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„Keine Musterknaben“

Als am Samstagabend, den 22. Oktober 2022, wieder einmal die Polizei zu einem Einsatz ausrücken musste, den ein junger Gambier verübt hatte (er wollte Alkohol im Lidl in Krautheim klauen), wusste Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler laut eigenen Aussagen nicht, dass der Mann wieder auf freiem Fuß ist. Eigentlich sollte er in noch in der Psychiatrie sein. Aus dieser wurde er jedoch laut Köhler vorzeitig wieder nach nur zwei anstatt vier Wochen entlassen.

Versuchte gefährliche Körperverletzung

Auch die Polizei im Hohenlohekreis kennt den Mann zur Genüge. „Dem Mann werden mehrere Straftaten zur Last gelegt. Gegen ihn wird wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Leistungserschleichung und versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt“, sagt Annika Grundbrecher von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Heilbronn auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.

Auch Kirche als Vermieter nun alarmiert

In Krautheim haben mittlerweile einige Einwohner:innen Angst vor diesem Mann, insbesondere Eltern, da er eigentlich in das ehemalige Schwesternwohnheim kommen sollte, das sich direkt neben dem Kindergarten befindet (wir berichteten). Laut Rathauschef Köhler habe die Stadt Krautheim derzeit keine anderen geeigneten Unterkünfte für Flüchtlinge als dieses Haus, das der Kirche gehört, aber an die Stadt als Flüchtlingsunterkunft vermietet werden soll. Nun sei, so Gerüchte, auch die Kirche alarmiert und prüft, inwieweit sie vom Mietvertrag noch zurücktreten könne. Nach wochenlangen Protesten von Eltern, hat nun Köhler hat gegenüber GSCHWÄTZ betont, dass dieser Gambier definitiv nicht in dieses Gebäude neben den Kindergarten kommen soll. Doch wohin mit ihm?

Eventuell Überwachungskameras

Das etwa dreimal so große Gebäude in Oberginsbach wird demnächst an Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine vorbereitet. Rund 50 sollen im Frühjahr dort einziehen. Bis dahin muss das Haus saniert werden, da die besagten Männer, die dort bislang gewohnt und nun nach Krautheim gebracht werden soll, das Haus ziemlich beschädigt hätten. Während Köhler einen Hauptschuldigen dafür sieht, und zwar der Gambier und die anderen Männer zwar auch nicht als „Musterknaben“ betrachtet, aber „da ist keiner dabei, der Straftaten begeht“, sehen die Eltern den anderen Männern auch mit Besorgnis entgegen. Denn auch über sie wurde ihnen von den Oberginsbächern einiges erzählt. Drogen. Alkohol. Diebstahlsdelikte und dergleichen. Kähler könne sich vorstellen, Überwachungskameras auf dem Grundstück des ehemaligen Schwesternwohnheimes in Krautheim zu installieren, sobald die Männer eingezogen seien. Aber hier müsse er den Datenschutz prüfen.

Der Gambier bleibe eventuell erst einmal in Oberginsbach, überlegt Köhler gegenüber GSCHWÄTZ, bis die ukrainischen Familien kämen. Eine Dauerlösung gäbe es aber noch nicht für ihn. Die Krux dabei: Eben dieser Gambier habe laut Köhler 37 Fensterscheiben allein in dem Gebäude in Oberginsbach eingeschlagen, das nun saniert werden müsse für die ukrainischen Familien. Aber wie kann man ein Gebäude sanieren, während der Haupttäter noch in diesem Gebäude wohnt?

Einweisung in die JVA

Im Rahmen des Einsatzes am Lidl in Krautheim am Samstag wurde nun ein Haftbefehl, der gegen den 24-Jährigen bestand, von der Polizei vollstreckt. Der Mann wurde dem Haftrichter vorgeführt, der den Haftbefehl eröffnete und den Tatverdächtigen in eine JVA (Justizvollzugsanstalt) einweisen ließ. Köhler und viele Einwohner:innen Krautheims hoffen, dass der Gambier nun länger hinter Gittern bleibt.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Foto: Eltern wie (von links) Nadine Horinek, Tanja Sordel, Lena Pflüger und Christine Koppe haben Angst um ihre Kinder. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen, wir möchten nur keine gewaltbereiten Männer neben unserem Kindergarten haben“

„Herr W. vom Landratsamt hat uns gesagt, dass er ganz harmlos wäre“, berichtet Christine Koppe. „Wir haben aber das Gefühl, dass wir angelogen werden“, sagt Lena Pflüger. Christine Koppe und Lena Pflüger sind Einwohner:innen Krautheims, aber derzeit sind sie vor allem eines: Mamas, die ihre Kinder schützen wollen vor gewaltbereiten, teilweise bereits straffällig gewordenen Männern.

Mamas haben Angst um ihre Kinder

Diese vier Männer sollen demnächst in ein ehemaliges Schwesternwohnheim in Krautheim einziehen, das sich direkt neben dem Kindergarten der Stadt befindet. Ein Unding, finden diverse Eltern und gehen seit rund drei Wochen, seitdem sie das durch Zufall erfahren haben, auf die Barrikaden, sammeln recht erfolgreich in kürzester Zeit über 1.800 Unterschriften online und vor Ort, aktivieren die Presse und machen mobil.

Jeder willkommen, der sich an die Regeln hält

Dabei spiele es keine Rolle, dass diese Männer Flüchtlinge seien, betonen sie. Gerne heißen sie jeden hier willkommen, der sich an die Regeln hält,  nicht gewalttägig sei oder mit Drogen hantiert. „Wir würden uns freuen, wenn etwa ukrainische Frauen mit ihren Kindern hier einziehen würden“, betont Christine Koppe.

Beschimpfungen und Schreie aus dem Fester

Vielmehr haben sie Angst, was die Männer hier anrichten könnten, wenn sie erst einmal eingezogen sind. Völlig grundlos ist ihre Sorge nicht. Immerhin gibt es Augenzeugenberichte von Oberginsbächern, was die Männer in ihrer bisherigen Unterkunft dort bislang verursacht haben. Alkohol, Drogen, laut Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler 37 von einem Mann aus Gambia eingeworfene Scheiben. Das Gebäude muss erste einmal saniert werden, bevor dann ukrainische Familien dort einziehen sollen. Es sei rund dreimal so groß wie das Schwesternwohnheim und daher besser dafür geeignet, erklärt der Rathauschef.

Hasen geklaut und geschlachtet?

Anscheinend hätten, so kursieren Gerüchte, die Männer dort auch Hasen von Nachbargrundstücken in Oberginsbach geklaut und geschlachtet. Besonders Angst haben die Krautheimer:innen vor dem Mann aus Gambia, der seit Jahren im Hohenlohekreis für Aufsehen sorgt durch sein psychisch stark auffälliges Verhalten (wir berichteten). Als er vor Jahren noch in Ingelfingen gewohnt hat, berichteten Einwohner:innen davon, dass er immer mal wieder mit einem größeren Messer völlig unvermittelt in ihrem Garten stand (wir berichteten). Beschimpfungen, Schreie aus dem Fenster, richtig ansprechbar war der Mann teilweise überhaupt nicht. Immer wieder musste daher die Polizei ausrücken und ihn zumindest für kurze Zeit in Gewahrsam nehmen.

Bürgermeister lässt seine Mitarbeiter:innen mit Pfefferspray ausstatten

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage teilt uns die Polizei mit, dass es in den vergangenen Monaten allein auf das Landratsamt bezogen insgesamt zehn „Anschläge“ gab – neun auf verschiedene Gebäude des Landratsamtes und einen auf ein Fahrzeug. Für alle „Anschläge“ konnte ein und derselbe Verursacher festgestellt werden. Unlängst wurden Scheiben am Hauptgebäude des Landratsamtes eingeworfen. Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler und einer seiner Mitarbeiter wurde von ihm ebenfalls mit Steinen beworfen, nachdem er ihn des Rathauses verwiesen hatte. Zuvor habe der Gambier dort randaliert. Auch sexuelle Anspielungen habe es gegeben. Er wolle endlich eine Frau haben, um Nachwuchs zu zeugen. Die Angst geht daher derzeit um in Krautheim.

Eltern fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen

Lena Pflüger berichtet davon, wie die Frauen mehrfach im Landratsamt angerufen und um Rückruf gebeten haben, doch nichts sei passiert. „Herr Neth möchte nicht mit uns sprechen“, sagt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wer schützt unsere Kinder?“, fragt Tanja Sordel. „Unsere Kinder sollen keine Versuchskaninchen für ein Integrationsprojekt sein, das scheitern kann.“ In ihren Augen fühle sich keine Behörde so richtig zuständig: „Wer trifft hier die Entscheidung? Wer kann etwas tun?“ Diverse dieser Entscheidungsträger hätten insbesondere den Gambier live erlebt. Deswegen könne sie nicht verstehen, „wie sie so etwas zulassen können“.

Landratsamt rüstet mit Sicherheitspersonal auf

Während das Landratsamt bereits reagiert und das Sicherheitspersonal aufgestockt sowie Bauzäune um das Gebäude herum aufgestellt sowie Panzerglas bestellt hat (wir berichteten), lässt Andreas Köhler nun ebenfalls seine Mitarbeiter:innen im Rathaus mit Pfefferspray ausstatten, Überwachungskameras im Eingangsbereich und Notrufknöpfe in den Büros sollen bald für zusätzliche Sicherheit sorgen. Derweil fühlen sich die Kindergarteneltern von den Behörden im Stich gelassen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagt Andreas Köhler, dass der Gambier „nach allem, was nun bisher gewesen ist, auf keinen Fall in das ehemalige Schwesternwohnheim einziehen“ werde. Eine Wohnalternative sieht er bislang jedoch lediglich in dem bisherigen Wohnhaus in Oberginsbach – aber dies gehe auch nur solange, bis dort die ukrainischen Familien hineinkämen. Eine Dauerlösung sei daher bislang noch nicht in Sicht. Geeignete Gebäude habe die Stadt derzeit keine, suche aber nach wie vor.

„Keine Musterknaben“

Da es am Samstagabend, den 22. Oktober 2022, erneut einen Polizeieinsatz wegen des Gambiers beim Lidl in Krautheim gab, hofft Köhler, dass er nun nur kurzzeitig in Gewahrsam oder in die Psychiatrie kommt. Zurück  nach Gambia könne er wohl auch nicht geschickt werden, da er seinen Pass weggeschmissen habe. „Da sind wir etwas machtlos“, gesteht Köhler.

Die anderen drei Männer, die in das Schwesternwohnheim ziehen sollen, empfindet er derweil als nicht so schlimm. Das seien „keine Musterknaben“, aber auch keine Männer, die bislang straffällig geworden wären.

Hase und Igel

Knapp 50 Kinder besuchen derzeit den Kindergarten. „Diese Männer brauchen richtige Hilfe, am besten eine Rundum-Betreuung“, sagt Christine Koppe. Lena Pflüger erinnert sich derweil an die Zeit, als sie noch ein Kind war und den Kindergarten besucht hat. Im Schwesternwohnheim war früher die Hasen-und-Igel-Gruppe untergebracht. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Hase-und-Igel-Spiel nun nicht zur Realität wird.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Das, was hier passiert, grenzt einer Farce

Sodele, jetzt wollen wir auch gar nicht zu viele Gefühle da reinpacken, sondern das einfach abhandeln wie echte harte Hohenloher:innen. Augen zu und durch damit. Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth betont in der letzten Kreistagssitzung (wir berichteten) noch einmal die Sachlichkeit des Themas. Emotionen sollen bitteschön draußen bleiben.

Abriss sehr wahrscheinlich

Verabschiedet sind die neuen Anträge das ehemalige Künzelsauer Krankenhausgebäude betreffend denn auch schnell. Die überwiegende Mehrheit der Kreisräte stimmte dafür, dass die Eigentümer:innen (die BBT-Gruppe und der Hohenlohekreis) nunmehr freie Hand haben, das Gebäude zu verkaufen und/oder abzureißen. Zu teuer eine Renovierung/Sanierung und neuerliche Nutzung.

Medizinisch total abgehängt

Derzeit schlafen ukrainische Flüchtlinge, vorwiegend, Frauen und Kinder, in diesem Gebäude. Darin ist auch das Sprachcafé integriert. Eigentlich wurde den enttäuschten Künzelsauer:innen vor fünf Jahren versprochen, als die Entscheidung fiel, das Krankenhaus wegen Unrentabilität zu schließen, dass man für Ersatz in Form eines MVZ (medizinischen Versorgungszentrums) an selbiger Stelle sorge (wir berichteten) und so die Räume umnutze, damit die Bevölkerung nicht total medizinisch abgehängt ist im Ländle.

Keine alternative Gesundheitsversorgung in Sicht

Doch auch das ist nun, wie der Kreistag entschied, wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Kurz: Es gibt nicht die versprochene Ausgleichsversorgung durch ein MVZ, noch wurde der Rettungsdienst persönlich und finanziell gestärkt, um den Verlust des Krankenhauses in irgendeiner Form auszugleihen.

Was ist wichtiger: Ein neues Landratsamt oder ein Krankenhaus?

Das alles hatte die BI (Bürgerinitiative) zum Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses vor Jahren bereits prophezeit. Nun ist alles genau so eingetreten. Fast zeitgleich zieht der Hohenlohekreis ein neues Millionenprojekt, nur einen Steinwurf von dem Krankenhausgebäude entfernt, hoch: ein neues, prestigeträchtige Landratsamt, nun Kreishaus genannt.

Fragt man die Einwohner:innen, was ihnen wichtiger wäre, ein neues Krankenhaus oder ein neues Kreishaus, dürfte die Antwort klar sein. Zumal es ihre Steuergelder sind, die zum einen für den Abriss und zum anderen für den Aufbau benutzt werden.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Du bist als Auftraggeber völlig hilflos“

Simone Mitsch redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Ich arbeite seit 22 Jahren im Tiefbau, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Simone Mitsch von der Stadt Künzelsau ist ebenfalls unzufrieden mit der Situation. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Fast jeder ist betroffen

Das Dorfgemeinschaftshaus in dem Künzelsauer Teilort Ohrenbach ist am Donnerstag, den 22. September 2022, bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Einwohner:innen möchten hören, was Vertreter:innen der Stadtverwaltung Künzelsau und von Netze BW zu sagen haben. Es geht um die Dauerbaustelle in Ohrenbach, die eigentlich seit Juni 2022 abgeschlossen sein sollte, jedoch – wenn überhaupt – frühestens Ende der Jahres fertig ist. Betroffen ist fast jeder Haushalt von den neuen Wasser-, Glasfaser- und Stromleitungen, die derzeit verlegt werden. Seit einem dreiviertel Jahr befindet sich das Dorf in einem Ausnahmezustand zwischen Straßengräben, Schlaglöchern, Aufschüttungen, Zuschüttungen und nicht nachvollziehbaren Arbeitsweisen und -abläufen sowie teilweise qualitativ schlechter Arbeit (wir berichteten).

Markus Manz sieht auch die Stadt in der Bringschuld. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Solche Probleme habe es noch nie gegeben

An diesem Abend nun soll es einen Austausch zwischen den Verantwortlichen und den Einwohner:innen geben. Gleich zu Beginn wird deutlich: Sowohl die Stadtverwaltung als auch Netze BW stimmen mit den Einwohner:innen über diverse Mängel und mangelhaftes Verhalten der Baufirma überein. Ein Vertreter der Baufirma Krieger aus Bruchsal selbst  ist nicht vor Ort.

Die Baufirma habe den Zuschlag im Rahmen einer Ausschreibung erhalten, erklärt Simone Bittner von der Stadtverwaltung. Sie ist technische Leiterin der KÜNWerke. Alexander Stickel von Netze BW erklärt: Wir haben schon oft mit dieser Firma zusammengearbeitet.“ Solche Probleme habe es noch nie gegeben.

Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Danach noch schlimmer als vorher

Man habe gehofft, dass es nach den „relativ langen Bauferien“, die sich die Arbeiter der Firma Krieger im Sommer genommen hatten, besser laufen würde, aber danach sei es noch schlimmer als vorher gewesen, resultiert Mitsch. So parken etwa Baufahrzeuge und Lkws freimütig auf privaten Rasenflächen von Anwohnern, wie etwa auf Helga Knittels Grundstück. Auch auf Aufforderung, wegzufahren, sei nichts passiert. Dieter Rudolph musste feststellen, dass seine Arbeitswerkzeuge wie Hammer, Schubkarre und Schaufel freimütig von den Arbeitern ohne ihn zu fragen, benutzt würden.

Projektbetreuer Bayer: „Völlig hilflos.“ Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

„Die zucken nur mit den Schultern und gehen weiter“

Auch Gespräche zwischen Stadt, Netze BW und Mitarbeitern der Baufirma hätten nicht viel bewirkt. „Die zucken nur mit den Schultern und gehen weiter.“

Herr Ackermann von der Netzentwicklung Nord erklärt: Auch mir ist so eine Maßnahme noch nie untergekommen. Ich war selbst überrascht, welche Qualität hier abgeliefert wird.“

Nun soll das Personal teilweise ausgetauscht werden, darauf habe man sich mit der Baufirma geeinigt. Zusätzlich sollen tägliche Kontrollen vor Ort gemacht werden.

Fortan tägliche Kontrollen und Austausch des Personals

Anwohner Markus Manz sieht aber nicht nur die Firma Krieger in der Bringschuld: „Es brodelt nun schon seit einem halben Jahr so.“ Mehrfach habe man die Stadt auf Mängel aufmerksam gemacht. Mehrfach hieß es, man sei dafür nicht zuständig. Fazit: „Es ist lange von der Stadt nichts unternommen worden.“ Ralf Lauber ergänzt: „Es hat keine Kommunikation stattgefunden“, etwa in Form eines Schreibens von der Stadt an die Anwohner:innen über die Bausituation und die nächsten Etappenschritte, etwa, wann und wie lange bestimmte Straßenabschnitte gesperrt seien. „Da sind genug Fachleute da, die sich darum kümmern können und müssen.“ Der freie Architekt bemängelt zudem massiv, dass die Baustellen teilweise nicht richtig abgesichert seien. Seine Frau sei dabei in einen ungesicherten Graben gefahren. Mehrmals habe er sich an Frau Deppner von der Stadt gewendet. Diese habe nur gemeint, dass ihr davon nichts bekannt sei.

Ackermann (links) und Alexander Stickel von Netze BW beim Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Kritik der Einwohner:innen an die Stadt: Zu lange nicht reagiert und nicht kommuniziert mit den Einwohner:innen

Projektbetreuer Bayer entgegnet, dass sehr wohl seitens der Stadt einige getan wurde: „Du schreibst, du mahnst. Aber es passiert einfach nichts. Du bist als Auftraggeber völlig hilflos.“ Mitsch fügt hinzu: „Es war auch nicht vorauszusehen, dass das so grauenhaft läuft.“ Ackermann sagt einen wichtigen Satz: „Tiefbaufirmen bekomme man halt derzeit auch nicht wie Sand am Meer.“

„Es war auch nicht vorauszusehen, dass das so grauenhaft läuft“

Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Dann hätte es im schlimmsten Fall erst einmal Stilstand in Ohrenbach gegeben. Besser Stillstand als weiter schlechte Arbeit, finden die Anwohner:innen.

Die Einwohner:innen zählen bei der Versammlung reihenweise Mängel an ihren Grundstücken und beim Straßenbau auf. Mitsch sagt, Mängel können bei ihr (per Mail an: simone.mitsch@kuenzelsau.de) oder bei Herrn Stickel von Netze BW angezeigt werden. 5 Jahre dauere die Gewährleistungspflicht der Firma Krieger. Nur: Wer behebt die ganzen Mängel? Alle Anwesenden scheinen zu zweifeln, die Arbeiter – gelernt oder ungelernt – überhaupt fähig dazu sind.

Bereits am nächsten Tag hat sich einiges getan im Ort, unter anderem eine von der Baufirma unzulässig Straßensperrung wurde entfernt. Die Stadt und Netze BW scheinen anzufangen, aufzuräumen.

Ortsvorsteher Felix Bittner. Bürgergespräch Ohrenbach 22. September 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Ökologische Katastrophe“

GSCHWÄTZ: Ich stehe hier in Oberregenbach mit Markus Hannemann, dem Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst. Es hat seit Wochen und Monaten fast gar nicht mehr geregelt. Wir erleben hier eine einzigartige Dürreperiode. Herr Hannemann, welche Auswirkungen hat diese Dürreperiode jetzt auf die Jagst?

„Das tut den Lebewesen in der Jagst nicht gut“

Markus Hannemann: Die Fische und die anderen Lebewesen in der Jagst, dazu gehören auch Wirbellose oder Muscheln, stehen ständig unter Stress durch die hohen Wassertemperaturen von teilweise bis zu 27 Grad in der Nacht. Es ist einfach sehr extrem und das tut natürlich den Lebewesen in der Jagst nicht besonders gut.

GSCHWÄTZ: Wir haben uns für das Interview am Wasserkraftwerk in Oberregenbach getroffen – und das nicht ohne Grund. Die Kraftwerksbetreiber sind von den jeweiligen Landratsämtern von Schwäbisch Hall und Künzelsau angehalten worden, dass sie kein Wasser mehr anstauen sollen. Warum ist das so wichtig?

„Todesfalle“

Markus Hannemann: Ich möchte nicht alle Kraftwerksbetreiber über einen Kamm scheren, aber es gibt einzelne, die den so genannten Schallbetrieb durch Anstauen des Wassers verursachen, so dass dann über dieses Wehr, an dem wir hier stehen, beispielsweise kein Wasser mehr drüberfließt. Und da kann man sich vorstellen, was unterhalb dieses Bereiches passiert mit dem Wasser. Das heißt, wenn kein Wasser mehr von oben kommt, werden die ganzen Kiesbänke von jetzt auf nachher trockengelegt. Das wird dann quasi zur Todesfalle für die darin lebenden Lebewesen.

GSCHWÄTZ: Was fordern Sie denn von Kraftwerksbetreibern oder was wäre denn wichtig?

Überlebenschancen für die kleinsten Lebewesen

Markus Hannemann: Diesen Schwallbetrieb einzustellen, da er einen immensen ökologischen Schaden an der Jagst verursacht. Man sollte sich einfach an die Regeln halten, an den Mindestpegelstand, die Mindestabgabemenge des Wassers für die Wasserstrecken unterhalb des Wehres. Diese müssen genügend versorgt werden, dass die Lebewesen auch eine Überlebenschance haben.

GSCHWÄTZ: Was passiert, wenn etwa ein Kiesbett durch das Anstauen des Wassers für eine halbe Stunde trockengelegt wird?

Markus Hannemann: Ganz einfach. Dann ist vermutlich alles verendet. Es sind ja nicht nur Fische, sondern zum Beispiel auch Muscheln. Hier in diesem Bereich gibt es etwa die , da gibt es ganz geschützte Muscheln, die Union des Crassus, die kommt hier ganz besonders oft vor hier. Und es ist eine ganz seltene Muscheln Art, die leiden darunter. Oder auch natürlich die Fischen Bärtierchen, die sogenannten Macro Zero Ventus, die Insekten Larven. Auf gut Deutsch gesagt, für die ist es genauso eine Todesfalle.

Ein ganzer Mikrokosmos kann sterben

GSCHWÄTZ: Das heißt, wenn es dann dumm läuft, kann da ein ganzer Mikrokosmos aussterben in kürzester Zeit.

Markus Hannemann: Genau. Das ist eine ökologische Katastrophe. Und daher bitten wir einfach als Naturschützer, dass sich auch die Kraftwerksbetreiber an die Regeln zu halten. Die meisten halten sich ja dran, aber einzelne nicht. Daher sollte man eigentlich von Gesetzes wegen verfügen, dass alle Anlagen auf den neuesten technischen Stand gebracht werden müssten, dass die Pegelstände automatisch und digital übermittelt und veröffentlicht werden und man dadurch auch den tatsächlichen einzelnen Verursacher feststellen kann.

GSCHWÄTZ: Wir haben vorhin davon gesprochen, dass teilweise die Pegelstände zehn Zentimeter unterschritten werden. Da gibt es laut Ihren Aussagen auch Fotos und Videos davon. Was droht denn den Verursachern, die sich nicht daran halten?

„Exempel statuieren“

Markus Hannemann: Das ist eine Ordnungswidrigkeit und wird theoretisch mit einem Bußgeld geahndet. Nur muss es dann halt auch verhängt werden von den Landratsämtern und das muss auch als Exempel statuiert werden.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden“

Wenn Elfriede Hübel zu ihrem Esszimmerfenster hinausschaut, kann sie es noch immer nicht so recht glauben. Ihr Vorgarten schaut aus, wie wenn ein monströs großer Maulwurf sich durch den Garten in ihr Haus gegraben hätte. Die Rasenfläche wurde quasi in der Mitte umgepflügt, rechts und links liegen große Erdhügel, die ehedem blühende Hortensie fiel den Grabungsarbeiten zum Opfer. Was ist geschehen?

Seit Monaten sind die Ohrenbacher baustellengeplagt. Foto: GSCHWÄTZ

Seit Monaten halb aufgerissene Straßenzüge

Elfriede Hübels Haus ist Teil des großen Kabelverlegungsprojektes für neue Strom-, Wasserrohre und Glasfaser der Stadt Künzelsau im Teilort Ohrenbach. Seit Monaten nun schon werkeln Bauarbeiter in dem 130-Seelendorf herum, fangen mal hier an, machen mal dort weiter. Dann wieder tut sich tagelang nichts. Für den ein oder anderen Anwohner ist das Vorgehen nicht ganz nachvollziehbar. Hin zukommen seit Monaten halb aufgerissene Straßenzüge.

Quer durch den Vorgarten

Die Umgrabungsarbeiten kamen indes völlig überraschend für die 79-Jährige, war sie doch mit ihrem Mann in eben dieser Zeit im Urlaub. Angekündigt war die Verlegung zwar schon, allerdings sollte, so Elfriede Hübel, die Leitung unterirdisch ins Haus „geschossen“ werden. Das hat offensichtlich nicht geklappt. Die Wasserrohre werden nun quer durch ihren Vorgarten direkt ins Haus verlegt, der Strom indes über ihre Hofeinfahrt in ihre Garage. Zwei Mitarbeiter der zuständigen Baufirma sind derzeit damit beschäftigt, einen Teil der gepflasterten Hofeinfahrt hierfür freizulegen.

„Alle goschen grad“

Frau Hübel steht nun vor einem kleinen Burggraben. Lustig findet sie das nicht. Immerhin sei es nicht das einzige, was so alles die vergangenen Monate schief gelaufen sei bei den Bauarbeiten. Auch andere Einwohner:innen hätten die verrücktesten Dinge erlebt. „Alle goschen grad“, sagt sie.

Am Mittwoch, den 14. September 2022) habe es dann richtig geknallt, berichtet sie. Es habe ein Vort-Ort-Meeting mit Frau Mitsch von der Stadt Künzelsau, mit Vertretern der Baufirma Kaiser aus Bruchsal, mit einem Vertreter des Stromlieferanten Netze BW sowie mit Anwohner:innen gegeben. Ausschlaggebend hierfür waren vermutlich die kritischen Aussagen von Wolfgang Schmelzle im Gemeinderat am Vortag bezüglich der zuständigen Baufirma. Anscheinend sei diese so unorganisiert, dass sie sich ständige die simpelsten Arbeitsgeräte von den Anwohner:innen ausleihen müsse. Dies kann nicht nur Elfriede Hübel bestätigen, sondern auch ihr Nachbar Dieter Rudolph. In einem handgeschriebenen Brief erklärt er gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ: „Arbeitswerkzeug wir Schubkarre, Hammer, Säge teilweise nicht vorhanden.“ Er könne zudem nicht verstehen, dass die Arbeiter:innen jeden Tag nach Hause nach Bruchsal fahren, anstatt hier in der Nähe zu übernachten. Er selbst habe bei Grabungsarbeiten an seinem Haus zwei Wochen seine Hofeinfahrt nicht befahren können, bis die Bauarbeiter daran weitergearbeitet hätten. Immer habe es gehießen: „Wir kommen morgen. Aber es kam niemand.“ Beziehungsweise es kamen schon Arbeiter, diese hätten aber dann an einem anderen Haus im Ort weitergearbeitet.

Für diverse Anwohner:innen wirkte das Ganze wohl etwas unkoordiniert.

Mit Sand aufgefüllt. Reicht das als Verdichtung? Foto: GSCHWÄTZ

„Murks“

Auch handwerkliche Mängel beklagen die Anwohner:innen. Dieter Rudolph: „Am nächsten Tag wurden dann die Leerrohre verlegt und die Baugrube 1,50m tief wieder zugefüllt, ohne das Füllgut zu verdichten.“ Rudolph spricht hier von „Murks“. Elfriede Hübel wiederum zeigt bei der Besichtigung auf das Kanalrohr, das nun direkt von ihrem Vorgarten in ihr Haus verlegt wurde, die Grube um das Rohr herum sei hier lediglich mit Sand aufgefüllt worden, anstatt um das Loch herum etwas festeres Material wie Zement zu verwenden, um das neue Loch zu versiegeln. Die Rentnerin hat nun Sorge, dass bei Regen Wasser in ihr Haus dringen können. Beide sind sich einig: „Es kann nicht sein, dass man so eine Firma holen kann.“

„Es hat ja fast überall Ärger gegeben“

Die Stadt Künzelsau sei Auftraggeber und habe dafür zu sorgen, dass alles richtig gemacht werde. „Wir sind ja nichtder einzige Hauhalt, wo es Probleme gibt, es hat ja fast überall Ärger gegeben“, sagt Rudolph, ähnlich wie Hübel. Wer habe hier die Bauaufsicht? Die Baustellen der beiden befindet sich an einer Durchfahrtsstraße. „Da stehen keine Baustellenschilder. Kein Bauarbeiter hat eine Warnweste an.“ Da könne man nur noch darauf warten, bis einer überfahren werde“, so Rudolph in seinem Schreiben weiter. Sein Fazit: „Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden.“

 

Eine ähnliche Hortensie hat die Grabungsarbeiten in Elfriede Hübels Garten nicht überlebt. Foto: GSCHWÄTZ

„Wir sind von der Stadt Künzelsau im Stich gelassen worden

Frau Hübel glaubt zu wissen, wo das Problem liegt: „Es muss alles billig produziert werden. Es gehe nur noch um den Preis. Ergo: Die günstigste Baufirma bekäme den Zuschlag. Mit der Vorgängerfirma Steinbrenner sei alles glatt gelaufen, sagt sie, als sie auf ihren ungepflügten Garten blickt: „Das sieht so trostlos aus. Das ist alles kauppt. So kann es nicht weitergehen. Die müssen das richten.“

Am Donnerstag, den 22. September 2022, 19 Uhr, lädt Ortsvorsteher Felix Bittner alle Einwohner:innen zum Austausch mit der Stadt Künzelsau in das Dorfgemeinschaftshaus ein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Niemand möchte das, aber alle essen es“

Der 25-jährige BWL-Student Aaron Bangert hätte vermutlich vor einem Jahr nicht gedacht, dass er am Donnerstag, den 15. September 2022, als Versammlungsleiter eine Mahnwache abhalten wird vor der Metzgerei Kühnle anlässlich des Schlachthof-Skandals, den Report Mainz vor kurzem aufgedeckt hat. In dem Video (Das Video von Report Mainz gibt es hier zu sehen:REPORT MAINZ: Veterinäre schauen bei Tierschutzverstößen weg | ARD Mediathek) sind erschreckende Szenen aus dem Innenleben des Schlachthofs zu sehen, unter anderem sieht man, wie die Tiere vor der Schlachtung mit Elektroschockern traktiert werden und teilweise sehr qualvoll mittels Kehlschnitts und minutenlangem Ausbluten bei vollem Bewusstsein sterben.
Dr. Sandra Hartmann hat nur wenige Stunden vor der mittlerweile zweiten Mahnwache mit Aaron Bangert gesprochen.

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

Tierschutzgesetz mit Füßen getreten

GSCHWÄTZ: Was erhoffen Sie sich von der nun bereits zweiten Mahnwache seit Anfang September 2022?

Bangert: Wir fordern, dass der Betrieb dauerhaft geschlossen wird, nicht auf freiwilliger Basis, wie es seit der Berichterstattung von Report Mainz der Fall ist, sondern seitens des Veterinäramts. Die Zustände, die aufgedeckt wurden, sind einfach derart grausam. Das sind Lebewesen sind. Wenn ein Tierschutzgesetz so mit Füßen getreten wird, darf der Betrieb nicht mehr öffnen.

Demonstranten fordern strafrechtliche Verfolgung

Auch eine strafrechtliche Verfolgung möchten Bangert und seine Mitstreiter bewirken, unter anderem gegen den Amtsarzt des Veterinäramtes, der nicht nur Kenntnis von den Zuständen hatte und nichts unternommen hat, sondern, im Gegenteil, auf Videoaufnahmen sieht man eben diesen Mann selbst zum Elektroschocker greifen und ihn mehrfach gegen die Tiere anwenden.

Das Video zeigt Aufnahmen von acht unterschiedlichen Tagen in dem Schlachthof. Die Rinder und Schweine werden unter anderem mit Elektroschockern zur Schlachtung getrieben.

Amtsarzt des Veterinäramtes wird zum Täter

Bangert: Aus unserer Sicht ist der Amtsarzt damit zum Täter geworden. Er müsste das eigentlich verhindern, dass so etwas passiert. Das ist ja im Prinzip die einzige Instanz im Schlachthof, der die Tierschutzrechte überwacht. Dieser Amtsarzt gehört eigentlich entlassen. Aber leider ist es so, dass im Tierschutz die Strafen sehr milde ausfallen. Es gibt theoretisch bis zu drei Jahre Haft bei Tierquälerei. In der Regel fallen die Urteile aber sehr mild aus. Aber ich hoffe, dass es von Seiten der Strafbehörden Ermittlungen gibt. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt.

Metzgerei Kühnle hat hier eine starke Stellung in Backnang

GSCHWÄTZ: Warum wurde der Betrieb nicht längst von behördlicher Seite geschlossen?

Bangert: Aus meiner Sicht, ich bin ja auch hier aus der Region, hat die Metzgerei Kühnle hier eine sehr starke Stellung in Backnang und hat auch politischen Einfluss. Die Menschen sind sehr geschockt. Man kann kaum glauben, dass der Metzger deines Vertrauens so etwas tut. Herr Kühnle hat schlau gehandelt. Er hat nicht gewartet, bis die Behörde den Betrieb schließt. Er hat den Schlachthof selbst geschlossen ein paar Tage nach der Veröffentlichung von Report Mainz. Er ist weiterhin zu. Es deutet aber viel darauf hin, dass er weiterhin machen will.

GSCHWÄTZ: Hat er Ihrer Meinung nach kein Einsehen?

Bangert: Eher nein. Die Aufnahmen seien zusammengeschnitten aus den acht Tagen. Er betont in dem Interview mit der Backnanger Zeitung, dass er das ganze Material sichten müsste, um die Lage richtig zu beurteilen.

Kein Unterschied, ob Schwein oder Hund

Aaron Bangert ist Tierschützer und kämpft für die Rechte von Tieren. Er selbst macht keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund und ernährt sich vegan. Privat hat er eine Hündin.

Bangert: „Ich liebe Tiere. Das sind unglaublich mitfühlende Tiere, so wertvolle Geschöpfe, um die wir uns kümmern müssen.“

„Niemand möchte das, aber alle essen es“

GSCHWÄTZ: Ist der Verbraucher mit Schuld an solchen Zuständen?

Bangert: Ja, schon. Ich zeige auch manchmal Aufnahmen anderen Menschen. Ich habe das Gefühl, dass niemand das möchte, aber alle essen es. Ich ernähre mich seit zehn Jahren vegan. Damals wurde ich noch richtig schief deswegen im Ländle angeschaut.

Termin Mahnwache Nr. 2 Schlachthof Backnang:

15.09.2022, Sulzbacher Straße 196, 71522 Backnang, 16:30 – 19:30 Uhr

Direkt vor dem Schlachthof Kühnle

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

 

 




„Raten Sie Ihren Kindern, Mandarin zu lernen und erziehen Sie sie nicht zu Naturliebhabern“

Es klingt wie ein Endzeit-Szenario und vielleicht ist es das auch. 2052. Der neue Klima- und Wirtschaftsbericht des Club of Rome für die nächsten 40 Jahre zeigt an, worauf sich die Menschheit vorbereiten muss, basierend auf den Gedanken von Jorgen Randers.

Der vorangegangene große Klimabericht ebenfalls mit einem Ausblick auf die kommenden 40 Jahre von 1972 war immerhin sehr präzise.

Nun aber wollen die Macher nicht nur Katastrophenszenarien an die Wand malen, sondern Zukunftsszenarien, die konkrete Vorschläge beinhalten, wie der Einzelne auf sich abzeichnende Entwicklungen reagieren kann.

Temperaturen werden um mehr als 2 Grad steigen

Immerhin: Die Klimaintensität des Energieverbrauchs werde durch erneuerbare Energien gesenkt. Die CO2-Emissionen  Energieverbrauch werden 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Die Temperatur werde um mehr als zwei Grad steigen, und das werde zu ernsthaften Problemen führen.

Ende der Konsumgesellschaft

Nach Randers wird das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen, ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen. Die Erwerbsbevölkerung wird bereits um 2030 abnehmen. Produktivität und Bruttoinlandsprodukt werden weiter wachsen, aber langsamer. Denn Investitionen zur Verhinderung und Beseitigung von Umweltschäden werden zunehmen müssen. Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen, und der Staat wird sich stärker einmischen müssen. Insgesamt wird der Konsum nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.

Das Internet und immaterielle Güter

Das Internet werde ein völlig neues Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit entstehen lassen.[12] Wissen werde kein knappes Gut mehr sein, aber das werde nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen führen, da Erkenntnisse allein nicht ausreichten, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen.[13] [14] Daher werde vermutlich eine „grüne Truppe“ zur Durchsetzung ökologischen Verhaltens eingerichtet werden, so wie heute die Blauhelme zur Friedenssicherung einträten.[15]

Norden Europas Klimagewinner

„Ich glaube, in 40 Jahren wird sich das Kräftegleichgewicht in Europa Richtung Norden verschieben. Die aufstrebenden Länder sind dann Skandinavien, Deutschland, die Beneluxstaaten und die Baltischen Staaten. Schottland wird seine Trennung vom Vereinigten Königreich vollziehen […] Südliche Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Balkan werden unter Temperaturanstiegen und Wasserknappheit leiden, wodurch es zu Nahrungsmittelknappheit, Gesundheitsproblemen und Unruhen kommt. Die Folgen sind Bevölkerungsverschiebungen und Einwanderungsschübe aus Nordafrika.“ (Catherine Cameron, S. 230)

Angleichung der Staaten nördlich und südlich des Mittelmeeres aneinander

Trotz der Eurokrise bleiben die Staaten nördlich des Mittelmeeres für die nordafrikanischen Staaten attraktiv. „Trotz dieser düsteren Entwicklungen im mediterranen Norden nimmt die illegale Zuwanderung aus Afrika und Asien explosionsartig zu, hauptsächlich in Richtung Italien und Griechenland und in schwächerem Ausmaß nach Spanien, Malta und Zypern.“ (Thymio Papayannis, S. 235)

Slum-Urbanismus in Afrika

Edgar Pieterse nimmt an, „dass Slum-Urbanismus angesichts des schwachen BIP-Wachstums, der anhaltenden Lohnungleichheit und systemischen politischen Fehlfunktion ein vorherrschender Zug afrikanischer Städte bleiben wird. […] Vom Staat wird nichts erwartet, genauso wenig wie vom privaten Markt. Stattdessen finden sich die Bewohner in verschiedenen Konstellationen zusammen und versuchen, ihr minimales Einkommen zu strecken, indem sie ihre gegenseitige Unterstützung, ihr Wissen und ihre Arbeitskraft einsetzen, um langsam aber systematisch alle nach vorne zu bringen. Im Kern dieses sozialen Betriebssystems steckt die Möglichkeit, die Ressourcen und Erwartungen der geordneten Stadt außerhalb des Slums ausschlachten, unterwandern, in Besitz nehmen und umformen zu können.“ (Edgar Pieterse, S. 241)

Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum

Zur Veränderung wirtschaftspolitischer Zielsetzungen argumentiert Randers wie folgt:

„Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus in den kommenden 40 Jahren unverändert weiter existieren wird. Der Name wird bleiben, doch die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft wird sich auf zweierlei Arten wandeln: Investitionsströme werden nicht mehr nur von Profitabilität gesteuert werden und Unternehmen werden gezwungen sein, nicht nur über ihre finanziellen Leistungen Rechenschaft abzulegen, sondern auch über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns.

Die Lösungen mögen teilweise schon fast ironisch wirkend, sind jedoch von Randers ernst gemeint. So heißt es unter anderem:

  1. Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen.
  2. Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden.
  3. Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität.Was Randers dabei nicht ausspricht, aber andeutet, ist die Frage: Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr unternehmen kann, was früher möglich war?
  4. Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern.
  5. Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können.
  6. Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor sie durch die Menschenmassen ruiniert werden.
  7. Wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist.
  8. Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können.
  9. Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden.
  10. Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.
  11. Raten sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen.
  12. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut.
  13. Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden.
  14. Investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind.
  15. Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.
  16. Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotential von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus.
  17. Für Unternehmer: Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung.
  18. Für Politiker: Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen Sie nur Initiativen, die langfristige Gewinne versprechen.
  19. Für Politiker: Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden.
  20. Für Politiker: Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit.

 

Bleibt zu hoffen, dass auch dieser Bereicht, ähnlich wie der erste, die Menschheit wachrüttelt und zum Umdenken zwingt. Allerdings hat die Menschheit auf die vorhergehenden Berichte zwar reagiert, aber mit einer Verzögerung von 20 bis 40 Jahren.

Zum Zweiten ist er vor dem Hintergrund der Erfahrung seit 1972 zu lesen, nämlich, dass die gesamte Menschheit auf die vorhergehenden Berichte reagiert hat, aber mit 20- bis 40-jähriger Verzögerung.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




Nur frisch geimpfte sind gut geimpfte Bürger:innen

Da ärgert man sich schon ein bisschen, wenn man als vorbildlicher Bürger:in, seiner vermeintlichen politischen Pflicht nachkam und sich sofort am Anfang einer jeden Coronawelle impfen hat lassen – einmal, zweimal, dreimal, der ein oder andere auch viermal oder noch öfter. Wer hier gleich vorne mit dabei war, dessen Impfungen liegen nun schon eine Weile zurück. Wer Pech hat, mehr als drei Monate. Die Übereifrigen werden mit der neuen Corona-Verordnung, die am Mittwoch, den 24. August 2022, vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht wurde, nicht belohnt für ihr Pflichtbewusstsein. Im Gegenteil. Laut den Beschlüssen gelten nur vollständig sowie „frisch“ (Impfung nicht älter als drei Monate) geimpfte Bürger:innen als gut geimpte Bürger:innen. Die Länder können entscheiden, ob sie den frisch Geimpften daher im Herbst und Winter 2022/2023 die Maskenpflicht in Innenräumen erlassen. Dies soll auch für Genesene gelten.

Zunächst war vorgesehen, dass die Aufhebung der Maskenpflicht dann verbindlich erfolgen soll. Kritiker hatten bemängelt, dies könne als Aufforderung an die Menschen verstanden werden, sich alle drei Monate impfen zu lassen. Daher obliegt die Entscheidung nun wieder jedem einzelnen Bundesland. So gelten wiedermal in allen 16 Ländern andere Regeln.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt derweil vor der nächsten Welle, die im Herbst und Winter über uns hereinbrechen wird – obwohl die aktuelle Coronavariante sich deutlich von den Vorgängervarianten abhebt und oftmals deutlich milder in Form einer einfachen Erkältung oder leichten Grippe verläuft.

Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft sowie des DIVI-Intensivregisters. Baden-Württemberg liegt hier an der Spitze mit einem Rückgang der Covid-Intensivpatienten von 19 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Gleichwohl befürchtet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die nächste Covid-Welle im Herbst / Winter 2022. Die Frage ist nur: Ist das Virus tatsächlich in dem Krankheitsverlauf noch so gefährlich, dass die ganzen Corona-Maßnahmen immernoch erforderlich sind?

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden“

Unlängst haben wir von einem Landwirt aus dem Kochertal berichtet, der aufgrund der voraussichtlich schlechten Ernte aufgrund der Dürre einen Teil seiner Rinder im Herbst schlachten muss, weil er seine Tiere vermutlich nicht alle satt bekommt. Wir haben daraufhin bei Helmut Bleher, dem Kreisgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, nachgefragt, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder ob noch weitere Betriebe drohen, in diese Notlage zu rutschen.

Kein Futter für die Tiere

GSCHWÄTZ: Sieht es bei den anderen landwirtschaftlichen Betrieben ähnlich aus, wie bei dem Landwirt im Kochertal?

Bleher: Die Trockenheit bereitet derzeit große Sorge. Vor allem die Futtergrundlage für die Tiere ist stark gefährdet, weil die Sommerschnitte ausfallen und der Mais verdorrt und keine guten Kolben ausbildet. Landwirte, die nicht noch Reserven aus Vorjahren haben, werden den Viehbestand abstocken müssen. Denn Grobfutter wie Heu oder Silage kann nicht einfach so zugekauft werden.

Mittelfristig werde Milch und Rindfleisch knapper

GSCHWÄTZ:  Wenn Rinder geschlachtet werden müssen, müsste doch eigentlich der Rindpreis fallen?

Ob der Rindfleischpreis unter Druck gerät, wenn in Teilen Deutschlands Herden abgestockt werden müssen, ist so nicht einfach zu beantworten. Der Rindfleischpreis hängt von weltweiten Einflüssen ab. Nach einer Schwäche in den letzten Monaten stabilisiert er sich aktuell wieder. Eher ist durch die jetzt befürchteten Herdenverkleinerungen damit zu rechnen, dass mittelfristig, Rindfleisch – übrigens wie auch Milch – knapper wird. Inwiefern dies sich in steigenden Preisen niederschlägt, hängt aber vor allem vom Verbrauch ab: Denn die Menschen reagieren auf steigende Milch- und Fleischpreise recht schnell mit Änderung des Konsumverhaltens und Einsatz von pflanzlichen Ersatzprodukten (zB Margarine statt Butter). Die sind aber aufgrund des Ukrainekriegs auch knapp. Die Märkte sind in Bewegung und sehr volatil. In welche Richtung es geht, ist nicht absehbar. Vermutlich können wir mit weiter steigenden Preisen rechnen, weil alles knapp ist.

Ukrainekonflikt treibt die Preise für landwirtschaftliche Bedarfsmittel in schwindelerregende Höhen

GSCHWÄTZ: Müssen Verbraucher künftig mit steigenden oder fallenden Preisen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in den kommenden Monaten rechnen?

Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden. Dies hängt zum einen mit der erzeugten Mindermenge infolge des Ukrainekonflikts zusammen. Vor allem aber sind die landwirtschaftlichen Bedarfsstoffe wie Düngemittel und Treibstoff, zum Teil um das sechsfache teurer geworden. Landwirte werden nur dann arbeiten, wenn sie ihre Kosten gegenfinanzieren können. Sonst ist es günstiger, nichts zu erzeugen. Dies findet z.B. gerade in der Schweinehaltung in Deutschland statt. Die Versorgung wird dann über andere Wege, entweder über das Ausland oder über Austauschprodukte erfolgen. Insgesamt steigen dadurch die Preise zwangsläufig in allen Bereichen.

Verbraucher verzichten auf hochwertige Bio-Lebensmittel

Interessant ist momentan das Phänomen, dass die Verbraucher auf hochwertige Lebensmittel verzichten, also sparen, und dadurch ausgerechnet die politisch gewollte Umstrukturierung zu mehr „Bio“ ins Straucheln gerät. Auch Biolandwirte müssen Geld verdienen und haben ähnliche Kostensteigerungen wie konventionelle Landwirte. Trotzdem stagnieren dort die Preise, weil die teureren Produkte nicht mehr nachgefragt werden. Biomilchprodukte sind zwischenzeitlich in einigen Läden billiger als konventionelle. Den Mechanismen des Marktes kann sich keiner entziehen. Unsere stets geäußerte Auffassung, dass mehr auf den Markt und weniger auf Ideologie geachtet werden sollte, bewahrheitet sich aktuell schneller als wir gedacht hatten.

Häufung von Extremwettersituationen

GSCHWÄTZ: Sind das Ausnahme-Trocken-Sommer oder müssen sich Landwirte auf veränderte klimatische Bedingungen hierzulande einstellen?

Trockene Sommer hat es immer gegeben und das wird so bleiben. Trotzdem sehen wir eine gewisse Häufung von Extremwettersituationen, die vermutlich dem Klimawandel geschuldet sind. Die Landwirte stellen sich laufend auf veränderte Situationen ein. Man züchtet hitze- und trockenresistente Sorten und setzt die auch ein. Man ändert die Bodenbearbeitung, achtet noch mehr auf wassersparende Bewirtschaftung. Wir brauchen aber als Landwirte jetzt die Unterstützung und vor allem die Einsicht der Politik, dass wir vernünftig arbeiten können und nicht durch künstliche Vorgaben wie zum Beispiel Düngeverbote oder Verbot von Pflanzenschutzmitteln zusätzlich beeinträchtigt werden. Vieles was aus ackerbaulicher Sicht zur Ernährungssicherung dringend notwendig ist, steht im Widerspruch zu den am Grünen Tisch verfügten, oft ideologisch begründeten falsch verstandenen Maßnahmen zum Arten- Umwelt und Klimaschutz. Landwirte tragen mit ihrer sich stets an die Bedingungen anpassenden Arbeit am allerbesten aus Eigeninteresse zu einem effektiven Schutz unserer Ressourcen und zur nachhaltigen Erhaltung unserer Böden bei.

„Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist“

GSCHWÄTZ: Wie könnten Maßnahmen ausschauen, um sich an den Klimawandel auch in der Landwirtschaft optimal anzupassen?

Zu allererst müssen Landwirte in die Lage versetzt werden, selbstständig und angepasst arbeiten zu dürfen. Denn der beste Klimaschutz entsteht dadurch, dass je produzierter Lebensmitteleinheit (kg Getreide, Liter Milch, kg Obst oder Gemüse oder Fleisch) möglichst wenig klimaschädliche Ressourcen verbraucht werden und man in regenerativen Kreisläufen denkt. Dies ist aber bei der Politik und der Gesellschaft noch nicht angekommen. Viele glauben, dass durch Extensivierung der Böden und der Produktion das Klima umso mehr geschützt wird. Dies ist aber nicht der Fall. Denn die rund 8 Mrd Menschen auf der Welt müssen ernährt werden. Das was wir auf unseren hoch ertragreichen Böden nicht erzeugen, wird irgendwo auf der Welt, zum Teil mit katastrophalen Folgen erzeugt werden. Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist.  Wenn in Deutschland CO2 eingespart wird, ist das schön. Es  hilft aber nichts, wenn dafür in den entlegensten Steppen großflächig mit immensem Einsatz von Treibstoff und Düngung viel mehr CO2 verbraucht wird. Man muss daneben auch erkennen, dass zur Landwirtschaft eine ausgewogene Tierhaltung gehört. Denn Grünland, Wiesen und Weiden können eben nur über Rindvieh genutzt werden. Andernfalls würden diese verwalden und stünden nicht mehr der menschlichen Existenzsicherung zur Verfügung.

Kurz: wir brauchen eine faktenorientierte Klimapolitik, die den Landwirten zutraut, Lösung und nicht das Problem zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann