„Prof. Reinhold Würth hat hier in der Region etwas geschaffen, was einzigartig ist“
Die Bilder von Georg Baselitz erkennt man schon von Weitem, denn sie stehen in der Regel auf dem Kopf. Die aktuelle Ausstellung im Atrium des neuen Würth Museums in Gaisbach lässt die Besucher:innen Kunst daher aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Dr. Sandra Hartmann hat mit Sylvia Weber, der Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe, über die aktuelle Baselitz-Ausstellung gesprochen, über das besondere Verhältnis zwischen dem Künstler und Reinhold Würth sowie über ihren Arbeitsalltag im Hause Würth.
Sein Markenzeichen
GSCHWÄTZ: Frau Weber, was ist das Besondere an der Baselitz-Ausstellung?“
Sylvia Weber: „Wir sind sehr glücklich, dass wir in der Würdigung zum 85. Geburtstag den Besucher:innen im Atrium des Museum Würth zwei alle Facetten des herausragenden Werks von Georg Baselitz aufzeigen können: die Skulpturen, die Druckgrafik und die Malerei. Bereits auf dem Vorplatz begrüßen zwei monumentale Plastiken aus Bronze, tiefschwarz patiniert. Nicht minder beeindruckend sind die 18 Linolschnitte von bis zu knapp drei Metern Höhe aus den 70er-Jahren im Atrium des Museums. Jedes ein Unikat, das Baselitz in den 90ern überarbeitetet hat. Als Maler beeindruckt er natürlich besonders durch die expressive Pinselführung, die kräftigen Farben und die Drehung des Bildmotivs um meist 180 Grad, sein Markenzeichen.“
Auf über 100 Werke angewachsen
GSCHWÄTZ: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Künstler und dem Hause Würth?
Sylvia Weber: Georg Baselitz ist eben nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Künstler, er genießt auch einen hohen Stellenwert in der Sammlung Würth. Das erste Gemälde von Baselitz erwarb Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth bereits vor fast 40 Jahren, 1987. „Zwei Hände vorm Gesicht“ ist zu sehen in der Ausstellung „Weitblick“ im Hauptraum des Museum Würth 2 unter den Herzstücken des Hauses. Inzwischen ist der Block in der Sammlung Würth auf über 100 Werke angewachsen – vorerst 😊, denn Baselitz legt bis heute eine ungebrochene Schaffenskraft an den Tag. Diese Konsequenz, die Entwicklung eines Künstlers über einen so langen Zeitraum zu begleiten, zeichnet Reinhold Würth unter anderem als Sammler aus.
Einzigartigkeit
GSCHWÄTZ: Haben Sie ein Lieblingskunstwerk?
Sylvia Weber: Georg Baselitz hat zahlreiche herausragende Arbeiten geschaffen, da fällt es mir schwer, ein singuläres Werk auszuwählen. Das Phänomen, in allen Facetten der Kunst, Malerei, Drucktechnik und Skulptur, einzigartig zu sein, fasziniert mich.
GSCHWÄTZ: Was sind die diesjährigen Höhepunkte im Kunstjahr 2023 bei Würth?
Sylvia Weber: Das Jahr 2023 gehen wir an allen Spielstätten mit Elan an. Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall entdeckt ab 12. März 2023 in der Ausstellung „Rosenrot – Grasgrün – Quittengelb“ Pflanzengeheimnisse in der Sammlung Würth. Vasen voll prächtiger Sträuße bei Lovis Corinth, Gabriele Münter oder Emil Nolde, blühende Wiesen bei Philipp Bauknecht, Franz Marc oder Alex Katz, verwunschene Künstlergärten bei Max Liebermann, Per Kirkeby oder Andy Warhol, aber auch dystopische Hinweise bei Marc Quinn oder Anselm Kiefer. Ab 03. April präsentiert dann das Museum Würth 2 in Künzelsau als bisher einziger Ort in Deutschland den wunderbaren 90 Meter langen iPad-Fries „A Year in Normandie“ des britischen Meisters der Landschaftsmalerei der Gegenwart David Hockney.
Pflanzengeheimnisse in der Sammlung Würth
Auch in den anderen Häuser wird viel Spannendes zu entdecken sein. „Fähigkeiten! Kunst von besonderen Menschen in der Sammlung Würth“ zeigt das Museum Würth in Künzelsau ab 12. Februar. Den Maler der Grafen von Hohenlohe, Joachim Georg Creuzfelder, entdeckt die Hirschwirtscheuer in Künzelsau ab 4. März wieder. „It’s Terrific!“ – Neue Perspektiven in der Sammlung Würth freuen wir uns ab Juli im Museum Würth 2 in Künzelsau aufzeigen zu dürfen. Und der virtuose Kreuzigungsaltar aus Rimini wird ab Winter in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall zu bestaunen sein.
GSCHWÄTZ: Frau Weber, Sie sind ja schon viele Jahre das Gesicht von Kunst und Kultur bei Würth. Was waren die Höhepunkte in ihrem bisherigen Berufsleben? Wie kann man sich ihren Arbeitsalltag im Bereich Kunst und Kultur vorstellen?
Sylvia Weber: Das Gesicht der Kunst ist die Sammlung Würth, die Häuser und ihre Ausstellungen. Der Unternehmer und Sammler Prof. Reinhold Würth hat hier in der Region etwas geschaffen, was einzigartig ist.“ Mit Freude sei sie stets dabei. Aber, wie schon Karl Valentin sagte: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

















































