Criesbach: Bürgermeister Bauer erschreckt mit Verhalten vor der Wahl
Da hat der Maurer ein Loch gelassen. Da können Sie den Saal verlassen.“ Michael Bauer, Bürgermeister von Ingelfingen zeigt auf die Tür. Udo Schneider, ehemaliges Gemeinderatsmitglied, verlässt die Wahlveranstaltung in Ingelfingens Teilort Criesbach trotz der harschen Worte von Michael Bauer nicht. Der Wahlkampf zu den Gemeinderatswahlen befindet sich im Endspurt, aber in Criesbach zeigt sich: In Ingelfingen liegen schon seit längerem die Nerven blank.

Michael Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
„So kann sich kein Bürgermeister benehmen“
„So kann sich kein Bürgermeister benehmen“, urteilt ein Besucher der Veranstaltung, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Bauer sei laut geworden, Er habe „endlich sein wahres Gesicht gezeigt, so wie er auch öfter hinter den Kulissen“ wäre. Eine „heftige Reaktion“ sei das gewesen, urteilt auch Reiner Furch auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Er kandidiert das erste Mal für den Gemeinderat in Ingelfingen und war ebenfalls auf der Wahlveranstaltung in Criesbach. Auch Mitglieder des TSV äusserten sich erstaunt über die Reaktion des Bürgermeisters. Vorausgegangen war eine Frage über ein mögliches neues Sportheim.
„Die schlechteste Sportstätte im ganzen Hohenlohekreis“
Ein Jugendtrainer von der Fußballabteilung des TSV Ingelfingen wollte von den Kandidaten für den neuen Gemeinderat beziehungsweise von den Fraktionsvorsitzenden wissen, ob der TSV mittelfristig hoffen dürfe auf ein neues Sportheim am Sportplatz. Andreas Hammel, Abteilungsleiter Fußball beim TSV, erklärt gegenüber GSCHWÄTZ: „Das, was wir derzeit haben, ist kein Sportheim, sondern eine Umkleidekabine am Sportplatz.“ Schaue man sich die anderen Vereine in den Städten hier im Umkreis an, habe Ingelfingen „die schlechteste Sportstätte im ganzen Hohenlohekreis“. Er zählt aus dem Stand drei Städte auf, die neue Sportstätten bauen und die die Vereine auch finanziell dabei kräftig unterstützen – wie etwa Künzelsau, Kupferzell und Pfedelbach. Von Bauer sei diesbezüglich lediglich zu bören gewesen: „Wenn es nachher an 10.000 Euro hängen sollte, kriegen wir das hin.“ Nur: Eine neue Sportstätte kostet ein paar hunderttausend Euro. Vor allem die Fußballer fürchten, immer mehr Spieler an umliegende Vereine zu verlieren, die in diesem Punkt mehr bieten können.
Die Fraktionsvorsitzenden nahmen Stellung zu der Frage des Jugendtrainers.
Über die Antwort der CDU-Fraktionsvorsitzenden und Gemeinderatsmitglied Susanne Schmezer zu der Frage des Jugendtrainers sei Bürgermeister Bauer nicht erfreut gewesen. Schmezer verwies laut Besuchern auf den Flyer der CDU. Dort werde ein neues Sportstättenkonzept ebenfalls thematisiert. Darüber hinaus hoffe sie, dass die Stadt hier in Zukunft „klotzt, nicht kleckert“. Bürgermeister Bauer konnte sich eine Reaktion darauf nicht verkneifen und verwies darauf, dass die Stadt klotze, wie man anhand der neuen Turnhalle schließlich erkennen könne. Er verwies aber auch darauf, dass die Fußballer die Turnhalle beziehungsweise die Umkleidekabinen in der Turnhalle nicht immer ordnungsgemäß und sauber verlassen hätten. Es gäbe auch Fotos davon. Was folgte, war damals ein Gemeinderatsbeschluss, der die Nutzung der Turnhalle in dieser Form für die Fußballer untersagte (wir berichteten).
Dr. Ulrich Baum von der Freien Wähler Vereinigung (FWV) zeigte sich zurückhaltender bei seiner Antwort und verwies darauf, dass es für eine Stadt Pflicht, Kür- und Kür-Küraufgaben gäbe. Ergo: ein Sportheim gehöre eher zu den Kür-Küraufgaben.
Karin Hagdorn von der SPD lobt generell die Arbeit von Ehrenamtlichen und betonte, dass sie hinter dem Ehrenamt stehe, äusserte sich darüber hinaus aber nicht weiter zu der Thematik.
Bürgermeister Bauer verwies darauf, dass es ein Konzept gäbe, dass aber alles richtig vorbereitet werden müsse. Udo Schneider erwiderte, dass nicht alles so stimme, was der Bürgermeister sage. Darauf erwiderte Bauer, dass er Schneider gern zu einem Vier-Augen-Gespräch einlade, um ihm zum besseren Verständnis noch einmal die Sachlage zu erklären.“ Es folgte wohl noch der ein oder andere hitzige Wortwechsel, bis der Satz mit dem Maurer und dem Loch in der Wand fiel.
„Rachefeldzug“ gegen den TSV?
Spricht man Udo Schneider auf die Auseinandersetzung in Criesbach an, ist es ihm unangenehm, dass es so hitzig in Criesbach zuging. Aber er macht auch deutlich: „Bürgermeister Bauer hat die jungen Menschen dort herunterlaufen lassen.“ Das habe er schade gefunden. Es sei auch keine Art, die Fußballer wegen einem Vorkommnis aus der Turnhalle auszuschließen. Es habe fast den Anschein, als ob der Bürgermeister derzeit einen „Rachefeldzug“ gegen den TSV fahre.
Auch TSV-Vorstand Bernd Bauer kam schon das ein oder andere Mal auch in jüngster Vergangenheit mit Bürgermeister Michael Bauer aneinander (wir berichteten). Zwischen der Pfarrersfamilie Reinmüller, die mittlerweile die Gemeinde gewechselt hat, und Bürgermeister Bauer soll ebenfalls kein eitler Sonnenschein geherrscht haben. Auch der ein oder andere Gemeinderat soll in der Vergangenheit wegen des Verhaltens des Bürgermeisters hinter den Kulissen freiwillig vorzeitig sein Amt niedergelegt haben.
Wir haben Bürgermeister Michael Bauer um eine Stellungnahme gebeten. Diese steht noch aus.







