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„Besser geht’s nicht“

Freibad oder See oder lieber gar nichts in Coronazeiten? Der Breitenauer See wurde wegen Massenandrangs und nicht erfüllter Coronaregeln geschlossen. Die Stadt Niedernhall hat ihr Freibad erst gar nicht aufgemacht wegen der Flut an Regeln. Wie machen es aber die anderen, die offen haben? Langenburg ist ein kleines feines Freibad, zirka 20 Kilometer von Künzelsau entfernt. Beschaulich liegt es am Ortstand. Viele der Parkplätze im Grünen sind leer, auch die große grüne Liegewiese hat noch viele freie Lücken. Aber das ist in der heutigen Coronaausnahmezeit ein gutes Zeichen. Denn Langenburg hat den Coronastresstest bestanden und hat ein effektives System, damit Besucher hier in Ruhe baden und sich erholen können – ohne einen Massenandrang befürchten zu müssen.

„Pizzeria hier macht sehr leckeres Essen“

„Meine Schwester kommt öfter hierher. Ich bin jetzt das zweite Mal hier“, sagt Andrea Klenk aus Wertheim. Die Pizzeria hier im Freibad mache sehr leckeres Essen, auch die Wasserqualität sei sehr gut. Und man habe hier viel Platz. In Coronazeiten muss man sich in den meisten Freibädern vorab online anmelden. Hier sei dies sehr einfach. „Man kann sich telefonisch anmelden, was man zum Beispiel in Schwäbisch Hall nicht kann.“

„Alle froh, dass wir offen haben“

Doch welche Auswirkungen haben die neue Coronaregeln eigentlich für ein Freibad und seine Mitarbeiter? „Durch die Hygienemaßnahmen hat sich der Alltag sehr verändert“, sagt Arnd Bezold, er ist Bademeister im Freibad in Langenburg. Sehr viel mehr Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen würden derzeit ausgeführt als üblich. Das Freibad hat sich dabei mit anderen Freibadbetrieben rund im Crailsheimer Raum abgesprochen. Sie fahren dabei quasi ein Dreischichtsystem. Die Besucher können sich für die morgendliche Schwimmschicht anmelden, für die Nachmittagsschicht (13.30 Uhr bis 17 bis 30 Uhr) oder für die Abendschicht ab 18 Uhr. Pro Schicht dürfen maximal 250 Besucher in das Freibad. Nur zweimal war laut Bademeister Bezold eine Schicht komplett voll. Es habe noch nie Probleme gegeben, dass Besucher nicht das Freibad nach Schichtende verlassen hätten, sagt Bademeister Bezold: „Die Menschen sind sehr verständnisvoll. Die Besucher sind alle froh, dass wir offen haben.“

Am Ende jeder Schicht müssen alle Besucher das Gelände verlassen

Am Ende einer jeden Schicht müssen alle Besucher das Gelände verlassen. Mittels einer Lautpsprecherdurchsage werden sie darauf aufmerksam gemacht. Dann beginnen die Reinigungsmaßnahmen. Bezold und sein Team reinigen dabei unter anderem die Umkleideräume, die Duschen, die Duschen an den Beckeneingängen sowie die Handläufe an dem gesamten Becken. Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Menschen auf die gebotenen Abstandsregeln hinzuweisen. Zusätzliche Reinigungskräfte verstärken das Team in Langenburg, damit die Reinigungsmaßnahmen „in jedem Zeitblock zu bewältigen sind“, so der Bademeister.

Mittels Lautsprecherdurchsagen muss jeder das Gelände verlassen

Bademeister Bezold hatte zwar zu Beginn der Coronazeit ein mulmiges Gefühl, hier wieder anzufangen, aber „wir hatten uns gut vorbereitet. Wir hatten uns bei anderen Bädern, die schon früher aufgemacht haben, informiert. Wir haben eine Rundreise gemacht in Bayern“ und haben sich Freibäder angeschaut, die bereits wieder aufgemacht haben. Danach haben wir unser Konzept mit dem Gesundheitsamt in Schwäbisch Hall abgestimmt. Und das funktioniert.“

Niedernhaller Freibad bleibt in dieser Saison zu, Bademeister warnt vor den Folgekosten

Dass das Niedernhaller Freibad in dieser Saison wegen der hohen Coronaauflagen geschlossen bleibt, sieht Bademeister Bezold skeptisch: „Man kann eigentlich ein Freibad kein Jahr geschlossen lassen. Der Aufwand, der dann im Folgejahr kommen würde, wäre viel zu hoch. Man muss das Bad nach dem Winter im Frühjahr sauber machen. Das alte Wasser rauslassen, neues Wasser wieder rein. Die Anlage mal in Betrieb nehmen, ob die Leitungen noch in Ordnung sind, die Pumpen, ob die noch alle laufen. Und wenn man das ein Jahr lang gar nicht macht, sind die Foglekosten im darauffolgenden Jahr viel höher, wie wenn man gar nichts macht. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die da manche aufstellen.“

Beheiztes Becken

Renate Hensler (80) und Lore Gröss (89) sind aus Langenburg und kommen oft ins örtliche Freibad. „Wir sind jeden Tag da“, sagt Lore Gröss. „Das Wasser ist immer so schön warm“, sagt Renate Hensler. Das Becken des Langenburger Freibades ist beheizt.Wegen Corona hatten sie keine Bedenken. „Das ist hier alles sehr gut organisiert. Aber viele von den Dauerschwimmern kommen nicht mehr“, bemerkt Renate Hensler.

„Zu viel Dreck in den Seen“

Renate und Franz Lang wohnen nur einen Steinwurf vom Freibad entfernt und sind schon seit Jahrzehnten Besucher. Was hat sich über die Jahre verändert, wollen wir von ihnen wissen. „Das Wasser ist wärmer geworden.“ Das Becken sei zwar schon immer beheizt gewesen, „aber der frühere Bademeister hat es nicht so arg warm gemacht“, findet Franz Lang. An Seen gehen die beiden nicht, weil „in den Seen von Langenburg zu viel Dreck drin ist“.

Trotz des Dreischichtsystems hat das Freibad Langenburg durch die Coronaauflagen weniger Besucher. An einem sonnigen Sommersonntag empfängt das Bad in der Regel zwischen 1.800 und 2.000 Menschen. Nun seien es um die 600. Man merke es schon, dass die Menschen durch Corona zurückhaltender seien.

Doris Schmezer aus Kupferzell ruht sich auf einer Liege inmitten der grünen Freibadwiese aus. „Es ist hier nicht so groß, es ist übersichtlich. Besser geht’s nicht.“

Anmeldung

Mindestens einen Tag vorher sollte man sich im Freibad Langenburg anmelden.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Renate Hensler (80) und Lore Gröss (89) sind aus Langenburg und kommen oft ins örtliche Freibad. Foto: GSCHWÄTZ

„Das Wasser ist über die Jahre wärmer geworden“, sagen Renate und Franz Lang über das beheizte Becken. Foto: GSCHWÄTZ

Doris Schmezer aus Kupferzell genießt die Ruhe in dem Bad. Foto: GSCHWÄTZ

Trotz Corona ins Freibad: GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit Mitarbeiterin und Besuchern des Freibades Langenburg gesprochen. Das Fazit war eindeutig. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Der Katzenkiller-Hund

Vor rund zehn oder 14 Tagen soll sich der Vorwahl ereignet haben, der in Ingelfingen derzeit Stadtgespräch ist. Der Jagdhund von Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer soll beim Gassi gehen eine Katze so schwer attackiert haben, dass sie eingeschläfert werden musste.

Hund war nicht angeleint

Es ist nicht der erste Vorfall, bei dem der Hund durch sein eigenwilliges Auftreten aufgefallen sei, so berichten es mehrere Quellen gegenüber GSCHWÄTZ. Aber es ist wohl der vorläufige Höhepunkt. Ein Überwachungsvideo soll den Vorfall sogar festgehalten haben. Danach hat der Hund, als Bauer mit ihm spazieren ging, eine graue Katze auf einem Privatgrundstück an die Hauswand gedrängt und ihr ins Genick gebissen. Die Katze konnte fliehen, musste aber am Ende eingeschläfert werden wegen ihren Verletzungen. Bauer selbst macht auf den Videoaufzeichnungen wohl ebenfalls keine rühmliche Figur. Der Hund folgt nach dem Katzenangriff wieder seinem Herrchen, der seinen Spaziergang nach dem Vorfall wohl einfach fortsetzte. Der Hund war nicht angeleint.

Kann bisweilen sehr eigensinnig auftreten

Schon öfter, so bericheten es Quellen gegenüber GSCHWÄTZ, haben sich Einwohner beschwert, dass Michael Bauer seinen Jagdhund nicht anleint. Es habe wohl auch schon des Öfteren Fälle gegeben, dass der Hund Katzen angegriffen habe. Auch bei anderen Tieren, etwa im Wald, scheint der Hund kein Halten zu kennen und so könne es vorkommen, dass er mehrere Stunden verschollen bleibe, bis sein Jagdtrieb befriedigt sei. Es soll sich bei dem Hund des Bürgermeisters wohl um die Rasse Deutsch-Drahthaar handeln, ein dunkelbrauner Hund, um die 60cm hoch. Der Deutsch-Drahthaar zeichnet sich durch einen hervorragenden Geruchssinn aus, er ist wachsam, kann aber bisweilen wohl auch recht eigensinnig auftreten. Der Deutsch-Drahthaar benötigt daher eine konsequente Erziehung durch einen erfahrenen Halter, zu dem er im Laufe der Zeit eine enge Bindung aufbaut.

Besondere Einstufung durch den Gemeinderat

Vor mehreren Monaten soll der Jagdhund des Bürgermeisters vom Ingelfinger Gemeinderat wohl als steuerbefreit beziehungsweise steuervergünstigt eingestuft worden sein. Laut der Satzung über die Erhebung der Hundesteuer in Ingelfingen sind „Jagdgebrauchshunde, die von Forstbediensteten, Wildtierschützern oder jagdausübungsberechtigten Personen mit einem gültigen Jagdschein gehalten werden, soweit diese Hunde zur Ausübung der Jagd oder des Jagd- und Forstschutzes eingesetzt werden und erforderlich sind“ von der Hundesteuer befreut. „Die jagdliche Brauchbarkeit des Hundes ist durch eine absolvierte und bestandene Brauchbarkeitsprüfung nachzuweisen.“

Wir haben Michael Bauer wegen des Vorfalls mit der Katze um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort steht noch aus.

Das Ingelfinger Ordnungsamt soll wohl über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden sein.

Das Ordnungsamt schickt Schreiben an Hundebesitzer in Ingelfingen, wenn diese sich (vermeintlich) nicht an geltende Regeln halten. Ob der Bürgermeister ebenfalls ein solches Schreiben bekommt beziehungsweise bekommen hat, ist nicht bekannt.

Michael Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




„Wie ein normaler Mensch – ein Bierchen am Feierabend“

Am Prozessauftakt am Montag, den 06. Juli 2020, um einen 63-Jährigen, der seine Enkelin über Jahre in Dörzbach mindestens 63 Mal schwer sexuell missbraucht haben soll (wir berichteten), konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Angeklagte scheinbar weder verstehen kann, warum seine Frau sich hat von ihm nach 40 Ehejahren vor rund zwei Jahren scheiden lassen, noch, dass seine Tochter ihn angezeigt hat. Zudem wollte er, so gewann man den Eindruck, dem Staatsanwalt wegen der im Raum stehenden Taten widersprechen, sein Anwalt hielt ihn jedoch zurück und betonte, dass sein Mandant keine Angaben zur Sache machen werde.

Aussage Opa gegen Enkelin

Man muss natürlich abwarten, inwieweit Walter W. tatsächlich diesen schweren sexuellen Missbrauch begangen hat. Schuldig ist jemand erst, wenn seine Schuld bewiesen ist. Fakt ist aber: Wenn eine Staatsanwaltschaft keinen hinreichenden Tatverdacht hätte, würde erst gar keine Anklage erhoben. Sicher, die vermeintlichen Taten sind schon einige Jahre her, DNA-Beweise sind daher vermutlich eher unwahrscheinlich. Es steht damit letzten Endes Aussage gegen Aussage. Opa gegen Enkelin. Und da wären wir auch schon beim Thema. Warum sollte eine Enkelin ihren eigenen Opa bezichtigen, wenn die Taten nicht stattgefunden haben?

„Ich bin allein mit allen Schulden geblieben“

Einen Eindruck von dem Opfer konnte man sich bislang nicht machen. Die heute 17- oder 18-Jährige war nicht anwesend beim Prozessauftakt. Ihre Aussage wird aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Aber man konnte sich ein erstes Bild des Opas machen. Walter W. bezeichnete etwa den derzeitigen Kontakt zu seinem Sohn als gut. Auf die Nachfrage von Richter Dr. Martin Liebisch, wie oft sie denn Kontakt gehabt hätten, seitdem der Sohn in Kanada lebt, meinte der Angeklagte, so ein- bis zweimal in den vergangenen zwei oder drei Jahren, seitdem er in Kanada ist. Für Walter W. ist diese Beziehung gut. Sicher, jeder definiert eine gute Beziehung zu seinen Kindern anders. Auch sein Unverständnis für das Auseinanderbrechen seiner Ehe kann von so manch einem Prozessbeobachter nicht nachvollzogen werden. Zwar war er mit seiner Frau fast 40 Jahre verheiratet, aber welche Großmutter und gleichzeitig Ehefrau verzeiht derartige Taten, wenn sie davon erfährt? Walter W. dagegen kommentiert nur trocken: „Ich bin allein mit allen Schulden geblieben.“ Auch scheint er nicht glücklich damit zu sein, dass seine Tochter nichts mehr mit ihm spricht – die Tochter, deren Tochter wiederum das vermeintliche Opfer dieses Missbrauchs ist. Auch bei diesen Umständen scheint sich das Verständnis von Walter W. in Grenzen zu halten.

Der Angeklagte scheint seine eigene Wahrheit zu haben

Der Angeklagte hinterlässt bei den Prozesbeobachtern den Eindruck, dass er insgesamt seine eigene Wahrheit hat, vermutlich auch seine eigene Wahrheit bezüglich der massiven sexuellen Übergriffe. Falls er sich noch zur Sache äussert, darf man gespannt sein, wie er diese Taten erklärt oder ob er sich sogar völlig von ihnen distanziert.

Schulden beim Schwiegersohn

Auch beim Thema Schulden und Alkohol macht Walter W. keine überzeugende Figur. Darauf angesprochen zählt er seine Schulden auf, die er hat beziehungsweise hatte, unter anderem rund 7.000 Euro an seinen Schwiegersohn, davon einen Teil Mietzahlungen. Eine Immobile, die er ursprünglich als Eigentumswohnung gekauft hatte, konnte er nicht mehr abbezahlen und musste sie nach acht Jahren abstoßen. Richter Liebisch befragt Walter W. auch zum Thema Alkohol und ob er viel trinkt. Walter W. winkt ab und verweist auf seine Lkw-Fahrer-Tätigkeit und dass er noch nie seinen Führerschein hat abgeben müssen. Unter anderem bei der Speditionsfirma Rüdinger sei er mehrere Jahre beschäftigt gewesen. Aber auch bei diversen anderen Speditionsfirmen. Sein letztes Monatsnettogehalt betrug zwischen 1.500 und 1.600 Euro. Aber sicher, Alkohohl trinke er, aber nur „wie ein normaler Mensch – ein Bierchen am Feierabend“, in der Garage habe immer ein Kasten mit 0,33-Flaschen gestanden. Da sei er nach Feierbaned einen Stopp eingelegt, habe ein Bier getrunken und sei dann ins Haus. Mehr nicht. Aus den Akten gehe allerdings ein etwas anderer Umgang mit Alkohol hervor, bemerkt Richter Liebisch.

Angeklagter Walter W, am Prozessauftakt am Montag, den 06. Juni 2020. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Seitdem spreche ich nichts mehr mit ihr “ – 63-Jähriger soll Enkelin in mindestens 63 Fällen sexuell missbraucht haben

Im Landgericht Heilbronn wird seit Montag, den 06. Juli 2020, der Fall eines 63-Jährigen verhandelt, der seine Enkelin in mindestens 63  Fällen schwer sexuell missbraucht und einmal vergewaltigt haben haben soll. Die Taten sollen in Dörzbach in der Wohnung der Großeltern stattgefunden haben. In der 15. Großen Jugendkammer fand heute der Prozessauftakt statt. Der Beschuldigte verdeckte sein Gesicht, als er den Großen Strafkammersaal betrat, mit einer Mappe. Der Angeklagte Walter W. hat graumelierte kurze Haare und trug zum Prozessauftakt ein dunkelblaues Hemd, Jeans und blaue dunkle Schuhe.

In der Regel küsste er sie auf den Mund

Die Taten sollen laut dem Staatsanwalt stattgefunden haben, als die Enkelin zwischen sechs und elf Jahre alt gewesen war. Zwischen November 2008 und Dezember 2013 soll der Opa den Mittagsschlaf der Enkelin genutzt haben und ihr ins Schlafzimmer gefolgt sein. In der Regel küsste er sie auf den Mund, knetete ihre Brüste und entkleidete das Mädchen. Daraufhin soll er mit ihr ungeschützten analen Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Die Enkelin ordnete dies in jüngeren Jahren zunächst als normale Beziehung zwischen Opa und Enkelkind ein und ließ, so der Staatsanwalt, „die Taten über sich ergehen“. Mit elf Jahren widersetzte sie sich jedoch dem Großvater bewusst, stieß ihn von sich weg und sagte, dass sie das nicht mehr wolle. Daraufhin habe der gelernte Lkw-Fahrer sie aufs Bett geworfen und abermals ungeschützten analen Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen. Dieser Tatbestand gilt vor Gericht dann nicht mehr länger als sexueller Missbrauch, sondern wegen der klaren Willensäußerung des Opfers als Vergewaltigung. Von weiteren Taten habe Walter W. aber dann Abstand genommen.

„Besonders erniedrigend“

Die von Staatsanwalt Joachim Müller-Kapteina als „besonders erniedrigend“ bezeichnete Taten nahm Walter W. zunächst ohne ein große erkennbare Gefühlsregung hin, als der Vorsitzende Richter Dr. Martin Liebisch ihn jedoch ansprach, um mit ihm eigentlich über sein bisheriges Leben zu sprechen, wollte der Angeklagte schon ansetzen und zu den Vorwürfen des Staatsanwaltes Stellung nehmen, sein Anwalt ergriff jedoch das Wort und sagte, dass Walter W. heute nur Angaben zur Person und nicht zur Sache machen werde.

Dolmetscher wird hinzugezogen

Da Walter W. aus Rumänien stammt, wurde sicherheitshalber ein Dolmetscher hinzugezogen. Walter W. wuchs in Medeas, Rumänien, mit Eltern und zwei Brüdern auf. Er war das so genannte „Sandwichkind“. Seine Mutter war Arbeiterin in einer Fabrik, der Vater konnte wegen einer TBC-Erkrankung bereits mit 48 Jahren nicht mehr arbeiten. Seine Eltern verstarben, als er noch im Wehrdienst in Rumänien war.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes zog er nach Deutschland. Er hatte verschiedene Stellen bei unterschiedlichen Speditionsfirmen als Lkw-Fahrer. Zwischendurch war er immer mal wieder arbeitslos. Mit seiner Frau, mit der er zwei Kinder hat, war er 40 Jahre verheiratet. Vor zwei Jahren verließ sie ihn, was für ihn nicht wirklich nachvollziehbar war. Seine Frau zog zu ihrer gemeinsamen Tochter nach Dörzbach. Walter W. lebt derzeit in Bad Mergentheim.

Mit seinem Sohn, der mittlerweile in Kanada lebe, verstünde er sich gut, sagt Walter W. auf Nachfrage aus. Ein bis zweimal innerhalb von zwei oder drei Jahren hätten sie miteinander telefoniert. Seine Tochter hat ihn wegen der vermeintlichen Vergehen an der Tochter angezeigt. Seitdem „spreche ich nichts mehr mit ihr“.

Am Mittwoch ist der zweite Verhandlungstag. Wenn die heute 17- oder 18jährige Enkelin aussagt, wird dies aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen.

 




„Die Gemüter sind etwas erregt“

Am Mittwoch, den 17. Juni 2020, traf sich die Vorstandschaft der Kreisärzteschaft Künzelsau wegen unterschiedlicher Gründe. Unter anderem wurde auch über das Schreiben der Stadt Künzelsau gesprochen, das die hiesigen Ärzte im Mai 2020 erhalten haben (wir berichteten). Darin heißt es unter anderem, dass die Stadt Künzelsau sich überlege, das Krankenhausgebäude zu kaufen. Um diesbezüglich weiter planen zu können, wollten sie von den unter anderem Ärzten wissen, welche Praxispläne sie für ihre Zukunft haben, auch hinsichtlich Rente, Nachfolgeregelungen und ob sie zufrieden seien mit ihrem derzeitigen Praxisstandort wurden sie gefragt. Wie genau eine mögliche Nutzung des ehemaligen Krankenhausgebäudes ausschauen könnte, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Unterzeichnet wurde es von Christoph Bobrich, dem Wirtschaftsförderer bei der Stadtverwaltung Künzelsau.

„Viele Kollegen fühlen sich ausgehorcht“

Bobrich bat die Ärzte um Rückmeldung. Viele verweigerten diese. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen fühlen sich viele Kollegen hinsichtlich der Offenlegung ihrer Zukunftspläne „ausgehorcht“, so erklärt es Dr. Lilo Wesely-Lany auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Wesely-Lany ist die stellvertretende Vorsitzende der Kreisärzteschaft Künzelsau. Zum anderen sei auch „der Zweck des Schreibens nicht klar ersichtlich“ gewesen. Kurz: Konkret geht anders. „Die Gemüter sind etwas erregt“, sagt Wesely-Lany. Auch sie habe nicht auf das Schreiben der Stadt geantwortet, weil „mir nicht klar wurde, was das soll“. Man hätte, so die Ärztin, „mit offenen Karten spielen können“.

Künzelsaus Bürgermeister sieht das vollkommen anders

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann sieht das indes vollkommen anders. „Das war ein ernstgemeintes Angebot von uns. Wenn man Interesse hat, hat man die Möglichkeit gehabt, sich zu melden. Wir sind gesprächsbereit. Wenn man ein Problem hat, bin ich der letzte ,auf den man darauf nicht zukommen kann“, erklärt das Stadtoberhaupt. Wie viel Ärzte sich zurückgemeldet haben, wollte er gegenüber GSCHWÄTZ nicht sagen, aber er betont: „Mit den Ärzten, die sich zurückgemeldet, sind wir in Gesprächen.“

Auf Nachfrage ist Neumann zu entlocken, dass er verstehen könne, dass ein MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) für viele Ärzte nicht in Frage gekommen ist. Die BBT-Gruppe hatte im Zuge der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses ein solches Konzept für die Kreisstadt angedacht, aber die Ärzte lehnten ab, weil sie nicht in ein Angestellenverhältnis mit der BBT-Gruppe wechseln, sondern weiterhin selbstständig bleiben wollten. Für Neumann völlig verständlich. Daher überlege man nun, dass man Ärzten Räume in Miete anbieten könne – in eben diesem ehemaligen Krankenhausgebäude – als Vermieter könnte die Stadt stehen oder die BBT-Gruppe. Der Kauf des Gebäudes von der Stadt sei nur eine Option von vielen. Aber noch immer wäre ein Gesundheitscampus der Wunsch der Stadtverwaltung. Eins weiß Neumann sicher: „Wir wollen, das etwas passiert.“

„Diese Summe halte ich für überzogen“

Aber wer würde denn die Sanierung und Renovierung des ehemaligen Krankenhausgebäudes bezahlen? Immerhin sprach Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth vor nicht allzu langer Zeit von rund 30 Millionen Euro Kosten. Für Neumann ebenfalls kein Problem, denn „diese Summe halte ich für überzogen“. Auch um die Weiternutzung des Gebäudes mache er sich „überhaupt keine Sorgen, weil das Gebäude nutzbar für verschiedene Optionen ist“.

Scheinbar soll die Stadtverwaltung beim Kauf des Gebäudes nicht vier Millionen Euro, wie zunächst berichtet, bezahlen müssen, sondern erhält vier Millionen bei einem Kauf. Böse Zungen spekulieren, dass diese Summe die Abrisskosten des Gebäudes sind. Beim Bürgermeister nachgefragt, ob die Summe tatsächlich im Raum steht – quasi als Geschenk für die Stadt, wenn sie das Gebäude übernimmt, ist ihm kein „Ja“, aber auch kein „Nein“ zu entlocken: „„Es ist viel zu früh, über irgendwelche Zuschüsse zu sprechen. Eigentlich ist jetzt nicht die Stadt am Zug, sondern die HK (Hohenloher Krankenhaus).“ Nur welchen Zug er damit meint, lässt er offen.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Mitarbeit: Sonja Bossert




Die Stuttgarter Krawalle zeigen, wie verlogen wir sind

Es war gar nicht so lange her, da bestimmte ein Tweet das Weltgeschehen und zwar der Tweet, den sogar Twitter unter offiziellen Verdacht stellte, gewaltverherrlichend zu sein. Er lautete sinngemäß: „First comes the looting, then the shooting.“ Übersetzt bedeutet das so viel wie: Erst kommen die Plünderungen, dann schießen wir. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat dieses Zitat, diese vermeintliche Drohgebärde veröffentlicht, nachdem es in mehrere Bundestaaten zu Plündungern gekommen ist. Der vermeintliche Auslöser war die Tötung eines schwarzen Amerikaners von einem weißen Polizisten. Es gab und gibt in Amerika derzeit massive Massenunruhen. Und in Stuttgart gibt es Krawalle in einem nie da gewesenen Ausmaß. Nicht vergleichbar finden Sie? Nun, dann schauen wir doch mal genauer hin.

Als wir vor wenigen Tagen einen Tweet von unserem hohenlohischen Landtagsabgeordneten Anton Baron veröffentlicht und auch kritisiert haben (Titel: „Fragwürdiger Tweet von Anton Baron“) zu den Stuttgarterer Krawallen fanden es viele unsere Leser absolut unverständlich, warum wir krisitieren, was gesagt gehöre: Dass viele Unruhestifter einen Stuttgarter Migrationshintergrund haben. Das entspricht der Wahrheit. Mittlerweile wissen wir von der Polizei, viele der jungen Randalierer und Menschen, die die Polizei massiv angegriffen haben, haben keine reine deutsche Weste. Es gab aber auch wohlgemerkt nicht minder wenige auffällige Deutsche unter den Tätern. 

Es waren in jedem Fall Menschen, die mit etwas unzufrieden waren und die in einem absoluten Fehlverhalten diese Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten.Aber was bei uns falsch läuft, ist schlicht, dass es eine viel zu große Rolle spielt, welche Nationalität jemand hat, der etwas getan hat. Es gilt doch schlicht und ergreifend: Wir haben Regeln in diesem Land und diese Regeln gilt es einzuhalten. Wenn nicht, müssen Sanktionen folgen – auch wieder ohne Rücksicht darauf, wer derjenige ist, der die Regeln gebrochen hat. Zu den Regeln unserer Gesellschaft gehört der Respekt vor anderen  Menschen und natürlich auch der Polizei und der Umgang mit dem Eigentum anderer. Keiner darf verletzt werden. In Stuttgart zeigte sich auch, dass die Polizei mehr Rückhalt in jeder Hinsicht braucht, dass sie, wenn geboten, auch durchgreifen darf, ohne in eine bestimmte Ecke danach gestellt und womöglich selbst sanktioniert zu werden für ihr Verhalten.

In Amerika scheint vielen zu weit zu gehen, wie die Polizei durchgreift, auch insbesondere bei schwarzen Amerikanern. Auch in Deutschland fürchtet man insgeheim immernoch, wenn man der Polizei mehr Macht gibt, wohin das wohl wieder driften mag. Macht kann man auch missbrauchen, wie wir alle wissen. Die Menschen in in den Vereinigten Staaten demonstrierten und standen auf, weil ein Schwarzer grundlos von einem Polizisten umgebracht wurde. Aber es gab nicht nur friedliche Demos, sondern auch gewalt auf den straßen und Plünderungen. Soweit entfernt ist das nicht von den den Stuttgarter Bildern, wenn wir ehrlich sind. Und während wir nach Amerika schauen und diese Unzufriedenheit verstehen und auch die Plünderungen anscheinend akzeptabel sind, wir einen Präsidenten scharf dafür verurteilen, weil er sic zur Wehr setzen will, notfalls mit der Polizei und dem Militär, verurteilen wir bei uns diese Plünderungen auf Schwärfste und fordern ebenfalls eine stärke Polizei.

Warum haben wir Anton Barons Tweet kritisiert? Er schrieb und war damit nicht allein bei der AfD: „Migrantengewalt müss endlich bekämpft werden.“ Nun überlegen wir mal unsere Doppelmoral: Was wäre gewesen, wenn das ein Donald Trump gesagt hätte? Zum Beispiel mit den Worten: „Die Schwarzen müssen endlich bekämpft werden.“ Schließlich waren auch viele mit Migrationshintergrund bei den Plünderungen in den USA dabei. Stattdessen fragen wir bei den Plünderern in den USA nach deren Motiven und zeigen Verständnis, während wir bei uns diese Perspektive gar nicht einnehmen möchten. Da ist es dann auf einmal richtig, unkritisch Migrantengewalt bekämpfen zu wollen und schon sind alle unsere Probleme gelöst. Gewalt hat Gründe. 

Es sind nicht alle Migranten Plünderer und es sind nicht alle Deutsche Heilige. Aber eins ist klar: Regeln sind Regeln. Und wer sich nicht an die Regeln hält, muss das Spielfeld verlassen

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Baden-Württembergs Artenschutzprogramm für Lehrer & die ewige Unterrichtsdiskussion

Auf seiner Stippvisite durch Hohenlohe (wir berichteten) hat der Ministerpräsident von Baden-Württemberg in Kupferzell auch zum Thema Schulöffnungen Stellung bezogen. Winfried Kretschmann befürwortet die „möglichst weitgehende Öffnung von Schulen und Kindergärten“. Er gibt aber zu bedenken: „Das Problem wird sein: Haben wir genügend Lehrkräfte?“ Es sei Aufgabe von Kultusministerium und Kommunen, möglichst viele Lehrkräfte und Erzieher zu gewinnen, so Kretschmann.

Nur wie soll das funktionieren, so lange Lehrer wie derzeit kaum eine andere Berufsgruppe unter Artenschutz steht? So fällt derzeit laut der baden-württembergischen Landesregierung rund jeder fünfte Lehrer im Schnitt aus, weil er unter die Corona-Risikogruppe fällt. Das bedeutet: Entweder hat diese Person Voererkrankungen, ist schwanger oder ist über 60 Jahre und hat daher die Möglichkeit, von zu Hause aus im home office zu arbeiten oder seinen Lehrerkollegen im Klassenzimmer hinter den Kulissen zuzuarbeiten. Und warum ist das in Covid-Zeiten so? Weil man diese Berufsgruppe nicht anstecken möchte.

Die Übriggebliebenen stemmen die Mehrbelastung

Aber was ist mit all den anderen Berufsgruppen? Wenn man dies in jedem Bereich konsquent durchziehen würde, müssten die übriggebblieben diese Mehrbelastung stemmen, aber nach einer gewissen Zeit würde das nicht mehr funktionieren. Denn wenn vorher 100 die Aufgaben gemacht haben und danach nur noch 80 von ihnen hat das dementsprechende Auswirkungen. Das System würde irgendwann zusammenbrechen.

Kinder sind keine Super-Spreader

Die Krux dabei: Jüngst hat erst eine Studie der Landesregierung gezeigt, dass Kinder (zumindest Grundschulkinder, auf welche sich die Studie bezog) nicht die Super-Spreader sind wie über Monate behauptet, sondern im Gegenteil: Sie übertragen weit weniger den Virus als Erwachsene,weil sie ihn weniger häufig in sich tragen. Doch noch immer hält man am Artenschutz des Lehrers fest. Warum? Haben Lehrer eine besonders starke Lobby hierzulande?

Suche nach Rentnern im Kampf gegen Covid – hier scheint die Ansteckungsgefahr zweitrangig zu sein

Ist es nicht für jede Krankenschwester, jeden Pfleger, jeden Arzt und jede Ärztin, jeder Supermarktkraft, die täglich im Kampf mit Covid an vordersterer Front stehen, ein Schlag ins Gesicht, zu hören, das andere sich dieser Gefahr entziehen können? Hat man nicht erst vor nicht allzu langer Zeit auch in Hohenlohe, einen öffentlichen Aufruf gestartet, dass man auf der Suche auch nach Rentnern ist, die man eventuell gerne für das Gesundheitssystem wieder „reaktivieren“ könnte im Kampf gegen das Virus? Hat hier jemand besonders Rücksicht auf Risikgruppen genommen? Und überhaupt: Wer ist systemrelevanter? Lehrer oder Krankenschwestern? Nun, wir kennen die Antwort inzwischen. Und trotzdem werden manche besser geschützt als andere. Das ist schlicht und ergreifend nicht in Ordnung.

Noch paradoxer wird es, wenn man sich überlegt, was das eigentlich im Alltag bedeutet: Eine Klientel (Krankenschwester) arbeitet weiter während Covid und hat möglicherweise noch Kinder, also auch homeschooling. Wie nennt man das? Ein Job gewollt, zwei bekommen und ungeschützt an allen Fronten. Diese Krankenschwester bekommt dann vielleicht noch ein Schreiben von der Schule ihrer Kinder, dass teilweise die Lehrer ihrer Kinder keinen Präsenzunterricht abhalten, weil sie zur Risikogruppe gehören. Was wohl eine Krankenschwester in so einem Moment denken mag?

Unterricht als Staatsaufgabe? Geschenkt.

Die Schulen waren die mit am längsten geschlossen von allen Einrichtungen – bis vielleicht auf manche Rathäuser. Im Grundgesetz steht: Kinder haben ein Recht auf Bildung. aber wen interessiert das schon in einer Zeit, in der alles außer Kraftgesetzt scheint, was vor wenigen Monaten noch als wichtig erachtet wurde. Wir erinnern uns: Homeschooling war in Deutschland bislang strikt verboten – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern-. Die Bildung des Kindes war in diesem Land vor Corona absolute Staatsaufgabe. Das alles ist nun Schnee von gestern – wie so vieles.

 




„Die Schreie der Kinder werde ich nie vergessen“

Am Montag, den 22. Juni 2020, gegen 14 Uhr 15, meldete ein Ersthelfer der Redaktion GSCHWÄTZ einen Unfall auf der Landesstraße zwischen Niedernhall und Weißbach. Ein Mercedes bohrte sich regelrecht in einen Schulbus. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist bislang nicht bekannt. Laut mehrerer bislang unbestätigter Quellen soll es sich möglicherweise um einen medizinischen Grund der 28-jährigen Fahrerin gehandelt haben, weshalb der Mercedes abdriftete. Laut der Polizei ereignete sich der Unfall gegen 13 Uhr.

Ein Augenzeuge und Ersthelfer berichtete gegenüber GSCHWÄTZ von den „grauenhaften, furchtbaren Bildern“, die sich ihm an der Unfallstelle boten. So etwas habe er noch nie gesehen. Er befand sich nur zwei Autos hinter dem Unfallwagen. „Die Schreie der Kinder werde ich nie vergessen“, sagte der Ersthelfer. Gemeinsam mit einem Arbeitskollegen zogen sie die an der Unfallstelle die zu diesem Zeitpunkt nicht ansprechbare Fahrerin aus ihrem Auto. Die Fahrertüre haben sie hierfür aufbrechen müssen. Geblutet habe die Frau nicht, der Puls und die Atmung seien zu spüren gewesen. Mit einem Rettungshubschrauber ist die junge Frau in eine Klinik nach Würzburg geflogen worden.

Zahlreiche Feuerwehreinsatzkräfte und Rettungswagen, unter anderem aus Künzelsau und Bad Mergentheim, seien an der Unfallstelle vor Ort eingetroffen, um den Geschädigten zu helfen. Der Busfahrer war ebenso verletzt wie auch manche der Kinder, die sich in dem Bus befanden. Erste Meldungen vom Unfallort ergaben, dass drei Kinder wohl leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden sind. Danach wurde die Zahl jedoch auf zehn erhöht, die zur Erstversorgung zum Feuerwehrhaus nach Weißbach gebracht worden sind. Gegen 20 Uhr vermeldete ein Polizeiberichtericht, dass sieben Kinder wegen leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gekommen sind. Es sollen sich zirka 20 bis 25 Kinder sowie Erwachsene in dem Bus befunden haben, als sich der Unfall ereignete.

An der Unfallstelle versammelten sich dementsprechend auch viele Eltern, um nach ihren Kindern zu sehen.

Die Fahrerin muss wohl auf die Fahrbahn des Schulbusses geraten sein, wo die beiden Fahrzeuge dann kollidiert sind. Der Busfahrer soll an der Unfallstelle geäussert haben, dass der Mercedes immer weiter auf seine Seite fuhr und er nicht mehr habe ausweichen konnte.

Die Bergungsarbeiten dauern an. Gegen 18 Uhr schleppte der ADAC den völlig zerstörten Mercedes ab.

Ein Sachverständiger soll nun den Unfallhergang ermitteln. Der Sachschaden wird auf über 100.000 Euro geschätzt.

Die Landesstraße war um 18.30 Uhr noch immer voll gesperrt.

Aufgrund der anfänglich unübersichtlichen Situation an der Unfallstelle bittet die Polizei, Eltern, deren Kinder bei dem Unfall verletzt wurden und ihre Personalien der Polizei bisher nicht mitgeteilt haben, sich beim Polizeirevier Künzelsau zu melden. Telefon: 07940/9400.

Unfall am Montag, den 22. Juni 2020, zwischen Niedernhall und Weißbach: Ein Mercedes rammt einen Schulbus. Foto: GSCHWÄTZ

Die Landesstraße zwischen Niedernhall und Weißbach war mehrere Stunden gesperrt. Foto: GSCHWÄTZ

 




Soziale (Un-)Gleichbehandlung in Corona-Zeiten

Eltern haben sich beschwert beim Schulamt, weil ein Junge scheinbar früher an der Schule in Weißbach unterrichtet worden ist als seine Klassenkameraden, während andere wiederum erst einmal bürokratische Hürden für eine Notbetreuung überwinden müssen (wir berichteten). Ein Kommentar von GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann über soziale Gleichbehandlung in Corona-Zeiten.

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Privat dürfen 10 Personen zusammenkommen, aber öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen erlaubt – Wie passt das zusammen?

Das Regierungspräsidium in Baden-Württemberg hat sich am 26. Mai 2020 auf weitere Lockerungen der Corona-Verordnung geeinigt. So dürfen sich künftig bis zu zehn Personen im privaten Raum treffen und kleine Veranstaltungen sind wieder möglich. Bei privaten Veranstaltungen – wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten – dürfen ab dem 1. Juni in geschlossenen Räumen bis zu zehn Personen teilnehmen.Das teilte das Regierungspräsidium Stuttgart auf seiner Internetseite mit.

Wenn die Veranstaltung im Freien stattfindet, dürfen wegen der geringeren Infektionsgefahr an der frischen Luft maximal 20 Personen teilnehmen. Ab dem 1. Juni sind öffentliche Veranstaltungen mit unter 100 Personen wieder möglich. Voraussetzung ist, dass es feste Sitzplätze gibt und die Hygiene- und Abstandsvorgaben eingehalten werden. Großveranstaltungen über 500 Personen ains ab 01. September 2020 wieder möglich. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/mehr-bereiche-profitieren-von-lockerungen/

Das stellt sich einem die Frage: Wie passt das zusammen? Warum darf man privat nicht mit mehr als zehn Personen zusammenkommen, aber öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen sind ab 01. Juni 2020 wieder erlaubt? Die Antwort gibt die Landesregierung auf ihrer Internetseite selbst: „„Über diese Perspektive gerade für die Kulturschaffenden und Künstler freue ich mich sehr. Denn die Pandemie hat unser Kulturleben fast zum Erliegen gebracht – egal ob Kino, Theater, Konzerte oder Oper“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach der Kabinettssitzung. „Und auch wenn Kulturschaffende tolle Formate im Internet entwickelt haben, können die das Liveerlebnis natürlich nicht gleichwertig ersetzen. Weder für die Zuschauer, noch für die Künstler selbst.“

Fazit: Um die Kulturschaffenden und anderen Veranstalter entgegenzukommen, dürfen sie ab 01. Juni 2020 wieder ran, vermutlich um sie auch wieder finanziell zu stärken. Aber privat darf man nur im Klitzekleinen Hochzeit feiern. Ein einheitliches Corona-Vorgehen in allen Bereichen sieht definitiv anders aus. Aber vermutlich hat der private Bereich einfach eine zu schwache Lobby.

Das Paradoxe: Die Corona-Hotspots sind ja vor allem durch diverse Veranstaltungen wie Konzerte und dergleichen unter anderem in Kupferzell entstanden. Und genau solchen Veranstaltungen öffnet man nun wieder Tür und Tor, während man Kitas, Schulen und den privaten Bereich immernoch am Boden hält. Das muss man nicht verstehen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Private Feiern gehen vorerst nur im Kleinen. Foto: adobe stock