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„Wir sehen enorme Schwierigkeiten, die Notfallrettung aufrechtzuerhalten“

Momentan sehen wir uns einer extrem angespannten Personalsituation ausgesetzt“, so Jens Müller, Rettungsdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Hohenlohe, in einem  internen Schreiben vom November 2017, das GSCHWÄTZ vorliegt. „Derzeit haben wir fünf offene Stellen im Bereich der Notfallrettung zu verzeichnen.“ Weiter heißt es: „Sollte es zu einer verstärkten Krankheitswelle kommen beziehungsweise in der kommenden Urlaubszeit sehen wir enorme Schwierigkeiten, den regulären Dienstbetrieb der Notfallrettung mit allen Rettungsmitteln aufrechtzuerhalten.“

Diese neuen Aussagen stützen die Aussagen, die Mitarbeiter gegenüber GSCHWÄTZ geäussert haben (siehe Berichterstattung in unserer November-Ausgabe).

Ansätze, die Personalsituation zu entschärfen, nennt Jens Müller in seinem Schreiben ebenso. So soll Personal von benachbarten Rettungsdienstbereichen ausgeliehen werden. Ebenso soll in Betracht gezogen werden, dass Rettungsdienstler benachbarter Standorte einen Standort oder eine Schicht hierzulande abdecken. Und: Stellenanzeigen regional und überregional sollen neue Mitarbeiter zum DRK Hohenlohe spülen.Mitarbeiter betonen indes, dass man leichter Personal halten und hinzugewinnen könne, indem man den internen Umgang mit den Mitarbeitern und dadurch auch den Ruf des DRK verbessert. Besonders in der Kritik steht nach wie vor der langjährige Kreisgeschäftsführer des DRK, Karl Heer, der Ende Juni 2017 in den Ruhestand gegangen ist. Doch auch jetzt noch gehen die Meinungen zwischen Führungsebene und Mitarbeiter in diversen Dingen auseinander, etwa bezüglich Funktionszulagen.

„Es gibt nicht nur keinen Sicherheitsbeauftragten seit Jahren, weil Herr Heer die Zulage nicht bezahlen wollte. Auch gibt es seit Jahren keine Sitzungen mehr vom Arbeitssicherheitsausschuss, obwohl der laut Betriebsrat vorgeschrieben ist“, so ein Mitarbeiter in einer E-Mail an GSCHWÄTZ. Gegenüber GSCHWÄTZ betonte Jens Müller jedoch: „Wir haben Mitarbeiter, die verschiedene personenbezogene Aufgaben- und Verantwortungsbereiche im Dienstbetrieb unserer Rettungswachen wahrnehmen und, sofern es unser geltendes Tarifrecht zulässt, auch entsprechende personenbezogene Funktionszulagen bekommen. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren und so weiter, um nur einige zu nennen. Diese Mitarbeiter sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Auch die Qualität des Rettungsdienstes könnte verbessert werden, so Mitarbeiter. Denn „die für den Rettungsdienst vorgeschriebenen Pflichtfortbildungen werden häufig überhaupt nicht oder nur auf den allerletzten Drücker mit irgendwelchen Pseudoschulungen in den Dienstplan gedrückt, damit halt auf dem Papier etwas da ist. Von Qualität im Rettungsdienst kann da keine Rede sein, aber es stört hier keinen.“

Zwei Welten, zwei Ansichten? Auch der Notarzt, der nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde nicht mehr als freiberuflicher Notarzt beim DRK Hohenlohe eingesetzt wird (GSCHWÄTZ berichtete), äussert sich kritisch über die internen Verhaltensweisen: „Seit Jahren werden Verbesserungsvorschläge und Beschwerden der Mitarbeiter des Hohenloher Rettungsdienstes zum Nachteil der Patienten ignoriert.“
Seine Nichteinsetzung als Notarzt nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde ist laut Aussage des Notarztes nun als Petition vor dem Landtag Baden-Württemberg anhängig. Mitarbeiteraussagen unterstützen die schlechte interne Kommunikation: „Anderswo sind Anregungen und Vorschläge gern gesehen, nicht bei uns. Jeder soll seinen Mund halten, schaffen wie blöd und alles mittragen.“

Karl Heers Führungsstil wird in diversen E-Mails, die GSCHWÄTZ vorliegen, stark kritisiert. „Nicht nur die medizinische Ausstattung und Fahrzeuge ist veraltet, die Räume für die Mitarbeiter sind in einigen Wachen miserabel ausgestattet. Eine uralte Couchgarnitur und keine Geschirrspülmaschine, obwohl wir so viele Leute hier sind.“ Die Mitarbeiter haben kurzerhand von ihrem Geld eine Geschirrspülmaschine gekauft und angeschlossen. Als Leiter Heer dies in der Wache gesehen hat, mussten die Mitarbeiter laut eigenen Aussagen die Maschine wieder „demontieren, schließlich hätte er das Hausrecht beim DRK und sei zuvor nicht gefragt worden“. Heers Nachfolger, Bernd Thierer, habe das Anschließen der Geschirrspülmaschine nun genehmigt.

Ab 2018 verschärft sich die Personalnot, da die Entgelttarife angepasst werden und die Rettungsdienstmitarbeiter eine niedrigere Wochenarbeitsstundenzeit haben. Thierer: „Der DRK-Reformtarifvertrag hat für den Bereich Rettungsdienst nachfolgende Reduzierungen vorgegeben: Ausgangslage am 01. Januar 2016 waren 48 Wochenstunden. Reduzierung zum 01. Januar 2017 auf 47 Wochenstunden und ab 01. Januar 2018 nochmalige Reduzierung auf 46 Wochenstunden. Diese externe Vorgabe durch den Tarifvertrag für alle DRK-Rettungsdienste verstärken natürlich die ohnehin aufgrund der anderen Faktoren angespannte Personalsituation nochmalig.“
Die Reduzierung der Wochenstundenzahl soll für die Mitarbeiter eine Entlastung sein, jedoch hat der DRK dadurch noch weniger Spielraum, um seine Fahrzeuge zu besetzen. Am Ende arbeiten die Mitarbeiter nicht weniger, sondern genauso weiter wie bisher, nur bei einer letztlich noch höheren Überstundenzahl.

Bei der vorgegebenen 15-Minuten-Hilfsfrist, bis dato ein Rettungswagen spätestens vor Ort sein sollte, belegte der Hohenlohekreis 2016 unter 34 Kreisen in Baden-Württemberg mit 91,4 Prozent ohnehin schon den drittletzten Platz, auf Augenhöhe mit dem Zollernalb- und dem Main-Tauber-Kreis. Nur Heilbonn und
Karlsruhe weisen langsamere Zeiten auf. Entgegen dazu erzielt Stuttgart einen Bestwert von 96,2 Prozent.

Zweimal im Jahr informiert der DRK Kreisverband Hohenlohe in einem Rundschreiben die Bürger. Der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, verweist im aktuellen Rundschreiben auf die Verdienste Karl Heers in seiner 36-jährigen Amtszeit: „Der stetige Ausbau des Rettungsdienstes, die Einführung des ambulanten Pflegedienstes und der Tagespflege, sowie zahlreiche Baumaßnahmen, inbesondere die Erstellung des Rot-Kreuz-Zentrums in Gaisbach, werden mit seiner Person verbunden bleiben. Wir danken ihm für seine hervorragende Arbeit für unser DRK.“

// Bernd Thierer

Bernd Thierer hat am 01. Juli 2017 die Nachfolge von Karl Heer als Kreisgeschäftsführer des DRK Hohenlohe angetreten. Der 43-Jährige ist verheiratet. Der gebürtige Ulmer, der dem DRK laut eigenen Aussagen „eng verbunden“ ist, war zuvor 18 Jahre Abteilungsleiter im Personal- und Rechnungswesen des DRK.

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// Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel vom November 2017

Retter am Limit – Fahrzeuge können oft nicht ausrücken

Im Juli 2017 erreichte die Redaktion GSCHWÄTZ eine E-Mail: „Hallo. Das Thema, das wir ihnen mitteilen möchten, ist schon eine Weile her, doch wir haben uns bisher einfach nicht durchringen können, diese Informationen weiterzugeben, aus Angst vor den Konsequenzen.“

Der Inhalt der E-Mail ist brisant. Die Verfasser verweisen auf den vom Landratsamt des Hohenlohekreises organisierten Bürgerdialog am 03. Juli 2017 in der Stadthalle in Künzelsau, bei dem Landrat Dr. Matthias Neth den Bürgern erklärt hat, warum der Krankenhausstandort Künzelsau geschlossen wird. Zudem wurde dort über die Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis generell gesprochen (GSCHWÄTZ berichtete). „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Karl Heer, hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“ (Anm. d. Redaktion: Der Rettungsdienst in Hohenlohe obliegt dem DRK Hohenlohe).

Wir haken nach und nach mehrmaligem E-Mail-Verkehr folgt ein persönliches Treffen. DRK-Mitarbeiter, die für den Rettungsdienst im Hohenlohekreis arbeiten, haben die E-Mails geschrieben. Sie möchten nicht namentlich genannt werden. Kritische Äusserungen werden innerhalb des DRK nicht gern gesehen, sagen sie und verweisen auf ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:

Ein Facharzt für Chirurgie, der zugleich als Notarzt für das DRK Hohenlohe am Standort Künzelsau freiberuflich im Einsatz war, legte im Dezember 2016 eine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde ein, adressiert an Landrat Neth(die Beschwerde liegt GSCHWÄTZ vor). Es ging um einen Unfall mit fünf Verletzten auf der A6, Höhe Rasthof Hohenlohe, bei dem die DRK-Leitstelle fehlerhaft agiert habe, so die Meinung des Notarztes. Zitat aus der Beschwerde: „Somit trafen lebensgefährlich Schwerverletzte jeweils in ein unvorbereitetes Krankenhaus ein, was zu weiteren signifikanten Verzögerungen bei der Versorgung der Patienten führte. Ein weiterer Patient sollte im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen angemeldet werden. Beim Eintreffen des Rettungswagens stellte sich heraus, dass das Krankenhaus hiervon keine Kenntnis hatte und somit keine Vorbereitungen hierfür getroffen waren.“

Der Arzt, der laut eigenen Aussagen 30 Jahre Berufserfahrung hat und nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Österreich und Norwegen tätig ist, nennt in seinem Schreiben noch weitere solcher Fälle, die ähnlich schlecht von der Rettungsdienst-Leitstelle koordiniert gewesen seien: ein Busunfall mit sieben Verletzten zwischen Jagsthausen und Berlichingen am 14. November 2016; ein Verkehrsunfall mit fünf Verletzten zwischen Kupferzell und Eschental am 30. November 2016 sowie ein Waldunfall mit technisch aufwendiger Bergung am Hang am 26. November 2016 bei Ingelfingen-Bühlhof. Hier sei „keine Feuerwehr primär alarmiert und trotz Anweisung keine Schockraum-Anmeldung im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim“ erfolgt. Fazit: „Abgesehen von den bekannten Folgen der Unterfinanzierung des Rettungsdienstes und/oder der mangelhaften Umsetzung von bestehenden Finanzierungszusagen im Hohenlohekreis wie Abmeldungen von Notarzteinsatzfahrzeugen (allein 2016 über 40 mal, Stand: Ende November 2016) und veraltete, minimalistische und mängelanfällige technische Ausrüstung und Fahrzeuge, zeigen sich in den exemplarisch genannten Einsatzbeispielen signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien.“

Gotthard Wirth, erster Landesbeamter im Landratsamt des Hohenlohekreises, verwies in seiner Antwort unter anderem darauf, dass „die personelle Nichtbesetzung von Notarzteinsatzfahrzeugen“ bundesweit zu beobachten sei. „Ebenso die Entwicklung, dass insgesamt nicht mehr genügend Rettungsassistenten zur Verfügung stehen. Diese Problematik kann daher von Seiten des Hohenlohekreises kurzfristig leider nicht gelöst werden. Trotz alledem sehe ich den Hohenlohekreis in dieser Hinsicht gut aufgestellt.“

Der Kritik äußernde Notarzt wurde laut DRK-Mitarbeitern seit seiner Beschwerde nicht mehr im Hohenlohekreis eingesetzt.

Seit 2016 hat sich die Personalnot verschärft. GSCHWÄTZ liegen die Dienstpläne von Juli und August 2017 vor. Allein im August 2017 wäre das Notarztfahrzeug in Westernhausen wegen Personalmangels an 20 Tagen ausgefallen, wären nicht Kollegen eingesprungen und hätten für eine Aufwandsentschädigung gearbeitet. Zudem haben Öhringer Kollegen Dienste übernommen. So fiel das Fahrzeug „nur“ an 14 Tagen aus. Der offiziell seit 01. Juli 2017 als neuer DRK-Geschäftsführer agierende Bernd Thierer betonte aber, dass „die Versorgung jederzeit sichergestellt war“. Der Notarzt sei an diesen Tagen nicht separat mit seinem Fahrzeug an die Einsatzorte, sondern direkt im Rettungswagen mitgefahren. Das Problem, dabei sei, so Mitarbeiter, dass durch dieses so gannte „Kompaktsystem“ die Notärzte unnötig lang an einem Einsatzort gebunden seien. Es habe durchaus seinen Sinn, dass Notärzte separat in einem Notarzteinsatzfahrzeug herausfahren. Durch die dünne Personaldecke werde es aber immer schwerer, dieses Fahrzeug zu besetzen, da es nicht nur mit Notarzt, sondern mindestens mit noch einem Rettungsassistenten besetzt werden müsse.

Rettungswagen fallen laut Belegungsplan zwar weit weniger häufig aus (etwa dreimal im Juni 2017). Allerdings „fahren sie unterbesetzt“, so Mitarbeiter. Sprich: In einem Rettungswagen muss ein Rettungsassistent für die Erstversorgung mitfahren. Ansonsten ist es kein Rettungswagen mehr, sondern nur ein Krankenwagen, geeignet, um ältere Menschen zum Arzt zu fahren oder um kleinere Notfälle abzuarbeiten. Anscheinend wurden unter Karl Heer auch FSJ-ler, also junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK absolviert haben, als vollwertige Rettungssanitäter gerechnet, obwohl diese keine hauptamtlichen Stellen besetzen dürfen.

Die Schließung des Krankenhaus-Standortes Künzelsau macht es den DRK-Mitarbeitern nicht einfacher: Die Fahrwege werden länger, die Fahrzeuge – und das Personal – seien dadurch länger gebunden. Die Mitarbeiter betonten überdies: „Die Leitung des Hohenloher Krankenhauses glaubt, dass künftig Patienten nach Öhringen kommen. Doch das ist ein Irrtum. Jeden Patienten, den wir transportieren, werden wir nach Schwäbisch Hall bringen. Das ist kürzer, schonender als nach Öhringen. Patienten werden sofort richtig versorgt und nicht später verlegt, weil man dies und das nicht im Haus machen kann.“

Die DRK-Mitarbeiter häufen unterdessen laut eigenen Angaben Überstunden in dreistelliger Höhe an. Ein Mitarbeiter hat gekündigt – da war er bei 500 Überstunden. Überstunden auszahlen? Dafür war Heer laut Mitarbeitern weniger zu haben. Und abfeiern werde aufgrund des Personalmangels immer schwieriger.

Seit Thierer werden Überstunden nun wieder ausbezahlt: „Die Personalsituation lässt derzeit bedauerlicherweise nahezu keinen Freizeitausgleich zu, deshalb ist die angebotene Auszahlung der Überstunden eine der Realität geschuldete Maßnahme, um etwas Entlastung bei der Besetzung der Dienste zu erreichen. Die Herausforderungen durch die sehr angespannte Personalsituation im Rettungsdienst können wir nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiter erfolgreich bewältigen.“

Seit März ist laut den DRK-Mitarbeitern eine Stelle im Hohenlohekreis gänzlich unbesetzt. Ab Januar 2018 fehlen dem Hohenlohekreis fünf Rettungsassistenten beziehungsweise Notfallsanitäter, sagen die Mitarbeiter und warnen: „Im Sommer werden zwei bis drei Fahrzeuge pro Tag ausfallen, wenn kein zusätzliches Personal gefunden wird oder Mitarbeiter nicht freiwillig einspringen.“

Den Mitarbeiterengpass begründet Thierer unter anderem mit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes 2014. „Die zweijährige Ausbildung der Rettungsassistenten wurde durch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter abgelöst. Durch die längere Ausbildungszeit fehlt ein ganzer Jahrgang neu ausgebildeter Mitarbeiter. Vor diesem Problem steht nicht nur das DRK Hohenlohe, sondern alle Rettungsdienstbereiche im Bundesgebiet.“ Mitarbeiter betonten indes, dass es – wie auch in den Nachbarkreisen – durchaus Möglichkeiten gäbe, um den DRK Hohenlohe als Arbeitgeber attraktiver zu machen: „Die meisten sehen einfach keine Perspektiven, keine Aufstiegsmöglichkeiten. Engagement wird nicht gewürdigt“, erzählt ein Mitarbeiter. Es werde etwa keine Funktionszulage bezahlt. Wenn jemand zum Beispiel das Amt des Sicherheitsbeauftragten übernimmt, stehen ihm laut Tarifvertrag 80 Euro Funktionszulage zu. Es gibt daher derzeit keinen Sicherheitsbeauftragten. Gespräche darüber mit Heer, aber auch mit Jens Müller, dem Rettungsdienstleiter in Künzelsau, hätten nichts gebracht. Auch der Notarzt sieht Verbesserungsbedarf: „Beschwerden der Mitarbeiter wurden ganz bewusst ignoriert“, erinnert er sich. Das frustriere. Müller weist die Vorwürfe zurück: „Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren, um nur einige zu nennen, sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Die DRK-Mitarbeiter hoffen nun auf den neuen Chef und betonen gegenüber GSCHWÄTZ, dass dieser nichts für die ganze Misere könne.

INFO // NOTFALLSANITÄTER UND NOTÄRZTE
Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitär. Der Notfallsanitäter hat erweiterte Kompetenzen und muss den Patienten beispielsweise erforderliche Medikamente verabreichen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Atemnot und schweren Verkehrsunfällen – also bei lebensbedrohlichen Maßnahmen – werden Notärzte hinzugerufen. Ein Notfallsanitäter verdient zwischen 1.900 und 2.100 Euro netto. Hinzu kommen Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.




Leben im Rausch

// Jens W. erzählt seinen Weg von Mulfingen in den Knast Schwäbisch Hall

LORE. Diese vier Buchstaben ließ sich Jens W.* in die Finger seiner Hand tätowieren. Auf jedem Finger steht ein Buchstabe. Lore ist der Mensch, der ihn vielleicht vor der Hölle hätte bewahren können – wäre sie nicht an Krebs gestorben. Lore war der Mensch, der ihm nie ein Leid zugefügt hat. Lore hat ihn über alles geliebt. Lore war seine Großmutter. Aber erzählen wir die Geschichte von vorne.

Wir dürfen einen Häftling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Schwäbisch Hall in der Kolpingstraße, angrenzend an das Gewerbegebiet Kerz, besuchen. Jens W. hat sich bereit erklärt, mit uns über seine Geschichte zu sprechen. Unsere Hauptfragen: Wie kommt man ins Gefängnis und wie ist es im Knast? Wir dürfen mit ihm im Besucherraum sprechen. Es gibt keine Trennscheibe. Wir sitzen uns an einem kleinen Tisch nahe der großen Fensterfront gegenüber. Man kommt sich fast vor wie bei einem Elterngespräch in der Kita. Das Gefängnis mit den Gittern scheint sich hier an diesem Ort etwas zu verstecken.
Jens W. ist ein hübscher Kerl mit dunklen Augen, er hat ein sympathisches Lächeln. Er scheint genauso aufgeregt wie wir, zumindest am Anfang. Dann beginnen wir über seine Geschichte zu sprechen und drehen die Uhr um 34 Jahre zurück.
In Bad Cannstatt kam Jens W. zur Welt. Er ist der zweitälteste seiner drei Halbgeschwister. Wenn man Jens‘ Lebenslauf liest, scheint der Weg für ihn fast vorgezeichnet: Die Mutter, damals 23, war Alkoholikerin. „Wenn sie nicht getrunken hat, war sie gut. wenn sie getrunken hat, war sie jähzornig“, erinnert er sich.

Bis er sechs war, lebte Jens in Niederstetten bei den Großeltern. Oma Lore starb an Brust- und Kehlkopfkrebs. Der Opa war, so Jens, zwar „ein Schaffer“, aber ebenfalls Alkoholiker. Sein Onkel und seine Tante ebenfalls. Mit 12 Jahren kommt Jens als Pflegekind für sechs Monate zu einer neuapostolischen Familie, da seine Mutter in Therapie war. Seine Mutter trennt sich von Jens‘ Stiefvater. Nach der Pflegefamilie geht es für den mittlerweile 13-Jährigen weiter in ein Jugendheim für Schwererziehbare nach Mulfingen, parallel dazu beginnt der mit ADS eingestufte Junge neben dem ärztlich verschriebenen Ritalin mit Alkohol und Haschisch.

„In Mulfingen hat es mir aber nicht gefallen, ich bin dort immer wieder weggelaufen.“ Er kommt daraufhin nach Frauental, „per richtlerichen Beschluss in einen Jugendschutzraum, damit ich nicht wieder abhaue“, erzählt Jens. Zu diesem Zeitpunkt, so sagt er, hat ihn die Alkoholsucht schon für sich eingenommen.

Mit 17 Jahren geht der Abstieg rasant schnell: Jens nimmt Speed und Ecstasy, um „gelassener zu werden, die Probleme waren verschwunden“ mit Einnahme der Drogen. Es folgten Diebstähle, Einbrüche und Drogenverkauf, um seine Drogen zu finanzieren.

Mit 18, das war 2001, kam er in Adelsheim ins Gefängnis, wegen räuberischer Erpressung. „Ich habe Sachen gemacht, um an Drogen zu kommen, in meinem jugendlichen Leichtsinn.“, erzählt er und wirkt dabei wie ein kleiner Bub, den man bei einem Streich erwischt hat.
Nach dem Gefängnisaufenthalt in Adelsheim lebte er in Bad Mergentheim. Mit 21 Jahren spritzt er sich Kokain und Heroin direkt in die Venen. Seine Freunde sind ebenfalls im Drogenmilieu, meistens sind sie älter als er. Sein bester Freund ist 64 Jahre.

2012, also vor fünf Jahren, stirbt seine Mutter an Leberzirrhose. Sie ist 52 Jahre alt geworden. Welche Gefühle verbinden ihn mit seiner Mutter? „Uns ging es als Kinder gut. Wir hatten immer zu essen, hatten immer Kleidung.“ Und dann nach einer Pause: „Ich bin ja selbst süchtig. Ich weiß, wie das ist. Man stellt die Sucht vor alles andere.“

Vier Suchttherapien hat Jens gemacht. Alle erfolglos. „Man hat das Gefühl, immer mehr zu wollen“, erklärt er die Abhängigkeit und könnte schon fast Suchtberater werden, wenn er erklärt, wie die einzelnen Drogen wirken: „Speed macht physisch abhängig und erzeugt Glücksgefühle.“ Heroin? „Heroin erzeugt das Gefühl der Geborgenheit. Man fühlt sich wie ein Embryo, der im Bauch der Mutter liegt“. Jens sagt solche Sätze wie: „Die Drogen verstärken halt die körpereigenen Stoffe, die man in sich hat“ und man fragt sich, ob es für ihn nicht ein anderes Leben hätte geben können.

„Die Entzüge waren die Hölle, besonders Heroin. Die körperlichen Schmerzen dauern ein bis zwei Wochen, das physische Tief aber viel länger“. Der längste Zeitraum, den er clean war, dauerte 15 Monate. Warum wird man immer wieder schwach? „Die Drogen geben mir so viel, dass ich nicht aufhören kann.“ Aber auch die Drogenlandschaft habe sich verändert: „Es ist schwierig, gutes Zeug zu finden, weil alles gestreckt ist.“ Auch am Alkohol hängt sein Körper nach wie vor. 30 0,2l-Flaschen Jägermeister sind für Jens kein Problem.

Jens hatte mehrere Beziehungen, aber eine hat ihn besonders berührt und diese habe er selbst zerstört wegen seiner starken Verlustängste, sagt er. Durch die Drogen und den Knast sei sein Selbstwertgefühl nicht sonderlich ausgeprägt.

Wie ist das Leben im Gefängnis? „Man erlebt hier nichts. Derzeit arbeite ich im Lager, davor in der Maurerei. Aber die hat zugemacht.“ Jens hat eine Einzelzelle, ab und zu besucht er die Kochgruppe, denn „da kann man auch mal Pommes essen, das gibt es hier normalerweise nicht“, sagt der gelernte Bodenleger und lacht.

Seit 30 Monaten sitzt Jens im Gefängnis Schwäbisch Hall. Delikt: Er ist in Kurhäuser in Bad Mergentheim eingebrochen, hat in Kaufhäusern Parfums geklaut und an Privatpersonen vertickt. Noch vier Jahre liegen vor ihm. Dann wäre er 38, wenn er aus dem Gefängnis kommt. Hat er Kontakt zu seinen Mitgefangenen? „Man kennt sich. Ich habe ein paar Leute. Den Rest mache ich mit mir selbst aus.“ Aber der Zusammenhalt ist draußen wie drinnen nicht mehr wie früher“, sagt er. Jeder schaue nur nach sich.

Freut er sich auf die Zeit nach dem Knast? Der Knast sei schon fast wie eine zweite Heimat für ihn – obwohl (oder vielleicht gerade weil) alles so routiniert abläuft, schon fast öde ist. „Man agiert hier wie ein Roboter“, so Jens. Aber draußen wird es nicht einfach sein. Wohnungssuche. Eingliederung. Jens träumt von einem Leben weit weg von hier, er möchte nach Norddeutschland. Dort seien die Menschen offener. Aber „ich traue mich nicht alleine“. Und dann, nach einer Pause: „Wir Drukkis gehen dann sowieso wieder ins alte Milieu zurück.“

Kurz vor Ende des Interviews noch eine letzte Frage: Was war der schönste Augenblick in deinem Leben? Jens sagt: „Du denkst jetzt bestimmt, ich sage: Wenn ich mir einen Schuss setze. Aber nein. Als ich meinen Sohn im Arm gehalten habe. „ Jens ist Papa, darf aber keinen Kontakt zu seinem Sohn haben. Die Mutter nimmt keine Drogen. 1,5 Jahre waren sie zusammen. Die Wende wäre möglich gewesen. Wer Jens kennenlernt, hat den Wunsch: Die Wende ist immer noch möglich.

* Name wurde von der Redaktion geändert

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„Rein mit der D-Mark, raus mit dem Euro“

// Haftalltag in der Justizvollzugstanstalt (JVA) Schwäbisch Hall

„Manche Menschen gehen ins Gefängnis mit der D-Mark und kommen heraus und sehen überall den Euro“, so Stefanie Hörter, Anstaltsleiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwäbisch Hall. Sie nennt dies als Beispiel, wie rasant sich heutzutage unsere Lebenswirklichkeit verändert und die Rückkehr in den Alltag für die Gefangenen damit umso schwerer sein kann.

Umso wichtiger, dass sich Gefängnisse daher nicht als Verwahrungsstätte verstehen, sondern als Resozialisierungsstätte. „Wir müssen die Gefangenen wieder lebenstauglich machen“, betont Hörter.

Das funktioniert zum einen durch einen sehr geregelten Tagesablauf, der in der JVA wie folgt aussieht:

zirka 6.00 Uhr: Aufstehen. Die Gefangenen richten sich abends das Frühstück selbst. Morgens frühstückt jeder in seiner Zelle. Das Frühstück besteht bei vielen lediglich aus Kaffee und Zigaretten.
zirka 06.40 Uhr: Zur Arbeit gehen in eine der Werkstätten in der JVA (teilweise verlängerte Werkbanken von Unternehmen)
zirka 09.00 Uhr: Pause
zirka 12.00 Uhr: Mittagspause in der Zelle
zirka 13.00 Uhr: Arbeiten
zirka 15.25 Uhr: Feierabend
danach: Aufenthalt im Freien für eine Stunde (freiwillig)
danach: Abendessen in der Zelle
ab zirka 18.30 bis zirka 21.40 Uhr: Offene Freizeiten der Abteilungen auf dem Stockwerk. Ehrenamtliche bieten zudem Freizeitkurse an (freiwillig), etwa: Tonarbeiten, Fotografie, Spanisch, Yoga, kochen, Skat, Musik (von Pfarrer angeboten).

Jens W. arbeitet im Lager. Davor hat er in der Maurerei gearbeitet, bevor diese zugemacht hat. Zwischen 1,20 und 1,50 Euro beträgt der Stundenlohn. So kommt ein Arbeiter auf 120 bis 140 Euro monatlich, mit Akkordarbeit seien bis 500 Euro möglich, sagt Reiner Probst, Pressesprecher der JVA.

Es gibt Ein-, Zwei-, Drei- und Vierbettzimmer. Wir dürfen in eine rund zehn Quadratmeter große Einzelzelle eines Gefangenen schauen. Malve- und Pfefferminztee stehen dort, Mineralwasser, Rasiercreme. Ansonsten nichts Persönliches.

Seit rund drei Jahren ist die JVA eigentlich überbelegt. Offiziell gibt es hier 442 Plätze, davon 367 im geschlossenen Vollzug der Hauptanstalt. Momentan befinden sich 223 Menschen erstmals im Vollzug, 275 sind Wiederholungstäter, so Probst. Die Jüngsten hier sind 18, die ältesten über 65 Jahre. 1996 wurde die Jugendstrafanstalt in Hall in eine Vollzuganstalt für erwachsene Männer umgewandelt. Die Frauenanstalt ist in Schwäbisch Gmünd, aber der Frauenanteil bei Straftaten sei verschwindend gering. In der JVA prallen 42 Nationalitäten aufeinander. Nach den Deutschen bilden die Georgier, Albaner, Türken und Nordafrikaner die größten Insassengruppen. Die häufigsten Haftgründe: Suchtproblematik. Es besteht die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen, eine Arbeitstherapie oder eine berufliche Orientierung im Metallbereich zu absolvieren.

„Die meisten Gefangenen sind kooperativ“, sagt Norbert Frohmader, stellvertretender Vollzugsdienstleiter. „Je längerstrafig, desto kooperativer“, ergänzt Anstaltsleitung Hörter. Die JVA vermittelt Gefangene auch in Therapien gegen Sucht und Gewalt. Wenn es doch mal Konflikte innerhalb des Gefängnismauern geben sollte, haben sie eine kleine Einsatzgruppe. Die ist mit Helm und Schutzausrüstung ausgestattet.

Ziel der JVA Hall aber ist, die Gefangenen so nah wie möglich an der Lebenswirklichkeit zu halten, damit es keinen Kulturschock für sie gibt, wenn sie wieder entlassen werden – manchmal erst nach 13 Jahren.

Hörter berichtet von dem Bauernhof „Kapfenburg“, den Beamte bei Ellwangen betreiben. Die Gefangenen arbeiten dort mit. „Da können sie sich das erste Mal beweisen im offenen Vollzug, wenn wir denken, dass keine Fluchtgefahr besteht.“ Der zweite Schritt wäre dann das Freigängerheim in der Schwäbisch Haller Innenstadt. Hörter: „Für uns ist es ein Erfolg, wenn wir die Gefangenen nach der Haftzeit entlassen und sie nicht mehr sehen. Wenn wir sie verabschieden, sagen wir nicht „Auf Wiedersehen“.“

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JVA sucht Mitarbeiter

Simon Knobel ist gelernter Industriemechaniker. In der Wirtschaftskrise 2006 schulte der damals 20-Jährige um. Zwei Jahre dauerte seine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten bei der JVA Schwäbisch Hall. Bereits sein Großvater war Vollzugsbeamter, erzählt der 31-Jährige. Was gefällt ihm an der Arbeit in der JVA? „Man arbeitet mit Menschen, nicht mit Maschinen. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen.“ Das Schönste aber sei, wenn man sehe, dass „sich die Gefangenen zum Positiven verändern“.

Eine Ausbildung in der JVA ist ab Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung möglich. Zur erforderlichen Polizeidiensttauglichkeit zählen des Weiteren: allgemeine Fitness. Konfliktfähigkeit, soziale Kompetenzen sind erwünscht. 209 Bedienstete, davon 22 Frauen, arbeiten derzeit in der JVA. Die nächsten Ausbildungsgänge beginnen im April 2018 und Oktober 2018. Bewerbungen mit aktuellen Zeugnissen und Lebenslauf an die JVA: Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall, Kolpingstraße 1, 74523 Schwäbisch Hall.
Tarifkräfte werden auch ausbildungsunabhängig das ganze Jahr über eingestellt.




Mitarbeiterin verklagt Hohenloher Krankenhaus

„Und wo liegt das eigentliche Problem?“, fragt Richter Michael Schanz trocken in die Runde beim Gütetermin im Saal sechs des Arbeitsgerichts Heilbronn am Dienstag, den 12. September 2017 um 11.30 Uhr.

Corinna Moisel, Führungsassistentin bei der Hohenloher Krankenhaus GmbH (HK), hatte gegen ihren Arbeitgeber gegen zwei Abmahnungen geklagt, die sie innerhalb kürzester Zeit hintereinander bekommen hatte. In einer Abmahnung beklagte die HK, dass Moisel sich nicht schnell genug krank gemeldet habe. Moisel begründete dies damit, dass sie Urlaub hatte und während ihres Urlaubes krank wurde. Zunächst habe sie gedacht, bis ihr Urlaub vorbei ist, werde sie wieder gesund sein. Doch bereits am nächsten Tag sei eine deutliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes eingetreten, so dass sie zum Arzt ging. Dieser wiederum schrieb sie rückwirkend für den Vortag krank. Moisel reichte die Krankmeldung umgehend ein. Die HK bemängelte, dass Moisel sich damit erst einen Tag zu spät krank gemeldet habe.

Richter Schanz runzelte die Stirn: „Einen richtigen Verstoß sehe ich nicht.“ Die Arbeitnehmerin habe „ohne schuldhaftes Zögern“ gehandelt. Er schlägt daher zur gütlichen Einigung vor, die Abmahnung zum 30. November 2017 wieder aus der Personalakte zu entfernen.

Die zweite Abmahnung erhielt Moisel nach einem Gespräch mit dem stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden der HK – selbst nicht anwesend beim Gütetermin. Dieser habe erklärt, so der HK-Anwalt, dass Moisel ihn darauf hingewiesen habe, dass ein Arzt aus Krautheim und Kreistagsmitglied, in einer Gemeinderatssitzung gesagt habe, dass er keine Patienten mehr ins Krankenhaus Künzelsau einweise, da es dort keine Notfallambulanz mehr gäbe. „Es werden Gerüchte mit falschen Tatsachen verbreitet. Das ist ein Stück weit Stimmungsmache“, begründet HK-Anwalt Reinhard Möller die Abmahnung. Eine Abmahnung als Antwort „ist doch das, was ein fürsorglicher Arbeitgeber tun müsse“, erklärte er.

Moisel hingegen bestritt, dies so gesagt zu haben. Sie habe ausdrücklich zu dem stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden gesagt, dass sie über Dritte gehört habe, dass der Arzt dies gesagt habe. Sie habe keine falschen Tatsachen verbreitet. Im Gegenteil. Sie wollte verhindern, dass falsche verbreitet werden, betonte sie. Daher habe sie den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden gebeten, dem Arzt auszurichten, er könne weiterhin seine Patienten ins Künzelsauer Krankenhaus überweisen, „denn die Notaufnahme ist an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden gewährleistet“.

Die HK, so Anwalt Reinhard Möller, hätte sich gewünscht, dass sich Moisel mit derartigen Dingen direkt an die Geschäftsführung wende. Bevor man gleich abmahne, hätte man dies ja in einem Gespräch klären können, warf der Anwalt von Corinna Moisel, Prof. Dr. Detlef Langbein, ein. Zudem sei Moisel, legte HK-Anwalt Möller nach, für derartige Dinge nicht zuständig. „Was gehört denn als Führungsassistentin zu ihren Aufgaben?“, fragt Richter Schanz HK-Anwalt Möller. Dieser weiß darauf keine Antwort.

Man einigt sich auch in diesem Fall. Auch die zweite Abmahnung wird aus der Personalakte entfernt – und zwar zum 30. Juni 2018.

„Meine Mandantin ist mit dem Ausgang der Güteverhandlung sehr zufrieden“, sagt Anwalt Langbein gegenüber GSCHWÄTZ.

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So zerstört man Vertrauen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Wozu gibt es einen Betriebsrat? Sicher nicht, um in Mitarbeitern Ängste zu schüren, nach Gesprächen mit ihm eine Abmahnung zu kassieren. Ein Betriebsrat soll eine Vertrauensperson sein. Im HK ist dies nicht mehr der Fall. Viel Unterstützung erfuhr Corinna Moisel von den Mitarbeitern der HK wegen ihrer Klage. Diese betonten, wie sehr sich Moisel für das HK einsetzt. Dass die HK ihr nun den Vorwurf gemacht hat, rufschädigend dem Krankenhaus gegenüber zu agieren, ist geradezu lächerlich. Hier müsste sich eher die obere Managementebene an die Nase fasssen, die wegen ihres internen Verhaltens von zahlreichen Mitarbeitern in der Kritik steht. Allein die auf derart wackligen Füßen stehendne Abmahnungen sprechen für sich.




„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Dietmar Axt, Geschäftsführer von Mustang Jeans in Künzelsau, hat unsere Fragen zur Neuausrichtung von Mustang beantwortet.

„Wir sind froh“, sagt Dietmar Axt, Chef von Mustang Jeans in Künzelsau auf die Anfrage von GSCHWÄTZ, „dass Roland Berger objektiv bestätigen konnte, dass wir heute bereits auf dem richtigen Weg sind, Mustang in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“ Welche Maßnahmen wurden dabei ergriffen? In seinem Antwortschreiben an unsere Redaktion GSCHWÄTZ spricht Axt von einer neuen „Systemlandschaft für eine zeitgemäße Multichannel-Struktur“, von einer „Verschlankung des Lieferantenportfolio“, von einer „Optimierung des Kollektionskonzepts“ und „nachhaltigen Partnerschaften im Wholesale“.

Zurück zur Jeans

Übersetzt heißt das: Es gibt nun ein besseres IT- und EDV-System. Warenwirtschaft, Kassensystem, Kommunikation mit Lieferanten, Finanbuchhaltungssystem – alles soll in Zukunft besser aufeinander abgestimmt werdem und, da wo es Sinn macht, miteinander vernetzt sein. Beispiel Warenwirtschaft. So sollen die betreffenden Mitarbeiter stets am Computer nachvollziehen können, in welchem Produktionsstatus sich beispielsweise eine Jeans befindet.
Ist der Prototyp gerade noch in der Mache oder begutachtet ihn bereits der Designer, um letzte Änderungen wie etwa andere Knöpfe anzuweisen?

Zurück zu den Wurzeln, heißt nun das Prinzip von Mustang, weg von Lizenzgeschäften wie beispielsweise Bogner und zurück zum Kerngeschäft: der Jeans. Oder auch Denim, wenn man die Oberteile und Jeansjacken mit hineinnimmt. Von Bogner hat man sich im Januar 2017 in gegenseitigem Einvernehmen getrennt.

Dietmar Axt, Geschäftsführer von Mustang. Quelle: Mustang

„Neue Arbeitsplätze geschaffen, nicht abgebaut“

Auch von manchen Lieferanten hat sich Mustang verabschiedet und setzt dabei lieber auf weniger und bessere Zulieferer. Begriffe wie Menschenrechte, Nachhaltigkeit, Kinderarbeit fallen. Aber wie werden die Lieferanten geprüft? Die Produzenten werden zertifiziert nach ihren Produktionsbedingungen, heißt es.
Die Denim-Lieferanten kommen derzeit zu 70 Prozent aus Europa, Türkei und Tunesien.
Welche Rolle spielt Roland Berger bei diesen ganzen Veränderungen? Mustang habe die Maßnahmen selbst in Angriff genommen, Roland Berger stand beratend und bewertend zur Seite, heißt es.
Die wichtigste Aussage bei dem Veränderungsprozess aber lautet: Laut Dietmar Axt wurden „neue Arbeitsplätze geschaffen – nicht abgebaut“.




Ein Manifest für Europa

Mit der MEGA-Kampagne, die derzeit von Schulz-Anhängern postuliert wird, um ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz für die Wahl im Herbst 2017 zu feiern, hat man wohl den richtigen Nerv getroffen – nachdem sich Großbritannien aus der EU verabschiedet hat, nachdem der Populist Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde, nachdem auch in Frankreich der Drift nach Rechts kommt und die reale Gefahr besteht, dass Europa wie ein Kartenhaus zusammenfällt, nun heißt es also: MEGA bei den Sozialdemokraten. MEGA steht dabei für: Make Europe great again – in Anlehnung an Donald Trumps Wahlkampfslogan.
Während die Union hinter der MEGA-Kampagne einen ähnlichen populistischen Stil wie bei Donald Trump wittert, ist es doch genau dieses eindeutige leidenschaftliche Bekenntnis zu Europa und Europas Werten, das viele Deutsche und auch andere Europäer von ihren Politikern aus der Mitte derzeit vermissen.

Wenn wir nun die MEGA-Kappen aufsetzen und uns trauen zu sagen: Make Europe great again, kämpfen wir mitnichten für ein Europa, das in den Krieg für neue Ländereien ziehen oder sich abschotten soll vom Rest der Welt. Wir sind damit nicht automatisch für Schulz als vermeintlich besseren Kanzlerkandidaten – immerhin hat er sich bislang noch nicht wirklich geäußert, welche Politik er als zukünftiger Kanzler machen möchte. Mit MEGA verbinden wir etwas anderes: Den Stolz, den enthusiastischen Stolz, Europäer zu sein und die europäischen Werte zu feiern. Diese sind nicht: Die Gleichstellung der Gurken-Längen innerhalb unseres Kontinents. Diese sind: Frieden,  Freiheit, Sicherheit, Toleranz, Achtung, Respekt  und Gleichberechtigung.

Wir haben eine viele Jahrhunderte alte Kultur in Europa – kulturelle Schätze in jedem Land, die wir schützen und die jährlich Millionen Touristen zu uns kommen lassen. Europa hat mehr als doppelt so viele Einwohner als Amerika. Wir haben ein höhere Wirtschaftsleistung, Warum machen wir uns immer so klein? Donald Trump hat uns einen Gefallen getan, wenn er uns als kleinen, teuren Bruder abschütteln möchte wie eine lästige Fliege. Denn wir können auch unabhängig – und wir müssen es auch, um für unsere Werte auf dieser Welt einzustehen. Wir sind der wirtschaftsstärkste, friedlichste Kontinent. Wollen wir das nun wirklich alles wieder aufs Spiel setzen und uns der Kleinstaaterei wie im Mittelalter widmen?

Natürlich hat Europa einen Haufen Probleme.  Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Staaten und der Graben zwischen Superreichen und Armen wird immer größer.  Aber die Probleme verschwinden nicht, wenn wir uns in unsere Nationen zurückziehen und Europa Europa sein lassen. Im Gegenteil. Sie werden rasant zunehmen, wenn Deutschland sich abschottet, England, Frankreich und jeder nur noch sein eigenes Süpplein kocht. Kleine Nationen haben nun mal nicht diese Verhandlungsmacht gegenüber Amerika und anderen großen Nationen dieser Erde. Europa gemeinsam aber hat etwas zu sagen. Und wir haben anhand unserer Wirtschaftszahlen sogar eine ziemlich große Stimme.

Also lasst uns sprechen und zwar öffentlich. Kotzen wir uns nicht in irgendwelchen abgeschotteten Netzwerken im Internet oder in WhatsApp aus, um dann bei der kommenden Wahl das Kreuz an der falschen Stelle zu machen.
Lasst uns stolz sein auf unsere gemeinsamen Werte, unsere Kultur, unsere Wirtschaftsleistung. Lasst uns Europa zukunftsfähig machen und die Probleme gemeinsam angehen.

Lasst uns eintreten für ein friedliches, tolerantes Europa. Ein Europa, das jeden aufnimmt, der bereit ist, seinen Beitrag für ein starkes Europa zu leisten. Dazu gehört selbstverständlich der Wille zur  Integration und die Akzeptanz unserer christlich-demokratischen Werte.

Lasst uns stolz sein, Europäer zu sein.

Lasst uns Europa feiern!

http://www.everysecondcounts.eu




Krankenhaus Künzelsau: Demonstrationsverbot für Feuerwehr

Im Dezember beteiligt sich die Feuerwehr Künzelsau das erste Mal an den Mittwochsdemonstrationen und streikt mit für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses – es war vermutlich zugleich das letzte Mal.

Die Antwort des Landratsamt kam postwendend, nur rund eine Woche später: Die Feuerwehr solle das künftig unterlassen, die Feuerwehr wolle schließlich noch weiterhin Gelder vom Landratsamt bekommen – auch hinsichtlich einer neuen Atemschutzwerkstatt.

Offensichtlich betrachtet es das Landratsamt und damit auch der Landrat als Affront, wenn sich die hiesige Feuerwehr offiziell für ihr Krankenhaus vor Ort einsetzt. Das Landratsamt verweist in einer offiziellen Stellungnahme an GSCHWÄTZ auf Folgendes: Laut dem „Feuerwehrgesetz ist geregelt, dass […] Feuerwehruniformen nur zu dienstlichen Zwecken benutzt werden dürfen. […] Auf die uneingeschränkte Teilnahme in Zivil wurde verwiesen.“

Feuerwehrkommandant Thomas Böhret steht nach wie vor zu der Demo: „Wir als Feuerwehr wollten nur öffentlich zeigen, dass wir es nach wie vor als sinnvoll sehen, hier vor Ort ein Krankenhaus zu haben.“

Auch Bürgermeister Stefan Neumann hält an seiner damaligen Entscheidung fest, der Feuerwehr das Ok für die Beteiligung an der Demo gegeben zu haben und steht hinter seiner Feuerwehr: „Es ist sehr wohl zulässig, zu demonstrieren, wenn es im gemeindlichen Interesse liegt und deshalb hatte ich auch nichts dagegen. Ich war eher verwundert, dass das so negativ gesehen wird, dass sich die Feuerwehr positioniert hat. Es war eine gute Geste der Feuerwehrler gewesen. Und man darf bei allem nicht vergessen: Das ist nicht die freiwillige Feuerwehr vom Hohenlohekreis, sondern die freiwillige Feuerwehr von Künzelsau.“