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„Prof. Reinhold Würth hat hier in der Region etwas geschaffen, was einzigartig ist“

Die Bilder von Georg Baselitz erkennt man schon von Weitem, denn sie stehen in der Regel auf dem Kopf. Die aktuelle Ausstellung im Atrium des neuen Würth Museums in Gaisbach lässt die Besucher:innen Kunst daher aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Dr. Sandra Hartmann hat mit Sylvia Weber, der Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe, über die aktuelle Baselitz-Ausstellung gesprochen, über das besondere Verhältnis zwischen dem Künstler und Reinhold Würth sowie über ihren Arbeitsalltag im Hause Würth.

Sein Markenzeichen

GSCHWÄTZ: Frau Weber, was ist das Besondere an der Baselitz-Ausstellung?“

Sylvia Weber: „Wir sind sehr glücklich, dass wir in der Würdigung zum 85. Geburtstag den Besucher:innen im Atrium des Museum Würth zwei alle Facetten des herausragenden Werks von Georg Baselitz aufzeigen können: die Skulpturen, die Druckgrafik und die Malerei. Bereits auf dem Vorplatz begrüßen zwei monumentale Plastiken aus Bronze, tiefschwarz patiniert. Nicht minder beeindruckend sind die 18 Linolschnitte von bis zu knapp drei Metern Höhe aus den 70er-Jahren im Atrium des Museums. Jedes ein Unikat, das Baselitz in den 90ern überarbeitetet hat. Als Maler beeindruckt er natürlich besonders durch die expressive Pinselführung, die kräftigen Farben und die Drehung des Bildmotivs um meist 180 Grad, sein Markenzeichen.“

Auf über 100 Werke angewachsen

GSCHWÄTZ: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Künstler und dem Hause Würth?

Sylvia Weber: Georg Baselitz ist eben nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Künstler, er genießt auch einen hohen Stellenwert in der Sammlung Würth. Das erste Gemälde von Baselitz erwarb Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth bereits vor fast 40 Jahren, 1987. „Zwei Hände vorm Gesicht“ ist zu sehen in der Ausstellung „Weitblick“ im Hauptraum des Museum Würth 2 unter den Herzstücken des Hauses. Inzwischen ist der Block in der Sammlung Würth auf über 100 Werke angewachsen – vorerst 😊, denn Baselitz legt bis heute eine ungebrochene Schaffenskraft an den Tag. Diese Konsequenz, die Entwicklung eines Künstlers über einen so langen Zeitraum zu begleiten, zeichnet Reinhold Würth unter anderem als Sammler aus.

Einzigartigkeit

GSCHWÄTZ: Haben Sie ein Lieblingskunstwerk?

Sylvia Weber: Georg Baselitz hat zahlreiche herausragende Arbeiten geschaffen, da fällt es mir schwer, ein singuläres Werk auszuwählen. Das Phänomen, in allen Facetten der Kunst, Malerei, Drucktechnik und Skulptur, einzigartig zu sein, fasziniert mich.

GSCHWÄTZ: Was sind die diesjährigen Höhepunkte im Kunstjahr 2023 bei Würth?

Sylvia Weber: Das Jahr 2023 gehen wir an allen Spielstätten mit Elan an. Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall entdeckt ab 12. März 2023 in der Ausstellung „Rosenrot – Grasgrün – Quittengelb“ Pflanzengeheimnisse in der Sammlung Würth. Vasen voll prächtiger Sträuße bei Lovis Corinth, Gabriele Münter oder Emil Nolde, blühende Wiesen bei Philipp Bauknecht, Franz Marc oder Alex Katz, verwunschene Künstlergärten bei Max Liebermann, Per Kirkeby oder Andy Warhol, aber auch dystopische Hinweise bei Marc Quinn oder Anselm Kiefer. Ab 03. April präsentiert dann das Museum Würth 2 in Künzelsau als bisher einziger Ort in Deutschland den wunderbaren 90 Meter langen iPad-Fries „A Year in Normandie“ des britischen Meisters der Landschaftsmalerei der Gegenwart David Hockney.

Pflanzengeheimnisse in der Sammlung Würth

Auch in den anderen Häuser wird viel Spannendes zu entdecken sein. „Fähigkeiten! Kunst von besonderen Menschen in der Sammlung Würth“ zeigt das Museum Würth in Künzelsau ab 12. Februar. Den Maler der Grafen von Hohenlohe, Joachim Georg Creuzfelder, entdeckt die Hirschwirtscheuer in Künzelsau ab 4. März wieder. „It’s Terrific!“ – Neue Perspektiven in der Sammlung Würth freuen wir uns ab Juli im Museum Würth 2 in Künzelsau aufzeigen zu dürfen. Und der virtuose Kreuzigungsaltar aus Rimini wird ab Winter in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall zu bestaunen sein.

GSCHWÄTZ: Frau Weber, Sie sind ja schon viele Jahre das Gesicht von Kunst und Kultur bei Würth. Was waren die Höhepunkte in ihrem bisherigen Berufsleben? Wie kann man sich ihren Arbeitsalltag im Bereich Kunst und Kultur vorstellen?

Sylvia Weber: Das Gesicht der Kunst ist die Sammlung Würth, die Häuser und ihre Ausstellungen. Der Unternehmer und Sammler Prof. Reinhold Würth hat hier in der Region etwas geschaffen, was einzigartig ist.“ Mit Freude sei sie stets dabei. Aber, wie schon Karl Valentin sagte: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

 




Greta kommt

Lützerath ist ein kleiner Weiler der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen. Der Energieversorgungskonzern RWE plant, Lützerath vollständig abzureißen, um den Tagebau Garzweiler auszudehnen, wie schon den unmittelbar südöstlich gelegenen Nachbarort Immerath.

Klimaschützer möchten dies verhindern. Nun kam es gestern Nacht zu einem Polizeieinsatz, bei dem Polizisten versucht haben, die verbliebenen rund 200 Klimaaktivisten aus dem Gebiet herauszuholen. Polizisten holten laut der ARD gut zehn Aktivisten mit Hebebühnen aus etwa zehn Metern Höhe vom Dach einer früheren landwirtschaftlichen Halle. Dabei kam es zu heftigem Widerstand. Unter anderem hatte eine Klimaaktivistin ihre Füße in einem Autowrack einzementiert. Die in Deutschland wohl bekannteste Klimaaktivistin Luisa Neubauer zeigte sich auf Twitter schockiert von diesem nächtlichen auch gefährlichen Vorgehen der Polizei und postete dieses Foto:

Nächtliche (versuchte) Zwangsräumung der Polizisten von 11. auf 12. Januar 2023 in Lüzerath. Quelle: Twitter/Luisa Neubauer

Zugleich kündigte sie den Besuch von Greta Thunberg für Samstag, den 14. Januar 2023 an. Die weltweit bekannteste Klimaschützerin möchte an der Seite vermutlich tausender Demonstranten für den Erhalt von Lützerath und gegen einen weiteren Abbau der Braunkohle unter Tage eintreten. In Mainz sollen laut dem SWR bereits Busse geplant sein, um die Demonstranten nach Lüzerath zu fahren. 

Die Klimaschützer argumentieren dabei, dass Braunkohlekraftwerke zur Energiegewinnung weitaus mehr schädliches CO2 in die Luft blasen als andere Energiegewinnungsträger.  Zusätzlich müssen hierfür große Flächen gerodet, geräumt und schlimmstenfalls ganze Wälder abgeholzt werden, um an die Kohle unter der Erde zu gelangen. Die plädieren für ein generelles Weniger-an-Energie-Verbraucht und den Ausbau „sauberer“ Energiegewinnungsträger wie die Erneuerbaren Energien.

Experten, unter anderem in der Tagesschau, sprechen derzeit von einem „fatalen Signal“, das Deutschland hier aussendet (siehe Video). Denn: Während die Bundesregierung auf den akuten Energiemangel unter anderem wegen des Ukrainekrieges und des Russlandkonflikts hinweist und damit die geplante erhöhte Braunkohleförderung begründet, weisen Experten daraufhin, dass Braunkohleförderung keine „Brückenlösung“ sei wie Gas, die man einfach kurz hoch- und dann auch wieder herunterfahren könne. Es dauere Jahre, bis dieses geplante Werk von RWE anlaufe. Daher stellen sich viele vermutlich zu Recht die Frage: Worum es bei diesem Kohlekraftwerk eigentlich geht: Um Kohle oder um Kohle?

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Du stehst vor einem Berg, den du nicht allein bezwingen kannst“

„Du stehst vor einem Berg, den du nicht allein bezwingen kannst.“ So beschreibt Damir Klisan seine Gefühle, als er den Kostenvoranschlag für die Therapie in Amerika bekommen hat, die seinem Sohn, der lebensbedrohlich erkrankt ist, das Leben retten kann.

Marcel mit seinem Vater Damir Klisan und seiner Mutter Manuela. Foto: GSCHWÄTZ

Rund 250.000 Euro Erstbehandlung

Rund 250.000 Euro kostet die vielversprechende Erstbehandlung, die bereits vielen Kindern mit einem ähnlichen Krankheit geholfen hat.

Der Schock in der Familie war zunächst groß, der Wille, diese Therapie für ihren Sohn Marcel zu ermöglichen, war größer.

Seit Dienstag, den 20. Dezember 2022, läuft nun eine Spendenaktion für den Niedernhaller auf der bekannten und renommierten Plattform betterplace.org: In nicht mal einer Woche kamen bereits an die 35.000 Euro zusammen, unter anderem von Bekannten, Firmen in der Nähe, Arbeitskollegen der Firma Continental in Weißbach, wo die Eltern arbeiten und unlängst auch Marcel seine Ausbildung abgeschlossen hat.

Mit einem halben Herzen auf die Welt gekommen

Marcel ist quasi mit einem halben Herzen, dem so genannten hypoplastischen Linksherz-Syndrom zur Welt gekommen, einem, so die Familie, der schwersten Herzfehler überhaupt. Die linke Herzkammer fehlt. Der 20-Jährige kann in seinen jungen Jahren bereits auf drei schwere Herz-OPs zurückblicken. Das Ziel dabei war, die rechte Herzkammer, die bis dato die doppelte Arbeit gemacht hat, zu entlasten und künstlich einen neuen Kreislauf zu schaffen. Doch die Rettungsaktion für die verbleibende Herzkammer löst nicht selten eine bestimmte Nebenwirkung bei den Betroffenen, häufig Kinder und Jugendliche, aus: Seit dem vergangenem Jahr hat sich in seinem Körper ein Eiweißverlustsyndrom (PLE) entwickelt. Das heißt, in Marcels Lymphen und im Darm entstehen so genannte Löcher, durch die das Eiweiß entweicht, was lebensbedrohlich ist. Eiweiß braucht der Körper allerdings, unter anderem, um Wasser im Körper zu binden. Wenn das Wasser nicht gebunden und über den Körper ausgeschieden werden kann, lagert es sich etwa im Bauchraum ab. Vor zwei bis drei Wochen war Marcel deswegen zum wiederholten Mal im Krankenhaus zum Punktieren. In der Uniklinik in Tübingen wurden ihm dabei rund acht Liter Wasser aus seinem Bauchraum geholt. Von einem Tag auf den anderen kann sich so viel Wasser ablagern, dass er schnell mal drei Kilo mehr auf die Waage bringt.

„Marcels PLE schlägt gnadenlos zu“

Bei der Therapie in den Vereinigten Staaten werden die „Löcher“, durch die das Eiweiß abhanden kommt, geschlossen. Die Therapie wird wegen des Know-Hows und der speziellen Technik und Geräte, die es dafür benötigt, in Deutschland und Europa derzeit noch nicht angewendet. Ein Problem sieht Marcels Mutter auch darin, dass früher die Kinder mit einem solch schweren Herzfehler bereits relativ früh gestorben sind. Nun werden die Betroffenen dank neuer Behandlungsmethoden immer älter. Aber bislang wurde noch zu wenig geforscht, wie man die OP-Folgen, wie etwas das PLE, behandeln kann.

Dem Verein „Fontanherzen e.V.“ zufolge leben in Deutschland zirka 5.000 Fontan-Patienten. Davon sind ungefähr vier bis fünf Prozent von dem Eiweißverlust betroffen, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich deutlich höher liegt.

„Marcels PLE schlägt gnadenlos zu“, steht als Überschrift über dem Spendenaufruf, den der Verein Lächelwerk initiiert hat, unter anderem über die Spendenplattform betterplace, aber man kann auch direkt an Lächelwerk für Marcel spenden (siehe unten). Das Geld fließt zu 100 Prozent in die Behandlung von Marcel. Rund 80.000 Euro kostet die Eiweißtherapie unter Professor Ittken, 170.000 US-Dollar kostet allein das Öffnen einer wichtigen Vene, die bei Marcel „zu“ ist. Die Eiweißbehandlung muss zudem vermutlich ein oder zwei Jahre später nochmal wiederholt werden, wenn sich neue „Löcher“ aufgetan haben. Es war Marcels Mutter, die nach einer langen Recherche die lebensrettende Therapie und den Verein Lächelwerk, der sie nun so tatkrätig unterstützt, gefunden hat.

„Notfalls verkaufen wir unser Haus“

Derzeit hat die Familie und vor allem Marcel keinen normalen Alltag mehr. Zwischen wiegen, Tabletteneinnahme (unter anderem Cortison), Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, Infusionen und unangenehmen Lungen- und Bauchdrainagen, die auch schon mal eine Sepsis bei Marcel ausgelöst haben, bleibt nicht viel. Im November 2022 hat Marcels Kardiologe Vorhofflimmern bei seinem jungen Patienten festgestellt. Marcel hat eigentlich nur einen schlichten Wunsch: „Wenn mal für ein Jahr Ruhe einkehren würde“, das wäre schön.

Lebensrettende Therapie

Was tut die Familie, sollte, das Geld nicht zusammenkommen? „Notfalls verkaufen wir unser Haus. Dann wohnen wir eben in Miete“, antwortet Vater Damir sofort. Aber die Hilfsbereitschaft ist bereits jetzt enorm. Allein die Firma Müller-Coax aus Forchtenberg spendete sofort 5.000 Euro, als sie von Marcels Schicksal erfuhr. Dem 20-Jährigen ist das sichtlich unangenehm. Er möchte weder Mitleid, noch im Mittelpunkt mit seinem Herzfehler stehen. Und doch: Die Spenden sind seine einzige Chance, PLE den Kampf anzusagen mit einer lebensrettenden Therapie. Als die ersten Spenden eingegangen sind, „habe ich wieder Hoffnung gespürt, dass wir das schaffen können“, so Vater Damir.

Spenden sind über folgende Wege möglich:

Marcels PLE schlägt gnadenlos zu! Bitte helft! – Lächelwerk e.V. – betterplace.org

paypal: info@laechelwerk.de

Überweisung: Lächelwerk e.V.

Volksbank Bigge-Lenne

Iban: DE 42 4606 2817 0016 5294 00

BIC: GENODEM1SMA

Verwendungszweck: Herz

Die Spende wird laut Lächelwerk verwendet für:

  • die Finanzierung von Marcels Behandlung
  • wenn Marcel gerettet ist, für weitere Kinder mit Herzfehler

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Manchmal wird es einfach nicht mehr gut“

Ingeborg Zeller aus Morsbach kann kein russisch. Aber einmal in ihrem Leben hat die 69-Jährige eine Strophe eines russischen Liedes gelernt. Für eine sterbenskranke Mama, die im damals noch existenten Krankenhaus in Künzelsau lag. Die Frau konnte kein Deutsch. Die gelernte Einzelhandelskauffrau und mittlerweile Rentnerin begleitete sie dennoch als Ehrenamtliche vom Hospizdienst Kocher-Jagst auf ihrem letzten Weg auf eine ganz spezielle Art und Weise.

von links: Jutta Knörle, Ingeborg Zeller und Margot Wiecharz arbeiten ehrenamtlich beim Hospizdienst und begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg. Foto: GSCHWÄTZ

Am nächsten Tag schlief die Frau für immer ein

Ingeborg Zeller konnte sich mit der Frau nicht auf normalem Wege verständigen. Sie hörte sie nur stets dieselbe, für Zeller unbekannte, Melodie vor sich hinsummen. Sie sprach daraufhin den Ehemann der Frau an. Er konnte deutsch und erklärte Ingeborg Zeller, dass es sich dabei um ein russisches Lied von einem kleinen Birkenbäumchen handelt. Zuhause hat sich Ingeborg Zeller den russischen Text besorgt, die erste Strophe auf Russisch geübt und ihr dann schließlich im Krankenhaus vorgesungen. Am nächsten Tag schlief die Frau für immer ein. Noch heute rührt Ingeborg Zeller die Geschichte zu Tränen, wenn sie sie erzählt. Zeller hat damals auch ihren Schwiegervater bis zu seinem Tod gepflegt, so dass er am Lebensende in ihren Armen und den Armen ihres Mannes friedlich einschlafen durfte. Ihrer Oma sei dies leider nichtvergönnt gewesen, sie sei allein im Krankenhaus gestorben. Zeller wollte immer schon in einem sozialen Bereich arbeiten. Mit 14 Jahren hat sie im Diak in Schwäbisch Hall ehrenamtlich geputzt. Sie wollte sich als Krankenschwester dort bewerben, wurde aber wegen ihrer katholischen Konfession von der evangelischen Trägerschaft damals abgelehnt.

Hospizdienst sucht derzeit weitere Ehrenamtliche

Derzeit kann der Hospizdienst Kocher-Jagst auf 58 Ehrenamtliche zwischen Ende Dreißig und Anfang 80 Jahren zurückgreifen, vier davon sind Männer. Sie begleiten Menschen, die ihrem Lebensende entgegensehen, und besuchen sie im Durchschnitt zweimal wöchentlich für zwei oder vier Stunden – zu Hause, im Pflegeheim, im Krankenhaus oder im Heim für Menschen mit handicap. Durch das steigende Alter der Aktiven ist der Hospizdienst aktuell wieder auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen.

Jutta Knörle möchte den Menschen und Angehörigen Entlastung bringen. Foto: GSCHWÄTZ

Wunscherfüller auf den letzten Metern

„Dieses Ehrenamt gibt einem mehr, als man gibt“, betonen Margot Wicharz aus Unterginsbach und Jutta Knörle aus Niedernhall. Wicharz ist, wie Ingeborg Zeller, ebenfalls seit knapp zwei Jahrzehnten für den Hospizdienst tätig. Jutta Knörle (64) kam durch eigene Schicksalsschläge vor drei Jahren zum Hospizdienst. „Ich war selbst zweimal schwer krank, habe Gesprächspartner gebraucht und gemerkt, dass Familienangehörige hier sehr schnell auch an ihre Grenzen kommen.“ Zuhören sei wichtig. Und die anderen reden lassen. „Es ist einfach schön, wenn man so helfen kann.“

§Es ist keine Sterbebegleitung, sondern eine Lebensendebegleitung“

„Es ist keine Sterbebegleitung, sondern eine Lebensendebegleitung“, betont Jutta Knörle. Denn: Man wisse nie, wann jemand gehe. So begleiten die Ehrenamtlichen manchmal Menschen nur wenige Tage, manchmal aber auch über Monate, in Ausnahmefällen sogar Jahre. Manchmal endet die Begleitung auch mit einer Gesundung. Bereits ihr erster Einsatz erstreckte sich über mehrere Monate. Die Industriekauffrau begleitete eine Frau, die nicht mehr aufstehen konnte. Ihr Bett stand im Wohnzimmer. Ihr Ehemann hat sie, so Knörle, rund um die Uhr gepflegt. Zweimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden kam Jutta Knörle vorbei, damit er in dieser Zeit sich eine kleine Auszeit nehmen, Sport treiben oder einkaufen gehen konnte. „Ich habe der Frau gleich gesagt, dass sie mir das sagen muss, falls ich ihr unsympathisch bin“, erinnert sich Knörle rückblickend schmunzelnd. Denn es kann auch mal vorkommen, dass Angehörige jemanden vom Hospizdienst holen, aber die Person, die im Sterben liegt, das gar nicht möchte. Doch die Frau antwortete nur: „Nein, ich mag sie sehr.“ Gemeinsam hätten sie die Tour de France angeschaut, obwohl Jutta Knörle eigentlich kein Tour-de-France-Gucker ist. Aber die Frau erfreute sich an der schönen französischen Landschaft. Gemeinsam aßen sie Marmeladenbrote. Das größte Geschenk für Jutta Knörle war das Vertrauen, das diese Familie ihr entgegenbrachte. So gern hätte sie die Frau bis zum Schluss begleitet. Aber die Frau musste ins Krankenhaus. Dort musste sie es, so Knörle, „leider ganz allein schaffen“.

Margot Wiecharz ist dankbar für diese Aufgabe. Foto: GSCHWÄTZ

Jeder stirbt anders

Jeder stirbt anders, so wie jeder anders ist und lebt, erklären Carmen Landwehr und Christine Stumpf. Landwehr ist die hauptamtliche Leitung des Hospizdienstes, Christine Stumpf ihre Stellvertreterin. So ist denn auch jede Begleitung anders. Denn wichtig dabei ist, sich einzufühlen, was dieser Mensch in diesem letzten Lebensabschnitt braucht und möchte. „Im Mittelpunkt der Hospizarbeit stehen die Ehrenamtlichen“, weiß Landwehr. Mit ihnen stehe und falle alles.

Nicht-über-den-Tod-sprechen-können

Ähnlich wie Jutta Knörle ist auch die ehrenamtliche Mitarbeiterin Margot Wiecharz bereits zweimal in ihrem Leben schwer erkrankt. Beide Male an Krebs. Als die heute 71-Jährige damals Ende der 1990er Jahre im Krankenhaus deswegen behandelt wurde, lag eine sterbenskranke junge Frau neben ihr. Ihre Mutter habe sie bei ihrem letzten Besuch auf Banalitäten hingewiesen, etwa, warum sie ein T-Shirt anhabe und keinen Schlafanzug. Das Thema Sterben und Tod sei einfach totgeschwiegen worden. Die Mutter erschien Wiecharz hilflos und überfordert. Ein Tag nach dem T-Shirt-Gespräch sei die junge Frau gestorben. Diese Hilflosigkeit und das Nicht-Über-den-Tod sprechen-können sei schlimm gewesen.

Ingeborg Zeller begleitet seit knapp zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem letzten Weg. Foto: GSCHWÄTZ

Entlastung von pflegenden Angehörigen

„Manchmal wird es einfach nicht mehr gut“, sagt Carmen Landwehr. So einfach und doch so schmerzvoll ist dieser Satz. Dies zu akzeptieren und das Beste aus den letzten Momenten zu machen, dabei können die Ehrenamtlichen helfen.

Manchmal kommt es vor, dass die Ehrenamtlichen beim Sterben dabei sind. „Das ist ein heiliges Erlebnis“, sagt Margot Wicharz. Eine ältere Frau, bettlägrig, die nicht mehr gesprochen hat, habe kurz vor ihrem Tod immer in eine Ecke ihres Zimmer geschaut. Auf einmal habe sie sich hochgestreckt zu dieser Ecke. Dann sei sie gestorben. Ingeborg Zeller berichtet von einem ähnlichen Erlebnis. Einmal sei sie in der Nacht für zwei bis drei Stunden zu einer Patientin gekommen, um den Ehemann zu entlasten. Die Frau hat gefragt, was sie hier mache. Zeller erklärte ihr, dass sie für ein paar Stunden gekommen sei, um den Ehemann zu entlasten, damit dieser sich hinlegen und schlafen könne. „Und was machen wir jetzt?“, habe die Frau sie daraufhin gefragt. „Wir schlafen jetzt auch“, habe Zeller geantwortet. „Ok, dann schlafen wir jetzt auch“, sagte die Frau. Auf einmal habe sie Ingeborg Zeller am Arm berührt, strahlte sie an, schloss die Augen und starb.

Der Tod gehört zum Leben dazu

Der Tod gehört zum Leben dazu, aber oftmals wird das vergessen .Man müsse auch nicht sofort den Leichnam aus dem Haus schaffen, sondern könne und dürfe in aller Ruhe von dem oder der Gestorbenen Abschied nehmen.

„Man sieht danach die Wolken besser“

In der Coronazeit durften sich viele Angehörige nicht von ihren Lieben, die im Sterben lagen, verabschieden.“ Das könne einen noch jahrelang belasten, weiß Carmen Landwehr. Die intensiven Gespräche mit Angehörigen in ihrem palliativen Beruf lasse sie manchmal demütiger und dankbarer im Alltag sein. „Man sieht danach die Wolken besser und nimmt die Natur anders wahr.

Ausbildung zur ehrenamtlichen Lebensende-Begleiter:in

Am 22. und 23. April 2023 veranstaltet der Hospizdienst Kocher-Jagst für alle Interessent:innen ein Orientierungswochenende (Unkostenbeitrag für jede/n Teilnehmer:in für Essen/Trinken/Unterlagen von 40 Euro). Danach startet die Ausbildung. Sie findet über den Sommer 14-tägig immer mittwochs für zwei bis drei Stunden statt und endet mit einem Abschlusswochenende sowie einem Entsendungsgottesdienst im Herbst 2023. Themen während der Ausbildung sind unter anderem: Wahrnehmung, Selbstwahrnehmung, Palliativmedizin, Seelsorge, palliative Symptome. Patientenverfügung. Auch ein Besuch im Krematorium ist geplant. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Info und Anmeldung: 07940/93 950 12. Mail: c.landwehr@hospizdienst-kocher-jagst.de oder: stumpf@hospizdienst-kocher-jagst.de

Woran merkt man, dass ein Mensch stirbt?

Jeder stirbt anders und für sich allein. Manchmal ganz plötzlich und unerwartet, nicht selten aber doch mit gängigen Symptomen wie etwa: Nachlassen des Bewusstseins, der oder die Sterbende schläft viel, atmet unregelmäßig und hat weniger Appetit.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Kein geeignetes Eventmanagementbüro gefunden

Die Stadtverwaltung Ingelfingen hat das Stadtfest zum Jubiläum 50 Jahre Kommunalreform – 50 Jahre Gesamtgemeinde Ingelfingen abgesagt.

Das geht aus einem Schreiben, datiert auf den 24. November 2022, hervor, das versendet wurde.

Zur Begründung erklärt die Stadt: „Nachdem uns die wenigen Eventmanagementbüros, die überhaupt Interesse und Kapazitäten für ein solches Fest frei hatten, die voraussichtlichen Kosten mitgeteilt hatten, mussten wir feststellen, dass das uns zur Verfügung stehende Budget bei Weitem nicht ausgereicht hätte.“

Weiterhin erklärt die Stadt: „Ohne die entsprechende Technik und die fachmännische Organisation durch erfahrenes Personal ist eine solche Großveranstaltung leider nicht durchführbar.“

Eine kleine Feierlichkeit wird es wohl geben. „Im Jahr 2023 werden wir in anderer Form bzw. in einer anderen Veranstaltung das 50-jährig Jubiläum  der Kommunalreform würdigen.“

In einer Presseanfrage wollten wir von der Stadtverwaltung diesbezüglich wissen, inwiefern Feste und Veranstaltungen der Stadt Ingelfingen in der Vergangenheit von Eventmanagementbüros ausgerichtet wurden, welche Kosten hierfür entstanden sind, wie viel Eventmanagementbüros nun angefragt wurden, wie hoch die Kosten für eine größere Veranstaltung gewesen wären und ob die Stadt Ingelfingen keine Mitarbeiter:innen hat, die ein – wenn auch kleineres Fest organisieren können. Man denke nur an die zahlreichen Vereine in Ingelfingen und Umgebung, die teilweise dreitägige Veranstaltungen, etwa in Dörrenzimmern und Stachenhausen, ehrenamtlich und komplett autark planen und umsetzen.

Eine Antwort der Stadt Ingelfingen hierzu steht noch aus.

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Jeder will nur Frieden

Fridays for future und Querdenken passt nicht zusammen – sollte man meinen, oder?

Unzufrieden mit der aktuellen Politik sind viele

Bei der Großdemo am Samstag, den 26. November 2022 in Schwäbisch Hall, organisiert von Querdenkern (wir berichteten), zeigte sich eines auffallend deutlich: Sowohl die Demonstranten, als auch die Gegendemonstranten fordern Frieden in Europa und zeigen sich mit der aktuellen Politik in vielen Belangen unzufrieden (siehe GSCHWÄTZ Video).

Beim Klima scheiden sich die Geister

Der einzige große Unterschied: Während Fridays-for-future-Anhänger vehement von der Regierung fordert, diverse Maßnahmen zu ergreifen, um den Klimawandel und die damit einhergehenden steigenden Temperaturen entgegenzuwirken, sehen diverse Querdenker, mit welchen ich am Rande der Großdemo gesprochen habe, den Klimawandel als normaler Veränderungsprozess des Jahrhunderte alten Weltklimas, die Menschheit ist dabei nur ein kleines Rädchen ohne große Einflussnahme.

Furcht vor einer rechten Unterwanderung groß

Ansonsten aber hätten rein vom Inhalt her betrachtet ebenso gut auch die Fridays-for-future-Aktivisten, die am Rand standen bei der Demo, mitlaufen können. Allerdings ist die Furcht groß, dass man neben Nazis läuft und davon will man sich natürlich  abgrenzen.

Demos gesteuert und finanziert aus der rechten Ecke?

Nun haben die über 1.000 Menschen bei diesem Marsch nicht gerade wie Rechtsradikale gewirkt. Aber man weiß ja nie. Vielleicht sind sie nur gut getarnt, Verschwörungstheorien auf Seiten der Fridays-for-future-Gegendemonstranten gehen umher, dass diese ganzen Querdenker-Demos alle gesteuert und finanziert werden von rechten Quellen. Während bei Querdenkern wiederum die Verschwörungstheorien herumgeistern, dass die ganze „Corona- und Klimadiktatur“ ein Masterplan der Weltelite ist, um die Menschheit zu gängeln und sich eine goldene Nase zu verdienen. Ein jeder hat, so scheint es zumindest, sein Misstrauensvotum den anderen gegenüber – inwieweit diese Theorien der Wahrheit entsprechen, mag die Autorin an dieser Stelle nicht bestimmen können. Nur so viel sei gesagt: Querdenker antworten auf die Frage nacher der Finanzierung einer solchen Großdemo, einmütig damit, dass jeder hier finanziell schon „ordentlich Geld reingebuttert hat“. Spendenkäschen stehen ebenfalls überall herum. Dahinter stehende rechte Strömungen oder gar Geldgeber weisen sie weit von sich. Der derzeit in Stuttgart in U-Haft wegen angeblicher  Steuerhinterziehung sitzende Querdenken-Gründer Michael Ballweg sei ein Mensch, der gerne meditiere, aber das er Gelder veruntreue, glauben seine Querdenker nicht.

Politik weit weg vom Volk

Wohingegen die Klimawandel-Geschichte von den Querdenkern stark angezweifelt wird – zumindest die von Menschen gemachte. Dem Staat und „seinen Geschichten“ und der „oftmals staatliche gelenkten Press“ glauben sie schon lange nichts mehr. Und schon wären wir wieder bei kleinen Gruppe an Gegendemonstranten. Auch hier haben einige die Nase voll von der aktuellen Politik und was hier alles falsch laufe. Wie viel Geld hier falsch verteilt würde, an die Reichen, die sowieso schon genug hätten, und wieder mal fast nichts an die, die es dringend bräuchten. Man hat das Gefühl, dass bei der Großdemo auch einige von genau dieser Klientel mitgelaufen sind, denen das Wasser aufgrund der explodierenden Lebensmittel- und Energiepreise mittlerweile bis zum Hals steht. Und die das Gefühl  haben, überhaupt nicht mehr gehört zu werden von einer Politik, die sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Nämlich nur noch mit sich selbst. Nur – war das jemals anders?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




„Wir stehen hier für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“

Gleich zu Beginn der von Querdenkern 799 Schwäbisch Hall angekündigten Großdemo gegen die Coronamaßnahmen, steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie den Ukraine-Krieg am Samstag, den 26. November 2022, auf dem zentralen Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall, betont Versammlungsleiter Christian Ziegler: „Wir sind eine friedliche Bewegung, in der Extremismus, Gewalt, Antisemitismus und menschenverachtendes Gedankengut keinen Platz haben. Wir reden mit allen, die friedlich und gewaltfrei agieren. Wir eröffnen einen freien und demokratischen Debattenraum. Wir stehen hier für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wir sind frei von jedweden Ideologien und grenzen uns ab von Aufrufen zu verfassungswidrigen Taten. Jeder ist bei uns als Mensch willkommen, egal, welche Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung, Nationalität, Impfstatus oder welche politische Überzeugung er auch immer hat.“ Zudem bittet er, keine Symbole von Reichskriegsflaggen oder andere Symbole eines Deutschlands vor 1945 mitzuführen, „weil diese nicht mit unseren Zielen vereinbar sind. Wir sind die gesellschaftliche Mitte. Es ist nicht hoffnungslos. Wir selbst sind die Lösung. Wir warten nicht auf einen Retter von außen. Wir warten nicht auf eine Ursula von der Leyen, auf einen Joe Biden oder auf einen Selensky. Wir werden das angehen. Wir werden das für unsere Eltern und Kinder machen.“

Foto: Christian Ziegler von den Querdenkern Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWÄTZ

 

Applaus von den laut Polizei rund 1.000, laut den Organisatoren rund 1.500 Demoteilnehmer:innen.

Dann zieht der Protestzug los, mit Mikrofonen, Musik und Verstärkern vom Bonhoefer-Platz in der zentralen Innenstadt Richtung B27 außen um die Kernstadt herum, um zirka 1,5 Stunden später wieder am Ausgangspunkt anzukommen.

Protestzug durch Schwäbisch Hall, unter anderem wegen explodierender Lebensmittelpreise, der Coronapolitik und des Ukraine-Krieges. Foto: GSCHWÄTZ

„Wir fordern die Beendigung jeglicher Kriegsbemühungen durch diese falsche Verbrecherregierung“

Mit deutlichen Plakaten und markigen Worten geht es beim Protestzug weiter: „Wir fordern die Beendigung jeglicher Kriegsbemühungen durch diese falsche Verbrecherregierung, bestehend aus Kinderbuchautoren, Trampolinspringerinnnen und Typen, die immer dann Demenz erleiden, wenn es um Korruptionsfragen geht“, hallt es etwas aus Lautsprechern aus einem Auto heraus von Michael Stehle.

„Achtung, Achtung. Das tödliche Virus ist in der Öffentlichkeit jetzt wieder aktiv“

Dazwischen aus Lautsprechern mechanisch klingende Stimmen, die dröhnen: „Politiker, die voll versagen, muss man in Den Haag verklagen.“ – „Für alle, die den Mut haben, für die Freiheit einzustehen.“ –  „Der Hypochonder Lauterbach hält in uns unsere Ängste wach.“ Oder, ironisch: „Achtung, Achtung. Das tödliche Virus ist in der Öffentlichkeit jetzt wieder aktiv. Gehen Sie umgehend nach Hause und schließen Sie die Tür. Vergessen Sie nicht, zu lüften.“

„Wir sind das Volk“

Menschen aller Altersklassen laufen hier vereint und halten die unterschiedlichsten Plakate in die Höhe. Bei manchen wird der NATO-Vormarsch in den vergangenen Jahrzehnten kritisiert, auf anderen die Politik und Presse im Allgemeinen. Und immer wieder: „Wir sind das Volk.“

Eine kleine Protestgruppe, darunter ist eine grüne Fahne von fridays for future zu sehen, steht etwas abseits in der Nähe der laut Polizeiangaben gegenüber GSCHWÄTZ rund 50-köpfigen Einsatzgruppe der Polizei.

Ein älterer Mann begründet seinen Gegenprotest wie folgt: „Man darf den Faschisten kein Forum bieten, wo sie ihre völkische, rassistische Ideologie verbreiten können. Die Querdenker sind nicht alle gleich, aber sie dulden, dass die Faschisten den Ton angeben können in ihren Reihen, anstatt sich konsequent davon abzugrenzen.“ Das, was Christian Ziegler zu Beginn der Demo gesagt hat, dass sie sich hier klar abgrenzen von Nazis, nimmt er ihm nicht ab. Aber den Ukrainekrieg sieht er ähnlich wie zahlreiche Teilnehmer:innen der Demo. Er ist für Friedensverhandlungen und weiß auch, hier gibt es nicht nur einen Schwarzen Peter: „Beide Seiten müssen hier zurückweichen von ihren Positionen.“

Sowohl die Demoteilnehmer:innen als auch die Gegenprotestler auf der anderen Seite wollen nur eines: Frieden für Europa

Eine Frau, ebenfalls auf der Gegendemo-Seite, erklärt, sie sei hier, weil sie dagegen protestiert, „dass hier eine ganze Menge Nazis mitlaufen: „Wenn man sich die Schilder anguckt, die sind alle standardisiert schwarz-weiß-rot. Schwarz-weiß-rot sind die Farben der Nazis gewesen. Das hier ist alles irgendwo gesteuert und wahrscheinlich von irgendeiner rechte Organisation unters Volks gebracht worden“, vermutet sie [Anm. d. Red.: Das ist uns selbst bei den Plakaten nicht aufgefallen, siehe Video der Demo] und fährt fort: „Da können noch so viele Esoteriker dabei sein und Impfgegner. Da tummeln sich auch ganz schon viele Nazis drunter.“ Ein Mann an ihrer Seite fügt hinzu: „Wir beobachten das ja schon eine ganze Weile, dass hier in Schwäbisch Hall die Montagspaziergänger schlendern. „Die meinen ja, jeder, der sich gegen Corona impfen lässt, muss verrückt sein. Corona existiert ja gar nicht. Wenn irgendwelche Todesfälle passieren, wird das einfach ignoriert.“ Hier sei es nun eine Mischung aus „ganz normalen Bürger:innen und Neonazis“, welche er bislang beobachtet habe. „Meine Befürchtung ist, dass hier Leute im großen Stil missbraucht und manipuliert werden.“ „Für Frieden und Menscherechte sind wir auch und wir sind übrigens auch das Volk“, ergänzt die Frau neben ihm schmunzelnd. Auch sie sei unzufrieden mit der aktuellen Politik: „Wenn ich viel Geld habe und das ausschütte und am Ende profitieren da mehr Wohlhabende als Bedürftige“, das gehe gar nicht.

„Die Politik, wie sie momentan läuft, geht gar nicht mehr“

Jens Lehbeck, Mitveranstalter der Großdemo sagte gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir haben uns entschieden zu dieser Demo, weil es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Wir müssen unser Stimme erheben. Die Politik, wie sie momentan läuft, geht gar nicht mehr. Wir müssen etwas tun, um diesen Regierungswahnsinn zu beenden.“ Sie kritisieren insbesondere die Waffenlieferungen in die Ukraine und die Coronapolitik. Auf die Frage, ob hier eine Unterwanderung von Nazis stattfindet, sagt uns Lehbeck: „Es wird ganz sicher der ein oder andere unter uns geben, der so denkt. Das können wir nie ausschließen. Aber wir selbst als Veranstalter, das gesamte Team und die Mehrheit, die hier mitläuft, hat dieses Gedankengut nicht mit an Bord. Aber die Regierung spielt uns einfach in die Taschen durch die Sanktionen, die sie macht, die keinen großen Wert haben ausser dass sich sämtliche Preise verteuern. So etwas gibt natürlich ein großes Mobilisierungspotenzial. Wir berufen uns hier auf unsere Grundrechte. Aber wir distanzieren uns von Menschen, die Gewalt provozieren und zu Straftaten ausrufen. Mit so etwas wollen wir auch nichts zu tun haben. Auf die Frage, was er sich wünsche von der Regierung, antwortet Ziegler: „Dass die Politik sieht, dass viele Teile des Volk unzufrieden ist.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Das Stück ist schnell erzählt. Der Mann ist tot“

„Das Stück ist schnell erzählt. Der Mann ist tot.“ So fasst Regisseurin Monika Schumann in dem mit rund 80 Zuschauern voll besetzten Pfarrsaal in Krautheim am Samstag, den 12. November 2022, zu Beginn der Vorstellung „Die Acht Frauen“ den Inhalt der Kriminalkomödie kurz und knapp zusammen. Die Zuschauer lachen. Jetzt könnten sie ja eigentlich wieder gehen.

Angst um die Aktien, ein Liebhaber und eine Schwangerschaft

Aber mit dem vermeintlichen Tod von Harry beginnen erst die Turbulenzen. Denn: Wo eine Leiche, da in diesem Fall auch ein Mörder. Acht Frauen befinden sich in der Tatnacht in dem Haus. Wer aber war es, der ihn zur Strecke brachte?

Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär

Während die Damen sich gegenseitig verdächtigen, kommen immer mehr Beweggründe ans Licht, weswegen jede einzelne von ihnen Gründe gehabt hätte, Harry umzubringen. So wollte Harrys Ehefrau Megan (wunderbar elitär gespielt von Sabine Ries) sich in eben jener Nacht von Harry trennen und mit dem Liebhaber durchbrennen. Megans Mutter, die ebenfalls in dem Haus wohnt (knallhart gespielt von Gabriele Kistner), hat Angst um ihre Aktien, während deren zweite Tochter Deborah (sensationell einfältig gespielt von Gudrun Gasser-Krebs) Harry vermeintlich heimlich anschmachtete. Dazu kommt das aufreizende französische Hausmädchen Louise, die kokette, fordernde Schwester von Harry, Viviane (herrlich divenhaft gespielt von Lisa Hettinger), die bei Harry immer wieder um Geld bettelt, Harrys schwangere Tochter Susann (gespielt von Désirée Metzger), und Nesthäckchen Catherine (zuckersüß dargestellt von Selina Väth). Nicht zu vergessen die liebe, gute, treue Seele des Hauses, Haushälterin Emma (treffsicher dargestellt von Sabine Korb). Na, was glauben Sie, wer war es von diesen Frauen?

Nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum

Eines kann man verraten: Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär. Das Stück lässt kein Auge trocken, denn nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum, wenn etwa die wütende Ehefrau Megan der debilen Deborah an den Kopf knallt: „Ich bin schön und reich und sie ist hässlich und arm.“ Woraufhin Deborah, außer sich vor Entsetzen, eine Dose quer über die Bühne nach Ehefrau Megan schmeißt. Neben Beleidigungen auch noch derberer Natur und Handgreiflichkeiten werden zwischendrin sogar Schüsse abgefeuert.

Wohzimmeratmosphäre

Die Besucher:innen sind dabei hautnah dran am Ermittlungsgeschehen in dieser, wie Regisseurin Monika Schumann es nennt, „Wohnzimmeratmosphäre“. Dazu muss man wissen: Der Pfarrsaal ist nicht allzu groß. Es gibt keine Bühne. Die Schauspielerinnen spielen bei den ganzen Irrungen und Wirrungen nur wenige Zentimeter von ihrem Publikum entfernt. Das  Bühnenarrangement: Zwei Tische, ein Sofa und mehrere Stühle.  Dadurch fühlt man sich als Beobachterin schon fast involviert und rätselt wie Sherlock Holmes bis zum Ende mit, wer es nun schlussendlich war. Aber man leidet auch mit, wenn etwa die böse Grandma trocken zu der armen Deborah sagt: „Nimm doch mal ein paar von deinen süßen kleinen Pillen.“ Oder wenn sich die Frauen gegenseitig im wahrsten Sinne an die Gurgel gehen. Aber die stillen  Gewässer sind tief, das merkt man spätestens dann, wenn die liebe Emma süffisant anmerkt: „Louise ist ein Luder mit dem Ziel, mit dem Hausherrn zu schlafen.“

Schauspielerisches Talent

Man kann kaum glauben, dass Sophie Käfer, die Louise spielt, in diesem Stück ihr Bühnendebüt feiert. Das schauspielerische Talent, sowohl als kokettes Hausmädchen, als auch als vermeintliche amour fou am Ende – Sophie schafft es, alles absolut überzeugend und mit höchstem Witz darzustellen. Ihr Bruder Niklas derweil begleitet die Damen bei ihren drei gelungenen musikalisch Einlagen mit seinem Keyboard und schreibt derweil ebenfalls an einem Theaterstück, das eventuell im nächsten Jahr aufführungsreif sein wird. Sein Bruder ist für die Maske der Schauspieler zuständig. Im Publikum sitzt die Mutter der drei, Elke Käfer, und sieht zum ersten Mal das Stück, das mittlerweile schon diverse Male an verschiedenen Orten aufgeführt wurde. In Krautheim nun das letzte Mal. Sie ist stolz auf ihre Kinder, aber auch Niklas betont, dass ihre Mutter ihnen immer den Rücken bei allem gestärkt habe: „Sie ist unser Organisationstalent, unser Personal Coach, unsere Managerin. Jeder könnte froh sein, so eine Mutter zu haben.“

Was sagen die Zuschauer:innen?

Besucherin Sabine Rössler aus Dörzbach ist begeistert. „Alle haben ihre Rolle super gespielt.“ – „Die unterschiedlichen Charaktere waren echt spitze“, findet auch Jana Fraulob aus Krautheim. Das Stück sei sehr kurzweilig gewesen. „Ich hatte meinen Spaß“, sagt auch Tim Metzger als einer der wenigen Männer unter den Zuschauern. Er könne das Stück auch Männern empfehlen, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Was sagen die Darstellerinnen?

Die Darsteller sind am Ende ihres letzten Auftritts mit ihrem Stück „Die Acht Frauen“ sowohl froh, als auch traurig. Die Besetzung sei charakterlich sehr passend gewählt gewesen, sagt Megan-Darstellerin Sabine Ries. Schwierige Szenen seien die Rangeleien zwischen den Frauen gewesen, verrät sie. Wenn man etwa den anderen schütteln musste. Eine Herausforderung seien die immer wechselnden und komplett anderen Spielorte gewesen. Einmal mit Treppenaufgang, einmal eine Bühne, einemal ohne. In Krautheim nun auf Tuchfühlung mit dem Publikum Emma-Darstellerin Sabine Korb fand das zwar schöner, als auf der Bühne, aber auch schwieriger. Louise-Darstellerin Sophie Käfer war „mega aufgeregt“ vor ihrem Auftritt, weil in Krautheim viele Bekannte von ihr da gewesen seien. Auf ihr schauspielerisches Talent angesprochen, verweist die im wahren Leben eher zurückhaltende Sophie Käfer auf die Regiekünste von Monika Schumann. Die habe das alles aus ihr „herausgekitzelt“. So ist denn auch Monika Schumann „ganz stolz auf die schauspielerische Leistung“ ihrer Darstellerinnen. „Das haben sie sich hart erarbeitet.“

Technik: Chris und Niklas Braun

Niklas Käfer: Musikalische Begleitung und Souffleur

2. Souffleuse: Carola Kramer

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Text, Fotos & Video: Dr. Sandra Hartmann

Deborah (links) und Harrys Ehefrau (rechts) sind sich nicht immer grün. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Schuss, ein Treffer? Haushälterin Emma muss sich während des Stückes auch ablegen. Foto: GSCHWÄTZ

Wie viele Menschen müssen in diesem Stück wohl sterben? Foto: GSCHWÄTZ

Rätsel raten ob des Mörders. Foto: GSCHWÄTZ

 

Am Ende randvoll besetzter Pfarrsaal in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

Wohnzimmeratmosphäre. Foto: GSCHWÄTZ




„Es gab Wetten, dass wir das Stück nie auf die Bühne bekommen“

Am Samstag, den 12. November 2022, stehen „Die Acht Frauen“ von der gleichnamigen Kriminalkomödie das letzte Mal auf der Bühne und zwar in Krautheim (wir berichteten) im Pfarrsaal. Lange haben die Damen für das Stück geprobt. Corona hat ihnen dabei nicht nur einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun führen sie das Stück zum sechsten Mal auf, präsentiert von der StudioBÜHNE – Kulturverein Bad Mergentheim. Ein voller Erfolg auch für Regisseurin Monika Schumann. Dr. Sandra Hartmann hat mir ihr über die Kraft des Theaterspiels gesprochen, über Pleiten, Pech und Pannen bei den Proben und überragende Leistungen ihrer Darsteller:innen.

Viele Proben, an denen nicht alle da waren

Wenn Monika Schumann über ihre Frauen spricht, mit denen sie über ein Jahr lang das Stück „Die Acht Frauen“ einstudiert hat, kommt sie ins Schwärmen. Denn die Widrigkeiten, die ihnen dabei begegnet sind, waren nicht ohne: „Wir sind ja ein Amateurtheater. Die Damen sind alle berufstätig. Es gab viele Proben, an denen nicht alle da waren. Es gab sogar schon Wetten, dass wir das Stück nie auf die Bühne bekommen. Da muss man aber einfach dranbleiben und motivieren.“ Auch der Humor kam nicht zu kurz. „Wir haben viel gelacht bei den Proben.“ Konnte einer nicht mitspielen, soufflierten Niklas Käfer oder Carola Kramer von außen ein. So spielten die Damen auf der Bühne selbst teilweise mit Geistern. Und das bei einem, so Monika Schumann, Klipp-Klapp-Stück. Das heißt, die Dialoge sind wie ein Ping-Pong-Spiel. Zeit zum Überlegen bleibt da nicht. Alles geht Schlag auf Schlag. Das heißt auch: Der Text muss sitzen.

Dem Zeitgeist voraus

„Das war eine Herausforderung für jede einzelne Frau und auch für mich. Aber alle haben das mit Bravour gemeistert“, sagt die 69-Jährige. Herausforderungen prägten auch den Lebensweg der Diplomsozialpädagogin, die im Hauptfach Theaterpädagogik studiert hat. Zuerst war Schumann nämlich ländliche Hauswirtschafterin. Dann holte sie ihre Mittlere Reife und schließlich das Fachabitur nach. Mit 34 Jahren hat sie dann noch studiert – und brachte hierfür teilweise ihre beiden Kinder mit an die Uni in Würzburg – was für die damalige Zeit überhaupt nicht üblich war. Schon damals war sie ihrem Zeitgeist voraus.

Theater hilft, stark zu werden

Seit über 40 Jahren spielt die zweifache Mutter Theater, seit rund 20 Jahren führt sie Regie. In Krautheim leitete sie einst eine Kindertheatergruppe, die an Weihnachten Stücke aufgeführt hat. Die anfangs ängstlichen Kinder seien während der Proben aufgeblüht und aus sich herausgekommen. „Theater befreit und vermittelt Selbstwertgefühl. Man geht dann ganz anders in die Welt“, sagt Schumann. Es helfe einem, stark zu werden.

Frauenüberschuss

Durch den Frauenüberschuss, den sie in der Theatergruppe haben und auch sehr starke Schauspielerinnen dabei seien, habe sie sich für das Stück „Die Acht Frauen“ entschieden. Das Besondere: „Das Stück ist bislang nur von Profis gespielt worden. Daher war es auch dementsprechend schwierig, einzustudieren.“

Jede Frau verkörpert einen ganz eigenen Charakter

Durch Corona sind manche Schauspielerinnnen, weggebrochen und Debütantinnen dazu gekommen. Bei einer davon haben  auch ihre drei Kinder jeweils einen Part übernommen, Sophie Käfer als Darstellerin, Tom Käfer in der Maske und Niklas Käfer als Klavierbegleitung.

Besonders gefällt Monika Schumann die Szene, in der Vivienne, die Schwester des Hausherren auftaucht. Da werde es ein bisschen rätselhaft. Und auch der Anfang, wenn die einzelnen Damen jeder für sich im Lichtkegel beleuchtet werden. Das habe etwas mystisches.

„Wie? Ich soll eine sexy Person spielen?“

Jede Frau verkörpert einen ganz eigenen Charakter. „Wir haben so starke Charaktere, die in ihre Rollen richtig reingewachsen sind.“ Voraus ging dabei eine intensive Rollenarbeit mit Fragen wie: Wer bist Du? Woher kommst du? Was sind deine Ziele im Leben? Die Darsteller:innen sollten sich absolut in ihre Rolle hineinversetzen können. Aber natürlich habe sie vorab geschaut, welche Rolle am besten zu der Darsteller:in passe. Etwa Vivienne. Sie ist eine Tänzerin aus Paris. „Dann muss ich jemand finden, der das auch verkörpern kann.“ Auch wenn anfangs Zweifel da waren bei der ein oder anderen Darstellerinnen nach dem Motto: Wie? Ich soll eine sexy Person spielen?“ Aber Monika Schumann sieht vorher schon, wer für welche Rolle gemacht ist.

Karten für Krautheim

Wer wissen möchte, wer von den Acht Frauen den Hausherrn umgebracht hat, sollte sich die letzte Aufführung am Samstag, den 12. November 2022, in Krautheim im Pfarrsaal um 19.30 Uhr nicht entgehen lassen. Karten gibt für 12 Euro an der Abendkasse oder vorab unter folgender Reservierungsnummer für 10 Euro: 0171/8550 688. Eine Kartenbestellung über reservix.de ist ebenfalls möglich.

Wer Interesse am Theaterspielt hat, darf sich gerne an Monika Schumann wenden: 0171/855 0 688.

Die StudioBÜHNE hat aktuell eine junge Theatergruppe namens: „made for stage“

Text: Dr. Sandra Hartmann

Flyer von der Kriminalkomödie „Die acht Frauen“. Quelle: privat

 




„Kunst sollte sich mehr einmischen“

Wie lange muss eine Banane reisen, um in einem deutschen Supermarkt zu landen? Warum sind wir mitverantwortlich für die Flüchtlingswellen? Was kann jeder einzelne von uns tun, um die Erde wieder grüner zu machen? Hochpolitisch, kritisch, aber auch mit vielen Denkanstößen sind die Gemälde und Skulpturen von Klaus Hub aus Morsbach, die bis vor kurzem noch in der Sparkasse in Künzelsau unter dem Titel: „Kunst trifft Klima“ – Grüne Architektur“ ausgestellt waren. Der Künstler und Restaurator möchte weitermachen mit diesem wichtigen Thema und nun einen Teil der Kunstwerke auf Wanderausstellung schicken.

Inspiriert durch den Jakobsweg

Durch den Jakobsweg, den der 58-Jährige und seine Frau Andrea Engelhardt-Hub mit Freunden seit 2013 immer wieder  etappenweise gegangen sind, habe der Restaurator wieder das Malen angefangen. 100 Bilder und Skulpturen habe er so in einem guten halben Jahr geschaffen. „Diese Reise war so beeindruckend, dass ich das ausdrücken wollte“, erinnert sich Hub.

Durch die vielen anderen Krise gehe das Thema Klimawandel etwas unter, bedauert Hub

Das Thema Klimawandel habe schon eine Weile in ihm geschlummert. Er bedauert, dass das Thema „durch die vielen anderen Krisen“ derzeit etwas untergehe und er bedaure, dass sich nicht mehr Künstler dahingehend ausdrücken. Denn: „Kunst sollte sich mehr einmischen“, findet der Morsbacher. „Man kann auch auf diesem Weg aufmerksam machen.“

Grüner leben

So ist denn auch seine Ausstellung in der Sparkasse, die am Donnerstag, den 20. Oktober sein Ende fand, kritisch, politisch, aber auch lösungsorientiert. So abstrakt seine Gemälde auf den ersten Blick wirken, so konkret ist die Botschaft, die er vermitteln will. Der gelernte Restaurator wirft in seinen Kunstwerken einen Blick auch auf die Symptome des Klimawandels, unter anderem in Form von Flüchtlingsbewegungen, und benennt die Verantwortung des Westens dabei, weil „wir die Dritte Welt ausgebeutet haben“.

„Wir machen unsere Erde selbst kaputt“

Aber auch sich selbst nimmt Hub nicht raus aus seiner Kritik. „Wir machen unsere Erde kaputt. Es fängt bei uns allen an“, sagt er. Jeder könne etwas tun, um den Planeten grüner zu gestalten. Aber, betont der Künstler, „ich möchte keinen anklagen, sondern zum Nachdenken anregen“. Photovoltaik, grüner bauen, wohnen, einkaufen – es gäbe genügend Ansätze, um grüner zu leben, findet der Künstler.

Sparkasse fördert grünes bauen und wohnen

Sparkassenvorstandsmitglied Werner Siller freut sich über die gelungene Ausstellung: „Klimawandel, das ist auch eine Thema, das unsere Sparkasse beschäftigt. Mit unserer Arbeit zum Klimaschutz, mit Finanzierungen von energiesparenden Bau- und Investitionsvorhaben, möchten auch wir zum Klimaschutz beitragen.“

Zur Person Klaus Hub

Klaus Hub wurde am 11. Februar 1964 in Künzelsau geboren, in Morsbach ist er aufgewachsen und hat dort eine Familie gegründet. Als Kind hatte er nur sehr wenig Spielzeug. Vieles hat er selbst gebastelt und gebaut. Von Beruf ist er Restaurator. So hat er schon in diversen Kirchen, Schlössern, Villen und Privathäusern gearbeitet. Mit 55 Jahren hat er seine 80-Stundenwoche reduziert auf eine 40-Stundenwoche und widmet sich seitdem noch mehr seiner künstlerischen Schaffenskraft.

Weiterführende Links über Klaus Hub und seine Arbeit:

Restaurator Hub Konservierung und Restaurierung (restaurator-hub.de)

Ölgemälde reinigen oder Firnisabnahme? Wie Sie teure Fehler vermeiden. – YouTube

Kunst trifft Klima – Grüne Architektur – YouTube

Ausstellungsflächen für Wanderausstellung gesucht

Für seine Wanderausstellung sucht Klaus Hub noch geeignete Räume, um seine Kunstwerke auszugsweise zu präsentieren. Vorstellbar wären Schaufenster von Gewerberäumen, Foyers in Rathäusern oder weitere Unternehmen und Banken, die gerne grün denken.

Kontakt über info@gschwaetz.de. Telefon: 07940/93 555 7. Oder bequem per WhatsApp: 0172/68 78 474. Wir leiten den Kontakt dann weiter.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

Was kann ich selbst tun, um grüner zu leben?, fragt sich auch Klaus Hub. Foto: GSCHWÄTZ

Sparkassenvorstandsmitglied Werner Siller ist begeistert von der Ausstellung. Foto: GSCHWÄTZ

Das Lieblingsbild von Sparkassenvorstand Werner Siller – in der passenden Sparkassenfarbe Rot. Foto: GSCHWÄTZ

Klaus Hub mit seiner Frau Andrea Engelhardt-Hub. Foto: GSCHWÄTZ

Auch mit den Flüchtlingsbewegungen und der Verantwortung des Westens beschäftigt sich Klaus Hub. Foto: GSCHWÄTZ

Immer wieder gibt es von politischer Seite kleine Infusionen, sprich, kleinere Eingriffe, um die Symptome des Klimawandels etwas abzumildern. Aber ob das ausreicht? Foto: GSCHWÄTZ