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Nur für Araber und reiche Russen?

Für private Praxisklinik auf Schloss Stetten klatscht nicht jeder Applaus.

Dr. Hans-Wilhelm Köhler kann nur den Kopf schütteln  über das, was er von Schloss Stetten hört beziehungsweise was manche Bürger meinen: Nun haben wir ja bald wieder ein Krankenhaus.

Der Arzt aus Künzelsau aber betont: „Diese Praxisklinik ist nicht annähernd vergleichbar mit einem vollwertigen Krankenhaus“ und sei daher auch kein Ersatz für die bevorstehende Schließung des Krankenhauses in Künzelsau.

Anfang Juli 2018 ist es amtlich, was schon seit September 2017 in Form von Gerüchten durch das Kochertal waberte (wir berichteten): „Es gibt Gerüchte, dass Sie eine Praxisklinik zusammen mit Professor Dr. Christoph Karle in Schloss Stetten mit Schwerpunkt Kardiologie planen.“ Ob das zutreffe, haben wir den Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten im August 2017 gefragt.

Von Stettens damalige Antwort verlor sich im Unkonkreten: „Wie Sie wissen, habe ich mich sehr für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses eingesetzt. Nach dem die politische Mehrheit aber anders entschieden hat, arbeiten wir an Möglichkeiten, die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Kochertal (von Niedernhall bis Braunsbach) und im Jagsttal (von Mulfingen bis Langenburg) aufrecht zu erhalten oder in bestimmten Punkten zu verbessern.“

Es sei jedoch noch zu früh, um mitzuteilen, welche dieser Projekte tatsächlich realisiert werden können.

Nun rollen die Bagger, damit das Gebäude für eine private Praxisklinik schnell hochgezogen werden kann.

In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Schwerpunkt: Kardiologie, also für Patienten mit Herzerkrankungen. Hauptmieter der Räume ist Professor Dr. Christoph Karle. Auch OP-Räume sind vorgesehen. Privatpatienten könnten sich künftig in Schloss Stetten beispielsweise einen Herzschrittmacher legen lassen. In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Die Frage ist nur: Wäre nach 18 Uhr noch ein Arzt in der Klinik anzutreffen. Und: Was ist überhaupt ein Notfall? „Notfälle bestimmt der MdK (Anm. d. Redaktion: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung)“, so Köhler. Das Problem: Viele Bürger säßen heutzutage in den Notfallambulanzen, ohne einen Notfall zu haben. „Das ist in den vergangenen fünf Jahren explodiert“, berichtet Köhler. Daher ist der Allgemeinmediziner auch für eine Notfallgebühr, die momentan in der Politik diskutiert wird. Die Bürger würden mit Bauchschmerzen „aus Bequemlichkeit“ ins Krankenhaus gehen, um sich den Arztbesuch zu sparen. das ist für ihn inakzeptabel.

Nach wie vor fehle in Künzelsau mit Blick auf die bevorstehende Schließung des Krankenhauses eine Perspektive für eine 24-Stunden-Notfallambulanz, kritisiert Köhler.

In Künzelsau darf keine weitere Praxis aufmachen

Das Künzelsauer Problem: Diverse Ärzte sind in Forchtenberg und Öhringen mittlerweile mit ihren Praxen ansässig. Wieviel Praxen in einem bestimmten Kreis aufmachen dürfen, entscheidet die kassenärztliche Vereinigung. Und da schaut es gerade ziemlich mau aus mit freien Sitzen im Hohenlohekreis. In Künzelsau dürfte daher gemäß der aktuellen Lage keine weitere Praxis, etwa zum Aufbau eines Notfallzentrums, aufmachen, so Köhler. Und die Ärzte, die derzeit noch im Ärztehaus arbeiten, seien  ausgelastet. Auf die Kritik von Köhler angesprochen, entgegnete Karle, dass es natürlich das langfristige Ziel sei, in Schloss Stetten auch Kassenpatienten behandeln zu können. Köhler sieht dies skeptisch: „Nach heutigem Recht ist das absolut unmöglich.“ Zudem soll Karle einmal gesagt haben: „Mich interessieren nur Araber und reiche Russen.“ Karle betont gegenüber GSCHWÄTZ indes, dass diese neuen Einrichtungen der gesamten Bevölkerung in der Region Hohenlohe offen stehen soll, „unabhängig davon, ob die Patienten privat oder gesetzlich versichert sind.“ Dieses Ziel unterstützt auch Bauherr Christian von Stetten „uneingeschränkt“, wie er in einer Pressantwort an unser Magazin betont.

Doch das ist gar nicht so einfach. Dr. René Schilling, Pressesprecher der AOK Heilbronn Franken, betonte gegenüber GSCHWÄTZ: „Grundsätzlich gilt für die gesetzliche Krankenversicherung bei der Abrechnung von stationären Leistungen mit Kliniken: Diese müssen im Landeskrankenhausplan geführt werden. Ist diese Rechtsgrundlage nicht gegeben, ist eine Abrechnung ausgeschlossen.“ Sprich: Es obliegt dem Land Stuttgart, zu entscheiden, ob Künzelsau wieder Betten bekommt, nachdem sie zuvor im Rahmen des HK gestrichen wurden.

Bauherr Christian von Stetten rechnet mit einer Bauzeit von 1,5 Jahren. Ende 2019 soll das Gebäude bereits in Betrieb genommen werden. „Der Pachtvertrag mit Prof. Karle ist abgeschlossen und Gespräche mit weiteren Ärzten laufen.“




„Ich habe gedacht: Das geht wieder weg“

Markus Neugebauer aus Niedernhall erkrankte an Multiple Sklerose

Schweissgebadet ist Markus Neugebauer am 27. Januar 2011 aufgewacht. Unter der Dusche ist er dann zusammengebrochen. Der HNO-Arzt meinte, es sei ein Hals-Nasen-Ohren-Infekt. Aber Neugebauer ahnte schon, dass da mehr dahinter steckte und er sollte Recht behalten.

„Ich habe mich schon Tage zuvor platt gefühlt, abgekämpft, hatte Schweissausbrüche, meine eine Gesichtshälfte war taub“, erinnert sich der Niedernhaller. „Ich habe das damals ganz locker gesehen und gedacht: Das geht wieder weg“, erinnert er sich. Nur ein paar Tage später brach der damals 38-Jährige komplett zusammen, als er für seinen damaligen Arbeitgeber, ein Autohändler, ein Auto von Dänemark nach Hause überführen sollte. Mit Herzrasen und überhöhtem Puls brachte ihn der Notarzt ins nächstgelegene Krankenhaus nach Neumünster. Es folgten Röntgenaufnahmen, MRT, eine Lungenentzündung wurde diagnostiziert, die mit Antibiotikum erfolgreich behandelt wurde.

Ärzte vermuteten den Norovirus

Dann der nächste Zusammenbruch. Neugebauer übergab sich. Der Vater zweier Söhne hatte auf einmal Gleichgewichtsprobleme und mit Schwindel zu kämpfen. Ausserdem hatte er das Gefühl, dass mit seinem linken Bein etwas nicht stimmte.

Die Ärzte vermuteten, dass er sich mit dem Norovirus angesteckt haben könnte. Es ging direkt, ohne eine Stuhlprobe abgegeben zu haben, auf Quarantäne, erzählt Neugebauer. Von Neumünster wechselte er schließlich ins Diakonie-Klinikum nach Schwäbisch Hall.

„Morgens bin ich aufgewacht und aus dem Bett gefallen.“

Drei Tage vor seinem 39. Geburtstag dann eine weitere dramatische Verschlechterung: „Ich bin in der Toilette einfach umgefallen, in dieser Nacht ist meine komplette linke Seite weggebrochen, wie wenn dir alles einschläft und nicht wieder aufwacht“, berichtet er. „Morgens bin ich aufgewacht und aus dem Bett gefallen.“

Nun kommt er auf die Intensivstation, es folgt eine Rückenmarkpunktion, der Verdacht auf MS, also Multiple Sklerose, steht das erste Mal im Raum. Verlegung nach Würzburg auf die neurologische Station. Sein Zustand ist so schlecht, dass er fünf Wochen nicht mehr laufen kann. „Aber ich habe immer gewusst, ich komme da wieder raus“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Nach insgesamt acht Wochen Krankenhausaufenthalt folgen Anschlussbehandlungen in Bad Windsheim.

Für Markus Neugebauer war MS eine bis dato nicht vertraute Krankheit. In seiner Familie ist niemand betroffen. Seit sieben Jahren lebt er nun mit den Schüben, die die Krankheit mit sich bringt. „Ich merke nicht, wenn sich ein Schub anbahnt.“

Finger können taub sein oder die ganze Hand. Manche Dinge vergehen wieder, andere bleiben. Über die deutsche Rentenversicherung hat er eine Umschulung zum Industriekaufmann gemacht.

Was ist MS?

Bei Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist das zentrale Nervensystem chronisch entzündet. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft  haben weltweit nur zirka 2,5 Millionen Menschen MS, davon rund 200.000 in Deutschland. 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Das Risiko, an MS zu erkranken liegt in der Gesamtbevölkerung (Deutschland) bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40. Die Ursache ist nach wie vor ungeklärt. Es gibt jedoch Argumente, dass eine Auto-Immunreaktion vorliegt: Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Strukturen an, in diesem Fall die Hüllschicht der Nervenfasern. Umweltfaktoren und Erbanlagen spielen eine Rolle. So erhöhen etwa Vitamin-D-Mangel im Kindesalter, Rauchen und bestimmte Viren das MS-Risiko. MS ist „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“, da die Symptome vielfältig sind. Zudem verläuft MS sehr unterschiedlich. Meistens beginnt sie schubförmig, mit zeitweilig beschwerdefreien Phasen. MS lässt sich bislang nicht heilen, aber gut behandeln. Wichtigste Therapieziele: Schübe verhindern, den Eintritt einer möglichen Behinderung verzögern und deren Fortschreiten verlangsamen oder stoppen.

Wie frustrierend die Jobsuche im Hohenlohekreis sein kann, lesen Sie in der GSCHWÄTZ-September-Ausgabe.




Künzelsauer Krankenhaus – ausgetauschte Schlösser, Kündigungen und ein Penis, der keiner war

Interne Querelen sorgten im Hohenloher Klinikalltag für Unruhe.

Was ist nicht alles gesprochen und diskutiert worden, warum der Krankenhausstandort in Künzelsau schließen muss. Hans-Wilhelm Köhler, Allgemeinarzt mit einer Praxis im Ärztehaus direkt neben dem Krankenhaus Künzelsau (HK), schildert nun seine Sicht der Dinge. Und es zeigt sich: Hinter den Kulissen des Klinikalltags gab es ganz schön viel Knatsch.

Der dreifache Familienvater ist seit 1980 in Künzelsau als Arzt tätig. Was er nicht verstehen kann: Warum Dr. Andreas Eckle ein „menschenverachtendes Verhalten“ seitens der lokalen Tagespresse vorgeworfen wurde [Hintergrund: Der ehemalige ärztliche Direktor des HK, Eckle, gab dem ehemaligen HK-Geschäftsführer Dr. Andor Toth eine (Teil-)Schuld für den Niedergang des Künzelsauer Krankenhausstandortes. Wir berichteten.] Köhler stärkt nun Eckle den Rücken: „Herr Toth hat auch menschenverachtend agiert. Da hätten Toth und der Landrat zurücktreten müssen.“

„Dem standen die Tränen in den Augen“

Köhler verweist auf den Umgang mit Dr. Kramer, den man Ende 2014 auf „unrühmliche Weise“ entlassen habe. Dr. Kramer war zum damaligen Zeitpunkt Chefarzt der Inneren des Krankenhauses. „Dr. Kramer wurde zum Geschäftsführer, Dr. Toth, zitiert. Ihm wurde von heute auf morgen gekündigt. Sie haben ab sofort Hausverbot, wurde ihm gesagt. Und: ,Packen Sie Ihre Sachen und verlassen Sie das Gebäude.‘ “ Der Hausmeister habe die Schlösser sofort austauschen müssen. Kramer sei völlig überrumpelt gewesen. ,Dem standen die Tränen in den Augen‘ “, habe Köhler von einem Augenzeugen erfahren. 2015 gab es ein Gerichtsverfahren, Kramer gegen die HK. Man einigte sich. Am Ende verlies Kramer das Krankenhaus und erhielt zum Abschied laut internen Quellen 350.000 Euro. Kurz darauf verließ Bürgermeister Stefan Neumann den Aufsichtsrat: „Ich sehe mich nicht mehr in der Lage, meiner Aufsichtspflicht im Rahmen des mir erteilten Mandates gerecht zu werden“, erklärte Stefan Neumann sein Ausscheiden (Fränkische Nachrichten, 02. Oktober 2015).

Was ist geschehen, dass sich das HK nach nur sechs Jahren wieder einen neuen Chefarzt suchen musste? Auch Kramers Vorgänger, Dr. Wolfram Weinrebe, war nur ein Jahr im Amt, bevor er sich in die freie Wirtschaft verabschiedete (Heilbronner Stimme, 12. September 2009). Mit Kramer, der bis dato unter Weinrebe im HK gearbeitet hatte, sollte nun ein wenig länger Kontinuität einkehren, so der damalige Geschäftsführer Dieter Bopp. Kramer sei ein guter Arzt gewesen und ein Verlust für das Krankenhaus, sagt der Allgemeinmediziner Köhler heute rückblickend.

Doch dann dieses fulminante Aus mit einem Gerichtsverfahren, das vermutlich beide Parteien, Kramer und die HK, gerne vermieden hätten. Wie konnte es soweit kommen?

„Schwerste Dauerschäden nach Operationen“ – Gegenseitige Vorwürfe, Kündigungen und ein Penis, der keiner war

Dr. Kramer sei ein „guter Geriater“ (Altersmedizin) gewesen, sagen Mitarbeiter, spricht man sie heute auf Dr. Kramer an. Andreas Eckle, damals ärztlicher Direktor des HK, empfand dies nicht so.  „Aber es war eine Stilfrage, wie man mit ihm umgegangen ist“, sagt er mit Blick auf die Art, wie Kramer von heute auf morgen aus dem Haus geflogen ist.

Einig sind sich diverse Mitarbeiter und Eckle darüber, dass Kramer, der zuvor Oberarzt im HK war, mit seiner Chefarzt-Position überfordert gewesen sei. Auch im Gerichtsverfahren war sein Verhalten als Chefarzt Gegenstand der Verhandlungen. Unter anderem soll er ein ungebührliches Verhalten gegenüber einer Patientin an den Tag gelegt haben, deren Röntgenbild einen vermeintlichen Penis zeigte.

Kramer soll daraufhin eine Mitarbeiterin gebeten haben, bei der Patientin nachzusehen, ob sie tatsächlich einen Penis habe. Rechtsanwalt J. Schultze-Mellting vom Marburger Bund vertrat Kramer damals und argumentierte gegenüber dem Arbeitsgericht Heilbronn: „Den Kläger traf geradezu die Pflicht, nicht nur eine denkbare Intersexualität, sondern auch eine denkbare Verwechslung von Röntgenbildern oder einen technischen Defekt der Anlage aufzuklären.“ Er plädierte dafür, die diesbezüglich ausgesprochene Abmahnung gegen Kramer wieder aus seiner Akte zu entfernen. Kramer wechselte 2015 als Chefarzt der geriatrischen Abteilung nach Gernsbach (Mediclin, 12. Oktober 2015).

Das Personalkarussel des Krankenhauses drehte sich immer schneller

Aber Kramer ist nicht der einzige in einem Personalkarussell, das sich die vergangenen Jahre immer schneller gedreht  zu haben schien. 2011, also vier Jahre zuvor, hat sich Eckle, damals 63, nach 25 Jahren im HK in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet, weil er nach eigenen Aussagen mit dem damaligen Geschäftsführer

Dieter Bopp nicht zurechtkam. Dr. Bernhard-Eduard Wittner, Chefarzt der Unfallchirurgie, hat das HK in demselben Jahr verlassen (Bopp wiederum übte ebenfalls nur zwei Jahre sein Amt aus, bevor er 2013 in den Ruhestand ging). Noch heute kreiden manche Kreisräte und Ärzte Eckle an, dass Wittner gegangen ist. Eckle aber betont auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Das hat mit mir nichts zu tun.“

GSCHWÄTZ liegt eine E-Mail von Dr. Wittner vor, in welcher Dr. Wittner die Beweggründe für seine Kündigung im April 2011 darlegt. Die E-Mail ging an HK-Betriebsleiter Helmut Munz und diverse andere Personen. Darin wird vor allem Munz stark kritisiert. Unter anderem heißt es: „Würden Sie Ihre umfassende Zugangsberechtigung zu Leistungsdaten des Hauses nicht nur dazu nutzen, nach Daten zu suchen, die geeignet erscheinen, die Leistungsfähigkeit meiner Abteilung zu diskreditieren […], wäre Ihnen sicher aufgefallen, dass die Leistungszahlen relativ konstant sind […].“

Wittner übte in seiner E-Mail massive Kritik an den hygienischen Zuständen bei Operationen im HK: „Nachdem ich über Monate die ungenügenden qualitativen Voraussetzungen organisatorischer und vor allem hygienischer Art für Operationen von Endprothesen bemängelte, hatten Sie versucht, mich durch Denunziation beim Gesundheitsamt einzuschüchtern. […] Es hatte sich dann aber im März der von Ihnen zu vertretenden und in unwahrer Weise mehrfach negierten Mängel leider realisiert: Innerhalb einer Woche trugen fünf Patienten schwerste […] Dauerschäden nach Operationen davon – was der Anlass zu meiner Kündigung im April diesen Jahres zum vertraglich frühestens Termin, dem 31.12.2011, war.“

Die E-Mail wurde am 19. Dezember 2011 von Wittner an Munz gesendet. Wittners letzter Satz: „Ihre Angriffe unter die Gürtellinie machen es mir zwar nicht leicht, mich zu motivieren. Aber ich werde mich auch die letzten Tage für die Abteilung und das Haus engagieren, trotz Ihrer Schmähungen und Verleumdungen. Sicher nicht, um mich Ihnen anzubiedern, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass ich dies den Mitarbeitern schuldig bin, die mir in den letzten zehn Jahren trotz Ihrer Misswirtschaft und der vielen Steine, die Sie uns in den Weg geworfen haben, ein gutes und ich glaube, auch nicht so erfolgloses Arbeiten ermöglichten, wie Sie es gerne immer darstellen wollen.“

Und immer wieder die gleichen Lieder

Helmut Munz, der in der E-Mail hart angegangen wird, möchte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage darauf nicht direkt antworten und verweist auf Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der Gesundheitsholding Tauberfranken/ BBT-Gruppe, zu welcher das HK nun gehört), die für Munz antwortet: „Allgemein  lässt sich sagen: Die Umstände für den Wechsel eines Chefarztes sind meist vielfältig und lassen sich nicht einem einzigen Punkt zuordnen – vor allem nicht nach einer Zeit von mehreren Jahren. Im Nachhinein gibt es dazu sicher subjektive Wahrnehmungen der beteiligten Personen. Herr Munz war zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Verantwortung als Geschäftsführer tätig. Herr Munz kann sich daher nicht als Verantwortlicher in der Sache äußern. (…) Mehr können wir dazu nicht sagen, da keine Fakten sondern nur Behauptungen einzelner Personen im Raum stehen, die wir nicht überprüfen können.“

Bezüglich des Themas Hygiene in Krankenhäusern betonte Emig-Lange:

„Bei dem sensiblen Thema Hygiene im Krankenhaus arbeiten grundsätzlich viele Beteiligte zusammen: Ärzte, Pflegende, der ärztliche Direktor als hygieneverantwortlicher Arzt, Hygienefachkräfte, Reinigungskräfte, dazu kommen bauliche und technische Voraussetzungen. In diesem komplexen Zusammenspiel tragen alle ihren Teil dazu bei, damit die Hygienevorschriften eingehalten werden.“

Für Emig-Lange und die BBT-Gruppe sei nun „bei den aktuellen Herausforderungen“ ein „Blick nach vorne zielführend und hier sind wir dabei – gemeinsam mit vielen Partnern – die Weichen zu stellen für die künftige gute medizinische und pflegerische Versorgung der Menschen im Hohenlohekreis.“

Der Blick nach vorne ist wichtig. Aber eine Aufarbeitung der Geschehnisse ebenso, steht noch immer eine zentrale Frage im Raum: Wie konnte es soweit kommen, dass Künzelsaus Krankenhaus geschlossen werden muss? Hierfür gibt es diverse Gründe. Über viele haben wir schon berichtet. Aber auch das sich in den vergangenen Jahren immer schneller drehende Personalkarussell begünstigte die Situation nicht.

Andor Toth. Auch ein Name, bei dem sich die Geister scheiden. Dr. Andor Toth übernahm im Januar 2013  von Bopp die Stelle als Geschäftsführer. Bopp ging in den Ruhestand. Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter berichten, dass Toth anfangs einen sehr guten Job gemacht habe. Unter seiner Leitung gelang eine Einigung im Tarifstreit, so eine Pressemitteilung des Marburger Bundes vom 18. November 2015. man einigte sich auf 2,2 und weitere 1,9 Prozent „lineare Gehaltssteigerung“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Mitarbeiter wurden damit weiterhin (seit 2009) im Haustarif beschäftigt.

Nach der Einigung habe sich Toths Verhalten geändert, berichten Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter. Eckle: „Ich war anfänglich begeistert von Dr. Toth. Aber dann hat er eine Kehrtwende gemacht.“ Man hatte den Eindruck, dass Toth damals einen Auftrag bekommen hatte, und zwar: das Krankenhaus „abzuwickeln“, ist Eckle nach wie vor überzeugt. Unter anderem sei wenig später die Zusammenarbeit mit der Belegarztpraxis Tischler/Mutschler/Zugelder nicht weiter forciert worden. Von Andor Toth  trennte dich das HK im Dezember 2016. Nun sollte Jürgen Schopf richten, was noch zu richten ging beim HK. Allerdings blieb auch dieses Intermezzo nicht von langer Dauer. Schopf verließ das Krankenhaus bereits ein knappes Jahr später wieder, da die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile des HK gekauft hatte und demensprechend auch die Geschäftsführung anders aufgestellt wurde (siehe Foto ganz unten).

Um das HK wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern, sind Stabilität und Kontinuität wichtig – auch und vor allem im  personellen Bereich.




Der langsame Fall eines großen Jeansherstellers

Kommentar.

Eine Ära geht zu Ende. Klingt zu schmalzig? Ist aber so. Sicher, wenn Würth Künzelsau verlassen würde, läge die gesamte Kreisstadt am Boden. Aber Mustang ist ebenfalls ein Urgestein und ein unvergleichliches noch dazu. Ein Nachruf.

Nun ist es also amtlich. Das Herz des Jeans-Herstellers und einst gefürchteten Konkurrenten von Levi Strauss schließt seine Zentrale in Künzelsau. Dort, wo alles begann. Schwäbisch Hall sei der attraktivere Standort mit Bahnanbindung für diese Entscheidung gewesen, heißt es. Aha.

Personalabbau, Personalabbau, Personalabbau

Wer glaubt, dass die Jeans mit der Bahn irgendwohin gefahren wird, der lebt noch im Land der Cowboy und Indianer- zumal Mustang seine Produktion schon seit Längerem ins Ausland verlagert hat. Wo die Zentrale eines Unternehmens sitzt, ist nicht ausschlaggebend für deren Erfolg. Aber das scheint auch Berner nicht so richtig verstanden zu haben.

Der schlichte Grund für den Wechsel nach Hall: Mustangs Geschäftszahlen sind seit Jahren alles andere als berauschend. Der Verkauf des Areals in der Künzelsauer Innenstadt würde zumindest kurzfristig Geld in die Kassen des angeschlagenen Unternehmens spülen (schließlich haben auch die Investoren viel Geld in Mustang investiert, das sie ungern verlieren möchten), ziehen sie doch in die Gebäude in Schwäbisch Hall zur Miete (obwohl man gar nicht wissen möchte, wie hoch die Miete der neuen Räume ist). Eins ist klar: Die Investoren hängen offensichtlich weit weniger an dem Standort Künzelsau, als die Familie Sefranek. Aber das ist eben, so bitter es klingen mag, business as usal. Die Entlassungswelle rollt ebenfalls seit Jahren über die Mitarbeiter hinweg. In Schwäbisch Hall wird es nur fortan weniger auffallen.

Was ist schief gelaufen, dass der einstmalige Riese so zusammengeschrumpft ist?

Als Heiner Sefranek damals das Zepter von seinem Vater Albert übernahm, wollte er es verjüngen. Man hatte nicht mehr nur die mittlere Altersklasse zwischen 40 und 60 im Blick, die schon seit Jahren Mustang-Jeans kauft, eine solide Kaufkraft haben und ein bestimmtes Jeansmodell, das sie immer anziehen. Verjüngen wollte man sich unter anderem mit der mehr als verrückten Marke W&LT. Ein Unterfangen, das man nach geraumer Zeit wieder im Sand verbuddelt hat. Das Produktsortiment wurde erweitert. Kunden konnten fortan in den Shops und Stores auch Oberteile, Schuhe, Taschen und Gürtel kaufen. Alles Zukäufe – und das Kernprodukt? Wie heißt es so schön: Never stop a running system. Was so viel heißt, wie: Wenn etwas gut läuft, lass es weiterlaufen…Die Jeans ist gut gelaufen und dennoch hat man sie verändert: in der Form, in der Qualität, in der Farbe und Mustang verlor das Wertvollste, was es besaß: seine Stammkundschaft.

Künzelsau verliert ein Pionierunternehmen

Mit dem Verkauf fast aller Anteile der Familie Sefranek ging damals bereits eine Ära zu Ende, weil es immer so ist, wenn fremde Investoren mit ins Boot steigen und das Ruder übernehmen: Man weiß nicht mehr, wohin es gehen wird.

Der nun eingeschlagene Weg ist nicht nur bitter für die Familien Sefranek und Hermann, die einst etwas Großes aufgebaut haben, sondern auch bitter für die Stadt Künzelsau, ein Pionier-Unternehmen zu verlieren und vor allem bitter für alle Mitarbeiter, die in der Zentrale seit Jahren und Jahrzehnten ebenfalls Großes geleistet haben und nun ebenfalls die Wahl haben: gehen oder bleiben.

Foto: GSCHWÄTZ




WM und die Asylpolitik: Der Zusammenbruch des Westens

Ein Kommentar.

Deutschland ist ab dem 15. Juli 2018 kein Weltmeister mehr. Wie konnte das passieren?

Ich bin ein 80er Jahrgang. Seitdem ich denken kann, war die Welt, auch die Fußballwelt, in „die da oben“ und „die da unten“ gegliedert. Zu „denen da oben“ hat glücklicherweise schon immer mein Heimatland gehört. Deutschland. Aber was heißt da glücklicherweise? Es war eine Selbstverständlichkeit. Selbstverständlich war Deutschland groß – groß als Industrienation und groß als Fußballernation. Wer immer gegen Deutschland spielen musste, bedankte sich sicherlich nicht für sein Losglück. Dasselbe galt für Länder wie Argentinien, Brasilien, Spanien, Frankreich. Es war immer klar, wer die Welt, die Wirtschaft, die WMs und EMs anführte und nun zeigt uns diese WM, dass diese Welt, wie wir sie kennen, wankt. Dass dieses „oben“ und „unten“ nicht in Stein gemeißelt ist, dass man an unseren Ländern kratzt, weil man auch etwas vom Kuchen abbeissen möchte. Die hungrigen Länder. Die, die noch bereit sind, für etwas zu kämpfen – wie Urugay etwa. Die, die schon alles erreicht haben, sind bereits wieder in Frankfurt gelandet. Auch Argentinien, Spanien, Portugal haben sich aus der EM verabschiedet. Italien und Holland durften gar nicht erst mitspielen.  Und wir müssen uns fragen, ob wir wirklich so gut sind oder waren, wie wir es immer geglaubt haben  – oder einfach nur priviligiert vom Leben. Und das nicht nur im Fußball, sondern auch in der Wirtschaft und Politik. Kleinere Länder wie Polen begehren auf. Der allmächtigen Kanzlerin wird an den Karren gefahren. Versteckte Riesen wie China überholen uns in diversen Weltranglisten. Die Underdogs kommen und irgendwie macht das zumindest die WM auch wieder interessant und sympathisch. Und was heißt das für uns? Wir müssen unseren Hunger wiederfinden, um ordentlich jagen zu gehen.

Europa taumelt: Wir scheitern bei der WM und in der Asylpolitik

Nichts ist mehr sicher, auch nicht, dass Deutschland nach 90 Minuten gewinnt – getreu dem Motto: Wir werden das Ding schon irgendwie reinjubeln. Das muss jetzt auch unsere Kanzlerin auf dem politischen Parkett erkennen. Die Luft in der Asylpolitik wird dünner und ganz Europa fragt sich: Aus welcher Richtung wird der Wind in Zukunft wehen?

Foto: adobe stock

Ein aktueller, relativ gut übersichtlicher WM-Spielplan gibt es auf kicker.de:

http://www.kicker.de/news/fussball/wm/spiele/weltmeisterschaft/2018/-1/0/spieltag.html

Die Asylpolitk spaltet einen ganzen Kontinent:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/asylstreit-ruecknahme-abkommen-migration-polen-angela-merkel-union

 




Arnulf von Eyb: „Wir leben hier nicht in Bananien“

Arnulf von Eyb, Der  CDU-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises sprach mit Dr. Sandra Hartmann in seinem Schloss in Dörzbach unter anderem über Wein, die Probleme in der Landwirtschaft, seine Meinung über die aktuelle Gesundheits- und Bildungspolitik und Funklöcher im Ländle.

 

„Vom Weinbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr“

 

GSCHWÄTZ: Bier oder Wein – was darf‘s sein, Herr von Eyb?

von Eyb:  Das ist keine einfache Frage, weil ich der weinbaupolitische Sprecher der CDU-Fraktion bin. Aber vom Weinanbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr.

 

Ingelfingen und Niedernhall haben ja ganz schön bluten müssen die vergangenen Jahre – Fürstenfass hat sich die Keltereien quasi einverleibt.

von Eyb: Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Dörzbach hatte ja eine Rebflurbereinigung vor ungefähr 20 Jahren. Damals hatte man gedacht, wenn die durchgeführt wird, ist der Weinbau für die nächsten 500 bis 1.000 Jahre gesichert. Nun sieht man, wie schwierig es. Auch Dörzbach musste die Selbstständigkeit aufgeben. Aber es ist alles nicht so schlimm, weil  es nun „die Hohenlohe-Kellerei“ heißt. und darin können sich sowohl die Niedernhaller, als auch die Ingelfinger und die Dörzbacher wiederfinden. Bevor der Weinbau komplett eingeht, ist das die bessere Lösung gewesen und der Wein ist nach wie vor gut.

 

„Das Thema Krankenhaus ist extrem emotional belegt“

 

GSCHWÄTZ: Es gibt ja noch mehr kommunalpolitische Einschnitte – nicht nur im Weinbau, auch in der Gesundheitspolitik.

von Eyb: Ich kann die Entscheidung des Kreistages verstehen, den Krankenhausstandort in Künzelsau zu schließen. Es ist nicht immer einfach, weil das Thema extrem emotional belegt ist. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann stellen wir fest, dass die schwierigen Fälle durch Bad Mergentheim, Schwäbisch Hall oder möglicherweise durch noch größere Krankenhäuser in Heidelberg oder Stuttgart abgedeckt werden. Die Ortsnähe hat natürlich was. Aber ein Krankenhaus am Leben zu erhalten, das im Prinzip nur künstlich am Leben erhalten werden kann, ist, glaube ich, auch nicht die richtige Entscheidung.  Mir wäre sehr daran gelegen, dass man dem Menschen, der in der Sekunde in der Not ist,  sei es durch einen Herzinfarkt oder einen Unfall, schnell hilft und da kann mich sicher noch einiges optimieren.  Ich glaube auch, darüber denkt man nach. Ob man dann in so einer Notsituation zehn Kilometer weiter transportiert wird, ist dann nicht mehr entscheidend. Was auch entscheidend ist: Wir brauchen in Künzelsau und auf dem Land nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte. Da würde ich mir wünschen, dass sich mehrere zusammentun und sagen: Das können wir sicherstellen.

 

GSCHWÄTZ: Viele Ärzte haben darauf hingewiesen, wie schwer es ist, Nachfolger für ihre Praxen zu finden.

von Eyb verweist auf einen Arzt in Sindelfingen, der in der Stadtmitte eine Praxis hat und ebenfalls keinen Nachfolger findet.

von Eyb: Dieser Arzt sagt, die jungen Ärzte wollen lieber in größeren Teams arbeiten, vielleicht auch nicht mehr die Verantwortung übernehmen und vor allem nicht auch noch sonntags gegebenenfalls arbeiten müssen.

 

„Wir können nicht weniger Bürokratie haben, sondern wir müssen mit Bürokratie besser umgehen lernen“

 

Viele monieren auch den hohen Verwaltungsaufwand, den die Politik vorgibt.

von Eyb: Ja, das stimmt. Das ist dieselbe Klage, die Landwirte oder Handwerker erheben. Wir können den Menschen nicht versprechen, weniger Bürokratie zu haben. Das wäre Augenwischerei, sondern wir müssen mit der Bürokratie besser umgehen lernen. Da  gibt es vielleicht Möglichkeiten, zum Beispiel, dass man nichts mehr in eine Akte einträgt, sondern während der Behandlung heineinspricht oder ähnliches, um insgesamt den Bürokratieanfall leichter ertragbar zu machen. Aber Bürokratieabbau wird nicht funktionieren. Und wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass das alles eine sinnvolle Grundlage hat.

Also ist Deutschland Ihrer Meinung nach nicht überbürokratisiert?

von Eyb: Es wäre wunderbar und da, wo man es kann, soll man es auch tun. Aber es ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Wenn man sich etwa das statistische Jahrbuch von Baden-Württemberg anschaut. Es ist sensationell, was man aus diesem Buch herauslesen kann. Das könnte man alles nicht, wenn man die Daten vorher nicht erfasst hätte. Ich war kürzlich auf einem Rinderabend einer Rinderunion. Da wurden ihre Leistungskühe dargestellt. Es ist unglaublich, was man alles über eine Kuh wissen kann. Das Ganze kann man nicht prämieren, wenn man es nicht aufgeschrieben hätte.

In den Schulen könnte sich Arnulf von Eyb weniger Bürokratie vorstellen

Bei den Grundschullehrern müsse sich etwas ändern

 

A propos Bildungskühe. Fehlstunden, Lehrermangel – Das Kultusministerium in Stuttgart hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in den vergangenen Jahren.

von Eyb: In diesem Bereich könnte ich mir eine Entschlackung der Bürokratie vorstellen.  Ich glaube, dass man in den letzten Jahren einfach zu viele Experimente gemacht hat. Unsere Kultusministerin hat eine sehr schöne Einstellung: Wir brauchen erstmal ein vernünftiges Fundament. Das Fundament kann man nur kriegen, wenn man lesen, rechnen und schreiben kann. Richtig ist, dass sehr viele Grundschulen keine Leiter bekommen, weil der Verwaltungsaufwand und das Mehr, was man als verantwortlicher Rektor bekommt, nicht angemessen ist. Da muss man sicherlich etwas tun.

 

Thema Funkloch & Eberbach: „Achtung, jetzt bin ich für ein paar Minuten weg“

 

Weder Handyempfang noch Internet – Das Dorf Eberbach schreibt derzeit bundesweit Schlagzeilen. Was ist denn da los?

von Eyb: Günther Oettinger sagt immer: Funklöcher sind schlimmer als Schlaglöcher und vor allem sind sie nicht so schnell zu stopfen wie ein Schlagloch. Dem stimme ich zu. Wenn ich von hier nach Stuttgart fahre, kann ich ziemlich genau sagen, wann ich in ein Funkloch hineinfahre. Da sage ich auch immer meinem Gesprächspartner: Achtung. Jetzt bin ich für ein paar Minuten weg. Das ist sicherlich nicht optimal. Ich habe auch den Landrat aufgrund dieser Diskussion in Mulfingen gebeten, mir zu sagen, wo wir derzeit noch Lücken haben. Aber dieses Thema ist natürlich enorm aufgebauscht.  Auch in Eberbach gibt es natürlich Internet- und Funkverbindungen.  Aber in dem einen oder anderen Fall eben nicht. Und daraus eine so große Geschichte zu machen – die kam mir etwas überzogen vor. Die Thematik ist zwar angespannt in dem einen oder anderen Ort. Aber nicht so, dass man denken kann, man lebt irgendwo in der Nähe von Bananien.

 

Sie haben als Landtagsabgeordneter den Spagat zu meistern zwischen Stuttgart und dem ländlichen Raum in Dörzbach und Umgebung. Wie sieht denn eine Woche im Leben eines Landtagsabgeordneten aus?

von Eyb: Ich bin der OB-Mann der CDU-Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, in dem es darum geht, die Verbindungen des Mördertrios oder zumindest des Mörderduos bei der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter und des angeschossenen schwerverletzten Polizisten aufzuarbeiten. Wenn ich morgens um 9 Uhr im Landtag eine Vorbesprechung habe, fahre ich am Sonntagabend nach Stuttgart. Am Abend fahre ich zurück. Am Dienstagmorgen habe ich eine Vorlesung hier an der Hochschule – das hat mit meinem Landtagsmandat nichts zu tun – bei den Wirtschaftsingenieuren: Einführung in das Vertragsrecht. Dann fahre ich wieder nach Stuttgart. Im Fraktionsvorstand besprechen wir, was wir in der Fraktionssitzung noch alles ansprechen wollen. Sehr häufig sind dann abends noch Veranstaltungen von Organisationen, die Abgeordnete einladen oder Fachgespräche. Dann gibt es Ausschüsse. Die müssen vorberaten werden. Dann gibt es Plenum. Das sind die Tage, an denen man im Landtag sitzt. Dann gibt es sehr, sehr viele Termine hier im Wahlkreis. Wir haben die Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wenn sie ein Thema haben, bei dem sie denken, da könnten wir helfen, stehen wir zur Verfügung. Wir werden sehr häufig eingeladen von Verbänden, Vereinen, Gemeinden oder Firmen.

Vorbereitung des Videointerviews im Schloss in Dörzbach

Interview als Video

 

Das am 15. Juni 2018 in seinem Schloss in Dörzbach gedrehte Videointerview mit Arnulf von Eyb sehen Sie im Video oben zum Anklicken. Darin äussert sich Arnulf von Eyb auch dazu, warum er nicht der größte WM-Fan ist.

Dreh, Schnitt & Fotos: Dr. Felix Kribus

 

Schubertiade

 

Arnulf von Eyb ist verheiratet und hat keine Kinder. Er ist neben seinem Landtagsmandat Rechtsanwalt. Einmal jährlich veranstaltet die Familie von Eyb die Schubertiade. Hierbei treten unterschiedliche Künstler im Schloss auf und präsentieren klassische Werke. Die Schubertiade geht in diesem Jahr noch bis September.

Karten hierfür gibt es auf: http://www.schubertiade-schloss-eyb.de

 




Tod einer Krankenschwester

An einem Montagabend, den 05. März 2018, zwischen 20 und 20.30 Uhr, läuft eine Krankenschwester mit ihrer Arbeitskollegin und einem Praktikanten nach ihrem Spätdienst zu ihrem Auto, das auf einem Parkplatz auf dem Klinikgelände abgestellt war. Auf einmal kippt sie um, fällt mit dem Gesicht auf den asphaltierten Boden. Während die Kollegin bei ihr bleibt, gibt der Praktikant auf der Intensivstation im Krankenhaus Bescheid. Krankenhausmitarbeiter kommen mit einer Notfallausrüstung für die Erstversorgung auf den Parkplatz, parallel wird ein Notruf abgesetzt. Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes kommt und fährt die Krankenschwester ins Klinikum nach Bad Mergentheim. Alle Reanimationsmaßnahmen scheitern. Die Krankenschwester stirbt im Caritas-Klinikum in Bad Mergentheim. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ist Sie das erste Opfer der Krankenhaus-Sparpolitik?

Bürger rätseln seitdem, warum die Krankenschwester nicht gleich im Krankenhaus in Künzelsau behandelt wurde, anstatt wertvolle Zeit mit einem Abtransport nach Bad Mergentheim zu verlieren.

Der Standort Künzelsau sollte im Zuge des Neubaus des Ärztehauses und der Sanierung und Renovierung der Kranknenhausräume vor rund acht Jahren schließlich zum „Leuchtturm“ für kardiologische, sprich Herz-Erkankungen werden. Die teuren Geräte dazu, wie Kardio-MRT und Herzkatheterlabor, sind nach wie vor im Ärztehaus in Künzelsau.

sukzessiver Abbau in Künzelsau

Durch die Neuausrichtung des Hohenloher Krankenhauses sind nun diverse Schwerpunkte von Künzelsau nach Öhringen gewandert: Im vergangenen Jahr betraf dies unter anderem die Schlaganfalleinheit (wir berichten).

Auch der „Leuchtturm“ Kardiologie scheint ausgeleuchtet. Auch wenn die Geräte hierfür noch da sind, sei es nicht möglich, diese in einem solchen Notfall „mal schnell hochzufahren“, wie Krankenhaus-Mitarbeiter erklären. Allein für das Herzkatheterlabor bedarf es vier Kardiologen und Pflegepersonal, um dieses rund um die Uhr betreiben zu können.

Die damaligen Pläne, Künzelsau zum Schwerpunkt von Herzkrankheiten zu machen, seien ohnehin nur halbherzig umgesetzt worden, kritisiert die Bürgerinitiative pro Hohenloher Krankenhaus (BI) auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine 24-Stunden-Notfalleinheit im Bereich Herzerkrankungen sei nie umgesetzt worden.

Das Kardio-MRT, der Hybrid-OP und das Herzkatheter-Labor, welche im Ärztehaus bei Professor Dr. Christoph Karle im Einsatz sind, werden derzeit ausschließlich dort betrieben und nicht, wie einst im Unternehmenskonzept vorgesehen, als gemeinsamer kardiologischer Schwerpunkt mit dem Krankenhaus Künzelsau genutzt. Vor einigen Jahren gab es diese Zusammenarbeit im Rahmen der regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Das Angebot, das Herzkatheter-Labor zu nutzen, sei von Seiten des Krankenhauses jedoch nicht angenommen worden, heißt es.

Stattdessen wolle man nun Öhringen zum neuen Herz-Schwerpunktzentrum machen, so die aktuellen Pläne des neuen Mehrheitseigners, der BBT-Gruppe.

Je schneller ein Herzinfarkt korrekt behandelt wird, umso höher die Überlebenschancen und je minimaler die möglichen Schädigungen im Gehirn. Die Mitarbeiter des Krankenhauses trauern um eine „liebe Freundin und sehr gute Kollegin“.

 

Hintergrundinformation: Wechsel in der Führungsebene

Nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen hat, gibt es auch einen Wechsel in der Führungsspitze. Geschäftsführer Jürgen Schopf, der weniger als 1,5 Jahre die Geschäfte leitete, wird abgelöst von den vier neuen Geschäftsführern Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz, so eine Pressemitteilung der BBT-Gruppe. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass Betriebsleiter Helmut Munz kommissarisch die Aufgaben des kaufmännischen Direktors und des Pflegedirektors für die Krankenhäuser übernimmt, „bis zur Klärung der endgültigen Besetzung“. Herbert Trudel wird kaufmännischer Direktor für die Senioreneinrichtungen.

 




Der Schock sitzt tief

Künzelsau trauert um einen erwürgten Siebenjährigen.

Die große Frage: Was ist passiert?

Der Tod eines siebenjährigen Jungen hat Künzelsau in tiefe Trauer gelegt. Der Schock sitzt bei vielen Einwohnern noch tief, dass „so etwas“ hier geschehen ist, wie Bürger immernoch fassungslos formulieren. Viele kannten sowohl die Eltern des Opfers als auch die derzeit Tatverdächtige, eine 69-jährige ehemalige Krankenschwester aus Künzelsau, Elisabeth S., die den Jungen zum Tatzeitpunkt in ihrer Obhut hatte.

Wer ist hier das Opfer?

Zahlreiche Spekulationen über die Tat selbst machen seitdem die Runde, ebenfalls wie darüber spekuliert wird, ob die 69-Jährige, die derzeit im Fokus der polizeilichen Ermittlungen steht, die Tat überhaupt begangen hat, da sie, so Anwohner, eine „hilfsbereite Frau“ war, bei der „sich der Junge wohl gefühlt“, die auch Kleidung für Flüchtlinge abgegeben habe. Andere Stimmen sagen, dass Elisabeth S. seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren nervlich angegriffen gewesen sei. Die Frage ist: Wäre die 69-Jährige, die laut der Polizei 1,70m groß sein und eine kräftige Statur haben soll, überhaupt kräftemäßig imstande gewesen, den Siebenjährigen zu erwürgen? Denn laut den Gerichtsmedizinern war Gewalteinwirkung gegen den Hals des Jungen todesursächlich. Gibt es weitere oder gar andere Täter oder Tatbeteiligte?

Polizei rekonstruiert den Ablauf

Carsten Diemer, Polizeihauptkommissar des Polizeipräsidiums Heilbronn, betont auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass es zwar momentan viele Gerüchte und Spekulationen gebe, dass aber die Polizei selbst bis dato lediglich fünf Pressemitteilungen zu dem Tod des Jungen veröffentlicht habe. Darüber hinaus gebe es bislang keine neuen Erkenntnisse. Folgende Erkenntnisse gibt es – basierend auf den offiziellen Pressemitteilungen des Polizeipräsidiums Heilbronn und der Staatsanwaltschaft – zum jetzigen Zeitpunkt:

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es am Samstag, den 28. April 2018, in Künzelsau, nachdem ein vermutliches Tötungsdelikt gemeldet wurde. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wollten Eltern am Vormittag ihren siebenjährigen Sohn bei der 69-jährigen Tatverdächtigen in ihrem Haus in Künzelsau abholen.
[Anm. der Red.: Zuvor wollen Bürger das Ehepaar in der Künzelsauer Innenstadt gesehen haben.]. Da niemand öffnete, baten die Eltern einen Nachbarn um Hilfe und gelangten so in das Haus, so die damalige Pressemitteilung der Polizei. Im Medienbericht des Nachrichtenmagazins Focus heißt es, der Vater habe den Jungen gefunden. Der Siebenjährige lag tot in der Badewanne. Da die 69 Jahre alte Bekannte, die auf den Jungen seit geraumer Zeit immer wieder aufpasste, verschwunden war, leitete die Polizei eine Suchaktion ein. Obwohl mehr als zehn Streifen der Schutz- und Kriminalpolizei, ein Polizeihubschrauber und ein Mantrailer im Einsatz waren, ergab sich zunächst keine Spur der Frau. Am Samstagabend, gegen 21.30 Uhr, konnte die 69-Jährige nach einem Zeugenhinweis in Künzelsau gefunden und vorläufig festgenommen werden.

Würgemale

Die 69-jährige Frau wurde am Sonntagnachmittag, den 29. April 2018, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn einer Haftrichterin beim Amtsgericht Öhringen vorgeführt.
Dort wurde Haftbefehl gegen sie erlassen. Die 69-Jährige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt in Baden-Württemberg eingeliefert. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft und wird nun anwaltschaftlich vertreten. Die 69-Jährige schweigt mittlerweile zu den Tatvorwürfen. Von möglichen anderen oder weiteren Tatbeteiligten hat die Polizei bislang nicht gesprochen.
Die polizeilichen Ermittlungen, wie und warum der Siebenjährige gestorben ist, gehen weiter. Die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Heilbronn haben im Rahmen der Ermittlungen auch die Bürger um Mithilfe gebeten. „Uns ist es wichtig, genau zu rekonstruieren, was passiert ist“, erklärt Diemer. Beamte der Ermittlungsgruppe Schippberg suchen Zeugen, die die Frau am Freitagabend in Begleitung des Jungen gesehen haben. Außerdem werden Personen gesucht, die Hinweise über den Aufenthaltsort der Frau zwischen Freitagabend, den 27. April 2018, und der Rückkehr zu ihrem Wohnhaus am Samstagabend, den 28. April 2018, gegen 21.30 Uhr, geben können. Die Polizei gibt zudem erste Hinweise auf das äussere Erscheinungsbild der Frau an die Öffentlichkeit: Elisabeth S. trage weißes, kinnlanges Haar und sei zum Tatzeitpunkt mit einer beigen Freizeithose und einem knielangen dunklen Mantel bekleidet unterwegs gewesen.

Öffentliche Verhandlung

Zeugen können sich bei der Polizei melden: 07131/104-4444. Erste Hinweise seien bereits eingegangen, so die Polizei. Sind die Ermittlungen abgeschlossen, käme in nächster Instanz eine Anzeige der Staatsanwaltschaft. Dann stünde der Gerichtstermin an mit einer voraussichtlich öffentlichen Verhandlung wegen des starken öffentlich Interesses, so Diemer. Das könne allerdings noch ein paar Monate dauern.




Der Druck auf alle steigt

 

// Oberschulamt Künzelsau bestätigt Lehrerengpass an den Schulen im Kocher- und Jagsttal
 
// Stundenausfall, Förderunterricht gestrichen, Krankheit: besonders Grundschulen haben zu kämpfen

Wenn Katrin* von der Grundschule nach Hause kommt, beeilt sich Mama Christina K. mit dem Kochen, damit die Viertklässlerin so früh wie möglich mit ihren Hausaufgaben beginnen kann. In der Regel sind es zwei Blätter in Deutsch und in Mathe. „Aber das ist leider nicht alles“, seufzt die Mutter. Hausaufgaben am Wochenende seien die Regel, Arbeitsblätter für die Ferien ebenso. Thomas M. stimmt zu. Der Vater einer Zweitklässlerin ergänzt: Hinzu kämen jeden Tag Schreibübungen, die die Kinder mit den Eltern gemeinsam erledigen müssten. Lesen üben sei ebenso tägliches Pflichtprogramm, ergänzt Mutter Maren die GSCHWÄTZ-Runde. Wir haben Eltern aus dem Hohenlohekreis gebeten, uns über den Schulalltag ihrer Kinder zu berichten. Alle scheinen sich zu fragen: „Was lernen unsere Kinder überhaupt noch in der Schule?“

 

Ein Lehrer an einer Grundschule im Hohenlohekreis berichtet von der Kehrseite der Medaille: „Ich arbeite mittlerweile manchmal 80 Stunden in der Woche“. Das Problem: „Wir haben eine Unterversorgung an Lehrern besonders in den Grundschulen“, sagt er und vermutet, dass das mit dem niedrigeren Gehalt zusammenhängt, das Grundschullehrer im Vergleich zu anderen Lehrern an weiterführenden Schulen bekommen.

 

Alois Schmitt vom staatlichen Schulamt Künzelsau bestätigt einen Engpass an Lehrern besonders an den Grundschulen. Er führt diesen Engpass zum einen auf die aktuelle Pensionierungswelle zurück. Viele Lehrer sind in den Ruhestand gegangen oder stehen kurz davor. Zum anderen unterrichten an Grundschulen überproportional viele Frauen. Derzeit seien viele von ihnen in Mutterschutz gegangen.

 

Das Schulamt ist nicht nur für den Hohenlohekreis zuständig, sondern auch für den Main-Tauber-Kreis sowie den Haller Kreis. „Wir können Schulen derzeit so versorgen, dass sie arbeitsfähig sind“, mehr aber auch nicht, so der Schulamtsdirektor. Sprich: Zusätzliche Angebote wie Förder- und Schwimmunterricht sowie AGs stehen auf der Kippe, wenn sie nicht bereits gestrichen wurden. Das nächste Problem: Wird ein Lehrer krank, muss der Unterricht des Öfteren ausfallen, weil es oft keine Vertretungslehrer gibt. „Wir haben keine Lehrerreserven mehr,
die wir eigentlich bräuchten, zum Beispiel, wenn ein Kollege krank wird.“

 

Eine für Schmitt akzeptable Notlösung sei hier aber Vertretungsunterricht, indem ein Lehrer zwei Klassen parallel unterrichtet. „Er muss dabei nicht ständig im Zimmer sein“, sagt Schmitt und betont: „Wir haben hier ein Luxusproblem.“ Sprich: Viele würden auf hohem Niveau jammern, weil man in der Vergangenheit sehr hohe Standards gewohnt war. Aber was sei schlimm daran, wenn nun wieder Grundschulklasssen ob des Lehrermangels zusammengelegt werden und statt 15 und 12 Schüler es eine große Klasse mit 27 Schülern gäbe?, fragt er. Das sei früher normal gewesen.

 

Eltern und Lehrer wiederum sehen genau in diesen immer größeren Klassen das Hauptproblem: Individueller Unterricht sei kaum möglich, berichtet eine Lehrerin. Nachdem das Land Mathe- und Deutschstunden gekürzt habe, sei es noch schwieriger, ausreichend Zeit zum Lesen, Rechnen und Schreiben zu finden. In der Regel komme jedes Kind einmal dran mit Lesen in der Deutschstunde. Das führt dazu, dass die Basics in der Schule gelernt werden, das vertiefende wiederholende Lernen, die Schreib- und Rechenübungen hierzu jedoch immer mehr nach Zuhause verlagert werden. Manche Eltern berichten von Hausaufgaben, die sich nicht selten bis in den Abend ziehen.

 

Für viele Eltern eine enorme Belastung, zumal in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten.

 

Aber auch „die Belastung der Lehrkräfte hat zugenommen“, sagt Alois Schmitt. Bei so genannten „verlässlichen Grundschulen“ müssten die Kinder in der eigentlichen Schulstundenzeit trotz Stundenausfall irgendwie betreut werden. Bei den Gemeinschaftsschulen hätten die Lehrer zusätzliche Aufgaben wie Coaching-Gespräche mit ihren Schützlingen zu führen.
Diverse Regelschulen bieten, wie von der Landesregierung Baden-Württemberg forciert, Inklusionsklassen für Kinder mit und ohne Behinderung an (wir berichteten), aber nicht immer
steht hierfür genügend Personal zur Verfügung.

 

Hans-Jürgen Saknus, der stellvertretende SPD-Kreisverbandsvorsitzende des Hohenlohekreises, kritisiert die Sparpolitik der derzeitigen baden-württembergischen Landesregierung. Er wünscht sich nicht nur mehr Lehrer, sondern auch mehr Sozialarbeiter an den Schulen vor Ort – was eigentlich auch einmal angestrebt gewesen sei – sowie eine Entlastung der Schulleiter im Verwaltungsmanagement – in Form von Assistenten. Das sei „aber alles wieder weggestrichen worden“.

Einst Musterländle auch in der Bildungspolitik dümpelt Baden-Württemberg bei diversen Studien – etwa bei der Grundschulvergleichsstudie IGLU oder beim IQB-Bildungstrend 2016 vom Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen – teils auf den letzten Plätzen herum.

Mitte 2017 stellte Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann ein neues Qualitätskonzept vor, das 2018 an den Schulen umgesetzt werden soll. Die Maßnahmen laut einer Pressemitteilung des Kultusministeriums vom 02. Januar 2018 lauten unter anderem:

// Die Methode „Schreiben nach Gehör“ wird abgeschafft

// Die Grundschulen erhalten durch eine Erhöhung der Stundentafel und die Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts mehr Lernzeit in Deutsch und Mathematik

// Das Kultusministerium entwickelt einen Rechtschreibrahmen für die Klassen eins bis 10. Dieser soll im Schuljahr 2018/19 an alle Schulen gehen und verbindliche Vorgaben für den Rechtschreibeunterricht enthalten

// Die Realschulen mit ihrer sehr heterogen zusammengesetzten Schülerschaft bekommen Poolstunden zur intensiveren Förderung leistungsstarker und leistungsschwacher Schüler

// Eine Reform der gymnasialen Oberstufe schafft zusätzliche Möglichkeiten der Profilbildung. Die Schüler sollen Schwerpunkte für vertieftes Wissen setzen können, was der Studierfähigkeit und der beruflichen Orientierung zugute kommt

// Schulleitungen sollen bei Verwaltungsaufgaben entlastet werden

 

Auch die Gemeinschaftsschulen kämen nicht zu kurz. In einer Pressemitteilung vom 14. Juli 2017 heißt es: Die Landesregierung habe für den Ausbau der Ganztagsschule und der Inklusion zusätzliche Stellen geschaffen.

 

Während sich ein Lehrermangel an den Grundschulen breitmacht, haben die Gymnasien einen Bewerberüberschuss. Hinzu kommen steigende Schülerzahlen an den Grundschulen sowie „ein erheblicher Mehrbedarf an Lehrkräften“ durch Zuwanderung und der Herausforderung der Integration“. Dem gestiegenen Bedarf stehe eine geringere Zahl von Neubewerbern gegenüber. Daher können nun auch Gymnasiallehrer an Grundschulen unterrichten. Sie werden jedoch wie ihre Grundschulkollegen bezahlt, betont Schulamtsdirektor Alois Schmitt auf Nachfrage.
Früher sei die Versorgung der Schulen mit Lehrern bei 120 Prozent gelegen, heute bei 100 Prozent, so Schmitt. Unter 100 Prozent werde es schwierig. Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW Baden-Württemberg, forderte die Landesregierung jüngst auf, mehr Geld für Bildung in die Hand zu nehmen.

 

// Angst vor Konsequenzen

Wir haben uns mit Eltern, Lehrern, Schülern und Schulleitern aus dem Hohenlohekreis über die Bildungspolitik im Ländle unterhalten. Allerdings befürchteten viele Eltern bei Nennung ihres Namens Nachteile für ihr Kind. Manche Lehrer und Schulleiter wiederum fürchten bei Nennung ihres Nachnamens ebenfalls mögliche Konsequenzen hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes. Daher haben wir manche Personen anonymisiert. Schulen, die uns unter anderem offiziell Auskunft gegeben haben, waren das Schlossgymnasium Künzelsau (Engpass, wenn etwa Kollegen krank werden, in Elternzeit gehen oder Schulungen besuchen), die Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen (allmählich Lehrermangel an der privaten Gemeinschaftsschule) und die Geschwister-Scholl-Schule Forchtenberg (Schulleitung: „kleiner Engpass“).

 

// Wieviel verdienen Lehrer?
Die durchschnittliche Eingangsbesoldung als Grundschullehrer liegt bei 3.533,38 Euro (A12) in Baden-Württemberg. Ein Gymnasiallehrer steigt mit 4.136,91 Euro (A13) ein. Die Besoldungstabelle mit den Gehaltsstufen ist einsehbar auf www. https://lbv.landbw.de

 

// Versäumnisse vor allem bei den Grundschulen
Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann kritisierte in einer Pressemitteilung, dass die Vorgängerregierung es „versäumt“ habe, im Grundschulbereich vorausschauend zu planen und diese Schulen daher derzeit einen verstärkten Lehremangel hätten. Als Grund nannte sie, dass sich die Studienzeit des neuen Grundschullehramts ab dem Wintersemester 2011/12 verlängert und dazu geführt habe, dass im vergangenen Jahr 400 Neubewerber weniger auf den Arbeitsmarkt kamen als üblich. Weitere Gründe für den Engpass seien „die hohe Pensionierungswelle und den daraus resultieren Ersatzbedarf, der ebenfalls bereits vor einigen Jahren geplant hätten werden können und müssen.“

 

Text // Dr. Sandra Hartmann

Fotos // adobe stock




„Ich hatte das Gefühl, nicht ganz da zu sein“

Nach einer Hirnblutung endet für Dörrenzimmerns Pfarrerin Hannelore Hubert eine Ära – und eine neue beginnt.

Hannelore Hubert beherrscht neben Deutsch fünf Fremdsprachen, wenn man neben Altgriechisch, Althebräisch, Latein und Englisch noch Schwäbisch dazu zählt. Dann kam der Tag, an dem sie ihre Muttersprache verlor.

Es war der 19. Juli 2016. „Ich habe mich schon einen Tag vorher schlecht gefühlt“, erinnert sich die Pfarrerin. „Ich hatte das Gefühl, nicht ganz da zu sein.“ Die 61-Jährige schob ihren Zustand damals auf Nebenwirkungen eines Medikamtents, das sie eingenommen hatte. Ihre Sprache kam ihr abhanden mitten im Gottesdienst in der Kilianskirche in Ingelfingen-Dörrenzimmern. „Ich fing an zu predigen und die Leute waren ganz unruhig. Das war ganz ungewohnt. Dann kam die Mesnerin und hat gemeint, dass mich die Leute nicht verstehen.“ Sie selbst hatte das Gefühl, sie müsse versuchen, deutlicher zu sprechen, aber sie konnte die Worte nicht zusammenbringen.

Während die erste Kirchengemeinderatsvorsitzende, Gisela Gossert, ihre Predigt nochmal von Anfang an hielt, brachte sie der Notarzt ins Krankenhaus. Diagnose: Hirnblutung. Ausgelöst durch ein Kavernom im Sprachzentrum (siehe Infokasten).

Das Kavernom sitzt nach wie vor in ihrem Gehirn. Ein Heidelberger Spezialist wollte es herausoperieren, hat dann jedoch von der Operation abgeraten, da „das Risiko für bleibende Schäden im Sprachzentrum zu groß sei“, so Hubert. Um eine weitere Hirnblutung zu vermeiden, muss die Pfarrerin aufpassen, dass es nicht wieder zu einer Hirnblutung kommt. Beeinflussen kann sie es, in dem sie darauf achtet, dass ihr Blutdruck nicht in die Höhe geht, sprich, Stress vermeidet.

Die Hirnblutung hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. „Ich merke auch, dass ich nicht mehr so belastbar bin. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren und muss mich relativ häufig hinlegen. Und ich merke auch, dass es sprachlich manchmal immer noch hapert.“
„In der Reha haben sie gesagt, innerhalb von zwei Jahren regenerieren sich alle Schäden, die die Hirnblutung angerichtet hat“, erzählt Hubert. Kurz nach dem Tag X musste sie ihrem Körper bereits nach eineinhalb Stunden eine Auszeit gönnen und sich hinlegen. Mittlerweile klappt es schon drei Stunden.

Hannelore Hubert ist nun im vorläufigen Ruhestand. Im vergangenen Jahr hat sie sich offiziell von ihrer Kirchengemeinde in Dörrenzimmern verabschiedet. Der Auszug aus dem Pfarrhaus ist für Anfang März 2018 geplant.

Langweilig wird es der in Bühlenhausen bei Blaubeuren (per Hausgeburt!) geborenen Hubert nicht werden. Sie hat sich ein Haus in Langenburg gekauft. Bei der nun anstehenden Renovierung helfen ihr der Sohn und ihr Bruder.

„Es haben mir auch viele Leute von hier Hilfe angeboten. Das ist schön“, sagt Hubert und lobt die vielen helfenden Hände, die mit angepackt haben bei allem, was so anfiel in den vergangenen vier Jahren, in denen sie in Dörrenzimmern Pfarrerin war (2013 bis 2017): „Hier gibt es Menschen, die bereit sind, aktiv etwas zu tun und auch offen für den Glauben sind.“ Mitglieder der Kirchengemeinde loben die Pfarrerin, als eine Frau, die immer ein offenes Ohr hatte, interessiert war, nachfragt hat.

Und so ganz hat sie auch mit ihrem Beruf noch nicht abgeschlossen. „Ich spüre schon, dass ich auch in Zukunft Gottesdienste halten und gestalten möchte. Das ist eine innere Notwendigkeit für mich.“ Sie könnte sich vorstellen, etwa als Ruhestandspfarrerin Gottesdienste zu halten, die Kollegen etwa urlaubs- oder krankheitsbedingt nicht wahrnehmen können. Die freuen sich, wenn sie auf jemanden zurückgreifen können“, ist sich Hannelore Hubert sicher.

 

// Kavernome

Kavernome sind Gefäßfehlbildungen. Sie können prinzipiell überall im Körper auftreten. Zu einem Problem können sie für den Patienten werden, wenn sie sich im zentralen Nervensystem befinden. Typischerweise kommt es in und um die wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter großen „Gefäßschwämmchen“ immer wieder zu kleineren und größeren Blutungen. In einigen Fällen kann es durch Beeinträchtigung des umliegenden Nervengewebes zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommen.

 

Fotos // GSCHWÄTZ