tagesordnung“, schreibt Horst auf ihrer Homepage. Sie hat dort Kinder fotografiert, die mit dreckigen nackten Füßen, in einem Schiffsrumpf arbeiten, wie sie schweißen und hämmern. Es sind eigentlich unfassbare Fotos im 21. Jahrhundert.

Kleinkind in Bangladesh. Foto: Alea Horst

Weniger schöne, teilweise entsetzlich bedrückende Szenen

Alea Horst hat schon viel gesehen auf der Welt. Die 40-Jährige war in Syrien, Äthiopien, Jordanien und auch in Griechenland. Achtmal allein war sie in Lesbos. Allerdings nicht zum urlauben. Sie hat dort Kinder begleitet, unterstützt und fotografiert, die aus Syrien und anderen Ländern geflohen sind und nun in einem Auffanglager teilweise jahrelang verharren müssen. Entstanden ist daraus ein Buch mit dem Titel:

„Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder.“

Zainab (12 Jahre, rechts) mit ihrer Freundin Nida. Sie lernten sich nach ihrer Flucht kennen und leben im Containerlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Zainab: „Das Wichtigste in einer Freundschaft ist es, sich gegenseitig zu helfen und sich gegenseitig zu respektieren. In Nidas Familie gibt es nur eine Wärmflasche. Die bekommt dann immer ihr Bruder, wenn es nachts zu kalt ist. […] Wenn ich groß bin, möchte ich Ärztin werden, weil mein Papa ein Herzproblem hat. […] Ein perfekter Tag hätte nichts mit Warten zu tun. Es gäbe keine Fragen wie: Warum sind wir noch hier? Wann geht es weiter? Wir wären einfach angekommen.“

Dr. Sandra Hartmann hat mir der Fotografin über die Kraft der Bilder gesprochen und die Kraft dieser Kinder in den Lagern.

Alea Horst im Zataari Camp in Jordanien. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Wie oft waren Sie in den Flüchtlingslagern, allen voran Moria auf der griechischen Insel Lesbos, in den vergangenen Jahren?

Horst: „Achtmal bin ich vor Ort gewesen. Die Interviews in dem Buch sind letztes Jahr im Februar 2022 entstanden. Das erste Mal war ich im Januar 2016 dort, dann ab 2020 wieder häufiger. Dazwischen war ich für Hilfsorganisationen in Jordanien, Syrien und Äthiopien. Die Fotos werden von den Organisationen für Spenden verwendet.

Die Schwestern Asra (9 Jahre, links) und Tabasom (6 Jahre) kommen aus Afghanistan und leben im Containerlager in Kara Tepe auf der Insel Lesbos. Foto: Alea Horst

GSCHWÄTZ: Sie haben aber nicht nur fotografiert vor Ort.

Horst: Oft packe ich auch selbst mit an. In Lesbos habe ich sehr viel mit angepackt. Aber es sind immer ganz unterschiedliche Aufgaben, die einen erwarten. 2016 habe ich beispielsweise Nothilfe am Strand geleistet, 2020 habe ich Lebensmittel und Kleidung besorgt, Spenden aus Deutschland organisiert oder Kranke zum Arzt gefahren.

GSCHWÄTZ: Sie leisten hauptsächlich ehrenamtlich Hilfe. Wie finanziert man das als Privatperson?

Horst: Die meisten Einsätze freiwillig und ehrenamtlich. Ich habe das von meinen Rücklagen und meinem Ersparten bezahlt. Mittlerweile bin ich aber so bekannt, dass Organisationen kommen und Bilder abkaufen, aber das steht in keinem Verhältnis, was ich an Ausgaben habe.

Sie haben ein Fotobuch herausgebracht über Kinder in den Flüchtlingslagern auf Lesbos, allen voran aus dem bekanntesten Lager namens Moria, das es mittlerweile nach einem großen Brand nicht mehr gibt. Welches Foto hat Sie dabei am meisten bewegt?

Horst: Das Foto, das mich am meisten bewegt hat, ist ein Junge, der sich nach dem Feuer in Moria auf den Boden gelegt hat, weil es die Verzweiflung und die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein der Kinder darstellt. Hinter ihm sieht man Schatten von Erwachsenen. Es zeigt, wie erschöpft und traumatisiert die Kinder sind und das andere bestimmen, andere Schatten über ihr Leben bestimmen.

Mohammad Martin (13 Jahre) ist allein mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester aus Aghanistan geflohen, wohnte erst im alten Moria Camp, jetzt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Mohammad Martin: „Meine Familie und ich kommen aus Afghanistan. Aber dort kann ich nicht leben. Deshalb mussten wir hierherkommen. Wir haben uns das nicht wirklich ausgesucht. Der Weg hierher nach Lesbos hat mir viel Angst gemacht. Einmal habe ich meine Mama verloren an der türkischen Grenze. Ich habe überall nach ihr gesucht. Das war schrecklich. Ich habe keinen Papa. Wir sind nur mit meiner Mama hergekommen. Wenn man die dann verliert, das ist ganz schlimm. Die Flucht ohne Vater ist viel gefährlicher und schwieriger […] Moria ist ein schlimmer Ort. Jede Nacht gab es Krieg dort. […] Auch hier im neuen Lager sind wir schon ausgeraubt worden. Sie kommen nachts in die Zelte und klauen einfach alles, vor allem die Handys und das bisschen Geld.“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst Kinder?

Horst: Ich habe zwei Kinder im Aller von 21 und 22 Jahren. Meine Tochter war mit mir schon einmal in Moria und hat dort zwei Monate als Englisch- und Deutschlehrerin gearbeitet.

GSCHWÄTZ: Wie nah kommt man den Kindern in den Lagern?

Horst: Ich arbeite viel mit Kindern, auch in anderen Ländern. Es dauert in der Regel nicht lange, dass man sich mit Kindern anfreunden kann, weil sie so ein Urvertrauen haben. Bei mir geht es immer schnell. Die spüren auch, wenn man es gut mit ihnen meint, wenn man versucht, Situationen nur ein kleines bisschen besser versucht zu machen. Sie erzählen, was sie für Sorgen machen, um ihre Mütter zum Beispiel. Wenn Sie spüren: Ich bin nicht irgendein Journalist, sondern ich bin wirklich interessiert an ihrer Geschichte.

Qutbuddin (8 Jahre) aus Afghanistan lebt mit seinen drei Brüdern, seiner Schwester Samira und seinen Eltern im Lager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Qudbuddin: „Im Zelt gibt es keinen Tisch und keine Stühle oder Betten. Es ist einfach nur Boden. […] Ich habe immer wieder Albträume. Die größte Angst ist dann, dass der Regen in unser Zelt kommt und das Zelt kaputtgeht oder wegfliegt. […] Ich träume dann, dass wir wieder auf der Straße sind, wie damals nach dem Feuer [Anm. d. Red.: im Lager von Moria] oder als wir in der Türkei aus dem Gefängnis gekommen sind. Oder ich träume, dass wir ins Meer treiben und untergehen, weil unser Zelt so nah am Wasser steht. Irgendwann möchte ich in einem echten Zuhause wohnen.“

GSCHWÄTZ: Wie traumatisiert sind die Kinder?

Horst: Ich hatte ein Gespräch mit der Kinderpsychologin von Ärzte ohne Grenzen. Manche Kinder haben ständige Angst vor Alpträumen. Sie träumen, was sie im Herkunftsland erlebt haben, von ihrer Flucht, von ihrem  Leben im Lager, von Vergewaltigungen. Sie sind retraumatisiert, ruhelos, rastlos. Ein Mädchen sagte mir: „Ich würde gerne mal eine Woche an einem ruhigen Ort sein, schlafen und alles vergessen.“ Sie sehnen sich nach einem Fels, nach einem Zuhause. Nach einem sicheren Ort.

Tajala (10 Jahre) aus Afghanistan lebte mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern vor dem Brand im alten Moria, zwischenzeitlich auf der Straße und jetzt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

„Ich habe noch Erinnerungen an das alte Moria. Erst hatten wir ein Iglu-Zelt. Das war natürlich für uns alle zu klein. Dann hat mein Papa angefangen, aus aus Holz und Plastikplanen eine Zelthütte zu bauen. Dann hatten wir mehr Platz. Aber dann kam das Fuer und alles ist verbrannt. Wir haben alles verloren. Wir waren dann 10 Tage auf der Straße. Wir konnten nirgendwohin, sondern mussten auf dem Bürgersteig bleiben. Die Polizei stand am Anfang und am Ende der Straße und hat den Weg versperrt. Die Polizei hat dann auch noch Tränengas geschossen. Das waren wirklich sehr schlechte Tage, und es war schwer für uns. Ihr müsst euch das so vorstellen: Wir hatten nicht genug zu essen. Wir hatten ja nicht mal Decken. Wir haben auf Pappe geschlafen, die wir irgendwo gefunden haben. Es gab nicht mal Wasser. Ich habe gedacht, dass uns die Polizei vielleicht etwas zu essen gibt, aber stattdessen kam das Tränengas.“

GSCHWÄTZ: Wie macht sich diese Retraumatisierung konkret bemerkbar?

Horst: Es gibt starke Verhaltensauffälligkeiten. Eine Junge sagte mir: „Ich weiß nicht mehr, wie spielen geht.“ Die Kinderpsychologin berichtet, dass Kinder auf einmal nicht mehr laufen können oder sie verletzen andere Kinder stark. Auf diesen Kindern liegt ein wahnsinniger Druck, die Familie hat das Land verlassen. Wir sind zu alt, um in einem neuen Land nochmal voll durchstarten zu können, aber du wirst das schaffen und du wirst das Geld für uns verdienen, um uns mitzufinanzieren. Die ganze Hoffnung der Familie ruht auf ihren Schultern. Ein Mädchen sagte: „Der Traum von einem guten Leben ist für mich vorbei“, weil sie so lange nicht zur Schule gegangen ist.

Fares (11 Jahre) lebt mit seinen vier Brüdern und Schwestern, seiner Mutter, seinem Vater sowie dessen Zweitfrau und Baby in einem Zelt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Fares: „Alles hat angefangen, sagt mein Papa, als ich neun Jahre alt war. Da ist eine Bombe auf das Nachbarhaus gefallen. Mein Freund ist dort gestorben. Seitdem habe ich diese Schwierigkeiten mit den Gedanken. Ich habe keine Erinnerungen mehr, an nichts mehr. Ich kann mich nicht an Syrien erinnern und auch nicht an den Weg hierher. Es ist nichts mehr da. Morgens weckt mich meine Mama. Sie sagt immer, ich soll rausgehen, spielen. Aber ich kann nicht mehr spielen. Ich weiß nicht mehr, wie das geht.“

Was wäre ihr größter Traum?

Horst: Ich würde mir eine sofortige Auflösung der Lager wünschen. Die Menschen müssen evakuiert und sicher verteilt werden. Wir züchten dort Kriminalität. Ständige Retraumatisierung führt zu einem Verlust des Urvertrauens. Diese Menschen vertrauen anderen Menschen irgendwann nicht mehr. Wir entscheiden dass, das die Menschen dort kaputt gehen. In Afghanistan und im Irak droht den Menschen der Tod, aber überall anders werden sie teilweise auch verprügelt, haben die Krätze, werden von Ratten angefressen. Also lautet die Devise: Entweder lasse ich mich ausrauben oder raube selber aus. Die Menschen bekommen 70 Euro pro Person in einem Flüchtlingslager pro Monat in Griechenland. Es herrscht dort eine wahnsinnige Behördenwillkür. Ohne Rechtsbeistand sind die Chancen gleich Null, dass man einen positiven Asylbescheid bekommt.

Adonai (12 Jahre) aus dem Kongo lebt mit seinen Schwestern und seinen Eltern im Zeltlager Kara Tepe. Sein Bruder, von dem Adonai spricht, ist nicht mit im Camp. Foto: Alea Horst

Adonai: „Ich würde gerne etwas lernen. Aber ich gehe nicht zur Schule. Nicht eine Stunde Unterricht habe ich. Dabei möchte ich gerne etwas lernen. Mein Problem ist, dass ich ja älter werde. Die Zeit vergeht. Seit so langer Zeit bin ich jetzt hier und lerne nichts. Wie soll ich das alles irgendwann nachholen? Ich habe kein Wissen. […] Am meisten leide ich, wenn ich ohne Essen ins Bett gehe.“

Sie fahren, während wir telefonieren, zu ihrer nächsten Lesung.

Horst: Jetzt geht es nach Dresden, ich lese dort vor Schulklassen, von der vierten bis zur siebten. Und ich bekomme dabei immer viele Fragen gestellt. Krieg und Verfolgung ist oft ein Tabuthema zu Hause. Die Kinder wollen wissen, wie das ist, wenn man Angst hat, Angst um sein Leben. Sie sind total begeistert, wenn sie mit mir darüber sprechen können, wie es in einem Flüchtlingslager aussieht. Kinder verfallen dann nicht in eine lähmende Hilflosigkeit, wie es oft bei Erwachsenen der Fall ist, sondern bringen Ideen ein, wie sie helfen könnten, etwa mit Waffeln backen, verkaufen und das Geld dann spenden. Kinder haben immer tolle Ideen für Frieden und ein besseres Miteinander.

Zum ersten Mal seine Geschichte erzählt

Es sind viele Kinder mit Fluchterfahrung in den Klassen. Das hat ihnen sehr geholfen, sich zu öffnen. Ihre schreckliche Vergangenheit auch anerkannt zu bekommen. Ein syrischer Junge hat davon erzählt, wie man auf sein Boot geschossen hat und wie er in der Türkei seine Mama verloren hat. Seine Schulkameraden haben ganz gespannt zugehört, wie er zum ersten Mal seine Geschichte erzählt hat.

Verein

Hilfsprojeke, Bildung, Zukunftsbau: Alea Horst hat einen Verein gegründet mit dem Namen Alea e.V.

Der Verein steht für soziale Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Respekt, Gemeinschaft, Würde und Frieden. Damit werden unter anderem soziale internationale Projekt unterstützt. Der Verein freut sich über Spenden.

Das im März 2022 erschienene Buch: „Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder“ von Alea Horst und Mehrdad Zaeri ist beim Klett Kinderbuchverlag erschienen. Für 16 Euro kann man es überall kaufen, unter anderem bei Amazon: https://www.amazon.de/Manchmal-male-ich-ein-Haus/dp/3954702630

Buchcover: „Manchmal male ich ein Haus für uns.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Sie steht halt doch auf Alpha-Männchen“

„Alice Schwarzer ergreift Partei für Putin“, schreiben Autoren des Handelsblattes. @UtePiper28 twittert: „Und die „Emma jubelt über den „tapferen“ Putin, der Frauen und Kinder töten lässt…„.  Schaak@Stefan schreibt auf Twitter an das Magazin EMMA gar: „#Schwarzer will von Putin gef**kt werden? Im Ernst? Krass… alte weiße Fleischeslüste…So ein Krieg steckt voller Überraschungen…“  @AlfredNeumann14  schreibt: „Sie steht halt doch auf Alpha-Männchen.“

„Alte weiße Fleischeslüste“

Was war der Auslöser für die unzähligen Kommentare auf Twitter und in anderen sozialen Foren gegen Alice Schwarzer ? Emma. Genauer gesagt, die Frauenzeitschrift Emma, die vor vielen Jahrzehnten die Feministin Alice Schwarzer ins Leben gerufen hat und die nun im allgemeinen Mainstream-Kriegsgeheul ein anderes journalistisches Scheinwerferlicht auf den Krieg in der Ukraine wirft. Nämlich das der Sinnlosigkeit. Der Sinnlosigkeit, einen Krieg zu führen. Feuer ernsthaft mit Feuer bekämpfen zu wollen, was am Ende einfach zu noch mehr Leid und Tod führt.

Helden? Nein, danke

So lautet der Titel der gedruckten März-Ausgabe: „Frieden jetzt. Helden? Nein, danke.“ Neben dem Titel eine junge Frau mit blutbespritztem Gesicht, die in die Kamera des Fotografen schaut.

Vorneweg: Alle oben zitierten Kommentare sind inhaltlich falsch. Vemutlich haben – wenn überhaupt – nur die Autoren des Handelsblattes nicht nur den Titel der Frauenzeitschrift gelesen, sondern den gesamten Leitartikel von Alice Schwarzer.

Die 79-Jährige tritt darin für Friedensverhandlungen und Kompromisse mit Russlands Staatschef Wladimir Putin ein und erinnert völlig zu Recht dabei auch an die unglückliche amerikanische Geschichte, als George W. Bush in den Krieg gegen den Irak zog, weil dort angeblich Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, was sich im Nachhin als Märchengeschichte herausstellte, um den Einmarsch in den ölreichen Staat zu legitimieren. Wollte damals jemand Bush an den Pranger oder vor ein internationsles Gericht stellen? Mitnichten. Es geht hier nicht darum, dass Schwarzer die Verfehlungen Russlands mit den Verfehlungen des Westens neutralisieren möchte. Beides sind und bleiben schwer wiegende Menschenrechtsverletzeungen. Krieg ist immer keine Lösung. Es geht Schwarzer lediglich darum, aufzuzeigen, dass wir uns wieder einmal als der strahlend weiße Westen generieren, als die einzige gute Partie in diesem Schachspiel und der böse Bube hat nur einen Namen. Putin. So einfach ist es aber nicht. Wir messen wie so oft mit zweierlei Maß. Wir schauen und bekommen auch von den Medien nur eine Seite der Medaille zu sehen – unsere. Wir befinden uns selbst mitten in einer Kriegspropaganda, damit wir deutsche Waffenlieferungen legitmieren und uns nicht schlecht dabei fühlen. Nach dem Motto: „Wir haben ja keine andere Wahl.“

Doch das ist falsch und feige. Wir haben immer eine andere Wahl. Dazu gehört Kompromissbereitschaft seitens der Ukraine und seitens Russland. Und wenn man dafür auf den Nato-Beitritt verzichten muss, im Gegenzug aber Menschenleben rettet, dann muss man eben in diesen Apfel beissen. Es gibt Schlimmeres.

Was Schwarzer auch endlich einmal als führende Journalistin ausspricht, ist dieses unglückselige Merkel-Bashing, das seit Ausbruch des Krieges auch von führenden Politiker und Journaliten in Deutschland verübt wird. Als wenn Angela Merkel Schuld an diesem Krieg und an der Abhängigkeit von russischem Öl und Gase hätte. Fakt ist: Mit Merkel hatten wir Frieden in Europa. Fakt ist auch: Merkel hatte nicht nur Joe Biden auf der anderen Atlantikseite, sondern auch noch einen anderen Präsidenten. Das scheint völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Wegen der Unberechenbarkeit Donald Trumps hat sich Deutschland gemeinschaftlich für die Annäherung an Russland entschieden, weil man das Gefühl hatte, dass Putin noch etwas berechenbarer war und ist als Trump. Merkel war noch nie ein Freund von Wladimir Putin, aber sie war bereit, manchmal lieber eine Kröte mehr zu schlucken als einen Krieg zu riskieren. Es sind sicherlich nicht die weiblichen Staatschefs auf der Welt, die Kriege führen. Dahingegen könnte der Hochmut von größenwahnsinnigen Männern mal wieder das Verderben Europas sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann

EMMA – epaper Titelbild Ausgabe 3/2022 (2109456)




Die Menschen vor Ort können darüber selbst entscheiden, wie stark der Journalismus in ihrem Umfeld ist

Vor ziemlich genau 6 Jahren erwachte unser Magazin GSCHWÄTZ zum Leben, damals noch lediglich als monatliches Printmagazin. Unser Ziel: unseren Lesern hochwertigen, hintergründigen und kritischen Lokaljournalismus zu bieten. Mittlerweile haben wir uns – mit Corona und den Lockdowns als Brandbeschleuniger – in rasanter Geschwindigkeit – vom Print- zum Online-Nachrichtenanbieter weiterentwickelt. Aktuell, exklusiv und nach wie vor kritisch berichten wir nun tagtäglich, nicht nur auf unserer Homepage, sondern in allen relevanten sozialen Medien Hintergründiges aus dem Hohenlohekreis und erzielen so wöchentliche Beitragsinteraktionen von bis zu 39.000 allein auf der sozialen Plattform Facebook.

Starke und engagierte Leser:innen im Hohenlohekreis

Aber wir haben nicht nur eine starke und engagierte Leserschaft im Hohenlohekreis, sondern auch in Stuttgart, Berlin und den Vereinigten Staaten – Politiker:innen, Unternehmerfamilien oder einfach nur Menschen mit einem Bezug zum Hohenlohekreis.

Damit ist GSCHWÄTZ in nur 6 Jahren zu einem der wichtigsten und führenden Nachrichtenplattformen im Hohenlohekreis herangewachsen.

Wir engagieren uns darüber hinaus in diversen sozialen Bereichen, sei es bei einer integrativen und effektiven Flüchtlingspolitik wie jetzt im Zuge dieses schrecklichen Krieges mitten in Europa, bei Projekten, die Kinder aus sozial schwachen Familien unterstützen oder bezügliche Frauenprojekten.

Auch weiterhin möchten wir für Sie da sein, über besondere Menschen und Schicksale aus dem Hohenlohekreis berichten, über lokalpolitische Geschehnisse mit einem kritischen Geist schreiben und nicht zuletzt über die Coronapolitik, die das Volk gespalten hat wie nie zuvor.

Doch immer wieder werden wir gefragt, warum dieser oder jener interessante Beitrag hinter einer so genannten paywall versteckt ist. Das heißt, das man für unsere Artikel seit zwei Jahren auch auf unserer Internetseite bezahlen muss.

Nun, auch Journalismus kostet Geld. Redakteure arbeiten, recherchieren, fahren zu Terminen, schreiben, haben den Mut, Dinge anzusprechen, die sich andere nicht trauen. Sie geben Menschen eine starke Stimme, die nicht so priviligiert leben dürfen wie andere. Der Journalismus ist die vierte Gewalt in einem Staat und in jedem Landkreis. Die Menschen vor Ort können darüber selbst entscheiden, wie stark der Journalismus in ihrem Umfeld ist. Je mehr Menschen bereit sind, für Journalismus zu bezahlen, desto stärker können wir agieren und desto besser können wir werden.

Lasst uns gemeinsam stark sein, gemeinsam wachsen, lasst uns noch besser miteinander vernetzen, damit wir alle eine Stimme haben, so dass jeder gehört wird.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Wir danken an dieser Stelle jedem, der uns bereits unterstützt.

Ein GSCHWÄTZ-Monatsabo kostet 4,99 Euro – inklusive aller Artikel sowie der Möglichkeit für kostenlose Kleinanzeigen. Hier informieren:

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Osterhasen für die Kinder im Krankenhaus

Am Ostersamstag, den 16. April 2022, besuchten GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann mit der ehrenamtlich tätigen Übersetzerin Margarita die ukrainischen Flüchtlingskinder im Krankenhaus in Künzelsau, stellvertretend für die anderen aktiv tätigen Ehrenamtlichen, die bis Ostern fast jeden Tag im Krankenhaus und bei ukrainischen Familien, die im Künzelsauer Umland untergebracht sind, im Einsatz waren. Im Gepäck: bunt gefärbte Ostereier und Osterhasen.

Verstecken und suchen – in der Ukraine gibt es das nicht an Ostern

Die ukrainischen Frauen und Kinder, die derzeit im Krankenhaus Künzelsau untergebracht sind, sind vom Glauben her katholisch oder orthodox. Orthodoxe Gläubige feiern erst nächste Woche Ostern. Bunt gefärbte Eier und Osterhasen suchen – diesen Brauch haben sie nicht. Stattdessen wird in der Ukraine Osterbrot gebacken. Aber den traditionellen Ostergottesdienst gibt es dort ebenso.

So schnell wie möglich die Sprache lernen

Das österliche Treffen nutzten die Frauen, um diverse Fragen zu stellen. Eine Frau etwa ist neu in Künzelsau angekommen und braucht dringend Insulin. Unter anderem war ein großes Bedürfnis danach zu spüren, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen, einen Job zu finden – als Erntehelfer:in oder Reinigungskraft etwa. Auch nach Wohnungen suchen sie. Gerne möchten sie etwas mehr von der Umgebung, von Hohenlohe und den Nachbarkreisen, kennenlernen, am liebsten mit den Ehrenamtlichen zusammen.

Deutsch-Basiskurse von und mit Ehrenamtlichen

Die Ehrenamtlichen versprachen, sich um die Anliegen zu kümmern, mit dem Lrandratsamt zu sprechen und gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen wenn möglich Deutsch-Basiskurse im Krankenhaus anzubieten, bis die offiziellen Sprachkurse starten.

Wer ehrenamtlich mithelfen möchte (Sprache/Ausflüge/Jobvermittlung/Wohnungssuche/Sonstige Freizeitangebote), darf sich gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden: info@gschwaetz.de, WhatsApp: 0172/68 78 474.

Geld für die Erstversorgung

Die Osterhasen haben die Ehrenamtlichen bezahlt von einem Teil der Spende vom Keltereck in Künzelsau. Recht herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an die großzügigen Spender:innen. Dieses Geld ist zudem gedacht für akut benötigte Dinge, die schnell besorgt werden müssen, etwa wenn Flüchtlinge nach Künzelsau kommen, die nicht mal mehr brauchbare Unterwäsche haben, da sie wochenlang unter Tage ausgeharrt haben bis zu ihrer Flucht oder Medikamente aus der Apotheke, Windeln oder Tiernahrung. Die Flüchtlinge bekommen nach ihrer Registrierung vom Landratsamt 50 Euro Startgeld, etwa für Kleidung, Wasser und andere Lebensmittel.

 




Ingelfingens Bürgermeister fühlt sich von der Presse ungerecht behandelt

Nachdem wir schon mehrfach über den Bürgermeisterkandidaten Klaus Schmitt berichtet haben, hätten wir uns sehr gefreut, wenn auch ein Gespräch mit dem amtierenden Ingelfinger Rathauschef Michael Bauer zustande gekommen wäre

Interview abgelehnt

Nun hat Bauer in einer schriftlichen Mitteilung ein Interview während des Wahlkampfes abgelehnt. Eigentlich war es nicht mal ein Interview. GSCHWÄTZ hatte ihm 5 Fragen mit der Bitte um schriftliche Beantwortung per Mail geschickt. Bauer hat dies abgelehnt, weil er befürchtet, dass aufgrund der GSCHWÄTZ-Berichterstattung in der Vergangenheit über ihn kein fairer und sachlicher Artikel herauskommen werde.

Gerichtsverfahren wegen Nötigung

GSCHWÄTZ hat in der Vergangenheit unter anderem über das schlechte Verhältnis von Michael Bauer zum TSV-Vorstand Bernd Bauer und zum Faschingskomittee berichtet. Auch sein Gerichtsverfahren (und Verurteilung) wegen Nötigung bezüglich einer Ingelfinger Einwohner:in war Thema unserer Berichterstattung. Hierauf hat er bei einer öffentlichen Veranstaltung in Ingelfingen gedroht, die Redaktion zu verklagen.

Auch mehrere Gemeinderäte seien in den vergangenen Jahren unter anderem wegen seines Verhaltens hinter den Kulissen aus dem Gemeinderat ausgetreten. Das Verhältnis zu Bürgermeistern in den Nachbargemeinden ist mehr schlecht als Recht. Aus dem Kreistag ist er ausgeschieden.

Leider hat Michael Bauer diese Möglichkeit nie wahrgenommen

Die Redaktion hat Michael Bauer bei jedem dieser Themen stets um eine Stellungnahme gebeten, damit er seine Sicht der Dinge schildern kann. Leider hat Michael Bauer diese Möglichkeit nie wahrgenommen. Stattdessen hat er die Gelegenheit genutzt, um bei einer Gastpredigt in der Kirche in Dörrenzimmern, GSCHWÄTZ zu diffamieren. Ein Gesprächsangebot im Nachgang hat er abgelehnt.

In einem anderen Fall hat er seinen Anwalt eingeschaltet, damit wir über ein gewisses Thema nicht mehr schreiben.

Anschuldigungen, Drohungen, Unter Druck setzen. Im Wahlkampf derzeit soll er wohl aber derzeit sehr nett sein.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann